Mittwoch, 18. Juni 2008

PANNE!

Quelle 2 Min blick:

Peinliche Panne
Nazi-Hymne am Schweizer Fernsehen
Von Lukas Rüttimann | 08:28 | 18.06.2008

ZÜRICH – Da verschlugs nicht nur den Gehörlosen die Sprache: Beim Match Deutschland – Österreich auf SF 2 lief die Nazi-Hymne!

Teletext Eingeblendet war der Text der ersten Strophe, die während der Nazizeit ge­sun­­gen wurde. (SF)

Schlimmer Fehler beim Euro-Knüller Deutschland – Österreich am Montagabend auf SF 2: Wer den Teletext auf Seite 777 eingeschaltet hatte, staunte, als in den eigentlich für Gehörlose gedachten Untertitelungen folgende Worte zur deutschen Nationalhymne eingeblendet wurden:

«Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt ... »

Deutschland, Deutschland über alles?

Vielen Besuchern in Bars und Restaurants, welche die Laufschrift wegen dem Lärmpegel eingeschaltet haben, vergeht dabei Hören und Sehen. Denn die erste Strophe des sogenannten «Deutschlandlieds» wurde im Dritten Reich von den Nationalsozialisten missbraucht, gilt bis heute als Nazi-Hymne. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges wird deshalb an offiziellen Anlässen nur noch die dritte Strophe gesungen («Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland ... »). Swiss Text entschuldigt sich «Das war ein unverzeihlicher Fehler – wir entschuldigen uns in aller Form dafür», erklärt Gion Linder, National Coordinator Subtitling beim SRG-Ablegers Swiss Text in Biel. Der Fauxpas sei allerdings nicht in böser Absicht passiert: Zwei junge Sportredaktorinnen, welche sonst nur den Kommentar der Reporter vor Ort eintippen müssen, hätten bei der Recherche versagt – und die falsche Strophe aus dem Internet einkopiert. Linder: «Wir haben mit den beiden betroffenen Untertitlerinnen das Gespräch gesucht, damit solche Fehler nicht mehr vorkommen.» Eine Entlassung müssen die beiden nicht befürchten.

Aber wie wärs mit einer Gratislektion Geschichte – Hauptthema Nationalsozialismus? Linder: «Das ist eine gute Idee, wir werden das prüfen.»

Nachtrag Blick-online 20- Juni:

Die gute Nachricht: Beim Match Deutschland – Portugal wurde gestern die richtige Strophe eingeblendet. Kein Wort mehr von «Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt». Die historisch behaftete «Nazi-Strophe», die zwei junge Untertitlerinnen am Montag fälschlicherweise ins System tippten – sie blieb diesmal ­unerwähnt.

Trotzdem hat die SRG-Tochterfirma Swiss TXT in Biel schwierige Tage hinter sich. Denn der Fauxpas mit der «Nazi-Hymne» sorgte weltweit für Schlagzeilen (siehe unten). Neben Interview-Anfragen aus dem In- und Ausland gingen bei der Schweizerischen Teletext AG sogar Drohungen ein. Am Telefon bedroht «Vor allem aus den USA sind wüste Beleidigungen bei mir eingetroffen. Ich wurde am Telefon sogar als Nazi beschimpft – und man drohte, den World Jewish Congress einzuschalten», sagt Gion Linder, als National Coordinator Subtitling verantwortlich für die Untertitlerinnen. Wiederholt sei von ihm gefordert worden, man müsse die beiden Angestellten entlassen. Linder: «Wenn der Fehler bewusst passiert wäre, müsste man darüber diskutieren. Doch das Ganze passierte in der Hitze des Gefechts – weil am Montag eine vorbereitete Datei nicht auffindbar war.» Etwas Gutes hat die Panne. Nicht nur habe sich gezeigt, dass der Hörbehindertendienst rege genutzt werde, sagt Linder. Der Zwischenfall habe auch eine Auseinandersetzung mit einem Thema beschleunigt, das fällig war: «Wir prüfen jetzt grundsätzlich, inwiefern Abweichungen bei den Untertitelungen problematisch sind.»

Kommentar: Diese Geschichte macht deutlich, dass Untertitelungen nicht nur für Gehörlose ein wichtiger Kommunikationskanal ist, der nicht nur so nebenbei bearbeitet werden darf. Auch bei Krimis stellte ich fest, dass der gesprochene Text mit der Untertitelung nicht übereinstimmte und Aussagen leichtfertig umformuliert wurden.

Kaum getauft - Probleme mit dem Namen BPS

Die abgespaltete SVP- Partei wollte bewusst auf das Wort Volkspartei verzichten, weil dies zu sehr nach Schweizerischer Volkspartei tönt und wählte den Namen:

Bürgerpartei der Schweiz (BPS)

Quelle nzz- online:

Kaum haben die aus der Mutterpartei verbannten Bündner SVP-Mitglieder einen neuen Namen gefunden, regt sich dagegen auch schon Widerstand. Die Bürgerpartei der Schweiz (BPS) hat der neuen Bürgerlichen Partei Schweiz den Missbrauch ihres Namens vorgeworfen. Sie fordert sie ultimativ bis zum 30. Juni auf, den Namen zu wechseln und droht andernfalls mit rechtlichen Schritten.

Die BPS habe mit grösstem Befremden und Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass sich unter dem Namen Bürgerliche Partei Schweiz (BPS) die ehemaligen der SVP Kanton Graubünden und jene aus der Berner SVP neu positionieren wollten.

Die Bürgerpartei Schweiz bestehe seit dem 22. April 1996 und sei seither vor allem bei Eidgenössischen Vorlagen tätig geworden. Sie verfolge eine klare bürgerliche Politik und unterstütze den harten und unmissverständlichen Kurs des abgewählten Bundesrates Christoph Blocher und seiner Zürcher SVP. Der Auftritt der neuen Bürgerlichen Partei Schweiz unter ihrem Kürzel sei daher ein Affront. (Ende Zitat)

Ultimatum?

Die Bürgerpartei Schweiz droht mit rechtlichen Schritten. Sie fordert die Bürgerliche Partei Schweiz auf, bis am kommenden 30. Juni den Namen zu wechseln. (Missbrauch einer Abkürzung / es bestehe bei Wahlen eine offensichtliche Verwechslungsgefahr.

Die von der SVP Schweiz ausgeschlossenen Bündner Parteimitglieder wollen jedoch unter dem Namen «Bürgerliche Partei Schweiz» weitermachen.

Wechselt die neue Partei den Namen nach der Taufe?

Von der Existenz der «Bürgerpartei Schweiz» habe man nicht gewusst, sagte Heinz Dudli, Chef der Bündner Grossratsfraktion der neuen «Bürgerlichen Partei Schweiz» sagte, er habe Von der Existenz der «Bürgerpartei Schweiz» nicht gewusst. Man werde die Sache abklären. Dudli liess wissen, dass ein allfälliger Wechsel des Namens nicht ausgeschlossen sei. Die Namensgebung der neuen Partei sei nicht endgültig.

Kommentar:

Die Gründung einer neuen Partei ist kein Sonntagsspaziergang. Es sind schone viele Neugründung an den Finanzen gescheitert. Der Aufbau der Infrastruktur ist mit enormem Aufwand verbunden. Falls die mit Elan gestartete Abspaltung nach der Taufe den Namen wechseln müsste, so wäre dies dem Branding der neuen Partei nicht förderlich.

Order et contreordre gibt bekanntlich désordre.

Dass die neue Partei den Start zu wenig professionell an die Hand genommen hat, macht eine aktuelle Meldung deutlich.

Hinsichtlich Internetauftritt wäre nun die Partei auch noch auf die SP angewiesen, denn ausgerechnet die SP reservierte die Domain für die neue Bürgerpartei, weil die neue Partei die Reservierung des Namens vergessen hatte.

Nachtrag:

Die Thuner Sozialdemokraten leisten der ausgeschlossenen Bündner SVP, die sich neu Bürgerliche Partei Schweiz (BPS) nennt, Hilfe für deren Online-Auftritt.

Die Partei-Exponenten hatte es nämlich auch verpasst, rechtzeitig ihre Internet-Domain zu reservieren, schreibt die SP Thun heute in einer Mitteilung. Der Thuner SP-Stadtrat und Grossrat, Patric Bhend hatte dies getan. Unter der Domain wünscht er den ehemaligen SVP-Mitgliedern «herzliche Gratulation zur Zivilcourage» und «viel Erfolg... aber nicht zuviel ;)». Er freue sich darauf, mit der Bürgerlichen Partei wieder in Anstand um politische Positionen zu ringen.

Wahrlich kein gelungener Start. Eine abgespaltene SVP Partei, die hinsichtlich Domain auch noch auf die SP angewiesen ist.

Nachtrag 19. Juni:

Auch das noch!

Quelle 20 Min-online:

Jetzt kommen auch noch die «Büezer»

Vor noch nicht einmal einer Woche wurde die «Bürgerlichen Partei Schweiz» aus der Taufe gehoben. Bereits jetzt wird ihr Parteikürzel von allen Seiten angefochten. Neben der «Bürger Partei Schweiz» meldet sich nun auch noch die «Büezer Partei Schweiz». Die «Bürgerliche Partei Schweiz» prüft derzeit eine Namensänderung.

Die Mitglieder der «Bürgerlichen Partei Schweiz» an ihrer Versammlung vom 16. Juni 2008. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Gemäss Statuten will die «Büezer-Partei» ein Höchstmass an individueller Freiheit in allen Lebensbereichen erhalten und ausbauen. Sie setzt sich ein für die Interessen der arbeitenden Bevölkerung, des Kleingewerbes und des so genannten kleinen Mannes beziehungsweise der kleinen Frau. Zudem hat sich die Partei die Interessenvertretung der Auto- und Motorradfahrer sowie der Berufschauffeure auf die Fahne geschrieben.
Am Montag gaben die aus der SVP-Mutterpartei ausgeschlossenen Bündner den Namen ihrer neu gegründeten Partei bekannt: Bürgerliche Partei Schweiz, kurz «BPS». Seither werden aus allen Landesteilen Besitzansprüche für das Parteikürzel erhoben. Jüngstes Beispiel ist die «Büezer Partei Schweiz». «Wir haben die Büezer Partei am 4. März 2008 gegründet. Damals wussten wir natürlich nichts von der anderen Partei. Nun erheben wir Anspruch auf das Kürzel BPS», sagt Parteipräsident Patrick Lohri zu 20 Minuten Online. Für die Büezer Partei mit Sitz in Biel steht einiges auf dem Spiel: «Im Gegensatz zur ‹Bürger Partei› beabsichtigen wir bei regionalen Erneuerungswahlen anzutreten, wenn alle bürokratischen Hürden genommen sind. Daher kommt für uns eine Namensänderung nicht in Frage.» Man sucht das Gespräch – vorerst noch

Noch will Lohri nicht auf Konfrontationskurs. «Ich denke nicht, dass wir rechtliche Schritte einleiten werden, wenn die ‹Bürgerliche Partei Schweiz› darauf besteht, das Kürzel zu behalten. Zunächst wollen wir das Gespräch suchen. Ich gehe davon aus, dass mehrere Parteien das Kürzel verwenden können.» «Bürgerliche Partei Schweiz» prüft Alternativnamen Lorenz Hess, Pressesprecher der «Bürgerlichen Partei Schweiz», nimmt die neuerlichen Ansprüche auf das Namenskürzel gelassen entgegen. «Im Moment dreht sich die Debatte nur um das Kürzel und die Ansprüche darauf. Deswegen prüfen wir derzeit, was diesbezüglich juristisch möglich ist und was nicht», gibt Hess auf Anfrage bekannt. Bis zur Gründungsversammlung vom kommenden Samstag wolle man eine gute Lösung für das Problem präsentieren. «Ob das eine Namensretouche oder wenn nötig sogar einen Alternativnamen bedingt, klären wir noch ab. Morgen werden wir entscheiden, welche Option wir am Samstag vorstellen werden.» Selbst im Internet ist BPS bereits besetzt Auch in Bezug auf den Internetauftritt der «Bürgerlichen Partei Schweiz» sind derzeit noch einige Fragen offen. Der Domainname www.bürgerlichepartei.ch wurde nämlich bereits am späten Montagabend reserviert – vom Thuner SP-Grossrate Patric Bhend. Er habe die Domain umgehend besetzt, um allfälligen verärgerten SVPlern zuvorzukommen, erklärte er den Schritt. Auch der Domainname www.bps.ch ist bereits besetzt: Er steht für Banque Populaire Suisse (Schweizerische Volksbank), die von der Credit Suisse übernommen wurde. Bis jetzt sei allerdings noch keine Anfrage bezüglich Domainnamen eingegangen, teilte ein Sprecher der CS auf Anfrage von 20 Minuten Online mit. Lorenz Hess ist jedenfalls zuversichtlich, was den Internetauftritt der «Bürgerlichen Partei Schweiz» anbelangt: «Da gibt es andere Varianten für Domainnamen, die wir bereits vorher gesperrt haben. Je nach dem, was an der Gründerversammlung beschlossen wird, hat das auch Auswirkungen auf die Domaine.»

Kommentar: Kein gefreuter Start! Nicht nur bei Kommunikationsprozessen gilt:

Die Vorbereitung ist die halbe Miete!

Fortsetzung folgt.......

Doch noch den Rank gefunden

Tagi-online 21. Juni 08:

Bürgerlich-Demokratische Partei gegründet

bdp Die Dissidenten der SVP des Kantons Bern treten künftig unter dem Namen Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) auf. Erste Chefin ist Grossrätin Beatrice Simon.

BDP. Hoffentlich ist wenigstens dieses Kürzel im Internet gesichert worden. Zum Aussprechen braucht es gewiss einige Zeit, bis Be-De-Pe von allen leicht ausgesprochen werden kann.

Dienstag, 17. Juni 2008

Telemedial Linzenz entzogen?

Aus Standard-info:

Medienbehörde entzieht Heiler-TV Telemedial Lizenz

Telemedial konnte entgegen seiner Satellitenlizenz keinen regelmäßigen Sendebetrieb in Österreich nachweisen

Die Medienbehörde Komm-Austria hat nach STANDARD-Infos Donnerstag entschieden, dem deutschen Heiler-Kanal Telemedial die österreichische Sendelizenz zu entziehen. Telemedial habe entgegen seiner Satellitenlizenz keinen regelmäßigen Sendebetrieb in Österreich nachweisen können (DER STANDARD berichtete). Telemedial vermittelte Zuschauern, es könnte sie mit "Engelenergien" heilen. Die Eigendefinition als "immaterielles Teleshopping" bezieht sich auf die Leistungen des Senders, nicht auf die Bezahlung. Gegen den Lizenzentzug kann Telemedial beim Bundeskommunikationssenat berufen.

"Unlauter und kriminell"

Die Medienbehörde fand heraus: In Wien gebe es Berater, die ehrenamtlich für die Kanal Telemedial Privatrundfunk GmbH tätig seien, darüber hinaus derzeit jedoch keine weiteren (auch nicht ehrenamtlichen) Mitarbeiter, insbesondere auch kein technisches Personal wie Kameraleute oder sonstige Techniker. Die Entscheidung der Medienbehörde zu Telemedial finden Sie hier im Wortlaut: rtr.at.

Medienblogger Stefan Niggemeier verdanken wir die Mitschrift, was Senderchef Thomas Hornauer so von Initiativen gegen seinen Sender hält. Die Medienbehörde kann sich wohl einiges anhören. Der Vorgeschmack, zitiert aus Niggemeiers Blog:

"Keine verzerrende Meinungmache und keine politischen Verlinkungen auf irgendwelchen Behördeen oder Hinweise auf verzerrte Sachen! Wenn ihr das alleine tut, ist das schon kriminell. (…) Kanal Telemedial ist ein immaterieller Teleshop und kein öffentlich-meinungsmachender Rundfunksender wie die anderen. Sondern wir sind ein Teleshop, und ich bin der Verkäufer. (…) Und jeder, der mich zu unrecht in Frage stellt, verunglimpft mein Produkt zu unrecht. Und das ist strafrechtlich. Wenn das mehrere Menschen miteinander tun, dann ist das eine kriminelle Vereinigung. Und da können Euch dann auch schon die Telefone und alles abgehört werden. Für kriminelle Vereinigungen wie Terroristen oder wie kriminelle Vereinigungen wie die Mafia gibt es in Deutschland Sondergesetze. (…) Auch der Aufruf, Kanal Telemedial das Licht auszumachen (…), sind unlauter und kriminell und ich empfehle Euch dringend, das zu lassen. Wenn ihr über Kanal Telemedial tatsächlich sachlich und in Echtzeit darüber… oder ganz genau dokumentiert, das ist in Ordnung. Aber dann müssen wir darüber reden. (…) Ihr dürft nicht mit meiner Marke und mit meinem Namen und mit meinem Fernsehsender uns die Kraft abnehmen, indem ihr Euch über Suchmaschinen bei Google positioniert und so weiter, ist auch wieder eine Schwächung unseres Senders. (…) Tut nicht ordentliche Unternehmungen in dieser Art und Weise… verunglimpfen. (…) Selbstverständlich hat jeder, der sich mit Kanal Telemedial identifiziert, jeden Abend Kanal Medial studiert, 15 Euro und die Grundgebühren auszurichten, und die müsst Ihr jetzt bezahlen. (…) Also, wer uns zu einer Studie verwendet, kostet das mindestens, wenn es in dieser Art ist, 500 Euro Grundgebühr. Und die Nutzung des Namen Telemedial erlaube ich auch nicht. Ja? So. Das muss von uns genehmigt werden, dann vergeben wir die Lizenz." (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2008)


Quelle: YouTube

Link "Kanal Telemedial" auf YouTube

Kommentar:

Fragwürdiges Medienphänomen TELEMEDIAL ______________________________________ Ich zappte einmal vor Monaten durch das Fernsehprogramm und blieb zwangsläufig an einem oesterreichischen Sender hängen - dem Kanal Telemedial (Tagsüber ist es der Kinderkanal). Sonderbar: Ein Herr mit langen (fettigen?) Haaren sprach wirres Zeug von Energieaustausch, von Energie, die er bündelt und weitergeben kann. Die Sprache - abgehackt mit ellenlangen Pausen - die Gedanken in minutenlanges Schweigen eingebettet. Im Hintergrund esoterische Bilder - oft mit herzförmigen Symbolen. Vor ihm eine sonderbare Pyramidenkonstruktion.

Eine brennende Kerze auf dem altarähnlichen Korpus. Aus einer Schale stieg Weihrauch auf.

Das erste Mal ging ich davon aus, es handle sich um eine Satiresendung. Ich war der Meinung, der Akteur sei ein Kabarettist,der einen fragwürdigen Magier karrikieret. Die Plauderei vor Mikrofon und Kamera war dermassen grotesk, dass ich mir nicht vorstellen konnte, das Gesehene sei tatsächlich ernst gemeint. Nach wenigen Minuten wurde mir dann doch bewusst: Das abgehackte Wortgestammel ist keine Parodie! Ich hatte damals erstmals den umstrittenen Gründer des Senders Telemedial vor mir:

Thomas G. Hornauer!

Das Konzept ist insofern transparent, als die Hörer anrufen und sie wissen, dass sie die "die Energiezufuhr" oder den "Rat" (Hornauer spricht zwar immer nur von "Erlebnis") bezahlen müssen oder freiwillig zahlen dürfen. Hornauer kann von diesem "Energiegeschäft" sehr gut leben, denn wer von seiner Energiezufuhr profitieren will, zahlt happige Preise - z.T. bis 30 Euro. Wer das "Erlebnis" berappt, der darf sich entspannen und das Gesehene unbeschwert auf sich einwirken lassen. Am Schluss gibt Honauer dann den Rat, diese Sequenz nochmals zu Hause auf sich wirken zu lassen. Doch zahlt man dann für diese aufgezeichnete Sequenz erneut 30 Euro. Hornauer versteht offensichtlich das Geschäft. Wenn die Energiezufuhr beispielsweise von einer Depression befreien kann, so sei dies der Preis wert, moniert der selbsternannte Heiler.

Energie kostet

Nach meinen Recherchen forderte Hornauer schon 1997 die Zuschauer auf, die Energie über die eingeblendeten Telefonnummern auszugleichen. 2008 wurde der Betrag später auf 10 Euro reduziert. Die Leute konnten aber auch nur so viel zahlen, wie ihnen die Hilfe wert ist. Das Sehen einer Sendung kostet 4 Euro. Das Sehen des ganzen Abends 7 Euro. Dies - wohlverstanden nur als Mindestbetrag.

Der Sender wird zur Zeit immer noch in der Schweiz in Deutschland und Oesterreich ausgestrahlt. Damit läppern sich diese (angeblich bescheidenen) Beträge zu grossen Summen zusammen. Am 5. April erzählte Hornauer einer zweifelten Anruferin, dass die Sendung überhaupt nicht aufs Verstehen ausgerichtet sei, sondern es gehe lediglich ums Erleben - was einen Energieausgleich in Form von Spenden nötig mache. Nur wer sich bedingungslos auf die Sendung einlasse und "zu allem Ja sage", werde diese Energie empfangen. Das System ist einfach: Je mehr bezahlt wird, desto mehr Energie erhält der Zahlende. Raffiniert! Damit ist klar: Hornauer muss gar nicht so reden, dass man die triviale, endlose, sinnlose Plauderei verstehen muss. Hornauer kann stammeln, wirre Worte assoziativ daherreden, schweigen, lachen, tanzen, dilletantisch singen oder musizieren, dasitzen und atmen, trommeln usw. der Zuschauer hat nichts anderes zu tun, als sich auf alle Aktionen einzulassen, zu zahlen, um damit (als Lebenshilfe) Energie zu tanken. Das "Dabei sein" allein genügt . Nur die Einwirkung der Sendung muss man sich erkaufen.

Das System scheint sich auszuzahlen. Ich erfuhr an einem Abend am Bildschirm, dass Hornauer mehrere Autos hat und bereits im Ausland Land und Liegenschaften erwerben konnte .

An einem Abend schwärmte er davon, wie er sich mit seinem Mercedes auf deutschen Autobahnen entspannen könne, indem er sich mit der Geschwindigkeit von 250 km "befreie". Er empfahl dann den Zuschauern, dies ebenfalls zu tun. Man müsste lediglich Stellen suchen, wo es keine Lastwagen gibt.

Ein Medienphänomen

Mit der abstrusen Sendung hat Hornauer eine Marktlücke entdeckt, die einmalig ist und heute Tausende von Zuschauern in Bann zieht. Es ist wie bei einem modernen Künstler, der eine Kunstrichtung entdeckt hat, bei der er mit wenig Aufwand viel Geld verdienen kann. So gab es einmal einen Maler, der sich nicht mehr bemühte, aufwendig zu malen, sondern auf ein riesige Leinwand Farbe ausgoss, um sich hernach in dieser Farbe zu wälzen. Diese Bilder zählten später zur Kunst und wurden teuer gehandelt. Auch Hornauers Event ist wahrscheinlich durch die Einmaligkeit wertvoll geworden. Die Idee des Sendekonzeptes macht sich Grunde genommen bezahlt. Wer dieses einfache konzept nachahmen würde, könnte wahrscheinlich nicht mehr viel verdienen. Das Werk wäre dann auch nur noch ein Plagiat.

Hornauer muss zugestanden werden. Auch er schuf etwas, was es vorher in dieser Form noch nie so gab. Er verstösst darin gegen alle Regeln des professionellen Fernsehenmachens. Wie bei einer neuen Kunstrichtung, so könnte Hornhauers skuriles Modell einer Fernsehsendung nur noch kopiert werden. Telemedial hat hat bereits Kultcharakter. Man muss mit Magie, Religion oder Esoterik nichts am Hut haben, man verweilt dennoch ein paar Minuten im Telemedialkanal, selbst dann, wenn man sich ärgert oder den Kopf schüttelt. Die Sequenzen finden heute bei Youtube sehr grosse Beachtung (Dies ärgert zwar Kornbauer, weil er an diesen Sequenzen nichts verdient). Der Erfolg der Sendung liegt darin:

Das Besondere: Es gibt kein Drehbuch. Er plaudert einfach drauflos. Das "Still da sitzen" gehört mit zum Programm. Ueberlange Pausen sind keine Pannen. Die Sendungen sind stets völlig improvisiert. Es gibt minutenlange Hänger - oft geschieht nichts. Die Dramaturgie fehlt. Regieanweisungen gibt es während der Sendung. Beispielsweise sagt Hornauer zum ehrenamtlich arbeitenden Kameramann: "Robert, bitte nimm mich bitte mit den beiden hüschen Frauen ins Bild - so ist es schön ja - so - gut" (Dann strahlt er am orangen Tisch in die Runde und murmelt: "Schön dass ihr das seid."). Wenn ein Gast am legendären bananenförmigen Tisch spricht, so funktioniert das Mikrofon selten. Die Kamera ist vielfach am "falschen" Ort. Wenn die Teilnehmer monoton trommeln und tanzen, so kann dies endlos lang dauern. Der Zeitaspekt ist gleichsam ausgeschaltet - in einem Medium, bei dem sonst jede Sekunde zählt. Es gibt keine Schnitte, kein Drehbuch, keinen Zeitdruck. Man hört machmal Elemente buddistischer Meditationsklänge. Die Musikeinlagen sind dilletantisch. Amateurmusiker spielen zum Teil schrecklich falsch. Oft hat man das Gefühl, sie improvisierten in Trance - unter Drogen? - ausschliesslich für sich selbst. Niemand scheint sich bewusst zu sein, dass das Ganze international ausgestrahlt wird.

Sekte oder Verein?

Hornauer hat immer wieder mit der Staatsanwaltschaft zu tun. Obschon ihm jetzt auch in Oesterreich die Konzession entzogen wird, versteht er es gewiss, erneut auf andere Kanäle (evt auf andere Länder auszuweichen). Ich vermute, dass er sich im Zeitalter der Satelliten, des Internets und der Digitalisierung weiterhin zu helfen weiss. Das Handwerk kann ihm wohl kaum so schnell jemand legen. Hornauer ist so clever, der Gefahr - als gefährlicher Sektenguru oder als unzulässiger Abzocker eingeklagt zu werden - zu entgehen. Er kündigte an, seine Fangemeinde künftig als Verein zu bezeichnen. Dennoch sieht er sich als Heiler (Heiland?) und hat eine erstaunlich grosse Schar von Jüngern, die aufgerufen sind, die "Religion der wirkungsvollen Energieüberragung" weltweit zu verkünden. Die Kasse wird jedenfalls weiterhin klingeln.

Sonntag, 15. Juni 2008

UEFA: ZENSUR BEI DEN EURO SPIELEN!

Quelle standard.at:

TV-Anstalten wehren sich gegen Zensur der UEFA

Flitzer, bengalisches Feuer: Zuschauern wurden Bilder vorenthalten - ORF-Infodirektor Oberhauser: "Tiefere Problematik"

Wer die EURO 2008 im Fernsehen verfolgt, sieht nicht alles. Die Bildauswahl trifft der Europäische Fußballverband (UEFA) bekanntlich als Veranstalter selbst. Und achtet dabei darauf, dass keine unliebsamen Szenen ausgestrahlt werden.

Nachdem der ORF schon vor der EURO auf diese Problematik hingewiesen hatte, hat sich nun in der Schweizer "Sonntagszeitung" auch SRG-Chef Armin Walpen dagegen verwehrt.

"Wir lehnen jede Zensur von Sportveranstaltungen ab."

Große Sportverbände versuchten zunehmend, sich mit eigenen Produktionsfirmen die Hoheit über Bild und Ton zu sichern. Dies sei wegen des Informationsauftrags der SRG und der journalistischen Unabhängigkeit "mehr als problematisch". Walpen will deshalb bei der UEFA schriftlich intervenieren.

"Tiefere Problematik"

Die ZEnsur hat eine tiefere Problematik und man muss überlegen, ob man das weiter so akzeptieren kann", sagte Oberhauser am Sonntag und kündigte an, das Ganze nach der EURO zum Thema machen zu wollen.

Immerhin sei auch die FIFA wieder zur EBU zurückgekehrt, so Oberhauser:

"Es kann nicht sein, wenn eventuell etwas passieren würde und wir können das nicht herzeigen." Dies stünde im Widerspruch zum Auftrag, umfassend und informativ zu berichten, betonte Oberhauser und bekam Unterstützung von ORF-Sportchef Hans Huber.

"Natürlich ist das nicht gut und wir werden der UEFA jetzt ganz genau auf die Finger schauen!" Durch den UEFA-Vertrag seien dem ORF aber die Hände gebunden, so Huber.

Publikumrat: "Bedenklich"

"Bedenklich" findet Othmar Kempf, Präsident des Publikumsrats der SRG, das Verhalten der UEFA. Er hofft, dass das Schweizer Fernsehen genügend Spielraum aushandeln konnte, damit die redaktionelle Freiheit nicht verloren geht. "Sonst fühle ich mich als Zuschauer desinformiert oder sogar manipuliert."

Für Peter Studer, den ehemaligen Präsidenten des Schweizer Presserats, "entpuppt sich die UEFA nicht nur als habgierig, sondern auch als kleinlich und kontrollwütig". Leider sei die "unjournalistische Bildzensur" von Sportbildern kein neues Phänomen. Aus dem Unterhaltungsbusiness höre man immer wieder Klagen, dass Bilder vor der Publikation PR-Beratern oder den Stars vorgelegt werden müssten.

Es sei zwar verständlich, dass die UEFA keine "Bilderflut von hässlichen Ausschreitungen will" und die Zuschauer nicht in erster Linie Pöbeleien sehen wollten, räumt Studer ein. Trotzdem müssten die TV-Anstalten selber entscheiden können, was sie ausstrahlen, findet auch die Zürcher Werbestrategin Daniela Bemberg: "Es kann nicht sein, dass matchrelevante Szenen dem Publikum vorenthalten werden." So oder so sei die Vermarktungsspitze der EURO mit der Austragung 2008 erreicht. "Das gilt sicher auch für die TV-Stationen, welche die Übertragungsrechte zu hohen Preisen erstehen müssen, um dann zensurierte Bilder zu erhalten." (APA)

Kommentar: Ich frage mich, wer befugt ist, der finanzstarken und übermächtigen UEFA die Stirne zu bieten, damit sie sich nicht weiterhin wie das diktatorische China gebärden kann, und unliebsame Bilder einfach beliebig herausschneiden kann, so wie es Peking bei den Demostrationen für Tibet machen konnte. Nach dem Motto: Was wir nicht sehen wollen, zeigen wir nicht! Wenn es nicht gezeigt wird, dann existiert es auch nicht. Ich warte auf den Protest der Verfechter der Pressefreiheit.

Fussball Nachrichten:

. Angeblich wurden dem Zuschauer Bilder aus dem Spiel zwischen Österreich und Kroatien vorenthalten, wo Zuschauer Fahnen verbrannt hatten.

Auch ein kroatischer Fan, der auf dem Rasen des Ernst-Happel-Stadions gelaufen war, war im Fernsehen nicht zu sehen. Die Europäischen Fußball-Union hat die Kontrolle über die TV-Bilder in den acht EM-Stadien.

Diese Szene war nicht

im Fernsehen zu sehen.

Ausser 40 Kameras sind alle UEFA gebunden!

Fortsetzungsgeschichte aus Sonntag-online 22. juni:

Olympia: SRG zieht sich bei Zensur zurück

An der EM wurden den Fernsehzuschauern heikle Bilder aus den Stadien vorenthalten. Laut SRG-Generaldirektor Armin Walpen ist diese Zensur harmlos im Vergleich zu dem, was an den Olympischen Spielen in China geschehen könnte. Sogar ein Boykott ist denkbar.

SRG-Generaldirektor Armin Walpen erhielt viele zustimmende Reaktionen von öffentlich-rechtlichen Sendern aus ganz Europa, nachdem er in der «Sonntags-Zeitung» gesagt hatte, die SRG lehne «jede Zensur bei Sportveranstaltungen» ab. Jetzt unterstreicht Walpen im Gespräch mit dem «Sonntag» jedoch, die Uefa-Geschichte sei ein «isolierter Vorfall von untergeordneter Bedeutung» und es sei «nicht angebracht, die Uefa für alles Böse dieser Welt verantwortlich zu machen». Seine Kritik habe er «nicht zuletzt mit Blick auf die Olympischen Spiele in Peking» geäussert, so der Generaldirektor. Auch in China – dessen kommunis-tische Regierung keine Pressefreiheit kennt – müssten die SRG-Medien unabhängig berichten können. In zwei Punkten werde sich besonders zeigen, ob diese Voraussetzung erfüllt sei: «Kann das Dopingthema frei abgehandelt werden? Und werden die Journalisten in ihrer Arbeit generell nicht behindert?»

Für Walpen ist wichtig, dass beide Punkte erfüllt sind. Behinderungen der journalistischen Arbeit, durch wen auch immer, seien abzulehnen. «Die SRG müsste bei schwerwiegenden Vorfällen grundsätzliche Überlegungen hinsichtlich der medialen Abdeckung machen», sagt Walpen. Das bedeutet im Klartext: Wenn die Unabhängigkeit nicht gewährleistet ist, könnte die SRG die Berichterstattung aus Peking stoppen. Die SRG-Mitarbeiter würden sich dann aus China zurückziehen. Um die Lage vor Ort beurteilen zu können, ist Walpen zum Teil selber am Grossanlass präsent. Für den SRG-Generaldirektor stehen der Informationsauftrag und die journalistische Unabhängigkeit seines Unternehmens im Vordergrund. «Darauf beruht unsere Glaubwürdigkeit, und zu dieser müssen wir Sorge tragen», betont Walpen. In Gefahr sieht er die Unabhängigkeit, weil grosse Sportverbände bei den Veranstaltungen möglichst viele Einnahmen erzielen wollen, sei es durch Werbung oder andere kommerzielle Aktivitäten. Und je positiver ein Anlass über die Sender geht, umso grösser ist das Einnahmepotenzial. Wenn Hooliganismus, Dopingfälle usw. «ausgeblendet» werden, ist der Werbewert des Anlasses grösser. Walpen wünscht sicH, dass die Sportverbände (Uefa, Fifa, IOC) und die öffentlichen Medienunternehmen an einen Tisch sitzen, um diese Problematik «grundsätzlich zu diskutieren und um sich allenfalls auf bestimmte Rahmenbedingungen zu einigen». Wichtig sei, dass die Bildauswahl grundsätzlich bei den Medien liege, nicht bei den Verbänden. Die Produktion der Bilder durch die Verbände und durch von ihnen beauftrage Dritte sei für die Rundfunkveranstalter unter Umständen wirtschaftlich schmerzhaft, «aber zu akzeptieren und weniger problematisch».

(mz/owa)

(Foto: Urs Bucher) SRG-Generaldirektor Armin Walpen.

Immunitätsprobleme mit Nationalräten

Bei Nationalrat und SVP Präsident Brunner soll die Immunität aufgehoben werden, weil er angeblich geheime Akten dem Alt-Bundesrat Blocher zukommen liess und nun wird dies auch beim grünen Nationalrat gefordert- aber aus einem anderen Grund:

aus 20 min- online:

15.06.08; 16:11 Pub. 15.06.08; 15:49

TCS attakiert Anti-Offroader-Tatoo von Girod

Der TCS will die parlamentarische Immunität des Zürcher Nationalrats Bastien Girod (Grüne) aufheben lassen. Die Organisation wirft Girod wegen seiner Kampagne gegen Offroader Urheberrechtsverletzung und unlauteren Wettbewerb vor.

Um das Tatoo auf diesem Plakat streiten sich Girod und TCS.

Der 27-jährige Politiker bittet den TCS nun, die Strafanzeige zurückzuziehen. Denn, so hält er in einer Mitteilung vom Sonntag fest, dem TCS würden aus der Strafanzeige kaum Vorteile erwachsen, das Beharren darauf beanspruche aber «die Zeit des Angeschuldigten, der Rechtskommission und des Parlaments - Zeit, die weiss Gott besser verwendet werden könnte». In der umstrittenen Kampagne präsentiert sich Girod - in Anlehnung an eine Werbekampagne des TCS - mit verschränkten Armen und einem Anti-Offroader-Tattoo. Am 18. Juli 2007 hatte die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat eine Nichteintretensverfügung gegen die Strafanzeige des TCS erlassen. Dagegen hat die Organisation Rekurs eingelegt. Quelle: AP

Donnerstag, 12. Juni 2008

Schweizer Armee: Erneut ein grosser Unfall:

Nagelprobe für die Armee in einer Krise

Vor einem Jahr - nach dem Jungfraudrama - versagte die Armeeführung in der Krisenkommunikation. Heute kam es erneut zu eine, grossen Unfall. Bestehen nun die Verantwortlichen die Nagelprobe beim Kommunikationsverhalten?

Zitat Tagi-online:

12. Juni 2008,

Weitere Todesopfer nach Militärunfall geborgen

Ein Bootsunglück der Armee im Berner Oberland hat möglicherweise fünf Todesopfer gefordert. Drei Tote und fünf zum Teil schwer Verletzte wurden geborgen. Zwei Soldaten werden noch vermisst. Viele Fragen sind offen.

Erneut verunglücken Armeeangehörige im Berner Oberland.

Keystone Erneut verunglücken Armeeangehörige im Berner Oberland.

Der Bootsunfall ereignete sich am späten Vormittag auf der Kander bei Wimmis, wie die Armee an einer Medienkonferenz in Spiez bekannt gab. Insgesamt zehn Personen waren mit zwei Booten unterwegs. Bei den Betroffenen handelt es sich um Angehörige der Lufttransportabteilung 3 (LT Abt 3). Laut Otto von Allmen von der Kantonspolizei Bern alarmierte ein Armeeangehöriger die regionale Einsatzzentrale um 11.10 Uhr, dass zwei Gummiboote in der Region Hondrich/Spiez gekentert seien.

Bislang sind viele Fragen offen, etwa bezüglich Ausrüstung der Gruppe und deren Auftrag. Offenbar handelte es sich um eine Übung im Rahmen einer internen Weiterbildung. Die Lufttransport-Sicherungskompanie 3 hat ihren Standort in Wimmis. Ihr Auftrag ist es, den Militärflugplatz Alpnach und Tagesstandorte der LT Abt 3 zu sichern. Korpskommandant Walter Knutti sagte, Bootsfahrten seien nicht «das tägliche Brot» dieser Einheit.

Nicht aussergewöhnlich viel Wasser

Auch zum genauen Unfallhergang und zur Ursache machte die Armee keine Angaben. Im betroffenen Teilstück der Kander gibt es Schwellen.

Ob der Fluss auf diesem Abschnitt gefährlich zu befahren sei, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, ebenso die Wetter- und Wasserverhältnisse zum Unfallzeitpunkt, sagte Knutti.

Schmids Anteilnahme

«Es ist ein weiterer trauriger Tag für die Armee», sagte Armeesprecher Felix Endrich am späten Nachmittag vor den Medien in Spiez.

Verteidigungsminister Samuel Schmid, der wegen dem Unglück seine Teilnahme am KFOR-Treffen in Brüssel absagte, sprach den Angehörigen des Verstorbenen, der Verletzten und der Vermissten im Namen des Bundesrates seine Anteilnahme aus. Er sei traurig und erschüttert, sagte Schmid vor den Medien und zitierte aus dem Kirchenlied «Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen».

Nach dem Lawinenunglück im Jungfrau-Gebiet vor einem Jahr sei die Armee erneut von einem schweren Unfall betroffen. Er bedaure dies zutiefst, sagte Schmid. Die Militärjustiz werde die Umstände so rasch wie möglich erhellen. Das Unglück im Jungfraugebiet hatte sechs Armeeangehörige in den Tod gerissen.

Ermittlungen aufgenommen

Der genaue Unfallhergang ist Gegenstand der Ermittlungen. Diese werden vom militärischen Untersuchungsrichter Michael Leutwyler geleitet, wie Silvia Schenker, Sprecherin der Militärjustiz, sagte. Nähere Angaben, insbesondere auch zur Einstiegsstelle der beiden Boote, wurden zunächst nicht gemacht. Die Boote konnten aber bis am Abend nicht aus den Wasserwalzen vor den Flussschwellen der Kander geborgen werden.

Der Tagesanzeiger publiziert auch noch eine Liste vergangener schlimmer Militärunfälle:

Die schlimmsten Armee-Unglücke seit 1970

12. Juli 2007: Bei einem Lawinenunglück in der Jungfrau-Region werden sechs Armeeangehörige in den Tod gerissen.

12. Oktober 2001: Eine Alouette III der Schweizer Luftwaffe touchiert bei Montana (VS) ein Kabel und geht beim Aufprall in Flammen auf. Die vier Insassen kommen ums Leben.

25. Mai 2001: In Delsberg touchiert eine Alouette III ein Kabel und stürzt ab. Der Pilot und drei Grenzwächter sterben.

12. November 1997: Ein Pilatus Turbo-Porter PC-6B stürzt während einer Militärübung im Simmental (BE) ab. Der Pilot und die vier Passagiere kommen ums Leben.

22. Juni 1994: Ein ziviler Helikopter stösst am Unteren Mönchsjoch (BE) mit einem Super-Puma-Helikopter der Schweizer Armee zusammen und stürzt ab. Ein britisches Ehepaar und der Pilot sterben.

27. April 1993: Ein PC-6 Porter der Armee gerät wegen eines Pilotenfehlers in Föhn-Turbulenzen und prallt in eine Felswand am Finsteraarhorn (BE). Drei Menschen sterben.

2. November 1992: Sechs Personen sterben bei der Explosion einer Kaverne des Munitionssprengplatzes Steingletscher am Susten (BE).

1990 bis 1993: Bei mehreren Handgranaten-Unfällen kommen insgesamt vier Wehrmänner ums Leben, mehrere weitere werden verletzt.

26. Mai 1987: Bei der Kollision eines italienischen Autos mit einem Armee-Camion der Armee sterben in einem Tunnel der A2 bei Amsteg (UR) drei Personen.

23. Oktober 1985: Ein Militärhelikopter Alouette III touchiert bei Rothenthurm (SZ) Bäume und stürzt ab. Drei von vier Insassen werden getötet.

August 1983: Vier Wanderer werden von einem explodierenden Blindgänger unterhalb Unterbäch (VS) tödlich verletzt. Bei Flums (SG) erleiden drei Spaziergänger dasselbe Schicksal.

21. Oktober 1982: Der Absturz eines Militärhelikopters Alouette III in der Region Säntis in der Innerschweiz fordert sechs Todesopfer.

24. Februar 1970: In Reckingen (VS) sterben beim schwersten Lawinenunglück der Schweiz des 20. Jahrhunderts 30 Personen, darunter 19 Armeeangehörige.

Kommentar: Heute Abend hörte ich im Auto die Aussage von Korpskommandant Walter Knutti im Radio. Das Statement überzeugte mich, denn er sprach keine Vermutungen aus, so wie es Armeechef Keckeis nach dem Jungfraudrama vor einem Jahr gemacht hatte. Knutti sagte ehrlich, dass er vorläufig nicht mehr wisse über die näheren Umstände und informierte nur über das was man wusste. Er zeigte seine Betroffenheit und versprach den Sachverhalt zu untersuchen. Ich gehe davon aus, dass er dies auch tun wird.

Nur Presssprecher Endrich liess sich auf Vermutungen ein und vermutete, vielleicht hätte die Truppe auch eine Uebung gemacht, die nicht zum eigentlichen Auftrag gehört. Zum Beispiel ein Uebung zur Teamförderung.

Endrich scheint somit von Jungsfraudrama nicht viel gelernt zu haben. Sein Nachsatz: Es ist wichtig, dass.....(es folgte die Kondulation und der Gedanke, dass man mit den Angehörigen mitfühle) trug er mit einer dunklen Sonnenbrille vor (Augen versteckt) mit einem Mäppchen sein sichtbares Bäuchlein verdeckend. Die Wirkung dieser Aussage im Schweizer Fernsehen (Schweiz AKTUELL) war nicht glücklich. Das Votum überzeugte nicht. Es wirkte so, als sei der Nachsatz nur wichtig, dass man es noch sagt, weil es sich so ziemt.

Kommunikation ist Chefsache. Bundesrat Schmid lebte dies vor. Als Verteidigungsminister kehrte er nach Bern zurück und trat sofort an die Oeffentlichkeit und informierte so, wie es gemacht werden muss. Keine Vermutungen. Keine Schuldzuweisungen. Wir werden das Informationsmanagement der Schweizer Armee weiter verfolgen.

blick-online:

Korpskommandant Walter Knutti, Chef der Schweizer Luftwaffe, spricht über das Kander-Drama.
Da es Sache der Militärjustiz sei, den Unfall und seine Gründe zu untersuchen, wolle die Armee vor allem über den Stand der Suche nach den zwei Vermissten und über die verletzten Armee-Angehörigen informieren, sagte Sprecher Felix Endrich heute an der Pressekonferenz. Die Ausführungen dazu machen keine grosse Hoffnung:

«Wir haben keine neuen Erkenntnisse über den Verbleib der Vermissten», sagte Otto von Allmen, Chef der Regionalpolizei und Koordinator der Suchaktion in der Pressekonferenz vor den Medien.

Heute werde die Suche intensiviert, von der Unfallstelle bis zum Kanderdelta, so von Allmen weiter. Morgen werde auch eine Unterwasserkamera zum Einsatz kommen. Die Unglücksboote befinden sich nach wie vor in den Wasserwalzen an den Kander-Schwellen. «Es handelt sich im Moment ganz klar um eine Totensuche», so von Allmen.

Nach wie vor sind zwei Soldaten vermisst, vier der Verletzten Schlauchbootfahrer konnten das Spital verlassen. Sie konnten zu ihrer Truppe zurückkehren, sagte Walter Knutti, Korpskommandant und Chef Luftwaffe heute an der Pressekonferenz. Vom Unglück betroffen sind Offiziere und Unteroffiziere aus der Deutschschweiz. Sie gehörten einer Lufttransport-Sicherungskompanie an. Alle Angehörigen sind informiert.

Die auf zwei Schlauchboote verteilten zehn Armeeangehörigen stammen aus den Kantonen Zürich, Baselland, Graubünden, Schwyz, Aargau, Thurgau und Luzern.

Doch zu den brennendsten Fragen gibt die Armee keine Antworten:

Waren die Unglücksboote überhaupt für eine solche Fahrt geeignet?

Verfügte jemand über Riverrafting-Erfahrung?

Wieso gingen die Armee-Angehörigen mit den Schlauchbooten in den Fluss, obwohl professionelle Rafting-Anbieter die Strecke meiden?

Hat das Militär auf der Kander bereits ähnliche Fahrten unternommen?

Fragen über Fragen - wann kommen die Antworten?

Parallelen zum Jungfraudrama: So wie nach der Katastrophe an der Jungfrau wurden nun auch nach dem Schlauchbootunfall Fragen gestellt:

(Quelle blick-online)

Wer hat den Todesbefehl gegeben? Was hatten die WK-Soldaten, allesamt Angehörige der Lufttransport Sicherungskompanie 3, auf dem Wasser zu suchen?

«Ich kenne die Übungsanlage nicht», sagt Knutti. Und: Bootsfahrten seien nicht «das tägliche Brot» dieser Einheit.

War es schlicht eine Vergnügungsfahrt? Denn die Armee gab am Abend bekannt: Es habe sich um «einen Kaderanlass zur Teambildung» gehandelt. Die Militär-justiz untersucht. Vorläufig steht auch sie vor lauter Rätseln.

«Wir können nicht sagen, warum die Soldaten mit dem Schlauchboot auf die Kander gegangen sind. Wir wissen nicht einmal, an welcher Stelle sie eingewassert haben», sagt Sprecherin Silvia Schenker.

Der Kompanie-Kommandant sei hospitalisiert. «Wir konnten mit ihm noch nicht sprechen. Er steht unter Schock.» Seine Truppe hat einen ernsthaften Auftrag: Während der Euro soll sie Flugplätze sichern.

Seit zwei Wochen sind die 180 Mann in Wimmis im Alten Schulhaus stationiert. Von dort brachen die zehn Unglücks-Soldaten gestern zu ihrer Flusstour auf. Offensichtlich sind sie schlecht vorbereitet. Die Schlauchboote des Typs M6 sind für Wildwasserfahrten ungeeignet.

Und die Soldaten lassen sie ausgerechnet dort zu Wasser, wo die Kander am gefährlichsten ist. Auf dieser Strecke befinden sich künstliche Wehre. «Es sind tödliche Fallen«, sagt Benedikt Grossmann, Präsident des Berner Kanu-Klubs. «Der Rücklauf kann einen in die Tiefe ziehen.»

nzz-online:

Bestand wirklich eine dienstliche Notwendigkeit für eine Bootsfahrt von Angehörigen der Lufttransport-Sicherungskompanie 3? Denn solche Einheiten werden zugunsten der Lufttransport-Geschwader für den infanteristischen Schutz von Landeplätzen und deren Infrastruktur eingesetzt. Einer der Hauptpunkte der laufenden Abklärungen wird zweifellos auch die Frage sein, ob die reglementarischen Sicherheitsvorschriften für Tätigkeiten auf dem Wasser wirklich eingehalten worden sind. Aufhorchen lässt schliesslich die Bemerkung des Kommandanten der Luftwaffe, wonach Einsätze zu Wasser nicht zu den alltäglichen Aufgaben einer solchen Kompanie gehören. Sollte es sich nun erweisen, dass es sich bei dieser Unglücksfahrt tatsächlich um eine als Abwechslung zum Dienstalltag im Rahmen des Euro-08-Einsatzes verstandene «Einlage» gehandelt hat, wäre dies fatal.

20 Min-online:

Im Bereich der Unglücksstelle werden nie professionelle Touren angeboten. Was hatte eine Gruppe der Lufttransportabteilung 3 also dort zu suchen? Offensichtlich war es aber keine spontane Bootsfahrt. «Die drei bisher geborgenen Toten trugen alle Schwimmwesten und Helme», wie Korpskommandant Walter Knutti sagte.

Happige Vorwürfe lassen nicht auf sich warten!

20 min-online:

«Das ist reiner Selbstmord»

Die Schlauchboote, mit denen die Armeeangehörigen auf der Kander verunglückt sind, waren für diesen Einsatz nicht geeignet. Dies sagt ein User von 20 Minuten Online, der bereits einmal mit einem solchen Boot einen Fluss queren wollte.

Die Unglücksboote werden an Land gezogen. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

Das Militärunglück von Wimmis ruft in R. H.* böse Erinnerungen an den eigenen Militärdienst vor 16 Jahren wach: «Wir waren zehn Füsiliere und versuchten in einem solchen Schlauchboot die Aare zu überqueren. Wir haben es nicht geschafft. Die Boote sind schwer, absolut starr, enorm träge und deshalb sehr schwierig zu manövrieren - selbst bei leichter Strömung wie damals auf der Aare.» «Ich kann die Verantwortlichen absolut nicht verstehen» Umso mehr erschüttert ihn der Anblick der Unfallstelle in Wimmis. «Sich mit diesem Armee-Boot dort in den Fluss zu wagen, ist wohl reiner Selbstmord», meint R. H. Man müsse sich nur die Strömung der Kander anschauen, die Äste, die noch darin herumschwimmen, und die Schwellen mit diesen gewaltigen Wasserwalzen: «Vor diesen Wasserfällen wird man bereits in jedem Anfänger-Kajak-Kurs gewarnt» Ein solches Schlauchboot der Armee lasse sich bei diesen Wasserverhältnissen schlichtweg nicht mehr steuern - auch nicht von Profis, ist R. H. überzeugt. «Ich kann die Verantwortlichen absolut nicht verstehen. Die Opfer und deren Angehörige tun mir sehr leid.» «Ich würde eher durch eine Schleuse schwimmen» Ähnlich sieht es Bergbachfischer A. P.*: «Ich komme aus Thun und kenne die Schwellen in Wimmis sehr gut. Daher kann ich nur sagen: Wer glaubt, dort durchfahren zu können, ist grössenwahnsinnig.» Er selbst sei oft in Schlauchbooten unterwegs, sagt er zu 20 Minuten Online. «Sie liegen flach auf dem Wasser, haben keinen Kiel und sind dementsprechend schwer zu steuern. Wenn die Schlauchboote des Militärs tatsächlich für zehn Personen zugelassen sind, dann können fünf Insassen diese Boote garantiert nicht steuern. Erst recht nicht in einem Wildbach.» Er jedenfalls würde es nicht wagen, «eher würde ich in Thun durch eine Schleuse schwimmen, als an dieser Stelle auf einem solchen Militär-Boot durch die Kander zu rudern». * Name der Redaktion bekannt

Kommentar:

Es ist durchaus verständlich, dass sich die Armeespitze derzeit bedeckt hält und die offenen Fragen nicht beantworten kann.

1. Die Armee darf nicht wieder den Fehler machen und vorschnelle Beurteilungen verlautbaren.

2. Es gibt zwar viele offene Fragen: Handelte es sich bei der offiziell als «Anlass zur Teambildung» bezeichneten Aktion um eine jener Übungen, die fast jedem aktiven oder früheren Militärangehörigen vertraut sind? Es wäre denkbar, dass ein Event manchmal von Spontanität und Gruppendynamik entwickelt wird und die notwendige Voraussicht klein geschrieben wird.

Hat der für den Befehl verantwortliche Kommandant vor der verhängnisvollen Entscheidung mit Fachleuten gesprochen?

Hat er sich mit dem Gelände und den aktuellen Verhältnissen vertraut gemacht? Bekanntlich gilt Riverrafting als ein gefährliches Freizeitvergnügen.

Wurden für eine solche Fahrt die richtigen Boote verwendet?

Sind alle einschlägigen Reglemente befolgt worden?

3. Immer mehr zeichnet sich jedoch ab, dass dieses Unglück bei einer sorgfältigen Abklärung vermeidbar gewesen wäre. Kenner der örtlichen Verhältnisse verstehen es nicht, dass das Militär in diesem Flussabschnitt überhaupt mit zwei Schlauchbooten auf die gefährliche Kander ging.

4. Nachdem es sich bei der Schlauchbootfahrt nicht um eine grössere Truppenübung gehandelt hat, kann die Armee nicht als ganzes in die Pflicht genommen werden.

5. Für den Befehl und dessen Umsetzung ist unter den gegebenen Umständen der zuständige Kommandant verantwortlich. Auch im privaten Bereich werden heute leider die objektiven Gefahren zu oft vernachlässigt.

6. Die Armee muss nach dem erneuten schweren Unfall die notwenigen Lehren ziehen. Nichts darf beschönigt noch vertuscht werden.

7. Der Vergleich mit den zivilen Outdoorseminaren zur Teamförderung gibt uns zu denken. Wenn gesagt wird, "dies mache man eben heute auch bei Firmen mit Führungskräften so", stellen wir die Gegenfrage : Muss man eben alles einfach so machen, weil man es eben so macht? Die Feststellung "das mache man eben heute so" greift zu kurz. Das Rendement solcher Teamförderungsevents wird übrigens heute von Experten recht kritisch hinterfragt. Nachkontrollen haben nämlich gezeigt, dass Manager, die (in kostspieligen Seminaren) als Teammitglied ein Floss bauen mussten, später im Beruf keine besseren Teamplayer geworden sind. Sie blieben - wie je und je - Einzelkämpfer . Falls die Armee gewisse Modeströmungen unbesehen "einfach so" übernimmt - ohne kompetente professionelle Begleitung - so wäre dies mehr als fahrlässig.

NACHTRAG:

VBS Mediensprecher Endrich überzeugte an der Medienkonferenz vom 13. Juni nicht, als zu der angeblichen "Förderung der Teamfähigkeit mit Schlauchbooten" befragt wurde. Seine hilflose Antwort im 10 vor 10 beschränkte sich auf die vage Aussage, bei teambildenden Operationen gebe es GEWISSE Teambildungsanlässe. (WELCHE?)

Das Wort "GEWISSE" wurde im zweiten Teil der nichtssagenden Antwort unterstrichen.

Endrich sagte, es gebe keine konkreten Vorschriften. Die Kommandaten seien frei in der Wahl der Uebungen.

Experten erklärten, das bei sogenannt teambildenden Uebungen bei professionellen Kursen kein Druck ausgeübt werden dürfte. In der Armee können jedoch solche Events befohlen werden und ein Offizier kommt unter Druck. Hätte er nämlich bei dieser risikoreichen Gummibootfahrt Bedenken geäussert, hätte sich der Zurückhaltende belastet:

Er wäre als nicht teamfähig, als Angsthase, abgestempelt worden!

In meinen Buch "Team und Kommunikation" schrieb ich im Jahre 2000 (im Kapitel über die Nachteile der Teamarbeit):

"Bei der Teamarbeit sind Einzelpersonen und Teamleiter oft risikofreudiger, weil das Risiko nicht allein übernommen werden muss. Für risikoscheue Personen ist zwar das arbeiten im Team ein Vorteil; doch kann sich eine zu grosse Risikobereitschaft negativ auswirken. Es kommt zu riskanten, möglicherweise gefährlichen Entscheidungen."

Armeechef Nef reagiert

Blick online:

Übungen sollen Bezug zum Aufrag haben

Der Chef der Armee, Roland Nef, will Übungen ohne direkten Bezug zum Kernauftrag eines Lehrverbandes verbieten. Das sagte heute im Rahmen der Medienkonferenz in Spiez. In der Ausbildung sei das Risiko auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Ausbildungsprogramme seien speziell auf Sicherheit zu überprüfen. Übungen, auch ausserdienstlicher Natur, müssten vom vorgesetzten Kommandanten insbesondere auf das Risiko hin beurteilt werden.

Kommentar: Wir gratulieren dem Armeechef. Auf so etwas hat die Bevölkerung gewartet. Während einer Krise oder nach einem Unfall müssen Chefs so rasch als möglich zeigen, dass sie aus Fehlern lernen und die entsprechenden Massnahmen durchsetzen.

Montag, 9. Juni 2008

Warum beim Fussballspiel Zuschauer die Hemmungen verlieren

Unauffällige , sonst reserviere Menschen springen beim erlösenden Goal vom Sitz und werfen schreiend die Arme in die Höhe. Erziehungswissenschafter Klaus Prange - Universität Tübingen - sieht in diesen unkontrollierten Handlungen eine Wiederherstellung urtümlicher, sonst unterdrückter Reaktionsmuster. Sportsoziologen erklären das Verhalten der Fussballfans damit, dass die Leute im hohen Mass emotional beteiligt sind.

Untersuchen zeigen, dass während dem Spiel die Zuschauer aktiv sind. Die Bein- Muskeln zucken wenn ein Stürmer trifft. Diese Bewegungsillusion ist aber nicht bei allen Fernsehzuschauern gleich. Gehört das Geschaute zu eigenen Bewegungsrepertoire, so wurden die Spiegelnervenzellen am stärksten simuliert. Die Leute reagieren nicht auf einzelen Bewegungen, sondern auf ganze Abläufe.

Bei den Fussballspielen am Bildschirm kann jeder mitreden, denn beinahe jedes Kind hat schon Fussball gespielt und glaubt fachmännisch mitreden zu können. Am Biertisch ist jeder ein potentioneller Nationaltrainer. Der Spieler handelt stellvertretend für den Zuschauer. Wenn nun der Spieler nicht das Beste aus der Chance macht, so ist damit der Zuschauer beleidigt. Die Emotionen können schlagartig umschlagen.

Frauen können weniger auf die eigene Erfahrung als Fussballerin zurückgreifen. Dennoch ist das Interesse am Fussball bei Frauen erheblich gestiegen.

Wer an den kommenden Spielen vor der Glotze sitzt, wird mit der Zeit zwangsläufig gepackt. wie alle anderen, wie ganz Europa.

Wenn nach einem plötzlichen Angriff die Spannung löst, machen sich die Gefühle selbständig.

Versuchen Sie einmal die kommenden Spiele analytisch zu betrachten - gleichsam aus einer höheren Warte - beobachten Sie das Verhalten der Fans. Dies ersetzt eine Psychologievorlesung- Wir merken, was gemeinsames Tun, was eine Massenveranstaltung auslösen kann. Das ist alles nicht neu. Diese Phänomene werden von Politikern, Musikgruppen und Volksverführern genutzt. Wenngleich wir versuchen uns zu lösen, zieht uns das Interesse der Massen in Bann. Die Phänomene sind ein Segen für Werber und Medien.