Der neue Bundesrat arbeitete zuerst erfreulich geeint. Im Steuerstreit kommt es leider zur ersten Uneinigkeit.
Offenbar hapert es auch beim Bundesrat mit der Koordination der Schweizer Bemühungen (nicht nur bei der SVP).
Ich zitiere Tagi-online:
Zwei für eines: Simonetta Sommaruga (l.) und Eveline Widmer-Schlumpf
sind beide in den Steuerstreit mit den USA involviert. (Archivbild vom
28. November 2010)
Bild: Keystone
Steuerstreit mit den USA
Die USA verlangen von der Schweiz
die Namen von Kunden, die ihr Geld vor dem Fiskus versteckt haben. Das
Bankgeheimnis gerät massiv unter Druck. Eine Chronologie.
Gibt es Zoff zwischen der Finanz- und der Justizministerin über das
Vorgehen im Steuerstreit mit den USA? Ein Satz des Aargauer
FDP-Nationalrates
Philipp Müller,
den er gegenüber dem «Tages-Anzeiger» fallen liess, lässt aufhorchen:
Der Wirtschaftspolitiker sagte, die beiden Bundesrätinnen hätten sich
Montag bei ihrem Auftritt vor der Wirtschaftskommission (WAK) zeitweise
widersprochen.
Nicht viel Koordination
«Ich hatte
nicht das Gefühl, dass die zwei Bundesrätinnen als Team auftraten»,
wiederholt Müller auch gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Er verlange
vom
Bundesrat in
dieser Geschichte Geschlossenheit.
Es gehe nicht, dass jedes
Departement für sich allein fuhrwerke, sagt Müller. Nachdem die
Geschäftsprüfungskommission dies auch in einem früheren Bericht bereits
moniert habe, müsse die Regierung im US-Steuerstreit jetzt endlich an
einem Strick ziehen.
SP-Nationalrat und WAK-Mitglied
Corrado Pardini hat
den Eindruck, dass zwischen den verschiedenen Akteuren – Banken,
Departemente und Bundesrat – nicht viel koordiniert sei. Deswegen laufe
man auch ständig ins Offside. «Wir erfahren plötzlich, dass Banken
Unterlagen an die US-Steuerbehörde ausliefern wollen, die involvierten
Departemente aber eine ganz andere Strategie verfolgen», sagt Pardini.
Es sehe auch nicht danach aus, als sei der Gesamtbundesrat in alle
Vorgänge miteinbezogen.
Das Staunen der Finanzministerin
Es
war vor allem eine kleine Episode am Montag in der WAK, welche diesen
Eindruck bei den Kommissionsmitgliedern verstärkte. Die Kommission hatte
Finanzministerin und Bundespräsidentin
Eveline Widmer-Schlumpf auf
den späteren Vormittag bestellt und zwar zum Traktandum
Legislaturplanung.
Als Widmer-Schlumpf in der WAK erschien, zeigte sie
sich laut mehreren Anwesenden erstaunt darüber, dort auch Kollegin Simonetta Sommaruga vorzufinden.
Sie sei sehr verärgert gewesen und habe zuerst gar nicht ins
Sitzungszimmer eintreten wollen, berichten Kommissionsmitglieder.
Der
Auftritt der Justizministerin war auch nicht traktandiert, die
Einladung geschah kurzfristig. Sommaruga hatte am Freitag WAK-Präsident
Christophe Darbellay und Hannes Germann von der Wirtschaftskommission
des Ständerates über die Datenlieferung an die USA vorinformiert. «Wegen
der Brisanz dieses Geschäftes habe ich Frau Bundesrätin Sommaruga
gebeten, am Montag auch die gesamte Kommission zu informieren», sagt
Darbellay. Das WAK-Sekretariat habe sich zudem vergewissert, dass
Sommaruga die Finanzministerin über diese Einladung der WAK informiert.
Plötzlich geben sich wieder alle eins
Denn
im US-Steuerstreit sind beide Departement zuständig. Die
Justizministerin kümmert sich um die rechtlichen Aspekte wie zum
Beispiel die Amts-und Rechtshilfe. Die Finanzministerin ist für die
Doppelbesteuerungsabkommen samt den umstrittenen neuen Zusätzen über
Gruppenanfragen zuständig. Widmer-Schlumpfs Staatssekretär für
Internationale Finanzfragen, Michael Ambühl, führt ausserdem auch die
schwierigen Verhandlungen mit den USA.
Darbellay ging darum auch
davon aus, dass am Montagmorgen beide Bundesrätinnen von Anfang an in
der Kommission anwesend sind. Hat das Justizdepartement vergessen, die
Finanzministerin zu informieren? Die Informationschefin von Bundesrätin
Sommaruga, Christine Stähli, sagt, man habe das Finanzdepartement wie
abgemacht benachrichtigt.
Der Sprecher der Finanzministerin, Roland
Meier, sagt, Frau Widmer-Schlumpf sei zu dem Zeitpunkt in der WAK
erschienen, auf den sie aufgeboten wurde. Man habe aber vom Auftritt von
Frau Sommaruga gewusst. Tatsächlich?
Warum hat dann die
Bundespräsidentin bei den Kommissionsmitgliedern einen ganz anderen
Anschein erweckt? Warum hat Frau Widmer-Schlumpf auch auf die Frage
einer SP-Nationalrätin, wieso sie so spät in die Sitzung komme,
geantwortet, sie habe davon nichts gewusst? Informiert oder nicht? Panne
oder Zerwürfnis? Das ist für Philipp Müller nicht zentral:
«Wichtig ist
bei diesem schwierigen Dossier, dass jetzt ein Departement die
Federführung übernimmt und dass alle an einem Strick ziehen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Kommentar: Wenn es heisst, es sei wichtig, dass beide Bundesrätinnen am gleichen Strick ziehen, so genügt dies nicht. Beide müssen am gleichen Ende des Strickes ziehen. Die beiden Bundesrätinnen hatten leider an den beiden Enden des Strickes gezogen. Auch für den Bundesrat gilt: Meinungsdifferenzen intern austragen!