Bild: Christine Wittwer
Sonntag, 22. Juli 2012
Freitag, 20. Juli 2012
Kommunikation zwischen Mann und Frau
Eine Journalistin wollte soeben von mir wissen, weshalb es zwischen Mann und Frau wegen kommunikativer Missverständnisse gerne zum Streit kommt.
Es gibt nachweisbare Unterschiede im Kommunikationsverhalten - darauf komme ich später zurück.
Vorweg darf gesagt werden, dass es auch zwischen Mann und Mann oder zwischen Frau und Frau ebenfalls zu Auseinandersetzungen kommen kann. In allen Beziehungen gilt es, eine Streitkultur zu erarbeiten. In allen Beziehungen und Teams kommt es laufend zu Meinungsunterschieden. Dissens ist normal und gehört zum Alltag. Beim "Streiten" gibt bewährte Regeln:
- Wir müssen unter vier Augen streiten.
- Das "Wie" (der Ton) ist wichtig.
- Wir müssen lernen, zuerst die Fakten aus eigener Sicht konkret zu beschreiben, anstatt zu werten oder das Verhalten des Gegenübers zu interpretieren.
Ob Reden wirklich Silber und Schweigen Gold ist, wollte die Journalistin von mir auch noch wissen:
Nach meinen Erfahrungen kann Reden - aber auch Schweigen - Gold sein. Doch wenn es jemand versteht, das richtige Wort zur richtigen Zeit zu sagen, so ist dies für mich wie ein Diamant in Platin gefasst.
Männer und Frauen haben generell eine unterschiedliche Kommunikationskultur:
Die weibliche Kommunikation ist bei Aufforderungen indirekter und weniger dominant (Könnten Sie...?) Und rechtfertigen sich häufiger.
Männer sprechen direkter (Können Sie...?) und entschuldigen sich weniger.
Hinsichtlich Sprachinhalte reden Frauen eher über Probleme und benutzen die Umgangsprache, während Männer gerne über ihre Erfolge reden, Abstrakter, nüchterner und bevorzugen eine Fachsprache.
Bei der Körpersprache senden die Frauen mehr Zeichen. Sie können diese Signale auch besser decodieren.
Während die Männer beim nonverbalen Ausdruck zurückhaltender sind und mehr Fehler machen beim Decodieren.
Frauen sind in der Beziehung gemeinschaftsorientiert (WIR!)
Männer eher selbstzentriert (ICH!)
Frauen unterschätzen sich gerne. Hinsichtlich Selbstwert überschätzen sich anderseits die Männer gerne.
Beide Geschlechter haben typische Marotten:
So wollen Frauen - oft auch ungefragt - helfen, umschreiben Wünsche vager, nehmen Kritik persönlicher, schmollen eher.
Während die Männer vielfach Ratschläge erteilen und unbedingt Recht haben wollen.
Was wir bei unserer unbedingt beachten sollten:
Es gibt in der Praxis keine Prototypen für die Frau oder den Mann.
Wir dürfen das Kommunikationsverhalten von Mann und Frau nicht über einen Kamm scheren.
Bei allen Auftritten im Mediensimulator habe ich lediglich festgestellt:
Die Aussagen der Männer sind oft klarer. Frauen lieben Umschreibungen.
Männer sprechen zielgerichteter. Frauen suchen vielfach den Konsens.
Ferner habe ich festgestellt, dass Männer ungeduldiger sind als Frauen.
Frauen haben eher die Fähigkeit zuzuhören.
Zwei weitere Fragen beschäftigte die Radiojournalistin beim Interview:
Frage: Ein grosser Fehler ist ja sicher auch, dass Frauen gern durch die Blume sagen was sie (nicht) wollen..? Reicht es wenn man bzw frau direkter ist?
Antwort:
Nach dem Harvard Prinzip darf man auf der Sachebene hart und direkt sein auf der Beziehungsebene mit dem Gegenüber hingegen weich. Beim Coaching fällt es vielen Frauen schwer auf die sogenannten Weichspüler zu verzichten (Vielleicht / eigentlich / "wollte NUR fragen" / würde meinen/ relativ usw.)
Statt direkt: Sie haben gesagt....., Wieviel kostet das ganze Projekt?
Es hat sich bewährt, direkter zu sprechen, Fakten konkret zu nennen oder Situationen genau zu beschreiben.
Frage: Wie geht man am besten an Gesprächsthemen heran, bei welchen Mann und Frau unterschiedlicher Meinung sind?
Antwort:
Bei unterschiedlichen Meinungen gilt immer (nicht nur zwischen Mann und Frau):
Jeder beschreibt seine Position, klar, eindeutig, kurz, verständlich.
Dann wird erst über die unterschiedlichen Argumente "gestritten", diskutiert.
Erst am Schluss suchen wir Gemeinsamkeiten d.h. eine Lösung! Es hat sich in der Praxis bewährt, das Gegenüber zu fragen, wie ein Konsens möglich sein könnte.
Meine Frau Hildegard weist in ihren Frauenrhetorik Seminaren und Vorträgen immer wieder auf die Forschungsergebnisse des Institutes für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung des Ludwig-Maximilians-Universität in München (IfKW) hin.
Die Forscher vermuten, dass es besonders das weibliche Kommunikationstalent beim Berufseinstieg und den unteren Hierarchiestufen helfen wie Emotionalität, Konsensorientierung, Kreativität. Diese hilfreichen Eigenschaften erweisen sich später eher hinderlich, wenn vor allem Durchsetzungsfähigkeit gefragt ist.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben weitere signifikante Unterschiede nachgewiesen.
Zur Stimme
__________
Weiblich: Leise und hoch (wirkt schwach)
Männlich: Laut und tief (wirkt stark)
Zum Wortschatz
_____________
Weiblich: Ist umfangreicher - reden eher viel und um den Brei herum - sorgfältige Wortwahl
Männlich: Kleiner - reden weniger - kommen auf den Punkt - direkte aber unbedachte Wortwahl - mit Kraftausdrücken durchsetzt
Gesprächsanteil
_______________
Weiblich: Reden weniger und kürzer
Männlich: Reden öfter und länger
Unterbrechen andere
__________________
Weiblich: Selten
Männlich: Häufig
Bestimmen das Thema
___________________
Weiblich: Selten
Männlich: Häufig
Diskussionen
____________
Weiblich: Kooperativ und konsensorientiert
Männlich: Konfrontativ und Konfliktorientiert
Fragen
______
Weiblich: Aus Interesse
Männlich: Um Thema zu besetzen
Entscheidungen
______________
Weiblich: Zögerlich
Männlich: Vorantreibend
Weichmacher (Weichspüler)
_________________________
Weiblich: Viele
Männlich: Wenige
Rückmeldesignale (aha, ach so, klar, prima usw.)
_______________________________________________
Weiblich: Oft
Männlich: Selten
********************************
LINKS:
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Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
(Fortsetzung
von Seite 1) gar eine Rezession kommt. Viele erwarten eine solche
Beruhigung nach den Olympi- schen Spielen im Jahre 2008. Geopolitisch ...
www.rhetorik.ch/Weichspueler/alpha.pdf
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4. Apr. 2007 ... Es lohnt sich, diese Weichspüler gezielt zu eliminieren. Erstaunlich: Viele Redner benutzen "Flicklaute". Damit werden Denkpausen akustisch ...
www.rhetorik.ch/Weichspueler/Weichspueler.html
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29. Juni 2002 ... Knill+Knill Kommunikationsberatung ... 2002 habe er oft mit seiner Frau gestritten , sagte der Mann bei der Einvernahme. ... Wir müssen die Aussagen des Gegenübers vollständig anhören und dürfen kein Wort überhören.
www.rhetorik.ch/Streiten/Streiten.html
http://www.knill.com/Presse/bildung.jpg |
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marcus knill
um
08:28
Donnerstag, 19. Juli 2012
Der Gedanke zum heutigen Tag:
ENERGIE erzeugt ENERGIE
Als Workaholics werden wir oft gefragt, weshalb wir so viel arbeiten.
Für mich hat dies weniger mit positiver Einstellung zur Arbeit und dem Bedürfnis nach Erfolg zu tun.
Wenn ich arbeite, bedeutet dies für Körper und Geist immer BEWEGUNG.
Es ist eine Tatsache, dass ein Mensch der physisch ausgelaugt ist, durch motorische und geistige Bewegung zu neuen Kräften kommt. ENERGIE erzeugt nach John Irwing wieder neue ENERGIE.
Deshalb lohnt es sich, sich immer voll und ganz einzusetzen. Der 100 prozentige körperliche und geistige Einsatz gibt uns - dank dem Adrenalinschub - neue Energie.
Nach meinem Dafürhalten zählt die Arbeit auch zum Leben. Work und life darf nicht getrennt werden.
Auch das Nichtstun gehört zum Leben. Ich empfehle deshalb, sich auch in der Phase der Entspannung ebenfalls voll und ganz auf diese "Arbeit" einzulassen. Das Reflektieren und aktive Denken während der angeblichen "Freizeit" gibt uns auch ENERGIE und hält uns geistig fit.
LINK:
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23. Nov. 2010 ... Die durch den Begriff "Work-Life-Balance" nahegelegte Dualität ... September 10 meint dazu: "Der Begriff Work-Life-Balance ist ein Unwort.
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/11_23/index.html
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Notiert von
marcus knill
um
09:45
Mittwoch, 18. Juli 2012
Es gibt leider nicht nur den EINEN Grund!
Ich schätze die kurzen Beiträge in der SonntagsZeitung von Rolf Dobelli.
Jüngst erklärte er den umständlichen Begriff ""Fallacy of the Single Cause". Er übersetzte diesen Denkfehler mit "Die Falle des EINEN Grundes". Politiker, Aerzte, vor allem Experten versuchen bei allen Analysen die eigentlichen (EINZIGE) Ursache zu bestimmen. Was war der Grund für den Anschlag am 11. September? Was ist die Ursache des der aktuellen Finanzkrise? Weshalb spielt das Wetter verrückt? Bei allen Fragen erfahren wir aus dem angeblich berufenen Mund eine angeblich richtige Ursache.
Ein Grund kann jedoch allein nie Grund genug sein.
Wenn Dobelli darauf hinweist, dass es keine einzig richtige Ursache gibt, sondern Hunderte, Tausende von Gründen geben kann, die zu einem Flop oder einer Verhaltensweise geführt haben. Diese Sicht deckt sichauch mit meiner langjährigen Erfahrung im Bereich Kommunikation: Menschen können nicht auf Grund nur einer Beobachtung (einer Verhaltensweise oder EINES Aspektes, wie Aussehen, Stimme, Schrift Kleidung.) schlüssig beurteilt werden.
In der Regel versuchen wirjedoch Fragen nur aus EINER Sicht auf den Grund zu gehen.
Zum Beispiel bei der Frage:
Warum fällt ein Apfel zu Boden, wenn er reif ist?
- Weil er von der Erde angezogen wird?
- Weil sein Stängel ausgedörrt ist?
- Weil er zu schwer geworden ist?
- Weil ihn der Wind geschüttelt hat?
Leo Tolstoi traf den Nagel auf den Kopf, als er in "Krieg und Frieden" geschrieben hatte:
"Nichts davon ist die Ursache, sondern ALLES ZUSAMMEN."
Es lohnt sich deshalb - bei allen Fragen - ALLE möglichen Gründe aufzulisten. Nur so finden wir das Netz der möglichen Faktoren. Es lohnt sich dann, alle Faktoren zu unterstreichen, die wir beeinflussen können. Was hingegen nicht beeinflusst werden kann, können wir durchstreichen. So geraten wir nicht in die Falle "des EINEN Grundes".
Bei meinen Analysen habe ich schon vor vielen Jahren erkannt, dass immer unzählige Faktoren zusammenspielen, die eine Handlung auslösen.
Die veraltete aber beliebte Methode, nur den EINEN Grund zu suchen, bringt uns nicht weiter. Es führt zu einem Sündenbockdenken und endet in einer Gedankensackgasse. Es lohnt sich somit, den Blickwinkel zu weiten und es zuzulassen, dass immer verschiedene Faktoren etwas bewirken.
Fazit: EIN Grund ist nie Grund genug.
Notiert von
marcus knill
um
08:56
Dienstag, 17. Juli 2012
Deutsche Bundesländer schrecken vor Hehlerei nicht zurück
Unter Hehlerei versteht man den Handel mit Sachen, die gestohlen oder unterschlagen wurden und sich nicht im Eigentum der Handelnden befinden.
Wenn deutsche Behörden Millionen Beträge bezahlen für illegal erworbenen CDs von Banken, dürfen wir sie der Hehlerei bezichtigen.
Ich zitiere TAGI online
Die Spekulationen schiessen ins Kraut: Will das Bundesland
Nordrhein-Westfalen noch zwei weitere Daten-CDs aus der Schweiz kaufen? (Archivbild)
Bild: Keystone
Nordrhein-Westfalen noch zwei weitere Daten-CDs aus der Schweiz kaufen? (Archivbild)
Bild: Keystone
Kommentar: Selbst wenn jemand das Schweizerische Bankengeheimnis ablehnt, so heiligt nicht jedes illegale Mittel den Zweck.
Nachtrag:
Nordrhein-Westfalen hat erneut eine CD mit gestohlenen Bankdaten
aus der Schweiz gekauft. Politiker und Wirtschaftsvertreter reagieren
empört. Auch der deutsche Bundesfinanzminister verurteilt den Kauf. Mehr...
Mit solchen "Spielchen" ist nun das verhandelte Steuerabkommen mehr als gefährdet.
Aus 20 Min:
en
Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland gerät mehr
und mehr in Gefahr. Berichte, das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW)
habe erneut eine CD mit gestohlenen Daten deutscher Bankkunden gekauft,
stiessen am Wochenende in der Schweiz auf Kritik.
Die Regierung von NRW in Düsseldorf soll für die Informationen 3,5 Mio. Euro (rund 4,2 Mio. Franken) bezahlt haben. Finanzminister Norbert Walter-Borjans sagte lediglich, Daten auf CDs seien notwendig, um Steuerhinterziehern auf die Spur zu kommen.
Nachtrag aus dem aufschlussreichen Interview mit PDF Chef Müller:
play
Eveline Widmer-Schlumpf
(Keystone)
play
«Zwei, drei Sätzchen am Fernsehen reichen nicht.» Philipp Müller
(Manuel Zingg/Blick)
NACHTRAG:
Weshalb aber hat man Geldzahlungen im Text nicht explizit verboten? «Sinn der Formulierung war es, eine passive Entgegennahme zu ermöglichen», antwortet Widmer-Schlumpf. Deutschland sollte «die Möglichkeit erhalten, seinen Steuerbehörden zugespielte Daten zu prüfen». Mit anderen Worten: Deutschland sollte weiterhin Daten-CD auswerten können, die im Briefkasten einer Steuerbehörde landen – Geldzahlungen sollten jedoch ausgeschlossen sein.
Es gab eine Zeit, da stützte auch der deutsche Finanzminister diese Sichtweise. Bei der Unterzeichnung des Steuerabkommens im September 2011 sagte Wolfgang Schäuble, das Verbot des «aktiven Erwerbs» bedeute, dass deutsche Behörden prinzipiell keine Bankdaten mehr kaufen würden.
In dieser Woche vollzog Schäuble eine Akzentverschiebung. Am Montagmorgen erklärte sein Sprecher noch, man wolle die Worte «aktiver Erwerb» nicht auslegen. Bereits am Montagabend ging Schäubles Ministerium einen Schritt weiter. Dem Schweizer Radio und Fernsehen teilte sein Sprecher schriftlich mit: «Sollte den deutschen Behörden eine CD zum Erwerb angeboten werden (. . .), enthält das Abkommen kein Verbot, die Daten entgegenzunehmen. Auch die Zahlung von Geld für diese Daten ist nach dem Abkommen nicht verboten.»
Die wohlwollende Erklärung für Schäubles Schwenkung lautet, dass er versucht, das Abkommen innenpolitisch zu retten: Wenn er die rot-grüne Regierung von Nordrhein-Westfalen zu hart attackiert, dürfte das Abkommen in der deutschen Länderkammer definitiv scheitern. Aus dem gleichen Grund muss sich auch Widmer-Schlumpf mit zu harter Kritik an Schäuble zurückhalten.
Ihr Problem ist jedoch, dass mit den neuen Tönen aus Berlin im Inland die Kritik an ihr wächst. FDP-Präsident Philipp Müller ärgerte sich am Dienstag im «Blick», dass Widmer-Schlumpfs Staatssekretariat ihm noch im April versichert habe, «dass ab Unterzeichnung des Vertrags der Kauf von geklauten Daten nicht mehr zulässig sei».
Diese Aussagen ihres Departements erklärt Widmer-Schlumpf heute so: «Ich könnte mir vorstellen, dass die konkreten Durchsetzungsmöglichkeiten gegenüber den Bundesländern damals etwas überschätzt wurden.» Im Nachhinein stelle sich nun heraus, dass die deutsche Regierung das Abkommen gegenüber ihren Bundesländern erst dann durchsetzen könne, wenn es formell in Kraft sei. Dass dies noch nicht der Fall ist, liegt nicht nur an Deutschland: In der Schweiz droht das Referendum.
In einem Punkt demonstrieren Widmer-Schlumpf und Schäuble weiterhin Einigkeit: Beide argumentieren, dass der Kauf von Bankdaten gar nicht mehr nötig sei, wenn die Abgeltungssteuer erst einmal funktioniere. Welche deutsche Steuerbehörde soll noch für Bankdaten zahlen, wenn es gar kein deutsches Schwarzgeld mehr in der Schweiz gibt?, lautet das Argument. In der «Rheinischen Post» sagte Schäuble es so: «Der Geist, Zweck und Inhalt des Abkommens ist so, dass es die Steuerfragen umfassend regelt, ausgiebige Kontrollen ermöglicht und damit die Grundlage zum Kauf von CDs entfällt.»
Widmer-Schlumpf ihrerseits spricht Klartext an die Adresse der deutschen Opposition, die sich ein besseres Steuerabkommen erhofft: «Es wird keine Neu- oder Nachverhandlungen geben.»
Nachtrag:
Schäuble kritisiert Steuerdaten-Kauf
NACHTRAG:
Das Schweizer Parlament unterstützte das Steuerabkommen mit Deutschland verbunden mit dem Versprechen, dass ab Unterzeichnung keine CDs mehr beschafft werden. Deutschland interpretiert jedoch den Passus "es werden keine Daten aktiv beschafft" so, dass es immer noch möglich sei, illegal beschaffte Daten zu kaufen. Deutschland dürfe nur nicht die Banken aktiv auffordern, Daten zu beschaffen (klauen?).
Wenn den Bankbeamten Millionen bezahlt werden für illegal beschafft Daten, so wird die juristische Wortklauberei zur Farce.
Mit solchen "Spielchen" ist nun das verhandelte Steuerabkommen mehr als gefährdet.
Aus 20 Min:
Ein Medienbericht, wonach das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) erneut eine Steuer-CD aus der Schweiz gekauft haben soll, lässt die Schweiz nicht kalt. Wirtschaft und Politik sind verärgert.
Die Regierung von NRW in Düsseldorf soll für die Informationen 3,5 Mio. Euro (rund 4,2 Mio. Franken) bezahlt haben. Finanzminister Norbert Walter-Borjans sagte lediglich, Daten auf CDs seien notwendig, um Steuerhinterziehern auf die Spur zu kommen.
Kommentar: Es fragt sich nachträglich, ob unsere Finanzministerin nicht eine Mitschuld an diesem DC Wirbel trägt. Hat Sie den Verhandlungstext (bewusst?) zu wenig präzis abgefasst oder hatte sie dem Parlament die Vereinbarung beschönigt?Jedenfalls geht das politische Seilziehen weiter.
Der Finanzministerin kann heute vorgeworfen werden:
Sie hat bei diesem wichtigen Dissens mit dem Nachbarland zu spät kommuniziert. Bei wichtigen Problemen ist Abtauchen immer schlecht.
Offensichtlich hat Bundesrätin Widmer- Schlumpf die Frage der CD Beschaffung falsch verstanden und falsch vermittelt.
Ihre erste Aussage am Radio und stimmt mit dem heutigen Tatbestand nicht überein. Diese Panne darf und kann nicht beschönigt werden. Nachtrag aus dem aufschlussreichen Interview mit PDF Chef Müller:
FDP-Präsident Philipp Müller zum CD-Kauf und Steuerabkommen «Jetzt muss Widmer-Schlumpf hinstehen»
«Vielleicht waren die Deutschen einfach schlauer». Philipp Müller verlangt Klarheit zum Chaos um gestohlene Bankdaten.
(Keystone)
(Manuel Zingg/Blick)
Quelle BLICK-online:
BLICK: Herr Müller, was ärgert Sie mehr: Dass Deutsche weiter geklaute CDs kaufen wollen, oder dass Banken ihre Daten nicht schützen können?
Philipp Müller: Beides ist sehr ärgerlich. Es ist unglaublich, dass unsere Banken nicht in der Lage sind, diese sensiblen Daten besser aufzubewahren. Dass die Deutschen immer noch geklaute CDs kaufen, zeigt aber auch, dass es im Abkommen Interpretationsspielraum gibt.
Sie vermuten ja schon lange, dass das Steuerabkommen Datenkauf gar nicht unterbindet.Richtig. Ich habe dazu bereits im April mit dem Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen (SIF) lange und intensive Mail-Korrespondenz gehabt.
Und was hat das SIF Ihnen gesagt?Man hat mir versichert, die Formulierung im Vertrag stelle sicher, dass ab Unterzeichnung des Vertrags der Kauf von geklauten Daten nicht mehr zulässig sei.
Hat man Sie angeschwindelt?Ich gehe eher davon aus, dass das SIF tatsächlich glaubte, was es mir schrieb. Dass sie glaubten, sie hätten das so ausgehandelt. Vielleicht waren die Deutschen einfach schlauer. So oder so frage ich mich aber: Warum schrieb man dann nicht deutsch und deutlich ins Abkommen, dass der Datenkauf nicht mehr möglich ist? Ich gehe ja davon aus, dass beide Verhandlungsdelegationen der deutschen Sprache mächtig sind.
Was erwarten Sie jetzt von der Finanzministerin?Eveline Widmer-Schlumpf ist jetzt gefordert! Sie muss dringend, wirklich dringend, hinstehen und erklären, was genau sie mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ausgehandelt hat. Hier herrscht Klärungsbedarf. Nur die Bundespräsidentin kann das jetzt klären.
Widmer-Schlumpf hat gestern im TV gesagt, die Deutschen hätten zugesagt, keine Daten mehr zu kaufen. Berlin halte sich daran, könne das aber bis zum Inkrafttreten des Abkommens gegenüber den Bundesländern nicht durchsetzen.Im Parlament und im Mailwechsel mit dem SIF tönte es aber ganz anders! Und diese neue Version ist ein Witz. Wenn Berlin die Länder nicht unter Kontrolle hat, nützen alle Abmachungen nichts. Es ist ja nicht Berlin, das die Daten kauft, das sind die Länder! Aber das war immer klar. Nein, hier besteht Klärungsbedarf, Widmer-Schlumpf muss hinstehen. Da reichen drei Sätzchen am Fernsehen nicht.
Wie kann Widmer-Schlumpf die Situation noch retten?Wenn sie das Verbot von Datenkauf wirklich ausgehandelt hat, ist das mit einem diplomatischen Notenaustausch zum Abkommen klarzustellen.
Und wenn die Deutschen das nicht wollen?Dann zeigt das, dass sie offenbar von Anfang an kein Verbot von CD-Käufen wollten. Dann wäre das Parlament von Widmer-Schlumpf nicht korrekt informiert worden.
Muss das Abkommen dann neu verhandelt werden?Nein, das Abkommen steht. Auch die Schweiz hat viele Konzessionen gemacht. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.
Ist das Steuerabkommen überflüssig geworden? Nein! Nun braucht es das Abkommen erst recht, weil damit flächendeckend alle von Deutschen in der Schweiz deponierten, nicht versteuerten Gelder erfasst und besteuert werden können. Die Verwertung gestohlener Daten ermöglicht hingegen nur eine selektive Erfassung.
Ist es denn überhaupt ein Problem, dass Deutsche weiterhin geklaute Daten kaufen wollen?Ich spreche den deutschen Steuerbehörden das Recht keineswegs ab, ihren Steuergesetzen Nachhaltung zu verschaffen. Im Gegenteil. Aber darum geht es hier nicht. Hier geht es um einen Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz. Und darum, wie die darin ausgehandelten Vereinbarungen aussehen. Und ob man sich daran hält oder nicht.
Ist das Referendum in der Schweiz überhaupt noch zu gewinnen? Davon gehe ich aus. Wie man es auch dreht und wendet, der Ankauf gestohlener Daten ist eines Rechtsstaats unwürdig. Es wäre auch für Deutschland besser, wenn man die Steuerdelinquenten flächendeckend zur Begleichung ihrer Steuerschuld zwingt. Und das ist mit dem Abgeltungsabkommen möglich.
Wenn aber das Abkommen scheitert?Dann heisst es zurück auf Feld eins. Ein anderes Abkommen wird es wie gesagt nicht geben. Scheitert das jetzige, dann müssen die Deutschen halt für jeden einzelnen ihrer Bürger, bei dem sie Anzeichen auf Steuerhinterziehung haben, ein Amtshilfegesuch an die Schweiz stellen.
Philipp Müller: Beides ist sehr ärgerlich. Es ist unglaublich, dass unsere Banken nicht in der Lage sind, diese sensiblen Daten besser aufzubewahren. Dass die Deutschen immer noch geklaute CDs kaufen, zeigt aber auch, dass es im Abkommen Interpretationsspielraum gibt.
Sie vermuten ja schon lange, dass das Steuerabkommen Datenkauf gar nicht unterbindet.Richtig. Ich habe dazu bereits im April mit dem Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen (SIF) lange und intensive Mail-Korrespondenz gehabt.
Und was hat das SIF Ihnen gesagt?Man hat mir versichert, die Formulierung im Vertrag stelle sicher, dass ab Unterzeichnung des Vertrags der Kauf von geklauten Daten nicht mehr zulässig sei.
Hat man Sie angeschwindelt?Ich gehe eher davon aus, dass das SIF tatsächlich glaubte, was es mir schrieb. Dass sie glaubten, sie hätten das so ausgehandelt. Vielleicht waren die Deutschen einfach schlauer. So oder so frage ich mich aber: Warum schrieb man dann nicht deutsch und deutlich ins Abkommen, dass der Datenkauf nicht mehr möglich ist? Ich gehe ja davon aus, dass beide Verhandlungsdelegationen der deutschen Sprache mächtig sind.
Was erwarten Sie jetzt von der Finanzministerin?Eveline Widmer-Schlumpf ist jetzt gefordert! Sie muss dringend, wirklich dringend, hinstehen und erklären, was genau sie mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ausgehandelt hat. Hier herrscht Klärungsbedarf. Nur die Bundespräsidentin kann das jetzt klären.
Widmer-Schlumpf hat gestern im TV gesagt, die Deutschen hätten zugesagt, keine Daten mehr zu kaufen. Berlin halte sich daran, könne das aber bis zum Inkrafttreten des Abkommens gegenüber den Bundesländern nicht durchsetzen.Im Parlament und im Mailwechsel mit dem SIF tönte es aber ganz anders! Und diese neue Version ist ein Witz. Wenn Berlin die Länder nicht unter Kontrolle hat, nützen alle Abmachungen nichts. Es ist ja nicht Berlin, das die Daten kauft, das sind die Länder! Aber das war immer klar. Nein, hier besteht Klärungsbedarf, Widmer-Schlumpf muss hinstehen. Da reichen drei Sätzchen am Fernsehen nicht.
Wie kann Widmer-Schlumpf die Situation noch retten?Wenn sie das Verbot von Datenkauf wirklich ausgehandelt hat, ist das mit einem diplomatischen Notenaustausch zum Abkommen klarzustellen.
Und wenn die Deutschen das nicht wollen?Dann zeigt das, dass sie offenbar von Anfang an kein Verbot von CD-Käufen wollten. Dann wäre das Parlament von Widmer-Schlumpf nicht korrekt informiert worden.
Muss das Abkommen dann neu verhandelt werden?Nein, das Abkommen steht. Auch die Schweiz hat viele Konzessionen gemacht. Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.
Ist das Steuerabkommen überflüssig geworden? Nein! Nun braucht es das Abkommen erst recht, weil damit flächendeckend alle von Deutschen in der Schweiz deponierten, nicht versteuerten Gelder erfasst und besteuert werden können. Die Verwertung gestohlener Daten ermöglicht hingegen nur eine selektive Erfassung.
Ist es denn überhaupt ein Problem, dass Deutsche weiterhin geklaute Daten kaufen wollen?Ich spreche den deutschen Steuerbehörden das Recht keineswegs ab, ihren Steuergesetzen Nachhaltung zu verschaffen. Im Gegenteil. Aber darum geht es hier nicht. Hier geht es um einen Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz. Und darum, wie die darin ausgehandelten Vereinbarungen aussehen. Und ob man sich daran hält oder nicht.
Ist das Referendum in der Schweiz überhaupt noch zu gewinnen? Davon gehe ich aus. Wie man es auch dreht und wendet, der Ankauf gestohlener Daten ist eines Rechtsstaats unwürdig. Es wäre auch für Deutschland besser, wenn man die Steuerdelinquenten flächendeckend zur Begleichung ihrer Steuerschuld zwingt. Und das ist mit dem Abgeltungsabkommen möglich.
Wenn aber das Abkommen scheitert?Dann heisst es zurück auf Feld eins. Ein anderes Abkommen wird es wie gesagt nicht geben. Scheitert das jetzige, dann müssen die Deutschen halt für jeden einzelnen ihrer Bürger, bei dem sie Anzeichen auf Steuerhinterziehung haben, ein Amtshilfegesuch an die Schweiz stellen.
NACHTRAG:
Was bedeutet «aktiv erwerben»? Um
diese Worte ist ein erbitterter Interpretationsstreit in der Schweiz und
Deutschland entbrannt. Das bilaterale Steuerabkommen untersagt den
«aktiven Erwerb» von gestohlenen Bankdaten (vgl. Box). Trotzdem hat das
Bundesland Nordrhein-Westfalen angeblich jüngst zwei neue CD mit
gestohlenen Bankdaten gekauft. Ist das nun ein Bruch der Abmachung oder
nicht?
Ausser einer kurzen Stellungnahme im Schweizer Radio und
Fernsehen hat sich Eveline Widmer-Schlumpf bis jetzt zurückgehalten. Nun
aber nimmt die Bundespräsidentin detailliert Stellung. «Nach Abschluss
der Verhandlungen bestand auf beiden Seiten Übereinstimmung, dass der
aktive Erwerb von gestohlenen Bankdaten nicht mehr zulässig ist», stellt
sie in einer schriftlichen Stellungnahme klar. «Wenn für gestohlene
Daten Geld bezahlt wird, und zwar in Millionenhöhe, so ist das auch nach
gesundem Menschenverstand eine Aktivität, also aktives Bemühen.»Weshalb aber hat man Geldzahlungen im Text nicht explizit verboten? «Sinn der Formulierung war es, eine passive Entgegennahme zu ermöglichen», antwortet Widmer-Schlumpf. Deutschland sollte «die Möglichkeit erhalten, seinen Steuerbehörden zugespielte Daten zu prüfen». Mit anderen Worten: Deutschland sollte weiterhin Daten-CD auswerten können, die im Briefkasten einer Steuerbehörde landen – Geldzahlungen sollten jedoch ausgeschlossen sein.
Es gab eine Zeit, da stützte auch der deutsche Finanzminister diese Sichtweise. Bei der Unterzeichnung des Steuerabkommens im September 2011 sagte Wolfgang Schäuble, das Verbot des «aktiven Erwerbs» bedeute, dass deutsche Behörden prinzipiell keine Bankdaten mehr kaufen würden.
In dieser Woche vollzog Schäuble eine Akzentverschiebung. Am Montagmorgen erklärte sein Sprecher noch, man wolle die Worte «aktiver Erwerb» nicht auslegen. Bereits am Montagabend ging Schäubles Ministerium einen Schritt weiter. Dem Schweizer Radio und Fernsehen teilte sein Sprecher schriftlich mit: «Sollte den deutschen Behörden eine CD zum Erwerb angeboten werden (. . .), enthält das Abkommen kein Verbot, die Daten entgegenzunehmen. Auch die Zahlung von Geld für diese Daten ist nach dem Abkommen nicht verboten.»
Die wohlwollende Erklärung für Schäubles Schwenkung lautet, dass er versucht, das Abkommen innenpolitisch zu retten: Wenn er die rot-grüne Regierung von Nordrhein-Westfalen zu hart attackiert, dürfte das Abkommen in der deutschen Länderkammer definitiv scheitern. Aus dem gleichen Grund muss sich auch Widmer-Schlumpf mit zu harter Kritik an Schäuble zurückhalten.
Ihr Problem ist jedoch, dass mit den neuen Tönen aus Berlin im Inland die Kritik an ihr wächst. FDP-Präsident Philipp Müller ärgerte sich am Dienstag im «Blick», dass Widmer-Schlumpfs Staatssekretariat ihm noch im April versichert habe, «dass ab Unterzeichnung des Vertrags der Kauf von geklauten Daten nicht mehr zulässig sei».
Diese Aussagen ihres Departements erklärt Widmer-Schlumpf heute so: «Ich könnte mir vorstellen, dass die konkreten Durchsetzungsmöglichkeiten gegenüber den Bundesländern damals etwas überschätzt wurden.» Im Nachhinein stelle sich nun heraus, dass die deutsche Regierung das Abkommen gegenüber ihren Bundesländern erst dann durchsetzen könne, wenn es formell in Kraft sei. Dass dies noch nicht der Fall ist, liegt nicht nur an Deutschland: In der Schweiz droht das Referendum.
In einem Punkt demonstrieren Widmer-Schlumpf und Schäuble weiterhin Einigkeit: Beide argumentieren, dass der Kauf von Bankdaten gar nicht mehr nötig sei, wenn die Abgeltungssteuer erst einmal funktioniere. Welche deutsche Steuerbehörde soll noch für Bankdaten zahlen, wenn es gar kein deutsches Schwarzgeld mehr in der Schweiz gibt?, lautet das Argument. In der «Rheinischen Post» sagte Schäuble es so: «Der Geist, Zweck und Inhalt des Abkommens ist so, dass es die Steuerfragen umfassend regelt, ausgiebige Kontrollen ermöglicht und damit die Grundlage zum Kauf von CDs entfällt.»
Widmer-Schlumpf ihrerseits spricht Klartext an die Adresse der deutschen Opposition, die sich ein besseres Steuerabkommen erhofft: «Es wird keine Neu- oder Nachverhandlungen geben.»
Der umstrittene Passus im Wortlaut
Im
Zentrum des Interpretationsstreits zwischen Deutschland und der Schweiz
steht eine einseitige Erklärung Deutschlands. Die deutsche
Bundesregierung hat diese Erklärung am 21. September 2011 schriftlich
abgegeben. Sie bildet eine Art Anhang zum Steuerabkommen. Die Erklärung
lautet wie folgt:
«Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland
erklärt anlässlich der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland
über Zusammenarbeit in den Bereichen Steuern und Finanzmarkt, dass sich
die deutschen Finanzbehörden nicht aktiv um den Erwerb von bei Banken in
der Schweiz entwendeten Kundendaten bemühen werden.»
Notiert von
marcus knill
um
08:37
Montag, 16. Juli 2012
In Alaska ist seit Jahren Kater Stubbs Bürgermeister
Er wurde zur Medienlegende und ist heute ein Medienstar.
Er hat sogar eine eigene Webseite.
Notiert von
marcus knill
um
20:33
Leuenberger überrascht und provoziert immer wieder - auch als Pensionär.
aus NZZ:
Aufmüpfiger Pensionär
Moritz Leuenberger war ein spezieller Bundesrat.
Unvergessen seine vieldeutige Theatralik, seine rhetorische Raffinesse, seine abgrundtiefe Mimik. Er wusste zu brillieren. Und zu provozieren. So geschehen am Ende seines Präsidialjahrs 2006, als er den Bau neuer Atomkraftwerke ebenso wenig ausschloss wie eine Erhöhung des Rentenalters.
Mit solchen Verlautbarungen verärgerte Genosse Moritz zuallererst seine Genossinnen und Genossen. Der damalige SP-Präsident Hans-Jürg Fehr konstatierte Ende 2006 pikiert, er würde sich von Leuenberger schon etwas mehr Rücksichtnahme gegenüber der eigenen Partei wünschen. Die Juso lamentierten, die SP habe «das unwahrscheinliche Glück, über einen Bundesrat zu verfügen, der ihr in entscheidenden politischen Auseinandersetzungen in den Rücken fällt».
Dass die SP eine Erhöhung des Rentenalters weiterhin tabuisieren will, kratzt den aufmüpfigen Moritz Leuenberger nicht. Im «Tages-Anzeiger» hat der bald 66-jährige Pensionär ein Zwiegespräch mit seinem Sohn Manuel Löwensberg genutzt, um die Genossen von neuem zu provozieren.
Auf die Frage, ob sein Sohn in 30 Jahren noch eine Altersversicherung haben werde, antwortete Leuenberger: «Selbstverständlich, da habe ich keine Zweifel. Aber in der Altersversicherung muss sich in Europa etwas ändern, auch wenn jetzt François Hollande das Pensionsalter gesenkt hat.» Ob er Hollandes Massnahme denn unsinnig finde? Leuenberger: «Er hat es im Wahlkampf versprochen. Bei uns wollen die Gewerkschaften ja auch nichts ändern. Viele wollen aber länger arbeiten, und wir werden ja alle älter. Das müssen wir angehen und ändern.»
Moritz Leuenberger sei Dank! Endlich wagt es wieder einmal einer, die um die Altersvorsorge rankenden Probleme offen anzusprechen. Offenkundig braucht es dazu einen pensionierten Vordenker. Im Bundeshaus steht die aktive Generation der sozialpolitischen Akteure nämlich vor diesem Problemhaufen wie das Kaninchen vor der Schlange.
Ich könnte jetzt mäkeln, Tagi-Chefredaktor Res Strehle habe nicht wirklich gemerkt, dass ihm Moritz Leuenberger ein Bömbelchen ins Interview geschmuggelt hat. Das ist aber sekundär. Wichtiger wäre, dass der kluge AHV-Steilpass von links auf dem Bundesplatz aufgegriffen wird.
Kommentar: Auch uns hat BR Leuenberger immer wieder überrascht.
LINKS:
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27. Aug. 2010 ... Moritz Leuenberger war ein Mann der Kontraste. Den einen war er zu forsch, den anderen zu zaghaft, doch wurde seine Kompetenz von keiner ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/08_27/index.html
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20. Apr. 2007 ... Moritz Leuenberger will den Schweizer Zoll ohne Pass überqueren und erhält den Bescheid, er müsse beweisen, wer er sei. Roger Federer ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/04_20/index.html
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14. Sept. 2003 ... Als erster Schweizer erhält Bundesrat Moritz Leuenberger den Cicero-Preis für die beste politische Rede des Jahres im deutschsprachigen ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Sep_14_2003.html
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20. Juni 2004 ... Selbst Bundesrat Moritz Leuenberger bewies 2001, dass es sich Luft zu verschaffen wusste. Im Kontrast zu seiner sonst so feinsinnigen Art, ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Jun_20_2004.html
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15. Febr. 2008 ... Nach "Blick online" soll TV-Moderator Roman Kilchsperger Bundesrat Moritz Leuenberger als "schwulsten Hetero-Promi" bezeichnet.
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/02_15/index.html
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10. Okt. 2004 ... Wer mit Worten arbeitet, muss die Macht verantworten. Moritz Leuenberger. "Um einen Stein zu zertrümmern, braucht man einen Hammer, ...
www.rhetorik.ch/Fenster/Fenster.html
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27. Aug. 2010 ... und Verhalten von Moritz Leuenberger eingehender zu reflektieren. ... Sicherlich einzigartig: der zurücktretende Bundesrat Moritz Leuenberger.
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/08_27/08_10.pdf
Notiert von
marcus knill
um
08:05
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