Donnerstag, 13. August 2009

Eine Schülerin als offizielle Tagesschausprecherin?

Diese Meldung muss kritisch hinterfragt werden. Es wäre nämlich auch unverständlich, wenn Kinder in einem Spital offizielle Auskunftsinstanz spielen könnten oder als Ersatzlehrer - selbst mit Betreuung - unterrichten dürften. Es wäre ebenso undenkbar, wenn Kinder ohne Ausbildung in einer Kantine als Kochequipe in einem anspruchsvollen Restaurant die Nahrung zubereiten dürften. Dem Schweizer Fernsehen scheint es jedoch ernst zu sein mit dem geplanten Kinderexperiment an der Tagesschau.

Ich zitiere Blick:

Eine Primarklasse aus Dübendorf ZH übernimmt die Macht bei SF. Es ist kein Witz:

Ab 6. September macht das Schweizer Fernsehen die «Tagesschau» zur Kindersendung. Die 18-Uhr-Ausgabe (Zuschauer-Marktanteil: über 20 Prozent) ist dann in Kinderhand. Und zwar nicht nur hinter den Kulissen. Nein, SF lässt eine 12-jährige Primarschülerin die wichtigsten News des Tages live verlesen. Alleine.

Mit den Moderatoren (Béatrice Müller ist 48, Franz Fischlin und Katja Stauber werden bald 47) reift auch das Fernsehpublikum der Sendung. Dieses ist schon fast im Rentenalter: Der Zuschauerschnitt der Hauptausgabe liegt bei 59,5 Jahren. Das kann SF nicht gefallen.

Also kann es wohl nicht schaden, wenn man es mal mit Kindern mitten im News-Geschehen probiert. «Eine Sechstklässlerin wird die Sendung moderieren», bestätigt «Tagesschau»-Chef Thomas Schäppi (46). «Sie wird von Profis geschult.»

Gefunden habe SF die Wunderkinder per Bewerbung. Ein Theaterstück einer 6. Primarklasse aus Dübendorf ZH überzeugte die TV-Macher vom Können der Kids. Lehrerin Linda Bärtschi (51): «Für die Kinder wird es ein grosses Abenteuer. Sie freuen sich sehr auf ihre Arbeit.»

Die junge Moderatorin heisst Anna und kommt aus Dübendorf. Ihr Vater ist Walliser, die Mutter stammt aus der Türkei.

Anna hat Grosses vor. Sie soll ihre Texte möglichst allein schreiben. «Die Kinder sollen unbekümmert und unbedarft über alles berichten dürfen, was sie ­interessiert», sagt Lehrerin Linda Bärtschi, begeistert vom Projekt.

Wird die «Tagesschau» zum Kindergarten?

Was geschieht, wenn ein schreckliches Ereignis passiert – ein Krieg, Bomben-Terror?

Schäppi betont, dass brutale internationale News-Bilder, die im Laufe des Tages die Redaktion erreichen, vorher angeschaut werden. «Falls wirklich etwas sehr Schlimmes passiert, können die Redaktoren jederzeit einspringen.» Und Lehrerin Bärtschi hofft sehr, «dass die Kinder nie in ungemütliche Situationen kommen.»

Medienprofis haben Bedenken:

Kurt Felix findet das eine Superidee. «Für den KI.KA – den Kinderkanal – nicht für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen», sagt er.

Als «Konzessionsverletzung» bezeichnet Ex-«Tagesschau»-Chef Anton Schaller das Projekt. «Der Grundgedanke wäre ja an sich gut, aber nur, wenn man so was im Anschluss an die 18-Uhr-Ausgabe sendet», sagt er. «So ist es Humbug. Man muss ja damit rechnen, dass man im Anschluss an die Sendung Fehler korrigieren muss.»

Schaller schlägt vor, «Glanz & Gloria zu kippen und im Anschluss an die «Kindertagesschau» beide Sendungen von Medienpädagogen analysieren zu lassen.

Deutlicher wird «TeleZüri-Chef Markus Gilli: «Nachrichtenjournalismus ist kein Schülertheater. Ein 12-jähriges Mädchen bei CNN am Moderationspult – undenkbar», sagt er. Die SRG betreibe eine respektlose Quotenbolzerei auf dem Buckel der in der Tagesschau vermeldeten Opfer im Irak und in Afghanistan. «Showtime beim Staatssender – wir warten gespannt auf Naked News», sagt er.

News-Profi Erich Gysling hingegen meint: «Von mir aus kann man dieses Experiment wagen. Die Sendungen fallen ja mitten in die Session – das wird ja spannend, wie Kinder darüber berichten.»

Frank Baumann (51,«Das volle Leben») findet die Idee nicht neu. «Schon Grönemeyer forderte ja, dass Kinder an die Macht gehören.» Für Baumann ist klar, dass das Rennen für den «Superdirektor» von Radio und TV gelaufen ist. «Jetzt wird mein Nachbar Timmi Zingg den Job bekommen. Er ist 14 Jahre alt.»

Ende Zitat

Kommentar: Persönlich finde ich es gut, wenn Schüler mit den Medien vertraut gemacht werden. Die Auseinandersetzung mit modernen Medien ist enorm wichtig. Es gibt bereits unzählige medienpädagogisch wertvolle Möglichkeiten, Jugendliche mit Mikrofon und Kamera aber auch mit Printmedien aktiv auseinander setzen zu lassen um die Medientätigkeit praxisorientiert kennen zu lernen. Dass man Jugendliche jedoch am offiziellen Informationskanal experimentieren lässt, ist ein faux pas. Das wäre, wie wenn man Journalisten unausgebildet wursteln liesse, in der Hoffnung, sie würden an den gemachten Fehlern on the job selbst wertvolle Erkenntnisse sammeln können. Offizielle Informationskanäle dürfen unter keinen Umständen zum Experimentierfeld medieninteressierter Jugendlichen werden. Jene Instanzen, die sich für die Kindertagesschau auf dem echten Kanal stark gemacht haben, würden wohl kaum diese Kinder im Informationszentrum einer Kantonspolizei experimentieren lassen oder sie als Mediensprecher in einer Firma medienspezifische Erkenntnisse sammeln lassen. Niemand würde es verstehen, wenn Kinder vorübergehend als Bundeshausprecher wirken - selbst wenn sie so einen wertvollen Einblick in die Welt der Politik erhalten könnten. Dies würde niemand begreifen. Erstaunlich, dass bei der offiziellen Tagesschau das Schweizer Fernsehen keine Bedenken hat. Deshalb müsste die Uebung sofort abgebrochen werden, verbunden mit einer selbstkritischen Pressemitteilung, der Versuch sei leider ein gut gemeinter Fehlentscheid gewesen.

Mittwoch, 12. August 2009

Das Dümmste: Dünn- dünner - und dann....

Fotomontagen zeigen wohin das krankhafte Abmagern führen kann.

Ich zitiere Blick:

Auf 45 Kilo soll sich Paris Hilton runtergehungert haben. Unter Beihilfe von Photoshop purzeln die Pfunde gleich reihenweise weiter. (worth1000.com)

Der Irrglaube: Nur wer dünn ist, ist sexy und schön.

Schock-Bilder: Hollywoods Erfolgshunger

Selbst wenn sich Stars wie Scarlett Johansson mit ihren etwas weiblicheren Rundungen dem Trend eine Zeit lang entgegen stemmen können, haben sich krankhaft skelettierte Körper, eingefallene Wangenknochen, typisch hervorstehende Rippen oder überdimensionierte Kniescheiben in L.A. längst als Schönheitsideale etabliert. Insider nennen das «Red Carpet Anorexia», die Rote-Teppich-Magersucht. Dünn war den Künstler auf dem Internetportal 1000worth.com jedoch nicht dünn genug. Sie unterzogen die Körper von Leinwand-Göttinnen wie Angelina Jolie, Nicole Kidman oder Halle Berry einer radikalen Photoshop-Diät. Das Ergebnis sehen Sie in der Diashow. (lec)

Keine Windkraftwerke in Schutzgebieten

In Deutschland kam nach der ersten Euphorie der Windkraftwerke die Ernüchterung, spätestens als man merkte, dass die Windräder die einmal errichtet worden sind, Landschaften für immer visuell beeinträchtigen können. Und sich gezeigt hat, dass die grossen Flügelräder nicht völlig lärmfrei drehen. Im Winter sollen sogar herunterfallende Eisbrocken Fussgänger gefährdet haben und es wurde angeblich beobachtet, dass Raubvögel getötet worden sind. In der Schweiz erhoffte man sich, mit vielen neuen Windkraftwerken (dem Jura entlang) den Bau von neuen Atomkraftwerken verhindern zu können. Wie beim extensiven Ausbau von Wasserkraftwerken sehen nun Oekologen selbst bei der erneuerbaren Energie Grenzen. Die letzten schützenswerte Tälern dürfen nicht auch noch mit Wasserkraftwerken zerstört werden, denn die einmalige Pflanzenwelt wird durch den Wasserentzug nachhaltig gestört. Auch bei der Windkraft regt sich nun von grüner Seite Widerstand gegen den flächendeckenden Ausbau. Schutzgebiete sollen für alle Eingriffe nachhaltig geschützt werden.

Ich zitiere Tagi-online:

Die Vizepräsidentin der Grünen, Franziska Teuscher, sagt den Windturbinen auf den Jurahöhen den Kampf an. Auch die Nutzung von Sonne, Wind und Wasser habe ökologische Grenzen, kritisiert sie.

Den Landschaftsschutz für erneuerbare Energieträger opfern: Windturbinen im Berner Jura

Den Landschaftsschutz für erneuerbare Energieträger opfern: Windturbinen im Berner Jura Bild: Keystone

Auf den Jurahöhen sind mehr als 230 Windturbinen geplant. Auf dem Marchairuz-Pass im Vallée de Joux wollen die Gemeinden zusammen mit der Stadt Lausanne einen Windpark mit zehn Turbinen errichten. Stadtpräsident von Lausanne ist der Grüne Nationalrat Daniel Brelaz. Die Vizepräsidentin der Grünen, die Berner Nationalrätin Franziska Teuscher hat aber keine Freude an den Plänen von Brelaz

Das Gebiet um den Marchairuz-Pass im Vallée de Joux figuriert im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN). «Das eidgenössische Natur- und Heimatschutzgesetz verlangt die ungeschmälerte Erhaltung der BLN-Gebiete», schreibt die Bernerin auf dem Blog der Grünen.

«Soll dieser Schutz für die Förderung der erneuerbaren Energieträger geopfert und Windparks auch in BLN-Gebieten bewilligt werden?»

Keine Windparks in Schutzgebieten

Dank der kostendeckenden Einspeisevergütung komme Bewegung in die Produktion von erneuerbarer Energie. «Aber auch Windkraft muss ökologisch verträglich produziert werden», findet Teuscher. Auch wenn sie die Förderung von Sonne-, Wind- und Wasserkraft befürworte, wolle sie nicht die anderen, ebenso berechtigten Anliegen (Landschaftsschutz) über den Haufen werfen.» Windräder hätten wie neue Hochspannungsleitungen in BLN-Gebieten nichts zu suchen.

«Es wäre unglaubwürdig, Windräder zur Produktion von erneuerbaren Energien zuzulassen, während Hochspannungsleitungen nicht toleriert werden - obschon sie ja auch Strom aus erneuerbaren Energieträgern transportieren.» Teuscher weist auch darauf hin, dass Umweltverbände und Energiewirtschaft bereits 2004 vereinbart hätten, Windparks nur dort zu bauen, wo sie das Landschaftsbild wenig stören und bereits bauliche Beeinträchtigungen bestehen. Die Grünen hätten diese Position in ihrem Energiepapier festgehalten. Also keine Windparks in BLN-Gebiten im Jura. Daran dürfte wiederum Teuschers Fraktionskollege Brelaz keine Freude haben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Dienstag, 11. August 2009

Merkel / Lengsfeld - ein unfreiwilliges Doppelpack

Offenbar wollte die CDU Kandidatin Vera Lengsfeld um jeden Preis auffallen. Der 57 jährigen Politikerin ist dies jedenfalls mit einer Bildmontage - zusammen mit Angela Merkel und einer Selbstdarstellung - gelungen. Die zweideutige Ankündigung mit den tiefen Décolletés: "Wir haben etwas zu bieten" weckte auf Anhieb grosse Aufmerksamkeit. Ob dieser Werbegag jedoch der ehemaligen DDR- Bürgerrechtlerin dient, darf bezweifelt werden. Ihre Webseite mit den tiefen Einblicken besuchten innert weniger Tage 17000 Leute. Doch die Reaktionen sind eher gemischt. Ein Bürger schrieb bereits von "Schlampenplakat". Vera Lengsfeld nimmt dies gelassen und findet:

"Wer die Selbsttirionie nicht erkennt, dem ist nicht zu helfen".

Dass Angela Merkel auf das Plakat nicht reagiert, finde ich richtig. Mit einem Protest würde sie die Geschichte nur noch zusätzlich anheizen. Manchmal ist Schweigen doch Gold.

CDU-Kandidatin

Das Dekolleté des Anstosses

Zitat 20 Min:

Ein Wahlplakat, das tiefe Einblicke erlaubt: Die Berliner CDU-Kandidatin Vera Lengsfeld macht Werbung mit dem Dekolleté von Kanzlerin Angela Merkel und einem zweideutigen Slogan. Die Partei ist irritiert.

Vera Lengsfeld (r.) und die Kanzlerin mit tiefem Ausschnitt.

(Bild: Reuters)

«Voller Körpereinsatz an der Strassenlaterne» – mit diesen fast schon bösartigen Worten kommentiert «Spiegel Online» das Plakat, das seit Sonntag im Berliner Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg hängt. Es zeigt die CDU-Bundestagskandidatin und ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld neben Bundeskanzlerin Angela Merkel – beide Frauen tief dekolletiert, dazu der Slogan «Wir haben mehr zu bieten».

Dabei griff Lengsfeld auf das Foto zurück, das Merkel im April 2008 bei der Eröffnung der neuen Oper in Oslo zeigt. Die Aufnahme der Kanzlerin mit tiefem Ausschnitt machte weltweit Schlagzeilen. In der Parteizentrale der CDU zeigte man sich wenig amüsiert: «Das ist nicht mit uns abgesprochen», so ein Sprecher zu «Spiegel Online». Und auch nicht mit Angela Merkel, wie Vera Lengsfeld freimütig einräumte. Kreuzberg-Friedrichsrain sei für die CDU ein spezielles Umfeld. «Da musste ich mir etwas einfallen lassen», so die 57-Jährige.

Rot-grüne Hochburg

In der Tat ist der trendige Bezirk für die Union ein hartes Pflaster, vor vier Jahren brachte sie es auf einen Anteil von gerade mal 12,4 Prozent. Kreuzberg ist eine rot-grüne Hochburg, am meisten Stimmen machte Christian Ströbele: der Fundi-Grüne, der 2002 mit dem Motto «Ströbele wählen – Fischer quälen» den eigenen Aussenminister aufs Korn genommen hatte, holte hier das einzige Direktmandat für seine Partei.

Daran dürfte sich am 27. September kaum etwas ändern. Die Aufmerksamkeit aber ist Vera Lengsfeld sicher. Seit die Plakate aufgehängt wurden, habe sie mehrere tausend Zugriffe auf ihrem Wahlblog registriert, so die Kandidatin. Die Kommentare sind kontrovers, vor allem Männer üben Kritik. Vera Lengsfeld ist mit dem Ergebnis dennoch mehr als zufrieden, wie sie gegenüber «stern.de» erklärte: «Der Effekt, den ich mir erhofft habe, ist über die Massen eingetreten.»

Nachtrag TAGI:

Vera Lengsfeld zeigt noch mehr

Im deutschen Wahlkampf hat die CDU-Politikerin mit ihrem Dekolleté-Plakat schon reichlich provoziert. Das findet sie allerdings nicht. Die Angegriffene legt nach – mit einem Seitenhieb auf Joschka Fischer.

Zeigt sich unbeeindruckt vom Sexismus-Vorwurf: Vera Lengsfeld.

Zeigt sich unbeeindruckt vom Sexismus-Vorwurf: Vera Lengsfeld. Bild: Keystone

Artikel zum Thema

In einem Interview mit der «Bild am Sonntag» kündigte Lengsfeld an, in zwei bis drei Wochen ein zweites Wahlplakat zu veröffentlichen. «Es wird ähnlich frech sein.» Aber: «Ich werde auch jetzt keinen Oben-ohne-Wahlkampf führen», sagte sie.

Die CDU-Bundestagskandidatin steht zu ihrer Wahlwerbung mit Körpereinsatz - und will nichts wissen vom Vorwurf, sie schade damit der Emanzipation der Frauen. «Ich finde, die Emanzipation ist erst vollzogen, wenn man von Frauen in der Politik nicht mehr erwartet, dass sie aussehen und auftreten wie Männer.»

Hillary Clinton pikiert, sie will nicht Schatten Ihres Mannes sein

Die Frage eines Studenten löst bei Hillary Clinton unerwartet grosse Emotionen aus, weil sie eine empfindliche Stelle der Aussenministerin trifft. Obschon sie ein grosses Geltungsbedürfnis hat, kommt sie nie richtig zur Geltung. Bill Clinton erntet jüngst grosses Lob, obschon er wahrscheinlich im Auftrag der Aussenministerin erfolgreich verhandelt hatte.

«Mein Mann ist nicht der Aussenminister»

US-Aussenministerin Hillary Clinton hat sich verärgert darüber gezeigt, dass der Schatten ihres Mannes Bill sie bis in den Kongo verfolgt. Die Frage eines Studenten brachte ihr Blut in Wallung.

(Quelle: YouTube)
Mag keine unangenehmen Fragen - Missverständnisse hin oder her: Hillary Clinton in Kinshasa. (Bild: Reuters)

Bei ihrem Besuch in Kinshasa reagierte sie am Montag ausgesprochen pikiert auf die Frage eines Studenten, was Bill Clinton von einem chinesischen Milliardenkredit für den Kongo halte. «Sie wollen wirklich, dass ich Ihnen sage, was mein Mann denkt?», erwiderte Hillary Clinton. «Mein Mann ist nicht der Aussenminister, ich bin es.» Der Moderator der Gesprächsveranstaltung ging daraufhin schnell zur nächsten Frage über. Dabei war die Frage des Studenten offenbar ein Missverständnis. Er ging später noch einmal auf die Aussenministerin zu und erklärte ihr nach Angaben des US-Aussenministeriums, er habe US-Präsident Barack Obama und nicht Expräsident Bill Clinton gemeint.

Die Clintons gelten seit Jahren als Politikerpaar mit einem ausgesprochen komplizierten gegenseitigen Verhältnis. Als erfolgreiche Anwältin hat Hillary Clinton seit Jahrzehnten darum gekämpft, ihre Interessen und Ziele gegen die ihres Mannes zur Geltung zu bringen. Die Kontroverse um des Präsidenten Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky brachte Hillary Clinton die Sympathie von weiten Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit ein. Danach wurde sie zur Senatorin von New York gewählt, verlor aber im vergangenen Jahr das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten gegen Obama.

Montag, 10. August 2009

Eiertänzer Pelli:

Geschicktes Lavieren oder schädliches Verwirrspiel?

Die FDP hat die Oeffentlichkeit immer wieder überrascht mit vagen Zielsetzungen und unklaren Kernbotschaften. Fulvio Pelli setzt die Verwirrspiele der FDP fort.

Ueber eine allfällige Kandidatur hielt er sich lange bedeckt. Er sagte nie eindeutig, ab wann er sich endgültig entscheidet.

Die FDP Tessin liess verlauten, dass sie Pelli nicht nominieren werde.

Dann war zu erfahren, dass der FDP Parteipräsident als Kandidat doch zur Verfügung stehe, wenn die von der Bundeshausfraktion beantragt würde.

In einem Interview bestätigte er, dass er dann doch zur Verfügung stehe, wenn er nominiert würde.

Weshalb dieses Verwirrspiel? Warum so kompliziert?

Kommentar: Fulvio Pelli ist in Verlegenheit. Als Parteipräsident muss er als Stratege die Nachfolge des zurücktretenden FDP Bundesrates sichern. So müsste er sich unter Umständen bei entsprechender Konstellation zur Verfügung stellen. Denn bei der FDP ist er ein valabler Kandidat und könnte unter Umständen den Sitz retten. Damit könnte sich für ihn das Taktieren letztlich doch noch auszahlen. Pelli hat bestimmt auch noch persönliche Interessen und möchte sich den Aufstieg nicht verbauen. Auf der anderen Seite schadet ihm das Taktieren nicht nur bei den Parlamentariern, weil man keinen halbherzigen, unschlüssigen Bundesrat wünscht. Man will keine Zögerer, keine Zauderer.

Auf die Frage, ob Pelli den Entscheid vom CVP Kandidat abhängig machen wolle, antwortete er wortwörtlich:

"Ich würde NEIN antworten."

Diese Antwort mit dem Konjunktiv "würde" macht uns bewusst, dass Pelli auch unklar und vage kommuniziert.

Ich vermisse bei ihm die Eindeutigkeit. Für seine Wahl sehe ich schwarz. Die Echos in den Medien ist schecht!

Ich zitiere Blick:

Bundesrat Puff um Pellis Kandidatur!

Die Tessiner FDP schickt Fulvio Pelli ins Rennen um den Sitz von Bundesrat Pascal Couchepin. Oder doch nicht? Die Partei macht ein «Gschtürm». Denn sie schlägt Pelli zwar vor, nominiert ihn aber nicht.

Polit-Posse

Kommentar von Marcel Zulauf, stv. Chefredaktor blick.ch Kandidiert er? Kandidiert er nicht? Das Puff um Fulvio Pellis Kandidatur passt zum Eindruck, den die FDP immer wieder hinterlässt: Den einer Partei ohne Plan und Strategie. Eigentlich hat FDP-Präsident Pelli mehrmals unmissverständlich klar gemacht: Ich will nicht in den Bundesrat, ich will der Partei bis zu den nächsten Wahlen vorstehen. Nun «beugt er sich dem Entscheid der Fraktion», sagt er nach der inoffiziellen Nomination seiner Tessiner Kollegen. Bis die FDP weiss, was sie will, wird sie vielleicht von Mitte-Links überholt. Denn am 16. September muss die Bundesversammlung nicht zwingend einen Parteikollegen Couchepins wählen. Sondern einen Kandidaten, der das Amt mit Überzeugung übernehmen will.

Blick:

Bundesrats-Wahl Pellis Hin und Her: Reicht das für den Bundesrat?

11.08.2009

ZÜRICH – Das Hin und Her um die Bundesrats-Kandidatur von Fulvio Pelli gibt zu reden. Polit-Experten sind sich einig: Führungsqualitäten, wie sie ein Bundesrat zeigen muss, hat Pelli nicht bewiesen.

Laviert er sich doch noch in den Bundesrat? FDP-Chef Fulvio Pelli. (Keystone)

Üblicherweise ziert man sich, gibt aber diskret zu erkennen, dass man die Wahl annehmen würde. Und manchmal wird man sogar Bundesrat und hatte das gar nicht im Sinn: Wir erinnern uns an Otto Stich, 1983, und Eveline Widmer-Schlumpf, 2007.

Aber was FDP-Parteipräsident Fulvio Pelli in Sachen Bundesratskandidatur bisher geboten hat, löst Kopfschütteln aus. Wie ein Mantra hatte er seit dem Rücktritt von Parteikollege Pascal Couchepin verkündet, er wolle nicht Bundesrat werden. Gestern nun hat ihn seine Tessiner Kantonalpartei doch noch vorgeschlagen. Eine offizielle Kandidatur ist das aber immer noch nicht. Jetzt sagt Pelli nur, wenn die Fraktion ihn wolle, dann würde er kandidieren. Bis Ende August heisst das also: Warten auf Pelli.

Wie passt dieses Lavieren zu den Anforderungen an einen Bundesrat? Zeigt Pelli damit die Führungsqualitäten, die in der Finanz- und UBS-Krise gefordert sind Nein, sagenPolit-Experten.

«Pelli bewegt sich zwischen Taktieren und Lavieren», meint HSG-Politologe Silvano Möckli gegenüber Blick.ch. Als ob er Angst vor einer Nichtwahl hätte. «Aber als Bundesratskandidat sollte man auch in schwierigen Situationen klar Position beziehen.» Pelli mache daher einen zwiespältigen Eindruck. Ausserdem sollten für alle dieselben Regeln gelten. Gestern lief die Frist für FDP-Kandidaten ab. «Alle haben sich daran gehalten. Nur Pelli nicht.»

Pelli mache sich mit seinen Widersprüchen unglaubwürdig. Das moniert sogar eine FDP-Parteikollegin, die nicht genannt werden will. Früher habe Pelli für einen Generationenwechsel im Bundesrat plädiert. Jetzt zeige er aber doch Ambitionen: «Das könnte man ihm jetzt vorwerfen.» Ausserdem sei es nicht überzeugend, dass Pelli die Verantwortung für seine Kandidatur jetzt der Fraktion zuschiebe.

Skeptisch ist auch Bastien Girod, junger Zürcher Nationalrat der Grünen. Er sieht im Bundesrat nur Verwalter und ratlose Akteure. Keine klare Linie. Nach den jüngsten Manövern der FDP befürchtet Girod: «Daran wird auch Pelli nichts ändern.»

Nachtrag Tagi:

FDP-Vizepräsidentin: «Wir brauchen Pelli nicht»

Die Bundesratskandidatur von FDP-Chef Pelli sorgt in der Partei für Ärger: Die Partei habe genügend gute Kandidaten. Pelli zeigt kein Verständnis für die Kritik

Egerszegi: Pelli ist zu alt

Auch die Aargauer FDP-Ständerätin Christine Egerszegi ist nicht einverstanden mit dem Weg, den Pelli eingeschlagen hat. «Stellen Sie sich vor, Pelli wäre eine Frau. Dann würde man ihn als wankelmütig bezeichnen», sagt die Ständerätin. Sie ziehe es vor, wenn Leute mit offenen Karten spielen. Schliesslich wisse man, dass Pelli Bundesrat werden wolle.

Der Tessiner war 2003 bereits einmal offizieller Bundesratskandidat, als es um die Nachfolge von Kaspar Villiger ging. Er scheiterte aber bereits an der Fraktion. Nun hält ihn Egerszegi für zu alt. «Er ist 58, und er selber hat gesagt, er wolle, dass sich der Bundesrat verjünge.» Wie Moret findet auch Egerszegi, dass sich zumindest zwei der offiziellen Kandidaten gut als Bundesräte eignen: Pascal Broulis und Didier Burkhalter.

«Ich laviere nicht, meine Botschaft ist klar»

Pelli selbst hält nichts von der internen Kritik:

«Ich laviere nicht, meine Botschaft ist klar. Die Fraktion ist frei, ob sie mich nominieren will oder nicht.»

Kommentar: Parteipräsident Pelli hätte eine Nachhilfestunde in Medienrhetorik nötig. Er macht den klassischen Fehler, dass er in seiner Replik den Vorwurf LAVIEREN wiederholt und zusätzlich festigt. Wenn einem Lehrer vorgeworfen wird, er sei Ferientechniker, so dürfte er diese Anschuldigung auch nicht wiederholten. Der Lehrer müsste sagen:

"Ueberhaupt nicht! Wussten Sie, dass ich während der letzten Sommerferien zwei Tage bei den Schweizerischen Lehrerfortbildungskursen in Frauenfeld intensiv gearbeitet habe?"

Wenn Pelli den Vorwurf wiederholt, wenngleich negierend: Ich LAVIERE nicht! So wird damit das Wort LAVIEREN wiederholt und zusätzlich gefestigt. Kommt dazu, dass nachgeweisen werden kann, dass Pelli tatsächlich LAVIERT und man bei ihm das LAVIEREN konkret nachweisen kann. (Zickzackkurs, Hin und her, Einmal: "Ich kandidiere", dann: "Ich kandiere doch, wenn.." usw.) ---> Siehe Pressespiegel

FAZIT:

Die Verwirrung und Irritationen rund um das Theater mit der Kandiatur Pellis kann nachgewiesen werden. Zu lange sagte Pelli zu wenige deutlich Nein. Jüngst liess er verlauten, er kandidiere nicht. Dann liess er die Medien doch wissen, er kandidiere, falls er von der FDP Fraktion vorgeschlagen werde. Eine Bundesratskandidatur halte er zwar nach wie vor nicht für notwendig. Wenn ihn die Fraktion vorschlage, werde er jedoch nicht Nein sagen.

Seine Formulierungen, wie bei dieser doppelten Verneinung sind so umständlich und irrtierend wie Pellis Verhalten. Statt "nicht Nein zu sagen", wäre auch die eindeutige Formulierung möglich gewesen: "Ich werde zusagen". In einem NZZ Interview wurde Pelli konkret gefragt:

Hand aufs Herz: Möchten Sie nun Bundesrat werden oder nicht? Pelli antwortet ebenfalls mit einer doppelten Verneinung:

"Es ist nicht so, dass ich nicht am Bundesratsamt interessiert wäre."

Flavio Pelli liebt den vagen Konjunktiv. Dazu noch ein Beispiel:

Auf die Frage, ob Pelli den Entscheid vom CVP Kandidat abhängig machen wolle, antwortete er im Fernsehen wortwörtlich: "Ich würde NEIN antworten." Diese Antwort mit dem Konjunktiv "würde" veranschaulicht, dass Pelli lieber unklar und vage kommuniziert als eindeutig.

Ich vermisste bei ihm bereits bei älteren Analysen - die Eindeutigkeit. Die Echos in den Medien waren denn auch entsprechend schlecht! Es ist zwar denkbar, dass Pellis Eiertanzverhalten am Schluss doch noch Erfolg hat. Politologin Regula Stämpfli sagte zu Pellis politischen Spielchen in 20 Minuten vom 11. August:

"Im Tollhaus des momentanen Bundeshauses scheint je länger je mehr nur noch solches Vorgehen auch erfolgreich zu sein. Peinlich, aber sehr politpraktisch." Diesen klaren Worten ist nichts zuzufügen.

Nachtrag Blick (Pressechos - Pelli scheinen die Felle davonzuschwimmen):

  • Die FDP: Fraktionschefin Gabi Huber sagte in der «NZZ am Sonntag»: «Mein persönlicher Wunsch ist, dass Fulvio Pelli Parteipräsident bleibt». Sie macht deutlich, dass die FDP unter den offiziellen Kandidaten Didier Burkhalter, Pascal Broulis, Martine Brunschwig Graf und Christian Lüscher Leute hat, die den Sitz erobern können.
  • Die SP: Vize-Fraktionschef Andy Tschümperlin sagte in der «Zentralschweiz am Sonntag», Pelli sei für viele SPler nicht wählbar. Weil aber die SP den FDP-Anspruch anerkenne, wäre Pellis Kandidatur «eine echte Gefahr für den zweiten FDP-Sitz». Will heissen, CVP-Kandidat Urs Schwaller würde erben.
  • Die SVP: Noch am Freitag sagte SVP-Vize Christoph Blocher in seinem Internet­sender: «Wir müssen mit Pelli leben». Aber in der SVP haben jetzt andere das Sagen. Nach der Parteileitungssitzung Ende Woche rapportierte Blocher: «Namhafte Vertreter unserer Partei sind der Ansicht, dass wir einen eigenen Kandidaten nominieren sollen», sagte Blocher dem SonntagsBlick. Im Vordergrund steht der Freiburger Jean-François Rime.
  • Die NZZ: Auch FDP-nahe Medien gehen auf Distanz. «Klug wäre, wenn die freisinnig-liberale Fraktion Pellis Bundesratsambitionen hintanstellen würde», schrieb die «NZZ». «Der Freisinn muss Pelli eine goldene Brücke zum Rückzug bauen», forderte «NZZ am Sonntag».
  • Informationsflut kann stressen - was tun?

    Links:

    1. Information - Informationsflut

      Nachdem bis zum heutigen Tage die Information lawinenartig zu einer Informationsflut angewachsen ist, ist der Umgang mit der Informationsfülle zu einem ... www.rhetorik.ch/Information/Information.html - Cached - Similar
    2. rhetorik.ch aktuell: Organisation kämpft gegen Informationsflut

      Heise: "Nicht nur die Menge der Nachrichten, sondern auch die Etikette im Umgang mit den neuen Kommunikationsmitteln verursacht die Informationsflut. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/06_14/index.html - Cached - Similar
    3. rhetorik.ch aktuell: Was kann man gegen die Informationsflut tun?

      Was kann man gegen die Informationsflut tun? Links: Zum Umgang mit Information · Informationen sammeln und sinnvoll bearbeiten · Informationsmanagement ... www.rhetorik.ch/Aktuell/06/02_11.html - Cached - Similar
    4. [PDF]

      Die Informationen sammeln – und sinnvoll verarbeiten Beschaffung ...

      File Format: PDF/Adobe Acrobat - View überall die Informationsflut z.B. in Unter- nehmen, Lehranstalten oder Spitälern. ... hend, dass die Informationsflut nur durch ... www.rhetorik.ch/Aktuell/05/04_21/in_puncto_4_05.pdf - Similar
    5. Informationsmanagement - Rhetorik.ch

      Im Kommunikationszeitalter steigt überall die Informationsflut z.B. in ... Hierauf folgte die Analyse Davon ausgehend, dass die Informationsflut nur durch ... www.rhetorik.ch/Information/Informationsmanagement.html - Cached - Similar
    6. Zeit managen - aber wie?

      3. März 2002 ... Wir ertrinken gleichsam in einer Informationsflut. Wir wissen: Von den unzähligen Informationen bleibt nur ganz wenig im Langzeitgedächtnis. ... www.rhetorik.ch/Zeitmanagement/Zeitmanagement.html - Cached - Similar
    7. Elektronische Kommunikation und ihre Grenzen

      15. Juni 2002 ... Email fördert eine unüberschaubare Informationsflut. Abarbeiten von Email nach der Arbeit kann die Freizeit belasten. ... www.rhetorik.ch/EKommunikation/EKommunikation.html - Cached - Similar
    8. Medienkommunikation Positionierung

      5. Juni 2007 ... mit durchschnittlich 30'000 Botschaften konfrontiert. In der Regel verrottet diese Informationsflut auf der Halde des Informationsmülls. ... www.rhetorik.ch/.../Medienkommunikation1.html - Cached - Similar

    Reden ist Gold, mailen ist Silber

    (Quelle Berner Zeitung)

    Was täglich an Informationen über uns hereinbricht, frisst Arbeitszeit und lässt das Gehirn heiss laufen. Strategien, wie Sie Infos blitzschnell verarbeiten – oder eliminieren, was Sie gar nicht zu interessieren braucht.

    Hilfe, schon wieder 50 neue Mails im Postfach: Die tägliche Informationsflut kann gehörig stressen.

    Hilfe, schon wieder 50 neue Mails im Postfach: Die tägliche Informationsflut kann gehörig stressen. Bild: colourbox

    Tipps

    Reden ist Gold, mailen Silber Wer viele E-Mails schreibt, erhält viele E-Mails. Wer lange Memos schreibt, hat viele Rückfragen. Wer Hinz, Kunz, Gott und den Rest der Welt ins «Cc» aufnimmt, ersäuft irgendwann in der Flut. E-Mail nur für kurze, klare Mitteilungen verwenden. Wird oder ist der Sachverhalt kompliziert: ein Gespräch vereinbaren oder telefonieren. «Weiterleiten» und «Antwort an alle» sind nur in den seltensten Fällen angebracht. Lassen Sie sich von den Verteilern nehmen – holen Sie sich die Informationen, die sie brauchen. Statt alles per E-Mail verteilen: öffentliche Ordner anlegen, in denen allgemeine Informationen wie Protokolle zentral abgespeichert und eingesehen werden können.

    Nehmen Sie den Inhalt sämtlicher Bücher, die jemals geschrieben wurden und multiplizieren Sie ihn mit 50'00'000 – das ist ungefähr die Menge der Informationen, die wir Menschen im Jahr 2007 erschaffen haben. Tendenz zunehmend. «In der Schweiz wächst der digitale Datenberg bis 2010 auf 10 Exabyte», sagt Christophe Touton, General Manager Xerox Switzerland. Würde alles ausgedruckt, müsste jeder von uns rund 320 Tonnen Bücher ins Regal stellen – Auflage jeweils ein Stück, wohl verstanden. Und wer liest das alles? Wir natürlich. Allein mit E-Mails beschäftigt sich der Schweizer Arbeitnehmer 1 Stunde und 20 Minuten pro Tag – im Durchschnitt. Touton: «Laut einer Studie von Basex vernichtet die Informationsflut in den USA jährlich rund 650 Milliarden US-Dollar an Produktivität.»

    Grenzen des Schnelllesens Da hilft nur eines: schneller lesen? «Nein, denn das ist nur mehr vom Gleichen», sagt Ruth Wenger, Entwicklerin von «alphaskills» aus Baar. Es brauche einen neuen Umgang mit der Information – und vor allem einen anderen Zugang zum Gehirn. Der Engpass beim Lesen ist das Wernicke-Zentrum: Es liegt in der linken Hirnhälfte, arbeitet sequenziell, schafft höchstens drei Wortpakete pro Sekunde. Das ergibt beim durchschnittlichen Leser 200 bis 250 Wörter in der Minute. Mit Schnelllesetechniken bringe man es auf bis zu 450. Aber da ist Schluss. «Liest man schneller, kommt es zu einem Overload – die Augen folgen den Zeilen, aber man nimmt nichts mehr auf.» Haben wir keine Zeit, die Infos zu verarbeiten, geraten wir in Stress: Die Herzfrequenz steigt, die Muskeln verspannen sich. Und im Gehirn sind vorwiegend Beta-Wellen (14–40 Hertz) messbar – es laufen Nebenprogramme, in der Hirnforschung «random thinking» genannt, unwillkürliches Denken. Das reduziert die Aufnahmefähigkeit, wir geraten noch mehr unter Druck. Eine Negativspirale. Wer mehr Information aufnehmen und verarbeiten will, muss auf die visuellen Gehirnfunktionen umschalten – sie nehmen schneller und umfassender wahr. «Unser Gehirn erkennt den Inhalt eines Bildes in 1/24 Sekunde», sagt Ruth Wenger. Lerne man, schriftliche Information visuell aufzunehmen, steige die Kapazität um ein Vielfaches: Relevante Informationen werden mit bis zu 3000 Wörtern pro Minute geortet. Damit das funktioniert, müsse man sich in einen physisch entspannten, mental klaren Zustand versetzen – tiefe Herzfrequenz, geringe Muskelspannung, im Gehirn Alpha-Wellen (8–14 Hertz). «Der Alpha-Zustand ist die Grundlage visueller Lesetechniken», sagt Wenger. Und eine Voraussetzung, damit die Information selbst bei sehr hohem Tempo kognitiv aufgenommen werden kann. Sich in den Alpha-Zustand zu versetzen könne man innerhalb einer Stunde lernen. Dann noch zwei, drei Tage üben – und man sei fähig, Infos drei- bis fünfmal schneller zu verarbeiten. Weitere Strategien gegen Datenberge: Reduzieren, Filtern, Redundanzen-Eliminieren. Willy Knüsel, Trainer für Arbeitstechnik aus Solothurn, empfiehlt, sich einige Binsenwahrheiten zu Herzen zu nehmen (siehe Box). Ausserdem: Wer E-Mails unnötigerweise beantwortet, etwa mit «Mach ich», ist ein Spammer – überflügelt nur noch von jenen, die dafür auch noch eine Lesebestätigung anfordern.

    Klare Regeln

    Frank Brinken, CEO des Maschinenbauers StarragHeckert, bewältigt die Informationen pragmatisch bis drakonisch: An ihn adressierte E-Mails werden automatisch markiert, nicht beflaggte löscht er ungelesen, wenn die Zeit knapp ist. Und wie schützt er sich vor unerwünschten E-Mails? «Intern durch ein ruhiges Wort, Externe werden konsequent abgemahnt.» Das wirke, ebenso wie klare Spielregeln: Maximal fünf Personen auf dem Verteiler, Anhänge müssen kleiner als 1 MB sein. Brinken erhält pro Tag 30 bis 50 Mitteilungen, fast nie komme etwas mehrfach. Scannen, digitalisieren, kategorisieren, sortieren und zusammenstellen – auch computergestütztes Dokumentenmanagement kann helfen, der Informationsflut Herr zu werden. Xerox, IBM, Microsoft, Intel und weitere führende IT-Unternehmen haben 2008 die Information Overload Research Group gegründet. Sie soll Lösungen entwickeln zur Bewältigung der Informationen aus Handys, E-Mails, Instant Messengers und Druckdokumenten. Das Ziel: Die unnötigen Unterbrüche des Arbeitsflusses reduzieren – diese beanspruchten inzwischen 28 Prozent des Arbeitstags eines «Kopfarbeiters». Weitere 45 Prozent verbrauche er beim Verarbeiten von Information und an Meetings, 15 Prozent für Recherchen. Zum Nachdenken und Reflektieren verblieben ihm noch magere 12 Prozent – eine knappe Stunde pro Tag.

    Stress vermeiden

    «Wir brauchen mehr Kompetenz im Umgang mit Information», sagt Ruth Wenger. Filtern und Aufnehmen sei das eine. Verarbeiten, Verknüpfen, Ablegen und Erinnern das andere. «Am besten funktionieren visuell strukturierte Ankermethoden.» Dann brauche das Gehirn zum Erinnern bloss Stichworte: Wer das Haar vom Schwanz vom Elefanten in der Hand hat, kann den Elefanten wieder herbeiziehen. Und, ganz wichtig, Stress vermeiden. Denn: «Wann kommen Ihnen die besten Ideen oder die Lösungen zu Problemen?» Am Morgen nach dem Aufwachen, unter der Dusche, beim Joggen – immer dann also, wenn man sich gar nicht explizit mit den Fragen auseinandersetzt. Wenn das Gehirn den Freiraum hat, jene Verknüpfungen zu machen, die zum richtigen Entscheid führen. (Berner Zeitung)