Freitag, 2. November 2007

Schweizer Fernsehen angeklagt

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen das Schweizer Fernsehen (SF) erhoben. Grund sind versteckt gefilmte Aufnahmen in der Praxis eines Zürcher Schönheitschirurgen, die in der Sendung «Kassensturz» ausgestrahlt wurden.

Die Bilder hätten laut der UBI nicht gezeigt werden dürfen.

Zur Anklage gebracht werden sollen vier SF-Mitarbeiter, darunter Chefredaktor Ueli Haldimann, wie der zuständige Staatsanwalt Lukas Wehrli einen Bericht des Medien-Online-Portals «persoenlich.com» bestätigte.

Beim Schweizer Fernsehen wollte niemand zur Anklage Stellung nehmen. «Laufende Verfahren kommentieren wir nicht», sagte Mediensprecher Urs Durrer auf Anfrage.

Versteckte Kamera

Die beiden fraglichen Beiträge waren im Dezember 2006 und Februar 2007 auf SF1 ausgestrahlt worden. Darin waren mit versteckter Kamera gefilmte Aufnahmen aus der Praxis eines Zürcher Schönheitschirurgen zu sehen. Der Chirurg untersuchte in dem Filmbeitrag die Brüste einer jungen Frau, die der Kassensturz als «Lockvogel» eingesetzt hatte.

Das Konsumentenmagazin zog damals den Schluss, dass der Arzt die Brüste der Frau unnötig oft betastet hatte. Daraufhin erstattete der Schönheitschirurg Anzeige.

Laut Wehrli geht es bei der beim Zürcher Bezirksgericht hängigen Anklage um die Frage, ob das Filmen mit versteckter Kamera in diesem Fall zulässig war oder nicht.

UBI verneint auch Rechtmässigkeit

Bereits verneint hat dies die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI). Aufgrund einer Beschwerde kam sie Ende August zum Schluss, dass die Bilder den Zuschauern nicht hätten gezeigt werden dürfen.

Kommentar: Uns interessiert das Urteil. Es geht um den Schutz der Persönlichkeitsrechte und die Frage, wie weit Medien gehen dürfen.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Wadenbeisser Christoph Mörgeli kann es nicht lassen

Bei Hans-Jürg Fehr war erstaunlich, wie seine Wahrnehmungsfähigkeit durch die Wahlschlappe in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bei Christoph Mörgeli ist es möglicherweise der Wahlerfolg, der bei ihm auch zu einem Realitätsverlust geführt hat. Nun beginnt er als Wadenbeisser die eigene Partei zu beissen.

In 20 Minuten lesen wir:

Ginge es nach SVP-Chefideologe Christoph Mörgeli, würde Samuel Schmid seinen Bundesratssitz zugunsten eines stramm auf Zürcher Kurs politisierenden SVP-Mannes räumen.

«Dieser Druck stösst ins Leere», ist der Berner SVP- Kantonalparteipräsident und Nationalrat Rudolf Joder überzeugt. Schmid kandidiere am 12. Dezember für eine weitere Amtszeit und werde voraussichtlich mit einem sehr guten Resultat wiedergewählt, sagte Joder in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung «Der Bund».

Laut Joder ist es vor allem der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, der Schmids Abgang fordere. «Wir lassen uns in keiner Art und Weise von Mörgeli vorschreiben, wie die SVP des Kantons Bern bei den Bundesratswahlen vorzugehen hat», kontert Joder.

Auch Amstutz kritisiert Mörgeli

Schützenhilfe erhält Joder ausgerechnet vom neuen SVP-Shootingstar Adrian Amstutz, von einem also, dem grosse Linientreue zur Mutterpartei nachgesagt wird. Er sehe überhaupt keinen Anlass, so gegen Schmid zu schiessen, betonte der Berner Oberländer in einem Interview im «Tages-Anzeiger» vom Dienstag.

Mörgelis Vergleich, Schmid sei ein Kuckuck, der allzu oft ins eigene Nest gemacht habe, findet Amstutz deplaziert: «Eine blöde Aussage, die ich nicht teile». Mörgelis Vorpreschen halte er für unnötig.

Kommentar:

Hochmut kommt vor dem Fall, heisst es. Wenn das Gebahren Mörgelis nicht nur für den Hochmut zutrifft - sondern auch für den Uebermut gilt, dann müsste der Chefideologe der SVP bald das Feld räumen. Dass Mörgeli mit seinen unrealistischen Provokationen der Partei enorm schadet, müsste er eigentlich nachträglich einsehen. Es könnte sein, dass ihm der Erfolg dermassen in den Kopf gestiegen ist, dass dadurch seine Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigt wurde.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Was Prominente von Evelyn Hamann lernen können

Schauspielerin Evelyn Hamann ist tot. Sie starb im 66. Altersjahr nach längerer Krankheit. Sie war nicht nur als Partnerin von Loriot bekannt, sondern auch von den TV-Serien "Adelheid und ihre Mörder" und als glaubwürdige Künstlerin. Die komödiantisch veranlagte Schauspielerin wurde unter anderem 1997 mit dem Bayrischen Fernsehpreis und dem Telestar ausgezeichnet. Was viele nicht wussten: Sie liebte die Details. Jeder Auftritt wurde minutiös vorbereitet.

Für mich war Hamann vorbildlich im Umgang mit Medien - hinsichtlich Abgrenzung des Privatbereich. Privat gab sie den Journalisten nichts von sich preis. Viele Promis meinen, sie wären den Klatschmedien verpflichtet, die Türen zum Schlafzimmer zu öffnen.

Die vorbildiche Zurückhaltung beim Privatem ist leider selten. Obwohl wir im Mediensimulator immer wieder darauf hinweisen, dass ein Sportler, eine Politikerin, ein Künstler auf Homstorys verzichten sollte ( weil man in Krisensituationen nicht mehr plötzlich zurückkrebsen kann). Trotzdem erleben wir es immer wieder, dass die Promis später dem Drängen der Journalisten doch noch nachgeben - im Glauben, man müsse doch ..... Chapeau Evelyn Hamann! Sie sind für mich ein Vorbild. Sie veranschaulichten, wie man es machen kann im Umgang mit den Medien. Wer im privaten Bereich bei allen Medien konsequent NEIN sagt, fährt langfristig besser und muss darunter nicht leiden. Das habe ich auch bei Tagesschausprecher Franz Fischlin und 10 vor 10 Moderatorin Susanne Wille gesehen. Sie reden in der Oeffentlichkeit ohne weiteres über den Job und über sich, wenn es um Sachfragen geht. Bei der Privatheit hingegen - bei den eigenen Kindern beispielsweise - hatten sie bis anhin eine klare Trennungslinie gezogen.

Montag, 29. Oktober 2007

MODERNES RAUBRITTERTUM

Zitat 20 Minuten:

Jugendgewalt: Vier gegen einen

Ein 17-Jähriger ist beim Bahnhof Rotkreuz (ZG) von anderen Jugendlichen brutal überfallen und spitalreif geschlagen worden. Die vier 15- bis 16-jährigen Täter konnten festgenommen werden. Sie sind geständig.

Interaktiv-Box
Der 17-Jährige war in der Nacht auf vergangenen Samstag mit dem Zug aus Zürich in Rotkreuz angekommen. Als er in einen Bus steigen wollte, näherte sich eine Gruppe mehrerer Jugendlicher und verwickelte ihn in ein Gespräch. Plötzlich verlangten sie sein Portemonnaie und schlugen unvermittelt auf das Opfer ein, das durch Schläge auf den Oberkörper und ins Gesicht verletzt wurde. Der 17-Jährige wurde ins Spital gebracht, das er am Sonntag wieder verlassen konnte. Die Polizei leitete eine Fahndung ein und konnte kurz darauf vier Tatverdächtige - zwei Kroaten, einen Bosnier und einen Schweizer - festnehmen. Das gestohlene Portemonnaie wurde sichergestellt. Die vier Verdächtigen gestanden laut Polizei den Raubüberfall. Gegen sie wurde ein Strafverfahren eröffnet.

Kommentar:

Die Bevölkerung ist bestimmt nicht gewillt, sich an solche Szenen zu gewöhnen. Wenn wir es nicht fertig bringen, dem modernen Raubrittertum von Jugendlichen Einhalt zu gebieten, müssen wir uns nicht wundern, wenn die SVP in kommenden Wahlen noch mehr zulegt. Früher wurde es veschwiegen, wenn Kinder aus dem Balkan gewalttätig waren. Man wollte nicht fremdenfeindlich sein. Jetzt zeigt sich jedoch, dass man gegen Jugendliche vorgehen muss, die glauben, andere zu erpressen zu können. Jugendgewalt ist ein Zeitproblem, das nicht ausgeblendet werden darf. Die Opfer sind genauso ernst zu nehmen wie die Täter, bei denen bisher vor allem versucht worden war, sie mit grossem Aufwand zu integrieren. Bei solchen Gewlataten ist Nachsicht der falsche Weg.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Schade - Hans-Jürg Fehr!

Seit Jahren schätzte ich den Schaffhauser Politiker und SP Parteipräsidenten immer als intellektuellen Dialektiker und messerscharf und analytisch denkenden Rhetoriker. Dass er jedoch gestern nach seinem Rücktritt Fakten und Sachverhalte schönredet und dazu auch noch verfälscht, war völlig neu und kann höchstens damit begründet werden, dass ihn die Wahlschlappe dermassen getroffen haben muss und er einem klassischen Verdrängungsmechanismus zum Opfer fiel dass sogar sein Erinnerungsvermögen beeinträchtigt wurde. Ich hörte in Fehrs Stimme, dass ihm die Sorgen auch auf die Stimmung gedrückt haben muss. Die Stimme tönte jedenfalls so gedämpft, gleichsam "beschlagen" wie noch nie. In der gestrigen Samstagsrundschau (DRS 1) wehrte sich Fehr vehement, als Journalist Wülser auf die BLOCHERFALLE zu sprechen kam. Für Fehr hat sich die SP nie auf Blocher eingeschossen! Mit der Blocherfalle habe er und die SP nichts am Hut.

Wie bitte - Hans-Jürg Fehr?

Fehr stritt ab, je in die Blocherfalle getappt zu sein, obwohl er seit Jahren und Monaten in unzähligen Interviews und ARENAauftritten, Blocher als unmöglichen Bundesrat geschildert hatte. Er sprach laufend von und über Blocher, der im Bundesrat untragbar geworden sei. Ein vernünftiges Politisieren mit Blocher werde es nie geben. Blocher haben wir nie gewählt und werden ihn auch nicht mehr wählen! Blocher dürfe nicht mehr unterstützt werden. Wer Blocher in den Bundesrat gewählt hatte, wurde sogar in Gesprächstunden offen gebrandmarkt (CPV). Fehr hat es ständig verstanden, Blochers Mängelliste und alle Unzulänglichkeiten - die er aus seinem geistigen Schwarzbuch gesammelt hatte - zu wiederholten und herunterzubeten. Grundtenor: Blocher ist nicht wählbar!!! Dann schoss sich die SP recht wochenlang und intensiv auf das Schäfchenplakat ein , vor allem gegen die SVP Werbung , anstatt eine SP Kernbotschaft zu verkaufen. Dafür wurde ungegeheuer viel Zeit und Energie aufgewendet . Die Plakate wären fremdenfeindlich und rassistisch. Sogar die SP Bundespräsidentin griff die SVP Kampage als fremdenfeindliche Werbung verschiedentlich öffentlich an. Niemand könnte nachträglich sagen: Dies alles sei nicht wahr. Die SP tappte zweifelsfrei in die Blocherfalle.

Was hörte ich jedoch gestern am Radio?

Von einer Blocherfalle könne keine Rede sein, sagte der wundenleckende Parteipräsident und behauptet erstaunlicherweise:

Wir haben nie - das heisst nur einmal - gesagt, wir würden Blocher nicht wählen!!!!!!!!!!!

Ich kann es heute nur dem psychischen Tief zuschreiben, dass wir einen Parteipräsidenten erlebten , dem das Gedächtnis nach dem Rücktritt einen Streich gespielt hat und seine offensichtliche Fixierung auf sein Feinbild Blocher plötzlich nicht mehr wahr haben will.

Als sich Blocher auch einmal nicht mehr an eine Aussage erinnern wollte, wurde dies von der SP in aller Breite ausgeschlachtet und in Fehrs geistigem Schwarzbuch sofort fixiert, damit er auch diese Panne bei jeder Gelegenheit ebenfalls erwähnen konnte. Wenn Fehr seine Antiblochervoten heute derart plump ausblendet, so dürfen wir dieses sonderbare Verhalten nicht einfach so sang- und klanglos unter den Teppich kehren.

Hans-Jürg Fehr hätte selbstkritisch eingestehen können, dass er unbedachterweise in die Blocherfalle getappt ist. Sein Abstreiten, d.h. mit seiner Behauptung, sich nicht auf Blocher fixiert zu haben, büsste er gewiss in breiten Kreisen an Glaubwürdigkeit ein. Der sonst so intelligente Schaffhauser Politiker enttäuschte mich gestern jedenfalls so - wie noch nie - Schade!

Gibt ebenfalls zu denken (NACHTRAG):

Auch Ursula Wyss vom Virus der Gedächtnislücke befallen?

In der letzten Arena behauptete Ursula Wyss, Vizepräsidentin der SP - in Anlehnung an einen ähnlichen lautenden Blick Titel - Ueli Maurer habe in der Elefantenrunde erklärt, er wolle den eigenen SVP Bundesrat Schmid ersetzen.

Entweder hat Ursula Wyss die Sendung nicht gehört, oder sie gibt etwas nur vom Hörensagen weiter, vielleicht ist sie - wie Fehr - vom SP Virus befallen und verdrängt Fakten. Man überhört bei Niederlagen wichtige Worte. Ich gehe bei Ursula Wyss auch nicht davon aus, dass ihre verdrehte Aussage auf einer Böswilligkeit basiert und sie absichtlich Maurer etwas unterstellte.

Fakt ist jedenfalls, dass Ueli Maurer nur die Idee Pellis schilderte und diese Idee als diskussionswürdig in die Runde warf. Die Idee, dass man drei älteren Bundesräte ersetzen könnte sei prüfenswert. Falls man diese Idee ernst nehme, wäre auch die SVP bereit, über den Ersatz ihres Bundesrates zu reden.

Wer die Sendung nochmals im Archiv überprüft, wird eindeutig feststellen, dass Ursula Wyss Maurers Aussage (in der Elefantenrunde) bei ihrem Auftritt in der ARENA falsch wiedergab.

Auch diese Gedächtnislücke der SP Vizepräsidentin können wir psychologisch begründen. Wyss reagierte mit einer klassischen Schuldzuweisung - wie es viele Leute oft tun - nach einem Unfall, einem Schock oder einer grosse Niederlage erlebt haben.

Das Verhalten der jungen Politikerin ist somit verständlich. Doch wir können und dürfen eine derartig gravierende Falschaussage nicht stehen lassen.

Samstag, 27. Oktober 2007

Quelle Tagesanzeiger online :

Jean Ziegler: Biokraftstoffe NEIN-DANKE!

Jean Ziegler fordert ein fünfjähriges Moratorium für die Produktion von Biokraftstoffen. Zuerst müssten alle Hungernden ausreichend ernährt werden.

Durch die Verwendung von Pflanzen wie Getreide und Zucker für die Herstellung von Biodiesel würden Grundnahrungsmittel teurer und mehr Menschen müssten hungern, erklärte der Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, am Sitz der Vereinten Nationen in New York. «Die Umwandlung von fruchtbarem Ackerland zur Herstellung von Biokraftstoffen ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit».

Die Agrarproduktion müsse dafür eingesetzt werden, den Hunger einzudämmen, forderte Ziegler. Damit stellt er sich unter anderem gegen US-Präsident George W. Bush, der sich für eine verstärkte Nutzung von Biotreibstoffen einsetzt. Auch die Bundesregierung will den Anteil des Biodiesels in den kommenden Jahren erhöhen.

«Sie haben nicht das Recht, selbst wenn sie den Klimawandel bekämpfen, dieses völlige (Hunger-)Massaker fortzusetzen», sagte Ziegler zu solchen Plänen. Als Beispiel schilderte Ziegler, dass es 232 Kilogramm Mais bräuchte, um 50 Liter Ethanol zu produzieren. Damit könne ein Kind in Mexiko oder Sambia ein ganzes Jahr ernährt werden.

Kommentar: Ziegler nahm nie ein Blatt vor den Mund. Im Interesse der hungernden Bevölkerung schont er auch nicht die angeblich grünen Bemühungen mit der Förderung des Bio-Treibstoffes. Ob die Stimme Zieglers ernst genommen wird?

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Zum Duell Galladé Diener

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte

Die Ausgangslage wird heikel für Ueli Maurer bei der Ausmarkung um den zweiten Ständeratssitz, wenn SP und Grüne zusammenspannen. Doch beide Frauen sind ehrgeizig und beide führen valable Argumente ins Feld, die zu den eigenen Gunsten sprechen. Heute hätten die Würfel fallen sollen, ob Maurer mit einer rot-grünen Mauer - als Hindernis - rechnen muss. Nun steht es fest: Die SP ist nicht bereit, auf ihre Kandidatin zu verzichten, welche immerhin an zweiter Stelle lag.

Nach meinem Dafürhalten wird Verena Diener kaum auf ihre einmalige Chance verzichten. Falls Verena Diener nicht nachgibt, könnte Ueli Maurer ins Fäustchen lachen. Die SVP würde intern genüsslich über den Zickenkrieg schmunzeln.

Nachtrag:

Gemäss Parteipräsident Hansjörg Frei sind die Chancen für Ueli Maurer gestiegen, am 25. November für den Kanton Zürich ins Stöckli gewählt zu werden.

Die Chance für eine Einheitskandidatur ist nach dem heutigen Entscheid gering. Wer weiss: Vielleicht könnten doch noch Wunder geschehen und Verena Diener opfert sich als Dienerin für die Aktion "Maurer verhindern" und die Medien hätten eine neue Geschichte.

Die Ueberraschung

Was niemand gedacht hatte: Am 26. Oktober gibt Galladé bekannt, dass sie im Interesse der Sache Verena Diener den Vortritt lasse. Damit ist das Wort "Zickenkrieg vom Tisch". Der Entscheid kam überraschend ist aber für die Linken richtig. Nun hat Ueli Maurer ein Problem. Wenn beide grünen Parteien, die CVP, SP und ein Teil der FDP Verena Diener unterstützen, ist sie problemlos gewählt. Zur Zitterpartie wird es dann für Verena Diener, falls der Bürgerblock zusammensteht und die frustrierten Genossen leer einlegen.

So oder so hat nun Maurer mit der neuen Konstellation eine hohe Mauer zu überqueren. Ob er dies schafft? Ich zweifle daran. Die Mauer hat zwar Schwachstellen. Das sind die Risse zwischen ROT und GRUEN. Die SP hatte nämlich keine Freude, an die Grünen so viele Stimmen zu verlieren. Möglicherweise können anderseits die ANTI SVP Stimmen den Mörtel härten und dann kann sich Ueli Maurer nicht nur als Parteipräsident, sondern auch als Ständeratskandidat verabschieden. On verra. Jedenfalls wird es spannend.

Nachtrag:

Nach Tagi online gewinnt Maurer

Diener und Galladé in den letzten Tagen ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Diener die Katze, Galladé die Maus war. Galladé hielt sich an die Spielregeln: In die zweite Runde gehen bei Majorzwahlen die zwei bestplatzierten Kandidaten der ersten Runde. Das empfahl sich umso mehr, als die Mitte- und Linksparteien schon am Sonntag dasselbe Ziel bekannt gaben: Es gelte jetzt, Maurer zu verhindern. Galladé hielt an ihrer Kandidatur fest, der Rest zog sich zurück.

Ausser Diener. Sie sagte weder Ja noch Nein und machte sich stattdessen an die Demontage Galladés. Ein heuchlerischeres Spiel hat man kaum je erlebt. Diener hatte über Galladé nur Lobendes zu sagen, aber Lob wurde selten herablassender und vergifteter geäussert. «Sie ist charmant. Sie hat einen guten Wahlkampf geführt.» Es erinnerte ein bisschen an die letzten Bundestagswahlen in Deutschland, als Noch-Kanzler Gerhard Schröder Angela Merkel den Sieg streitig machte mit einem hochnäsigen: «Die kann das nicht.» Diener gab zwischen den Zeilen ständig zu verstehen, dass sie sich nicht nur für weit besser hält als Galladé, sondern dass deren Vorsprung auch nur auf einem Irrtum der Wähler beruhen könne.

Die Grünliberale gab sich, wie sie in den Wahlkampf gestiegen war und ihn geführt hatte: überzeugt, dass kein Weg an ihr vorbeiführt. Als sie ihre Kandidatur Anfang Jahr ankündigte, ging sie offensichtlich davon aus, als Favoritin anzutreten. Sie irrte sich. Den Wahlkampf glaubte sie im Schlafwagen bestreiten zu können. Sie irrte sich nochmals. Jetzt hat sie Galladé weggebissen mit der Begründung, sie habe im zweiten Wahlkampf im Gegensatz zu dieser eine Chance. Ob sie sich ein drittes Mal geirrt hat, wird man am 25. November wissen.

Diener hatte am Sonntag hoheitsvoll erklärt, jemand müsse die Grösse haben, auf eine weitere Kandidatur zu verzichten. Sich selber hatte sie damit offenbar nicht gemeint; sie braucht Grösse nicht zu zeigen, sie hat sie. Die nötige Grösse hat jetzt - etwas verspätet - Galladé bewiesen. «Im Dienst der Sache», wie sie sagte. Es soll zumindest eine geringe Chance bleiben, Maurer zu verhindern. Doch es ist vor allem ein Dienst am Stellenwert der Wahlen. Wären beide, Diener und Galladé, im Rennen geblieben, hätte sich das Ganze auf einen ebenso unwürdigen wie lächerlichen Schönheitswettbewerb zwischen den zwei Frauen reduziert - einen sinnlosen Prestigewettkampf, weil sie gegen Maurer nicht hätten punkten können.

Es wurde zu viel Geschirr zerschlagen!

Eines kann man schon heute sagen: Einen Wahlkampf «Alle gegen Maurer» werden wir nicht erleben. Dazu hat Diener zu viel Geschirr zerschlagen. Indem sie Galladé demontierte, demontierte sie sich selber. Ihre Wahlchancen sind entsprechend zweifelhaft. Zwar haben inzwischen CVP, EVP und Grüne Diener ihre Unterstützung zugesagt. Selbst die SP ruft ihre Wähler dazu auf, ihr Vertrauen von Galladé auf Diener zu übertragen.

Wähler fühlen sich verschaukelt

Doch in der Wählerschaft dürfte es anders aussehen. SP-Wähler werden es Diener kaum verzeihen, dass und wie sie ihre Wahlsiegerin Galladé aus dem Rennen geworfen hat.

Wem Verena Dieners ehrgeiziges Spiel letztlich gedient hat, wird sich bald zeigen. Sie hat zwar die SP und Chantal Galladé in die Knie gezwungen. Ob sie jedoch nach diesem unschönen Spiel mit dem prophezeiten überwältigenden Echo in der Bevölkerung rehnen kann - ob die Chancen zum Erfolg tatsächlich immer noch intakt sind und Galladé allen chancenlos gewesen wäre, steht in den Sternen.

Die SP war jedenfalls nicht bereit nachdem Hickhack gemeinsame Spielregeln zu die Wahl auszuarbeiten. Es gibt nicht nur in der SP Leute, die dafür kein Verständnis aufbringen, dass immer der Aelteren der Vortritt gewährt wird, auch dann, wenn sie im Grunde genommen schlechter abgeschnitten hat als die Jüngere.

Nach dem Sprichwort;

Dä Gschiider git noo und dä Esel bliibt stoo

wäre offensichtlich Galladé die Gescheitere und damit Verena Diener ........