Freitag, 1. November 2013

Eine Falschaussage wird zum Bumerang

Die Folgen einer Wissenslücke vor Mikrofon und Kamera:

Verkehrministerin Doris Leuthard trat in der Arena als Botschafterin für die Preiserhöhung der Vignette auf. Sie wollte die Medien für Ihre Argumentation nutzen. Eine Wissenlücke  genügte und  machte das Ziel ihres Auftrittes zu Nichte. eine Falschaussage wird nun  zum Bumerang.
Der Patzer wird wohl  recht viel beitragen zur Ablehnung der Vignettevorlage.
Der Vorfall macht uns bewusst, dass wir einen Medienauftritt immer gut vorbereiten müssten.
Die Folge des verbalen Ausrutschers wird nun von den Lastwagenchauffeuren genüsslich ausgeschlachtet - mit enormer Medienwirkung. Ich zitiere 20 Min:


«Nur für dich»



LKW-Fahrer veräppeln Doris Leuthard

Auch LKWs bräuchten Vignetten, behauptete Bundesrätin Leuthard. Sie lag falsch. Chauffeure aus dem Kanton Luzern gehorchten trotzdem und druckten sich gleich selber Vignetten.



Seit dem 31. Oktober 2013 sind in der Schweiz auch LKWs mit Vignetten unterwegs - selbst wenn sie keine bräuchten. Denn Lastwagen bezahlen ihre Gebühren über die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe.
FAZIT: Eine Falschaussage  vor Mikrofon und Kamera kann verheerende Folgen haben. Die Wissenslücke der Verkehrsministerin konnte ausgeschlachtet werden und ist damit für Doris Leuthard zum Bumerang geworden.


Einmal mehr hat mich Lutz Jäncke beeindruckt

Lernen benötigt Stimulation

An der Weiterbildungsveranstaltung der Schulen VIVENTA in der Stadt Zürich (unter der Direktorin Pia Kasper) sprach diese Woche der renommierte  Neuropsychologe und Neurowissenschaftler  der Universität Zürich Lutz Jäncke über:


Interaktion zwischen VERTRAUEN, OFFENER KOMMUNIKATION und einer
MOTIVIERENDEN LEHR- und LERNKULTUR






Bei allen Präsentationen, Vorlesungen und Auftritten schätze ich bei Lutz Jäncke seine Präsenz, seine Begeisterungsfähigkeit, sein enormes Wissen, vor allem seine frei vorgetragenen, verständlichen, bildhaften Gedanken.



Was mir bei diesem Input vor über 200 Lehrkräften erwähnenswert geblieben ist:


EMOTIONEN - BILDER - GESCHICHTEN  verstärken das Lernen!

Unser Gehirn vernetzt und speichert das Wissen dank dieser Stimulanz schneller!

VERNETZUNG ist das Zauberwort!

Gefühle, Erfahrungen fördern das Lernen

Wissen muss verkoppelt werden!

Wir lernen, was stimuliert.

Es ist nicht in erster Linie die Begabung, die uns weiterbringt. Es ist die MOTIVATION, vor allem die interne SELBST MOTIVATION.

Wer lernen will, macht die Hausaufgaben früher, hat weniger Absenzen und lernt rascher.

Lernen benötigt ZEIT. Lernen benötigt Kraft und Power.

SELBSTDISZIPLIN - AUFMERKSAMKEIT/ACHTSAMKEIT - WIEDERHOLUNGEN sind keine Hohlformeln.

Lutz Jäncke bestätigte mir im persönlichen Gespräch, dass das Gehirn gefordert werden will.
Er bestätigte meine Beobachtung bei meiner Tätigkeit: Ich kenne viele ältere Personen, die das Gehirn auch im Alter fordern, die ständig NEUES lernen und das Gehirn nicht pensionieren lassen. Dass wir als gesunde Menschen bis 20 Minuten vor dem Tod immer noch lernen können ist für viele neu. Vor Jahren ging man davon aus, dass das Denken und Lernen ab 50 Jahren schrittweise nachlässt.

Etwas vom Wichtigsten ist für mich die BEGEISTERUNGsfähigkeit für eine Sache.

Das Publikum hat bei Lutz Jäncke erleben können, was es heisst, von einer Thematik selbst begeistert zu sein. Er hat es vorgelebt.

Fazit: Ich kann als Lehrender kein Feuer entfachen, wenn es in mir nicht brennt!

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Auswahl der schönsten Herbstbilder

Diese Aufnahme aus dem Lötschental gefiel mir besonders gut -

liegt doch unser Refugium Salmenfee auf gleicher Höhe. Dies beeinflusste sicherlich meine Wahrnehmung.






Mittwoch, 30. Oktober 2013

Weshalb die Familieninitiative von den Stimmberechtigten aller Parteien angenommen werden könnte

In allen Parteien hat es Befürworter

Quelle 20 Min: Aufstand des Mittelstandes: Experten glauben, dass viele Mittelschichtseltern für die SVP-Familieninitiative stimmen werden, weil sie zunehmend unter Druck geraten.

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Höhere Mieten, Krankenkassenprämien und Steuern - der Mittelstand gerät zunehmend unter Druck.


Die SVP liegt mit ihrer Familieninitiative, die am 24. November zur Abstimmung kommt, gut im Rennen. Laut der ersten SRG-Trendumfrage wurde sie Mitte Oktober von 64 Prozent der Befragten unterstützt. Nur 25 Prozent würden ein Nein in die Urne legen. Das Volksbegehren fordert, dass in Zukunft auch jene Eltern einen Steuerabzug geltend machen können, die ihre Kinder selber betreuen.

Gerade bei Mittelstandsfamilien kommt die Initiative sehr gut an, wie das Forschungsinstitut gfs.bern in seiner Umfrage herausgefunden hat. Denn der Mittelstand ist unter Druck geraten. «Vor vierzig Jahren war es für eine Mittelstandsfamilie mit zwei Kindern normal, sich ein Haus und ein Auto leisten zu können», sagt gfs-Projektleiter Lukas Golder. Heute sei das schwierig: «Die Krankenkassenprämien, Steuern und Wohnkosten sind gestiegen», so Golder.
Auch ein Haushalt mit einem Einkommen von 8000 Franken müsse nach der Geburt eines zweiten Kindes jeden Rappen zweimal umdrehen. So zeigt der gfs-Familienmonitor Mittelschichtsfamilien 2013, dass sich die finanziellen Bedingungen für diese Bevölkerungsgruppe in den letzten drei Jahren fast durchwegs verschlechtert haben. Für die Studie wurden 1000 Mittelschichtsfamilien befragt.
«Viele Mittelstandsfamilien fühlen sich als Milchkühe, es gibt eine Empfindung des Abstiegs», sagt Golder. Deshalb sei jetzt jedes Angebot attraktiv, das ihre Situation verbessert, egal woher es komme. «Ganz nach dem Motto: Jetzt sind endlich wir mal dran!»
Mittelstandsfamilien schauen pessimistisch in die Zukunft

Wie der Familienmonitor zeigt, sorgen sich besonders junge Familie, solche mit mehr als einem Kind, einkommensschwache und Mittelschichtsfamilien aus der Deutschschweiz oder dem urbanen Raum stärker um ihre ökonomische Zukunft als noch vor drei Jahren. Sie befürchten, dass Krankheit, abnehmende Arbeitsplatzsicherheit und Zuwanderung ihre eigene finanzielle Situation verschlechtern könnte.
Auch der liberale Think-Tanks Avenir Suisse kam in einer Studie Ende letzten Jahres zum Schluss, dass der Mittelstand zunehmend unter Druck gerate und unter einem «gefühlten Abstieg» leide. Einerseits hole die Unterschicht bei den Reallöhnen auf, andererseits ziehe die Oberschicht davon. Zwar könne sich der Mittelstand heute mehr Güter leisten als vor zwanzig Jahren. Doch der relative Statusverlust nage am Selbstverständnis des Mittelstands.
Die Studienautoren stellten weiter fest, dass sich der soziale Aufstieg schwieriger als früher gestalte. Vor allem der obere Mittelstand sehe sich «durch das Wirken der staatlichen Umverteilungsmaschinerie um die Früchte seiner Arbeit betrogen», schrieb Avenir Suisse-Direktor Gerhard Schwarz.

KOMMENTAR:
Die Steuerprogression ist heute ein zentrales Problem bei der Frage nach Krippenplätzen. Erzielt nämlich eine Mutter  - dank höherem Teilzeitpensum - einen so grossen Lohn, dass die Prämienverbilligungen bei der Krankenkasse oder bei den Krippenplätzen entfällt, lohnt sich ihre externe Arbeit nicht mehr. Die staatlichen Umverteilungsmechanismen fressen das zusätzliche Einkommen weg. So ist es wohl nicht verwunderlich, wenn alle Vorlagen Familieninitiativen aus Protest aus Kreisen aller Parteien zustimmen. Wie gespalten die Meinungen sind, hat sich bei der CVP gezeigt.

Ich zitiere 20 Min:




Auch die CVP-Volksinitiative «Für Ehe und Familien – gegen die Heiratsstrafe», die letzte Woche vom Bundesrat zur Annahme empfohlen wurde, geniesst ähnlich breiten Rückhalt.

In der Vergangenheit hat der unter Druck geratene Mittelstand andere Vorlagen bereits massgeblich beeinflusst. Die Ausschaffungsinitiative oder die Kampagne gegen Sozialhilfebetrüger seien auf fruchtbaren Boden gefallen, weil sich die Mittelschicht nach unten habe abgrenzen wollen. Dies sagte Christoph Müller, Generaldirektor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialforschung M.I.S-Trend, in einem Interview mit 20 Minuten. Auch das Ja zur Abzockerinitiative sei eine Abrenzung nach oben und ein Zeichen des Protests gewesen.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Konflikt-, Kritik und Streitkultur

Beim Lösen von Konflikten, beim Kritisieren und Streiten

gilt generell:


Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
Prinzip: Das «Vier-Augen-Gespräch». Persönliche Kritik sollte immer zunächst unter vier Augen erfolgen. Hätte Roland Müller mit. René einen Termin vereinbart ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/05/11_04/schulpraxis.pdf

C'est le TON qui fait la musique (Das WIE ist wichtig)

Meine EINSTELLUNG zum Gegenüber ist ausschlaggebend

Der Start des heiklen Gespräches ist die halbe Miete (Bin ich LOCKER?- Distanz?- Winkel? - Blick als Brücke zum DU - Smalltalk) 

Immer: FAKTEN BESCHREIBEN - nicht vermuten, auch nicht etwas unterstellen oder Fakten interpretieren

KURZ den Sachverhalten schildern und Kritik oder Problem AUF DEN PUNKT BRINGEN


Möglichst RASCH reagieren

FRAGEN statt sagen (Fragehaltung)

Aktiv ZUHOEREN (Aussagen spiegeln)

UNTER VIER AUGEN Konflikte austragen, kritisieren und streiten

DIREKT statt indirekt kommunizieren (Dialogisch)

Wann und Wo (Zeit und Ort bedenken)

HARVARD PRINZIP anwenden: Hart in der Sache - aber freundlich mit dem Gegenüber. Ich verstehe Dich - bin aber nicht einverstanden!

Schriftlich loben - mündlich kritisieren

Das WICHTIGSTE habe ich auf dem eingeschweissten Kärtchen zusammengefasst. Nachfolgend zur Vertiefung einige LINKS:
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LINKS zum Themenkreis "UMGANG MIT KONFLIKTEN"

7. Apr. 2000 ... Konflikte, Spannungen, Konfliktarten. ... Im Alltag bei der Teamarbeit dominieren folgende Konfliktarten: Sach-oder inhaltliche Konflikte ...
www.rhetorik.ch/Konflikt/Konflikt.html
Konfliktursachen im Team, Konfliktbewältigung, Kommunikation im Team.
www.rhetorik.ch/TeamKommunikation/Team.html

Konflikthandhabung - Rhetorik.ch

7. Apr. 2000 ... Konflikte, Spannungen, Konfliktarten, Konflikt loesen.
www.rhetorik.ch/Konflikt/Konflikthandhabung.html - Im Cache - Ähnliche Seiten



Spitäler haben Teams im Operationsaal oder in Pflegebereichen, auf der Intensivstation, bei der Physiotherapie, aber auch in der Küche oder bei ...
www.rhetorik.ch/Fit/Fit.html

Wenn sich ein Redner auf dem "dicken Eis" bewegt, so ist es ein beliebtes Spiel, den Sprechenden auf das "dünnere Eisfeld" zu bewegen. Denn der "Gegner ...
www.rhetorik.ch/Provokativ/Provokativ.html

Beleidigungen verletzen. Denn sie sind eine Herabwürdigung. Juristisch gesehen haben Beleidigungen bei Klagen konkrete Folgen. So gibt es in Deutschland ...
www.rhetorik.ch/Beleidigung/Beleidigung.html
Deshalb möchten viele Leute lernen, wie man noch taktloser zurückschlagen kann, wenn man beleidigt worden ist. Wir haben festgestellt, dass Personen, die  ...
www.rhetorik.ch/Schlagfertig/Schlagfertig.html
Das deutsche Strafgesetzbuch sagt im Paragraph 185 über Beleidigung: "Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, ...
www.rhetorik.ch/Beleidigung/Beispiele.html

Situation: Sie melden ihrem Vorgesetzten, dass die Arbeit viel mehr Zeit braucht, als vorgesehen war. Sie sagen dem Chef, dass sie letzte Woche jeden Tag ...
www.rhetorik.ch/Unfair/Unfair.html
Der folgende Katalog über "unfaire Dialektik" dient aber auch dazu, Diskussionen in den elektronischen Medien fundierter zu beurteilen. Ferner liefern sie ...
www.rhetorik.ch/Unredlich/Unredlich.html

25. Dez. 2009 ... Arbeit im Team, Emotionale Intelligenz, Vertrauensgespraech, Problemgespräche.
www.rhetorik.ch/Problemloesung/Techniken.html
LINKS zum Themenkreis "Umgang mit KRITIK":



Kritikgespräche führen gerne zu langwierigen Konflikten. Beim Kontrollieren - Beurteilen - Kritisieren ist das "Wie geredet wird" ausschlaggebend. Links: ...
www.rhetorik.ch/Kritik/Kritik.html

4. Nov. 2005 ... Was wir beim Kritisieren beachten müssen: Vor jedem Kritikgespräch benötigen wir einen positiven Einstieg (Anwärmphase, die nicht gespielt ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/05/11_04.html
15. Juni 2002 ... Bei Kritikgesprächen, Beanstandungen, Reklamationen, ist das Gespräch unter vier Augen zwingend. Das Fehlen von nonverbalen ...
www.rhetorik.ch/EKommunikation/EKommunikation.html
Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
Beurteilungs- und Kritikgesprächen bewährt. Auch bei schlechten Nach- richten oder Wünschen ist er enorm. Rita bittet ihren Lebenspartner Karl, nur noch 70 ...
www.rhetorik.ch/Harvardkonzept/fitimjob.pdf
Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
Vor jedem Kritikgespräch benötigen wir ei- nen positiven Einstieg (Anwärmphase - die nicht gespielt ist). Die Beziehungsebene muss beim Kritisieren stimmen ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/05/11_04/schulpraxis.pdf

LINKS zum Themenkreis STREITKULTUR:

29. Juni 2002 ... Bestimmte Formulierungen provozieren, verwirren, verspannen, verhindern Verständigung und verursachen sinnlosen Streit. Es gibt aber auch ...
www.rhetorik.ch/Streiten/Streiten.html

29. Juni 2002 ... Auch eine Fernsehsendung des WDR, die im Laufe des Monates Juni 2002 unter dem Titel "Wissenschaft und Streit" einige Male wiederholt ...
www.rhetorik.ch/Streiten/Streiten.html
Wir streiten konstruktiv. Unter vier Augen, mündlich, fragend, direkt, ... Streiten- aber wie? Kritisieren- aber wie? Informieren- aber wie? Gerüchtekommunikation  ...
www.rhetorik.ch/.../Kommunikationsklima.html

Das "in die Gegenrichtung gehen" heisst Dissozieren. Dissoziationstechniken befähigen, Konflikte und Angriffe nicht persönlich zu nehmen, Abstand zu nehmen ...
www.rhetorik.ch/Dissoziation/Dissoziation.html

Bei der Metakommunikation wird die Art und Weise, wie Sender und Empfänger miteinander umgehen beleuchtet. Das Gespräch wird verlassen. Der Prozess ...
www.rhetorik.ch/Metakommunikation/Metakommunikation.html
Metakommunikation. Über die Art des Gesprächsstiles reden. Das 'Wie' der Kommunikation analysieren. Zu erkennen geben, dass die Beleidigung als solche ...
www.rhetorik.ch/Beleidigung/Beleidigung.html

10. Febr. 2007 ... Verhaltensverbesserungsgespräche, Kritikgespräche, Streitgespräche oder Beanstandungen eskalieren oft. Besonders in Stresssituationen ...
www.rhetorik.ch/Deeskalation/Deeskalation.html

Montag, 28. Oktober 2013

Kontraproduktiv

Das geht zu weit Christoph Mörgeli!

 Ich zitiere 20 Min:



Kommentar: Ich vermisse das Einfühlungsvermögen Mörgelis. Die Empathie kann man nicht im Kiosk kaufen. Der SVP leistet Nationalrat Mörgeli einen Bärendienst. Diese Empörung - zur falschen Zeit - am falschen Ort - ist kontraproduktiv.

Blick:

Nach F/A-18-Absturz SVP-Mörgeli macht Stimmung gegen Deutsche


Hüst und Hot - keine gutes Prinzip

Jacqueline Fehr: 
Zuerst beim Rücktritt von der Politik das eindeutige JA - nun gilt der angekündigte Rücktritt angeblich doch nicht.


In der Politik gibt es  immer wieder  Windfähnchenverhalten.
Zu krasses Eiertanzen wird  von der Oeffentlichkeit nicht geschätzt.
Hier ein Beispiel im Tagi-online:


Fehr kündigt Rücktritt von Rücktritt an

Im letzten Jahr gab Nationalrätin Jacqueline Fehr ihren Rückzug aus der Politik bekannt. Doch nun hegt die SP-Politikerin Ambitionen auf ein anderes Amt.

«Der Ständerat würde mir gefallen»: Jacqueline Fehr.

«Der Ständerat würde mir gefallen»: Jacqueline Fehr.
Bild: Keystone

Im Februar 2012 gab SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr ihren Rücktritt bekannt. «Das ist meine letzte Legislatur.» 2015 werde sie 17 Parlamentsjahre hinter sich haben. «Ich bin der Meinung, dass man auch mal wieder gehen und anderen Platz machen muss», so Fehr damals. Doch jetzt kündigt Fehr den Rücktritt vom Rücktritt an. «Ja, ich möchte politisch aktiv bleiben», sagt sie im Interview zu «SonntagsBlick».
In welcher Funktion sie weitermache, möchte Fehr mit ihrer Partei besprechen. Auf eine mögliche Ständeratskandidatur angesprochen, sagt sie: «Der Ständerat würde mir gefallen, weil überparteiliche Lösungen dort noch mehr im Zentrum stehen.» Auch eine Regierungsratskandidatur im Falle eines Rücktritts von SP-Frau Regine Aeppli schliesst Fehr nicht aus.
«Bis jetzt gibt es keine Vakanz, damit stellt sich die Frage nicht. Sollte sich das ändern, werde ich mir das überlegen. Da ich in der Politik gerne an konkreten Lösungen arbeite, reizt mich eine Regierungsarbeit zweifellos.»

KOMMENTAR: In der Oeffentlichkeit wirkt dieser Rücktritt vom Rücktritt schlecht.
Der Leser hat das Gefühl, die Politikerin bereue den Entscheid des Rücktrittes und es könnte vermutet werden,  Jacqueline Fehr müsse nicht aus Begeisterung an der Politik, sondern aus finanziellen Gründen weiterarbeiten.
Das Hin und Her wirkt jedenfalls alles andere als überzeugend.
Schade! Denn Jacqueline Fehr hatte ich immer wieder hinsichtlich ihrer Rhetorik gelobt. 

Felix Schindler zitiert mich im TagesAnzeiger vom 29.11.13 nach unserem Telefongespräch:

 «Nicht nur in Deutschland, auch in der Schweiz gehört es zur politischen Kultur, dass Politiker nicht Wort halten.»

«Natürlich muss man seine Meinung ändern können. Etwa, wenn sich die Sachlage anders entwickelt. Aber Jaqueline Fehrs Kehrtwende ist schon krass. Sie hat versprochen, der Politik den Rücken zu kehren. Dass sie jetzt nicht Wort hält, wird bei den Stimmberechtigten ein schales Gefühl hinterlassen. Sie schadet damit ihrer Glaubwürdigkeit. Das könnte sich rächen, wenn sie das nächste Mal zu einer Wahl antritt.»

«Ich kann es nicht nachvollziehen und frage mich, ob sie das Geld braucht oder die Aufmerksamkeit der Medien.»

Nicht-Wahl als Fraktionschefin: «Das war ein Rückenschuss. So etwas trifft einen. Ich gehe davon aus, dass Fehr damals am Boden war und aus dieser Enttäuschung heraus ihren Rücktritt angekündigt hat. Sie hätte damals zuerst den Schlag zuerst verdauen und eine Auslegeordnung vornehmen sollen, bevor sie öffentlich solche Äusserungen macht.»


(Dies ist das Zitat, das ich nach dem Telefongespräch  abgesegnet hatte.)

«Das hinterlässt ein schales Gefühl»

SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr erklärte am Sonntag ihren Rücktritt vom Rücktritt. Für Kommunikationscoach Marcus Knill ist das Wortbruch. Mehr...
Von Felix Schindler, Edgar Schuler. Aktualisiert um 11:26



LINKS:

Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
SP-Vizepräsidentin Jacqueline Fehr, dass es sich lohnt, immer wieder die gleiche Botschaft in unzähligen Variationen zu wiederholen. Text: marcus Knill* ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/09/02_08/02_09.pdf


Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
Jacqueline Fehrs Selbsterkenntnis nach herber Niederlage. Nach der gescheiterten Wahl als Fraktions- präsidentin suchte Jaqueline Fehr Erklärun- gen und ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/13/03_02/02_13.pdf

"Seine Verachtung für Leute, die Kompromisse machen, geht tief und ist nicht gespielt", sagt die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr. Christoph Blocher ...
www.rhetorik.ch/Blocheranalyse/facts.html


«Das hinterlässt ein schales Gefühl»

Von Felix Schindler, Edgar Schuler. Aktualisiert um 11:26
SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr erklärte am Sonntag ihren Rücktritt vom Rücktritt. Für Kommunikationscoach Marcus Knill ist das Wortbruch.
1/4 Rücktritt vom Rücktritt: SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr (ZH) erklärte kürzlich, politisch aktiv bleiben zu wollen. (15. April 2013).
Bild: Peter Schneider/Keystone

   

«Ich kann es nicht nachvollziehen»: Kommunikationscoach Marcus Knill über Fehrs Rücktritt vom Rücktritt. (Bild: pd)
Es war eine Überraschung, als die SP-Nationalrätin im Februar 2012 in der «SonntagsZeitung» sagte: «In vier Jahren höre ich auf. Das ist meine letzte Legislatur.» Nicht geringer ist die Überraschung jetzt: Die 51-jährige Winterthurerin hat im «SonntagsBlick» angekündigt, sie wolle «politisch aktiv bleiben». Es würde ihr gefallen, die Nachfolge von Felix Gutzwiller (FDP) oder Verena Diener (GLP) im Ständerat anzutreten. Ebenso würde sie sich «eine Kandidatur überlegen», sollte die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) zurücktreten. Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt Fehr, sie habe damals ihren Rücktritt aus dem Nationalrat angekündigt, nicht aus der Politik. «Ich bin mir bewusst, dass man das Interview in der ‹SonntagsZeitung› auch anders verstehen konnte, aber ich hatte nie beabsichtigt, der Politik den Rücken zu kehren.»

Bereitschaft signalisiert, keine Ansprüche gestellt

Für den Zürcher Kommunikationsberater und Mediencoach Marcus Knill ist das Wortbruch: «Jacqueline Fehr hat versprochen, sich aus der Politik zu verabschieden. Dass sie jetzt nicht Wort hält, wird bei den Stimmberechtigten ein schales Gefühl hinterlassen.» Fehr schade damit ihrer Glaubwürdigkeit. Das könne sich rächen, wenn sie das nächste Mal zu einer Wahl antrete, sagt Knill. «Ich kann es nicht nachvollziehen.»
Fehr aspiriert auf Ämter, die derzeit nicht vakant sind. Diener und Gutzwiller sitzen relativ ungefährdet auf ihren Sitzen im Ständerat. Es ist denkbar, aber nicht gesichert, dass sie 2015 nicht mehr zur Wiederwahl antreten werden. Im Zürcher Regierungsrat, dessen Wahl im selben Jahr ansteht, ist noch nicht klar, ob die SP einen Sitz neu besetzen muss. Sicherheitsdirektor Mario Fehr ist seit zwei Jahren im Amt. Bildungsdirektorin Regine Aeppli ist kürzlich 60 geworden. Jacqueline Fehr sagt, sie habe Bereitschaft signalisiert, bei einem allfälligen Rücktritt zur Verfügung zu stehen. Aber sie stelle keine Ansprüche. «Ich mache gerne Politik und darf aufgrund der Rückmeldungen der Wählerinnen und Wähler annehmen, dass ich sie nicht so schlecht mache.»

«Könntet ihr dagegen heben?»

Dass dieser Rücktritt vom Rücktritt bisher negativer wahrgenommen wird, als es der SP des Kantons Zürich lieb ist, zeigt ein E-Mail des Politischen Sekretärs Martin Alder. Er rief Parteimitglieder und Sympathisanten gestern Montag dazu auf, für Fehr Stimmung zu machen und positive Wortmeldungen in der Kommentarspalte von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zu hinterlassen: «Der Tagi-Artikel führte zu vielen negativen Kommentaren. Könntet ihr dagegen heben?» Laut Fehr ist das Alltag, nicht nur in der SP: «Es gehört heute zum professionellen Parteimanagement, die Teilnahme an diesen Debatten aktiv zu bearbeiten. Die Kommentarfunktionen werden auf der ganzen Welt von Interessengruppen gesteuert. Wir gehen davon aus, dass dies der Lesercommunity bewusst ist.»
Dass Politiker ihren Abschied aus der Politik bekannt geben und später für weitere Ämter kandidieren, ist ungewöhnlich. «Ich kenne keinen vergleichbaren Fall», sagt Politikberater Mark Balsiger. Allerdings sei das Unverständnis über ihren Rücktritt nicht grösser als über die Ankündigung vor eineinhalb Jahren aufzuhören. «Dies kam völlig überraschend, obwohl sich schon damals abzeichnete, dass sie mit einer Kandidatur für den Ständerat oder den Zürcher Regierungsrat reelle Chancen hätte.»

Überraschende Niederlage gegen Tschümperlin

Diese Ankündigung fiel zeitlich damals auffällig nahe mit einer der grössten Niederlagen in Fehrs Karriere zusammen. Nur neun Tage vor der Publikation des Interviews kandidierte die Winterthurerin für das Fraktionspräsidium. Fehr unterlag dem Schwyzer Andy Tschümperlin, damals noch ein politisches Leichtgewicht. «Das war eine Demütigung», sagt Balsiger. «Sie spielte in einer anderen Liga als Andy Tschümperlin. Ihn als Fraktionschef zu wählen, hiess für Fehr, dass die Fraktionsmitglieder ihre Leistungen der letzten Jahre nicht honorierten.»
Auch im Jahr 2000 versagte ihr die Basis die Unterstützung. Damals wollte sie – zusammen mit Marc Baumann, einem Intimus von Stadtpräsident Elmar Ledergerber – Präsidentin der Zürcher Kantonalpartei werden. Die eigene Parteibasis wählte Bernhard Egg. 2010 wollte Fehr Bundesrätin werden, Parlamentskolleginnen und -kollegen hoben Simonetta Sommaruga auf den Schild.

Frisch genug für weitere Ämter?

Fehr wird bis Ende der Legislatur 17 Jahre im Amt sein und läuft Gefahr, irgendwann als Sesselkleberin tituliert zu werden. In jenem Interview, in dem sie vor eineinhalb Jahren ihren Rücktritt angekündigt hatte, sagte sie, man müsse «auch mal wieder gehen und anderen Platz machen». Einer, der den Sesselklebern in der SP das Leben schwer macht, ist Juso-Präsident David Roth. Doch er nimmt Fehr in Schutz: Ihm gehe es weniger darum, wie lange die Leute im Amt seien, sondern ob sie noch genügend neue Impulse setzten. «Die Frage ist, ob Jacqueline Fehr für weitere politische Ämter noch genügend Frische und Energie mitbringt. Ich persönlich habe da keine Zweifel.»
Der Präsident der SP des Kantons Zürich, Daniel Frei, äusserte sich zu Fehrs Plänen diplomatisch: «Dass Jacqueline Fehr politisch aktiv bleibt, begrüsse ich sehr. Sie bringt der Partei als profilierte Politikerin viel. Aber ob es in einem anderen Amt sein soll, würde ich offenlassen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)