Sonntag, 6. Januar 2008

BLICK : Warum Blocher nicht SVP Präsident wird (5. Jan. 08)

Blick veröffentlichte am 5. Jan alle Argumente, die gegen Blocher als Parteipräsident sprechen:

1. Er sei ZU ALT!

Als 68 jähriger wird er die harte Knochenarbeit, die Maurer geleistet hat, nicht mehr auf sich allein nehmen können.

2. Das RISIKO!

Das Risiko sei zu gross, denn der Gang in die Opposition könnte in die Hosen gehen.

3. Die STILFRAGE

Der "Mörgelistil" und das Verhalten gewisser Exponenten sei von der Oeffentlichkeit nicht goutiert worden.

4. Der FELDHERRENHUEGEL

Im Grunde genommen bleibe der Herrliberger Blocher nur Exponent des Zürcher SVP. Er sei dies auch im Bundesrat gewesen. Er werde es somit schwer haben als schweizerischer Präsident.

5. Der ANDERE

Wie bisher Ueli Maurer müsste es wiederum ein ANDERER (beispielsweise Toni Brunner oder Adrian Amstutz) die Sachen richten.

BLICK glaubt zwar, dass Blocher auch beim Präsidium für Ueberraschungen gut ist und trotz dieser Nachteile das Amt übernehmen könnte.

Kommentar: Auch nach unserer Einschätzung müsste Blocher bei einer allfälligen Uebernahme des Parteipräsidiums aus seinen früheren Fehlern lernen. Ohne menschenorientiertes Führen (ein neunes BLOCHER Führungs- PRINZIP?) würde er auch als Parteipräsident erneut Schiffbruch erleiden. Der abgewählte Bundesrat könnte anderseits in seiner neuen Rolle als Opposititionsführer die aktuelle Politik - wie bisher - vielleicht sogar noch pointierter prägen - noch pointierter wie als Bundesrat. Vor allem wäre ihm die Medienpräsenz gesichert und das BlocherTV würde gewiss in der heutigen Medienlandschaft weiterhin die öffentliche Meinung beeinflussen. Aussagen aus dieser neuen Plattform wurden bislang von der übrigen Presse oft zitiert. (Ob deshalb Frank A. Meyer diese Internetplattform imitieren will?)

Uebrigens:

Die SVP will erst am 1. März bekannt geben, wer die Parteiführung von Ueli Maurer übernimmt, obwohl die SonntagsZeitung mehr weiss.

Samstag, 5. Januar 2008

Blochers Mängelliste:

Le style c'est l'homme

Ich erhielt heute von einem FDP Parlamentarier ein persönliches Rundschreiben zu den Bundesratswahlen.

Nach dem Dafürhalten des Autors hat der Stil des abgewählten Bundesrates den Gang der Dinge wesentlich beschleunigt.

Unter dem Zitat

"Le style c'est l'homme" (Graf George Louis Leclerc de Buffon 1753)

listet der Nationalrat eine Stil-Mängelliste auf, die Blocher missachtet hatte:

- ewige Provokation

- unsensibles, elitäres Benehmen

- polterndes Gehabe

- grobe, klare Sprache

- persönliche Verletzungen - fehlender Respekt vor Institutionen - Streit als politisches Prinzip - Drohungen - Abstrafung von nicht stromlinienförmigen SVP Parlamentariern - durchsichtig inszenierte Veranstaltungen und Parteitage - penetrant personifizierter Wahlkampf Kommentar: Auch ich beanstandete die fragwürdige Kommunikationskultur des abgewählten Bundesrates. Bei der Auflistung des Nationalrates habe ich jedoch als Kommunikationsberater gewisse Einwände: So ist es kein Mangel, sondern eine Stärke, wenn jemand sich KLAR d.h. verständlich ausdrücken kann. Respekt vor Institutionen will nicht heissen: Man dürfe sie nicht kritisieren und Missstände eindeutig beim Namen nennen. Es ist wichtig, dass offen gestritten wird. Wenn jemand seine Interessen unmissverständlich vertritt, so hat dies nichts mit einem politischen Prinzip zu tun. Es gibt auch ein Schönreden und Schonen als politisches Prinzip. Und das ist genau so schädlich, wie das Streiten als Selbstzweck. Wenn Blocher durchsichtig und klar kommuniziert und die Interessendifferenzen auf den Tisch bringt, so ist dies aus kommunikativer Hinsicht nicht schlecht, sondern gut. Damit kann die versandte Schwarzliste nicht so stehen gelassen werden, wie ich sie zitiert habe. Bei der Streitkultur gilt es: Sachverhalte offen, klar und unmissverständlich auf den Tisch zu legen. Jedoch nach dem Prinzip:

C'est le ton, qui fait la musique!

Nachtrag, 6.1.08

Nicht Ex-Bundesrat Christoph Blocher, sondern Toni Brunner soll Parteipräsident der SVP werden. An der Kadertagung der SVP in Bad Horn wurden personell die ersten Weichen gestellt.

(Das schreibt die "SonntagsZeitung" in ihrer aktuellen Ausgabe)

Freitag, 4. Januar 2008

Angela Merkels Machtsicherung durch....

Die deutsche Bundeskanzlerin geht mit den Medien ganz anders um als ihr Vorgänger Schröder. Sie macht sehr viel, um die eigene Machtposition zu sichern. Merkels Devise:

Viel kommunizieren - aber nicht vor den Medien.

Seit Ihrer Machtübernahme bestimmt sie, was gefilmt werden darf und was nicht. Im Flugzeug ist beispielsweise Filmen tabu.

- Privatleben und Fragen des persönlichen Arbeitsstils gibt sie nicht preis.

- Merkel weiss genau, dass im Medienzeitalter jedes Wort umgedeutet werden könnte. Deshalb bereitet sie alle Mitteilungen gründlich vor. Sie achtet auf jedes Wort.

Merkel ist nicht gesprächig. Sie kennt als Pressefrau die Fussangeln im Umgang mit den Medien: Vieles kann den Medien kolportiert werden. Diese Vorsicht hatte sich für sie bis heute gelohnt.

- Die Kanzlerin ist darauf bedacht, möglichst alles unter Kontrolle haben.

- Sie hört gut zu und handelt bedacht. Wenn sei jedoch in Schwierigkeiten ist, dann kann sie aber sehr rasch handeln.

Als sich Ministerpräsident Oettinger in einer Rede einen gravierenden Patzer zu Schulden kommen liess, wurde nach Abklärungen erkannt, dass Angela Merkel veranlasst haben musste, dass BILD gross publizierte, dass sich Oettinger bei der Bundeskanzlerin entschuldigt habe (erschien auf der Titelseite!). Die Meldung an die Presse musste aus Merkels Umfeld kommen. Oettingers Patzer hätte nämlich Merkel enorm schaden können. Merkel musste handeln. Diese Geschichte macht aber deutlich, dass die Bundeskanzlerin dann eingreift - d.h. alle Mittel einsetzt, wenn es um ihr eigenes Image geht.

Oettinger nimmt zwar Merkel heute in Schutz und erklärte im Fernsehen, dass er ihr nichts nachtrage, wenn dies nur bei diesem Fehler bleibe.

- Wenn die Bundeskanzlerin formuliert, formuliert sie meist mit Plausibiliätsphrasen.

- Merkel meidet bewusst konkrete Aussagen.

Dank ihrer Airbagrhetorik (Siehe PERSOENLICHBEITRAG UEBER ANGELA MERKELS AIRBAGREHTORIK in rhetorik.ch) kann sie heikle Situationen dämpfen. Vage Formulierungen sind bekanntlich nicht genau messbar. Damit ist sie nicht an-GREIF-bar. Wer nicht konkret spricht, wird zwar nicht verstanden. Auch die Journalisten beGREIFEN die Sachverhalte nicht. Doch das vage Fomulieren hat den enormen Vorteil, dass die Politikerin sich meist aus den Kriegsschauplätzen raushalten kann.

- Dank der Diskretion - die Merkel immer gross geschrieben hat - dringt wenig an die Oeffentlichkeit.

Worte sind immer Waffen - für die Kanzlerin sind sie aber auch Watte. Sie versteht es, je nach dem, einmal mit Härte - ein andermal jedoch flexibel mit der weichen Komponente (dem Charme) zu politisieren. So holte sie sich viele Erfolge auf der aussenpolitischen Bühne z.B. bei Bush und Putin.

Merkels Erfolgsrezept im Bewahren ihrer Macht:

ZUHOEREN - ABWARTEN- SCHWEIGEN - SICH NICHT POSITIONIEREN - EVT. SICH ZURUECKZIEHEN UND DANN REDEN, WENN ES KEINE ZWEIFEL MEHR GIBT.

Das ist das Geheimnis Merkels, die Macht zu sichern.

Ein SP Politikerin fomulierte es so:

"Merkel macht den Sack erst zu, wenn der Inhalt geklärt ist".

Der Bundeskanzlerin gelang es immer wieder - vor allem in heiklen oder aussichtslosen Situationen oder Diskussion - die Anwesenden zu bitten, sie sollen doch vorerst das Problem selbst lösen. Dann verliess sie die Szene. Nachdem dann eine Lösung gefunden wurde, betrat sie dann jeweils selbstbewusst die Bühne und verkaufte vor den Medien das Resultat als den eigenen persönlichen Erfolg.

Man könnte es positiv sagen: Merkel hat vorgelebt, dass Führen delegieren heisst und sich das bewährte Prinzip lohnt: Erst zuhören, denken und warten - und dann erst entscheiden was konkret umgesetzt werden kann.

Das ist einerseits eine Stärke. Doch geht Merkels Machterhaltungstrieb so weit, dass sie sich zu stark raus hält, wenn sie mitwirken müsste. Sie setzt zu stark auf die Macht der Zuhörens und des Schweigens.

Aus Angst vor Machtverlust wird bei ihr - das all zu lange "Sich - raushalten" - letztlich zu einer Führungsschwäche.

Merkels Macht basiert vor allem auf ihrer Fähigkeit, stets ruhig, sicher, freundlich die Szenen zu beherrschen. Sie bleibt selbst dann standhaft, wenn sie von vielen Alphatieren umringt ist.

Wenn es aber nicht so geht - wie es Angela Merkel will - so macht sie einfach nicht mehr mit.

Merkel ist eine Artistin der Kommunikation:

Im Zusammenhang mit dem Mindestlohn erlebten wir ihr Lavieren zwischen Zugeständnis und Unnachgiebigkeit. Am Schluss war dann die Koalition gefährdet. Nun konnte Merkel - ohne Skrupel - gegen die eigenen Partei, gegen die eigene Parteiposition - Stellung nehmen.

Wenn es um den Machterhalt geht, kalkuliert die Bundeskanzlerin stets nach dem Kosten - Nutzenprinzip.

Das Zepter ihrer Macht ist angeblich ihr Handy. Sie führt nach Aussage von Mitarbeitenden oft - schnell und leise - mit SMS.

Kommentar: Wir haben in früheren Anlaysen gesehen, dass es die Bundeskanzlerin stets hervorragend gut versteht, sich postitiv ins Szene zu setzen, selbst dann, wenn sie gar nichts - oder nicht viel - erreicht hat. Die aufgelisteten Taktiken helfen ihr, ihre Macht zu erhalten. Die kühl kalkulierende Physikerin aus dem Osten wird auch weiterhin ihre Machtpostion verteidigen. Ihr Ziel, alles zu tun - der Machterhaltung willen - wird sie nie aus den Augen verlieren. Selbst wenn es in den Balken der Koalitien gefährlich knarrt, würde Merkels Machterhaltungstrieb dafür sorgen, dass sie nicht untergeht.

Donnerstag, 3. Januar 2008

"Ein Weg braucht kein Wohin, es genügt ein Woher"

Ernst Barlach (1870-1938), deutscher expressionistischer Bildhauer, Grafiker und Dichter

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Dieses irritierende Zitat wurde mir zum neuen Jahr zugestellt.

Es widerspricht der These, dass wir vor allem das Ziel kennen sollten.

Es widerspricht auch dem wegorientierten Spruch :

"Der Weg ist das Ziel"

Die ungewöhnliche Aussage von Barlach gibt uns zwangsläufig zu DENKEN:

Was hat nun im neunen Jahr Priorität?

Das Woher? (Das Kennen der Ausgangslage?)

Der Ablauf dieses Jahres (Der Weg? Welchen Pfad beschreite ich)?

Oder das Ziel des Jahres 08? (Wohin soll es gehen?)

Was sagen Sie zu diesen Varianten?

Vielleicht finden Sie: Es ist doch sehr wichtig zu wissen, wo ich den Weg beginne (Im muss den Ausgangspunkt ernst nehmen):

Es geht um die derzeitige Situation am Anfang des Jahres, um meinen IST - Stand. Je nach dem Woher ergibt sich dann das Ziel und der Weg.

Möglicherweise entgegnen Sie:

Das Ziel ist das Wichtigste. Wenn ich nicht zuerst das Ziel festlege, irre ich zwangsläufig planlos umher.

Oder:

Ich kümmere mich weder um die Zukunft noch um das Woher. Ich geniesse in erster Linie die Gegenwart.

Das heisst:

Ich beschäftige mich vor allem mit dem Weg .

In der Philosophie geht es um folgende zentrale Fragen:

Woher kommen wir?

Wohin gehen wir?

Wenn wir diesen Ansatz nehmen, so folgt erst nachher die Frage nach dem Weg.

Wer intensiv in der Gegenwart lebt, darf ab und zu zurückschauen und einen Blick in die Zukunft werfen.

Die Frage ist somit berechtigt:

Könnte es nicht auch mein Ziel sein, jeden Tag die Gegenwart zu geniessen.

Sollten wir bei diesen Fragen nicht unterscheiden zwischen Lebensplanung und der Berufsplanung?

Gibt es nicht auch erhebliche Unterschiede zwischen dieser Planung bei Jungen oder bei Älteren?

Ich finde : Das Zitat von Ernst Barlach greift aufgrund dieser Ueberlegungen zu kurz. Doch hat es uns immerhin zum Nachdenken angeregt.

Wir sollten eigentlich nicht nur an der Schwelle eines neuen Jahres solche Gedanken reflektieren. Nachdenken lohnt sich immer, genau so, wie das Vor-denken (Antizipieren).

Mittwoch, 2. Januar 2008

Zu Couchepins Neujahrsansprache

Oder:

Sind Neujahrsansprachen zeitlos?

Ob ein Bundespräsident seine Rede schreiben lässt oder ob er sich selbst verfasst, ist nicht relevant. Wichtig ist, dass er sich voll und ganz mit der Botschaft identifiziert. In der Regel werden diese Reden so verfasst, dass sie zeitlos sind. Eine Neujahrsansprache muss aber immer adressatengerecht formuliert werden. Denn sie wird in allen Medien besprochen und im Radio und Fernsehen übertragen (Multiplikationseffekt). Der Auftritt ist somit für jeden Bundespräsidenten eine grosse Chance, bei der Bevölkerung Vertrauen zu wecken. Er kann gleichzeitig die Oeffentlichkeit für aktuelle Probleme sensibilisieren. Dieses Jahr war Pascale Couchepin zu hören.

Ich mache mit Ihnen einen kurzen Test:

Nehmen Sie sich nun zwei Minuten Zeit und lesen Sie folgende Passagen aus seiner Neujahrsrede mit voller Aufmerksamkeit durch. Ich stelle Ihnen nachher eine Frage:

Neujahrsansprache von Bundespräsident Pascal Couchepin

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Sehr verehrte Damen und Herren

Im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat und in meinem eigenen Namen wünsche ich Ihnen zuallererst ganz einfach ein gutes Jahr!

Warum wünschen wir uns eigentlich Gutes zum neuen Jahr? Sicher nicht weil wir glauben, Wünsche könnten die Wirklichkeit ändern und auf magische Weise Nöte und Zweifel beseitigen und eitel Freude und Wohlbefinden auslösen.

Nein, mit unseren Wünschen drücken wir Freundschaft und Sympathie aus. Wir wollen unseren Freunden und Lieben sagen, dass wir ihr Leid oder ihren Kummer mittragen wollen und dass Erfolg und Glück der einen keineswegs die Chancen der anderen mindern – ganz im Gegenteil. Kurz, mit unseren Wünschen sagen wir: "Ich mag dich gut, und ich möchte, dass es dir gut geht."

Mein erster konkreter Wunsch ist deshalb, dass heute viele Wünsche ausgetauscht werden, dass niemand sich einsam fühlt und alle sich fragen, wie sie mitten in der kalten Jahreszeit etwas mehr Wärme verbreiten können.

Unser Land muss wieder Vertrauen finden, Vertrauen in sich selbst, und es muss seinen Institutionen und all denen vertrauen können, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Verantwortung tragen. Ich mache diesen Aufruf nicht aus dem naiven Glauben heraus, es sei alles einfach und löse sich auf wundersame Weise von selbst ...

Mein zweiter Wunsch ist, dass wir uns zum Handeln und für die Zukunft entscheiden. Wer in den letzten Jahren das öffentliche Leben in Europa und besonders in der Schweiz verfolgt hat, stellt eines fest: Es ist viel leichter zu kritisieren als zu tragfähigen Lösungen für die Probleme unserer Zeit beizutragen. Auch in der Schweiz ist diese Tendenz offensichtlich. Die direkte Demokratie gibt aber jeder Bürgerin und jedem Bürger das Recht, konkret zu entscheiden. In unserem Land ist es gar nicht möglich, sich nicht für die Politik zu interessieren!

...

In unserem Land werden berechtigte Eigeninteressen im Allgemeinen mit einer gewissen Zurückhaltung geäussert. Dadurch erhält jede und jeder Raum, die persönlichen Zukunftsprojekte zu verwirklichen und kann teilzuhaben am gemeinsamen Wohlstand.

Heute aber ist das Gleichgewicht in wichtigen Bereichen gestört. Mit dem enormen Tempo, in dem sich Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Wertvorstellungen verändert haben, ist vieles, dessen wir uns sicher glaubten, ins Wanken geraten.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich bekräftige Ihnen persönlich und im Namen des Bundesrates und der Behörden unseres Landes: Wir glauben an die Schweiz, wir haben Vertrauen in ihre Institutionen und in ihre Fähigkeit, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Aber ohne Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wird nichts gelingen. Wir brauchen Ihre Entscheide, und wir brauchen Ihr Engagement in der Familie, im Beruf und in der Politik.

Zum Schluss wünsche ich nur, dass dieses Engagement für jede und jeden eine Quelle der persönlichen Zufriedenheit wird und wir uns am Ende des Jahres sagen können: "Wir haben nicht alle Probleme unseres Landes gelöst, aber wir haben Fortschritte gemacht in einem demokratischen Geist, im gegenseitigen Respekt, in der Offenheit für die Bedürfnisse der anderen und im Wohlwollen füreinander."

Soweit einige Passagen aus der Neujahrsrede.

Was haben Sie festgestellt?

Ich weiss nicht, wie lange Sie gelesen haben, bis Ihnen bewusst wurde, dass es bei diesem Text nicht um die aktuelle Rede geht, sondern um die Neujahrsansprache Couchepins, als er im Jahre 03 das erste Mal als Bundespräsident zum Schweizervolk sprach.

Wenn Sie nicht gemerkt haben, dass es Couchepins Rede im Jahr 03 war, so ist dies gut verständlich und normal. Da die meisten Aussagen zeitlos sind, könnte eine derartige Rede jedes Jahr gehalten werden (Die meisten Politikerreden basieren bewusst auf jenen Plausibilitätsgedanken, die immer zutreffen).

Neujahrsansprachen sind somit meist zeitlos.

Mir wurde dieses Phänomen im Jahre 86 erstmals so richtig bewusst, als im deutschen Fernsehen Kohls Neujahrsansprache des Vorjahres (versehentlich?) ausgestrahlt wurde. Die wenigsten der Zuhörer hatten es damals auf Anhieb gemerkt. Kohl protestierte zwar nachträglich. Er glaubte an eine übles Spiel, das bewusst inszeniert worden sei, um ihm zu schaden.

Falls Sie dieses Jahr am 1.1.08 Couchepins aktuelle Neujahrsansprache mitangehört haben, so ist Ihnen gewiss aufgefallen, dass der Bundespräsident dieses Jahr konkret wurde und sogar eine aktuelle Analogie eingebaut hatte, die hernach in den meisten Medien zitiert wurde. Das Bild der "Kappeler Milchsuppe".

Dieser Vergleich wurde deshalb beachtet, weil es etwas mit der Abwahl Blocher zu tun hat.

Ich zitiere Couchepin:

"Die Schweiz war schon immer ein Land in Bewegung, im Wandel. Die Veränderungen, welche die letzte Legislatur und insbesondere deren Endphase gebracht haben, sind - geschichtlich betrachtet - keine ausserordentliche Erscheinung," sagte der Bundespräsident mit Hinblick auf die Nichtwiederwahl Christoph Blochers.

Couchepin erinnerte damit an die halb historische und halb legendäre Kappeler Milchsuppe von 1529. Während der Religionskriege hätten sich die Soldaten der beiden verfeindeten Heere rund um einen grossen Suppenkessel verbrüdert und ihre Befehlshaber gezwungen, im gemeinsamen Interesse aller Frieden zu schliessen.

Kommentar: Couchepin hat mit diesem Bild der Versöhnung ein aktuelles Thema angesprochen, das seiner Neujahrsansprache zu mehr Beachtung verhalf als das übliche Plausibilitätsgerede, das kaum haften bleibt. Ob wir die Haltung Couchepins teilen oder nicht. Das Bild der "Kappeler Milchsuppe" bleibt im Langzeitgedächtnis verankert. Nur Worte die Bilder auslösen, bewirken etwas und bleiben haften.

Eine Bemerkung zum Bild der "Versöhnung" nach der Blocherabwahl:

Für mich ist dieser Appell aus dem Munde des Bundespräsidenten unglaubwürdig. Wenn nun Couchepin nach der unwürdigen Abwahl die geschlagenen Gegner wohlwollend an den Suppentopf bittet, sich selbst jedoch gegenüber Blocher recht unfair verhalten hatte, so ist dies fragwürdig. Denken wir an Couchepins persönlichen Angriffe gegen den Rivalen Blocher (Blocher schade der Demokratie - Blocher verglich er sogar eindeutig mit Duce). Für Couchepin existiert das Wort Versöhnung erst heute - nach der Abwahl. Während der Amtszeit Blochers gab es für ihn keinen Milchsuppentopf.

So oder so. Couchepin hat immerhin rhetorisch etwas gelernt - bei seiner jüngsten Neujahrsansprache: Er hat eine Kernbotschaft mit einem Bild gekoppelt. Damit hat er rhetorisch gepunktet! Einige zeitlose Plausibiltätsformulierungen hat er nur noch im zweiten Teil der Rede untergebracht.

Hier ein paar Beispiele:

"Das Nebeneinander von Fortbestand und Veränderung ist etwas Selbstverständliches!"

"Es gibt historische Momente, in denen Fortbestand und Veränderung unmittelbar erfahrbar und erlebbar sind." Dies beweise, dass die Schweiz, ihre Institutionen und ihre politische Kultur lebendig seien.

Ferner:

«Wir müssen darauf achten, dass wir den nachfolgenden Generationen ein solides Staatswesen übergeben, finanziell gesund und fähig, langfristig das zu halten, was es im sozialen Bereich und im Bereich der Bildung versprochen hat»

FAZIT:

Wer nachhaltig reden will, muss konkret werden und eine Kernaussage mit einem Bild koppeln!

Montag, 31. Dezember 2007

Möge Sie im Jahr 2008 wiederum
das Feuer der Begeisterung

begleiten!

Ihr Marcus Knill

Auch NR Peter Spuhler teilt unsere Meinung

Unternehmer Spuhler sagte im Interview vom 20. Dez in der Sonntagszeitung zur Abwahl Blochers:

Es ist nötig, dass wir die Nachtwiederwahl von Christoph Blocher genau analysieren. Was den Anstand betrifft, habe ich im Kanton Thurgau gelernt, dass man mit moderaten Tönen sehr erfolgreich sein kann. Ich vergleiche die Politik gerne mit dem Eishockey - der Sportart, die ich selber lange betrieben habe: Man soll fair und hart spielen, aber wenn der Gegner den Ellbogen und den Stock rauf nimmt, dann muss man auch dagegen halten können.

Zu den SVP Fehlern sagte Spuhler dasselbe, was wir in unserer Analyse geschrieben hatten:

Die Nichtwiederwahl hätte vermieden werden können. Die Fraktion war auf diesen Fall nicht vorbereitet. Vor vier Jahren wurde Christoph Blocher sehr knapp gewählt. Wir hatten im Hintergrund unglaubliche Arbeit geleistet, um die Stimmen zusammen zu bekommen. Am 21. Oktober haben wir bei den eidgenössischen Wahlen einen grossen Sieg davon getragen und uns darnach in falscher Sicherheit gewiegt.

Dann Spuhler:

Die Fernsehreportage mit Christoph Blochers Bruder und der Kommissionsausschluss der beiden Bündner Nationalratsmitglieder waren dem Wahlergebnis von Blocher nicht sehr förderlich. Zwar haben die zwei in fast 70 Prozent der Fälle mit den Linken gestimmt. Aber der Zeitpunkt und die Art und Weise des Ausschlusses waren sicher nicht richtig.

Kommentar: Peter Spuhler hat die ganze Problematik auf den Punkt gebracht. Die SVP und Bundesrat Blocher hat zwar viel erreicht und erfolgreich politisiert. Dass jedoch der TON letztlich entscheidend ist, das WIE, d.h. die ART UND WEISE, wie man mit Menschen umgeht, scheint Blocher nicht zu wissen. Es geht bei Kommunikaionsprozessen stets um das Harvard-Prinzip: In der Sache hart bleiben, aber im Umgang mit dem Menschen weich! Peter Spuhler betont ferner im Interview - aus unserer Sicht ebenfalls zu Recht - , dass die Regierung kein Wohlfühlgremium sei und es in der Exekutive auch mal eine dicke Haut brauche. Er sagte: "Die Harmoniebedürftigkeit in Bern befremdet mich manchmal sehr." Uebrigens: Ich ging im persönlichen BLOG noch weiter als Spuhler und vertrat nach der Nichtwiederwahl die Meinung, dass die Fernsehreportage und der Ausschluss der Bündner hinsichtlich Wahlresultat, das Zünglein an der Waage wesentlich beeinflusst hatten.

Es gab sogar einen bürgerlichen Parlamentarier, der nach der Reportage sagte:

"Das was Gerhard Blocher gesagt hat, denkt auch sein Bruder. Christoph darf nicht mehr gewählt werden!"