Montag, 20. Oktober 2008

Finanzkrise:

Eine bewährte Erkenntnis der Krisenkommunikation - Fakten nichts als Fakten!

Schon vor Jahren, als ich mit Beatrice Tschanz in einem Spital die Grundregeln der Krisenkommunikation erarbeiten durfte, stand fest: Wer in Krisensituationen kommuniziert, hält sich stets an Fakten!

Die UBS Spitze scheint von dieser Grunderkenntnis nicht viel mitbekommen zu haben. Was Kurer und Co. während der Finanzkrise verlauten liessen, war alles andere als bedacht. Es wurde schöngeredet, vermutet, behauptet und es gab widersprüchliche Aussagen. Völlig dilletantenhaft!

Im Tagi bringt es heute Beatrice Tschanz wieder einmal auf den Punkt:

Tschanz' Rat an die UBS: Fakten, Fakten, Fakten

Reden bringt nichts, Vertrauen lässt sich nur durch harte Arbeit reparieren: PR-Expertin Beatrice Tschanz über die Krisenkommunikation der UBS und des Bundes.

Beatrice Tschanz wurde landesweit bekannt als Kommunikationschefin der Swissair. Danach war sie unter anderem Kommunikationschefin von Centerpulse (Sulzer Medica) und interimistische Verwaltungsratspräsidentin der Valora-Gruppe. Heute arbeitet Tschanz stark für Nonprofit-Organisationen wie die Stiftung Wunderlampe und die Krebsliga.

Beatrice Tschanz wurde landesweit bekannt als Kommunikationschefin der Swissair. Danach war sie unter anderem Kommunikationschefin von Centerpulse (Sulzer Medica) und interimistische Verwaltungsratspräsidentin der Valora-Gruppe. Heute arbeitet Tschanz stark für Nonprofit-Organisationen wie die Stiftung Wunderlampe und die Krebsliga. (Bild: Keystone)

Frau Tschanz, Sie haben eine klare Regel, wie eine Firma wie die UBS kommunizieren sollte: Nichts sagen – und falls doch, dann nur Fakten. Aber wenn fast täglich Milliarden aus einer Bank fliessen, muss sie doch rasch beruhigen.

Ich fordere nicht zum Schweigen auf, sondern dass man ausschliesslich Fakten bekannt gibt. Die UBS veröffentlichte Einschätzungen und Meinungen, die wenige Tage später überholt waren. In ihrer schwierigen Lage wollten die Leute sicher das Beste, aber wenn die eigenen Aussagen innert Tagen widerlegt werden, schadet das einfach der Glaubwürdigkeit.

Das Problem ergab sich doch aus den globalen Turbulenzen: Was am Montag noch wahr war, wurde jeweils durch die rasante Entwicklung bis Freitag überholt.

Natürlich, die äusseren Einflüsse waren ein Teil des Problems. Dass sich die Finanzkrise für die UBS derart verschärfte, kam von aussen. Aber ich fordere ja nicht dazu auf, quasi die Rollläden herunterzulassen, sondern dazu, jedes Wort und jeden Satz in der Kommunikation mit Fakten zu unterlegen.

Glauben Sie persönlich der UBS heute weniger?

Nein. Ich weiss, dass sich in solchen Situationen die Volkswut aufstaut und dass dann die Haltung ensteht, «denen da» könne man kein Wort glauben. Doch so stimmt das natürlich nicht. Man sah es gut beim Auftritt von UBS-Konzernchef Marcel Rohner in der «Arena»: Da prasselte einfach geballter Frust auf ihn ein. Das sind eben die Situationen, in denen man manchmal besser beraten ist zu schweigen.

Wie lässt sich der Ruf der UBS wieder halbwegs flicken?

Zuerst einmal: Es ist keine kurzfristige Sache. Verbal kann das Vetrauen nun nicht einfach wiederhergestellt werden. Das geht nur mit Arbeit, mit Leistung und mit dem Beweis, dass die Bank auf dem richtigen Weg ist.

Und mit einem Austausch der Spitze? Indem die UBS Aushängeschilder wie Peter Kurer oder Marcel Rohner wieder ersetzt?

Peter Kurer hat sein Amt in einer äusserst schwierigen Situation übernommen. Und an der UBS-Spitze stehen ja Fachleute, es waren nicht einfach Notlösungen. Sie haben die Substanz, die Probleme in den Griff zu bekommen. Doch das geht eben nicht schnell: Es ist Knochenarbeit, man muss Stein um Stein abtragen. Deshalb bringt es nichts, jetzt einfach ein paar Köpfe auszuwechseln. Ich bin keine Anhängerin des Hire and Fire.

Die öffentliche Debatte hat sich inzwischen auf die Boni und Managersaläre verlagert. Wie können die Banken hier besser kommunizieren?

Peter Kurer hat es am Samstag sehr richtig beschrieben: Rechtlich gibt es keine Möglichkeit, auf die Boni der Vergangenheit zurückzugreifen. Aber in der Gegenwart und in der Zukunft hat die Bank Möglichkeiten. Sie kann ein Salärsystem auf die Beine stellen, welches Risiken mindert und die unverständlichen Millionenbeträge nicht mehr enthält. Aber auch dies ist eine Menge Arbeit und dauert seine Zeit.

In den Finanzplatz Schweiz fliesst trotz der Krise neues Geld. Profitiert die Marke Schweiz am Ende von der Krise - oder könnte sie ebenfalls bröckeln?

Natürlich sind wir auch betroffen. Aber der Finanzplatz ist im Grunde genommen gesund, und dank dem besonnenen Handeln von Bundesrat, Nationalbank und Bankenkommission steht der Brand Finanzplatz Schweiz immer noch sehr gut da - daran zweifle ich nicht

.

Ihr Kommentar zum Krisenmanagement von Bundesrat und Bundesbehörden?

Ein grosses Kompliment an Eveline Widmer-Schlumpf. Nicht nur, weil sie in der Materie kompetent war, sondern auch, weil sie alle Informationen sachlich und doch mit Engagement herübergebracht hat.

Der Bund hielt sich tatsächlich an die Regel, möglichst wenig zu zu kommunzieren – und wenn, dann Fakten. Aber dadurch entstand auch ein falsches Bild: Die Schweiz stand als Insel der Glückseligen da.

Bundesrat Couchepin erging es natürlich ähnlich mit seinem berühmten Satz: «Warum sollen wir pumpen, wenn man nicht pumpen muss?» – und am Ende musste der Bund doch pumpen. Aber Couchepin sagte eben auch: «Wir sind vorbereitet.» Diese Aussage ging unter. Es gibt eben eine selektive Wahrnehmung, man will nur hören, was man hören will. Der Fall zeigt wieder einmal, wie wichtig jeder einzelne Satz in so schwierigen Situationen sein kann.

Am Donnerstag wurde nicht nur bekannt, dass der Staat Schweiz bei UBS einsteigt, sondern auch, dass der Staat Katar bei der CS einsteigt. Zudem meldete die CS einen unerwartet hohen Quartalsverlust. Warum debattiert das ganze Land nur über die UBS?

Es ist ein Phänomen in der Wahrnehmung: Steht jemand einmal am Pranger, konzentriert sich alles auf ihn, und was links oder rechts passiert, wird nur verschwommen wahrgenommen. Aber weil die CS das Kapital selber beschaffen konnte, weckte der Fall nicht so viel Emotionen, und weil bei der UBS der Bund das Kapital liefern musste, fühlt man sich auch als Steuerzahler betroffen. Das macht schon einen Unterschied aus.

FAZIT: UBS CHEFS FLOP - EVELINE WIDMER- SCHLUMPF TOP. Zur Zeit bin ich an einer Anlayse von verschiedenen Interviews der Stellvertreterin des Finanzchefs während der aktuellen Krise. Bereits heute steht für mich fest: Die Neue Bundesrätin hat in einer heiklen Situation vorbildich kommuniziert.

Hintergrundinformationen zum Radiostreit

Der Tagesanzeiger macht vor der Konzessionserteilung eine hilfreiche Auslegeordnung:

Heiss begehrt: Fünf Radiosender buhlen um drei Konzessionen im Gebiet Zürich-Glarus.

Heiss begehrt: Fünf Radiosender buhlen um drei Konzessionen im Gebiet Zürich-Glarus. Bild: Keystone

Im Radiostreit zählt die Qualität

Fünf Radiosender buhlen um drei Konzessionen im Gebiet Zürich-Glarus.

Wer das Rennen macht, entscheidet der Bund nächstens; das Auswahlverfahren ist streng. Heiss begehrt: Fünf Radiosender buhlen um drei Konzessionen im Gebiet Zürich-Glarus.

Darum gehts

Alle wollen im Raum Zürich Radio machen. Das Departement von Bundesrat Moritz Leuenberger (SP) wird voraussichtlich Ende Oktober entscheiden, wer zum Zug kommt. Um die drei Radio-Konzessionen im Gebiet Zürich-Glarus mit 1,5 Millionen Einwohnern bewerben sich die drei bisherigen Verlegerradios Radio 24 (Tamedia, zu der auch der TA gehört), Radio Zürisee (Zürichsee Medien AG) und Radio Energy (Ringier 51 Prozent, NRJ Suisse 49 Prozent). Diese Sender sind etabliert, bekannt und seit Jahrzehnten auf Sendung. Als Konkurrent kommt Roger Schawinski mit Radio 1 dazu. Das fünfte Gesuch stammt von Radio 105 (Giuseppe Scaglione). Ein Gerangel gibts auch um die einzige Konzession im Grossraum Zürich (knapp 1 Million Einwohner): Dafür bewerben sich Schawinski - für den Fall, dass er die grosse Konzession nicht bekommt – sowie Radio Züri Live (RadioJay AG) und Radio Monte Carlo Zürich (Giuseppe Scaglione).

57 Minuten: Durchschnittlich so lange hört ein Radiokonsument im Grossraum Zürich zwischen Montag und Freitag Radio Zürisee. Dieser Wert stammt aus einer Erhebung von Radiocontrol im ersten Halbjahr 2008. In diesem Bereich ist Radio Zürisee unter den Zürcher Privatstationen das Mass aller Dinge (siehe Grafik). Ein anderes Bild zeigt sich bei der Reichweite: In dieser Kategorie schwingt Radio 24, das wie der «Tages-Anzeiger» zur Tamedia gehört, mit 205'000 Hörerinnen und Hörern obenaus, gefolgt von Radio Zürisee (167'000) und Radio NRJ (145'000).

Chancengleichheit wird angestrebt

Die skizzierten Daten sind für die Radiomacher wichtig, um ihre Arbeit zu beurteilen – und Werbung in eigener Sache zu machen. Radio 24 etwa rühmt sich, seit «über 29 Jahren die Nummer 1 der Schweiz bei den Privaten» zu sein. Freilich verschaffen derlei Spitzenwerte bei der anstehenden Konzessionsvergabe keinen Wettbewerbsvorteil, wie Caroline Sauser, Sprecherin des Bundesamts für Kommunikation (Bakom), erklärt: Die heutigen Hörerzahlen zum Beispiel seien kein Entscheidungskriterium, weil es auch neue Bewerber gebe, die noch nicht auf Sendung seien. «Ansonsten bestünde keine Chancengleichheit zwischen den Bewerbern.»

Medienpolitischer Entscheid möglich

Bundesrat Moritz Leuenberger (SP) wird den Zuschlag für das Gebiet Zürich- Glarus mit 1,5 Millionen Einwohnern jenen drei Privatradios geben, die den in der Bundesverfassung verankerten Leistungsauftrag «gesamthaft am besten» erfüllen. Konkret: Die fünf Anwärter müssen Vorgaben zur publizistischen Qualitätssicherung erfüllen, so etwa mit Blick auf die personellen Ressourcen, aber auch in den Bereichen Lohn, Arbeitszeit sowie Aus- und Weiterbildung.

Was über den Sender geht, muss thematisch relevant und vielfältig sein und das Geschehen des gesamten Verbreitungsgebiets widerspiegeln. Neu im Kriterienkatalog aufgeführt sind zudem Verbote von Radarmeldungen, Publikumsgewinnspielen und Werbung für Alkohol und erotische Angebote. Vorlegen müssen die Anwärter schliesslich ein Versorgungskonzept, das die technische Verbreitung ihres Programms sowie die Finanzierung der geplanten Verbreitung aufzeigt. Beurteilt Leuenbergers Departement Uvek am Schluss mehrere Bewerbungen als gleichwertig, muss es laut Radio- und Fernsehgesetz jene Radiostation bevorzugen, welche die Meinungs- und Angebotsvielfalt am meisten bereichert. «Das Uvek wird dabei entsprechend die Unabhängigkeit des Mediums beurteilen», sagt Bakom-Sprecherin Sauser. In diesem Fall verfügen Roger Schawinski mit Radio 1 und Giuseppe Scaglione mit Radio 105 über die besseren Karten als die Konkurrenz, die Medienhäuser wie Ringier (Radio NRJ), Zürichsee Medien AG (Radio Zürisee) und Tamedia (Radio 24) hinter sich wissen.

Um die Qualität der Sender sicherzustellen, werden alle zwei Jahre externe, vom Bakom anerkannte Fachstellen die Sender röntgen. Eine erste Überprüfung erfolgt ein Jahr nach Konzessionserteilung, also 2010.

Die Etablierten pokern hoch

Das Uvek wird seinen Entscheid voraussichtlich Ende Oktober bekannt geben. Für die Sender steht viel auf dem Spiel: Vier der fünf Anwärter - Radio NRJ, Radio Zürisee, Radio 105, Radio 24 – haben sich ausschliesslich um eine Konzession für das Gebiet Zürich-Glarus beworben. Einzig Roger Schawinski bemüht sich darüber hinaus um eine Sendebewilligung für das – kleinere – Gebiet Zürich. Er kann davon ausgehen, am Ende zumindest den Spatz in der Hand zu halten. Verweigert Leuenberger hingegen einem der drei etablierten Sender (Radio Zürisee, Radio NRJ, Radio 24) die Bewilligung für das Gebiet Zürich-Glarus, geht es ans Lebendige: Den Radiostationen droht das Aus. Denn auf Sendung gehen kann eine Radiostation faktisch nur mit Konzession – wegen technischer Gründe.

Rechtshändel drohen

UKW-Frequenzen für die drahtlose terrestrische Verbreitung von Radioprogrammen sind ein knappes Gut. Deshalb vergibt das Uvek für das Sendegebiet Zürich-Glarus nur drei Konzessionen. Wären es mehr, liesse sich gemäss Bundesamt für Kommunikation die vom Gesetzgeber vorgeschriebene und von den Veranstaltern erwartete Empfangsqualität nicht mehr gewährleisten. Auch Radiostationen in angrenzenden Sendegebieten verunmöglichten eine dichtere Belegung des Frequenzbandes, etwa Radio Top in Winterthur.

Als letzte Option bleibt einem abgewiesenen Sender die Verbreitung seines Programms auf einem anderen Weg: via Kabel, Internet oder mit dem sogenannten Digital Audio Broadcasting (DAB), der modernsten Übertragungsform für Radioprogramme. DAB wird den UKW-Empfang dereinst wohl ersetzen. Heute jedoch lassen sich damit noch nicht viele Hörer erreichen.

Laut Bakom gab es Ende 2007 rund 120'000 DAB-Radios in Schweizer Haushalten. Ein negativer Entscheid des Bakoms bedeutet damit faktisch den Todesstoss für einen Sender. Entsprechend nervös ist die Branche. Die Anspannung sei gross, die Warterei zermürbend, sagt ein Insider. Bereits drohen Rechtsstreitereien. Radio Zürisee etwa hat schon Ende 2007 angekündigt, Leuenbergers Entscheid notfalls bis vor Bundesgericht anzufechten.

Sonntag, 19. Oktober 2008

TV-Duell: Marcel Reich-Ranicki & Thomas Gottschalk diskutieren in ZDF-Sendung „Aus gegebenem Anlass“ über deutsches Fernsehen

Quelle: Bild online

Fernseh-Duell nach Wutrede Reich-Ranicki & Gottschalk diskutieren über Doof-TV

BILD.de dokumentiert die Höhepunkte

Was hat Marcel Reich-Ranicki (88) da nur für eine Lawine losgetreten? Nach seiner Wutrede beim Deutschen Fernsehpreis diskutiert ganz Deutschland über die Qualität des Fernsehens. Reich-Ranicki regte sich so auf, dass er nicht einmal seinen Ehrenpreis annehmen wollte. „Bei dem vielen Blödsinn, den ich heute Abend gesehen habe, glaube ich nicht, dass ich dazugehöre. Ich nehme diesen Preis nicht an“, so der 88-Jährige.

Doch Fernsehpreis-Moderator Thomas Gottschalk beruhigte den Literatur-Kritikers, versprach ihm eine Sendung, in der beide über deutsches Fernsehen diskutieren. Lesen Sie hier die Höhepunkte des TV-Duells.

  • Marcel Reich-Ranicki bereut seine Auftritt beim Deutschen Fernsehpreis nicht. „Die Veranstaltung war abscheulich.“
  • Als er von der Veranstaltung erzählt, verwechselt Reich-Ranicki Helge Schneider mit Atze Schröder.
  • Man könne an einem solchen Abend nicht die verschiedenen Unterhaltungs-Genres in einen Mixer stecken. Selbst einige Gäste seien beleidigt gewesen, so Reich-Ranicki.
  • Der Literatur-Kritiker wiederholt seine Kritik am Deutschen Fernsehen. Es sei scheußlich.
  • Er habe den Eindruck, so Reich-Ranicki, die Intendanten wüssten nicht, welche Funktion das Fernsehen habe.
  • Gottschalk kontert: Die Intendanten würden durchaus das Fernsehen zeigen, das Reich-Ranicki haben will, aber sie dürften nicht, weil es keinen Erfolg verspreche.
  • Man kann Unterhaltungssendungen anbieten, die einen gewissen Anspruch hätten, meint Reich-Ranicki. An dem Abend der Preisverleihung hätte er nur Blödsinn gesehen.
  • Thomas Gottschalk wirft den Intellektuellen Arroganz vor.
  • Man kann nicht mit jeder Sache, die man produziert versuchen, alle Menschen erreichen, so Reich-Ranicki.
  • Die Öffentlich-Rechtlichen würden aber versuchen, mit ihrem Programm alle zu erreichen. Das Problem, so Gottschalk, sei jedoch, dass auch die Öffentlich-Rechtlichen sich mit den privaten Sendern messen müssten.
  • Reich-Ranicki sieht Shakespeare als größten Unterhaltungs-Dichter der Geschichte. Bertolt Brecht wäre der Richtige fürs deutsche Fernsehen.
  • Helge Schneider beim Deutschen Fernsehpreis im Programm zu haben, sei eine Qual gewesen.
  • Ob das mit seinem Alter zu tun haben könne, dass er manche Dinge nicht lustig finde, fragt Gottschalk?
  • Reich-Ranicki: „Ich finde lustig, was mir gefällt.“
  • Die Intendanten sollten alle Angst haben, bei schlechtem Programm gefeuert zu werden, so Reich-Ranicki. Gutes Programm ist für Reich-Ranicki „unterhaltsam“ und „seriös“.
  • Fernsehen kritisiere man immer gern, so Gottschalk, Bücher nie. Woran das liege?
  • Reich-Ranicki kontert: Es würden zwar viele Bücher auf den Markt kommen, Literatur hingegen sehr wenig. Gute Literatur finde aber immer einen Verleger.
  • Der 88-Jährige will wieder zurück aufs Thema TV: „Die im Fernsehen müssten sich mehr Mühe geben“, fordert er. Und sie sollten mehr Mut haben. Er sei nach dem Auftritt beim Fernsehpreis für seinen Mut gelobt worden. „Was für ein Mut gehört dazu?“ Es gebe doch keine Gestapo mehr.
  • Gottschalk meint, Shakespeare-Verfilmungen könne man heute keinem 17-Jährigen mehr anbieten. „Wenn du übers Fernsehen weinst, musst Du Dich erschießen, wenn Du ins Internet guckst.“
  • Er wünsche sich doch nur, dass man sich Mühe gebe, etwas Ernsteres zu produzieren, so Reich-Ranicki.
  • Entweder in Schönheit sterben oder Erfolg haben, erklärt Gottschalk das Dilemma.
  • Vor 20 oder 30 Jahren sei das Fernsehen besser und intelligenter gewesen, sagt Reich-Ranicki.
  • Ende des Duells: Thomas Gottschalk behält den von Marcel Reich-Ranicki abgelehnten Preis. Und sollte die Gegenrede Wirkung gezeigt haben, bringe er Reich-Ranicki den Preis persönlich aufs Klo.
  • Reich-Ranicki lächelt und sagt: „Warten wir ab, ob es etwas bewirkt.“

Palin findet immer wieder ein Fettnäpfchen

Tagi-online:

Palin tritt in US-Comedy-Show auf

Bei einem Auftritt in der Fernsehshow «Saturday Night Life» traf die Palin die Schauspielerin Tina Fey. Diese parodiert John McCains Vize-Kandidatin seit Wochen mit Erfolg. Zu Beginn der Sendung spielte Fey die derzeitige Gouverneurin von Alaska bei einer Pressekonferenz. Mit zurecht gelegter Langhaar-Frisur, rotem Jäckchen und Hornbrille imitierte die Schauspielerin perfekt Palins Mimik, ihr stetiges Lächeln, ihren ausgeprägten Akzent und ihre einfache Sprache. Double und Original sahen sich zum Verwechseln ähnlich. Dann schwenkte die Fernsehkamera zur echten Palin, die den Auftritt ihrer Doppelgängerin hinter der Bühne auf einem Bildschirm verfolgte. Diese übernahm dann die Leitung der «Pressekonferenz» und bewies Fähigkeit zur Selbstironie, als sie einen Rap-Song zum Besten gab, in dem ihre Politik und ihre Heimat Alaska ins Lächerliche gezogen werden. (sda)

Sarah Palin (l.) nahm den Auftritt ihres Doubles offenbar mit Humor. (Reuters)

Sarah Palin zeigt Humor: Die republikanische US-Vizepräsidentschaftskandidatin ist in der US-Comedy-Show «Saturday Night Live» aufgetreten.

(Video: nbc.com)

Als Comedy-Star Amy Poehler in der Show «Saturday Night Live» einen Alaska-Song rappte - «Von meiner Veranda aus kann ich Russland sehen» -, bewegte die Gouverneurin von Alaska Palin den Kopf im Takt.

Palins persönlicher Auftritt folgte einer Parodie der Komödiantin Tina Fey. Als Palin verkleidet liess Fey in einer «Pressekonferenz» die Gouverneurin in Fettnäpfchen tappen. So nutzte sie den Gleichlaut der Wörter «Umfrage» (poll) und «Pol» (pole) im Englischen, um Palin sagen zu lassen, sie mache sich keine Sorgen wegen der Umfragen nur wegen des abschmelzenden Nordpols. Auch zu ihrer Meinung über das TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama wurde Fey alias Palin befragt.

Die echte Palin sah vom Bühnenrand aus zu – und fand sich nicht gerade hundertprozentig getroffen. «Ich denke nicht, dass das eine realistische Darstellung davon ist, wie meine Pressekonferenzen gelaufen wären», sagte sie Produktionsleiter Lorne Michaels. Als Alec Baldwin erschien und – zumindest als Schaueinlage – davon ausging, es mit Fey und nicht mit der echten Palin zu tun zu haben, verstummte die Politikerin. Sie musste mit anhören, wie Baldwin zu Michaels sagte: «Dies ist die wichtigste Wahl in der Geschichte unseres Landes und du willst sie, unsere Tina, mit dieser schrecklichen Frau auf die Bühne schicken?»

Als Michaels ihn daraufhin Palin vorstellte, tat Baldwin peinlich berührt und bat um Verzeihung. Palin konterte mit: «Danke, und ich muss Ihnen sagen, dass Ihr Bruder Stephen mein Lieblings-Baldwin ist.» Mit ihrem Auftritt auf der Bühne schlug Palin zum Applaus des Studiopublikums schliesslich Fey in die Flucht.

Fey tritt bereits seit September als Palin auf, nachdem McCain die Gouverneurin aus Alaska zu seiner Vizekandidatin erkor. Die beiden Frauen sehen sich ähnlich, und Palin verriet, dass sie schon früher öfter auf äussere Übereinstimmungen mit der Schauspielerin angesprochen wurde. Ob McCain Palins Show-Einlage sah, war zunächst nicht überliefert. Im Vorfeld hatte er sich aber zuversichtlich gezeigt: «Sie wird das gut machen.»

Kommentar: Ich bin mir nicht sicher, ob Palin mit diesem Auftritt tatsächlich gepunktet hat als Kandidatin zum Vizepräsidenten. Es hat sich bei anhin gezeigt, dass sie kaum eine Gelegenheit auslassen kann, um ins Fettnäpfchen zu treten.

Samstag, 18. Oktober 2008

Phänomen Haider

Rechts aussen politisiert und angesiedelt kam Haider bei den Medien ständig ins Schussfeld der Kritik. Erstaunlich dass die Trauerfeier dennoch zu einem Ereignis wurde, wie es einem Bundespräsidenten würdig wäre. Alle seine Sünden schienen vergessen. Ein Phänomen. Dass der stark alkoholisert Politiker in einr 70 er Zone mit über 140 km in den Tod raste - nachdem er eine Schwulenkneipe besucht hatte - schien niemand mehr zu interessieren. Die Bevölkerung kam in Scharen und trauerte, als sei der grösste Popstar gestorben.

An der Trauerfeier wurde der umtriebige Politiker weich gezeichnet. Die düstere Seite des Demagogen ausgeklammert.

Unbestrittenermassen war Haider ein Mensch zu anfassen. Mit den meisten war er per DU.

Wenn es heisst: Er war ein Mensch zu angreifen, so wissen wir auch, dass er selbst auch angriff und ständig angegriffen wurde.

In Kärnten hatte man das Gefühl, die Sonne sei vom Himmel gefallen. Tausende verneigten sich, knieten nieder und beteten.

Ich zitiere 20 Min:

Tränen, Trommeln, Trachten

Mit Chorgesang und einem Probeauftritt der Musikkapellen am Neuen Platz haben in Klagenfurt die Trauerfeierlichkeiten für den bei einem Autounfall getöteten Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider begonnen.

Die Familie von Jörg Haider vereint: Tochter Cornelia (links), Witwe Claudia und Tochter Ulrike. (Bild: Keystone)

Familienangehörige, engste Freunde und Ehrengäste versammelten sich am Samstag vor dem offiziellen Auftakt im Wappensaal des Landhauses, wo der Sarg Haiders aufgebahrt war.

Haiders Witwe Claudia mit ihren Töchtern Ulrike und Cornelia und deren Ehemännern, die 90-jährige Mutter Dorothea und Haiders Schwester Ursula Haubner nahmen auf ihrem Weg in den Wappensaal zahlreiche Kondolenzbekundungen entgegen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Anwesend waren unter anderem Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und dessen Vize Wilhelm Molterer sowie die gesamte Spitze von Haiders Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) und auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Die Bestatter trugen den über und über mit Rosen geschmückten Sarg des Landeshauptmannes über die Treppe in den Landhaushof, begleitet von einem Trommelwirbel. Der Sarg wurde dort auf die bereitgestellte Lafette gelegt, die von einem Pinzgauer gezogen wurde. Unmittelbar hinter dem Sarg nahm die Familie Aufstellung.

Die BZÖ-Spitze und viele Vertreter der Kärntner Politik waren grösstenteils in lokale Tracht gekleidet. Bei den Trauergästen aus der Bevölkerung überwog hingegen dunkle Kleidung bei weitem. In der ganzen Stadt herrschte gedämpfte Stimmung.

Der 58-jährige Haider war am Samstag vor einer Woche in der Nacht mit seinem Dienstwagen von der Fahrbahn abgekommen und tödlich verunglückt. Seine Geschwindigkeit war zu diesem Zeitpunkt doppelt so hoch wie die erlaubten 70 Stundenkilometer. In seinem Blut wurde ein Alkoholanteil von 1,8 Promille gemessen.

Aus Kleine Zeitung:

Jörg Haider und die Kärntner Seele

Einer der polarisierte, aber der nicht nur in Kärnten viele Menschen faszinierte
Foto: APA
In Kärnten brannten die Lichtermeere. Junge Leute die vermutlich noch nie etwas von einem Kondolenzbuch gehört hatten, stellten sich in Schlangen an und warteten geduldig, um ihrem Jörgl ein paar Abschiedworte schreiben zu können. Alte Leute schämten sich ihrer Tränen auch vor der TV-Kamera nicht. Die Bilder davon kamen am Abend des Todestages übers Fernsehen nach ganz Österreich und rührten die Menschen. Die Ideologen der ZIB 2 interessierte das alles freilich nicht. Sie wollten nichts von den Gefühlen der Menschen wissen und suchten keine Erklärung für die Wirkung dieses Politikers. In ihrer Arroganz gingen sie über die Trauer der Kärntner hinweg. Stattdessen legten sie zum hundertsten Mal die abgespielte Anti-Faschismus-Walze auf. Faszination Haider. Was war es um diesen Jörg Haider und seine Landsleute? Woher kommt die Faszination dieses so problematischen Mannes auf so viele Menschen? Auch Menschen, die mit ihm politisch nichts zu tun haben wollten und ihn nie gewählt haben, konnten sich seiner Attraktion schwer entziehen und trauern um ihn. Wie kann es sein, dass ein ganzes Land in einen kollektiven emotionalen Ausnahmezustand fällt und dass womöglich die selbstmörderische Verantwortungslosigkeit, die ihm den Tod gebracht hat, seinen Mythos noch bestärkt?

25.000 Trauergäste bei der Verabschiedung Jörg Haiders

Die Trauerfeierlichkeiten für den verunglückten Landeshauptmann sind in Klagenfurt würdevoll und ohne Probleme über die Bühne gegangen. Untermalt wurden die Feierlichkeiten in einer sonst sehr stillen Landeshauptstadt von Chören.

Tagi online:

Viele Prominente und österreichische Spitzenpolitiker gaben dem Populisten das letzte Geleit.

Viele Menschen nehmen Abschied: Trauerfeier für Jörg Haider.

Kommentar: Die Bilder dieser pompösen Feier, die fünf Stunden dauerte, zeigt, dass der Rechstpopulist in Kärnten eine riesige Anhängerschaft hatte. Für mich hat diese Feier bizarre Züge angenommen. Grosse Teile der Bevölkerung sieht in Haider einen Nationalhelden. Wie ein Messias wurde er verehrt. Die Gegner sehen - nach dem Tod des unliebsamen Gegners - die Chance gekommen, jetzt Kärnten neu zu ordnen. Was mir bei dieser Feier bewusst wurde. Wer Sachverhalte unter einer bestimmten Brille sieht, kann nicht davon überzeugt werden, die Sache sehe nicht so aus. Das Phänomen Haider verdeutlicht uns, was selektive Wahrnehmung ist.

Kommentar: Die Bilder dieser pompösen Feier, die fünf Stunden dauerte, zeigt, dass der Rechstpopulist in Kärnten eine riesige Anhängerschaft hatte.Für mich hat diese Feier bizarre Züge angenommen. Grosse Teile der Bevölkerung sieht in Haider einen Nationalhelden. Wie ein Messias wurde er verehrt. Die Gegner sehen - nach dem Tod des unliebsamen Gegners - die Chance gekommen, jetzt Kärnten neu zu ordnen. Was mir bei dieser Feier bewusst wurde: Wer Sachverhalte unter einer bestimmten Brille sieht, kann nicht davon überzeugt werden, die Sache sehe nicht so aus. Das Phänomen Haider verdeutlicht uns, was selektive Wahrnehmung ist.

Worte nichts als Worte

Alle reden von VERTRAUEN

Vertrauen kommt von TRAUEN.

Wer kann heute USB Kurer noch trauen?

Blicken wir zurück:

Ich zitiere 20 Min:

Es sind keine sechs Monate her, dass Peter Kurer, zum neuen UBS-Präsidenten und Nachfolger des gescheiterten Marcel Ospel gewählt wurde. In der Basler Sankt-Jakobs-Halle machte der frisch gewählte Kurer am 23. April den Eigentümern der Grossbank ein grosses Versprechen:

«Wir haben weiterhin eine gute Geschäftsfranchise, eine solide Verankerung in unserer Tradition und Vieles mehr, worauf wir stolz sein dürfen: unsere Marke, unsere globale Ausrichtung, unsere hervorragenden Mitarbeiter, unsere loyalen und vertrauensvollen Kunden und die Qualität unserer Investoren.»

Auch im August sah Kurer die UBS-Welt in guter Ordnung

Bei seinem Auftritt nach gut 100 Tagen im Amt zeichnete Peter Kurer die Lage ein weiteres Mal in Rosa. Am 12. August präsentierte er in Zürich das Ergebnis des zweiten Quartals. Einmal mehr musste die Bank einige Milliarden Abschreibungen auf faulen US-Wertpapierpositionen vornehmen.

Kurer, nun adrett mit randloser Brille und Kurzhaarschnitt statt mit wuchtiger Hornbrille und üppiger Haarpracht, sagte:

«Die letzten drei Monate zeigten, dass wir unsere Probleme Schritt für Schritt lösten, sogar die grossen. Jeder unserer Geschäftsbereiche verfügt über eine starke Marktposition, so dass wir unser Schicksal selbst kontrollieren.»

Die dritte Fehleinschätzung

Vor zwei Wochen lud der UBS-Präsident zur nächsten Generalversammlung, der dritten in diesem Jahr. Er nutzte die Gelegenheit, bei den von einem 75-prozentigen Kurszerfall gebeutelten UBS-Aktionären um Vertrauen zu werben.

«Wir alle waren Zeitzeugen der umwälzenden Entwicklungen der letzten 20 Tage», sagte Kurer am 2. Oktober, und schilderte kurz die Krise der Finanzindustrie mit dem Konkurs von Banken und die Rettungspläne der Regierungen.

Dann sagte Kurer:

«Zahlreiche Banken haben nochmals frisches Kapital aufgenommen. Ich bin in der glücklichen Lage, Ihnen berichten zu können, dass wir die UBS recht erfolgreich durch diese Turbulenzen manövrieren konnten. Unabhängige Beobachter bringen das damit in Zusammenhang, dass wir frühzeitig die grundsätzlichen Ursachen der Krise zu lösen begannen, einschliesslich einer zweifachen Kapitalaufnahme und weiterreichenden Änderungen im Geschäftsmodell.»

Alles anders

Zwei Wochen später ist Kurers Frohbotschaft Schnee von gestern. Im von der Bank gestern verschickten Communiqué zum staatlichen Rettungspaket über bis zu 68 Milliarden Franken Staatsgeld sagt Peter Kurer:

«Wir danken der Schweizer Regierung und der Nationalbank für die Bereitschaft, eine an wirtschaftlichen Kriterien orientierte Lösung zu entwickeln, welche die Stabilität sowohl des schweizerischen Finanzsystems als auch jene von UBS unterstützen wird.»

Die NZZ wollte vom UBS-Präsidenten wissen, warum man ihm noch glauben soll.

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«Ich glaube, diese Aussagen waren im Zeitpunkt, als sie gemacht wurden, nach menschlichem Ermessen richtig», antwortete Kurer. «Die Situation ist immer schlimmer geworden, nicht die UBS-spezifische Situation, sondern das Umfeld, und in der Zwischenzeit sind wir in der grössten Finanzkrise seit der Grossen Depression.»

Investoren misstrauen UBS-Führung

Vielleicht täuscht sich der UBS-Präsident auch mit dieser Einschätzung. Die Investoren geben der Grossbank derzeit wenig Kredit. Nachdem die UBS-Aktie schon gestern an Terrain verloren hat, liegt sie auch heute deutlich im Minus. Derweil zeigt der Kurs der zweiten Schweizer Grossbank Credit Suisse, die sich bisher ohne Staatshilfe durch die Krise gerettet hat, nach oben. Die Frage liegt im Raum: Wie will die UBS das Vertrauen von Kunden, Mitarbeitern, Partnern und Bürgern zurückgewinnen, solange sie an der Spitze keinen echten Neuanfang wagt.

Kommentar: Wenn Worte nicht mehr ernst genommen werden und dem Publikum ein X für ein U vorgemacht wird - wenn ein UBS Boss in der Arena sagt, man dürfe den Kunden die schlechte Situation nicht offen sagen, sonst würden sie überreagieren, dann hat die UBS Führung keine Ahnung von Psychologie. Wer nämlich die Bevölkerung hinters Licht führt, verliert das Vertrauen. Jenes Vertrauen, das die UBS Führung seit Monaten festigen möchte. Vertrauen kann man sich nur damit erwerben, dass man Worte trauen kann und nicht angelogen wird.

Gravierend finde ich, wenn Kurer nicht eingesteht, dass weder er noch die UBS das Vertrauen beschädigt habe. Für ihn hat sich lediglich das Umfeld geändert.

Wenn die UBS behauptet, die Feuerwehraktion des Bundes sei keine Rettungsaktion (ARENA-Aussage), so müssten die Kapitäne der UBS vorerst einmal lernen, mit Worten bedachter umzugehen.

Die Empörung über die Aeusserungen Kurers blieb nicht ohne Folgen.

Ich zitiere Blick:

Ein Sorry für das «Missverständnis»

: Peter Kurer, Verwaltungsratspräsident der UBS. (Keystone)

Wahrscheinlich sieht Kurer seine Entschuldigung als Befreiungsschlag. Für mich wäre ein "Mea culpa" korrekter gewesen. Warum kann ein Bankchef nicht ehrlich sagen: "Wir haben Mist gebaut!" oder "Ich habe mich unbedacht ausgedrückt!"

Unverschämte Aussagen zu einem "Missverständnis" zu beschönigen, zeigt uns wiederum, dass Worte immer noch nicht ernst genommen werden.

Boni für Misswirtschaft -

Niemand kann es verstehen, dass jemand, der schlecht gearbeitet hat, dafür sogar noch eine Auszeichnung - eine Belohnung - erhält. Dass die UBS nicht einsieht, dass dieser Missstand geändert werden muss, ist für niemanden nachvollziehbar. Nachdem die marode Grossbank vom Bund mit Milliarden unterstützt wurde und immer noch nicht auf die fragwürdige Boni-Politik verzichten will, ist für mich ein Skandal!

Dass keine Boni ausbezahlt werden - bei schlechtem Geschäftsgang - ist nichts anderes als logisch. Weshalb wird nicht sofort ein Malus eingeführt? Wird künftig schlecht gearbeitet, müsste es sogar Lohnkürzungen geben.

Ich zitiere 20 Min:

Finanzkrise

Widmer-Schlumpf über hohe Boni «erschüttert»

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat die Millionen-Boni von UBS-Bankern scharf kritisiert. «Das Bonusentschädigungen ausbezahlt werden in einem Moment, wo man so viel Geld in den Sand setzt, kann ich nicht akzeptieren

Widmer-Schlumpf bezog sich dabei auf Aussagen von UBS- Verwaltungsratspräsident Peter Kurer vom Donnerstag und Freitag, welcher zweistellige Millionenbeträge als Boni an Manager auch in Zukunft nicht ausschloss.

«Diese Aussage hat mich schlichtweg erschüttert. In der gegenwärtigen Situation sollte man solche Aussagen nicht machen», sagte Widmer-Schlumpf in der Sendung, die das 68-Milliarden-Franken- Rettungspaket der Schweiz für die Grossbank zum Thema hatte.

UBS-Chef Marcel Rohner bestätigte in der Sendung, dass Gespräche über Rückzahlungen - unter anderem mit alt Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel - am Laufen seien: «Wir führen solche Gespräche. Diese sind vertraulich. Die Ergebnisse werden im Kompensationsbericht der UBS veröffentlicht werden.»

«Am Schluss müssen die Leute für sich selbst entscheiden in so einem Fall», sagte Rohner. Rechtswissenschafter halten es für unwahrscheinlich, dass Banker dazu gezwungen werden können, ausbezahlte Bonuszahlungen wieder zurückzuzahlen.

Eine solche Vorstellung sei eine Illusion, sagte beispielsweise der Berner Bankenrechtler Peter Kunz der Nachrichtenagentur SDA. «Die Beträge gehören denjenigen, an die sie ausbezahlen wurden», sagte er.

Diese Ansicht teilt der Genfer Bankrechtsprofessor Luc Thévenoz. «Das Obligationenrecht enthält zwei Artikel, die dies theoretisch zuliessen. In der Praxis sind sie aber kaum anwendbar», sagt der Direktor des Bankenrechtsinstituts der Universität Genf.

Kommentar: Die Urteile der Experten verdeutlichen, dass die Abzocker nachträglich kaum mehr belangt werden können.

Frage: Weshalb konnte der Bund die Finanzhilfe nicht an die Forderung koppeln, dass künftig die gängige Abzockerei gestoppt werden muss?