Donnerstag, 7. August 2008

Parteien nutzen Sommerloch in den Medien

Illustration 20 Min-online:

Sommerloch

Parteien tun alles, um in die Schlagzeilen zu kommen

Mit zusätzlichen Medienkonferenzen versuchen die Parteien, sich während des Sommerloches Aufmerksamkeit zu verschaffen. An Themen fehlt es nicht.

Dicke Post -

Die Pressezensur in China mit der Sperrung rechtsextremer Seiten bei uns zu vergleichen, löst eine Welle der Empörung aus.

Michael Vesper hat mit seinen Äußerungen für große Empörung gesorgt.

"Tibet soll frei sein", fordern die Protestierenden.
Gleichsetzung mit Nazi-Seiten Vesper sorgt für Empörung

Michael Vesper, der Chef der deutschen Olympia-Mannschaft, verharmlost die chinesische Zensur und vergleicht diese mit der Sperrung von nationalsozialistischen Webseiten in Deutschland. Die Berliner Morgenpost findet, dass es durchaus "erstaunlich" sei, "mit welcher Leichtigkeit der Chef der deutschen Olympia-Mannschaft seine skandalöse Verharmlosung zu bagatellisieren versucht. Er, der Interessenvertreter der deutschen Sportler in Peking ist." Die Zeitung erinnert daran, dass in der Bundesrepublik Funktionäre und Politiker "schon wegen weit weniger missratener Vergleiche aus dem Amt geschieden" seien. In Vespers Fall wäre das auch wünschenswert, doch bleibe es "leider unwahrscheinlich. Denn Vesper befindet sich in schlechter, aber einflussreicher Gesellschaft. Das Internationale Olympische Komitee hat es schon lange aufgegeben, bei den Chinesen auf Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen zu bestehen." Das Offenburger Tageblatt schlägt dieselben Töne an, wenn sie schreibt: "Ein Wort der Entschuldigung wäre von Vesper angebracht. Doch daraus wird nichts werden. Denn Vesper hat sich gut im Internationalen Olympischen Komitee assimiliert, das sich beim chinesischen Regime anbiedert." Die Zeitung findet, dass schon es schon ein Fehler gewesen sei, die Spiele überhaupt an Peking zu vergeben. "Wer mit dem Sportereignis den Einzug der Demokratie in China erwartet, der irrt. China hat sich noch nie von außen bewegen lassen. Weder durch Druck noch durch Schulterklopfen á la Vesper." Die Zeit meint jedoch, dass die chinesische Regierung in diesem Jahr dennoch eine "erschütternde Erfahrung" mache, denn sie entdecke "schmerzhaft den Pluralismus". Dabei merke sie, so das Blatt weiter: "Beim globalen Image eines Landes kommt die Macht weder aus Gewehrläufen noch aus den Fabriktoren und schon gar nicht aus dem Propagandaministerium, sondern aus Köpfen von Individuen. Im April musste die KP mit ansehen, wie ihre arme, hilflose Fackel dem Wilden Westen ausgesetzt war. Nun ist es noch schlimmer: Der Wilde Westen ist jetzt da, mitten in Peking, und das mit seinen Soldaten und Polizisten und Internetzensoren scheinbar so starke Regime ist diesem Westen, wenn es um Bilder und Image geht, ausgeliefert." Die Landeszeitung Lüneburg ist auch der Meinung, dass die "wahre olympische Herausforderung" für Peking nicht in den Wettkampfstätten warten würde, "sondern in der Randdisziplin staatlichen Selbstbewusstseins (namens) Gelassenheit. Die Hürde einer aggressiv demonstrierten Gegenmeinung ist sehr hoch für eine Zivilisation, die lange vor Marx und Mao ein konformistisches Ideal pflegte. Und der Crash-Kursus in Meinungsvielfalt für die Ein-Parteien-Diktatur geht weiter. Zu verlockend ist die olympische Medienpräsenz. Vermutlich ist der Nachhall von Protesten gegen Pekings Tibet-Politik im Westen größer als der Nutzen für Tibet selbst. Forderungen nach Unabhängigkeit sind zwar plakatgerecht, angesichts der historischen Realitäten aber allzu plakativ. Wer eine Abspaltung Tibets von China fordert, facht lediglich nationalistische Ressentiments

Kommentar: Anstatt über die Bücher zu gehen und sich für friedliche Spiele zu engagieren, schützt sich der Chef der deutschen Delegation mit einer billigen Selbstschutzbehauptung. Der hinkende Vergleich soll von der eigenen Schuld ablenken. Wir finden dies dicke Post.

Nachtrag 20 Min-online:

Olympische Spiele 2008

Schockierender TV-Spot wirbt für Menschenrechte

Eine Schweizer Werbeagentur lanciert zum Start der Olympischen Spiele in Peking einen Spot für die Menschenrechte in Tibet. Er wird in Fernsehen und Internet gezeigt.

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Schockierender TV-Spot für Menschenrechte

Der Startschuss zum 100-Meter-Lauf fällt, die Athleten sprinten los. Einer aber bleibt liegen, getroffen von der Kugel. Mit dieser ebenso simplen wie effektvollen – und nicht ganz neuen – Botschaft wirbt die Zürcher Agentur Euro RSCG für «Spiele mit Menschenrechten». Leiter der Agentur ist Frank Bodin, einer der bekanntesten Werber der Schweiz. Er engagiert sich seit Jahren für die Sache der Tibeter.

«Seit mehr als zehn Jahren betreue ich Kampagnen für Tibet», sagte Bodin zu 20 Minuten Online. Und das kostenlos, «aus unserem Kulturprozent». Er sei kein Buddhist, habe aber den Dalai Lama und die Kultur kennengelernt und sei begeistert von den Menschen, erklärte Bodin weiter. Für seine Solidaritätsaktionen konnte er unter anderem die Hollywood-Stars Richard Gere und Oliver Stone gewinnen.

Unterstützung für «Team Tibet»

Zuletzt unterstützte Euro RSCG die Bestrebungen, ein eigenes «Team Tibet» an die Olympischen Spiele zu schicken. Das Internationale Olympische Komitee lehnte ein entsprechendes Gesuch jedoch ab, weshalb «Plan B» in Kraft trat, wozu unter anderem ein Parallel-Fackellauf der Tibeter und die Realisierung des Spots gehörten. «Wir sind eigentlich völlig unpolitisch», so Frank Bodin, «aber die Menschenrechte dürfen bei den Olympischen Spielen nicht ausgeblendet werden».

Das von der Bieler Regisseurin Christine Wiederkehr gedrehte Video wird unter anderem auf den Fernsehsendern 3+, Pro7 und Kabel 1 ausgestrahlt, und zwar ebenfalls kostenlos. Ausserdem soll es auf diversen Plattformen im Internet erscheinen und eine weltweite virale Verbreitung erfahren. Gegen den Vorwurf der Blauäugigkeit wehrt sich Werber Bodin: «Die Menschenrechts-Thematik muss diskutiert werden, denn in Tibet herrschen krasse Verhältnisse.»

(pbl)

Umfrage

Olympische Spiele in Peking sind ein Fehler

Nach 20 Min online finden es 71 Prozent schlecht, dass die Sommerspiele in Peking ausgetragen werden. Und fast ebenso viele Schweizer bescheinigen dem IOC, zu wenig in Sachen Menschenrechte zu unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage.

Kommentar: Ich befürchte, dass Bundespräsident Couchepin nach Peking reist und den Mut nicht aufbringt, als Politiker die Zensur, das Nichteinhalten der Medienfreiheit während der Spiele und die Knebelung der Menschenrechte laut zu verurteilen. Couchpin wird sagen: Wir sind neutral und es geht jetzt nur um Sport.

1. Couchepin ist nicht Sportminister. Er ist Politiker.

2. Auch ein neutrales Land darf nicht schweigen, wenn friedliche Spiele missbraucht werden.

3. Als die Nazis 1939 die Olympischen Spiele in Berlin missbraucht hatten, hätte man damals die Aktionen auch nicht passiv dulden sollen.

Reaktionen zu Couchepin in China

«Nicht sagen ist falsch»

Bundespräsident Couchepin will China in Sachen Menschenrechte nicht auf die Anklagebank setzen. Das stösst bei Parlamentariern aller Couleur auf Unverständnis. Sein Besuch in Peking sei eine gute Gelegenheit für Kritik.

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Nachtrag: Bundespräsident Couchepin will in Peking nicht den Schulmeister spielen. Er will die Chinesen nicht beleidigen. Wie vermutet, nimmt er zu den Menschenrchtsverletzung keine Stellung.

Interessant: In der Schweiz spielte er immer wieder den Schulmeister und massregelte stets seine politischen Gegner. Da nimmt er kein Blatt vor den Mund. Wenn es aber um Demokratie, Medienfreiheit, Zensur, Meinungsfreiheit und Unterdrückung geht, schweigt unser Bundespräsident. So wie wir ihn kennen, wird er sich von niemandem umstimmen lassen. Nach dem Motto: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Wir überreichen Pascale Couchepin symbolisch das Bild mit den drei Affen.

Mittwoch, 6. August 2008

Clemens Rauswurf schadet der SPD

In der Schweiz hat sich die SVP mit dem Rauswurf der neuen Bundesrätin stimmenmässig geschadet. Der SPD - die bereits in einem Tief war - geht es noch schlechter. Kurt Beck schadete der SPD mit dem Rauswurf von Clemens ebenfalls.

Auweia: Die SPD hat sich mit dem Rauswurf des Ex-«Superminister» Wolfgang Clement einen Bärendienst erwiesen. (Reuters)

Ich zitiere blick-online:

Der Ausschlussentscheid gegen Clement durch die Schiedskommission des SPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen hat verheerende Auswirkungen für die Sozialdemokraten: Sie stürzen in der jüngsten Umfrage auf 20 Prozent ab.

Die Partei hatte zur Wochenmitte, bevor die Schiedskommission ihre Entscheidung bekanntgab, noch bei 23 Prozent gelegen. Das ergab die wöchentliche Forsa-Umfrage für das Magazin «Stern» und den Sender RTL.

Im Wochendurchschnitt ergibt sich daraus ein SPD-Wert von 22 Prozent – immerhin ein Punkt mehr als in der Vorwoche. In weiter Ferne bleibt die CDU: Sie kam wie vor Wochenfrist auf 38 Prozent, die FDP fiel um einen Punkt auf elf Prozent. Die Linke erreichte unverändert 14 Prozent, die Grünen verharrten bei zehn Prozent.

Damit hat das schwarz-gelbe Lager mit 49 Prozent drei Punkte mehr als SPD, Grüne und Linkspartei, die zusammen auf 46 Prozent kommen.

Mehrheit gegen Parteiausschluss

Einen Parteiausschluss von Clement hält eine breite Mehrheit in der Bevölkerung für falsch. In einer Forsa-Umfrage für den «Stern» sprachen sich 68 Prozent aller Bürger dagegen aus, lediglich 17 Prozent befürworteten einen Rauswurf.

Bei den SPD-Wählern waren bundesweit gar 71 Prozent gegen den Ausschluss, 19 Prozent dafür. In Clements Stammland Nordrhein-Westfalen sprachen sich 69 Prozent der SPD-Wähler dagegen und 20 Prozent dafür aus.

Entscheid spaltet SPD

Am 31. Juli war bekannt geworden, dass die Schiedskommission des SPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen Clement wegen parteischädigenden Verhaltens aus der SPD ausschliessen will. Der Entscheid löste einen heftigen parteiinternen Streit aus.

Damit ist offensichtlich: Kurt Beck hat ein Eigencoal geschossen

Nachtrag n-tv:

Mit eigenem Video berühmt werden und Geld verdienen?

bild.de:

lonelygirl

Berühmt durch Youtube Video-Promis: Jeder ist ein Star!

„Video Killed the Radio Star!“ Schon 1979 prophezeiten „The Buggles“ mit diesem Lied den Einfluss von Videos. Aber wer hätte gedacht, dass irgendwann einmal jeder Normalbürger prominent werden kann – nur mit einem kleinen Filmchen von sich...

Dank Internet ist das Medium Film zur Promi-Schmiede für jedermann mutiert. Frei nach dem Motto: Mach ein schräges Video von dir, stell es auf der Plattform Youtube online und mit ein bisschen Glück kennt dich bald die ganze Welt.

Etliche Privatleute sind mittlerweile nur deshalb berühmt, weil es ein Video von ihnen gibt.

Kommentar: Es ist schon erstaunlich, dass das Internet in der Medienlandschaft so eine Eigendynamik entwickelte. Wer im netz mit eignen Videos einen Durchbruch schaffen will, muss berücksichtigen:

- Die Produktion darf keine Kopie sein

- Das Video sollte attraktiv sein

- Neues, Humorvolles, Aussergewöhnliches, Besonderes, Unterhaltendes hat eine grössere Chance, den Durchbruch zu schaffen.

Medienwirksame Aktion - trotz harter Polizeipräsenz

spiegel-online:

OLYMPIA

Erste Anti- China- Proteste in Peking

Genau solche Aktionen wollte der chinesische Sicherheitsapparat verhindern: Vier ausländische Tibet-Aktivisten haben nahe des Olympia-Stadions gegen die Politik Pekings protestiert. Die Demonstranten wurden von der Polizei abgeführt. mehr... [ Video | Forum ]

Trotz riguroser Polizeimassnahmen, trotz Medienmanipulationen und Zensur wird es weiterehin zu ähnlichen unvorhersehbaren Aktionen kommen, die dann von ausländischen Fotografen verbreitet werden.

Tagi-online:

tibet

Tibet-Aktivisten in Peking festgenommen

Vier Demonstranten aus Grossbritannien und den USA haben vor dem Olympiastadion in Peking Protestplakate aufgehängt

Dienstag, 5. August 2008

Trailer über Bush Film gibt zu reden

20 min.online:

Bush-Film heizt den Wahlkampf an

Hollywood-Regisseur Oliver Stone ist immer für eine Kontroverse gut. «W», sein neuestes Werk über das Leben von George W. Bush, dürfte da keine Ausnahme machen. Und nun wurde bekannt: Die Biographie kommt noch vor den Wahlen ins Kino. Einen Vorgeschmack liefert der erste Trailer.

Der erste Trailer von «W».

Schon die Ankündigung von Oliver Stones neustem Projekt sorgte für Aufsehen. Der Regisseur nahm sich unter dem Titel «W» die Biographie von George W. Bush vor. Der bekennende Anhänger der Demokraten hat kontroverse Filme wie «Platoon», «JFK» und «Natural Born Killers» gedreht und sich mit politischen Statements nie zurückgehalten. Entsprechend hoch waren die Erwartungen oder Befürchtungen.

Hauptdarsteller Josh Brolin etwa, gerade durch den Oscar-Abräumer «No Country for Old Men» bekannt geworden, wollte anfangs nichts von der Rolle wissen. Erst nachdem er das Drehbuch gelesen hatte, änderte er seine Meinung: «Ich rechnete mit einem Linksaussen-Bashing des Präsidenten, doch es war ganz anders», erklärte er der «Los Angeles Times».

Bewunderung für Bushs Standhaftigkeit

Hat Oliver Stone gar eine positive Bush-Biographie gedreht? Völlig überraschend käme das nicht. Bereits in «Nixon» zeigte er einige Sympathien für den Watergate-Skandalpräsidenten. Und mit dem patriotischen Grundton seines letzten Films «World Trade Center» enttäuschte er viele seiner Fans. Stone, der an der Elite-Uni Yale für kurze Zeit zusammen mit dem Präsidenten studiert hatte, betonte in der «Los Angeles Times», er sei ganz klar kein Fan von Bushs Politik, bewundere aber dessen Standhaftigkeit und Ehrgeiz.

Was mich interessiert: Kann dieser film das angeschlagene Image der Präsidenten wesentlich beeinflussen?