Sonntag, 12. September 2010

MEDIENRHETORIK

Simonetta Sommaruga wiederholt gekonnt ihre Kernbotschaften

Von Marcus Knill*

Nachdem bekannt wurde, dass die Berner SP Ständerätin Sommaruga zur Nachfolge Leuenbergers antreten will, musste sie sich in Dutzenden von Interview stellen, offensichtlich professionell vorbereitet, wiederholte sie in allen Medien, auch auf dem heissen Stuhl in der Rundschau (SF), die Kernaussagen:

- Ich arbeite lösungsorientiert und bin nicht aufs Polarisieren bedacht

- Ich möchte bei der Bevölkerung verlorene Vertrauen wieder herstellen. Die Glaubwürdigkeit, das Vertrauen in die Regierung hat 1. Priorität. Dann gilt es auch die Sozialwerke zu sichern und nach der Finanzkrise gilt es zu überlegen, was vorgekehrt werden muss, dass unser Staat nicht nochmals in die Geiselhaft von Grossbanken genommen werden kann.

- Ich setze mich für die Schwächeren und die Konsumenten ein

- Ich bin mir bewusst dass es bei der zunehmenden Personifizierung und Mediatisierung der politischen Tätigkeit, schwieriger geworden ist, Kollegialität zu pflegen, so dürfen Bundesräte nicht ihre persönliche Meinung ständig hinausposaunen

- Ich bin überzeugte SP Politikerin, doch erlaube ich mir auch kritische Gedanken. Schon Helmut Hubacher hatte gesagt: Nur eine Partei die zwei Flügel hat, kann fliegen. Ich stehe zu meiner Meinung. In der SP darf man eine andere Sicht der Dinge einbringen. Man müsste mir eine Person nenne, die sagt, ich hätte keinen Rückhalt in der Partei. Es wäre ein Gräuel wenn man in einer Partei nur eine Meinung haben darf.

- Ich würde mir auch als Bundesrätin Zeit nehmen zum Klavierspielen und Romane lesen. Ein Bundesrat soll nicht nur Akten lesen

- Ich politisiere vorausschauend d.h. ich will immer zuerst die Entscheidungsgrundlagen erarbeiten, auch im Zusammenhang mit dem bilateralen Weg mit Europa. Ich bin für eine offene Schweiz, für die Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Zur Frage des Wunschdepartementes: Ein Kandidat muss bereit sein, alle Departemente zu übernehmen

Sommaruga will Vertrauen wiederherstellen

(Quelle 20 Min) Die Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga kandidiert offiziell für den Bundesrat. Im Interview erklärt die Kronfavoritin, was sie am Amt reizen würde und warum sie auch als Bundesrätin noch Klavier spielen würde.

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Simonetta Sommaruga gibt ihre Kandidatur bekannt. (Keystone)

Frau Sommaruga, was hat Sie zu Ihrem Entscheid bewogen? Simonetta Sommaruga:

Er fiel mir nicht leicht, ich habe mir vier Wochen Bedenkzeit genommen. Schliesslich entschied ich mich für die Kandidatur, weil ich gerne dazu ­beitragen möchte, dass der Bundesrat das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnt.

Was befähigt Sie in besonderem Ausmass dazu?

In meiner politischen Arbeit habe ich bewiesen, dass ich über die Parteigrenzen hinweg­schauen kann. Die Lösung und nicht die sture Ideologie steht für mich im Vordergrund.

Ärgert es Sie, dass Sie ausgerechnet von Ihren politischen Gegnern ins Amt gewählt werden könnten?

Schon um in den Ständerat gewählt zu werden, waren Stimmen aus anderen Lagern notwendig. Ich wehre mich aber dagegen, innerhalb der SP an den Rand gedrückt zu werden. Ich bin gut verankert und fände es sogar gefährlich, wenn es nicht ab und zu parteiinterne Differenzen gäbe.

Man kennt Sie auch als Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz. Bleiben Sie ­diesem Credo treu?

Ganz bestimmt. Dieses Engagement für die Schwächeren ist mir sehr wichtig. Ich erhalte täglich Reaktionen auf meine Funktion und möchte die Nähe zu den Leuten auch als allfällige Bundesrätin unbedingt beibehalten.

Sie sind ausgebildete Pianistin. Kämen Sie als Bundesrätin noch zum Spielen?

Natürlich kann ich der Musik nicht so viel Zeit wie früher widmen, sie ist aber immer noch ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Mit Ständerat Rolf Schweiger habe ich sogar einmal ein vierhändiges Ständchen gespielt.

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Aus einem Interview im Tagesanzeiger:

«In den nächsten Wochen spielen Dinge eine Rolle, die ich nicht beeinflussen kann»: Simonetta Sommaruga gab gestern ihre Bundesratskandidatur bekannt.

Sommarugas Versprechen

SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga hat gestern vor den Medien ihre Kandidatur für die Nachfolge von Moritz Leuenberger begründet. Sie stellte sich als «lösungsorientierte und nicht auf Polarisierung bedachte» Politikerin dar. Mit «Offenheit, Ehrlichkeit, einer vorausschauenden Politik und dem Willen, auch unbequeme und schwierige Fragen anzupacken» möchte sie dazu beitragen, dass der Bundesrat das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnt. «Vorausschauend» heisst für sie etwa, dass der Bundesrat auf die neue Ausgangslage im Verhältnis zur EU reagiert und «Entscheidgrundlagen» für Alternativen zum bilateralen Weg erarbeitet. So seien zum Beispiel auch Norwegens Erfahrungen im EWR genauer zu prüfen. Eine Diskussion über den EU-Beitritt hält sie hingegen aufgrund der geringen politischen Erfolgschancen für «unproduktiv». (paf)

Sie versichern, lange um Ihre Bundesratskandidatur gerungen zu haben. Aber in Tat und Wahrheit haben Sie dieses Amt doch seit Jahren angestrebt.

So ist es nicht. Ich habe mir die Kandidatur in den letzten vier Wochen sehr genau überlegt und mich mit meinen Ängsten und Befürchtungen auseinandergesetzt. Ich habe mich gefragt, ob ich diesem Amt gewachsen bin. Ob ich meine politischen Stärken im Bundesrat einbringen kann. Und ob mir als Bundesrätin genug Freiräume und Zeit für Kreativität bleiben. Das war ein sehr wichtiger Prozess für mich.

Freiräume? Kreativität?

Ich weiss, was für mich lebenswichtig ist: meine Partnerschaft, enge Freundschaften, Klavier spielen, hin und wieder im Garten arbeiten. Und ich will nicht nur Akten lesen, sondern auch Romane, Erzählungen und Märchen.

Sie wollen dafür sorgen, dass die Bevölkerung das Vertrauen in den Bundesrat zurückgewinnt. Mit diesem Anspruch sind schon Doris Leuthard und Didier Burkhalter angetreten – und gescheitert. Warum soll es Ihnen gelingen?

Es wäre vermessen, zu meinen, eine einzelne Person könnte den Wandel schaffen. Aber ich will einen Beitrag leisten. Wenn genug Bundesräte gewillt sind, daran zu arbeiten, wird das Vertrauen in den Bundesrat zurückkehren. Das passiert aber nicht von heute auf morgen. Mit der starken Personalisierung und Mediatisierung der Politik ist es schwierig geworden, Kollegialität zu leben.

Was beinhaltet Kollegialität?

Bundesräte sollen nicht ständig ihre persönliche Meinung hinausposaunen oder gar öffentlich Kollegen schlechtmachen. Und sie müssen bereit sein, sich auf Lernprozesse innerhalb der Regierung einzulassen. Jeder soll mit seinen eigenen Vorstellungen in die Diskussion steigen, aber immer im Bewusstsein, dass der andere recht haben könnte. Zuhören, neugierig bleiben, sich aufeinander zubewegen – solche gemeinsamen Lernprozesse faszinieren mich.

Es heisst, Sie hätten den Gemeinderatskollegen ständig in deren Dossiers hineingeredet. Wollen Sie im Bundesrat besserwisserisch überall eingreifen?

Gut vorbereitet sein, mitreden und mitgestalten – das erwarte ich von jedem Mitglied einer Exekutive. Bundesräte sollen sich Gedanken über die Geschäfte ihrer Kollegen machen. Entscheidend ist aber die Art und Weise, wie sie sich einbringen. Falsch ist es, zuerst an die Öffentlichkeit zu gelangen und erst dann im Kollegium zu diskutieren. Damit eine Regierung funktioniert, sind zudem menschliche Qualitäten wichtig. Man muss einander respektieren.

Die Medien stellen Sie als Lichtgestalt dar – als hochkompetente Brückenbauerin mit Feingefühl und Kommunikationstalent. Ist Ihnen die Topstar-Rolle nicht unheimlich?

Ich bin ein nüchterner Mensch. Heute wird man hochgejubelt und morgen abgeschrieben – so funktionieren die Medien. In den nächsten Wochen werden Dinge eine Rolle spielen, die ich nicht beeinflussen kann. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier kennen mich als Person und wissen, was ich geleistet habe. Wenn sie mich wählen, freut mich das. Aber ich werde mich nicht verbiegen, um gewählt zu werden.

Keine Angst vor dem Obama-Syndrom? Davor, dass Sie die hoch gesteckten Erwartungen nur enttäuschen können?

Es stimmt, ich spüre schon jetzt einen grossen Erwartungsdruck. Aber es ist absurd, so zu tun, als könnte eine neue Bundesrätin das ganze Land verändern. Eine solche Haltung führt zwangsläufig zu Enttäuschungen. Solange ich aber ich selber bleibe, habe ich nicht das Gefühl, ungerechtfertigte Erwartungen zu wecken und Menschen zu enttäuschen.

ANALYSE:

Wenn Frauen laut reden, klingt es oft schrill, unangenehm, nervös. Störend ist es, wenn sich dazu noch die Stimme überschlägt. Wer auch noch unkoordiniert fuchtelt, überzeugt nicht. Viele Politikerinnen haben nicht gelernt, nicht in die Stimmfalle zu tappen. Simonetta Sommaruga hat auch eine recht hohe Stimme. Doch die Stimmfarbe ist angenehm. Sie spricht ausbalanciert und zurückhaltend sanft. Man hört gerne zu. Mir fiel auf, dass sie sich nie provozieren lässt. Sie versteht es - mit einem Lächeln, das die Aussage nicht abschwächt für sich einzunehmen.

Nach meinen Informationen nahm die Politikerin Schauspielunterricht und hat ein Stimmtraining hinter sich. Die Stimmbildung wirkt sich positiv auf die Stimmung aus, die sie verbreitet. Sommarugas Rhetorik beweist einmal mehr, dass Stimme und Art und Weise des Sprechens das Publikum oft stärker beeinflussen als der Inhalt. Bundesrat Furgler tappte beinahe in die Perfektionsfalle, er sprach zu perfekt. Simonetta Sommaruga müsste bei einer Wahl bedenken, dass jene Politiker, die sie wählen sollen, eine herausragende, zu perfekte Kollegin nicht mit Herzblut wählen.

Die protokollierten Interviews haben mich vor allem deshalb überzeugt, weil die Kandidatin die oben erwähnten Kernbotschaften konsequent wiederholt und geschickt in ihre Antworten einbaut.

KOMMENTAR:

Etwas machte mich stutzig: Die Kandidatin betont, dass sie als Bundesrätin weiterhin Klavier spielen möchte, dass sie die Partnerschaft und ihre Freunde weiterhin voll und ganz pflegen werde. Auch wolle sie weiterhin ab und zu im Garten arbeiten. Ferner möchte sie sich auch noch Zeit nehmen, Romane, Erzählungen und Märchen zu lesen.

Wenn Simonetta Sommaruga dem Klavierspiel, der Unterhaltungslektüre und ihrer privaten Gesellschaft eine solch grosse Bedeutung zumisst - aber alle wissen, dass der Bundesrat ein sehr forderndes Geschäft ist - erlaube ich mir die Frage: Kann die Bundesrätin mit ihren Freiräumen den aufreibenden Job in der Praxis noch ungebremst ausüben?

Worauf ist sie stolz? Und welches Fluchwort rutscht ihr am häufigsten heraus? Simonetta Sommaruga stellt sich dem Frontalinterview.

Simonetta Sommaruga im Interview Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal

41 Fragen, zwei Kameras und eine Kandidatin: Simonetta Sommaruga (50), Berner SP-Ständerätin, wurde im Videointerview von 20 Minuten Online auf die Probe gestellt

* Marcus Knill, Experte für Medienrhetorik (www.knill.com). Autor des im virtuellen Buches www.rhetorik.ch

Donnerstag, 9. September 2010

Wir empfehlen eine bildhafte Sprache-

doch müssen die Bilder stimmen

In der Auseinandersetzung um den Bau des neuen Bahnhofes in Stuttgart, hörte ich folgende Drohung:

Es wird einen heissen Herbst geben! Ihr müsst Euch warm anziehen!

Eine Regierungsrätin, der empfohlen wurde, bildhaft zu reden, sagte vor Jahren:

Der Wald muss auch Federn lassen.

Fazit: Analogieen und Bilder müssen übereinstimmen. Ein Wald ist kein Huhn. Weshalb soll ich mich bei Hitze warm anziehen? Sprache hat mit DENKEN zu tun. Die LOGIK darf beim Sprechen nicht ausgeklammert werden. Mein Physiklehrer - der sonst logisch denken konnte - sagte einmal :

Ihr müsst nicht verdunkeln. Es ist hell genug!

Mittwoch, 8. September 2010

Lerntechniken, die sich bewährten

Im Tagi gefunden:

Die 11 Lerntricks der Supermaturandin

Auswendiglernen? Lesen? Nicht unbedingt nötig, meint die erste Schülerin, die an der Kanti Wetzikon alle Maturaprüfungen mit Sechsern abgeschlossen hat.

Kim Borsky, die beste Wetziker Maturandin aller Zeiten, erklärt wie man am besten lernt.

Neun Prüfungen hatten die Maturanden der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) in Wetzikon zu schreiben. Kim Borsky hat sie allesamt mit Sechsern bestanden – Rekord. Den Lesern von Tagesanzeiger.ch erklärt die 18-Jährige, wie man Erfolg hat, ohne Tag und Nacht für die Schule zu lernen.

Borsky ist ohne Zweifel sehr talentiert und mit einem beneidenswerten Kurzzeitgedächtnis ausgestattet. Ihre Sechserserie in so verschiedenen Disziplinen wie Deutsch-Aufsatz oder Mathematik verdankt die Rütnerin aber auch ihrem analytischen Können – sie durchschaut das Schulsystem, die Lehrer und ihre Maschen. Selbst für Schüler, die weniger diszipliniert ans Werk gehen als sie, hat Borsky Tipps auf Lager. (Tagesanzeiger.ch/Newsne

Kommentar: Als Ombudsmann der Kantonsschule Schaffhausen habe ich immer wieder Schülerinnen und Schüler in der Beratung, die nie gelernt hatten, systematisch zu lernen. Kim Borsky kommt auf einen zentralen Punkt, den ich beim effizienten Lernen stets herausstreiche: WENIGER IST MEHR! Bei den meisten Punkten der Top Schülerin geht es um den Grundsatz: Konzentriert Euch auf das WESENTLICHE! Sie unterstreicht die Bedeutung des Markierens, des Rhythmisierens (Spannung Entspannung). Ich finde alle Tipps beachtenswert. Immer wieder stelle ich bei Schulbesuchen fest, dass wir viel zu viel vom Gruppenlernen halten. Meist arbeitet in der Gruppe nur einer und die andern bleiben passiv. Dass sich das Ausklinken bei mathematischen Problemen nicht lohnt, habe ich in der Mittelschulzeit bei mir selbst hautnah erlebt. Wer gute Spicks schreiben kann, hat übrigens gelernt, die Fülle an Wissen auf das WESENTLICHE zu reduzieren. Allein schon das "Spick schreiben" ist aus meiner Sicht ein Lernprozess. Ein Lehrer könnte sogar selbst gefertigte Spicks begutachen und daraus erkennen, wer fähig ist, Wesentliches auf den Punkt zu bringen.

Montag, 6. September 2010

Kachelmann vor Gericht

Bei den wenigen Sequenzen, die ich gesehen habe, sehe ich einen gefassten Angeklagten, mit gepflegtem Aeusseren (Kleid, Haare, sauber rasiert). Gefasst auch mit den Händen auf dem Rücken. Das Gesicht wirkt konzentriert - auch die Augen. Die Klägerin würdigt er mit keinem Blick.

Aus TAGI:

Ein kurzer Auftritt mit vielen Überraschungen

Der erste Verhandlungstag im Prozess gegen Jörg Kachelmann war schnell vorbei – ein Befangenheitsantrag stoppte das Verfahren für eine Woche. Doch schon heute zeigte sich: Beide Seiten kämpfen mit harten Bandagen.

Überraschung am Tag 1: Kachelmann-Prozess vertagt. (Video: Reuters)

Der Herbst hält Einzug

Sonntag, 5. September 2010

Jugendslang oder Balkan-Dialekt bei der SBB?

Aus 20 Min (Leserfoto)

Nicht ganz Deutsch, aber deutlich stand auf einer S-Bahn im Zürcher Hauptbahnhof, dass sie nicht zu betreten sei.

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Oder: Hat sich der Zugführer am Sonntagmorgen einen Scherz erlaubt? (Bild: Leser-Reporter Pädu)

Ausländische Studenten profitieren von der Regelung, dass in der Schweiz der billige Bachelorabschluss automatisch ein Masterstudium zulässt.

Die Universitäten werden von ausländischen Studenten überrannt.

Quelle NZZam Sonntag und TAGI:

Der Zulauf von ausländischen Studenten mit dürftigem Leistungsausweis wird an Schweizer Universitäten immer grösser. Verschiedene Rektoren beklagen Qualitätsverluste. Nun kündigen sie konkrete Massnahmen an.

Grosser Ansturm auf die Aula: Vorlesung an der Zürcher ETH.

Grosser Ansturm auf die Aula: Vorlesung an der Zürcher ETH. Bild: Keystone

Bologna-System in der Schweiz

Als eine der ersten Nationen hat die Schweiz das Abkommen von Bologna umgesetzt. Die im Jahr 1999 entstandene Reform sieht eine Umverteilung des Studiums in die Phasen Bachelor, Master und Doktorat vor. Ein Bachelorstudium dauert in der Regel drei Jahre, ein Master zwei und die Dauer des Doktorats ist individuell festlegbar.

Inzwischen beteiligen sich 47 Nationen an der Reform. In der Schweiz gilt, nicht wie in vielen anderen Ländern, der Masterstudiengang als Grundstudium. Entsprechend viele Studierende sehen nach dem Abschluss des Bachelors ihr Studium als nicht beendet.

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, belastet der grosse Zustrom ausländischer Studierenden die Schweizer Universitäten. So soll bereits jeder vierte Masterstudent aus dem Ausland stammen. Die Schweizer Unis locken Studierende aus der ganzen Welt an. Seit der Umsetzung des Bologna-Systems im Jahr 1999 hat sich dieser Umstand noch verstärkt.

So würden Studentinnen und Studenten aus dem Ausland von einer Besonderheit des Schweizer Systems profitieren: Anders als in anderen Ländern haben hier Studierende mit dem Bachelor-Abschluss praktisch freien Zugang zum Masterstudiengang. Heute kommt jeder vierte Master-Student in der Schweiz aus dem Ausland. Viele von ihnen haben aber eine dürftige Bachelor-Ausbildung.

«Nicht auf dem gewünschten Qualitätsniveau»

Die ausländischen Bewerbungen befänden sich «generell nicht auf dem gewünschten Qualitätsniveau», sagt ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach der «NZZ am Sonntag». Um das hohe Niveau zu halten, müsse die ETH ihre Masterstudierenden auswählen können. Auch Thomas Dyllick, Prorektor der ETH berichtet von Engpässen in der ETH: «Wir werden überrannt».

Zurzeit hätten Universitäten kaum Möglichkeiten Studierende aus dem Ausland abzulehnen. Heidi Wunderli-Allenspach will sich bei der Rektorenkonferenz der Universitäten dafür einsetzen. Die Konferenz berät bereits darüber, den Zugang vom Bachelor zum Masterstudium einzuschränken. Ende Jahr soll ein Antrag vorliegen, über den die Bildungsdirektoren der Universitätskantone entscheiden sollen.

Kommentar: Automatische Zulassungen führen auf allen Stufen immer zu einer Qualitätsminderung.

Der Trend des Verzichtes auf Selektionen beginnt schon in der Volksschule. Es gibt Pädagogen, die träumen von einer prüfungsfreien, selektionslosen Bildungsgesellschaft. Die Frage ist berechtigt, ob wir die Akademisierung so weit treiben sollen, dass die Inflation von Hochschulabsolventen dazu führt, dass Masterabsolventen als Taxichauffeur arbeiten müssen.