Donnerstag, 16. April 2009

Die Lust am Schecklichen - solange man nicht betroffen ist

Standbild aus dem Amnesty-International-Film «Stuff Of Life», das Waterboarding zeigt.

(Bild: Keystone/AP)

Für Kinder üben Folternkammern auf Burgen einen sonderbaren Reiz aus. Ich weiss noch gut, wie mich an einer Schulreise die "eiserne Jungfrau" Beim Besuch einer Folterkammer in einem Museum lange beschäftigt hatte. Ich versuchte mir auszumalen, welche Schmerzen erduldet werden müssen, wenn man in die eiserne Rüstung gesteckt wird und beim Schliessen der Rüstung die zahlreichen Nadeln durch den Körper dringen.

Später musste sich mich als Medienpädagoge mit den Darstellungen in Brutalovideos und Gewaltdarstellungen beschäftigen und erkannte, dass Gruselszenen und Folterungen für viele Jugendliche einen Reiz haben und der Nervenkitzel - wie im Kino bei Krimis - lustvoll sein kann, aber nur, wenn man das Geschehen nur als Unbeteiligter gleichsam nur von aussen mitverfolgen kann.

http://www.spieleradar.de/PC/spiele/news/wheelman/uploads_cms/pics/63172461300000.jpg

Heute wurden im Internet (Tagi online) Foltermethoden publiziert, die in Amerika angewendet wurden, um Geständnisse zu erzwingen. Wer folgende Publikation liest, dem wird es ähnlich ergehen, wie es mir als Kind in der Folterkammer in der Kyburg ergangen ist.

Ich zitiere:

Die Memoranden aus dem US-Justizministerium enthalten Einzelheiten zur harschen Verhörpraxis unter der Regierung von Präsident George W. Bush. Die Dokumente aus den Jahren 2002 und 2005 dienten dem US-Geheimdienst CIA als Richtlinie für die Befragungen von Häftlingen, die mutmasslich zum Terrornetzwerk al-Qaida gehörten. Nur wenige Textstellen sind geschwärzt worden.

Die vier Memoranden, die alle zwischen 13 und 20 Seiten lang sind, enthalten 14 Foltermethoden, mit denen Häftlinge dazu gebracht werden sollen, Informationen preiszugeben. Dabei weisen die Autoren permanent darauf hin, wie harmlos die Verhörmethoden seien.

Das US-Justizministerium hat die Verhörtechniken in drei Kategorien eingeteilt. Zur ersten zählen Methoden, um den Häftling zu erniedrigen und in einen «Zustand der Abhängigkeit» zu bringen:

Schlafentzug:

Der Gefangene wird gezwungen zu stehen, die Hände gefesselt vor dem Bauch. «Das verhindert, dass er einschläft.» Auch an den Füssen gefesselt, kann er sich in einem Rechteck von 60 auf 90 Zentimetern bewegen und wird bis zu elf Tagen wach gehalten.

Erzwungene Nacktheit:

Der Häftling wird gedemütigt, weil sein «kulturelles Empfinden» verletzt wird oder indem ihn eine weibliche Beamtin betrachtet.

Zwangsdiät:

Die feste Nahrung wird durch Flüssignahrung ersetzt. «Verschieden Schlankheitskuren, welche in den USA erhältlich sind, reduzieren die Kalorienzufuhr mindestens so stark», heisst es. Die Verhörtechniken der zweiten Kategorie bezwecken, den Häftling «zu erschrecken oder zu massregeln».

Schlag in den Unterleib:

Der Befrager schlägt mit dem Handrücken zu, darf aber keinen Ring tragen. Empfohlen zusammen mit der Eiswasserdusche.

Gesichtsgriff:

Der Häftling wird im Gesicht so angepackt, dass er den Kopf nicht mehr bewegen kann.

Schlag ins Gesicht:

Das Ziel ist nicht körperlicher Schmerz, sondern Überraschung, Schock und Beleidigung.

Griff an den Kragen:

Der Häftling wird überrascht und erschreckt. Mit den Methoden der dritten Kategorie wird der Häftling «physisch und psychisch unter Druck» gesetzt.

Simuliertes Ertrinken (Waterboarding):

Der Häftling wird mit verbundenen Augen auf eine Bank gefesselt, die Füsse angehoben. Mund und Nase werden mit einem Tuch bedeckt und 20 bis 40 Sekunden mit Wasser begossen. Der Verhörte leidet unter «seelischen Qualen und Todesangst». Der Vorgang «kann wiederholt werden». Das simulierte Ertrinken darf nur angewendet werden kombiniert mit einer Zwangsdiät und Schlafentzug.

Stehen an der Wand:

Das Folteropfer steht einen Meter vor der Wand und muss sich nach vorn lehnen, bis es mit den Fingerspitzen die Wand berührt. Ziel ist die Ermüdung der Muskeln.

Schmerzhafte Körperhaltung:

Der Gefangene soll auch damit stark ermüdet werden. Zum Beispiel, indem der Häftling kniet und sich 45 Grad nach hinten lehnt.

Dusche mit Eiswasser:

Wasser von einer Temperatur von 5 Grad Celsius wird über den Häftling gegossen.

Arrest in dunkler Kiste:

Eingeengt, wird die sinnliche Wahrnehmung gestört.

Wurf gegen Holzwand:

Wenn der Beamte den gefesselten Häftling gegen die Wand stösst, gibt es einen Knall. «Der Aufschlag soll härter wirken, als er ist.»

Arrest in dunkler Kiste mit Insekt:

Einem Gefangenen, der Angst vor Insekten hat, wird suggeriert, dass sich in der Kiste Ungeziefer befindet. Tatsächlich ist dort aber nur eine harmlose Raupe. Diese Foltermethode hat bereits George Orwell in seinem Roman «1984» beschrieben. Das IKRK hat die Verhörmethoden der US-Behörden zwischen 2002 und 2006 untersucht. Die Gespräche mit 14 Häftlingen ergaben, dass die vom US-Justizministerium empfohlenen Verhörmethoden weitgehend angewendet wurden. (Tages-Anzeiger)

Kommentar: Die Methoden werden zwar als harmlos beschrieben. Doch Betroffene teilen diese Behauptung nicht. Mein Mentor (ein Diplompsycholge aus Deutschland, der mich in der Supervision ausgebildet hatte) kam gegen Ende des zweiten Weltkrieges ins Konzentrationslager Bautzen.

Seine Schilderungen der grauenhaften Erlebnisse sind tatsächlich noch schlimmer als jene Methoden, die der Tagi heute publiziert hat. Doch konnte ich mir alle geschilderten Methoden im Konzentrationslager gar nicht mehr richtig vorstellen, denn die Folterungen überstiegen das Vorstellungsvermögen eines Menschen, der so etwas noch nie erlebt hatte: Ein paar Monate Dunkelheit. Es wird ein Todesurteil ausgesprochen, doch die Erschiessung erfolgt ohne Munition. Stress pur. Oder: Der GEfangene wird einen Heizkörper gebunden und die Temperatur wird langsam gesteigert, bis es zu Verbrennungen kommt. Tagelang Schlafentzug d.h. wenn der Gefangene einnickt, wird er nach einigen Minuten mit einem Sirenenton aus dem Schlaf gerissen. Oder: Arbeiten ohne Schuhe draussen in der Kälte. Essenentzug. Redeverbot über Wochen usw.

Der deutsche Diplompsychologe hat zwar später seine unvorstellbaren Erlebnisse in einen Buch niedergeschrieben. Von den Gefangenen in seinem Gebäude haben übrigens nur vier seiner Freunde diese Hölle überlebt. Die fünf Ueberlebenden vertraten alle die Meinung: Physische Stärke sei nicht das Wichtigste beim Ueberlebenskampf. Vor allem die geistige Widerstandkraft habe geholfen, die Torturen zu überstehen.

Dienstag, 14. April 2009

Lohnt sich illegale Werbung?

Die Rechnung kann Migros wahrscheinlich im jüngsten Fall aufgehen. Jedenfalls hat ihre heutige illegale Werbung immerhin bereits grosse Aufmerksamkeit bewirkt und die Busse oder die Reinigungskosten stehen wahrscheinlich in keinem schlechten Verhältnis, zu den Kosten, welche die Migros mit legaler Werbung hätte aufbringen müssen.

Ich zitiere Tagi:

Illegal: Migros pflastert Schweizer Ortstafeln zu

Der Detailhandelsriese startet heute seine neue Werbekampagne. Dabei greift er auch zu ungewöhnlichen Mitteln. Die Migros hat in einer Guerilla-Aktion in 57 Schweizer Gemeinden die Ortstafeln abgeändert.

Der Gag ist eine Idee der Werbeagentur von Matt. Die Agentur war sich bewusst, dass die Veränderung von Ortschildern mit Busse bestraft werden können. Angeblich werden die selbstklebenden und gut lösbaren M nach der Atkion sofort wieder entfernt.

Aus 20 Min:

Der Detailhändler Migros geht unter die Gesetzesbrecher: Für eine Werbekampagne überklebt er Ortstafeln. Dafür drohen bis zu 10 000 Franken Busse. Der orange Riese nimmt das offenbar gerne in Kauf.

RUMINARE

Siehe Synoyme:

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Italienisch Italienisch

ruminare (problema, zoologia)

Deutsch Deutsch

grübeln (problema, zoologia) wiederkäuen (problema, zoologia)

Englisch Englisch

ponder (problema) ruminate (problema, zoologia)

Französisch Französisch

méditer (problema, zoologia) ruminer (problema, zoologia) réfléchir (problema, zoologia) se faire du mauvais sang (problema, zoologia) songer (problema, zoologia)

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Heute hatte ich mit Gunter Faigle, Direktor der deutschen Volkshochschule Donaueschingen, ein gutes Gespräch. Wir reflektierten, was LERNEN mit DENKEN zu tun hat. Er zitierte mir dabei einen Gedanken von Konfuzius über LERNEN - DENKEN - BILDUNG:

LERNEN ohne zu DENKEN ist wertlos

DENKEN ohne zu LERNEN ist gefährlich

Den ersten Satz konnte ich sofort unterschreiben. Bei zweiten Satz merkte ich jedoch, dass dieser Gedanke verschieden interpretiert werden kann und nach einer kurzen Diskussion machte mich Gunter Faigle auf eine Methode zur geistigen Vergewisserung aufmerksam, die immerhin schon mehr als 2000 Jahre auf dem Buckel hat und auch für bestimmte Zwecke heute noch tragfähig ist: das fand er faszinierend. Sie gemahnt u. a. auch daran, den Mund bei wichtigen Angelegenheiten erst dann aufzumachen, wenn Abwägungen getroffen worden sind. Im Alltag lohnt es sich vermert zu ruminieren!

Ruminare kommt von wiederkauen (Ruminatio, Rummans, Ruminales, s. Pfeil-IconWiederkäuung).

Zur Methode RUMINATIO:

Wenn beispielsweise ein Satz (Gedanke) von verschiedensten Seiten betrachtet wird, können wir die Aussage reflektierend (wiederkauend) zusätzlich vertiefen.

Der Satz kann beispielsweise zuerst in einzelne Worte zerlegt werden und über jedes Wort müsste in einem Selbstgespräch laut nachgedacht werden. Dann wird der Satz zerlegt und über jeden Teil wird laut reflektiert. Der Satz kann auch von hinten nach vorn gelesen werden. Dazu wird laut nachgedacht und es werden dazu jeweils auch Notizen gemacht. Hernach gilt es, aus den vielen Gedanken einen Kerngedanken heraus zu schälen und diese Interpretation der Gruppe vorzutragen.

Nachtrag 18.4.09:

Auch in der Meditation besteht eine Variante des Ruminare ein Bestandteil zur Vertiefung von Gedanken. Beispielsweise in Gebetsritualen. Abt Merian liess mir folgenden beachtenswerten Text zukommen, den ich gerne an dieser Stelle als weiteren Gedankenanstoss zur Thematik "Wiederholung und Reflektion von Worten und Gedanken" aufnehme:

Das Jesus- oder Herzensgebet ist seit dem Beginn des Mönchtums in der aegyptischen Wüste im 3./4. Jh. eine westliche und östliche Tradition des mystischen Gebetes. Es besteht in der einfachen, gläubigen Wiederholung (mündlich oder im Herzen) eines sog. Ein-Wort-Gebetes (griech. Monologion; lat. formula pietatis): z.B. "Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner (unser)" oder "Jesus, Sohn Gottes, ich vertraue auf Dich" oder "O Gott komm mir zu Hilfe, HERR, eile mir zu helfen!" Es geht auch mit dem blossen Namen "Jesus", den man sogar mit dem Ein- und Ausatmen verbinden kann. Das Geheimnis des Erfolgs ist die richtige Gesinnung (entschiedene Gottes- und Nächstenliebe), die ausdauernde und geduldige Wiederholung (Beten) des Jesusgebetes im Herzen in einer vertrauensvollen und demütigen Haltung. Auf diese Weise führt das Gebet bald zu einer Gotteserfahrung und zum Frieden des Herzens. In eine zeitgemässe Sprache gegossen, würde ich es so sagen: Durch das Jesusgebet im Herzen kann ich jederzeit und allerorts (wie auch in jeder Lage, innerlich wie äusserlich) einfach, ungehindert und schnell "online gehen" mit dem erhöhten und auferstandenen HERRN. Ich komme durch diese Anrufung Gottes in eine direkte Berührung und Verbindung mit IHM, dem Sohne Gottes, der zur rechten des VATERS sitzt und für uns eintritt. Sobald ich durch Zerstreuungen, Fehler und durch den Lauf der Dinge in den Standby-Modus zurückfalle (die Verbindung mit Gott vergesse), kann ich schnell durch "ein paar Bewegungen der Maus" bzw. durch die erneuerte und wiederholte Anrufung des HERRN (Wiederholen des Jesusgebetes im Herzen) mich wieder aufschalten mit Christus und auf diese Weise so lange mich das Gebet trägt in der Gnade "surfen" (in IHM bewegen wir uns) und chatten (mit Gott reden). Diese Form des Gebetes wird zu einer immerwährenden Tiefenhaltung, die auch noch im Schlafe fortbesteht und das Herz durch die Nähe Gottes warm (wohlwollend) macht und zwischenzeitlich mit grossem Trost erfüllt. Auf diesen Trost aber soll man nicht aus sein. Er stellt sich dann ein, wenn es Gott gefällt.

Abt Dr. Marian Eleganti osb Abtei St. Otmarsberg Ernetschwilerstrasse Postfach 135 CH 8730 UZNACH

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Zu den fernöstlichen Techniken der Meditation

Ich zitiere aus DocuCC:

Mönche im Labor - Die Neurowissenschaften entdecken die fernöstliche Meditation

Abgelegt in Natur/Tiere, Wissenschaft, Übersinnliches | wong it! von doku am 19 Februar 2007

Die Dokumentation erzählt ein ebenso menschliches wie wissenschaftliches Abenteuer: Warum interessiert sich die Wissenschaft für Meditationspraktiken? Und warum lassen buddhistische Mönche ihr Gehirn und ihren Körper wissenschaftlich untersuchen? Seit 2.500 Jahren erforschen die Buddhisten ohne jedes Hilfsmittel das Wesen des Geistes. Sie haben Meditationstechniken entwickelt, um die Konzentration zu fördern und Gefühle zu steuern. Lange wurden diese Praktiken in den westlichen Industrieländern ignoriert, heute jedoch interessieren sich viele Wissenschaftler für diese Techniken, weil sie sich Antworten auf jahrtausendealte Fragen erhoffen: Was sind Emotionen? Was ist der Geist?

Die Dokumentation zeigt Neurowissenschaftler in ihren Laboren, die Versuche mit praktizierenden Buddhisten durchführen, und verschafft Einblicke in einen neuen Bereich der Wissenschaft, der das Verhältnis zwischen Körper und Geist und die faszinierende Formbarkeit des Gehirns untersucht.

Montag, 13. April 2009

Der renommierte Pritzker-Preis 2009 geht an den Schweizer Architekten Peter Zumthor.

Die Therme Vals haben ihn weltberühmt gemacht.

Vor wenigen Wochen verbrachten wir in der Therme Vals ein paar Tage der Erholung. Es ist erstaunlich, wie es Peter Zumthor dort verstand, Funktion und Aesthetik unter einen Hut zu vereinen.

Das Material, das unterirdische Bad mit dem einheimischen dunklen Granit und der akustischen Untermalung (aus Lautsprechern sind Grottengeräusche zu hören) gibt dem Bau eine Sinnhaftigkeit und erinnerte mich an die Thematik (sinnvoll kommunizieren).

  1. rhetorik.ch aktuell: Sinnvoll Kommunizieren

    Sinnvoll Kommunizieren. Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Wortwirkung · Wort und Bild. Wer so schreibt oder so redet, dass man das Gesagte mit den äusseren ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/06_11/index.html - 6k - Cached - Similar pages

Ich zitiere Tagi online:

1/12 Das bekannteste Bauwerk Peter Zumthors: Die Therme in Vals. Bild: KEYSTONE/AP

Architekt von Weltrang: Peter Zumthor.

Architekt von Weltrang: Peter Zumthor. (Bild: Keystone)

Pritzker-Preis

Höchste Auszeichnung für Architekten

Der Pritzker-Preis ist der renommierteste Preis in der Architektur. Gestiftet wurde er 1979 vom US-Amerikaner Jay A. Pritzker (1922-1999), der unter anderem die Hyatt-Hotelkette gegründet hatte. Der Pritzker-Preis ist mit 100'000 Dollar dotiert und wird jährlich vergeben. Die Auszeichnung geniesst in Fachkreisen eine ähnliche Wertschätzung wie die Nobelpreise in den Naturwissenschaften. Peter Zumthor ist nicht der erste Preisträger aus der Schweiz. Vor acht Jahren erhielten Jacques Herzog und Pierre de Meuron den Pritzker-Preis.

Wie viele Bauwerke Zumthors bestechen sie durch rigorosen Minimalismus und dezent eingesetztes Licht.

Sonntag, 12. April 2009

Steinbrück sieht sich im Recht

Mit seiner jüngsten Bemerkung rechtfertigt Steinbrück sein rüppelhaftes Benehmen gegenüber den Schweizern, den Indianern, wie er sie bezeichnete Ein Land, das nicht bereits ist, die Bankkunden preiszugeben, hat kein Anrecht auf einen freundlichen, diplomatischen Ton oder ein Lächeln.

Ich empfehle Peer Steinbrück meinen Beitrag unter www.rhetorik.ch über das Harvard Prinzip zu lesen (Navigation über das Inhaltsverzeichnis)

Ich zitiere aus Tagi-online:

Nach Einschätzung des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück hätte Deutschland im letzten Jahr zwei Mrd. Euro Quellensteuer aus der Schweiz erhalten müssen, «wenn die EU-Zinsrichtlinie endlich auf Kapitaleinkünfte jedweder Art erweitert würde». In Wirklichkeit seien ihm 2008 aus der Schweiz aber nur 80 Mio. Euro auf Zinseinkünften überwiesen worden, sagte Steinbrück in einem Interview gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

«Da haben wir ein Problem. Und das soll ich höflich und diplomatisch weglächeln?», fragt Steinbrück.

Kommentar:

Dank der Drohungen kam nach Steinbrück "Zug ins Kamin"! Kein Wunder, dass er sich im Recht sieht und weiter nachlegt.

Aus 20 Min:

Steinbrück will Geld sehen

Nach so vielen kalten Tagen geniessen wir nun die prächtigen Ostertage:

Narzissen

Samstag, 11. April 2009

OECD- MERZ Duell

Die «Graue Liste» - wie weiter?

Das verbale Gefecht zwischen der Schweiz und der OECD über die graue Liste der Steueroasen geht weiter. Nachdem OECD- Generalsekretär Angel Gurría der Schweiz in einem Brief Untätigkeit vorgeworfen hatte, schritt Bundespräsident Hans-Rudolf Merz zu einem weiteren Gegenangriff.

Ich zitiere Tagi online:

Die Schweiz werde sich künftig dagegen wehren, wenn die OECD ohne ihre Mitbeteiligung über graue oder schwarze Listen diskutiere. Man wolle bei solchen Sachen mitreden, bekräftigte EFD- Sprecher Roland Meier am Freitag im Namen von Bundespräsident Hans- Rudolf Merz.

Finanzminister Hans-Rudolf Merz habe das am Donnerstag bekannt gewordene Schreiben von OECD-Generalsekretär Angel Gurría zur Kenntnis genommen, sagte Meier weiter. Die Schweiz als OECD- Mitglied habe keinerlei Kenntnis gehabt vom Auftrag der G-20 an die OECD, eine Liste von Steueroasen zu erstellen.

Der Bundesrat wolle, wie er schon mehrfach betonte habe, das OECD-Musterabkommen ohne Vorbehalt zügig umzusetzen. Die Schweiz werde sich auch künftig mit allen Kräften dagegen wehren, ohne Einfluss auf qualitative Kriterien eine Evaluation über sich ergehen zu lassen - sei es von der OECD oder von den G20-Staaten.

Die OECD behauptete, die Schweiz sei mehrfach gewarnt worden

OECD-Generalsekretär Gurría hatte in einem von Anfang April datierten und am Donnerstag bekannt gewordenen Schreiben Fakten aufgelistet, welche die von der Schweiz gemachten Vorwürfe entkräften sollen. Eine Kopie des Briefes liegt der Nachrichtenagentur SDA vor. Im Brief verweist Gurría auf diverse Treffen und Gespräche mit Schweizer Regierungsmitgliedern und dem Schweizer Delegationsleiter bei der OECD, Eric Martin.

So erwähnt Gurría ein Treffen im Oktober 2008, das von den Finanzministern Frankreichs und Deutschlands einberufen worden sei, um Steuerfragen zu erörtern. Elf Länder hätten teilgenommen - die Schweiz nicht.

Er habe die Schweiz damals informiert, dass der internationale Druck im Hinblick auf den Informationsaustausch in Steuerfragen zusehends grösser werde. Er habe Bundesrätin Doris Leuthard empfohlen zu prüfen, wie die Schweiz auf diese neue Realität antworten könnte. «Ich empfahl auch, dass die Schweiz an diesen Treffen präsent sein sollte, um für sich sprechen zu können.»

Mehrfach informiert

Weiter erwähnt Gurría ein Treffen mit Leuthard in Davos. Dort habe er der Schweiz nahe gelegt, aktiv zu werden, statt später zu einer Reaktion gezwungen zu werden.

Auf Wunsch von Mitgliedsländern habe die OECD über die Kritieren informiert und darüber, wer die OECD-Standards in Steuerfragen erfülle. Diese Informationen an die G-20 seien faktengetreu und ohne jegliche Wertung seitens der OECD gewesen.

«Ich habe den Schweizer Vertreter, Botschafter Eric Martin, ordnungsgemäss über diese Forderungen informiert und ihm geraten, die Angelegenheit mit seinen Behörden zur Sprache zu bringen», so Gurría in dem Schreiben.

«Verfahren stinkt zum Himmel»

Mit harten Worten kritisierte auch Luxemburgs Aussenminister Jean Asselborn die graue Liste der OECD.

«Die Liste ist völliger Unsinn, das Verfahren stinkt zum Himmel», sagte er gegenüber dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».

Die OECD-Liste führt Luxemburg und die Schweiz als Steueroasen, ebenso wie etwa die karibischen Cayman-Inseln. Länder wie China oder die als Rückzugsgebiet für Steuerflüchtlinge in Verruf geratenen britischen Kanalinseln Jersey und Guernsey würden dagegen auf einer «weissen Liste» geführt, kritisierte der Minister.

Er verteidigte erneut die Steuerpolitik seines Landes. «Luxemburg schützt keine Steuerbetrüger, aber wir wollen nicht, dass Herr Steinbrück auf Knopfdruck erfährt, wer wie viel auf dem Konto hat», sagte er. Quelle: SDA/ATS

Ende Zitat:

Kommentar: Falls es tatsächlich zutreffen sollte, dass die Schweiz Gründungsmitglied der OECD und somit auch Vollmitglied der OECD ist und in der OECD alle Beschlüsse immer von allen Mitgliedern abgesegnet werden müssten, so hätten 20 Teilnehmer gar nicht im Alleingang eine verbindliche graue Liste publizieren dürfen. Es wäre dann völlig unverständlich, dass die Schweiz überhaupt diese Liste ernst genommen hat.

Klärung tut not!