Freitag, 21. Oktober 2011


Gaddafi ist tot

Live-Ticker: Video des toten Gaddafi ausgestrahlt 

 

Aus PERSOENLICH.com (BLOG):

Marcus Knill
Blick.ch publizierte am Donnerstag kurz nach bekannt werden des Todes von Gadaffi das Portrait der Leiche. Diese Praxis ist ebenso fragwürdig, wie die Publikation der Leiche von Bin Laden. Damals habe ich meine Meinung bereits ausführlich dargelegt, zum Beispiel auf blogpersoenlich.com. Aber auch in einer Umfrage bei den Chefredaktoren und auf presseverein.ch wurde die Thematik ausführlich beschrieben. Meine Meinung bleibt unverändert: Die Fotografie der Leiche hätte nicht publiziert werden dürfen, denn die Veröffentlichung verstösst gegen den Ehrenkodex der Medien. Es geht mir um ein Prinzip:  Es dürfen keine Toten oder gefolterten Menschen abgebildet werden.
Ich gehe somit davon aus, dass die Publikation des toten Gaddafi
in Grossaufnahme bei Fachleuten wiederum ein Diskussionsthema sein wird. Ich
bleibe bei meiner These.



Marcus Knill
 
Freitag, 21. Oktober 2011 um 10:56 Uhr
keine Kommentare



Nachtrag:




Die Bilder der Leiche gehen um die Welt



Rebellen halten die Handys drauf: Hier wird Gaddafis Tod dokumentiert

Für Jugendliche ist Medienschulung ein Muss


Leider wissen die nur wenige Eltern und Lehrkräfte, wie Kinder geschützt werden können vor Cyber- Mobbing.


Ich zitiere Spiegel:



Internet-Mobbing bei Will: Mailen, chatten, quälen
Fotos
Was passiert bei Facebook mit unseren Kindern? Anhand tragischer Beispiele diskutierte Anne Will über Schulhofdresche im Digitalzeitalter - und verzichtete dankenswerterweise auf jeden Alarmismus. 


Der 13-jährige Joël öffnete am Computer seine Facebook-Seite, stürmte aus der Wohnung - und brachte sich um. Vor gut einem Jahr war das; gestern saß die Mutter Michaela Horn bei Anne Will und versuchte ein weiteres Mal, die von Mitschülern initiierte Internetkampagne zu rekonstruieren, die Joël in den Tod getrieben hatte. Doch so sehr sie gegen die Tränen ankämpfte, so wacker sie die "Schwul-Fett-Hässlich"-Schmähungen gegen ihren Sohn zitierte, die Dynamik des Suizidprozesses konnte die Mutter nicht darstellen. Wie auch? Das Netz und wie es die Jugend nutzt, bleibt den Erwachsenen nun mal großteils ein Rätsel.

Vor der Anne-Will-Sendung war in der ARD der Film "Homevideo" gelaufen, der gerade erst mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden war und anhand des fiktiven Jakob einen Cyber-Mobbing-Fall beschreibt, der abläuft, wie der des realen Joël abgelaufen sein könnte: Jemand hat ein kompromittierendes Video von Jakob ins Netz gestellt, danach ist er für die Mitschüler zum Abschuss freigegeben, via Chat kübeln die Kameraden ihre Verachtung über ihn aus. Auch der Filmcharakter nimmt sich am Ende das Leben: digitale Schulhofdresche in ihrer fatalsten Form. Jakob und Joël, sie bildeten das emotionale Zentrum dieses langen Abends zum Thema Cyber-Mobbing in der ARD. Wie zu Zeiten, als am Mittwoch noch Frank Plasberg talkte, programmierte man Wills Gesprächsrunde gleich hinter den großen Mittwochsfilm - und brachte damit das gerade erst so penibel neugeordnete Programmschema mit dem verbindlichen 22.15-Uhr-Sendeplatz für die "Tagesthemen" durcheinander. Der Zweck heiligt die Mittel: Im Zusammenspiel von gesellschaftskritischem Drama und gesellschaftskritischer Gesprächsrunde hatte schließlich auch schon Plasberg immer wieder Spitzenquoten erzielt, etwa mit seinem legendären Scientology-Talk.


Facebook als Parallelwelt

 
 Es gelang Anne Will, bei den beschriebenen aufwühlenden Mobbing-Extremfällen keinen Alarmismus aufkommen zu lassen: Versammelt hatte sich eine Runde Erwachsener, die den neuen Kommunikationsformen der Jugend erstmal relativ ratlos gegenüberstand - und das auch zugab, ohne gleich zu verzagen oder nach strengerer Überwachung zu rufen. Im Zentrum stand die Frage:


Was passiert eigentlich mit unseren Kindern, wenn sie auf Facebook oder SchülerVZ gehen?






Einer, der das am ehesten weiß, ist der Lehrer Wolfgang Kindler, der einige Bücher zum Thema geschrieben hat und in seiner Schule eine Anti-Mobbing-AG leitet. In einem Einspielfilm sah man gestern bei Anne Will, wie er mit Schülern über die neuen sozialen Netzwerke sprach. Im Klassenzimmer fragte Kindler, ob einer der Schüler Eltern habe, die sich besser mit Facebook und Co. auskennen als sie selbst. Keiner der Jugendlichen hob die Hand, man grinste stattdessen siegesgewiss in sich hinein.
In dieser Szene zeigte sich, was die Internetwelt für junge Menschen auch bedeutet: einen Distinktionsgewinn gegenüber den Erwachsenen, eine Abschottungsmöglichkeit vom elterlichen Zugriff, einen Raum, den sie nach ihren eigenen Regeln gestalten. Sollen die Alten diese Welt überhaupt komplett verstehen? Darf den Kindern dieser selbst eroberte Raum wieder genommen werden?


Medienschulung statt Verbote

 
Nein, meinte bei Anne Will der Medienanwalt Christian Schertz und beschwor die normative Kraft des Faktischen. Mit 12 oder 13 sei nun mal jeder bei Facebook, das würden Verbote nicht verändern: "Das können wir nicht mehr umdrehen." Wohl aber müssten die Jugendlichen geschult werden, um mit den Gefahren umgehen zu können, die auf sie warteten, wenn sie sich auf solchen Plattformen exponieren. Zuvor hatte er mit drastischen Worten diese Gefahren beschrieben: "In wenigen Minuten bis du weltweit diffamiert."
Interessanterweise relativierte gerade der Lehrer, der durch seine Arbeit mit den Schülern vielleicht am besten deren Internet-Wirklichkeit kennt, die vielbeschworene Zerstörungskraft des Mediums: "Dass das Netz nicht vergisst, stimmt nicht." Es werde so viel reingestellt, dass Kampagnen irgendwann auch verpufften - zumindest, wenn man sich mit dem Fall richtig auseinandersetze, Täter und Opfer miteinander konfrontierte. Er habe das schon oft erlebt.

Tun neue Gesetze also nicht not? Nein, auf keinen Fall, meinte Anke Domscheit-Berg, Aktivistin für ein freies Netz. Allerdings müssten bei Beleidigungskampagnen die bestehenden Gesetze konsequent ausgenutzt werden, Mobbing im Internet sei nichts anderes als Mobbing auf dem Schulhof mit anderen Mitteln. Ironischerweise bekannte jedoch ausgerechnet die ultraliberale Netzaktivistin, dass sie ihrem 11-jährigen Sohn noch nicht erlaube, sich bei Facebook anzumelden. Dafür kontrolliere sie die Kumpels des Jungen, die sie als Freundin beim Netzwerk angefragt haben, bei deren intermedialen Umtrieben. Dass irgendwann all der Schmutz des Netzes auch auf ihr Kind einwirken wird, damit hat die streitbare Internetkämpferin kein Problem; alles eine Frage der richtigen Medienpädagogik zur richtigen Zeit. Und wo die nicht greift, kann Mama natürlich noch nachhelfen. Domscheit-Berg: "Ich habe etliche shit storms überlebt."


Die internettechnisch weniger versierten Eltern konnten nach der Anne-Will-Sendung Mittwochnacht, in der der richtige Ton getroffen wurde für die Gefährdungspotentiale des neuen Mediums, freilich nicht ganz so lässig ins Bett gehen: Für sie bleibt nur die Hoffnung, dass bei ihren Kindern der digitale Dreck nicht derart grausame Folgen hat wie bei Jakob und Joël. (Ende Zitat)


LINKS:




9. Apr. 2007 ... Cyber-Bullying heisst dieser neue Trend aus Grossbritannien: Handys und das Netz machen Pädagogen zum Gespött der ganzen Welt." ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/04_09/index.html
17. Aug. 2007... Artikel zum Thema: Cyber Mobbing ... Eine neue Form des Mobbing beklagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Sie findet, die ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/08_17/index.html


Kommentar:
Eltern müssen die neuen Gefahren ernst nehmen. Es ist zwar richtig, die Situation nie zu dramatisieren. Doch können Erzieher zur Vorbeugung recht viel tun:
Ich würde den Kindern keinen Computer im eigenen Zimmer installieren lassen.
Der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses mit den Kindern kann dazu führen, dass auch pubertierende Jugendliche einer Bezugsperson allfällige Mobbing Attacken erzählen.
Die Kinder müssen wissen, dass alles, was im Internet publiziert wird, kaum mehr zurückgenommen werden kann.
Vorsicht mit Publikationen aus der Privatsphäre macht sich bezahlt.
usw.
Was heute erwiesen ist:
Kinder aus ärmlichen Verhältnissen haben mehr eigene Computer, die sie unbeaufsichtigt nutzen.
Jedes vierte Kind der ersten Klasse hat bereits einen eigenen Computer. Oft ohne Kontrolle der Eltern!
Viel mehr sind suchtgefährdet als angenommen wurde.


LEITFADEN für ELTERN:

-  Kein Compter im eigenen Zimmer

- Zeitlimiten  festlegen, kontrollieren und durchsetzen


- Ab und zu mit dem Kind mitspielen und surfen

- Facebook erst ab 13 Jahren erlauben

- Bewusst machen, weshalb keine persönlichen Daten - wie Handy Nummer, Adresse oder persönliche Bilder  aus dem Privatleben - ins Netz gestellt werden sollten

- Auf Gefahren in Foren und Chats  aufmerksam machen


- Sich nicht allein auf Filtersoftware verlassen. Zusätzlich mit dem Kind altersgerecht über Themen wie Gewalt und Sexualität  reden

- Ueber Sucht sprechen und Anzeichen des Suchtverhaltens beachten


HEUTE NACHT GAB ES DEN ERSTEN FROST:





Bodenfrost (Foto: imago)
Am Boden gingen die Werte schon mal unter Null (Foto: imago)


Kommentar: Ich hoffe, dass  nach den Wahlen das politische Klima weniger frostig sein wird. 



Donnerstag, 20. Oktober 2011

Gaddafi ist tot


Blick publiziert heute das Portrait der Leiche. Das ist ebenso fragwürdig wie die Publikation der Leiche von Bin Laden.




Wie bei Bin Laden ist die Frage berechtigt, ob diese Publikation nicht gegen den Ehrenkodex der Medien verstösst?
Bei Bin Laden schrieb ich im Blog:


Es ist begreiflich, wenn die Medien das Bild eines getöteten Terroristen publizieren möchten. Die Begründung lautete meist: Die Öffentlichkeit hätte dann den Bildbeweis. Doch geht es der Boulevardpresse vor allem um das Bild und damit um die Einschaltquote.
Persönlich war ich – wie Obama – immer gegen eine Publikation einer Foto. Nicht, weil die Aufnahme bei den Anhängern Bin Ladens Rachegefühle aufkommen lassen. Auch nicht, weil der Bevölkerung solch grauenhafte Bilder nicht zugemutet werden könnten (In Krimis werden oft noch schlimmere Bilder gezeigt). Ich glaube auch nicht, dass mit einer Publikation die Verschwörungstheoretiker zum Schweigen gebracht werden könnten.
Es geht mir vielmehr  um ein Prinzip (von den amerikanischen Medien wird dies als Kodex meist eingehalten und bei uns wird es in den meisten Redaktionen so gehandhabt): Es dürfen keine Toten oder gefolterten Menschen abgebildet werden.
Der Kommunikationsfehler im Weissen Haus war aus meiner Sicht die uneinheitliche Information.  Zuerst wollte ein Sicherheitsbeauftragte die Aufnahme zeigen, dann intervenierte der Präsident und das Bild des toten Bin Laden durfte man nicht mehr zeigen. (Es wurde auch bei der Bewaffnung Bin Ladens uneinheitlich informiert. Zuerst hiess es, er sei bewaffnet gewesen, dann wurde dies dementiert.)





Es kamen einige gefälschte Aufnahmen in Zirkulation. Und Obamas Entscheid war aus meiner Sicht richtig. Aus Fachkreisen wurde ich nach meiner publizierten Analyse im Tages-Anzeiger darauf aufmerksam gemacht, dass bei einem grosskalibrigen Schuss durch den Kopf eine visuelle Identifikation ohnehin nichts bringe. Das Gesicht sei meist völlig entstellt. Der Profi, der mir geschrieben hatte, muss laufend Opfer nach Verbrechen untersuchen. Die Idee dieser Fachperson hat etwas für sich. Sie sagte mir am Telefon, man könnte ja die Originalaufnahme lediglich zur Akteneinsicht freigeben, vor allem die DNA-Resultate. Das würde zu einer gewissen Entspannung führen.
Eines steht jedenfalls fest: Ob das Bild publiziert wird oder nicht:Eine Publikation   ist immer falsch.



Der Presseverein unterstützte damals meine Sicht (Ich zitiere):


Bilder von Getöteten veröffentlichen?

Die Tötung von Osama bin Laden wirft die Frage auf, wie mit den dazu entstandenen Bildern umzugehen ist.
Time Cover mit Osama bin Laden (Screenshot Google Bildsuche)


Marcus Knill unterstützt Barack Obamas Entscheid, kein Foto des getöteten bin Laden zu publizieren.
Aus Fachkreisen wurde ich nach meiner publizierten Analyse im Tages-Anzeiger darauf aufmerksam gemacht, dass bei einem grosskalibrigen Schuss durch den Kopf eine visuelle Identifikation ohnehin nichts bringe. Das Gesicht sei meist völlig entstellt.
Soll die Fotografie des toten Bin Laden publiziert werden? (persoenlich.com, Marcus Knill)




Weitere Antworten auf die Frage hat Christian Lüscher bei Schweizer Chefredaktoren gesammelt. Sandro Brotz, Stv. beim “Sonntag”, hält Zensur für den falschen Weg, Gräuelbilder aber auch nicht zumutbar.
Wir müssen uns aber nichts vormachen und eine theoretische Debatte führen: Das Bild wird – wenn es von den US-Behörden erstmals freigegeben wird – innert Sekunden um die Welt gehen.
Die Kommentare unter dem Beitrag sprechen sich alle gegen eine Veröffentlichung aus.
“Wir müssen keine theoretische Debatte führen. Das Bild wird um die Welt gehen” (persoenlich.com)
“Südostschweiz”-Chef David Sieber hat eine Meinung, die sich mit vielen Antworten der anderen Chefredaktoren deckt:
Unter den Aspekten “Zeitdokument” und “Beweis” würden wir das Bild sicher bringen. Es kommt allerdings drauf an, wie grauslig es ist. Der Ekelfaktor entscheidet über Bildgrösse und Farbe oder s/w. Damit wir uns nicht missverstehen: je ekliger, desto zurückhaltender werden wir sein. Kodex hin oder her. Es gibt Bilder, die man zeigen muss. Ich erinnere an das erschossene Ehepaar Ceausescu oder an die Dokumentation von Gräueltaten bis hin zum Holocaust. Das ist alles sehr schwere Kost und doch muss man sich dem stellen.
In seinem Blogeintrag gibt er zu, dass auch die eigene Zeitung im hektischen Tagesgeschäft die presserechtlichen Leitlinien verlassen hat – und äussert sich kritisch über einen Fall in der Glarner Ausgabe der “Südostschweiz”.


Vom schwierigen Umgang mit Bildern (suedostschweiz.ch, David Sieber)
Bild: “Time” Cover mit Osama bin Laden (Screenshot Google Bildsuche)
Erfasst von Ronnie Grob am 8. Mai 2011 (Ende Zitat)

Kommentar: Ich gehe somit davon aus, dass die Publikation des toten Gaddafi in Grossaufnahme von Fachleuten wiederum ein Diskussionsthema sein wird. Ich bleibe bei meiner These.

Gestern: Erster Schnee auf dem Randen


Gut sind alle Winterpneus montiert!


Bald kommt der erste Schnee. Weihnachten ....

Spick auf die Hand geschrieben



Bei Aufritten lohnt es sich,  Argumente mit Stichworten auf Karten zu notieren.
Die Stichworte sind aber nur als Handlauf oder als Notbrücke gedacht. Man erwartet von Rednern - vor allem in den Medien - dass sie frei sprechen. 


In Prüfungen, wo jegliche Unterlagen verboten sind, behelfen sich Schüler mit den raffiniertesten Tricks. Sie fertigen getarnte Spicks an.
Wenn nun Ulrich Giezendanner im Tele Züri die Hand als Spick benutzt, so wirkt dies leider so, als wolle der Politiker die Gedankenstütze verbergen. Ich hätte ihm geraten, anstatt die Hände voll zu kritzeln, lieber eine Stichwortkarte offen zu benutzen.

 
Ich zitiere Blick:




Ulrich Giezendanner braucht einen Spick auf der Hand. (TeleZüri)



«Will ja niemanden beleidigen»


Immer wieder gestikulierte der Aargauer wild – und präsentierte dabei seine vollgekritzelte linke Hand. Blick.ch fragte bei Giezendanner nach, was er denn da hingeschrieben hat. «Wenn ich weiss, dass ich in einer Sendung über viele Personen sprechen werde, notiere ich mir deren Vor- und Nachnamen. Ich will sie ja nicht beleidigen, indem ich sie falsch benenne.»

Giezendanner verhindert damit einen Fauxpas, wie er kürzlich Parteikollege Christoph Blocher passiert ist: In einem Interview mit dem SonntagsBlick sprach der SVP-Vordenker von einem möglichen Bundesratskandidaten Yves Parmelin. Parmelins Vornamen ist jedoch Guy.


Kommentar: Die Begründung Giezendanners, er wolle mit den Notizen auf der Hand die Namen richtig zuordnen, ist zwar verstädnlich. Doch hat sich Gietzendanner mit dieser Mediengeschichte einen Bärendienst erwiesen. 
Das Bild mit der schwarz verschriebenen Hand suggeriert dem Publikum, der Politiker stehe nicht zu seiner Schwäche. Er möchte etwas verstecken.


LINKS:





Der Stichwortzettel entspricht dem "Spick" in der Schule. Wir brauchen ihn eigentlich nur für den Notfall. Bei kurzen Voten oder Statements sollten wir darauf ...
www.rhetorik.ch/Auftreten/Stichwortzettel.html

Schule: Spickzettel

www.brain-fit.com/html/spickzettel.html
Der beste Spickzettel ist der, der den wesentlichen Prüfungsstoff enthält, aber während der Prüfung nicht mehr benötigt wird, da ihr beim Schreiben des ...




8. Febr. 2010 ... Die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin kommentiert seit einiger Weile auf "Fox News" die US-Polik. Aus "Blick": ...
https://rhetorik.ch/Aktuell/10/02_08/index.html


Palins Hand als Spickzettel











Rhetorik.ch Artikel zum Thema:

Palin braucht die Hand als Spickzettel
Die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin kommentiert seit einiger Weile auf "Fox News" die US-Polik. Aus "Blick":











Obama attackieren - aber von der Hand ablesen! Sarah Palin lernt es nie: Gerade als sie die US-Konservativen zu ihrer patriotischen Präsidentschaftskandidatin aufbauen wollen, geschieht ihr der nächste Lapsus. Sarah Palin war am Wochenende Hauptrednerin am ersten nationalen Anlass der Tea-Party-Bewegung. Die Anhänger sehen in Obama einen diebischen Sozialisten, der das Land in den Abgrund treibt - und in Sarah Palin ihre Schutzheilige. Der Name der Bewegung geht zurück auf die Bostoner "Tea Party" von 1773. Siedler lehnten sich damals gegen Steuerpläne ihrer britischen Kolonialherren auf. 






Quelle 20 Min:

Obamas Spickzettel ist der Teleprompter



Telepromt_2






Wenn US-Präsident Barack Obama für etwas berühmt ist, dann für seine Reden. Charismatisch, klar und eindringlich wirkt der Präsident, wenn er zur Nation spricht. Ein Mann, der alles kann. Doch etwas scheint er nicht zu beherrschen: Seine Reden frei zu halten. Ganz ohne Hilfe vom Teleprompter. Das wissen die Republikaner nun auszuschlachten, wie die «Washington Post» schreibt.
Indem republikanische Anwärter für die Präsidentenkandidatur Obamas Abhängigkeit vom Teleprompter in die Öffentlichkeit bringen, versuchen sie, eine seiner grössten Stärken als eigentliche Schwäche zu entlarven: Seine Fähigkeiten als Redner. Wenn Obama keine zweiminütige Rede ohne einen Bildschirm halten könne, auf dem stehe, was er sagen solle, dann sei dies ein Zeichen dafür, dass er gar nicht wisse, wovon er überhaupt spreche und ihm der Job des Präsidenten nicht zugetraut werden könne, schimpfen die Republikaner.


Negativ besetzter Teleprompter


Da Obama für jede noch so kleine Rede einen Teleprompter brauche, habe er dieses technische Hilfsmittel für alle anderen Politiker ruiniert. Wer heute noch mit Teleprompter eine Rede halte, sei wie Obama, sagt Fred Davis, ein Medien-Stratege, der John McCain 2008 im Präsidentenwahlkampf unterstützt hatte. «Es gilt als etwas Negatives, weil es unauthentisch ist. Es ist ein Zeichen dafür, dass man nicht alleine auf seinen eigenen zwei Beinen stehend sprechen kann. Es steht dafür, Leute hinter sich zu haben, die einem sagen, was man zu tun hat», krittelt Davis.
Seit seiner Erfindung vor einem halben Jahrhundert gehört der Teleprompter für Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten bei Reden dazu. In diesem Jahr verzichten die Republikaner darauf aber ganz bewusst. Michele Bachmann sagte zum Beispiel, dass sie nie einen Teleprompter benutzen werde. Stattdessen werde sie diesen aus dem Weissen Haus verbannen, sollte sie es bis dorthin schaffen. Herman Cain wiederum witzelte vergangene Woche, er habe den Teleprompter aus seinem Wahlkampf-Bus geworfen, um «totes Gewicht loszuwerden». Und als Mitt Romney in Florida eine Rede gehalten hatte, rief ihm eine Frau zu: «Sie haben das alles ohne Teleprompter gemacht. Gute Arbeit»! Der frühere US-Präsident George W. Bush wiederum habe den Teleprompter nur für wichtige Reden zu Hilfe genommen.


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Die Vorteile des Teleprompters


Es gebe klare Vorteile, wenn man einen Teleprompter benutze, schreibt die «Washington Post». Der Sprecher könne eine Rede genau so halten, wie er und seine Mitarbeiter es sich vorgestellt hätten. Ausserdem erlaube es dieser, so zu wirken, als spreche man direkt zu den Zuhörern. Hinzu kommt, dass Präsidenten oft mehrere Reden am Tag zu verschiedenen Themen halten. Der Teleprompter schütze den Präsidenten zudem davor, diplomatische Fehler zu machen. «Es ist nicht so, dass Obama nicht gescheit genug ist, um eine wirklich gute Rede nur anhand seiner Notizen zu halten», sagt Doris Kearns Goodwin, eine Historikerin, die zu Zeiten von Lyndon B. Johnson im Weissen Haus gearbeitet hat. Wenn ein Präsident aber etwas sagt, das er nicht so gemeint habe, könne dies eine international schwierige Situation hervorrufen.
Dennoch scherzen die Republikaner gerne über Obamas Teleprompter-Treue. «Es ist ein Witz, dass der Präsident einen Teleprompter braucht, weil er keine mündliche Ankündigung machen kann», sagt der Stratege der Konservativen, Greg Mueller. Er sei offenbar immer noch in der Ausbildung. Der Republikaner Tim Pawlenty sagte bereits 2010, die neue Ära von «Hoffnung und Wandel», die Obama versprochen habe, sei zu einer Ära der «Hoffnung, des Wandels und des Teleprompters» geworden.


Präsident mit Humor


US-Präsident Barack Obama selbst nimmt seine Abhängigkeit vom Teleprompter mit Humor. Ende April hat Obama am alljährlichen Galadinner des Pressekorps des Weissen Hauses nicht nur mit seinem «Geburtsvideo» Donald Trump auf die Schippe genommen, sondern sich auch über sich und den Teleprompter lustig gemacht. In einem Trailer, der in Anlehnung an den oscarprämierten Film «The Kings Speech» «The President's Speech» genannt wird, sieht man, wie hilflos der Präsident auf einmal ist, nachdem er seinen Teleprompter verloren hat.

Trailer zu The President's Speech (Video: YouTube).




AUS:

Ratschläge für einen schlechten Redner





von Kurt Tucholsky





Sprich nicht frei - das macht einen so unruhigen Eindruck. Am besten ist es: du liest deine Rede ab. Das ist sicher, zuverlässig, auch freut es jedermann, wenn der lesende Redner nach jedem viertel Satz misstrauisch hochblickt, ob auch noch alle da sind.



Nachtrag aus Blick:


Ab 12 Uhr mittags auf Sendung: SF-Moderator Urs Gredig. (SF)

Niemand wird heute so oft am TV zu sehen sein wie er: Urs Gredig (41) moderiert den Wahlmarathon auf SF 1 – zwölf Stunden live aus Studio 1 am Leutschenbach!

Rund 3500 Kandidaten wollen auf einen der 246 Sitze in National- und Ständerat. Wie hat sich der «Tagesschau»-Mann darauf vorbereitet? «Es ist viel Fleissarbeit. Zuerst habe ich mich mit dem System befasst, dann mit den Kandidierenden. Wer tritt wieder an? Wer ist abwahlgefährdet? Welches sind die neuen Gesichter?»

Spickzettel-System für Namen
Der Davoser gesteht, dass er nicht alle Informationen im Kopf hat. «Namen kann ich mir weniger gut merken, deshalb habe ich ein Spickzettel-System: Pro Kanton ein Kärtchen mit den wichtigsten Informationen.»

Die grösste Herausforderung sieht Gredig darin, zwölf Stunden lang konzentriert zu bleiben: «Die Tagesschau ist ein 100-Meter-Lauf, diese Wahlsendung ein Marathon. Ich muss also vom Usain Bolt zum Viktor Röthlin werden.» Dazu hat er Helfer, die ihm ein Sandwich oder eine Banane reichen, wenn die Kamera mal nicht hinschaut. Gredig schwört, genügend Wasser zu sich zu nehmen: «Auch wenn ich dann von Zeit zu Zeit auf die Toilette muss – doch das ist ein Menschenrecht!»

Nur eines bereitet ihm Sorgen: «Wenn bei den Hochrechnungen um 19 Uhr die Technik ausfällt und ich das neue Parlament von Fresszetteln ablesen müsste – das wäre ein Debakel.»









Mittwoch, 19. Oktober 2011


 Tautropfen in einem Spinnennetz. Bild: AFP/Patrick Pleul
Jede Jahreszeit, jeder Tag auch der heutige Regentag hat Schönes. Wir müssen es nur sehen.

Die klaren Worte von J. Schneider-Ammann

Der FDP Bundesrat steht ständig in der Kritik, weil er sich in den Medien zu kompliziert und unverständlich ausdrückt. Nach meinem Dafürhalten hätte er längst fachgerecht gecoacht werden können. Medienrhetorisches Coaching wäre bei Schneider-Ammann einfach  gewesen. Es ist möglich, einen Bundesrat -  mit diesen Defiziten - innert weniger Tage soweit zu bringen, dass er Botschaften mit einfacher Sprache, klar verständlich und  konkret auf den Punkt bringen kann.



Bundesrat Schneider-Ammann verspricht der Schweizer Wirtschaft Unterstützung. (B




Leider habe ich  bei ihm  nach den ersten verpatzten Auftritten kaum eine Verbesserung festgestellt. Bei Giacobbo ist der Wirtschaftsminister bereits zu einer dankbaren  Lachnummer verkommen. Die Beiträge haben inzwischen im Internet Kultstatus.


  1. Klare Worte von Schneider-Ammann - Giacobbo / Müller ...

    www.videoportal.sf.tv/video?id=6ad7389c-18ad-4a64-9f6d...
    2. Okt. 2011 – Klare Worte von Schneider-Ammann ... Video Giacobbo / Müller - Klare Worte von Schneider-Ammann. Klare Worte von Schneider-Ammann ...



Der Generalsekretär der FDP mag recht haben: Der Wirtschaftsminister hat einen guten Leistungsausweis (Er verteidigte den FDP Bundesrat an der letzten ARENA).
Was nützt es jedoch, wenn  sich eine kompetente Person - mit grosser Führungserfahrung - nicht richtig ausdrücken kann? Ein Bundesrat sollte unbedingt - wie ein Parlamentarier - medienrhetorisch ausgebildet  sein. Wenn nicht, müsste er sofort im Umgang mit Medien weitergebildet werden. Parlament kommt bekanntlich von reden (parlare). Auch für Politiker ist  kommunikative Kompetenz  eine Kernkompetenz. 



Uebrigens: Giacobbo hat in seinen Zitaten nichts manipuliert. Die unprofessionellen Formulierungen hat der Bundesrat  so ausgesprochen, wie sie inden Spots wiedergegeben werden.


Betrachten wir folgende Formulierung:


"Diese Diskussion wird schwierig sein, da bilde ich mir nichts ein. Der Paradigmenwechsel - ist -äh - eine Gewaltsherausforderung für uns - und es braucht auch Umfeldbedingungen, um die Diskussion überhaupt führen zu können oder meinen, dass auch die- ääh - Wirtschaft---- die Wirtschaftsverbände, die Branchen---heute und  vor dem Hintergrund - der -- äh - mittel und längerfristigen Entwicklung jetzt mithelfen, die Diskussion zu führen."



ANALYSE:


 -Schneider Ammann spricht zu kompliziert. In den Medien sollten wir so reden, wie in einem privaten Gespräch. So wie ich einer fremden Person an der Party etwas erzähle.

Es dominieren Substantive (Paradigmenwechsel, Gewaltsherausforderung, Umfeldbedingungen, Entwicklung). Die Sprache müsste von Verben getragen werden.

 -Paradigmenwechsel tönt gut. In den Medien muss ich  nicht beweisen, dass ich  Fremdwörter beherrsche. Wahrscheinlich will der Wirtschaftminister sagen, dass  die Sicht der Fachmeinungen ständig ändert.


- Die Gedanken sind  zu lang. Ein Gedanke über 12 bis 15 Worte kann vom Empfänger nicht mehr als Ganzes aufgenommen werden und der Redner verliert den roten Faden. Schneider Ammann koppelt die Gedanken, statt den Gedankenbogen jeweils abzuschliessen. Nach dem ersten Satz folgt ein Wortbandwurm von sage und schreibe 45 Wörtern!


- J. Schneider- Ammann kennt die Pausentechnik nicht. Seine "Aehs" sind sogenannte Platzhalter der Pause. Vielleicht will er mit dem "Aeh" signalisieren: Ich will weiterreden. Bitte unterbrich mich nicht.



Ich habe in Seminaren diese Aussage mehreren Gruppen vorspielen lassen und wollte wissen, was Schneider- Ammann gesagt hat. Die meisten verstanden "Bahnhof".

Dann gab ich den Text in gedruckter Form ab und verlangte eine mediengerechte Umformulierung.

Hier der taugliche Lösungsvorschlag eines Teilnehmers:


"Die Diskussion ist für mich schwierig. Die Sicht der Fachmeinung wechselt ständig. Die Wirtschaftsverbände und Branchen müssen zu den Diskussionen beigezogen werden. Nur so können wir mittel und längerfristig die Diskussion weiterführen."

  1. Klare Worte von Schneider-Ammann - Giacobbo / Müller ...



    www.videoportal.sf.tv/video?id=298e9a73-f1e4-49ec...9. Okt. 2011 - 45 Sek.
    Klare Worte von Schneider-Ammann ... Video Giacobbo / Müller - Klare Worte von Schneider-Ammann. Klare Worte ...



Hinsichtlich  Kommunikationsverhalten geht es leider  bei Schneider-Ammann nicht nur um seine rhetorischen Patzer, die ihn zum negativen Bekanntheitsgrad verholfen haben. Er  patzte auch beim Kommunikationsmanagement.


So  hatte er bereits nach dem Amtsantritt im November  2010 einen Fehlstart. Kurz nach der Vereidigung gab er in den Medien Exklusivinterviews und berichtete in der "Basler Zeitung" über den geplatzten Kuhhandel. Damit richtete er ein Debakel an. Dann im Sommer bei der Frankenkrise ermunterte er die Bürger vor laufender Kamera ( Schweizer Fernsehen) zum Einkauf billiger Produkte im Ausland.


Nun geht der angeschlagene Wirtschaftsminister kurz vor den Wahlen immerhin  in die Offensive und ersetzt seinen Kommunikationschef Christoph Hans mit Ruedi Christen. Wenngleich Christoph Hans gewisse Mängel in die Schuhe geschoben werden können und Christen  das Coaching nachholen kann, so bleibt das Image des Wirtschaftsministers dennoch  angeschlagen. Die personelle Bereinigung erfolgt zu spät. Es braucht sehr viel Aufwand, wenn festgefahrene Urteile oder Vorurteile - selbst bei Profi Beratern - wieder aus der Welt geschafft werden müssen.


Kommentar: Ein Politiker darf nie zuwarten mit der Zusatzausbildung, vor allem, wenn er feststellt, dass er medienrhetorisch  ein Defizit hat. Was nützt die fachliche Kompetenz, wenn das Image einer kompetenten Persönlichkeit durch banale Mängel beschädigt wird? Auftritte vor Mikrofon und Kamera müssen zusätzlich gelernt werden, so wie das ABC in der Schule.  Medienkommunikation ist nur dann  einfach, wenn man die wichtigsten Grund-Regeln beherrscht. Mit Lesen oder  Zuschauen kann die Medienkompetenz nicht erworben werden.  Es geht nur mit praktischen Uebungen im Simulator dank "learning by doing". Prozessorientiertes Training mit einem professionellen Coach lohnt sich deshalb immer. Ich wünsche Ruedi Christen eine geschickte Hand bei seiner anspruchsvollen Arbeit.