Freitag, 2. Juli 2010
Erfolglose Maltherapie?
Das farbenprächtige Bundesratbild weckte gestern Hoffnung. Alle glaubten, der Bundesrat wisse nun, was Kooperation heisst.
Und nun das: Bereits am nachfolgenden Tag lesen wir im Blick:
Ich zitiere
Unter dem Traktandum «Varia» lancierte SP-Infrastrukturminister Moritz Leuenberger eine heftige Attacke auf seine Parteikollegin Micheline Calmy-Rey. Sie solle jetzt endlich Details zur Libyen-Affäre mit den Geisel-Befreiungsplänen auf den Tisch legen, soll Leuenberger zum Erstaunen mancher Bundesratskollegen vorgebracht haben.
Bild TAGI:
Aus dem Angriff aus heiterem Himmel ergab sich eine rund einstündige Diskussion in der Regierung. Sicher ist, dass nicht nur Calmy-Rey irritiert war über das Vorgehen des SP-Magistraten.
Bisher nur Attacken von Merz und Leuthard
Bei früheren Gelegenheiten waren es Bundespräsidentin Doris Leuthard (CVP) und Finanzminister Hans-Rudolf Merz (FDP), die Aussenministerin Calmy-Rey wegen der Libyen-Sache ins Visier nahmen. Dass jetzt ausgerechnet SP-Mann Leuenberger in den Chor einstimmte, ist doch eher aussergewöhnlich. Zumal es in den letzten Tagen schien, als hätten sich die Wogen etwas geglättet. Parteikollegen attackieren sich gewöhnlich nicht. Schon gar nicht, wenn einer von ihnen unter Druck ist wie derzeit die Aussenministerin. Über Leuenbergers Motive scheiden sich darum die Geister.Nachspiel in der SP
Die heftige Auseinandersetzung wird zweifellos ein Nachspiel in der SP haben. SP-Chef Christian Levrat allerdings sagte gestern gegenüber BLICK, der Vorfall sei ihm nicht bekannt. Bereits vor zwei Wochen war es im Bundesrat zum Streit um die Libyen-Affäre gekommen. Merz hatte Calmy-Rey damals (nach heutigem Wissensstand zu Unrecht) beschuldigt, sie habe ihn nicht über Befreiungspläne informiert. Anfang letzter Woche war es im Bundesrat noch einmal zu einer Auseinandersetzung gekommen. Im Anschluss daran gab Bundespräsidentin Leuthard die umstrittene Erklärung ab, wonach es «Einsatzbefehle» gegeben habe. Eine Aussage, die so von GPDel-Präsident Claude Janiak dementiert wurde.Kommentar: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Gehen wir trotz allem davon aus, das sei nun der allerletzte Patzer in der Kommunikationslandschaft des Bundesrates
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marcus knill
um
11:00
Donnerstag, 1. Juli 2010
Das aussagekräftige LeitBILD des Bundesrates
Es scheint das erste Mal zu sein, dass der Gesamtbundesrat als Team ein Gesamtwerk geschaffen hat. Die erste Therapiestunde (Förderung der Teamfähigkeit) wurde positiv beurteilt. Anregung: Nach jeder Kommunikationspanne wird eine gemeinsame Malstunde im Bundeshauskeller verfügt. Unter der Anleitung von echten Künstlern schuf der Bundesrat ein sogenanntes Aktionskunstwerk. Indem jedes Mitglied mit einer selbst gewählten Farbe die Unterschrift auf die Leinwand pinselte, gelang es den "Animatoren", die Landesregierung zu aktivieren. Wie jedoch zu erfahren war, soll sich ein Mitglied geweigert haben, aktiv mit zu machen. Falls dies zutreffen würde, macht uns diese originelle Maltherapiestunde bewusst: Aktionitis allein genügt noch nicht eine angeschlagene Landesregierung kooperativer zu machen.
Ich zitiere TAGI:
Einige der Magistraten scheinen sich zu freuen, andere weniger: Bundesräte vor ihrem Werk. Bild: KEYSTONE/AP
Video
«Es ist schön farbig geworden», stellte Bundespräsidentin Doris Leuthard nach getaner Arbeit vor den Medien im Keller des Aargauer Kunsthauses fest. Und sie betont: «Wir haben das als Team gemacht.» Es sei eine gute Erfahrung für den Bundesrat, auch kreativ zu sein. «Das Ziel war, uns in der Mitte zu treffen.» Als «kreativen Akt des Bundesrates» bezeichnete Ueli Maurer das Bild.
Kommentar: Ich verzichte auf eine tiefenpsychologischen Farbanalyse. Wir wollen nicht ergründen: Hat es nun zu viel politisches ROT oder zu viel GRUEN, BLAU oder SCHWARZ?
In den Medien habe ich die Frage gelesen:
Was sagt uns dieses chaotische Bild über den Bundesrat?
Antwort: Das Bild veranschaulicht, wie chaotisch der Bundesrat während der letzten Monaten kommuniziert hat. Doch gibt mir das bunte, farbenfrohe Bild Hoffnung, dass die Maltherapie des Bundesrates das Kommunikationsklima künftig doch positiv beeinflussen könnte.
Uebrigens: Die Presse durfte den "Künstlern" nicht über die Achsel schauen. Damit kann wie üblich spekuliert werden oder noch besser: Warten wir ab. Mit Indiskretionen darf auch in diesem Fall gerechnet werden. Gut möglich, dass ein Bundesratsmitglied an einer improvisierten Medienkonferenz demnächst verkündet, dass es nicht stimmt, dass Bunderat Maurer mit seinem Pinsel zu oft in den grünen Topf gegriffen habe.
Der Kommentar des Bundesrates Merz sagt immerhin schon jetzt etwas Aufschlussreiches aus. Er findet:
Es sei eine originelle Idee, dass der Bundesrat etwas so frei habe gestalten dürfen. Ohne STRUKTUR, ohne AUFTRAG, ohne ZIEL.
Da müssen sich beim Malen einige Magistraten recht wohl gefühlt haben. Denn das war eigentlich wie sonst im Alltag - bei der üblichen politischen Tätigkeit. Dort fehlt es bekanntlich auch oft an der STRUKTUR und am ZIEL bei den individuellen Verlautbarungen.
Mein Vorschlag: Versteigern wir das erste magistrale Kunstwerk. Der Erlös könnte der EDA überreicht werden- für den geschröpften Topf der Lösegelder (bei Erpressungen).
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marcus knill
um
17:01
Mittwoch, 30. Juni 2010
Denkzettel für Merkel
Erst im dritten Wahlgang wurde der neue Bundespräsident Christian Wulff gewählt. Nachdem im zweiten Wahlgang Merkels Wunschkandidat immer noch nicht das absolute Mehr hatte, beobachtete ich Angela Merkels Körpersprache: Wie versteinert sass sie da. Völlig beherrscht, kalt, wie versteinert. Nur eine Schluckbewegung verriet: Der Kanzlerin bleibt der Entscheid im Hals stecken. Der Körper kann nicht lügen: Merkel musste gleichsam die Kröte (Entscheid) schlucken.
Von deutschen Politikern habe ich erfahren, dass es der machtbesessene Kanzlerin gelang - mit diesem Schachzug - einen weiteren Rivalen vor der Kanzlerwahl auf elegante Weise zu "beseitigen". Mit der Wahl Wulffs kann er ihr nicht mehr gefährlich werden. Ich hatte vor einigen Monaten Angela Merkels Körpersprache eingehend analysiert (Beitrag "Politikerportraits") und dabei festgestellt: Diese Frau wusste immer, was sie will. Sie signalisierte über Jahre: Ihr müsst mit mir rechnen. Tatsächlich brachte sie es fertig, ihre Machtposition ständig auszubauen. Für die Machterhaltung machte sie alles und verstand es laufend, unliebsame Konkurrenten auszuschalten.
LINK:
Nachlese:
Immer konnte sich die lädierte, führungsschwache Kanzlerin nicht beherrschen:
Angela Merkel am Donnerstag im Bundestag. (Bild: Reuters)
- Die deutsche Presse sprach vorwiegend negativ mit Begriffen wie: BLAMAGE - FIASKO - SCHLAPPE
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- Angela Merkel hat den richtigen Riecher, wann sie was machen muss, um ein lädiertes Image auf zumöbeln.
- Sie flog sofort nach Südamerika und spielte die Sportbegeisterte. Sie hatte Glück. Deutschland gewann und Merkel konnte damit bei einem Millionenpublikum die notwendigen Punkte holen. Ihre Schlappe scheint vergessen.
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marcus knill
um
22:07
Sinnlose Leitbilder
Unter Bildrhetorik verstehe ich konkrete Formulierungen, die unsere Sinne ansprechen. Aussagen die uns mit den Ohren konkrete Bilder sehen lassen. Ich sehe gleichsam das Gesagte.
Im Gegensatz dazu haben wir in unserem Artikel "Airbagrhetorik" (Navigation über das Inhaltsverzeichnis "www.rhetorik.ch") gezeigt, wie zu oft beim Reden nur heisse Luft produziert wird. Es sind Plausibilitäsformulierungen, die immer richtig sind und gut klingen - aber nichts Konkretes Aussagen.
In einem Migros - Magazin surfte Bänz Freidli im Internet und fand bei zahlreichen Schulen nach deren "LeitBILDERN". Er wurde fündig. Er fand vorwiegend "sinnlose" Leerformeln, gedrechselte Formulierungen und wunderte sich, wie BANALES als hochstehende Aussagen in Worte gefasst werden können.Es muss angefügt werden, dass die Schulen oft stundenlang in Workshops die heisse Luft (Leerformeln) produziert hatten.
Ich zitiere aus dem Worthülsenjargon:
In der Präambel ist zu lesen:
"Die Bezeichnung WIR steht für alle beteiligten Personen, insbesondere Schüler und Schülerinnen. Eltern, Hauswarte,, Lehrpersonen sowie Behördemitglieder"
Friedli wunderte sich dass Wort wie "Elternteile", "Hauswartsteile" fehlen.
Mich bin froh, dass immerhin auf die falsche Bezeichnung "Behördemitgliederinnen" verzichtet wurde.
Ferner lese ich:
"Die Beziehung zwischen allen Beteiligten ist geprägt von Wertschätzung und gegenseitiger Unterstützung."
"Die Lehrerinnen und Lehrer geben den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, den Unterricht und das Zusammenleben im Schulhaus entsprechend ihrer Fähigkeiten und Voraussetzungen mitzugestalten. Sie ermöglichen Lernen mit allen Sinnen. sie vermitteln situativ angepasste Arbeits- und Lerntechniken."
Warum wurden die Autoren des Leitbildes nicht gezwungen, beim Schreiben die Sinne anzusprechen. Ich habe unzählige Leitbilder gelesen - auch in Spitälern - es sind oft SINNlose Hohlformeln.
Zu oft wird Selbstverständliches in Worte gefasst z.B.:
"Lebendiger Unterricht" -"Rücksichtnahme"oder, "dass man den besonders Begabten genau so Rechnung trägt, wie, wie denjenigen, die Mühe haben."
Ich frage mich: Wird der Unterricht durch dieses aufwändige Zusammentragen von Selbstverständlichkeiten tatsächlich ganzheitlicher- altersgemässer und besser?
Eine Lehrerin reagierte entnervt. "Was sollen wir denn Konkretes schreiben? Etwa: Wenn einer dir auf den Sack gibt, bitte haue ihm nicht auf die Fresse!"
Der Autor des Kommentators im Migros Magazin vereinfachte das Leitbild auf die Kurzformel:
"Es gilt der gesunde Menschenverstand".
Nach meinem Dafürhalten lohnt es sich tatsächlich, ein konkretes BILD mit Worten auszumalen, das sich jeder vorstellen kann und den Geist der ganzen Schule prägt. Vorbild sind für mich Sporttrainer, die der Mannschaft ein LEITBILD mitgeben, das konkret ist und dennoch für alle gilt.
LINKS:
Zeichen-Rhetorik
Wort und Bild
rhetorik.ch aktuell: Sinnvoll Kommunizieren
11. Juni 2008 ... Aktuell Artikel · Artikel Inhaltsverzeichnis, Suche in Rhetorik.ch: www.rhetorik.ch aktuell: (11. Jun, 2008). Sinnvoll Kommunizieren ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/06_11/index.html - Cached
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marcus knill
um
19:32
Dienstag, 29. Juni 2010
Lasswellsche Formel
Ich zitiere aus Gabler Wirtschaftslexikon:
Die lasswellsche Formel ist ein Kommunikationsmodell; 1948 von H.D. Lasswell publiziert:
„Wer sagt was über welchen Kanal zu wem?“
Heute erweitert durch die Fragen nach der Kommunikationswirkung und der Umweltsituation.
Wer (Unternehmen, Werbetreibender) sagt was (Werbebotschaft) unter welchen Bedingungen (Situation) über welche Kanäle (Media) zu wem (Zielgruppe) mit welchen Wirkungen (Werbewirkung)? a'));$('html,body').scrollTop(0);return false;" class="link_4">Ausführliche Erklärung
Kommentar: Jeder Kommunikationsprozess geht von einem Sender aus, der einem Adressaten etwas übermittelt und dabei ein Medium benutzt. Ausschlaggebend ist immer die Wirkung des Kommunikationsprozesses.
Von der Wirkungsforschung zum Systemdenken
In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrtausends gingen die Wirkungsstudien davon aus, dass die moderne Gesellschaft Massengesellschaften sind, in der die einzelnen Individuen leicht manipuliert werden können vor allem durch die Massenkommunikation. Psychologische Denkmodelle gingen davon aus, dass das Verhalten des Menschen durch äußere Reize gesteuert werden kann (Stimulus-Response-Modell).Die Studie von Lazarsfeld, Berelson und Gaudet widerlegt 1944 diese Annahme. Es zeigte sich bei der Studie, dass das Publikum nicht beliebig manipulierbar und durch äußere massenmediale Reize zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen war. Daraufhin wurde verstärkt die direkte bzw. personale Kommunikation in den Blick genommen. Die so genannte "two-step-flow"-Hypothese ging davon aus, dass die weitere Verbreitung von Informationen über Meinungsführer ("opinion leader") verläuft. Auch diese Hypothese wurde im Laufe der Zeit teilweise in Frage gestellt.
Diese einzelnen Teile der Kommunikation wurden in Hinblick auf die Wirkung von Massenmedien untersucht. Die Lasswellsche Formel wurde auch herangezogen, um die vielfältigen Ergebnisse der Medienforschung zu systematisieren, wurde teilweise aber verkürzt. Silbermann und Krüger strukturierten die Ergebnisse nur noch in die Bereiche: Kommunikatorforschung, Inhaltsforschung und Rezipientenforschung.
Der Kommunikator, der Medieninhalt und der Rezipient sind bis heute unabhängig von der unmittelbaren Frage nach der Wirkung auch interessante "Forschungsobjekte".
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marcus knill
um
18:21
Einmalige Fotos in der Wüste
(Quelle Spiegel)
... die Bäume sind längst abgestorben. Die Sonne lässt die Düne aufglühen.
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marcus knill
um
04:11