Sonntag, 19. Januar 2014

Die Schönheit von Nordlichtern

Aufnahme aus Norwegen:

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Absurder Geschlechter-Streit

Erstaunlich, wie militante Feministinnen unsere Sprache zum Schlachtfeld machen können.


Beispielsweise, weil "homme" auf französisch nicht nur MENSCH heisst.



In der Aussenpolitik kommt es zum Geschlechterkampf um die «Menschenrechte». Zumindest um den Begriff – und das auch nur um den Französischen. Dort heissen die Menschenrechte «Droits de l’homme» – also eben auch «Männerrechte».


Das passt der grünen Nationalrätin Francine John-Calame (NE) gar nicht. In der Aussenpolitischen Kommission (APK) forderte sie, dass die Bundesverwaltung künftig von «Droits humains» – also menschlichen Rechten – spricht. Und dass der Bundesrat auch auf internationaler Ebene darauf hinwirkt, dass künftig dieser Begriff verwendet wird.
 Die frühere SP-Aussenministerin Micheline Calmy-Rey habe stets die geschlechtergerechte Terminologie benützt, erinnert er sich.Man müsse auch für die Schweiz eine Lösung finden, so Sommaruga. «Kanada zum Beispiel nennt die Menschenrechte ‘Droits de la personne’, das  sei auch eine interessante Idee.»

Lächerlich





Widerstand hingegen kommt von bürgerlicher Seite. «In der Schule habe ich gelernt, dass ‘homme’ sowohl Mann als auch Mensch bedeutet», wundert sich SVP-Nationalrat Maximilian Reimann (AG) über die Debatte.

 «Ich bin gottenfroh, dass sich die Schweiz nun nicht auf internationalem Parkett der Lächerlichkeit preisgeben muss», freut er sich, dass der Antrag – mit 11 zu 7 Stimmen bei drei Enthaltungen – abgelehnt wurde.

SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel (SG) doppelt nach: «Ich habe im Waadtland, in Marseille, in Paris und in französischsprachigen afrikanischen Ländern gearbeitet. Einen solchen Unsinn habe ich selbst von den grössten Hardcore-Feministinnen noch nie gehört.» Das sei auch logisch, heisse doch selbst der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg «Tribunal des droits de l’homme».

 Tausende Wörter hätten zwei und mehr Bedeutungen, meint Büchel. «Das ist halt so und stört Dutzende Millionen Frauen französischer Muttersprache nicht.»




Mit dem Kopf durch die Wand

Für John-Calame ist das Thema aber nicht vom Tisch. Sie will nun in der ständerätlichen Schwesterkommission jemanden finden, der ihren Antrag dort einbringt.
Sagt auch die ständerätliche APK Nein, will John-Calame in der Frühlingssession im Nationalrat selber eine Motion einreichen.
Quelle: Blick-online

Kommentar: Es ist unglaublich, wie mit allen Mitteln versucht wird, mit der Sprache Geschlechterkampf zu betreiben. Mit ihrem lächerlichen Vorstoss gräbt   Francine John das Kriegsbeil im Geschlechterkampf wieder aus, das wir in den letzten Jahren endlich begraben glaubten, weil die Vernunft alle unsinnigen Anliegen von militanten Feministinnen in Schach halten konnten.


Wir sollten den Geschlechter allmählich überwunden haben. In der Sprache gibt es nun mal Worte mit mehreren Bedeutungen.
Sonst müssten wir in der deutschen Sprache auch das Wort "man" streichen. "Man" könnte ja nicht nur "alle" heissen, sondern es könnten ja damit nur die Männer gemeint sein:"Mann". Sollen wir deshalb künftig sagen: "Frau" rechnet mit einem Wetterumschwung? Statt "Man rechnet mit einem Wetterumschwung". Ob dies jederMANN versteht, Sorry: Ob dies jederFRAU versteht?


NACHTRAG:

Zum CHAOS bei den Stellenausschreibungen:

Vor wenigen Jahrzehnten stand  bei den Stellenausschreibungen  die männliche Form für beide Geschlechter. Nach der Emanzipation der Frauen musste auch die weibliche Form verwendet werden. Bei Ausschreibungen ist es heute ein MUSS, beide Geschlechter anzusprechen.  Dies führte zwangsläufig zu einem erschwerten Lesefluss. Am besten wirkt immer noch die Ausschreibung, wenn die weibliche, wie auch die männliche Form ausgeschrieben wird. Dabei wird die weibliche Form meist der männlichen vorangestellt, wie bei der Anrede "Meine Damen und Herren" oder wie  immer noch im Restaurant bei einem feinen Essen die weiblichen Gäste immer noch zuerst bedient werden.
Heute akzeptiert der Duden noch zusätzlich die Formulierung
Schulleiter (in) im Plural Abteilungsleiter/-innen.
Die Version mit dem Schrägstrich wirkt  eleganter. 
Oft weichen Personalchefs  auf die allgemeine Form aus: "Fachperson".
Leider lesen wir immer noch unmögliche, abartige Formulierungen:

Beispielsweise  die Formulierung mit dem grossen I.  Obschon man sich eigentlich schon längst davon verabschiedet haben sollte:

ProjektleiterIn   

Auch die Abart mit dem Schrägstrich ohne Bindestrich hat zugenommen:


Schulleiter/in


Obschon diese Schreibweise nach Duden ebenfalls falsch ist, schlechter aussieht und zudem schwerer lesbar ist, wird sie vielerorts angewendet. 

Erstaunlicherweise nimmt eine neue Unart überhand. Die Formulierung:


Projektleiter (w/m)
oder
Projektleiter (W/M) 
 
Damit ist weiblich/männlich gemeint oder Weiber/ Männer?

In einem lesenswerten ALPHA Beitrag hat jüngst René Gauch auf die groteske (einfältige?) Buchstaben - Vielfalt hinter der Berufsbezeichnung hingewiesen. Das angerichtete Chaos veranschaulichen folgende unsinnigen Varianten:

(in), /in, (w/m), w/m, m/w,

(m/w), (W/M), (M/W)


KOMMENTAR:

Gefragt ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand. Trennen wir uns von allem Unsinnigen! Es lohnt sich bei den Berufsbezeichungen die deutschen Sprache wieder ernst zu nehmen und die Forderung nach VEREINFACHUNG durchzusetzen. Vereinfachen ist ein wichtiges Element des VERSTEHENS!

LINK:
Feministische Sprache, Linguistik. ... Zum Gebrauch von weiblichen Personenbezeichnungen. (Siehe auch Sexistische Feministische Rhetorik...
www.rhetorik.ch/Feministisch/Feministisch.html
27. Sept. 2013 ... Der Schriftsteller Bernhard Lassahn geht in einer Kritik an geschlechter-korrekter Anrede im Focus 38, 2013 noch weiter als üblich: er ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/13/09_27a/

Samstag, 18. Januar 2014

Schumi und die Medien Teil 6

Nach der Informationspause

meldet sich nun 18 Tage nach dem Unfall  ein Neurologe:

Schlechte Vorzeichen

Offizielle Informationen zum Gesundheitszustand der Formel-1-Legende sind spärlich. Zuletzt hiess es, der Zustand sei kritisch, aber stabil. Sicher ist: Michael Schumacher liegt 18 Tage nach dem Horrorunfall immer noch im Koma.
Für Neurologe Erich Riederer ein schlechtes Zeichen: «Komapatienten versucht man üblicherweise nach zwei bis drei Wochen aufwachen zu lassen, nachdem die Narkosemittel langsam zurückgefahren worden sind.» Dass dies noch nicht passiert sei, deute auf eine gravierende Hirnverletzung hin. «Der Ausgang ist völlig ungewiss, Schumacher könnte noch Monate im Koma liegen», sagt Riederer.
Je nach Art und Schwere der Hirnverletzung müsse Schumacher nach dem Aufwachen mit motorischen und kognitiven Einschränkungen rechnen, etwa mit Lähmungen, Sprechstörungen, Lese- oder Rechenschwierigkeiten. «Es kann sein, dass er für die kleinsten Handlungen Hilfe braucht», erklärt der Neurologe. Zudem würden Patienten mit vergleichbaren Hirnverletzungen eine Wesensänderung durchmachen. «Schumacher wird nicht mehr der Gleiche sein.» Es könne zu Introvertiertheit oder sogar aggressivem Verhalten kommen. «Das ist für die Angehörigen oft sehr schwierig.» Wie gross das Rehabilitationspotenzial sei, könne erst nach dem Aufwachen beurteilt werden.



KOMMENTAR:

Die Aussagen des Neurologen sind  eine Mischung von
Spekulation, Prognosen und teils auch Fakten.
Für den Leser ist es aber nicht möglich, dieses zu unterscheiden.

Alle Fachleute, die sich bemühen, das Image von Schädel-Hirn-
Verletzten in der Öffentlichkeit zu verbessern, möchten
solche Aussagen nicht lesen. Es gibt da einige Zirkel,
vor allem in der Schweiz, die sich sehr darum bemühen.

Experten - ausser den Grenoblern und vielleicht dem engsten Kreis - wissen nicht, welche Strukturelemente im Gehirn
unwiederbringlich geschädigt sind. Die einzig zulässige
Aussage von Externen wäre daher höchstens Folgende:
Wir haben wenig Informationen. Deshalb können wir nur sagen:
"Am Ende ist alles möglich. Jede Voraussage über das,
was das Gehirn von M. Schuhmacher" noch einmal leisten
wird, ist für Aussenstehende -auch für Experten- nicht möglich."

19 Tage nach dem Unfall gehen die Spekulationen weiter:

 Ärzte aus der ganzen Welt (die den Fall nicht genau kennen) melden sich zu Wort. Der Tenor ist meist der gleiche: «Es wird noch lange dauern. Nicht Tage oder Wochen, sondern Monate!»
Dies macht einmal mehr bewusst, dass die Grenobler Aerzte nicht Schweigen dürften.
Was wir am 19. Tag  im Bild lesen können:
Michael Schumacher liegt nach seinem Skiunfall am 29. Dezember in Méribel (Frankreich) immer noch mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma im künstlichen Koma. Wann die Ärzte ihn aus der tiefen Narkose aufwecken, ist immer noch unklar. Für genaue Prognosen sind Schumis Hirnverletzungen zu schwer und kompliziert. Doch Sabine Kehm, die seit 14 Jahren für Schumacher arbeitet, sagt: „Michaels Zustand wird weiterhin als stabil angesehen." In diesem Satz fehlt erstmals das Wort "KRITISCH". Der Satz stammt aber nicht von Aerzten! Kehms Information ist für mich keine offizielle Information. 
Dafür gibt es aus den kleinsten Details eine Geschichte:
Gibt es jetzt ein Zeichen der Hoffnung? Bergretter im 125 Kilometer entfernten Skigebiet Méribel haben sein Glücksarmband gefunden! lesen wir im BILD:
Wie der französische Radiosender „France Bleu Isère“ berichtet, grub einer der Retter das Armband, angeblich ein Shamballa-Holzperlen-Armband, nahe der Unfallstelle im Tiefschnee aus. Schumi war am 29. Dezember ohne diesen Glücksbringer ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Es konnte weder im Rettungshubschrauber noch im Krankenwagen gefunden werden. Deshalb hatte sich jetzt eine Gruppe von Rettern zusammen getan, um den Pistenabschnitt noch einmal gründlich nach dem Talisman (angeblich ein Geschenk von Schumis Ehefrau Corinna) abzusuchen.
Im Neuschnee zwischen den beiden Pisten „Chamois“ und „Biche“ der Fund: Schumis Glücksarmband!



„Wir haben mehrere, unabhängige Quellen, die uns den Fund bestätigt haben“, sagt Léopold Strajnic, Chef-Redakteur des Lokalradio-Senders, gestern zu BILD. Schumacher ist bekannt für seine Glücksbringer-Leidenschaft. Auch bei Formel-1-Rennen hatte er oft Talismane (z.B. Amulett, Haifischzahn-Kette, Armband) dabei.
KOMMENTAR: Ohne professionelle Informationen werden nun auch esotherische Themen bemüht.


(Quelle: 20 Min)

Es folgen weitere typische Hypothesen von  einer externen Stimme:
Ich zitiere aus Focus:
 Hans-Jakob Steiger, Medizinprofessor an der Düsseldorfer Universitätsklinik, sieht Schumachers Zustand kritisch, vor allem da er bereits drei Wochen im Koma liege: "Je länger dieser Zustand andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Zweitinfektion kommt", wird Steiger bei "rp-online" zitiert. Die Folge könnten Entzündungen der Lunge, der Bauchspeicheldrüse oder anderer Organe sein. "Das ,künstliche Koma' ist mit seiner hypothermischen Komponente eine Verzweiflungstat der Medizin. Aus den internationalen Leitlinien ist sie deshalb auch wieder verbannt worden", so Steiger weiter.

 

Freitag, 17. Januar 2014

Zu den Seitensprüngen der Politiker

Mächtige Männer und ihr heimliches Liebesleben

An Affairen mit Politikern mangelt es nicht. Die Liste ist recht lang:
Bill Clinton, dem mit seiner Praktikantin Monika Levinsky ein Verhältnis hatte. Für Clinton war beim Verhör Oralverkehr kein Sex. Seine Frau hielt trotz des Seitensprungs zu ihrem Mann und Clinton verstand es - dank enormem Aufwand - vor der Kamera erhärtete Sachverhalte zu beschönigen.

Auch bei Horst Seehofer nahm ihn seine Frau trotz Affaire mit Annette Fröhlich - die sogar noch ein Kind von ihm gebar - wieder auf. Er musste lediglich seiner Frau versprechen, den Kontakt mit der Geliebten abzubrechen. 

Arnold Schwarzenegger führte ebenfalls ein Doppelleben. Es stritt aber den Seitensprung mit der Geliebten Mildred B. ab. Als dann durch einen dummen Zufall  die Sache ans Tageslicht kam, brach Schwarzenegger ein. Als Politiker war er nicht mehr tragbar.

Die Liste von Politikern mit Liebesaffairen könnte beliebig verlängert werden:
Ich denke nicht nur an Hollande, der zuerst Sarkozy beim Wahlkampf dessen Affaire mit Carla Bruni vorwarf, worauf dieser später mit einer fiesen Lästerattacke  den Rivalen Hollande lächerlich machte mit seinem Fremdgeh- Besuchen (Bilder als Motorradfahrer auf der Fahrt zur Schauspielerin Julie Gayet). Andere Vorgänger haben ebenfalls über die Stränge gehauen: Mitterand mit einer halboffiziellen Maitresse. Chirac mit einer  AFP Reporterin.


 

Für die Medien geben Seitensprünge der Politiker stets attraktive Geschichten, die sich  gut vermarkten lassen.

Nicht nur die Regenbogenpresse und die Boulevardmedien sind an Skandalen, Affairen und Sexgeschichten mit Politikern interessiert. Alle Medien wissen genau: Skandale sind für die Verleger spannend und lukrativ. Sie werden gelesen. Sie erfüllen die klassischenVoraussetzungen für die Sensationspresse: Es geht um Personen, ist etwas Ungewöhnliches. Es geht auch um Emotionen und Sex.

Weshalb sind Politiker denn so dumm und handeln so unbedacht?

Politiker sind keine Uebermenschen. Sie unterliegen wie andere  der Last der Lust.

Die Versuchung zu einem Seitensprung ist  bei ihnen enorm gross. Denn: Macht ist für Frauen sexy.  Macht macht  anderseits auch einsam. Der Politiker muss gar nicht wie Cloony aussehen. Die Aura der Macht betört viele schöne Frauen und auch den Politiker selbst. Kommt dazu, dass der politische Alltag unterkühlt ist.
Der Wunsch nach kuscheliger Wärme ist   für die mächtigen Männer recht gross.
Leider verbrennt dann das hormonelle Störfeuer bei vielen Politikern auch den gesunden Menschenverstand. Liebesabenteuer machen bekanntlich  blind.

Ich rate deshalb Politiker immer, im Umgang mit Medien, auf Homestorys zu verzichten. Die Trennung Privates/Beruf macht sich  im Alltag stets bezahlt, vor allem in heiklen Situationen.

Wenn dann aber eine Geschichte doch  ans Tageslicht kommt, gelten die Prinzipien der Krisenkommunikation: Nie lügen! Mit geradem Rücken offen zur publizierten Affaire stehen. Selbstverständlich muss nicht alles gesagt werden, was wahr ist. Aber was gesagt wird, muss immer stimmen. Es gilt stets, Sachverhalte transparent zu machen. Bürgern stösst es sauer auf, wenn ein Politiker abtaucht und seine Seitensprünge vernebelt.

Viel besser ist es jedoch, es nie soweit kommen lassen. Als Mann der Oeffentlichkeit müsste sich jeder Politiker stets seiner Verantwortung  - seiner Rolle -  bewusst bleiben. Nicht in allen Breitengraden denken die Stimmberechtigten so, wie  die italienische Bevölkerung. Dort zeigten recht viele Bürger Verständnis  für ihren Bunga-Bunga Politiker. Es gab Italienerinnen und Italiener, die sogar noch stolz waren auf ihren potenten Staatschef.


LINKS:


Nachdem in den Medien von verschiedenen Skandalen die Rede war, (siehe die unter www.rhetorik.ch/Aktuell aufgelisteten Beiträge zu Fischer, Daum, Aliesch ...
www.rhetorik.ch/Skandal/Skandal.html
22. Apr. 2002 ... Medien, Skandale,Journalismus, Skandaljournalismus.
www.rhetorik.ch/Medienskandale/Medienskandale.html
Medienrhetorische Aktuell Beitraege auf rhetorik.ch.
www.rhetorik.ch/Aktuell/Skandal.html

Donnerstag, 16. Januar 2014

Apfelbaum BILD-RHETORIK

BILDER SAGEN MEHR ALS WORTE

Wenn nun Kontrahenten mit dem analogen Bild überzeugen wollen: Wie wirken diese Bilder?

Apfelbaum-Wirrwarr

Quelle Tagi-online
SVP und Economiesuisse liefern sich vor der Einwanderungsinitiative ein Duell – mit Apfelbäumen. Das Chaos scheint perfekt.
1/6 Ein SVP-Plakat gegen die sogenannte Masseneinwanderung wirbt für die Annahme der SVP-Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung», aufgenommen am Sonntag, 12. Januar 2014, in Effretikon.
Bild: Steffen Schmidt/Keystone

   

Symbole sind in der politischen Kommunikation wichtig. Indem sie verkürzen und emotionalisieren, vermitteln sie auf einen Blick Positionen und Traditionen. Beispiele sind die lachende Sonne der AKW-Gegner oder SVP-Geissbock Zottel. Aktuell dominiert ein anderes politisches Symbol auf Plakaten und in Zeitungsinseraten: Ein Apfelbaum, an dessen Ästen pralle, rote Früchte hängen. Im Text dazu geht es je nachdem um die «bewährten Bilateralen», um die «SVP-Abschottungsinitiative» oder darum, die «Masseneinwanderung zu stoppen». Zu sehen ist der Baum, wie er seine Wurzeln um die Schweiz schlägt oder wie er von einem Holzfäller umgelegt wird. Manchmal steht er auch einfach da. Um die Weihnachtszeit hatte er Schnee auf den Ästen.
Kurz, es herrscht Verwirrung. Wer wirbt hier eigentlich für was? Und wer hats erfunden? Ein Anruf bei Economiesuisse ergibt Folgendes: Der Wirtschaftsdachverband hat den Apfelbaum im Jahr 2000 zum ersten Mal ins Spiel gebracht. Seither hat Economiesuisse mit dem Symbol immer wieder für die Bilateralen geworben. Ende 2013 holte man das Sujet für die Kampagne gegen die SVP-Masseneinwanderungsinitiative aus der Schublade. Mitte Dezember konterte die SVP mit dem Wurzelplakat. Anfang Jahr doppelte Economiesuisse mit dem Holzfällerinserat nach. Auch, weil die politischen Alliierten an der Wirksamkeit der ursprünglichen Bäumchen-Plakate zweifelten. Diese hätten in einem derart hitzig geführten Abstimmungskampf zu wenig Biss.


SVP-nahes Motiv

Zumindest die Chronologie ist also geklärt, nicht aber das Bedeutungswirrwarr. Der Apfelbaum ist bereits symbolisch aufgeladen – als Baum der Erkenntnis in der Bibel. Economiesuisse setzt ihn allerdings als Fruchtbarkeitssymbol ein: Die Schweiz, ein reiches Land, dank der Bilateralen. Ungünstigerweise ist ein Apfelbaum jedoch ein SVP-nahes Motiv; man verbindet damit Bauern und Heimat. Dessen sei man sich bewusst, heisst es bei Economiesuisse. Man wolle diese Assoziationen aber nicht kampflos der SVP überlassen. Aus diesem Grund kämen die neuen Apfelbäume denn auch im Emmentaler Scherenschnitt-Stil daher.
So weit, so verzwickt. Mit dem Wurzelplakat ist der Betrachter allerdings definitiv überfordert. Beim SVP-Sujet greifen die Wurzeln des Baums nach der Schweiz und beschädigen sie sogar. Der Slogan dazu: «Masslosigkeit schadet». Übersetzt heisst das ja nichts anderes als: Die Schweiz (der Baum) greift die Schweiz an – und Wohlstand ist schlecht. Dass SVP-Bundesrat Ueli Maurer noch im Herbst am Schwing- und Älplerfest verlauten liess, dass ein Baum bei Sturm starke Wurzeln haben müsse, erleichtert die Interpretation nicht. Besagter Holzfäller auf dem neusten Economiesuisse-Inserat macht das semiotische Chaos dann perfekt: Der Mann ist einem Hodler-Gemälde entliehen. Selbst wenn einem das bekannt ist, müsste man auch wissen, dass SVP-Stratege Christoph Blocher Hodler-Sammler ist.
Laut Economiesuisse ist der Holzfäller der Abschluss der Baumkampagne. Man behalte sich allerdings vor, auf etwaige gegnerische Apfelbäume zu antworten. Die SVP verweist derweil auf den Wahltag. Dann müssten die Schweizer über den Apfelkrieg entscheiden, so Nationalrat Adrian Amstutz. Leichter gesagt, als getan. Sieht der Wähler doch den Wald vor lauter Bäumen nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

KOMMENTAR: Plakate und deren Wirkung sind wahrnehmungspsychologisch interessant. Man sieht das Plakat in Vorbeigehen nur wenige Sekunden und die Bilder  wecken bei allen Personen Assoziationen. Ich habe mich bei  einigen Leuten erkundigt, was die Ausschaffungs GEGNER und Ausschaffungs - BEFUERWORTER Plakate aussagen. Dabei hat sich gezeigt, dass immer nur jene Palakate gut geheissen wurden, welche  die eigenen Meinung stützen. Das BILD BAUM wird aus meiner Sicht bei dieser Kampagne zu sehr strapaziert.
Die zu starken Wurzeln, die unser Land schädigen und die visualisierte Gefahr der Abschottung mit dem gefällten Baum (in Anlehnung an Blochers Hodler Bild). Beide Plakate wirken in der Aufmachung ähnlich. Beide Seiten wollen den Gegner mit der eigenen Waffe schlagen. An vielen Orten sind die beiden Plakate nebeneinander zu sehen. Dies signalisiert uns optisch eine Patt-Situation. Auch die Begriffe "Masseneinwanderung" und "Abschotten" sind von beiden Seiten rhetorisch geschickt gewählt. Obschon es Initiativen schwer haben, die Hürde zu einer Annahme zu schaffen - obwohl die SVP gleichsam allein auf weiter Flur gegen die Economiesuisse Werbemacht und den mobliliserten Bundesrat antritt (und alle SVP Gegner auf den Plan ruft) - obschon es bei allen Abstimmungen ein Sockel NEIN  von 10 % gibt - obschon bei allen Kampagnen, gegen Ende der Mobilisierung, der Nein-Anteil wächst, so wäre ich dennoch bei dieser Initiative nicht überrascht, wenn der NEIN Anteil gar nicht mehr so eindeutig ausfällt, wie es die jüngste Umfrage prognostiziert. Ich habe mich umgehört und viele Stimmen gehört, die eigentlich die Ausschaffungsinitiative in dieser Form ablehnen, aber dennoch ein Zeichen setzen möchten und deshalb ein JA in die Urne legen werden. Ich würde mich somit nicht wundern, wenn die Ablehnung viel  knapper ausfällt, als vorausgesagt.
Uebrigens: Vom Apfel hat niemand etwas geschrieben. Eva hatte Adam mit einem Apfel in Versuchung gebracht. Wir könnten uns somit auch die Frage stellen: Wem gelingt es mehr, den Gegner in Versuchung zu bringen und die eigene Meinung zu verleugnen? On verra!

NACHTRAG 20 Min:

«Die Apfelbaum-Plakate haben eine ganz andere Tonalität als frühere Sujets», sagt Kampagnenspezialist Mark Balsiger. Die milderen Töne passen zu einem generellen Stilwandel: Seit der Niederlage bei den nationalen Wahlen 2011 verzichtet die SVP weitgehend auf provokative Kampagnen und Attacken auf andere bürgerliche Parteien – und ist so auch wieder zum Erfolg zurückgekehrt.
Fraktionschef Adrian Amstutz schliesst nicht aus, dass seine Partei irgendwann wieder pointierter auftritt. Doch im Fall der Zuwanderung sei das gar nicht nötig: «Es braucht keinen Schrei von uns – den machen die Leute selber.» Die Bevölkerung spüre jeden Tag die Auswirkungen der Massenzuwanderung am eigenen Leib. Die Kampagne sei deshalb darauf ausgerichtet, die Leute an ihre täglichen Erfahrungen zu erinnern und sie an die Urne zu bringen.
 

Mittwoch, 15. Januar 2014

Doris Leuthard: Das mit den erhöhten Billettpreisen in Stosszeiten haben Sie wohl nicht ernst gemeint?

Es scheint kein Aprilscherz zu sein:


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Wer zu Spitzenzeiten Zug fährt, muss vielleicht schon bald tiefer in die Tasche greifen. 
  
 UNGLAUBLICH, FALLS ES ERNST GEMEINT WAERE!

Im Bahnverkehr sind weitere Preiserhöhungen absehbar. In der «SonntagsZeitung» kündigte Verkehrsministerin Doris Leuthard Preiserhöhungen für 2017 an. Zusätzlich will Leuthard flexiblere Billettpreise ermöglichen, um die vollen Züge während den Spitzenzeiten zu entlasten. Damit wird klar: Berufspendler müssen auch bei einem Ja zum Bahnausbaupaket Fabi in Zukunft mehr bezahlen, wenn sie in den Stosszeiten unterwegs sind. Die Idee: Wer die Bahnkapazitäten morgens und im Feierabendverkehr belastet, soll für die gleiche Strecke mehr zahlen, als wer tagsüber oder spätabends unterwegs ist.

Kommentar: Wer ein Billett löst, zahlt den Transport für eine bestimmte Strecke. Falls es Doris Leuthard wirklich ernst wäre mit den Sonderpreisen zu Stosszeiten, würde dies zwangsläufig zu einem Preischaos führen. Wer nämlich unverhofft  später heimreisen muss und ungewollt zur Stosszeit im Zug sitzt, würde trotz bezahltem Billett bestraft, weil man den Aufpreis im Zug nicht mehr nachzahlen kann. Die Umsetzung der Preisunterschiede ist der Bevölkerung  nicht nachvollziehbar Das mit dem flexiblen Billett ist  ein Schuss ins Ofenrohr. Meine Prognose: Damit hat die Verkehrsministerin die SBB Kunden vor den Kopf gestossen und hat vor der Abstimmung dem Bahnausbauprojekt unnötigerweise geschadet. Die uneinheitlichen Taxen werden die Pendler wieder auf die Strasse bringen.   Frau Bundesrätin, wenn Sie uns die Stosszeiten konkret definieren, könnten wir Ihnen alle Billettvarianten beschreiben, die möglich sind für Normalreisende, alle Varianten die beim Lösen der Billette Kopfzerbrechen bereiten  könnten. Erklären Sie uns bitte , wie Sie das geplante Preischaos konkret zu entwirren gedenken. Ueberall wird die Devise empfohlen: VEREINFACHEN IST DIE HALBE MIETE! Was Sie nun vorschlagen, ist das Gegenteil dessen: Das geplante Billettpreiswirrwarr ist ist nicht nur eine halbe, sondern wirklich eine GANZE  BIERIDEE.

Dienstag, 14. Januar 2014

Grenzen der Satire?

VIEL LAERM UM NICHTS?
ODER BERECHTIGTER LAERM UM EINE RASSISTISCHE KULTURTECHNIK?

Im Sketch mimte Birgit Steinegger Talkmasterin Oprah Winfrey, malte sich dafür schwarz an. Das brachte dem SRF massiv Kritk ein. Selbst der Direktor war damit nicht zufrieden.

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 Für den Sketch über die amerikanische Talkmasterin Oprah Winfrey und «Täschligate» erntete das SRF heftige Kritik.
Der Sketch über die amerikanische Talkmasterin Oprah Winfrey, der im Schweizer Fernsehen am 29. Dezember im Rahmen des «Endspott»-Jahresrückblicks ausgestrahlt wurde, löste bei Kulturschaffenden Empörung aus. Auch Fernsehdirektor Ruedi Matter ist mit dem Sketch nicht ganz zufrieden, wie er am Dienstag einräumte.
Im Sketch nahmen die Fernsehmacher die «Täschligate»-Affäre um Oprah Winfrey aufs Korn. Die millionenschwere Talkmasterin hatte sich nach einem Besuch in einer Zürcher Luxusboutique beklagt, dass sie diskriminiert worden sei.

«Blackfacing» sei eine rassistische Kulturtechnik

Parodistin Birgit Steinegger trat im Sketch mit schwarz angemaltem Gesicht, Kraushaar-Perücke und dicken Lippen als Frau Nogumi auf, die das Personal einer Boutique ins Schwitzen bringt.
Mehrere Kulturschaffende schrieben daraufhin einen Protestbrief ans SRF und drohten mit einer Anzeige wegen Verletzung der Anti-Rassismus-Strafnorm. Sie verurteilen vor allem das «Blackfacing», also das Schwarz-Anmalen von weissen Künstlern, in der sie eine grundsätzlich rassistisch geprägte Kulturtechnik sehen.

«Freiheit der Satire verteidigen»

Wie SRF-Direktor Ruedi Matter am Dienstag an der SRF-Jahresmedienkonferenz sagte, ist er selber nicht ganz glücklich mit dem Sketch. «Grundsätzlich muss die Freiheit der Satire verteidigt werden», sagte er. Generell sehe er beim SRF kein Problem mit der Satire und allfälligen Diskriminierungen einzelner Gruppen.
Dieses aktuelle Beispiel sei aber «sicher nicht das Lustigste und auch nicht das Beste, das wir im vergangenen Jahr gezeigt haben».

Anzeige bleibt Thema



Für Raphael Urweider, Präsident der Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) und Mitautor des Protestbriefs, ist eine Anzeige gegen das SRF immer noch Thema, wie er auf Anfrage der SDA sagte.
Die Kulturschaffenden würden auch gerne mit den TV-Machern über Satire diskutieren. «Ich selber habe gerne Humor, sehr gerne auch unkorrekten. Aber bitte etwas reflektierter.»
(sda)

KOMMENTAR:

In zahlreichen Beiträgen haben wir diese Thematik vertiefend kommentiert: Darf die Satire alles? Nach der Kritik am "Blackfacing" stellen wir einmal mehr fest: Die Anti-Rassismus-Strafnorm war ursprünglich nicht so eng gedacht, wie sie heute zum Teil ausgelegt wird. Die Gegner des Gesetzes befürchteten damals: Künftig wird - auf Grund dieses Gesetzes die Meinungsfreiheit enorm eingeschränkt. Jeder, der am Biertisch einen unkorrekten Spruch macht, könnte künftig eingeklagt werden. In Fall Birgit Steinegger stelle ich mich explizit auf den Standpunkt: Das Blackfacing bedeutet nicht in jedem Fall eine Verletzung der Anti-Rassismus- Bestimmungen. Auch bei dieser Frage ist gesunder Menschenverstand gefragt.
Wenn am Fasching - oder auf der Bühne  ein Kabarettist - einen Schwarzen mimt, sollte Blackfacing erlaubt sein. Wer das Gesetz zu engmaschig auslegt, leitet nur Wasser auf die Mühle jener Kreise, die prognostizierten, künftig sei es möglich, jede Person einzuklagen, die von einem Moorenkopf redet oder das geflügelte Wort: "Er ist der Neger im Umzug" ausspricht.
Deshalb: Hände weg von einer zu engmaschigen Auslegung des Gesetzes. Bei der Satire müsste nach wie vor gelten: Die Meinungsfreiheit hat Vortritt!