Sonntag, 10. August 2008

Christoph Keckeis gesteht: Er - nicht Bundesrat Schmid - habe im Fall Nef Fehler gemacht.

Er habe von vom Verfahren gegen Nef Kenntnis gehabt und hätte unangenehme Fragen stellen sollen.

Weshalb nimmt Keckeis mit seinem Schuldeingeständnis erst jetzt seinen ehemaligen Chef aus der Schusslinie? Aus meiner Sicht müsste auch Bundesrat Schmid zugestehen, dass er keine unangenehmen Fragen gestellt habe. Auch er hat gravierende Fehler gemacht (Bundesrat nicht informiert über das hängige Verfahren). Schmid sah bei sich nur den Makel, dass er Roland Nef gegenüber zuviel Vertrauen entgegengebracht habe. Er wolle nur auf einer Vertrauensbasis führen.

Ich zitiere blick-online:

Der Chef und sein treuer Soldat: Bundesrat Schmid und der frühere Armeechef Christophe Keckeis. (Keystone)

Die Aussagen von Christophe Keckeis sind brisant: Er habe vom laufenden Strafverfahren gewusst, aber nicht genauer nachgefragt, sagte der ehemalige Armeechef zu Radio DRS. Man habe Schmid zu wenig präzise informiert. Möglicherweise hätten gewisse Leute die Sache auch kaschieren wollen, um sie später zu benutzen.

Von Sexinseraten, die Nef angeblich im Namen seiner Ex-Partnerin geschaltet haben soll, habe er jedoch nichts gewusst, sagte Keckeis. Sicher hätten aber weder er noch Schmid ihre Stimme Nef gegeben, wenn dieser Verdacht bekannt gewesen wäre.

Rücktritt war unausweichlich

Keckeis sieht die ganze Angelegenheit zwar als Privatsache. Leute in der Position von Nef müssten aber ein beispielhaftes Privatleben führen. Obwohl Nef seine Arbeit brillant gemacht habe, sei sein Rücktritt wohl unausweichlich, sagte er.

Für den Verteidigungsminister findet Keckeis nur lobende Worte. Wer Schmid Führungsschwäche unterstelle, wisse nicht, wie er führe. Schmid sei zwar kein herausragender Kommunikator, kenne aber die Dossiers perfekt und führe beispielhaft, sagte Keckeis, der selber während Jahren unter dem Verteidigungsminister gearbeitet hat.

Das Problem ortet er bei der SVP, die derzeit eine Kampagne gegen ihren ehemaligen Bundesrat führt. Es dürfe nicht sein, dass die Armee derart geschwächt werde, sagte Keckeis. Von einem Rücktritt Schmids rät er ab: Bis ein Nachfolger mit den Dossiers vertraut sei, vergehe zu viel Zeit. Dies wäre fatal, sagte er. (SDA)

Kommentar: Ich bin überzeugt. Diese Aussage in einem DRS Interview kommt nicht zufällig im jetzigen Zeitpunkt. Zu Zeit läuft ein Kesseltreiben gegen Bundesrat Schmid. Obschon niemand den gewählten Magistraten zum Rücktritt zwingen kann, bringen die Medien täglich Spekulationen über den Rücktritt Schmids. Es wird ihm Führungsschwäche vorgeworfen. Die linke und recht Allianz könnte ihm die Geschäfte versalzen. Auch die CVP steht nicht mehr hinter Samuel Schmid und es gab diese Woche bereits Vorschlage für Schmids Nachfolge. Die SVP drohte sogar, dem VBS die Mittel zu entsagen, wenn er nicht zurücktrete.

Das Keckeis Interview sehe ich als gezielte Unterstützung des früheren Chefs.

Der Ex Armeechef war bislang nie bereit, Fehler auf sich zu nehmen. Ich erinnere an die Kommunikationspannen beim Jungsfraudrama oder nach seinen unbedachten Medienauftritten.

Tagi online:

Affäre Nef: Keckeis war informiert

Ex-Armeechef Christophe Keckeis stärkt Bundesrat Samuel Schmid den Rücken. Er selber habe bei der Auswahl seines Nachfolgers Roland Nef allenfalls einen Fehler gemacht, weil er nicht genauer nachgefragt habe. Mehr...

20 Min - online:

Affäre Nef

Keckeis wusste von Nefs Strafverfahren

Der ehemaligen Armeechef Christophe Keckeis stärkt dem angeschlagenen Bundesrat Samuel Schmid den Rücken: Bei der Auswahl seines Nachfolgers Roland Nef habe allenfalls er, nicht aber Schmid Fehler gemacht.

Peking: Manipulieren- kein Problem

Eröffnungsfeier: Feuerwerk manipuliert?

zitat bild-online:

Skandal um Olympia-Eröffnungsfeier China fälscht Feuerwerk

Teile der Show wurden schon vor einem Jahr produziert

Feuerwerk symbolisiert Fußstapfen: Teile dieser Show wurden schon vor einem Jahr aufgenommen

Feuerwerk symbolisiert Fußstapfen: Teile dieser Show wurden schon vor einem Jahr aufgenommen

Die Bilder der Eröffnungsfeier
Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 in Peking

Das Mega-Feuerwerk zur Olympia-Eröffnungsfeier – alles Schwindel? Ausschnitte der im Fernsehen und im Nationalstadion gezeigten Aufnahmen der spektakulären Show sind offenbar zuvor aufgezeichnet worden.

Aufsehen erregende Bilder von über der Stadt verteilten Fußabdrücken seien nicht live aufgenommen, sondern über ein Jahr lang mit Animationstechniken vorbereitet worden. Das berichtet die Zeitung „Beijing Shibao“ unter Berufung auf einen Angestellten einer Video-Produktionsfirma.

Nur der Letzte von 29 mit Feuerwerk erzeugten Fußabstapfen sei am Freitag live übertragen worden.

Warum wurde die Show nicht komplett live gesendet? Hatte China Angst, dass etwas schief geht?

Angeblich gab es Schwierigkeiten wegen Flugeinschränkungen und zeitliche Probleme. Mit verschiedenen Tricks, wie der Zublendung von Nebel, seien die von Juni 2007 bis Juli 2008 entstandenen Aufnahmen manipuliert worden.

„Wenn ich es mir heute anschaue, war das Video ein wenig heller als die echten Aufnahmen“, sagte der Mitarbeiter der Produktionsfirma, Gao Xiaolong.

„Aber die meisten Zuschauer dachten, es sei echt gewesen – damit hat unsere Arbeit ihren Zweck erfüllt.“

Die Bilder der Eröffnungsfeier

Kommentar: Es ist durchaus möglich, dass bei Filmen gewisse Sequenzen eingespielt werden oder aus technischen Gründen etwas zeitverschoben aufgenommen und nachträglich gesendet werden. Doch gilt beim Filmen immer das Prinzip der Transparenz. Diese Seqeunzen müssten bezeichnet werden! Falls bei den angeblichen LIVE- Aufnahmen Sequenzen ab Konserve eingebaut worden sind, so hätte dies bei der Uebertragung eindeutig deklariert werden müssen. Falls Peking versucht hat, das Feuerwerk heimlich zu manipulieren, so wäre dies ein krasser Verstoss gegen journalistische Gepflogenheiten. Erweist sich die Beschuldigung als richtig, so hätte sich China mit dieser Manipulation der Bilder dem Ziel der grossartigen Darbietung geschadet. Die ehrfurchtsvolle Bewunderung würde dann abgewertet. China hätte dann einmal mehr ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Bestätigung : (Gemäss Spiegel online)

OLYMPIA-ERÖFFNUNGSFEIER

TV-Mitarbeiter gesteht Manipulation von Live-Bildern

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele hat bewiesen: Kaum eine Nation kann mit Feuerwerkskörpern so imposante Spektakel inszenieren wie China. Doch jetzt hat ein Mitarbeiter des Künstlerteams zugegeben, dass ein Teil der Live-Farbspiele im Fernsehen manipuliert wurde.

Imagepolitur mit opulenter Megashow: Mit einem nie dagewesenen Spektakel verblüffte die Pekinger Olympia-Eröffnungsfeier (mehr...) am Freitag Fernsehzuschauer und Kritiker. "Fantastisch - zu fantastisch" fand das die italienische Tageszeitung "La Repubblica", und der britische "Independent" bekannte: "Es ist schwer, wenn nicht unmöglich zu bestreiten: Das war die größte Show, die die Welt je gesehen hat."

OLYMPIA-ERÖFFNUNG: FARBENRAUSCH ZUM MEGA-SPEKTAKEL

Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (42 Bilder)

Damit ist erwiesen, dass die geschummelten Sequenzen 7,72 Millionen Zuschauer zugemutet wurden. Nur 29 der letzten Fussabdrücke waren angeblich live. Die 14000 Darsteller mussten alle bei den Aufzeichnungen schriftlich bestätigen, dass sie nichts verraten werden. Bei einem Verstoss drohte eine Freiheitsstrafe bis zu sieben Jahren.

Obwohl die Megashow von vielen begeisterten Journalsiten als unübertrefflich bezeichnet wurde, gehe ich davon aus, dass die Irreführung des Publikums dem Image des Riesenreichs China stark geschadet hat. Es wurde mit dieser Manipulation nachträglich demonstriert, was Peking unter Medienfreiheit versteht. Irreführung ist nämlich dort etwas Normales. China hat bestimmt nie damit gerechnet, dass dieses Schummeln je publiziert wird. Wer in China etwas Negatives schreibt, weiss: Er schadet dem Land. So etwas machen die eigenen Journalisten nicht.

Tagi-online:

Olympia: Feuerwerk war gefälscht

Laut einem Bericht der Zeitung «Beijing Shibao» wurde bei der Eröffnungszeremonie ein Teil des spektakulären Feuerwerks zuvor aufgezeichnet und in die weltweiten Live-Übertragungen eingespielt. Mehr...

20 Min-online:

Olympia

TV-Übertragung war manipuliert

Ein Abschnitt der Fernsehübertragung war manipuliert, wie sich jetzt herausstellte. Spektakuläre Bilder von mit Feuerwerksraketen erzeugten «Fussabdrücken» über der Stadt seien nicht live aufgenommen, sondern per Computeranimation erzeugt worden.

Nachtrag 12. August:

20 min online:

Nicht süss genug: Partei liess Sängerin hängen

Ein weiterer Betrug kommt nachträglich an den Tag:

Nach nzz-online:

Zuschauer an Olympia-Eröffnungsfeier nochmals getäuscht

Kommentar: Für China ist die Manipulation der Medien und das Nicht-deklarieren von Informationen Selbstverständlichkeit. Die Machhaber haben kein Verständnis dafür, dass sich die freie Presse aufregt, wenn Sachverhalte für die gute Sache verfälscht werden.

Pekings Sicht der Dinge:

Der Führung in Peking ging es bei dem Massenspektakel vor allem darum, ein perfektes Schauspiel zu bieten, das die Volksrepublik als weltoffenen Olympia-Gastgeber präsentieren sollte. Damit sollten aus chinesischer Sicht die ärgerlichen Vorgänge vor Beginn der Spiele in den Hintergrund gedrängt werden, vor allem die Sorge um die Luftverschmutzung in Peking und die Kritik an der Tibet-Politik.

Für diese Ziele scheinen alle Mittel legal.

tagi-online:

Perfektes Olympia: Mehr Schein als Sein

China will die perfekten Olympischen Spiele im eigenen Land. Dazu ist jedes Mittel recht:

Gefälschtes Feuerwerk,

falsche Fans

und jetzt auch noch gefälschter Gesang. Mehr...

20 Min- online (13.8.08):

Ticketskandal in Peking

Ausverkauft - und doch halb leer

Die Organisatoren melden hochoffiziell ausverkaufte Spiele. Alle Tickets sind verkauft worden. TV-Bilder zeigen eine andere Wahrheit. Eine Besonderheit im Ticketverkauf führt in Peking dazu, dass bei einzelnen Sportarten ausverkaufte Stadien halb leer sind.

Mehr... Bildstrecke

Nachtrag 15. August

Schon wieder eine Täuschung!

Falsche Minderheiten an Olympia-Eröffnung

Im Zusammenhang mit der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking wurde ein weiterer Schwindel bekannt.

Keine Minderheiten: 56 Kinder - alle von der Mehrheit der Han-Chinesen - spielten Eintracht der Ethnien vor.

Keine Minderheiten: 56 Kinder - alle von der Mehrheit der Han-Chinesen - spielten Eintracht der Ethnien vor. Bild: Keystone

Die Kinder, die bei der Zeremonie vergangene Woche neben einer riesigen chinesischen Flagge ins Stadion einzogen, sollten laut Programmheft die Eintracht der ethnischen Volksgruppen in der Volksrepublik darstellen.

Doch keines von ihnen stammte aus einem Minderheitenvolk, wie Yuan Zhifeng von der Tanzkompanie Galaxy dem «Wall Street Journal» sagte.

56 ethnische Gruppen

Im offiziellen Programm hatte es geheissen:

«56 Kinder aus den 56 ethnischen Gruppen Chinas umrahmen die chinesische Nationalflagge». Allerdings gehörten alle 56 in den Trachten der Minderheiten kostümierten Kinder in Wirklichkeit der Mehrheit der Han-Chinesen an. Die Han-Chinesen stellen rund 90 Prozent der chinesischen Bevölkerung.

Kommentar: Das Schummeln geht ruhig weiter.

Samstag, 9. August 2008

"Denken ist nach innen genommenes Sprechen"

(Dieses Zitat stammt von Jean Piaget (1896-1980), schweizer. Philosoph und Psychologe, der am 09.08.1896, also heute genau vor 112 Jahren geboren wurde.)

Nach meinem Dafürhalten bedingt gutes verständliches Sprechen vor allem, dass der Redner DENKEN kann. Ohne Denken kein sinnvolles Sprechen. In der Fachliteratur ist dann vom "Sprechdenken" die Rede, wenn der Redner denkt bevor er spricht. Aus meinem Dafühalten müsste es jedoch nicht "Sprech-Denken" heissen, sondern "Denk-Sprechen". Denn, wenn jemand redet und dann denkt, kommt es in der Regel nicht gut. Es gibt zwar genügend Menschen (und Politiker) die solange reden, bis es zu denken beginnt - statt umgekehrt. Vor allem in Krisensituationen oder bei Ueberraschungen gilt es:

Hören

denken

überlegen

evt. klären

den Gedanken innerlich auf den Punkt bringen

atmen

innehalten

und erst dann REDEN!

Piaget, der unweit unseres Refugiums "Salmenfee" gelebt hat und den ich vor Jahren bei seinen besinnlichen Gängen durch die Magerwiesen beobachten konnte, wusste genau, was er mit dem "nach innen genommenen Sprechen" gemeint hat. Piaget - die Walliser nannten ihn "Grillenloser"- veranschaulichte den Mitmenschen, was innehalten, was hören, was "nach innen hören" heisst.

Wie die Nazis die olympischen Spiele missbrauchten

Ich zitiere 20 min-online:

Fackellauf: Wer hats erfunden? - Die Nazis

Mit dem olympischen Fackellauf scheint sich die chinesische Propaganda zurzeit die Finger zu verbrennen. 1936 hatten die deutschen Nazis mehr Glück. Aber die hatten das Ritual auch neu erfunden.

Szene aus Leni Riefenstahls Film «Olympia» (1938): Die Ankunft der Fackel (Quelle: YouTube.com)
Interaktiv-Box

Deutsche Postkarte zum Fackellauf (Bild: DHM)

Ankunft des letzten Fackelträgers im Stadion (Bild: DHM)

Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit kamen noch ganz ohne Fackel und Feuer aus. Erst 1928 in Amsterdam wurde zum ersten Mal ein olympisches Feuer entzündet. Der eigentliche Fackellauf durch mehrere Länder war dann eine Erfindung der Nazi-Propaganda: Am 20. Juli 1936 wurde das Feuer in einer «Weihestunde» in den Ruinen des antiken Olympia mit einem Brennspiegel — selbstredend ein Produkt der deutschen Qualitätsfirma Zeiss — entzündet. Ausnahmslos blonde und blauäugige Athleten brachten dann die Fackel in zwölf Tagen von Griechenland über den Balkan und Ungarn in den Berliner Sportpalast.

Fest der Nazi-Propaganda

Die Olympischen Sommerspiele in Berlin waren ohnehin ein Fest der Nazi-Propaganda, die es tatsächlich schaffte, das NS-Regime vor der Weltöffentlichkeit in ein positives Licht zu rücken. Der Fackellauf sollte medienwirksam — wie zum Beispiel in Leni Riefenstahls Film «Olympia» — die Verbindung von griechischer Antike mit dem noch jungen germanischem Führerstaat inszenieren. Die Idee dafür stammte vom Generalsekretär des Organisationskomitees für die Spiele von Berlin, Carl Diem. Propagandaminister Goebbels griff sie begeistert auf und legte den Ablauf der Inszenierung fest.

Proteste in Prag

Ganz reibungslos verlief aber auch der erste Fackellauf nicht. Die griechische kommunistische Jugendorganisation OKNE plante, der olympischen Flamme den Weg nach Berlin zu verlegen. Ihre Aktionen wurden jedoch von der griechischen Polizei im Keim erstickt. Mehr Erfolg war den Nazi-Gegnern in der Tschechoslowakei beschieden: In der Hauptstadt Prag gelang es wütenden Demonstranten sogar, die Flamme zu löschen. Die Tschechen waren als einzige empört über die deutsche Inszenierung — schliesslich hatten die Nazis auf dem offiziellen Plakat eine Europakarte abgebildet, auf der das Sudetenland kurzerhand schon Deutschland zugeschlagen war (was 1938 dann tatsächlich geschah).

Erstaunlich: Auch bei dieser Olympiade der Fackellauf gab es Proteste und der Fackellauf wurde zum Politikum. Wer glaubt Politik und Sport habe nicht miteinander zu tun, dürfte ruhig in den Geschichtsbüchern blättern. Der olympische Gedanke müsste immer den Frieden ins Zentrum rücken und ein Staat, der Menschenrechte mit Füssen tritt, dürfte erst dann Spiele organisieren dürfen, wenn er die demokratischen Rechte und die Friedensbestimmungen erfüllt. In Peking ist dies leider nicht der Fall.

Ueberwältigende Eröffnungsfeier in Peking: Perfektoniertes Massenphänomen weckt ungute Gefühle

Illu: Spiegel-online

Wahrscheinlich kann so eine gigantische Show, wie wir es an der Eröffnungsfeierlichkeiten in Peking gesehen haben, gar nicht mehr wiederholt werden. Gedrillte Menschenmassen, die funktionierten wie Teilchen einer gigantischen Maschinerie. Wer die Eröffnungsfeier mitverfolgen konnte, musste sich die Frage stellen, wie solch gigantische perfekte Gleichschaltung von einzelnen Menschen überhaupt möglich werden kann. Die Massenveranstaltungen im dritten Reich weckten damals ebenfalls einen kalten Schauer. Bei den pompösen bis ins letzte Detail koordinierten Präsentationen von Einzelbewegungen kippte man als Beobachter von Staunen und Bewunderung rasch zu unguten Gefühlen. Was man zu sehen bekam, war im Grunde Genommen eine gigantische PR Aktion, bei der das Individuum keinen Platz mehr hatte. Menschen mutierten zu kleinen Elementen einer Masse und mussten sich der perfekten Maschinerie unterordnen. So wie die Elite-Soldaten im Stechschritt synchron den Fahnenaufzug zelebriert hatten, so integrierte sich jedes einzelnen Massenteilchen (sie bestanden aber aus Menschen) vollkommen synchron. Wir erlebten eine Demonstration von Einordung, Unterordnung, bei der Individualität ausgeschaltet war. Trotz der gewaltigen Massenwirkung weckte die Show in mir sonderbare Gefühle, vor allem als alle die Arme hitlergrussähnlich in die Höhe reckten. Da stellte ich mir die Frage: Welchen PR Zweck hat diese einmalige gigantische Veranstaltung zu erfüllen? Angeblich bin ich nicht der einzige, der das Massenphänomen nicht einfach nur blind bewunderte und aus Ehrfurcht vor der Perfektion und den Massenphänomenen die Absicht der Organisatoren völlig ausblendete. Ich las immerhin nachträglich in nzz- online:

Gigantische Show des Lichts und der Massen

Peking perfektioniert zur Olympia-Eröffnung den Gleichschritt

Der Abschluss der Eröffnungsfeier mit olympischem Feuer
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Der Abschluss der Eröffnungsfeier mit olympischem Feuer (Bild: Reuters)

Zur Eröffnung der XXIX. Olympischen Spiele hat Peking ganz auf die Überwältigung durch Licht und Menschenmasse gesetzt. Wären die Kinderszenen nicht gewesen, hätten Gigantismus und Perfektion eher zwiespältige Emotionen hinterlassen. Zum Schluss wurde der so umstrittene Fackellauf nochmals zelebriert.

Die XXIX. Olympischen Spiele in Peking sind eröffnet. Die gigantische Show, der im ganzen Land entgegen gefiebert worden war, begann mit einem Countdown aus Lichtern, getragen von mehr als 2000 Trommlern, die in absoluter Synchronität einen ersten Vorgeschmack auf die Inszenierung der Massen boten.

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. Bilderstrecke: Olympia-Eröffnung
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Überflutung der Sinne

Pünktlich zum glückbringenden Zeitpunkt am 8.8.08 abends um 8 Uhr 8 (Ortszeit) markierte ein erstes von vielen Feuerwerken des Abends den Anfang der Feier. In atemloser Folge und mit einem enormen Aufgebot an Darstellern wurden danach die Errungenschaften der chinesischen Zivilisation gefeiert, von der Erfindung des Papiers, über die grosse Mauer bis zur Oper. Die Überflutung der Sinne durch die lebenden Bilder aus Menschen und Farben war schwindelerregend.

Tai Chi in der Masse

Der Sprung nach der Darstellung von 5000 Jahren Geschichte in die Gegenwart erfolgte ohne jeden Hinweis auf die kommunistische Revolution. Mao war aus dem Stadion offenbar verbannt.

Mensch in der Masse

Die Eröffnungsfeier, die vom Filmregisseur Zhang Yimou gestaltet worden war, sollte die grösste und teuerste in der Geschichte der olympischen Bewegung werden. Einen derartig überwältigenden Einsatz des Menschen in der Masse hatte man tatsächlich seit Leni Riefenstahl 1936 in Berlin nicht mehr gesehen – und jene Choreografie dürfte in Peking um den Faktor 100 übertroffen worden sein.

Bei aller optischen Schönheit hinterlässt das Untergehen des Individuums in der Masse ein höchst ungutes Gefühl.

Wenn Tai Chi, eigentlich ein meditativer Sport, von Tausenden von Soldaten gleichzeitig ausgeübt wird, macht das eher Angst. Wären nicht immer wieder Szenen mit Kindern, den ungekrönten Kaisern Chinas, sowie leisere Musikstücke eingeflochten worden, der Eindruck wäre noch zwiespältiger gewesen.

Spektakulärer Globus

Das Motto der Spiele «One World One Dream» wurde durch einen riesigen Erdball symbolisiert, einem der spektakulärsten Elemente des Abend. Er diente als Turngerät für Akrobaten, die offenbar keine Schwerkraft kannten, sowie als Projektionsfläche für allerlei Bildbotschaften.

Unter den 91'000 Zuschauern im Stadion befanden sich auch rund 80 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt: an ihrer Spitze der amerikanische Präsident Bush, der französische Staatspräsident Sarkozy und der russische Ministerpräsident Putin. Die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Grossbritannien und Kanada blieben dem Ereignis jedoch fern.

Aus 20 Min:

Gigantische Eröffnungsfeier in Peking

Als offizieller Vertreter weilten Bundespräsident Pascal Couchepin und dessen Gattin Brigitte vor Ort.

(Quelle: Zattoo)

Der kolossale Beginn der Eröffnungszeremonie

(Quelle: YouTube)

Kommentar: Vor wenigern Tagen sah ich einen Dokumentarfilm aus einer gigantischen Fabrik in China. Die Eröffnungsfeier erinnerte mich immer wieder an die Arbeiter der besagten Fabrik. Unifomiert sassen hunderte von Arbeitern und Arbeiterinnen an Fliessbändern und verhielten sich roboterähnlich ohne zu reden. In der Pause bewegten sich die Masse auf einen Platz und mussten sich in Viererkolonne vor dem Kontrolleur aufstellen. Dann wurde die Arbeit beurteilt und einzelne Personen vor der Gruppe kritisiert. Bei der Eröffnungsfeier kamen mir immer wieder diese unglaublichen Aufnahmen der normierten Fabrik in den Sinn. Verzicht auf jegliche Individualität. Es ist erstaunlich, wie Menschen in China in kurzer Zeit so abgerichtet werden können (Erziehung, Schule, Sport), dass sie das Einordnen und Unterordnen als völlige Selbstverständlichkeit akzeptieren und der Wunsch nach Individualität gleichsam abgestorben ist. Bei der Eröffnungsfeier hatte sich jeder Mitwirkende gewiss stolz eingeordnet und untergeordnet, weil für ihn individuelle Ansprüche keinen Platz haben und er froh ist, dass er seinem Land dienen darf. Diese für den Westen ungewöhnliche Einstellung hat für mich etwas Unheimliches.

Zahlen zur Eröffnungsfeier der 29. Olympischen Spiele

– 91 000 Zuschauer verfolgten die Feier live im «Vogelnest»

– 4 Milliarden TV-Zuschauer sahen weltweit zu

– 14 000 Darsteller nahmen an der Eröffnungsfeier teil

– 15 153 verschiedene Kostüme wurden präsentiert

– 258 000 Quadratmeter gross ist die Fläche im Innern des Stadions

– 300 Tonnen wog das gesamte Beleuchtungs-Material

– 35 Minuten Verspätung handelten sich die Organisatoren beim Einmarsch der über 1 000 Athleten aus 204 Nationen ein.

Quelle:

Blick.ch LIVE in Peking

Nachtrag:

Es ist nachvollziehbar, dass Journalisten und Politiker von der überwältigenden Show begeistert waren und den Zusammenhang Propaganda - pompöser Pracht nicht mehr beachteten. So wie die Sportwelt 1936 vor dem Diktator paradierte und durch die bombasitischen Präsentationen der Nazis schon damals den Zusammenhang zur politischen Absicht nicht erkannt hatten, so blieb in Peking am 8.8.08 vielen Beobachtern bei der einmaligen Gigantenshow ebenfalls der Atem - vielleicht auch der kritische Geist - weg. Selbst unser Bundespräsident schwärmte von der Eröffnungsfeier. Trotz der Begeisterung für so eine perfekte Massendarstellung und das bis ins letzte Detail inszeniert Schauspiel sollten wir die politische Instrumentalisierung dieser Orchestrierung der Massen nicht übersehen. Peking gelang es am 8.8., die Welt - mit einer einmaligen, kostspieligen überwältigenden Darstellung - sich als modernes erfolgreiches Land zu inszenieren. Diese gespenstisch , farbenprächtige, pathetische Massendarstellung übertünchte völlig die totalitäre, menschenverachtende Seite des Staates, der alles im Griff hat - auch die Medien und die Freiheiten des Einzelnen. Wir werden wahrscheinlich nicht mehr so rasch so eine monumentale Schauveranstaltung sehen können. Peking gelang es, mit diesem Auftakt das Pfauenrad zu schlagen und die Zensur, Kinderarbeit, die Unterdrückung des Tibets aber auch die Umweltzerstörung dank der suggestiven Kraft der Bilder aus den Köpfen der geladenen Gästen und den Millionen Zuschauern zu tilgen. Alle Propagandaveranstaltungen bezwecken vor allem eines: Das hässliche Gesicht der Wahrheit soll verdrängt werden. Alle Massenveranstaltungen, alle Vorführungen im perfekten Gleichschritt haben immer etwas Faszinierendes, sei es ein militärischer Vorbeimarsch, eine begeisterte Menschenmenge, eine Massenveranstaltung. Die Beobachtenden lassen sich in der Masse leicht täuschen. Es ist so, als werde bei Massenphänomenen ein Teil unseres Gehirns ausgeschaltet.

Uebrigens:

Diktaturen können sexy sein kann, vor allem dann, wenn sie das Publikum mit Pomp, Pauken und Trompeten einzulullen verstehen. Auch in Peking wird es bestimmt den Sportlern gut gefallen. Sie werden die chinesische Gastfreundschaft genießen und nur gute Eindrücke mit nach Hause nehmen. Die Sportreporter werden fleißig berichten und jeden Tag den Medaillenspiegel aktualisieren. Und wenn alles vorbei ist, werden alle respektvoll finden - niemand müsse sich für etwas entschuldigen, wofür man nicht verantwortlich ist. Niemand stört es, dass nach den Spielen, die Dreckschleudern wieder wie vor den Spielen in Gang gesetzt, Hunde gegessen, Kinderarbeit zugelassen, Medien geknebelt, Menschenrechte weiterhin mit Füssen getreten werden .

Freitag, 8. August 2008

SVP attackiert Schmid - der Verteidigungsminister kontert

Seit die SVP im Bundesrat nicht mehr vertreten ist, verliert sie an Medienpräsenz. Deshalb versucht sie mit allen Mitteln den missliebigen angeblich führungsschwachen Bundesrat Schmid zum Rücktritt zu bewegen. Schmid fühlt jedoch sich vom Volk getragen und kann nicht zum Rücktritt gezwungen werden. Deshalb wird die SVP mit anderen z.T. fragwürdigen Mitteln den angeschossenen Magistraten das Leben schwer zu machen.

«Die Armee ist geführt»: Bundesrat Samuel Schmid.

«Die Armee ist geführt»: Bundesrat Samuel Schmid. (Bild: Keystone)

Ich zitiere 20 Minuten:

Schmid schiesst zurück

Bundesrat Samuel Schmid geht in die Offensive:

Der Verteidigungsminister bezeichnet die Rücktrittsforderung der SVP als politische Erpressung

Für einmal liess der Vorsteher des Eidgenösssischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport(VBS)nichts anbrennen:

Ungewöhnlich scharf reagierte Bundesrat Samuel Schmid auf die Attacke seiner früheren Partei, der SVP. Diese verlangt von Schmid den Rücktritt, sonst will sie alle künftigen Rüstungsgeschäfte abschiessen. «Als vom Parlament gewähltes Mitglied der Landesregierung stelle ich mich hinter die staatlichen Institutionen Armee und VBS», schreibt jetzt der VBS-Chef in einer Erklärung. «Es ist nicht akzeptabel, dass sie von einer politischen Partei aus fadenscheinigen Gründen als Geisel genommen werden.»

Kommentar: Bundesrat Schmid hat sicherlich gravierende Fehler gemacht. Ob jedoch die Rechnung der SVP aufgeht, darf bezweifelt werden. Schmid hat es zwar bis anhin verstanden seinen Pelz, der oft nass geworden ist, immer wieder abzuschütteln und nach allen Kritiken mit einem blauen Auge davon zu kommen. Nur die ungewohnt heftige Reaktion des sonst so ruhigen Berners ist für mich ein Hinweis, dass es dem Verteidigungsminister nicht mehr so ganz wohl ist in seiner Haut und er damit rechnen muss, dass ihm die SVP das Leben tatsächlich ernsthaft sauer machen könnte. Ich zweifle auch nicht daran, dass es der SVP ernst ist mit der angekündigten Drohung. Die unheilige Allianz zwischen Links und Rechts bei Rüstungsfragen kann Samuel Schmid nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen.

Ein Konflikt, der ernst genommen werden muss

tagi-online:

Russen liefern sich heftige Kämpfe mit Georgiern

Krieg am Kaukasus: In der abtrünnigen Region Südossetien liefern sich russische Truppen heftige Gefechte mit georgischen Soldaten.

ich zitiere 20 Min online:

Offenbar 1400 Tote am Kaukasus

Der Militärkonflikt zwischen Georgien und Russland um Südossetien eskaliert. Bis zu 1400 Menschen sollen bei Kämpfen und Bombardierungen getötet worden sein. Russland hat Georgien bombadiert. Georgien hat die Hauptstadt Zchinwali der abtrünnigen Region Südossetien eingenommen.

Die Zahl von 1400 Toten nannte am Abend der Präsident der nicht anerkannten Region Südossetien, Eduard Kokojty. Informationen von unabhängiger Seite lagen allerdings nicht vor. Die NATO und die EU reagierten besorgt auf die Eskalation der Lage. Der Sicherheitsrat plante für den Abend eine weitere Dringlichkeitssitzung.

Georgien hatte in der Nacht zum Freitag eine Grossoffensive gegen Südossetien mit Panzern, Kampfjets und Raketen gestartet, um das abtrünnige Gebiet «zurückzuerobern». Im Visier der Streitkräfte befand sich insbesondere die südossetische Hauptstadt Zchinwali.

Die Stadt sei «beinahe vollkommen» zerstört worden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die russischen Friedenstruppen vor Ort. Demnach starben zehn russische Soldaten beim Beschuss von Kasernen.

Moskau drohte umgehend mit Vergeltung. «Wir können den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen», erklärte Präsident Dmitri Medwedew. Zusätzliche russische Panzer und Truppen machten sich auf den Weg in die Region.

Georgien und Russland lieferten sich den ganzen Tag über einen Propagandakrieg. So meldete Georgien, russische Kampfjets hätten georgische Orte bombardiert. Moskau wies diese Angaben als «Unsinn» zurück. Offen blieb auch, ob die georgische Luftwaffe tatsächlich fünf russische Flugzeuge über Südossetien abgeschossen hat.

Kommentar: Dieser jüngste ernst zu nehmende Konflikt macht uns bewusst, wie schnell militärische Auseinandersetzung aus den Fugen geraten können.

Es muss nur eine Grossmacht unbedacht handeln.

Ein Grund mehr, Verteidigungsinstrumente nicht vorschnell abzuschaffen.