Donnerstag, 1. Mai 2008

Alle Jahre wieder - Gewalt am 1. Mai trotz Auffahrt

In Zürich kam es seit Jahren am 1. Mai zu Ausschreitungen. Das Katz und Mausspiel mit der Polizei hat Tradition. Jugendliche nutzen die Tradition, um Autos und Container anzuzünden, Scheiben einzuschlagen. Viele reisen an, um sich anonym auszutoben. Dieses Jahr bestand die Hoffnung, dass durch die Zusammenlegung 1. Mai und Auffahrt keine Gewaltaktionen stattfinden.

NZZ-online weiss schon nach 1700 Uhr zu berichten:

1.-Mai-Feier schlägt in Gewalt um

Zusammenstösse zwischen Polizei und Chaoten vor Kanzleiareal

Chaoten und Gaffer im Zürcher Langstrassenquartier.

Chaoten und Gaffer im Zürcher Langstrassenquartier. (Bild: EQ Images)

Nach einer friedlich verlaufenen 1.-Mai-Feier ist es in Zürich am Nachmittag zu ersten Zusammenstössen zwischen der Polizei und Chaoten gekommen. Im Langstrassenquartier setzte die Polizei nach 16 Uhr 30 Wasserwerfer und Gummischrot ein. Mehrere Personen wurden verhaftet. ... .

sda)/uhg. Nach ersten Scharmützeln beim Zürcher Helvetiaplatz ist es am Donnerstagnachmittag im ganzen Langstrassenquartier zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte immer wieder Gummischrot ein. Auch Wasserwerfer waren vor Ort.

Ein Dutzend Personen wurde festgenommen, wie Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, auf Anfrage sagte. In den Seitenstrassen zur Langstrasse seien kleinere gewaltbereite Gruppen unterwegs.

Zu ersten Scharmützeln zwischen dem Revolutionären Bündnis und der Polizei war es nach der freidlichen 1.-Mai-Kundgebung bei der Kreuzung Helvetiaplatz und Langstrasse gekommen. Demonstranten hatten Flaschen geworfen und sich im Publikum versteckt.

In der Dienerstrasse kam es kurz nach 17 Uhr zu einem Unfall, als ein weisser BMW in die Menschenmenge fuhr. Dabei wurde gemäss einem Redaktor der NZZ mindestens eine Person verletzt. Das Auto fuhr ohne anzuhalten weiter und wurde von Passanten mit Flaschen beworfen. Wie es zu dem Vorfall kam, ist noch unklar.

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Es bleibt zu hoffen, dass es in Zürich nicht zu ähnlichen Bildern kommt wie am 1. Mai in HAMBURG:

Foto aus bild-online:

Brennende Autos, Schlagstöcke, Wasserwerfer: Bei einer Demo gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Hamburg lieferten sich

Linksextremisten eine Straßenschlacht mit der Polizei.

Die Behörden bezeichneten Rechte und Linke als aggressiv wie lange nicht mehr. Auch in anderen Städten gab es Ausschreitungen.

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20 Min publizierte erste Filmausschnitte (Ausschreitungen in Zürich)

1. Mai: Weisser BMW rast in Menschenmenge - Zwei Verletzte, darunter womöglich ein Toter

Nach einem friedlichen Beginn flogen kurz vor 16 Uhr die ersten Flaschen und kurz danach auch Gummischrot-Ladungen. Um 17 Uhr verliert der Fahrer eines weissen BMWs in der Dienerstrasse die Nerven und rast ungebremst durch die Menschenmenge. Ein Mann wurde dabei schwer verletzt, womöglich ist er tot. Die Polizei kann das momentan noch nicht bestätigen. Ein weiterer Mann wurde bei dem Vorfall nur leicht verletzt. Rund zwei Dutzend Randalierer wurden verhaftet.

Neue Taktik Zu Beginn wollte die Polizei die Taktik der Abriegelung und Einkesselung des Kanzlei-Areals durchziehen. Das sei laut Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich, Mario Cortesi, eine neue Polizeitaktik. Offenbar habe der «Schwarze Block» aufgerufen, sich im Kanzleiareal zu versammeln. Das wolle die Polizei mit der totalen Abriegelung verhindern. Drei Jahre hätte die Polizei zugeschaut, jetzt wolle man präventiv handeln und verhindern, dass sich die Linksautonomen zusammenschliessen, sagte Cortesi gegenüber 20minuten.ch. Im Kanzlei, wo derzeit ein Konzert über die Bühne geht, haben sich allerdings bereits am Morgen 100 Menschen versammelt. Immer mehr Leute, Punks und andere Schaulustige, wollen jetzt rein. Falls die Menschenmenge abnehme, überlege man sich, das Areal zu öffnen, sagte Cortesi weiter. Auch die Strassen zum Helvetiaplatz werden polizeilich kontrolliert. Bereits am offiziellen 1.Mai-Umzug war die Polizei präsent. Laut dieser nahmen rund 300 Menschen teil, die der linksautonomen Szene zugeordnet wurden. Die Polizei verfolgte das Geschehen mit einem grösseren Aufgebot, hielt sich aber laut eigenen Aussagen während des offiziellen Umzugs noch bewusst im Hintergrund. 20minuten.ch-Mobile-Reporter Videos:
Die Situation am Helvetia-Platz um 16.10 Uhr:
16.30 Uhr: Mitten im Getümmel:

Kommentar:

Am 4. Mai 07 äusserte sich Soziologe Patrik Ettinger zur Ästhetisierung der Gewalt. Seine treffende Burteilung trifft tauch für diesen 1. Mai zu. Für ihn lassen sich am 1. Mai heutzutage die Randale wunderbar visualisieren. Dass die Medien über Gewaltexzesse informieren müssen, ist unbestritten. Doch bieten sie damit auch den Chaoten eine Plattform an, sich zu präsentieren und ihr Bedürfnis nach Selbstdarstellung zu befriedigen. Deshalb kommt Ettinger zum Schluss: Die Berichterstattung müsste künftig vermehrt differenzieren. Tatsächlich ist eine 1. Mai Rede für die Medien wenig ansprechend. Hingegen fesseln Gewaltbilder die Aufmerksamkeit der Betrachter und die Medien sind geneigt, diese Aufmerksamkeit auszukosten. Neu haben auch die Handyfilmer erkannt, dass sie mit kurzen Filmen im Internet ebenfalls viel Aufmerksamkeit erhalten können. Gewalt hat schon immer fasziniert. Neu ist jedoch, dass Gewalt zu einem medialen Selektionskriterium geworden ist. Es kommt zu einer Stilisierung und Personalisierung der Gewalt in der Berichterstattung. Die Zerstörungsszenen lassen sich wunderbar generieren und wecken die Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit aber auch für jene, die Gewalt inszenieren. Sie warten oft, bis die Journalisten die Taten filmen. Es ist bekannt, dass es Journalisten gab, die Rechtextreme aufforderten, vor der Kamera zu posieren oder Szenen nachzustellen. Die Gewalttäter warten mitunter auf solche Selbstdarstellungen. Auch Politiker können die Gewaltszenen bewirtschaften. So entsteht eine unheilige Allianz zwischen Gewalttätern, Medien und politischen Akteuren. Ettinger kommt zu Schluss, dass die sich die Medien fragen müssten, wem die Darstellung der Gewalt letztlich dient. Befriedigen die Bilder nur dem Bedürfnis des Voyeurismus? Oder dienen sie der Konfliktstilisierung? Auf der inhaltlichen Ebene braucht es nach Ettinger künftig eine viel differenziertere Berichterstattung.

Im Unterschied zum letzten Jahr, nutzte die Zürcher Polizei den Einsatz als Hauptprobe für die Einsätze gegen Randalierer während den Fussballspielen der Euro 08. Die Poliazei suchte die Balance zwischen Abwarten, nicht provozieren und Eingreifen und raschem Handeln.

Spiegel-online:

1. MAI

Randalierer attackieren Berlins Polizeipräsidenten - Schwere Krawalle in Hamburg

DDP
Linksautonome zünden Autos an, verwunden Polizisten. Rechtsradikale beschimpfen Hamburgs Senat als "schwule Regierung", prügeln auf einen Kameramann ein: In Hamburg kam es am 1. Mai zu den heftigsten Krawallen seit Jahren. In Berlin musste sich der Polizeipräsident vor Randalierern in Sicherheit bringen.

.Nachtrag: In Zürich gab es nachts noch keine Ruhe

NZZ-online weiss zu berichten:

Ausschreitungen in Zürich gehen in der Nacht weiter

Grösserer Sachschaden durch Brandstiftungen in Zürich-Altstetten

Nach 20 Min-online:

1.-Mai-Chaoten wüteten bis in die Nacht

Hillary macht auf eiserne Lady

Nachdem sich Obama vom militanten Pfarrer lossagen musste und etwas angeschlagen wirkte, geht nun Hillary voll in die Offensive. Ob ihr dabei die Rechnung aufgeht?

blick-online:

Deutliche Worte:

Hillary Clinton lässt die Muskeln spielen.

Ist es mehr als blosses Wahlkampfgetöse? Gestern hielt die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton vor den Vereinten Nationen eine Rede. Und diese hatte es in sich:

«In den kommenden zehn Jahren, in denen der Iran unklugerweise einen Angriff auf Israel in Betracht ziehen könnten, würden wir in der Lage sein, sie völlig zu vernichten»,

sagte die Senatorin von New York.

Clinton Iran

Es sei furchtbar, so etwas zu sagen, ergänzte die ehemalige First Lady. Aber die Machthaber im Iran müssten das verstehen, um sie von einem solchen Schritt abzuhalten, meinte Clinton weiter.

Der Iran will das nicht auf sich sitzen lassen: In einem Brief an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und den Präsidenten des UNO-Sicherheitsrates verurteilte der Staat die Äusserungen Clintons als «provokative, unvertretbare und unverantwortliche Erklärung».

In dem Brief an die UNO erklärte der stellvertretende UNO- Botschafter Irans, Mehdi Danesch-Jasdi, er wolle erneut bekräftigen, dass der Iran alle Massenvernichtungswaffen ablehne, einschliesslich der Atomwaffen. Sein Land habe nicht die Absicht, irgendeine andere Nation anzugreifen.

Der Iran und sein Präsident Mahmud Ahmadinedschad sehen Clintons Äusserungen als «unverantwortlich» an. (AP)

Allerdings werde der Iran auch nicht zögern, auf jeglichen Angriff in Selbstverteidigung zu reagieren und er werde angemessene Massnahmen zu seinem Schutz ergreifen.

Geht die Rechnung der SVP Zentrale auf?

Nachdem die Berner SVP ganz knapp die Bündner Schwesterpartei stützt und sich in Glarus, Schaffhausen und Basel auch kritische Stimmen gegen den Ausschluss der Bündner zu vernehmen waren, wird es spannend. Kommt es zu einer Zerreissprobe in der Partei?

Es scheint, dass die Zentrale den angekündigten harten Kurs konsequent weiter verfolgen wird.

Aus NZZ-online:

1. Mai 2008

SVP leitet Ausschlussverfahren ein

Zentralvorstand soll Beschluss gegen Bündner Kantonalpartei fassen

Bild anklicken für Vollansicht
Die SVP fordert von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf den Rücktritt aus Bundesrat und Partei. (Bild: Reuters)

Im Streit zwischen der SVP und Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf ist in der Nacht das Ultimatum der Partei verstrichen. Weil die SVP Graubünden der Aufforderung der SVP Schweiz zum Ausschluss der Bundesrätin aus der Partei nicht nachkam, wird die Mutterpartei nun das Ausschlussverfahren gegen die SVP Graubünden einleiten, wie die SVP Schweiz kurz nach Mitternacht mitteilte.

punkt.ch:

Rücktrittsforderung an Widmer-Schlumpf: SVP-Vize geht auf Distanz

SVP- Vizepräsident Walter Frey räumt ein, dass die Forderung nach einem Rücktritt von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf möglicherweise ein Fehler war. "Es ist ein Faktum, dass sie demokratisch gewählt wurde."

09:25

Man könne im Leben nie alles richtig machen, sagte der Autoimporteur in einem Interview mit dem "Tages-Anzeiger". Aber die Stossrichtung stimme: Eveline-Widmer Schlumpf könne die SVP nicht mehr vertreten, nachdem sie diese hintergangen habe. Dafür habe die Partei Beweise.

"Vielleicht hätten wir ihren Rücktritt aus dem Bundesrat besser nicht gefordert, obwohl Rücktrittsforderungen an Bundesräte ja nichts Neues sind." Es sei ein Faktum, dass sie demokratisch gewählt worden sei.

Das hätten die Medien nun aufgebauscht. "Bei unserer Erfahrung hätte dies nicht passieren sollen. Künftig werden wir uns auf den Ausschluss aus der Partei konzentrieren."

Dass dieses Vorgehen moderate SVP-Wähler vertreiben könnte, hält Frey für möglich. "Aber wir haben keine andere Wahl."

Man könne sich nicht von einer Frau vertreten lassen, die einen verraten habe und die einstimmige Delegiertenentscheide missachte.

Frey nahm im Interview auch zur Personenfreizügigkeit Stellung. "Der bilaterale Weg ist der SVP-Weg. Den sollten wir weitergehen. Und dazu gehört auch die Personenfreizügigkeit." Die Erweiterung derselben auf Rumänien und Bulgarien "hängt davon ab, ob sie unumgänglich ist und was von der EU geboten wird".

Kommentar: Es zeigt sich immer mehr, dass die Forderung , Eveline Widmer-Schlumpf müsse aus ihrem Amt als Bundesrätin zurückzutreten - immer wenige Anhänger findet.

Ich vermute, dass die SVP sich künftig nur noch auf den Parteiausschluss konzentrieren wird.

Die Stimmen der Pragmatiker, wie Hutter, Frey und Germann werden gewiss immer mehr Gewicht bekommen und die Zentrale muss einen Ausweg aus der verzwicken Situation finden, bei dem niemand das Gesicht verliert.

Mittwoch, 30. April 2008

Blick analysiert Körpersprache der Politiker

Blick online:

Mag sie Merkel nicht?
Die Schweizer Staatschefs Couchepin, Leuenberger und Merz plaudern angeregt mit der deutschen Staatschefin Angela Merkel. Höflichkeiten werden ausgetauscht, hübsch posiert man für die Fotografen.

Alle scheinen sich ganz gut zu verstehen. Alle bis auf Micheline Calmy Rey. Die steht etwas gar verschupft in der Gegend herum.

Bei der Begrüssung mit der deutschen Kanzlerin hält es Calmy-Rey nicht einmal für nötig, ihren vor der Brust verschränkten Arm zu lösen. Richtig verkniffen sieht unsere Aussenministerin auf einigen Bildern aus.

Welche Laus ist Calmy-Rey wohl über die Leber gekrochen? Einfach ein schlechter Tag – oder steckt da mehr dahinter? Mag sie Angela Merkel etwa nicht? Ist hier vielleicht sogar ein Zickenkrieg auf hoher politischer Ebene im Gange?

So deutet die Psychologin Ulrike Zöllner die Körperhaltung von Micheline Calmy Rey:

«Die verschränkten Arme signalisieren eine Abwehrhaltung nach Aussen und eine Schutzhaltung der eigenen Person».

Micheline Calmy-Rey hat denn also Angst vor Angela Merkel? «Nein», winkt die Psychologin ab. «Das kann man sicher nicht sagen. Darauf deutet bereits die Diskrepanz zwischen dem Gesichtsausdruck und der Körperhaltung hin. Bei der Begrüssung mit Merkel streckt Frau Calmy-Rey zwar wirklich nur eine Hand aus, die andere presst sie an den Körper. Eine verschlossene Haltung. Das Gesicht aber strahlt, sie lächelt, wirkt offen, kommunikativ und freundlich. Der Kopf und der Blick sind Frau Merkel zugewandt, und das ist das Entscheidende».

Aber wie denn ist die merkwürdige Haltung Calmy-Reys gerade bei der Begrüssung der deutschen Staatsfrau zu erklären? Zöllner hat hierfür ein einleuchtendes Argument aus der Welt der Frau parat:

«Frau Calmy-Rey trägt meist grosse Handtaschen mit sich. Vielleicht hat sie sich deswegen diese Haltung angewöhnt, um so ein Herunterrutschen der Tasche mit dem einen Arm zu verhindern».

Tasche hin, Tasche her:

Micheline Calmy-Rey macht keine gute Figur bei der Begrüssung von Angela Merkel. «Eine zugewandtere, offenere Körperhaltung wäre sicherlich zu begrüssen, vor allem bei so einem offiziellen Anlass», meint auch Zöllner.

Also Frau Calmy-Rey: Beim nächsten Mal bitte Brust raus und Kopf hoch!

Wir möchten Sie so selbstbewusst und unverhüllt strahlend erleben wie damals bei Ihrem Staatsbesuch beim iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad!

Kommentar:

Die Aufforderung des Blickjournalisten, Bundesrätin Calmy-Rey sollte künftig so selbstbewusst stahlen, wei beim fragwürdigen Kopftuchauftritt zusammen mit dem Iranischen Diktator, der Israel von der Landkarte eliminieren möchte, wirkt für mich fast zynisch.

Ich bin übrigens immer vorsichtig bei Interpretationen der Körpersprache. Nach meinen Erkenntissen ist es gefährlich - aufgrund einer Momentanaufnahme - einer Person Stimmungen zuzuschreiben. Massgebend ist letztlich die Wirkung bei den Adressaten. Wie bei die Kopftuchgeschichte, so glaube ich, dass beim Treffen mit der Bundeskanzlerin die Kritik Merkels am Gasdeal das Klima zwischen den beiden Kontrahenten Aussenministerin und Bundeskanzlerin sicherlich nicht besonders herzlich gewesen sein muss.

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Kommentar:

Die Aufforderung des Blickjournalisten, Bundesrätin Calmy-Rey sollte künftig so selbstbewusst stahlen, wei beim fragwürdigen Kopftuchauftritt zusammen mit dem Iranischen Diktator, der Israel von der Landkarte eliminieren möchte, wirkt für mich fast zynisch.

Ich bin übrigens immer vorsichtig bei Interpretationen der Körpersprache. Nach meinen Erkenntissen ist es gefährlich - aufgrund einer Momentanaufnahme - einer Person Stimmungen zuzuschreiben. Massgebend ist letztlich die Wirkung bei den Adressaten. Wie bei die Kopftuchgeschichte, so glaube ich, dass beim Treffen mit der Bundeskanzlerin die Kritik Merkels am Gasdeal das Klima zwischen den beiden Kontrahenten Aussenministerin und Bundeskanzlerin sicherlich nicht besonders herzlich gewesen sein muss.

29.4.08

Viele offene Fragen

In Tagesanzeiger-online gelesen:

28. April 2008, 23:13 – Von Norbert Mappes-Niediek

Inzestdrama: Vater gesteht die grausamen Taten

Josef F. hat sein Verbrechen gestanden. Noch sind aber viele Fragen offen, auch an die Behörden in Niederösterreich.

Der Zugang zum Verlies (l.) war hinter einem Regal versteckt. Das «Gefängnis» war eingerichtet wie eine Wohnung, hier Dusche und Toilette (r.) und ein Raum mit Betten (Mitte), zugänglich durch ein Schlupfloch.

Straff zurückgekämmtes Grauhaar, sauber gestutzter, kräftiger Schnurrbart, auf den Lippen ein Schwerenöterlächeln: Erste Bilder zeigen einen ansehnlichen Herrn, wie man ihm im gemütlichen Mostviertel häufig antrifft. «Vital und umtriebig» nennt ihn das Landeskriminalamt. Ein Freak jedenfalls ist Josef F., 73, nicht. Der Mann, der seine Tochter 24 Jahre lang einsperrte hielt, mit ihr sieben Kinder zeugte und drei davon mit der Mutter im Keller hielt, ist gelernter Elektrotechniker und war selbstständig. Die drei Kinder, denen er die Gnade des Tageslichts schenkte, seien «bestens erzogen», verriet ein Polizeisprecher.

Am Tag nach der Befreiung aus dem Keller eines schmucklosen Stadthauses ist der mutmassliche Täter im Wesentlichen geständig, wie ein Chefinspektor der Polizei sagte. In Details schwäche der Mann seine Taten dann allerdings ab. Josef F. hatte seine Tochter Elisabeth, eines von sieben Kindern, von ihrem elften Lebensjahr an missbraucht, wie sie den Ermittlern erzählte. Mit 16 sei sie zum ersten Mal davongelaufen. Achtzehn war sie, als der Vater sie an einem Sommertag betäubte, fesselte und in den Keller sperrte.

Angeblich nichts mitbekommen

Seine Frau und Mutter seiner Kinder soll von alledem nie etwas mitbekommen haben. Der Keller sei allerdings «tabu» gewesen. Bei der Darstellung bleibe eine «breite Palette an offenen Fragen», sagte der Leiter des Landeskriminalamts von Niederösterreich, Franz Polzer.

So wisse man nicht, wie der Täter die umfangreiche Versorgung habe bewerkstelligen können, besonders bei den Babys und Kleinkindern. Unklar sei auch, wie alles das sogar vor der Ehefrau und den übrigen Kindern hätte geheim gehalten werden können und wie der Täter die damit verbundene Belastung habe aushalten können.

Fragen:

Wie ist es möglich, dass eine Person jahrelang Nahrungsmittel usw. unbemerkt in das "Gefängnis" bringen konnte?

Vor allem ist es kaum vorstellbar, dass sich die Ehefrau 24 Jahre lang an die Tabuzone halten konnte.

Wie war es möglich, dass der Täter längere Zeit in die Ferien gehen konnte, ohne dass jemand die Opfer versorgt hatte.

Hat die Behörde nicht gesehen, dass der Täter schon früher wegen Vergewaltigung verurteilt war?

Nachtrag:

Soeben habe ich den Pressewald durchforstet. Ich stellte fest: Es wird in den Berichten und sogenannten Analysen viel zu wenig deutlich zwischen GUT und BOESE unterschieden. Das Monster wird überall als lieber Opa und freundlicher Nachbar skizziert. Es wird suggeriert, dass im Grunde genommen jeder brave Nachbar zu so einer Tat fähig wäre.

Dann gibt es die grosse Suche nach Schuldigen, die nichts bemerkt und nichts unternommen haben. Immer wieder die selben Fragen:

Warum hat dies niemand gemerkt?

Gibt es noch Verbündete?

Warum wurden die Briefe nicht analysiert?

Weshalb wurde kein Leumundszeugnis eingeholt? (Der Täter hatte schon früher eine Strafe abgesessen wegen Vergewaltigung).

Warum hat die Frau und die Nachbarn nichts gemeldet, als sie den Mann nachts mit Säcken nach Hause kam?

Wer hatte die Opfer betreut, als der Täter sich tagelang in den Ferien vergnügte ?

Selbsternannte Experten und Psychoexperten lassen durchblicken, dass alle Menschen zu so etwas fähig wären und alle Menschen in sich schreckliche dunkle Seite haben.

Wer die Beiträge durchkämmt, müsste zum Schluss kommen: Zu so einer grauenhaften Tat ist letztlich jeder Mensch fähig.

Dass Menschen keine Engel sind, ist unumstritten und Menschen kämpfen ständig auch mit ihren Schattenseiten. Menschen können nach ethischen Grundsätzen handeln und dies ist auch lernbar. Selbstverständlich hat man nicht erst seit den Naziverbrechen gesehen, zu was angeblich gut bürgerliche Menschen fähig sind, wenn sie die Gelegenheit haben, Mitmenschen zu foltern und dafür belohnt werden.

Das freundliche Verhalten in der Oeffetnlichkeit - als lieber Familienvater usw.- darf jedoch nie als Entschuldigung ins Feld geführt werden.

Grausamkeit bleibt Grausamkeit – auch wenn der Täter die Steuern bezahlt und sich als braver Opa ausgibt.

Es geht im Leben ständig darum, sich für das Gute und das Menschliche stark zu machen. Das Schlechte, das Böse dürfen wir nicht verwässern, weil Gewaltverbrecher sich freundlich und angeblich “normal” (der Norm entsprechend) verhalten.

Es ist wichtig, dass auch Journalisten und Psychiater die Grenze zwischen GUT und BOESE klarer ziehen. Es gibt unmissverstädnliche ethische Masssäbe, die nicht verwischt werden dürfen. Die dunklen Seiten im Menschen bleiben dunkel, auch wenn der Täter ein Otto Normalverbraucher ist.

Durch die klare Trennung zwischen GUT und BOESE wird uns bewusst: Die Unmenschlichkeit hat nichts zu tun mit den Strukturen in denen ein Mensch lebt. Unmenschlichkeit dürfen wir uner keinen Umständen als “normal” deklarieren.

Nazischergen wie auch das "Monster von Amstetten" haben kein Anrecht auf Verständnis, nur weil keine auffälligen psychopathologischen Störungen aufgefallen sind. Die äussere Normalität hat nichts - aber gar nichts - zu tun mit den grauenhaften, unmenschlichen Taten.

Grausamkeit sollten Experten und Psychologen nie mehr einen Anstrich von Normalität verpassen. Unmenschlichkeit ist konsequent und unmissverständlich als Böses zu deklarieren. Gräueltaten sind nicht ent-schuld bar. Diese klare Haltung vermisste ich leider in den meisten Berichten der Medien.

Die Medien und die Horrorgeschichte

Nachtrag aus der ZEIT-online:

Hyänen am Horrorhaus

Gewaltiges Medieninteresse: eine Fernsehreporterin vor dem Haus in Amstetten, in dem Josef F. seine Tochter 24 Jahre lang gefangen hielt und mit ihr sieben Kinder zeugte

Gewaltiges Medieninteresse: eine Fernsehreporterin vor dem Haus in Amstetten, in dem Josef F. seine Tochter 24 Jahre lang gefangen hielt und mit ihr sieben Kinder zeugte

Er ist der „Teufel, der Gott sein wollte“, ein „Herr über Leben und Tod“ im „Horrorhaus“ oder auch einfach nur ein „Monster“: Seit vergangenem Sonntag bekannt wurde, dass ein 73-jähriger Österreicher in der Kleinstadt Amstetten seine Tochter 24 Jahre lang in ein Kellerverlies sperrte, sie vergewaltigte und insgesamt sieben Kinder mit ihr zeugte, überschlägt sich die österreichische Boulevardpresse in Superlativen.

Wer hätte auch "erhoffen" können, dass zwei Jahre nach dem Fall Natascha Kampusch nochmals ein derart spektakulärer Kriminalfall die Auflagenzahlen nach oben schießen lässt?

Wie im Fall Kampusch, die im Alter von zehn Jahren auf dem Weg zur Schule entführt worden war und sich erst acht Jahre später selbst befreien konnte,

zeigen die Billigblätter auch diesmal wenig Rücksicht auf diejenigen, die unter dem Skandal am meisten leiden.

Immerhin soll der verdächtige Josef F. nicht nur seine Tochter seit ihrem elften Lebensjahr missbraucht und im Jahr 1984, nach einem gescheiterten Versuch auszureißen, in ein von ihm errichtetes Verlies im Keller seines Hauses gesperrt haben. Auch drei seiner Kinder, die er mit der eigenen Tochter zeugte, wurden im Kellerversteck geboren und nun erst im Alter von 19, 17 und fünf Jahren von der Polizei befreit. Ein Baby war kurz nach der Geburt verstorben, die Leiche verbrannte F. im Heizungsofen.

Drei weitere Kinder wuchsen im selben Haus bei Oma und "Opa" auf, der in Wirklichkeit ihr Vater war. Josef F. legte sie jeweils als Babys vor das Haus, mit einem fingierten Brief der Mutter, in dem sie die Großeltern bat, sich um die Kinder zu kümmern, weil sie dies nicht könnte.

Und es gibt eine Ehefrau von Josef F., die beteuert, nichts von den Machenschaften ihres Mannes geahnt zu haben und die sich nun ebenfalls in psychiatrischer Behandlung befindet.

„Will nichts bemerkt haben“, steht neben dem Bild von Frau F., dass die Kronen Zeitung, mit 42 Prozent Reichweite Platzhirsch unter Österreichs Tageszeitungen, am Tag nach der Befreiung ihrer Tochter veröffentlichte.

Ohne einen schwarzen Balken vorm Gesicht!

Auch der Name der Frau wurde nicht abgekürzt.

Gleich daneben noch zwei Passfotos: Bilder zweier Kinder, zwölf und 14 Jahre alt, unter vollständiger Namensnennung, ungepixelt. Der Bub und das Mädchen sind zwei der drei Kinder, die F. bei sich aufnahm. Sie wuchsen in Amstetten auf, gingen zur Schule, waren in der Gemeinde integriert, und mussten jetzt nicht nur erfahren, dass ihr "Großvater" ihr Vater ist, die verschwunden geglaubte Mutter im Keller leben musste und sie noch drei Geschwister haben.

Sie müssen nun auch damit klarkommen, dass ganz Österreich ihr Gesicht kennt.

„Das ist ein klarer Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte dieser Kinder und das wissen die Medien, die so etwas tun, ganz genau“, sagt die Rechtsanwältin und Medienrechtsexpertin Maria Windhager.

Solche Grenzüberschreitungen würden absichtlich in Kauf genommen, „und es gibt auch ein Publikum, dass diese Zeitungen kauft.“

Um dieses Publikum kämpfen in Österreich gleich drei Tageszeitungen: Die Kronen Zeitung aus dem Hause Hans Dichand, Heute, dessen Herausgeberin Eva Dichand, die Schwiegertochter von Hans und die Ehefrau von Krone-Chefredakteur Christoph Dichand, ist. Und Österreich, ein erst vor zwei Jahren vom langjährigen Magazinmacher Wolfgang Fellner gegründetes Blatt. „Fellnerismus“ lautet in Österreichs Medienwelt ein geflügeltes Wort, mit dem die Tendenz beschrieben wird, zuzuspitzen, zu skandalisieren und in der Berichterstattung immer tiefer in die persönliche Sphäre von Menschen vorzudringen, seien es Prominente oder eben auch Opfer.

Kommentar: Boulevardisierung ist im heutigen Konkurrenzkampf überall im Kommen. Es geht um Geschichten - um Personalisierung - um den Primeur - um Emotionen. Letztlich jedoch immer um den Absatz. Solange das Publikum Produkte kauft, die eindeutig Persönlichkeitsrechte missachten, solange hält dieser Trend an.

Montag, 28. April 2008

Fackellauf, so wie es China gefällt

Ein «Jubellauf» in nordkoreanischer Manier

In Nordkorea hat ein «Jubellauf» für die olympische Flamme durch die Hauptstadt Pjöngjang begonnen.

Tagi online:

nordkorea

Nun ist die Fackel bei Freunden

In Nordkorea hat ein «Jubellauf» für die olympische Flamme durch die Hauptstadt Pyongyang begonnen.

Das berichteten chinesische Staatsmedien. Nordkorea werde «die Welt in Staunen versetzen», hatte der Vize-Präsident des nationalen Olympischen Komitees, Li Chong-Sok, bei der Ankunft der Fackel angekündigt.

Den Organisatoren zufolge sollen hunderttausende Menschen die 20 Kilometer lange Strecke des Fackellaufes säumen. Nordkorea ist ein enger Verbündeter Chinas. Das kommunistische Land hatte die Proteste am Rande des Fackellaufes in anderen Ländern scharf kritisiert.

Endlich erleben die Chinesen eine Fackellauf ohne Hürden, ohne Demonstrationen ohne Aerger. Endlich findet der Lauf in einem kommunistischen befreundeten Land statt, das Ruhe und Ordnung durchsetzen kann und unter Pressefreiheit und Meinungsäuserungsfreiheit analog denkt.

Sonntag, 27. April 2008

Kampfschrift gegen Widmer-Schlumpf

aus der Sonntags-Zeitung vom 27.4.:

Vor Parteiversammlungen macht SVP Schweiz Stimmung an der Basis

Bern - Ein neues Papier sorgt in der SVP für Unruhe. «Wie Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat gewählt wurde», heisst das zehnseitige Dokument, das derzeit erst vereinzelt, aber bald in grosser Zahl bei der Basis zirkuliert. Absender ist das Zentralsekretariat der SVP Schweiz.

Eine seitenlange Sammlung von Politikerzitaten soll belegen, was die SVP Widmer-Schlumpf seit deren Wahl in den Bundesrat vorwirft: Sie habe mit der Linken paktiert, die Partei verraten und die Öffentlichkeit angelogen. Wo die Zitate nicht der Sicht der SVP entsprechen, werden sie mit «der Wahrheit» gekontert.

Das Ziel ist klar: Das Papier soll die bevorstehenden Entscheide der Basis über den Ausschluss der Bündner SVP und Widmer-Schlumpfs beeinflussen.

Kommentar: Zurzeit analysiere ich den inzwischen berühmten TV Film und stellte fest, dass tatsächlich die Original- Zitate der Politiker zu viele Ungereimtheiten zu Tage bringen. Ein gefundenes Fressen für die SVP. Zu viele Aussagen widersprechen sich. Niemand konnte bislang beweisen, wer gelogen hat. Ich bin überzeugt, dass dieser Film in die Geschichte eingehen wird, weil die Speicherung der Aussagen die Glaubwürdigkeit der Akteure (inkl. Bundesrätin) beeinträchtigt und negative Auswirkungen haben kann.

Auch der Blocherfilm mit den sonderbaren, irren Aussagen von Gerhard Blocher (Bruder von Christoph) hatte Folgen. Ich behaupte, dieser Film hat einige Stimmen gekostet und wesentlich mit beigetragen, dass Blocher abgewählt worden ist.

Wir dürfen die Macht der Medien nicht unterschätzen.