Montag, 12. Januar 2009

Informationsmanagement ist bei Medienauftritten ein Muss

Zum Medienrummel Ramona

Die Geschichte mit einer Schülerin, die mit Bauchschmerzen in den Spital eingeliefert wird - mit der Diagnose "Blinddarmentzündung" - und dann ein Kind auf die Welt bringt, ist eine klassische Mediengeschichte.

Sie erfüllt alle Bedingung dafür:

- Die Geschichte kann personalisiert werden

- Sie weckt Emotionen

- Die Geschichte hat Newscharakter, ist aussergewöhnlich und interessiert die Bevölkerung.

Dass eine Schülerin nicht gelernt hat, mit Medien umzugehen, liegt auf der Hand. Dem Mädchen kann keinVorwurf bemacht werden, wenn sie heute überfordert ist.

Weil niemand das Management im Umgang mit Informationen an die Hand genommen hatte, musste es schief kommen.

Alle Akteure informierten individuell und unkoordiniert. Oft auch gegensätzlich. Ramona, die Mutter , die Grossmutter, der mutmassliche Vater, der Klassenlehrer, der Arzt und und

Der Medienrummel war vorprogrammiert:

Ich zitiere aus baz:

Medienrummel in Obergerlafingen – 13-jährige Mutter im Dauerstress

Das Interesse um die 13-jährige Schülerin, die vor Weihnachten einen Sohn gebar, ist riesig. Die frisch gebackene Grossmutter leidet, ihre Tochter will wieder zur Schule.

Ramona (13) mit ihrem neugeborenen Sohn Nico beantwortet die Fragen der Journalisten. Photo: Manuel Zingg ·

Die Betroffenen waren überfordert und wurden sich selbst überlassen

«Jetzt nehme ich keine Telefonate mehr an», sagt die Mutter der 13-Jährigen zum «Blick»-Reporter. Angeblich haben sogar TV-Stationen aus dem Ausland für ein Interview angefragt. Vor der Haustür stehen sich die Reporter die Füsse platt, doch die will sie nicht mehr reinlassen, «das ist uns alles zu viel», so die 47-Jährige.

Zwar prahlt ihre Tochter, Ramona, «ich bin fitter als meine Mam», doch langsam scheints auch der jüngsten Mutter der Schweiz zu viel zu werden. «Ich bin froh, wenn sich der Rummel wieder legt.»

Im Interview mit Radio1 sagte die 13-Jährige, sie wolle nächste Woche wieder zur Schule gehen. Für Söhnchen Nico ist dann wohl ihre Mutter zuständig. «Wegen des enormen Medieninteresses» sei der Termin für die Rückkehr an die Schulbank aber noch unklar.

Kommentar: So wie die Schülerin vom psychiatrischen Dienst betreut wurde, hätten alle Betroffenen ebenfalls von einer Fachperson über den "Umgang mit Medien" (Informationsmanagement) instruiert werden müssen.

Lehre aus der Geschichte: (Ueberlegungsaufgabe) Antwort folgt später.

Antwort (13.1.09):

Es geht vor allem darum: Vor Medienauftritten müssen die Informationen gemanagt werden d.h. die Einsätze sind zu koordinieren:

Im Fall Ramona hätte zuerst festgelegt werden müssen, wer vor den Medien spricht. Falls dies mehrere Personen sind, müsste geklärt werden, was gesagt wird und was nicht gesagt wird. Elle reden gleichsam "mit einer Stimme".

Im Fall Ramona wurde nicht festgelegt, wo die Grenze zwischen Privatheit und Oeffentlichkeit gezogen wird.

Ramona hätte in einem Kurzcoaching für Medienauftritte in einem Simulator vorbereitet werden müssen. Ein Kind kann nicht wissen, wie Medien ticken.

Ferner sollten gewisse Personen dem Medienwirbel bewusst entzogen werden. Es gibt Personen, die sich vorläufig inhaltlich nicht äussern dürften. Beispielsweise müsste der mutmassliche Vater bei Anfragen konsequent sagen: "Es ist eine Abklärung im Gang. Bis die Resultate auf dem Tisch liegen, gebe ich keine Stellungsnahme ab!"

Der Koordinator legt fest, was den Medien kommuniziert wird (Kernbotschaft, Dachbotschaft):

Diese Botschaft muss wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, muss gesagt werden.

Sonntag, 11. Januar 2009

Phänomen Widmer - Schlumpf

Vor einem Jahr noch als Verräterin und Lügnerin beschimpft, strahlt heute die fremderkorene Bundesrätin in einer Woge grösster Zuneigung.

Beliebte Magistratin.

Eveline Widmer-Schlumpf freut sich über ihre Wahl zur Schweizerin des Jahres. (Sabine Wunderlin)

(Quelle Blick)

Frage zum Ueberlegen:

Wie kam es zum Triumph für Widmer-Schlumpf - der zurückhaltenden und früher von der SVP ausgestossenen Sprengkandidatin Blochers. Weshalb wurde sie in einem Jahr zur beliebtesten Person? Warum dieses Publikumshoch

Es sind möglicherweise folgende Gründe:

- Nachdem sich vor gut einem Jahr die ehrgeizige Bündner-Regierungsrätin - von den politischen Gegnern der SVP - zur Sprengkandidatin Blochers erküren und wählen liess, wurde sie von der gebeutelten SVP als "Verräterin" ins Visier genommen. Nach Aussage der SVP versprach angeblich Widmer-Schlumpf die Wahl abzulehnen, falls die SP, die Grünen, die CVP und Teile der FDP beim Plan B (Blocher muss weg!) mit einer heimlichen Sprengkandidatur Erfolg hätten. Als Widmer- Schlumpf dann nach dem Coup die Wahl dann doch angenommen hatte, wurde sie aus der Partei ausgeschlossen und erlebte über Wochen ein permanentes Trommelfeuer gegen ihre Person.

- Doch diese Attacken führten in der Bevölkerung zu einer Solidarisierung mit dem Opfer

- Es führte sogar zu einem Mitleideffekt - vor allem bei den Frauen

- Es kam zu zahlreichen Protestkundgebungen gegen die SVP

- Bei den Medienauftritten fiel auf, dass Eveline Widmer - Schlumpf nicht grob zurückschoss. Im Gegenteil sie wirkte stets korrekt, souverän und kam vor Mikrofon und Kamera stets gut an

- In der TV- Arena war sie dem Volkstribun Blocher überlegen. Sie überzeugte dank ihrer Sachkompetenz. Sie zeigte Rückgrat und eine Breite Schulter.

- Als sie in der Finanzkrise Bundesrat Merz vertreten musste, erlebten wir, dass die neue Bundesrätin während der Finanzkrise als Fachfrau übezeugte und sattelfest war. Sie bewies Sachkenntnis

- 2008 wurde sie dann vom Sonntagsblick als "Klassenerste" bezeichnet. In Arosa konnte sie als Auszeichung die Humorschaufel entgegennehmen. Der Grund dieses raschen Aufstieges ist bestimmt auch im Leistungsausweis der neuen Bundesrätin zu suchen

- Ihr hartnäckiger Widerstand gegen die mächtige SVP wurde in breiten Kreisen bewundert und weckte möglicherweise sogar Schadenfreude

- Kommt noch dazu, dass Eveline Widmer - Schlumpf charakterlich geschätzt wird

- Dank ihrer Bescheidenheit hatte sie noch keine Neider (Dies könnte sich künftig ändern. Ich kann mir aber nicht gut vorstellen, dass bei Eveline Widmer- Schlumpf der Erfolg in den Kopf steigt)

- Sie ist übrigens auch nicht vom Virus Mediengeilheit infisziert, wie andere Magistraten

- Sie ist wohlerzogen, höflich und behandelt selbst die Gegner immer respektvoll. Die Emotionen hat sie im Griff

- Vor allem hat sie bewiesen, dass sie belastbar ist und sich in Krisen bewähren kann

Es ist deshalb nichts Aussergewöhnliches, dass die kleine Bündnerin heute bei der Bevölkerung nun im Ranking so "gross herausgekommen" ist.

Nachtrag 12. Januar:

Aufschlussreich sind die Leserechos im Tagi online nach der Auszeichung. Während sich viele sich echt freuen, schimmert auch Schadenfreude durch z.B.:

Eine schallende Ohrfeige für Blocher, Brunner, Baader, Hurter.

gibt es auch Verschwörungstheoretiker, wie z.B.:

Josef Hoistetter: Völlig unrealistisch. Diese Frau hat nicht 70% der SchweizerInnen hinter sich, sondern wurde durch eine gezielte Telefonaktion von CVP, SP und Grünen, mit diesem Resultat gewählt.

Ich bin sicher, dass die üble Nacht- und Nebelaktionen vor einem Jahr den Verschwörungstheoretikern Aufwind gegeben haben.Denn man könnte sich tatsächlich vorstellen, dass es Internetzeitalter ohne grossen Aufwand möglich wäre - mit einem Schneeballsystem eine Umfrage mit Mails (an alle!) ine Umfrage gezielt zu steuern. Persönlich kann ich mir aber nicht gut vorstellen, dass die erfolgreichen politischen Akteure im letzten Kampf gegen Blocher (Wyss, Darbellay und Co) nach einem Jahr nochmals den Aufwand für eine derartig hinterhältige Aktion auf sich genomen hatten. Verschwörungstheorien haben es bekanntlich an sich: Man kann schlecht das Gegenteil beweisen und die Theorie leuchtet ein.

Schlumpfs Wahl spaltete die Gemüter. (Keystone)

in 20 Min werden die Gegenstimmen laut:

Jetzt hat sie das Schweizer Fernsehpublikum mit überwältigender Mehrheit zur Schweizerin des Jahres gewählt. Trotz der SVP-Attacken - oder gerade deshalb? Letzteres findet zumindest SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi: «Das beste Rezept, Schweizerin des Jahres zu werden, ist wohl, wenn man der SVP möglichst viel Schaden zufügt.»

«Dieser Entscheid ist absolut absurd»

Was die Bundesrätin im vergangenen Jahr geboten habe, sei keine Leistung, sondern ein Skandal: Sie habe sich mit politischen Gegnern solidarisiert, die eigene Partei hintergangen und belogen und sich gegen den Willen der Partei gestellt. Für Bortoluzzi ist der Entscheid, Widmer-Schlumpf zur Schweizerin des Jahres zu wählen, «absolut absurd».

In die gleiche Kerbe schlug der Baselbieter Nationalrat Christian Miesch: «Dieses Resultat war vorprogrammiert. Bereits die Auswahl der Kandidaten ist ein totaler Skandal.» Der Anlass sei ein reines Medienspektakel, bei dem der linke Ringier-Mafia-Clan mächtig mitmische.

«Ausdruck von Dekadenz und Verwahrlosung»

Auch der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr rückte die Wahl in diese Ecke. Für ihn sei sie «nicht repräsentativ für das Schweizer Volk». Vielmehr sei es ein inszeniertes Spiel, das Ausdruck sei für die Oberflächlichkeit, Dekadenz und Verwahrlosung gewisser Kreise aus Politik, Medien und Kultur.

Zurückhaltender gab sich der Berner Nationalrat Adrian Amstutz. «Das ist ein Publikumsentscheid, und den habe ich so zur Kenntnis genommen.» Mehr mag er dazu nicht sagen. Damit liegt Amstutz auf der Linie seines Parteipräsidenten: Toni Brunner will sich ausdrücklich nicht zur Wahl von Widmer-Schlumpf äussern.

Nur ein Drittel wählte Widmer-Schlumpf nicht

«Der Swiss-Award ist ein Show-Event und nicht vergleichbar mit einem politischen Wahlergebnis», sagte dafür Alain Hauert, der als Pressesprecher der SVP Schweiz für die offizielle Parteilinie steht. Und: «In SVP-Kreisen hat Eveline Widmer-Schlumpf nach wie vor keinen Rückhalt.»

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Kommentar:

Mich erstaunte, was mir ein Jurymitglied schilderte: Er sagte mir, die Auswahl der Kandidaten sei bereits vor der Volkswahl entschieden worden. Das Schweizer Fernsehen und Ringier hätten bereits in der Vorselektion die richtigen Weichen gestellt und die Macher hätten nur jene Personen zu Kandidaten erkoren, welche den linken Machern entsprachen. Die Volkswahl sei dann nur noch zur Farce geworden. So seien schon in den letzten Jahren - bei den Vorwahlen - alle missliebigen Konkurrenten ausgeschieden worden, sodass dann nur Personen, wie Calmy-Rey, Dreifuss und Ziegler der Weg ins Ziel schaffen konnten. Auch dieses Jahr habe man die Karten bereits vor der Volkswahl zum "Politiker des Jahres" gezogen , damit Widmer Schlumpf siegen musste. Die Konkurrenten Minder oder Strahm wären am Schluss ohnehin chancenlos gewesen. Dass es ein Blocher oder sonst ein bürgerlicher Politiker ebenfalls für die Volkswahl in der Schlussrunde zur Auswahl angeboten wird, sei bei den jetzigen Königsmachern ausgeschlossen. Sie würden die Karten immer so mischeln, dass es nur eine Personen - nach ihrem Gusto - das Ziel erreicht.

Samstag, 10. Januar 2009

Bizarre Bahnabteilrhetorik

Quelle ZEIT:

Stöcker und die Handygang

Wenn Sie im ICE im Großraumwagen fahren, sitzt am Gang neben Ihnen Stöcker. Stöcker hat ein Handy. "Stöcker hier", brüllt er hinein. Und dann erfahren Sie von dem Problem mit dem Netzwerkdrucker. Der druckt Sachen aus, die er nicht drucken soll. Während Stöcker dies lautstark vertieft, schrillt das Handy der Ihnen gegenübersitzenden Mitreisenden. Es ist ein sehr individueller Klingelton aus einer Daily Soap, und es ist klar, dass man ihn auch im Zug nur in voller Lautstärke genießen kann - auch deswegen, weil sich Ihr Gegenüber viel Zeit lässt, bis sie ans Telefon geht. "Na, bist du schon mit allen Formalitäten durch?", will sie verschwörerisch wissen.

Nicht lange, und es wird allen interessierten (und, da sie Stöcker übertönen muss, auch allen nicht interessierten) Mitreisenden klar, dass die Frau heiratet. Ein Durcheinander sei das mit diesen ganzen Unterlagen. Die Eltern sind doch aus dem Osten, da ist alles anders. "Und ist es nicht makaber?", will sie wissen. "Gerade heute hat mein Vater seine Scheidung durch ..."

"Hier ist der Uwe, bist du jetzt auch in Bochum?", fragt es quer durch den Wagen, zum Schrecken etlicher Mitfahrer, denn der Zug ist nicht in Bochum, und er fährt auch nicht dorthin. Aber selbst wenn Sie wollten, könnten Sie Uwe nicht darauf aufmerksam machen, denn Ihr Gegenüber macht sich nun Gedanken um das Catering der Hochzeitsfeier, und Stöcker ist immer noch dem Druckerproblem auf der Spur - es ist sein Anruf Nummer siebzehn, und er hat jetzt den Einkauf dran. "Dann lass uns das beim Golf in Ascheberg bereden", schlägt Uwe vor und geht zum Werdegang von Dirk über. Der ist ziemlich unfähig, hat Dreck am Stecken und ist nur wegen seiner Beziehungen seit Kurzem Bezirksleiter von irgendeiner leider vernuschelten Firma, die er in den Ruin treiben und dann eine fette Abfindung kassieren wird.

Wie viel, ist schwer zu verstehen, denn da ist noch Eduard. Er hat das Pech, bei einem Netzanbieter ohne gute Abdeckung zu sein, und versucht, diesen Mangel durch Lautstärke auszugleichen. "Kati, ich bin's, Eduard", ruft er mit Tenorstimme ins Handy, "ich bin im Zug! Ich habe mein neues Handy dabei und wollte mich nur mal melden!" Aber dann ist die Verbindung schon wieder weg, und Eduard wählt erneut (nicht aus dem Adressbuch, nein, direkt, und jeder Tastendruck erzeugt einen quäkenden Ton). "Schwer mit der Kommunikation", ruft Eduard, "sehr schwer mit der Kommunikation. Kati, wie geht es dir? Was macht Alberts Bein?" Aber die Antwort erreicht ihn schon nicht mehr, sodass er erneut wählen muss - "wirklich sehr schwer mit der Kommunikation!" Wählt er einmal nicht sofort, ruft Kati an; dann ist nicht zu überhören, dass Eduard als - auf vollste Lautstärke gestellten - Klingelton den Flohwalzer bevorzugt, seltsamerweise in der Technoversion.

Kommentar: Die beschriebene Szene finde ich nicht gar nicht übertrieben. Ich habe Aehnliches im Schnellzug Zürich Bern vor zwei Wochen erlebt. Da machte sich ein Mitreisender mit sonorer Stimme kurz vor Bern wichtig und sagte laut und gut vernehmlich: "Schatz stell bitte den Chämpis kalt. Ich bin auf der Heimfahrt!"

Hätte sich der Handyrhetoriker sich nur ein wenig umgeschaut, so hätte er in den Gesichtern der Mitreisenden das abschätzige Lächeln und die zahlreichen negativen nonverbalen Signale feststellen können. Doch der Wichtigtuer merkte von diesen Rückmeldungen nichts. Bekanntlich ist übertriebene Geltungssucht oft gepaart mit einer reduzierten Wahrnehmungsfähigkeit.

Freitag, 9. Januar 2009

Uneinigkeit im Bundesrat

Alles wüssten es: Man sollte nicht nur in Krisenzeiten mit einer Stimme sprechen. doch wird es nicht gemacht. Während der Finanzkrise sagte Eveline Widmer Schlumpf immer die slebe Botschaft. Dies war vorbildlich. Doch doris Leuthard nilet sich nicht daran. später vermittelten die Bundesräte Merz und Calmy-Rey unterschiedlich. Für mich eine gravierende Fehleistung.

Heute lesen wir im Tagesanzeiger die Fortsetzung der Geschichte:

Die beiden Diven im Bundesrat schenken sich nichts

Nutzt Wirtschaftsministerin Doris Leuthard die Wirtschaftskrise aus, um ihrer Rivalin Micheline Calmy-Rey an den Karren zu fahren? Der Zickenkrieg in der Regierung geht in die nächste Runde.

Unter der Rubrik «Förderung des Wirtschaftsstandorts» forderte die Leuthard-Partei unter anderem mehr Tourismuswerbung. Die CVP fordert 10 bis 15 Millionen Franken für eine Werbekampagne zur Stärkung der Tourismusregion Schweiz. Die dafür benötigten Mittel sollen von der Organisation «Präsenz Schweiz» abgezogen werden. Auf den ersten Blick ein unbedeutendes Detail. Tatsächlich hat es der Vorschlag aber in sich.

Denn die nationale Marketingorganisation Schweiz Tourismus, der die zusätzlichen Werbegelder zufliessen sollen, ist im Departement Leuthard angesiedelt – mit einem Jahresbudget von rund 75 Millionen Franken. Die nationale PR-Agentur Präsenz Schweiz hingegen, die das Geld beisteuern soll, ist dem Aussenministerium von Micheline Calmy-Rey angegliedert. Die Organisation verfügt über ein Budget von rund 10 Millionen Franken. Mit dem Vorschlag der CVP stünde das Geld statt Micheline Calmy-Rey in Zukunft Doris Leuthard zur Verfügung. Brisant ist das darum, weil Leuthard vor zwei Jahren mit einem ähnlichen Vorschlag im Bundesrat auf die Nase fiel. Aber auch, weil die beiden Bundesrätinnen es miteinander partout nicht können.

Zankapfel Landeswerbung

Bei der Frage, wer künftig bei Präsenz Schweiz das Sagen hat, gerieten die beiden Politikerinnen ein erstes Mal aneinander. Leuthard wollte damals die Organisationen Schweiz Tourismus, Präsenz Schweiz sowie Location Switzerland (fördert den Unternehmensstandort) auf Januar 2008 unter dem Dach ihres EVD vereinen. Im Oktober 2006 gab der Bundesrat grünes Licht für die Zusammenlegung. Aber Calmy-Rey konnte in der Bundesratssitzung vom 24.Januar 2007 das Blatt schliesslich noch wenden.

Das Verhältnis zwischen den beiden Frauen ist seither nicht besser geworden. Noch im vergangenen November lieferten sich die beiden Bundesrätinnen via Medien einen Psychokrieg über die Frage, ob es ein Konjunkturpaket brauche oder nicht. Calmy-Rey plädierte gegenüber der «Sonntagszeitung» für ein echtes Konjunkturpaket und kritisierte damit indirekt die bisherigen Bemühungen der Wirtschaftsministerin. Leuthard sagte hingegen im «Sonntagsblick», es werde kein Konjunkturpaket geben. Ein solches sei auch gar nicht nötig. Leuthard musste inzwischen stark zurückkrebsen und ein Massnahmenpaket vorlegen.

«Eskalation im Zickenkrieg»

Zwei Monate zuvor sprach der «Blick» von einer Eskalation im Zickenkrieg: Leuthard lasse keine Gelegenheit aus, um Giftpfeile gegen Calmy-Rey abzufeuern. Anlass dazu bot eine Replik der CVP-Bundesrätin auf ein Interview der SP-Bundesrätin. Die Aussenministerin dachte darin öffentlich über die Volkswahl von Bundesräten nach. Leuthard kanzelte daraufhin von Bukarest aus Calmy-Reys Vorschlag als «nicht durchdacht» ab.

Auch Calmy-Rey lässt keine Gelegenheit, um Leuthard zu gängeln: Im Herbst 2008 wurde bekannt, dass die EDA-Chefin heimlich eine Expertise in Auftrag gegeben hatte, wie man Teile von Leuthards Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in das Aussenministerium integrieren könnte. Es ging dabei vor allem um die Bereiche des Seco, die sich mit Aussenwirtschaft befassen. Die Wirtschaftsministerin erfuhr von der Expertise offiziell erst Monate später.

Dauerkrach könnte sich weiter verschärfen

Wie gross das Zerwürfnis zwischen den beiden Bundesrätinnen ist, zeigt Leuthards Einschätzung zur Indienreise von Calmy-Rey im Herbst 2007. Leuthard weilte zur selben Zeit auf Besuch in Oman. Ihre Reise fand aber in den Medien nicht dieselbe Beachtung wie jene der Aussenministerin, damals auch Bundespräsidentin. In einem Mail an Bekannte bezeichnete Leuthard die Reise der Aussenministerin als einen kostenintensiven «Eigenlauf» und als «reine PR-Aktion.»

Das Wirtschaftspaket der CVP dürfte den Dauerkrach zwischen den beiden Divas Leuthard und Calmy-Rey jetzt weiter verschärfen. Dabei müssten die beiden Bundesrätinnen im schwierigen Abstimmungskampf um die Personenfreizügigkeit mit der EU eigentlich zusammenarbeiten.

Kommentar: Nach wie vor vertrete ich die Ansicht, dass im Bundesrat unterschiedliche Meinungen zulässig sind. Doch müsste die Auseinandersetzungen intern erfolgen und Auseinandersetzungen dürften nicht in der Oeffentlichkeit ausgetragen werden. Es ist schon sonderbar: Christoph Blocher wurde laufend vorgeworfen, er habe die Meinungsdifferenzen nach Aussen getragen. Heute sei man froh, dass im Bundesrat Einigkeit herrsche und sich das Klima wesentlich verbessert habe. Die jüngten Pannen können nun nicht mehr dem abgewählten Bundesrat in die Schuhe geschoben werden. Ueli Maurer kann man die jüngsten Ungereimtheiten leider noch nicht unterschieben.

Nachtrag aus 20 Min:

Immerhin waren sich alle drei Bundesrätinnen einmal einig

Die Bundesrätinnen Doris Leuthard, Micheline Calmy- Rey und Eveline Widmer-Schlumpf haben vor den Risiken eines Nein zur Personenfreizügigkeit am 8. Februar gewarnt.

Kommentar: Es geht doch auch so!

Zur Entwicklung des Journalismus im Internetzeitalter

Entzieht die Gratiskultur des Internets dem Qualitätsjournalismus die Finanzierungsgrundlage?

Diese Kernfrage tauchte auch beim letzten Dreikönigstreffen mit Verlegern und Journalisten immer wieder auf. Während viele Zeitungen den Teufel an die Wand malen, sehe ich im Internet grosse Chancen. Dass mit dem Gratisangebot im Internet den Verlegern ein wesentlicher Teil des Werbekuchens verloren geht, ist Tatsache. Doch darf es deshalb nicht als Gegner betrachtet werden.

Viele unterschätzen immer noch das Potential des Online. Das Gratisangebot der Beiträge im Netz muss nicht zu einer Qualitätsverschlechterung im Journalismus einhergehen.

Täglich stelle ich fest, dass die online Angebote der Zeitungen immer ähnlicher werden und sich vor allem nur noch auf Agenturmeldungen beschränken. Es fehlt dort an der Vertiefung bei Sachthemen. Diese Situation müssten die Printmedien nutzen.

Jeder kann heute mit seinem Blog mit den Werkzeugen der Medienproduktion umgehen und seine Begabung nutzen. Das Internet ermöglicht eine unkomplizierte Teilhabe mit einer Menge von Leuten. Unsere Seiten Rhetorik.ch werden beispielsweise bereits täglich von 3-4000 Menschen genutzt. Das Angebot ist gratis und verzichtet bewusst auf Werbung. Ist es nicht grossartig, wie viele Menschen im Netz mitmachen können?

Die Zeitung hat dennoch nicht ausgedient. Nur müsste sie sich Ihrer neuen Rolle bewusst wird. Die gedruckte Zeitung muss neu erfunden werden.

Der Schulterschluss der Verlage mit dem online- Angebot wird bleiben. Leider bekunden viele Verlage Mühe, mit dem Web richtig umzugehen. Es gibt Verleger, denen gaukelt in den Köpfen immer noch die Vorstellung, ein Nutzer sei bereit, für die Nutzung des Onlines etwas zu bezahlen. Ich persönlich meide jedenfalls auch jene Angebote, das von mir ein Passwort verlangt.

Ich verzichte darauf, jene Zeitungen namentlich zu erwähnen, die nach meinem Dafürhalten innovative und gute Web - Produkte geschaffen haben. Weshalb nicht mit den Nutzern gemeinsam ein kleines Medienimperium schaffen? In Amerika hat die Kultur der Blogger definitiv Fuss gefasst. Die Angst, man stehle einander Informationen, ist unberechtigt. Alle Gebührenexperimente sind gescheitert. Ich habe mich auf bei einem Medienwissenschafter beraten lassen, bevor ich mit unseren Seiten ins Netz ging. Sein Rat:

Kein Passwort, keine Inserate, alles sollte im Netz gratis angeboten werden!

Nachträglich muss ich sagen: Er hatte recht. Das Geld verdienen wir heute dank dieses Gratisangebotes, indem wir heute sogar zu viele Anfragen für Beratungen haben.

Jay Rosen, ein US-Experte schrieb in der NZZ vom 9. Januar:

"Das Internet schafft gigantische Möglichkeiten für Qualitätsjournalismus".

Donnerstag, 8. Januar 2009

Unkonventionelle Fragen zur Energiepolitik, die ich heute am Biertisch gehört habe:

1. Sind die neuen Sparlampen tatsächlich umweltschädlicher - bei der Entsorgung - als die alten Glühbirnen?

2. Müsste man sich nicht nach dem jüngsten Gasboykott der Russen (Leitungen durch Georgien) ernsthaft überlegen, ob nicht der Selbstversorung der Länder mit Energie mehr Beachtung geschenkt werden müsste?

3. Ist es echte "grüne" Energiepolitik, wenn wir die letzten unversehrten Alpentäler mit Wasserkraftwerklein auch noch verschandeln und die wenigen unberührten Landschaften mit Windkraftparks zusätzlich verunstalten?

4. Was ist sinnvoller: Bei Stromknappheit vom Ausland den Strom von Kernkraftwerken unweit unserer Grenze zu beziehen, oder im eigenen Land ein sicheres neues Werk zu haben (mit neuster Technologie), das auch von uns gut überwacht werden kann und dem eigenen Land den notwendigen Strombedarf sichert?

Wie würden Sie antworten? (Senden Sie mir bitte Ihre Antwort an k.k@bluewin.ch) Bitte Nummer der Frage angeben.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Bilder beeinflussen die öffentliche Meinung

Israels Konzept ging nicht auf

Seit dem Vietnamkrieg wissen alle Staaten, dass die öffentliche Meinung durch Bilder geprägt wird und im eigenen Land die Gesinnung ändern kann. Die USA hatten deshalb im Golfkrieg die Information mit Bildern bewusst gesteuert und nur ausgewählte Journalisten gleichsam in die Fronttruppen eingebettet. China und Russland wählte den Weg der knallharten Zensur (Peking - Olympiade) und hatten damit Erfolg Israel versuchte ebenfalls beim Einmarsch im Gazastreifen weder Journalisten noch Aerzte ins Kriegsgebiet zu lassen. Den Soldaten wurden sogar die Handys beschlagnahmt. Dennoch kamen Bilder von verletzten Kindern an die Oeffentlichkeit und beeinflussten schlagartig die Stimmung der Oeffentlichkeit.

Aus 20 Min:

Nahost-Krieg

Israel verliert den Propagandakrieg

Der Ausgang des blutigen Konflikts im Gazastreifen ist noch offen, den Kampf um die öffentliche Meinung scheint Israel indes schon verloren zu haben. Dafür sorgen die Bilder der Opfer im Palästinensergebiet.

Aus Tagi:

Luftangriffe auf Youtube

Seit Beginn der Offensive am 27. Dezember führt Israel den Krieg im Gazastreifen auch in den Medien: Das Verteidigungsministerium veröffentlicht auf Youtube Bilder von Luftangriffen auf Stellungen der radikalen Hamas.

Auch in Internet-Foren versucht die Regierung ihren Einfluss auszuspielen. Das Konsulat in New York verwickelte im Netzwerk Twitter 2500 Blogger in die Debatte über die Kriegsführung. Armeesprecherin Liebovich wird zu einer Art Medienpersönlichkeit, die übermüdet aber sachlich noch die aggressivsten Fragen zur Militärstrategie und den palästinensischen Opfern beantwortet.

Gegen die Bilder von verzweifelten Eltern, die leblose Kinder in überfüllte Spitäler im Gazastreifen tragen, kann auch die sorgfältigste Strategie wenig ausrichten: «Israel wird die Kommunikationsschlacht nicht gewinnen», sagt Medienspezialist Dominique Wolton vom französischen Forschungsverband CNRS in Paris.

PR funktioniert nicht richtig

Der «unangemessene Einsatz» seiner Militärmacht und die ausufernde Gewalt machten alle Propaganda-Bemühungen zunichte, sagt Wolton. Dass die Palästinenser «nicht viel sagen» und die Hamas sich in ihren Mitteilungen vor allem auf die arabische Welt konzentriere, schmälere nicht die Wirkung der bewegenden Bilder aus dem Konfliktgebiet, meint Wolton.

Tatsächlich stossen die Israelis mit ihrem Vorgehen international auf wenig Verständnis. Die Bodenoffensive am Wochenende wurde zumeist kritisiert, weltweit gingen zehntausende Menschen auf die Strasse.

Israels Propaganda habe bei ihren Hauptzielgruppen in Europa und den USA nicht besonders gut funktioniert, sagt der Londoner Nahost- Experte Charles Tripp.

Israel sei nicht im PR-Geschäft - «wir kämpfen gegen den Terror», antwortete am Dienstag Präsident Schimon Peres auf eine Bemerkung der EU-Aussenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, sein Land laufe Gefahr, sein «Image» zu zerstören.

Doch dass Israel sehr wohl sein Bild in der Öffentlichkeit beeinflussen will, zeigt laut Experten allein die Tatsache, dass das Land im vergangenen Jahr eine britische PR-Firma anheuerte, die schon für den Libanon und Nordirland Image-Kampagnen entwarf.

Katz und Maus an der Grenze

Auch im Krisengebiet selbst bekommen Berichterstatter die Einflussnahme zu spüren. An der Grenze zum Gazastreifen spielen Journalisten mit der Militärpolizei Katz und Maus, wie Betroffene berichten.

Schon häufiger sei es vorgekommen, dass Soldaten Fotografen zwangen, ihre gerade geschossenen Bilder von feuernden israelischen Raketenwerfern zu löschen, berichtet ein Fotograf.

Keine Journalisten in den Gazastreifen

Ausländische Journalisten will Israel trotz einer anders lautenden Entscheidung des Obersten Gerichts in der gegenwärtigen Situation nicht in den Gazastreifen lassen. Die Nachrichtenagentur AFP ist mit drei Reportern und drei Fotografen vor Ort - sie alle sind Palästinenser.

Israelischen Soldaten wurden vor der Bodenoffensive am Samstag die Mobiltelefone abgenommen - damit sie nicht mit Journalisten über die Ereignisse sprechen.

Die Nachrichtensperre begründet die Armee mit den Erfahrungen aus dem Libanon-Krieg, wo wegen der starken Medienpräsenz strategische Informationen öffentlich geworden seien und Soldaten gefährdet hätten.