Dienstag, 19. August 2008

Massenphänomen

Botellón

beschäftigt Stadtregierungen

Interessant ist festzustellen, dass dieses Phänomen nur schon sprachlich unterschiedlich gewertet wird. Es ist von Massentrinkerei, von Sauforgie, von Saufgelage, von Massenbesäufnis , von Massensauferei, von Massensuff, von Besäufnissen, Massenrausch, Trink-Party oder lediglich von Party die Rede, je nach Wertung des neuen Phänomens - das übrigens kaum mehr gebremst werden kann. Die Behörden scheinen es mit einem Kampf gegen Windmühlen zu tun zu haben. Die aufgebotenen Massen weichen auf andere Plätze aus und solche Massen sind kaum zu kontrollieren. Was tun? Das ist die grosse Frage.

Vorbild für die Massenbesäufnisse Jugendlicher ist die spanische Botellón. (Keystone)

Junge Leute, die sich zum «ungezwungenen Zusammensein» treffen wollen: «Schöne Stunden in einem öffentlichen Park», umschreibt Student Raphaël Lutz (24) «Botellón».

Die Realität sieht anders aus. Denn Botellón heisst vor allem:

Saufen bis zum Umfallen.

aus 20 Min-online:

«Botellón-Krise» auch in Bern

In Bern soll vor dem Bundeshaus ein Massenbesäufnis stattfinden - ein so genannter «Botellón». Die Stadt unternimmt alles, um das zelebrierte Sauffen zu verhindern. (Bottellon = grosse Flasche)

Kommentar: Das Phänomen Massenbesäufnis rüttelt nicht nur alle Stadtregierungen auf. Nachdem diese Bottellons aus Spanien auch in der Schweiz Fuss fassen. Uebers Internet können Tausende auf einen Platz beordert werden. Jeder bringt dein Getränk mit und nun taumelt sich die Menge in einem Massenrausch. Basel setzt auf Prävention. Nachdem diese Besäufnisse so einen grossen Zulauf haben, stellt man sich die Frage, wie man das Zeitproblem lösen kann. In allen grossen Städten sind solche Gelage vorgesehen. Was soll man tun?

Verbieten?

Mit Polizeikräften die Zusammenkünfte auflösen?

Die Botellons bewilligen lassen? Villeicht unter der Bedingung, dass ein Organisator haftbar gemacht werden kann für die Folgen?

Gewähren grosszügig lassen? (Ein Auge zudrücken)

Abfallberge

Kinder und Minderjährige, die zum Alkoholkonsum animiert werden

Gewalttaten, Sachbeschädigungen

Ich bin überzeugt, dass diese Zeiterscheinung (MAssenbesäufnis) ernst genommen werden muss. Nur gemeinsam werden die Kantone mit einer einheitlichen Reglung verhindern können, dass diese Treffen nach kurzer Zeit vom Gewohnheitsrecht profitieren. Denken wir an den Zauberlehrling. Es geht sehr schnell und man hat eine Situation plötzlich nicht mehr unter Kontrolle. Das hatte Zürich schon einmal erlebt mit dem Gewährenlassen des Drogenkonsums am Platzspitz.

punkt.ch:

Tausende von Jugendlichen verabreden sich zu Massenbesäufnissen in Schweizer Städten. Die Behörden reagieren völlig ratlos.

Massenbesäufnis nach spanischem Vorbild

Massenbesäufnis nach spanischem Vorbild (Bild: Keystone)

Weit über 2000 Jugendliche haben sich auf der Internet-Plattform Facebook für den «1. Offiziellen Züri-Botellón » angemeldet – ein Massenbesäufnis nach spanischem Vorbild. Stattfinden soll es am 29. August auf der Zürcher Blatterwiese. Die Behörden wissen indes noch nicht, ob sie die saufenden Jugendlichen gewähren lassen sollen. «Das Phänomen ist neu für uns», sagt René Ruf, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. «Wir werden eine rechtliche Analyse und laufend eine Lagebeurteilung vornehmen.»

Gelage in der Romandie

Massenbesäufnisse sind für den kommenden Freitag auch in Genf und am Samstag in Lausanne angesagt. Die erste «Botellón» der Schweiz fand Mitte Juli in Genf statt: Über 1000 Jugendliche betranken sich gemeinsam im Parc des Bastions und hinterliessen einen verwüsteten Park. Als die Behörden von einem zweiten geplanten Gelage Wind bekamen, sperrten sie die Anlage kurzerhand. Verzweifelt bemüht sich die Stadtregierung nun, für einen unvermeidbaren nächsten «Botellón » mit den Initianten wenigstens die Abfallentsorgung zu regeln.Das Phänomen des öffentlichen Massensaufens trat erstmals in den 90er-Jahren in Spanien auf. Der grösste «Botellón» fand 2004 in Sevilla statt: 70 000 Jugendliche betranken sich gemeinsam. Inzwischen hat das andalusische Regionalparlament ein «Anti-Botellón-Gesetz» beschlossen: Alkohol ist nur noch auf bestimmten Plätzen erlaubt, der Verkauf ist stark reglementiert. Beispiel eines Massenbesäufnisses:

K4 - 18.8.2008

Nachtrag Tagi online:

Jan macht blau - der Initiant des Kollektivsaufens meldet sich ab

Jan Fröhlich, der 17-jährige Organisator des geplanten Massenbetrinkens in Zürich, will mit der Sache nichts mehr zu tun haben. Das Kollektivsaufen wird dies allerdings kaum verhindern.

Den Rückzug hat der KV-Stift gestern Dienstagabend auf seiner Facebook-Seite im Internet veröffentlicht: «Durch die einseitige, ungenaue und zum Teil falsche Berichterstattung der Medien, welche aus einem friedlichen Zusammentreffen ein ‹Massenbesäufnis› herbeigeschrieben haben, bin ich in eine Situation gekommen, in welcher ich den Aufruf zu diesem Botellón nicht mehr verantworten kann», schreibt er. Seine nachdrückliche Forderung nach Ordnung, Aufräumen und kontrolliertem Alkoholkonsum sei in keiner einzigen Zeitung erwähnt worden. Deshalb sehe er sich nicht mehr imstande, den Anlass weiterhin aufrechtzuerhalten, und ziehe sich als Organisator zurück, heisst es in der Mitteilung.

Nachtrag:

Die andere Sicht

Soziologieprofessor Kurt Imhof erläutert im TAGI die Vorteile von Massenbesäufnissen.

«Unfug ist das Privileg der Jugendlichen auf dem Weg zur Anpassung»: Soziologe Kurt Imhof.

Der Professor provoziert damit viele Leser:

«Unfug ist das Privileg der Jugendlichen auf dem Weg zur Anpassung»: Soziologe Kurt Imhof.

Ein Auszug aus Imhofs provokativen Thesen:

Das Erstaunliche ist wirklich, dass sich ausser tausend Leuten in Genf niemand auf diese Art betrunken hat. Aber Politik und Medien schon gross in Form sind. Deshalb meine erste These: Das Problem ist nicht das Massenbesäufnis. Sondern die Empörungsgemeinschaft der Massenbesäufnisskandalisierer.

Mit der öffentlichen Empörung wird das Massenbesäufnis eine selbsterfüllende Prophezeiung: Die Empörung über Massenbesäufnisempörung provoziert Massenbesäufnisse.

Nun, zunächst waren die Botellones in Spanien einfach eine Reaktion auf teurere Getränkepreise. Die Jugendlichen mixten darauf selbst. Also eine hoch pragmatische Lösung. Mehr war nicht. Bis die Medien sich empörten. Darauf trug man Städtemeisterschaften aus, welche Stadt mehr Säufer mobilisieren kann.

Geldmangel und Pragmatismus standen nur am Anfang. Nach der Medienberichterstattung müssen nun alle Jugendlichen hin. Jetzt wirds scharf. Wichtig für sie ist nicht mehr das Besäufnis, sondern der Kick der allgemeinen Empörung.

Massenbesäufnisse sind ein Adoleszenzphänomen.

Denn:

Unfug ist das Privileg der Jugendlichen auf dem Weg zur Anpassung. Früher gab es Halbstarke, später Woodstock. Das war nicht Massenbesäufnis, sondern Massensex. Also Nacktheit in der Öffentlichkeit plus Droge. Und zwar nicht konventionelle Drogen. Sondern unkonventionelle. Da muss man ängstliche Eltern schon fragen: Was ärgert ihr euch über eine Jugend, die zur konventionellsten aller Drogen greift? Kontrollierte Massenbesäufnisse sind die harmloseste Form!

Das ist doch der Witz, dass die allgemeine Moralisierung in der Verbotsgesellschaft nun der biedersten aller Drogen, dem Alkohol, wieder Protestpotenzial gibt.

Verbotsgesellschaft... stimmt das? Heute in der Zeit der Events?

Hinter jeder exzessiven Thematisierung von Jugendgewalt oder -suff steckt historisch gesehen immer dasselbe Motiv: die Angst der Erwachsenen vor ihrer Zukunft.

Eine unsichere Gesellschaft sucht sich Abweichende. Die man korrigieren muss. Um die alte Ordnung wiederherzustellen. Und die klassischen Ziele sind: Jugend, Fremde, Juden. Immer. Mit absoluter Berechenbarkeit.

Die Absicht aller klar denkenden Jugendlichen ist doch: andere Jugendliche zu begrabschen. Um was geht es sonst in dem Alter? Es geht darum, Kontakt zu schaffen, das Netzwerk ausbauen, es geht um Enthemmung. Das war schon immer das Problem der Jugendlichen: Enthemmung! Und dazu gibt es beim Besäufnis nun auch 5000 potenzielle Partner! Polizei! Feinde! Riesige Aufmerksamkeit! Das Besäufnis ist ein garantierter Erfolg.

Jugendliche, macht Massenbesäufnisse! Ihr könntet viel Dümmeres tun. Allerdings auch Klügeres.

Kommentar: Kurt Imhof spielt als Soziologieprofessor den Anwalt für den Massensuff! Viele werden sich ärgern.

Doch trifft es zu, dass sich Jugendliche von den Erwachsenen ablösen müssen und nach Möglichkeiten suchen, dies provokativ zu tun.

Es stimmt auch, dass das Katz und Mausspiel und vor allem die Medienpräsenz die Besäufnisse zusätzlich attraktivieren. Das zeigte sich auch schon bei den Demonstrationen am 1. Mai in Zürich. Die Kravallanten kamen dank der Medien zu einer Gratis Plattform.

Uebrigens: Es hat sich bereits in Spanien und nun auch in der Schweiz gezeigt, dass die Organisatoren das Besäufnis im Internet konret organisieren, sich dann aber vor der Veranstaltung als Verantwortlicher bewusst distanzieren und den Aufruf zurücknehmen. Damit können sie nicht mehr haftbar gemacht werden. Die Party findet jedoch trotzdem statt - nur lokal etwas verschoben.

Tagi-online:

Genf spendet WCs für Massenbesäufnis

Die Genfer Stadtregierung wird das für Freitagabend geplante Massenbesäufnis tolerieren.

Sie will den Spasstrinkern sogar Toiletten zur Verfügung stellen.

Nachtrag 21. August 20 Min-online:

Botellón-Debatte

Jungsozialisten rufen zu Teilnahme an Botellón auf

Jungsozialisten outen sich als Botellón- Fans. Die Partei ruft dazu auf, die Verbote zu missachten.

Kommentar: Ob dies beiträgt, das angeschlagenen Image der SP zu verbessern? Ich denke: Das Gegenteil ist der Fall. Denn die breite Oeffentlichkeit wünscht sich bestimmt keine Massenbesäufnisse.

Nachtrag Blick-online (28.8.08):

Sie kann mit dem Botellón gar nichts anfangen: Polizeivorsteherin Esther Maurer. (Keystone)

Audio: Esther Maurer auf «Radio 1»

Über 1400 Jugendliche haben auf «Facebook» ihre Teilnahme am Botellón auf der Chinawiese angekündigt, über 7000 Mitglieder zählt die entsprechende Gruppe auf der Internet-Plattform. Auch in Bern wollen sich tausende Jugendliche am Freitagabend auf der Grossen Schanze treffen. Zum Botellón, zum geselligen gemeinsamen Openair-Umtrunk, wie es die Jugendlichen darstellen. Oder «zum möglichst schnell, möglichst viel Alkohol zu trinken», wie Esther Maurer, Polizei-Vorsteherin der Stadt Zürich zu Radio 1 sagt. Das sei das erste Mal in Zürich, dass so etwas stattfinde. Maurer attackiert die durstigen Jugendlichen hart. Sehr hart: «Das ist für mich im Hirn oben krank!», sagt sie im Radiobericht. Wirklich? Sind die zigtausend Partywilligen nur eine Bande von krankhaften Alkoholikern im Teenager-Alter? Immerhin haben die anonymen Organisatoren der «Botellóns» auf dem Internet die Teilnehmer dazu aufgefordert, alles wieder brav aufzuräumen und friedlich zu bleiben. Esther Maurer aber traut ihnen nicht: Sie beruft sich auf eine Art Notrecht und hat die Zivilschützer zum Einsatz aufgerufen. Über 100 Betten stehen für die von ihr befürchteten Alkleichen bereit (Blick.ch berichtete). Schafft es Maurer mit ihrer verbalen Ohrfeige, die Situation zu beruhigen? Jetzt erst recht, könnten sich viele Jugendliche sagen und sich am Freitag mit Flaschen ausgerüstet auf die Zürcher Chinawiese begeben. (bih)

Nachtrag Tagi online Sa 30. August 08 (nachdem die "Party" in Zürich als friedlich und ohne Zwischenfälle gelobt worden war):

Sechs Tonnen Abfall: Die grosse Sauerei am Tag danach

Das erste Zürcher Botéllon auf der Blatterwiese mit gut 2000 Teilnehmern verlief weitgehend friedlich. Trotzdem musste die Polizei einmal Gummischrot einsetzen. Die Spasstrinker haben sechs Tonnen Müll hinterlassen.

Blatterwiese bietet ein trauriges Bild

Kommentar: Wer bezahlt dies? Ich weiss nicht, ob die Mehrzahl der Oeffentlichkeit einverstanden ist, wenn diese oeffentlichen Saufgelage einmal mehr von den Steuernzahlern bezahlt werden müssen. So wie heute stillschweigend die Abgabe von Drogen vom Staat übernommen wird. Mit dem Argument: Auch diese Konsten sind wir dem neuen Gesellschaftsphänomen schuldig.

Blatterwiese nach Botéllon gesperrt

Stimmungsbild 20 min- online:

In der Mitte hat ein Grüppchen eine Musikanlage aufgestellt, mit welcher das gesamte Gelände beschallt wird. Hier stehen die Leute dicht gedrängt, weiter aussen auf der Wiese sitzen einzelne Grüppchen von vier bis fünf Jugendlichen und konsumieren die mitgebrachte Tranksame.

Feuerwerkskörper werden gezündet, viele der Besucher sind bereits in angetrunkenem Zustand, zu der dröhnenden Musik wird ausgelassen getanzt. Findige Unternehmer haben zwei Bratwurststände aufgestellt, um auch den Hunger der trinkfreudigen Menge wenigstens etwas zu stillen. Schon liegt viel Abfall, leergetrunkene Flaschen und Plastiksäcke, verstreut auf der gesamten Wiese. Vereinzelt patroullieren Mitarbeiter der Suchtpräventiosstelle «sip Zürich» und versuchen mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, Polizei ist nicht zu sehen. Gegen Mitternacht hin werden auch Krankenwagen gesichtet, welche Betrunkene abtransportierten, die sich zuviel Alkohol zugemutet haben.

Stimmung vor Ort

Wieso er denn hier sei, fragt die 20-Minuten-Online-Reporterin einen 21-jährigen Jugendlichen: «Ich habe es aus den Medien erfahren und gar nicht via Facebook. Ich habe das Ganze eigentlich für eine blöde Idee gehalten und wollte gar nicht herkommen». Aber ein paar Freunde hätten ihn mitgeschleppt, und jetzt habe er ein Bier in die Hand gedrückt bekommen. «Und jetzt ist alles gut!»

«Absolut lässig!», «Mega-Stimmung!» oder «Es ist unglaublich!» sind die Eindrücke, die man nicht nur einmal zu hören bekommt. Die Stimmung ist ausgelassen bis angeheitert und bis Mitternacht weitgehend friedlich.

Grosser Aufruhr im Vorfeld

Im Vorfeld hatte die Botellón- Trinkparty am Zürichsee-Ufer beim Zürichhorn für viel Aufregung gesorgt, für die im Internet mobilisiert wurde. Jener Jugendliche, der ursprünglich dazu aufgerufen hatte, zog sich zwar wieder zurück, als er erfuhr, dass eine Bewilligung nötig wäre.

Verantwortliche der Stadt, die ein Massenbesäufnis befürchteten, betonten, dass sie keine Freude am Anlass hätten. Verbieten - wie beispielsweise in Lausanne und Bern - wollten sie den Botellón aber nicht.

90 Zivilschützer wurden aufgeboten, um - wie bei ähnlichen Grossanlässen - bei der medizinischen Betreuung von schwer Betrunkenen Unterstützung zu leisten.

Videos: Debby Galka, 20 Minuten Online

Das Wort Bottellon (grosse Flasche) machte unterschiedliche Schlagzeilen.

13. August in 20 Min: "Polizei verhindert Massenbesäufnis" und schrieb von "Massenaufruf zur Massenbesäufnis".

16. August im St. Galler Tagblatt: "Grosse Falsche bereitet Kopfweh".

Bund: "Trinkgelage nach spanischem Vorbild."

Landbote: "Dialog mit jungen Trinkern gesucht".

Sonntagsblick: "Tausende saufen bis zum Umfallen".

"Beim Bottellon dreht sich alles nur um Alkohol".

"So stürzte ich billig ab".

Sonntagszeitung: "2700 Anmeldungen zum Zürcher Massensaufen."

Nach der Gegenthese von Kurt Imhof änderten die Titel.

Obersee - Nachrichten, 21.August: "Saufen- na und?"

Zürichsee-Zeitung, 23. August: "Die Jugend ist nicht gleich Alkohol."

Die Titelparade entete in der NZZ am Sonntag mit dem Titel: "Die Schweizer Jugend ist in Bestform".

Kommentar: Für die Leser ist es nicht leicht, zwischen Zerrbildern und Beschönigungen in den Titeln sich zurecht zu finden.

Auswirkungen des Druckes (in Krisensituationen) am Bildschirm

Stress, Druck, Spannungen haben Auswirkungen auf unser Verhalten. Ein neues Beispiel:

Quelle 20 Min - online:

Saakaschwili mit den Nerven am Ende

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili ist sichtlich erschöpft. In einem Moment, in dem er sich unbeobachtet wähnt, beginnt er nervös auf seiner Krawatte herumzukauen - obwohl die Kamera weiter filmt.

Die Krise in Georgien und die russische Invasion seines Landes machen Michail Saakaschwili sehr zu schaffen, wie ein jetzt ins Internet gelangtes Video zeigt.

Auf Bildern des britischen Senders BBC ist zu sehen, wie der georgische Präsident auf seiner Krawatte herumkaut. Er wähnte sich in diesem Moment unbeobachtet. Schon regen sich Zweifel an Saakaschwilis Führungsstärke: Ist er der nervlichen Belastung überhaupt noch gewachsen? Kann er Georgien aus der Krise führen?

Mittlerweile hat er zu Verhandlungen mit Moskau über einen Ausweg aus dem Konflikt um die abtrünnige georgische Provinz Südossetien aufgerufen. «Lasst uns die Probleme mit zivilisierten Methoden lösen», sagte er.

Montag, 18. August 2008

Woher kommt die neue Lust am spirituellen Sound?

Quelle: spiegel-online:

"Dort", sprach Papst Benedikt XVI. im Stift Heiligenkreuz im Wienerwald, dort "wo wir miteinander singen, Gott preisen, feiern und anbeten, wird ein Stück Himmel auf Erden anwesend".

Zisterzienser-Chor: "Die subjektive Sphäre des Menschen berühren"
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Universal Music

Zisterzienser-Chor: "Die subjektive Sphäre des Menschen berühren"

Dieses Stück Himmel kann man kaufen, im nächsten Plattenladen. Denn dort steht "Chant – Music for Paradise", die auf CD gepressten Gesänge der Mönche eines österreichischen Zisterzienser-Klosters nun neben Amy Winehouse und den Ärzten.

Seit Wochen tummelt sich "Chant" an der Spitze der deutschen Charts, jetzt gibt es für 100.000 hierzulande verkaufte Alben sogar den Goldstatus.

In Österreich war man Nummer Eins; selbst in Großbritannien, wo sonst der Britpop regiert, stiegen die Brüder bis auf Platz Sieben der Hitlisten. Die Lateinisch singenden Mönche sind erst der dritte, nun, wie soll man sagen, Act aus Österreich, der es in die Top Ten im Königreich des Pop geschafft hat.

Die Medien stürzten sich dankbar auf das Thema, garantierten die Stiftsbrüder doch pittoreske Bilder: Popstars in heller Ordenstracht vor mächtigen Klostermauern. Weil die Zisterzienser aber nicht auf Tournee gehen wollen und sogar einen verkaufsfördernden Auftritt bei "Wetten dass…?" ablehnten, wurde ersatzweise der vom Kloster für die Pressearbeit abgestellte Bruder zum Medienstar: Pater Karl in der "taz", Pater Karl in der "Zeit", Pater Karl im Branchenblatt "Billboard", Pater Karl bei YouTube.

Gregorianische Gesänge sind nicht zum ersten Mal ein Chart-Erfolg. Der notorische Michael Cretu, sonst Produzent piepsiger Disco-Tracks seiner Frau Sandra, stürmte unter dem Projektnamen Enigma bereits in den frühen neunziger Jahren die Hitlisten, indem er Versatzstücke aus geistlicher Musik mit tanzbaren Beats kombinierte. Seitdem schlachten elektronische Musikrichtungen wie Ambient den religiösen Fundus aus und bedienen ein irgendwie spirituell bewegtes New-Age-Publikum.

Im Gegensatz dazu sind auf "Chant" die gregorianischen Gesänge der Heiligenkreuzer bewusst unverfälscht aufgenommen. Wahrscheinlich ist es gerade diese Schlichtheit, das Versprechen auf Reinheit und Wahrheit, das den massenhaften Verkauf erklärt. Denn auch Nichtgläubige finden in dieser Musik Erholung von der Hatz des Alltags: "Chant" als Turbo-Meditation für gestresste Großstädter.

Himmlische Idee, irdischer Erfolg

In religiösen Kreisen gehen die Meinungen auseinander, wie mit dem Boom umzugehen sei. Man debattiert darüber, wie die zum Teil mehr als zweitausend Jahre alten Gesänge präsentiert werden sollen, ja ob sie außerhalb von Kirchenmauern überhaupt erklingen dürfen.

Die neuen Popstars aus dem Wienerwald freuen sich auf ihrer Website derweil, dass nun "Melodien, die Himmel und Erde verbinden, in die Welt hinaus" gehen. Und dass die mit dem "Wunder dieses Plattenvertrages" einhergehenden Umsätze dazu beitragen, das gotische Kloster zu erhalten, den Aufenthalt von Priesterstudenten aus Sri Lanka oder Afrika zu finanzieren und die Mönche überhaupt "mit dem Geld sogar noch Gutes tun können".

In jedem Fall aber gilt, was der oberste Hirte erklärte, als er die Heiligenkreuzer im vergangenen September besuchte. Im gesungenen Gebet, predigte Papst Benedikt, "fallen dabei wie von selbst Erschöpfung und Bedrückung von uns ab".

Wenn Musik das kann, dann kann Musik schon sehr viel.

Kommentar: Musik ist auch Kommunikation. Ich finde die Schlichtheit und Reinheit der gregorianischen Gesänge etwas Erhabenes. Es ist eine Musik, die unsere Stimmung positiv beeinflusst. Persönlich geniesse ich diese Klänge dann, wenn ich mich entspannen will.

Sonntag, 17. August 2008

Kein Witz:

Ich zitiere Spiegel online:

KAMPFBEREIT IM UNTERRICHT

Texanische Lehrer dürfen sich bewaffnen

An einer Schule im US-Bundesstaat Texas fühlen sich die Lehrer besonders bedroht von Amokläufern und Schießereien. Deswegen beschloss ein Bezirk kurzerhand, die Lehrer aufzurüsten: Von nun an darf jeder Pädagoge eine Pistole tragen.

In Texas war das Leben schon immer ein bisschen härter als in anderen Bundesstaaten. So sehen das zumindest die Einwohner des kleinen Distrikts Harrold. Wenn dort am 25. August nach den Ferien die Schule beginnt und die Lehrer wieder vor versammelten Klassen stehen, darf sich deshalb unter den Jacken der Pädagogen ein Pistolenlauf abzeichnen.

Auswahl im Waffengeschäft: Pistolen für Pädagogen
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AFP

Auswahl im Waffengeschäft: Pistolen für Pädagogen

Denn in Harrold können ab sofort Lehrer Handfeuerwaffen verdeckt bei sich tragen. Das beschloss die Schulbehörde einstimmig. Auch seitens der Eltern seien keine Einwände gekommen, sagte Schulinspektor David Thweatt.

110 Jugendliche besuchen die einzige Schule in dem kleinen, abseits gelegenen Bezirk im Norden von Texas. Sie wird die erste sein, die es ihren etwa 50 angestellten Lehrkräften erlaubt, im Unterricht Waffen zu tragen. "Das ist eine Frage der Sicherheit", erklärte Thweatt.

"Gesunder Menschenverstand"

Die nächste Polizeistation sei eine halbe Stunde entfernt und könne nicht ausreichend Schutz vor Amokläufen bieten, so Thweatt. "Wir haben ein Verriegelungssystem, wir haben Kameras - aber was, wenn es jemand schafft, in die Schulen einzudringen? Was sollen wir dann machen? Das ist einfach gesunder Menschenverstand", sagte der Schulinspektor. Die Entscheidung sei eine logische Reaktion auf Schießereien an Schulen in der letzten Zeit.

Lehrer, die Pistolen bei sich tragen möchten, müssen einen Waffenschein besitzen und an einem Krisentraining der Schule teilnehmen. "Die Schießereien an Schulen fingen erst an, als die Schulen von der Regierung zu waffenfreien Zonen erklärt wurden. Aber warum sollte man es zulassen, dass es Leute dort draußen gibt, die sich nicht verteidigen können?", sagte Thweatt. "Das ist doch, als befehle man einem Hund: Fass sie!" Er finde es gefährlicher, die Waffen aus der Schule rauszuhalten, als sie mit reinzunehmen.

Der amerikanische Kongress hatte landesweit Waffen an Schulen verboten. Der Oberste Gerichtshof hatte das Gesetz wieder zerschlagen, obwohl Gemeinden ohnehin diesbezüglich eigene Gesetze verabschieden können. Nach texanischem Recht sind Schusswaffen in Schulen verboten, solange zuständige Institutionen keine Ausnahmegenehmigungen erteilen.

Aus express.de:

Foto: Käsmacher (Symbolfoto)

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Die Kreide in der linken, die Waffe in der rechten Hand: So könnte künftig der Unterricht an einer Schule in Texas aussehen. Foto: Käsmacher (Symbolfoto)

Wegen Amok-Gefahr

Lehrer dürfen Waffen im Unterricht tragen

Washington - Das Schulmassaker von Littleton vor neun Jahren schockierte die Welt. Um vergleichbare Amok-Läufe in Zukunft zu verhindern, dürfen US-Lehrer jetzt Waffen tragen.

Kommentar: Die Gewalt in der Schule hat unbestrittenermassen zugenommen, nicht nur unter Kindern - auch zwischen Eltern und Lehrkräften. Es braucht deshalb keine Waffen - Hingegen benötigen Schulen und Elternhaus eine taugliche Streitkultur. Eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen im Umgang miteinander ist und bleibt die Förderung der kommunikativen -und sozialen Kompetenz. Aus meiner Sicht gibt es in dieser Hinsicht bei uns einen enormen Aufhol bedarf. Wer Lehrkräfte bewaffnet, resigniert im Grunde genommen. Waffen sind kein Instrument, ein Kommunikationsklima zu verbessern.

Wie prognostiziert: Bundesrat Schmid wird überleben

Wenn jemand ein Ueberlebenskünstler ist, so ist es Bundesrat Schmid. Nach all seinen Pannen, Führungsschwächen und kommunikativen Fehlern zeichnet er sich immer mehr als Selbstverteidigungsminister aus. Am Tag als die vier Opfer des Kander Bootsunglücks beerdigt wurden, liess sich Samuel Schmid unverständlicherweise mit Ex- Missen fotografieren. Als er den Armeechef- ohne den Bundesrat über das hängige Verfahren zu informieren- ins Amt gehieft hatte und es unterliess, seinem Kronfavoriten harte Fragen zu stellen. Immer gelang es dem gemütlichen Berner, sein nass gewordenes Fell zu schütteln und immer wieder so da zu stehen, als sei nichts geschehen. Peter Rötlisberger Chefredaktor des "Blick am Sonntag" schreibt: Schmid habe zwar immer ein verkrampftes Verhältnis zu den Medien gehabt, etwas kann man von Schmid lernen: Die Ueberlebenskunst nach den Medienschelten. Gerät er in Bedrängnis, setze er sofort den Helm auf, gehe er in Deckung und warte im Graben ab, bis der Pulverdampf verflogen sei. Ich finde dieses Bild treffend.

Nachdem Schmid seit Wochen von der SVP beschossen wird, kann er nächste Woche wieder an der Bundesratssitzung sein Bärenfell schütteln und er wird einmal mehr unbeschadet davon kommen. Sämi Schmid profitiert vom Feindbild SVP und der Angst, die SVP könnte wieder einen Hardliner in den Bundesrat bringen und dadurch die invernehmliche Stimmung in der Exekutive stören. Der Beschützer Schmid ist jetzt der Bundespräsident persönlich zusammen mit dem Gesamtbundesrat:

Ich zitiere:

Aus der Affäre Nef soll keine Affäre Schmid werden, sagte Bundespräsident Pascal Couchepin in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Samuel Schmid müsse sich in der Bundesratssitzung vom Mittwoch (kommende Woche) auch nicht rechtfertigen. Damit ist offensichtlich:

Cochepin will eine Schlussstrich ziehen. Die Affaire Nef ist für ihn nur eine kleine Episode, ein Sommertheater.

«Die Regierung soll öffentlich sagen: Dieses Sommertheater ist erledigt», sagt Couchepin in einem Interview mit der Zeitung «Sonntag». Zweitens will der Bundespräsident laut «Sonntag» und «SonntagsZeitung», dass sich der Gesamtbundesrat hinter Samuel Schmids Sicherheitspolitik stellt. Couchepin: «So wie ich die Stimmung spüre, ist sich der Bundesrat einig.»

Foto: news.ch:

Couchepin spricht von «Mord-Versuch» an Schmid
Bundespräsident Pascal Couchepin

Der angeschlagene Verteidigungsminister wird nächste Woche vom Bundesrat voll und ganz gestützt werden. Es gibt keine Schelte. Für Couchepin geht es nun nur noch um der Reform der Armee, wie sie in den letzten Jahren eingeleitet wurde.

SVP nicht reif für Bundesrat?

Die Bundespräsident fährt der SVP nach alter Manier hart an den Karren. So wie er seit Jahren dem Rivalen Blocher an den Karren gefahren war. Die SVP opfert nach Couchepin die Interessen den Landes ihren Parteiinteressen. Damit zeige diese Partei, dass sie für die Rückkehr der SVP in den Bundesrat noch nicht reif ist.

Damit sagt Couchepin wo Gott hockt , d.h. dass man der SVP den Zugang zur Macht verwehren muss: «Die SVP muss lernen, sich ein wenig zurückzuhalten. Und sie muss eine positive Haltung entwickeln. Zuvor hat sie in der Regierung keinen Platz mehr.»

Was mich stört bei diesen Verlautbarungen des Bundespräsidenten: Es ist seine hinlänglich bekannte Schulmeisterrhetorik. Dank der politischen Konstellation wird bestimmt die Rechnung Couchepins kurzfristig aufgehen. Doch denke ich bereits an die nächsten Bundesratswahlen. Dann kann es zu grossen Ueberraschungen kommen.

Freitag, 15. August 2008

«Free Tibet»-Projektion auf chinesischem Konsulat:

IOC lässt Youtube-Video entfernen

Quelle Net-Zeitung:
14. Aug
Nicht genehm: Olympische Ringe als Handschellen
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Das Olympische Komitee ist mit den Gepflogenheiten seines Gastgeberlandes bestens vertraut – zumindest in dessen Spezialität, der Zensur. Angeblich aus Urheberrechten wurde ein chinakritisches Video gelöscht. Zu Unrecht.

Ypsilante will mit dem Kopf durch die Wand!

Als hätte sie nichts gelernt von letzten Fiasko will Ypsilanti erneut zum Wortbruch stehen und entgegen früheren Verlautbarungen mit den LINKEN zusammenarbeiten. Das kann nicht gute kommen.

Spiegel online berichtet:

UMFRAGE ZU LINKSKURS IN HESSEN

Breite Mehrheit gegen Ypsilantis Machtplan

Gegenwind für Andrea Ypsilanti: Nur ein Viertel der Deutschen ist einer neuen Umfrage zufolge dafür, dass sich die hessische SPD-Chefin mit Hilfe der Linken zur Ministerpräsidentin wählen lässt. Sogar unter Anhängern der Sozialdemokraten gibt es keine Mehrheit dafür.

Der mögliche neue Anlauf der hessischen SPD zur Regierungsübernahme im Wiesbadener Landtag mit Hilfe der Linkspartei findet bei den Bundesbürgern keine große Zustimmung. Im aktuellen ZDF-Politbarometer plädierten lediglich 24 Prozent der Befragten dafür, dass die hessische SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti zur Wahl antreten solle, auch wenn sie nur mit Hilfe der Linken gewählt werden kann. 44 Prozent sagten dagegen, dass Ypsilanti dann nicht antreten sollte. 32 Prozent hatten dazu keine Meinung.

Ypsilanti: Laut Umfrage wenig Rückhalt in der Öffentlichkeit
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DPA

Ypsilanti: Laut Umfrage wenig Rückhalt in der Öffentlichkeit

Eine rot-rot-grüne Koalition nach der nächsten Bundestagswahl fänden den Angaben zufolge lediglich 17 Prozent der 1263 befragten Wahlberechtigten und nur 22 Prozent der SPD-Anhänger gut. 67 Prozent aller Befragten und 63 Prozent der SPD-Anhänger fänden eine solche Zusammenarbeit im Bund schlecht. Allerdings erwarteten 57 Prozent aller Befragten, dass die SPD eine solche Koalition eingehen würde, wenn sich dafür nach der nächsten Bundestagswahl eine Mehrheit ergäbe.

Kommentar: Wortbruch wird von den Stimmbürgern immer schlecht honoriert.