Donnerstag, 2. August 2007

Weitere unredliche Methoden ___________________________________ Mit kurzen offenen Fragen den Redefluss hemmen ______________________________________________ Diese Art des Unterbrechens ist auch eine Waffe des Kampfrhetorikers. Z.B. "Finden Sie dies gut? Nicht? Weshalb erwähnen Sie es dann?" ____________________________________________________________ oder: Verwirrende Gegenfrage: "Wie kommen Sie auf diese Frage?" ________________________________________________________ Den Naiven spielen _______________________________________________________ Absichtlich nicht verstehen wollen. Das Gegenüber spielt den Ahnungslosen. Dies irritiert. Man verliert bei dieser Taktik die Geduld und den roten Faden. ________________________________________________________ Ständig dagegen sein - gegen alles __________________________________________________________ Das ständige Widersprechen verwirrt besonders, wenn mit der Körperhaltung die Missbilligung zusätzlich verstärkt wird. "Interessant, aber...." Falls diese Provokation Früchte trägt und das Gegenüber ungehalten reagiert, wird der Unschuldige gemimt: "Ich wollte Sie doch nur mit einer Gegenmeinung eine differenziertere Betrachtungsweise bewusst machen." _____________________________________________________________ Ohne direkt zu beleidigen, das Gegenüber beschuldigen _____________________________________________________________ Mit dem Finger auf das Gegenüber zeigen. "Sie verstehen mich falsch!" Falls dann das Gegenüber aggressiv reagiert: "Es ist sinnlos mit ihnen zu diskutieren, sie reagieren aggressiv!" (Gespräch abbrechen) ______________________________________________________________ Kompetenz bezweifeln ______________________________________________________________ Es werden die Fähigkeiten des Gegenübers bezweifelt - nicht die Inhalte der Argumentation: "Sie können es nicht besser wissen, weil Ihnen die Erfahrung fehlt" (bei einer jungen Person) "Verständlich, dass Sie so reden in Ihrem Alters. Man ist halt nicht mehr so zeitgemäss!" (Bei einer älteren Person) Besonders wirkungsvoll ist diese Technik, wenn der Vorwurf mit dem Satz eingeleitet wird: "Sie nehmen es mir sicher nicht übel, wenn ich offen rede. Es ist nicht persönlich gemeint." __________________________________________________________________ Herabwürdigen __________________________________________________________________ Offen beleidigen: "Wir wissen, dass Sie als Politiker nicht an konkreten Lösungen interessiert sind." _____________________________________________________________ "Als Journalist können Sie dies natürlich nicht wissen." _____________________________________________________________ "Die Farbe Ihres Hemdes entspricht Ihrer Gesinnung." _____________________________________________________________ " Wenn jemand so viel isst wie Sie, so hat dies gewiss einen Einfluss auf das Denken." ___________________________________________________________________ Moralisieren ___________________________________________________________________ "Wer heute noch für Atomkraftwerke ist, der spuckt auf die Gräber der Atomtoten in Tschernobyl." ___________________________________________________________________ Den grosszügigen Strategen mimen ___________________________________________________________________ "Gefragt ist die grosse Linie!" ___________________________________________________________________ Floskeln statt Argumente __________________________________________________________________ "Das muss jedem mit gesundem Menschenverstand einleuchten." ___________________________________________________________________ Der Konjunktivtrick ___________________________________________________________________ "Was würden Sie tun, wenn Sie das grosse Los gewännen?" Es ist erstaunlich, wie Leute - ohne es zu wissen - bei hypothetischen Fragen sehr viel von sich preis geben. Mehr als sie sonst sagen würden. __________________________________________________________________ FAZIT __________________________________________________________________ Unangenehme Fragen müssen Sie erkennen und benennen. Statt mit einer Gegenfrage zu kontern, gibt es auch eine Killerantwort, die oft hilfreich sein kann: "Moment - da muss ich erst einmal in Ruhe nachdenken!"

Sündenbock Handy? ______________________________________ In einer Wohnung in Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) quälten jüngst fünf Mädchen im Alter von elf bis 15 Jahren eine 14-jährige Mitschülerin mehrere Stunden lang und filmten das grausame Geschehen mit ihrem Video-Handy, das bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt werden konnte. Wenn ein Mädchen von elf- bis 15-jährigen Mitschülerinnen geschlagen und getreten werden kann und mit einem Feuerzeug und einer glühenden Zigarette Brandwunden zu gefügt wurden, das Opfer vom Quintett gezwungen werden konnte, sich zu entkleiden - wenn dem Mädchen rohe Eier auf ihrem Kopf zerschlagen wurden und die entwürdigenden Handlungen mit einem Video-Handy aufgenommen werden, so stellt sich die Frage. Wer trägt an solchen Auswüchsen die Schuld: Das Opfer? Die Täterinnen? Die Eltern? Die Lehrpersonen oder: Ist das Handy schuld, weil heute die Gewalttaten gefilmt und gezeigt werden können? _____________________________________________________________ An der betreffenden Schule, die alle Beteiligten besuchen, waren nach Informationen des SÜDKURIER Lehrer und Schüler gleichermassen schockiert. Nach der "menschenverachtenden Tat" wurden angeblich entsprechende Konsequenzen eingeleitet und weitere Massnahmen sind geplant. Dazu gehörte auch, dass Themen wie Gewalt oder die Verbreitung gewalttätiger Videos via Handy im Unterricht zum Thema gemacht wurden. ___________________________________________________________________ Immer wieder ist das Handy im Spiel ___________________________________________________________________ Nach seriösen Studien besitzen 92 Prozent aller Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren ein Handy. Ein Drittel der jugendlichen Handy-Besitzer soll danach schon brutale Videos oder Pornofilme erhalten haben. Unterschieden werden so genannte Snuff-Videos, auf denen Morde, pornographische Inhalte sowie nachgestellte Demütigungen gezeigt werden. Und das so genannte Happy Slapping, bei dem meist Jugendliche Gewalttaten an anderen praktizieren und diese auch filmen. ___________________________________________________________________ Lehrermobbing mit Handyfilmchen ___________________________________________________________________ Deutsche Lehrer klagen über Erniedrigungen im Internet In Berlin werden seit Monaten Lehrer von ihren Schülern im Internet verunglimpft und diffamiert. Eine „neue Form des Mobbings“ beklagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft .Sie findet: Die schlimmsten Vorkommnisse müssten künftig als Straftaten gewertet werden. Von „psychischen Gewalthandlungen“, für die „Null Toleranz“ gelten müsse, spricht die stellvertretende GEW- Vorsitzende Marianne Demmer. Die unkontrollierte Verbreitung der Inhalte über das Internet in die ganze Welt mache diese neue Form der Gewalt -laut Lehrergewerkschaft - so unkontrollierbar und gefährlich. Wir fanden keine signifikante Statistik zu diesem neuen Phänomen. Somit ist es schwer zurückzuverfolgen, ob und wie viele Lehrer etwa Anzeige gegen Schüler erstattet haben. In Grossbritannien ist das Phänomen des Mobbings per Internet oder Handy immerhin seit längerer Zeit ein Thema: So war einem Lehrer vor laufender Handy-Kamera die Hose heruntergezogen worden, als er an der Tafel stand. Zwei Stunden später konnte jeder, der es wollte, die Szene im Internet ansehen. 17 Prozent der befragten Lehrer hätten angegeben, schon einmal oder mehrfach im Netz oder per Handy gemobbt worden zu sein. Deshalb fordert Demmer Pädagogen auf, „konsequent zu handeln“. Ein solcher Vorfall müsste offensiv im Kollegium besprochen werden. Genauso wie bei Fällen körperlicher Gewalt bestehe auch bei derartigen Mobbing-Taten eine Meldepflicht an den Schulrat, den schulpsychologischen Dienst und der Senatsverwaltung für Bildung. „ Alle gemeinsam sollten versuchen, einen solchen Vorfall „aufzuarbeiten“. Sobald die Täter entlarvt werden, sei es wichtig, dass diese auch zur Rechenschaft gezogen werden. „Es muss eine Entschuldigung geben, aber auch einen Täter-Opfer-Ausgleich“, war zu lesen. In gewissen Schulen arbeiteten die Lehrkräfte mit Experten der Polizei, so genannten Diversionsmittlern, zusammen. __________________________________________________________________ Bei den Erniedrigungen im Internet geht es nicht mehr um „Dumme-Jungen-Streiche“ , sondern um Straftaten, die erhebliche Konsequenzen haben müssten. Die Opfer könnten durch psychische Gewalt ein Leben lang traumatisiert werden. So müssten sich die zuständigen Stellen fragen und überlegen , ab nicht die Betreiber bestimmter Internet-Plattformen zivilrechtlich belangt werden könnten: Indem diese auf Schadenersatz verklagt werden, falls sie die Mobbing-Inhalte der Schüler unkontrolliert über ihre Plattformen verbreiteten. ____________________________________________________________ Und in der Schweiz? __________________________________________________________________ In einer Diskussionsrunde anlässlich der Schweizerischen Lehrerfortbildungskurse in Aarau wurde mir bewusst, dass das Handy- Mobbing noch kein zentrales Thema ist. Doch wurde die Thematik (Handyverbot?" heftig diskutiert. Die Meinungen gingen auseinander. Die Lehrpersonen setzten sich mit der Thematik am eigenen Schulort konkret auseinander. Es gab Befürworter eines striken Verbotes und Lehrkräften, die den Jugendlichen beibringen möchten mit dem Handy richtig umzugehen. Es gibt Schulhäuser, dort wird bereits ein Handverbot durchgesetzt. In einer grösseren Zürcher Gemeinde gilt das Handyverbot nur auf dem Schulareal. Jedes Kind hat ein abschliessbares Kästchen. Dort können die Handys (Jugendliche besitzen sogar mehrere Handys) deponiert werden. Eine Sekundarlehrerin vertrat die Meinung, man könne problemlos die Nutzung des Handys auf dem Schulareal durchsetzen, so wie das Rauchverbot. Beim Rauchverbot müssten ja die Zigaretten auch nicht abgegeben werden. So würden die Handys auch nicht konfisziert. Doch werde der Nichtgebrauch konsequent durchgesetzt. Es gelte lediglich ein generelles Verbot der Nutzung. Falls sich jemand nicht an die Regel hält, so hat dies Konsequenzen. ____________________________________________________________________ Was sagt der Medienpsychologe? ____________________________________________________________________ Ich zitiere Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie an der Hochschule für Angewandte Psychologie, Zürich (Interview im 20 Minuten online): __________________________________________________________________________ Also: Was tun? __________________________________________________________________________ Es braucht medienpädagogischen Unterricht. Jeder wird heute zum Kameramann und Regisseur. Es geht dabei darum, den Jugendlichen die sozialen Konsequenzen des Mediengebrauchs und –missbrauchs zu erklären und sie zu einem kreativen statt destruktiven Medienumgang zu führen. _________________________________________________________________________ Ein Handyverbot ist also das falsche Mittel? _________________________________________________________________________ Das Verbot allein ist eine Massnahme, die konsequent erscheint, aber nichts bringt. Dass die Gesellschaft Richtlinien hat, finde ich schon wichtig. Frauenverachtende oder Gewalt verherrlichende Filme müssen verboten sein. Aber das Medium als ganzes verbieten, kann nicht der richtige Weg sein. _________________________________________________________________________ Aber wie soll ein Lehrer, der provoziert wird, mit dem umgehen? Kein Handyverbot? ___________________________________________________________________ Dieser Lehrperson würde ich als erstes einmal raten, das Verhältnis mit den Schülern zu verbessern. Für eine Phase kann es in solchen Fällen durchaus ut sein, das Handy zu verbannen, bis die Verständigung wieder funktioniert. Aber die konflikte liegen nicht einfach beim Medium. sondern das Medium wird benutzt, um sie auszutragen. ____________________________________________________________________ FAZIT: Auch ich finde, dass Jugendliche mit den neuen Medien umgehen lernen müssen - Neu sind heute die Möglichkeiten Filme und Bilder sofort ins Netz zu stellen - Nicht nur die Kinder, auch die Medien, Eltern, Erzieher und Produzenten müssen Ihre Verantwortung wahrnehmen. Verbote können kaum durchgesetzt werden, da Kinder schon mehrere Handys haben. Die These, dass Lehrkräfte selbst schuld sind, wenn sie mit Internetfilmchen an den Pranger gestellt werden, greift zu kurz. Auch die Selbstschutzbehauptung teile ich nicht, dass die Gesellschaft oder der Druck der Schule Mädchen zu Foltermägden gemacht habe.

Mittwoch, 1. August 2007

Was mich gestört hat: __________________________________________________________________________ 1. August Reden, die mit einem parteipolitischen Schlagabtausch gekoppelt werden. __________________________________________________________________________ Am 1. August dürfen gewiss politische Fragen erörtert und kritische Fragen gestellt werden. Der 1. August ist jedoch ein Tag der Standortbestimmung oder der Reflektion unseres Landes. Politische Fragen sind am Nationalfeiertag kein tabu. Wenn jedoch Roger Köppel an der 1. Augustrede - in Schaffhausen - die Sozialdemokratische Partei frontal angreift oder Micheline Calmy-Rey - auf dem Rütli - die SVP zwei mal hart attakiert und sogar ihre prifilegierte Plattform auf dem Rütli für ein Statement gegen deren Initiative missbraucht, dann geht dies zu weit. __________________________________________________________________ Die Reden verkommen zu einem parteipolitisches Gezänke, anstatt Antworten auf politische Fragen zu geben. Diese Angriffe sind in einer 1. Augustrede fehl am Platz, zumal die beiden angegriffenen Parteien Bundesratsparteien sind. _________________________________________________________________ Kommentar: Wenn sich ein Redner oder eine Rednerin in der momentanen Stimmung unbedachterweise zu einem derartigen unrühmlichen parteipolitischen Schlagabtausch hinreissen lässt, so wird sich später erweisen, dass dieser Giftpfeil zu einem Bumerang mutiert. Ich bin überzeugt, dass diese Fauxpas im Wahljahr für die Redner noch negative Folgen haben werden.

Sonntag, 29. Juli 2007

Pascale Bruderer: Einsichtig geworden oder ist alles nur Wahltaktik?

Seit Jahren machte sich die SP Schweiz für eine Legalisierung der weichen Drogen stark und lehnte stets repressive Massnahmen ab. So auch bei Gewalt in den Schulen, bei der Ausschaffung krimineller Ausländer. Die SP setzte auf die Einsicht und verlangte kostenträchtige Massnahmen bei der Prävention, Therapie, Mediatoren , der Integration oder forderte zusätzliche Sozialarbeiter. Im Wahljahr stellen wir heute mit Erstaunen fest, dass nach der happigen Wahlschlappe in Zürich plötzlich doch noch auf die Stimme des Volkes gehört wird und in verschiedensten Bereichen härteres Durchgreifen gefordert wird.

Nachdem bei der "Tour de Farce" in Frankreich ein Dopingfall nach dem anderen entdeckt worden ist, ist nun die SP auch bei dieser aktuellen Thematik sofort aufgesprungen. Es ist Pascale Bruderer, die zu unserem Erstaunen eine Verschärfung der Doping Strafnorm verlangt. Erstaunlich, dass es ausgerechnte die SP ist, die in diesem Fall noch einen Schritt weiter gehen will als das Bundesamt für Sport. Pascale Bruderer plötzlich als Vorreiterin zur Aufdeckung von Missständen beim Sport? Wie kommt es zu diesem Umdenken? Bruderer will die Strafnorm auf Dopingmittel wie Anabolika, Epo, Wachstumshormone oder Gendoping durchsetzen. Die SP fordert somit: Härte statt Nachsicht. Das ist neu! Nur beim Konsum von Cannabis hätte dies für die SP Politikerin keine Folgen. Hier bleibt sich Bruderer immerhin ihrer alten Philosophie treu. Was uns vor allem erstaunt: Die neuen Forderungen nach vermehrten Kontrollen. Ob der Ruf nach härterem Durchgreifen und Repressionen von Pascale Bruderer später auch noch bei der Jugendgewalt und bei den kriminellen Ausländern gefordert wird? Es würde uns nicht erstaunen.

Kommentar: Jeder Mensch darf einsichtig werden und einsehen, dass die frühere Politik des Gewährenlassens in eine Sackgasse geführt hat und von der Bevölkerung nicht verstanden wurde. Ob der Gesinnungswandel (härteres Durchgreifen) so kurz vor den Wahlen als ehrliche Einsicht gewertet wird oder vielmehr als geschickte Wahltaktik gesehen wird? Das werden später die Wahlresultate zeigen. Hans- Jörg Fehr vertrat jedenfalls noch vor wenigen Wochen die Meinung, die SP werde ihren Inhalten treu bleiben.

Nachtrag :Im Sonntagsblick unter "classe politique"gelesen: Pascale Bruderer habe dem "Magazin" verraten, was sie "nicht mag": "Meine Stimme am Radio." Dagegen gebe es aber doch ein höchst wirksames Mittel, meint der Kommentator: Den Mund zu halten, wenn das Radio kommt. Der SP Jungstar, der bei allen Problemen mitreden will, wird diesen Rat wohl kaum beherzigen.

Nachtrag 27. August:

Pascale Bruderer bewies erneut politisches Geschick

Im Gegensatz zur früheren Paradefreisinnigen, Maya Lallive d'Epinay - die es versäumt hatte, die Bevölkerung des eigenen Kantons zu berücksichtigen - sprang Pascale Bruderer über ihren eigenen Schatten und zeigte sich in der Oeffentlichkeit am Schwingerfest in Aarau, bei einer typischen Männerveranstaltung (Micheline Calmy-Rey brach mit der Tradition und lehnte als Rednerin der "Frauen- Rütlifeier" ihre Präsenz am Schwingerfest ab). Böse Zungen könnten nun behaupten, Pascale Bruderer sei ein Windfähnchen und buhle mit ihrem Auftritt lediglich um Stimmen im eigenen Kanton. Wir sehen es nicht so:

Sie bewies mit ihrer Präsenz politische Klugheit. Sie gewinnt dadurch als Sportpolitikerin über die Fraktionsgrenzen hinweg an Ansehen.

Nachtrag 25. November 07

Pascale Bruderer: Schon wieder politisch klug gehandelt

Das Amt der Parteipräsidentin hat Pascale Bruderer abgelehnt. Sie weiss genau, dass sie dieser Job voll und ganz beansprucht hätte. Sie kennt die zeitraubende Arbeit einer Parteipräsidentin. Bestimmt ist zudem die junge Politikerin so klug, sich auszurechnen, dass es ein gewagtes Unterfangen wäre, eine Partei aus dem derzeitigen Tief heraus zu manöverieren. Das Risiko, sich für die Sache aufzureiben, um nachher höchstens noch den Undank ernten zu müssen, ist bei der SP derzeit gross. Ich finde, Pascale Bruderer sah bestimmt andere Wege, die politische Leiter zu erklimmen. Wege, die weniger riskant sind. Jemand, der so anpassungsfähig und flexibel ist, wie Pascale Bruderer, dem wird - auch ohne Parteipräsidium - früher oder später eine weniger riskanter Weg nach oben angeboten werden.

Nachtrag 3. Dez:

Die Zurückhaltung hat sich gelohnt

Pascale Bruderer wurde nun 2. Vizepräsidentin des Nationalrates. Die 30-jährige Aargauer Sozialdemokratin erhielt am Montag 127 von 189 gültigen Stimmen. Die grüne Kampfkandidatin Maya Graf (BL) kam nur auf 49 Stimmen.

Kommentar: Pascale Bruderer zeichnet sich einmal mehr als clevere Taktikerin aus. Der Wahl zur Vicepräsidentin bestätigt dies.

Samstag, 28. Juli 2007

Die Früchte des Gewährenlassens ______________________________________________________________ Wer Unrecht duldet, muss sich nicht wundern, wenn das Unrecht zum Gewohnheitsrecht wird! _____________________________________________________________ In Genf flogen die Molotow-Cocktails! Gegen tausend Personen haben in Genf erneut gegen die Räumung besetzter Häuser demonstriert. Dabei kam es mehrfach zu Zusammenstössen zwischen den Demonstranten und der Polizei. Die Beamten setzten Tränengas ein. _____________________________________________________________ Quelle SDA: _____________________________________________________________ Anlass für die Demonstration, die am frühen Samstagnachmittag begann, war die Räumung der Liegenschaften «Rhino» und «La Tour». Zu der bewilligten Kundgebung aufgerufen hatten das «Rhino»-Kollektiv und die Bewegung Intersquat. Ihre Unterstützung zugesagt hatte auch die Linke und kulturelle Bewegungen. ____________________________________________________________________ Einige Kundgebungsteilnehmer gingen mehrfach auf Konfrontationskurs mit der Polizei. Bei den Zusammenstössen zwischen den Demonstranten und der Polizei wurden Pflastersteine und sogar Molotow-Cocktails geworfen. Ein Auto geriet dabei in Flammen. Die Polizei, die auch im Innern des Hauses präsent war, griff hernach hart durch. Die Demonstranten wurden mit Tränengas auseinander getrieben. Das brennende Auto wurde mit einer Wasserkanone gelöscht. ____________________________________________________________ Kurz nach 18 Uhr setzte die Polizei erneut Tränengas ein, um zu verhindern, dass sich die Demonstranten dem «Rhino» und dem «La Tour» näherten. Zuvor hatten einige Kundgebungsteilnehmer die Fenster der FDP-Zentrale eingeschmissen. Generalstaatsanwalt Daniel Zappelli, der die Räumungen angeordnet hatte, gehört dem Freisinn an. Auf dem Weg zum «Rhino» und zum «La Tour» wurden auch kleinere Barrikaden errichtet. Andere Kundgebungsteilnehmer versprayten Fassaden und zerkratzten Autokarrosserien. Die Demonstration endete schliesslich mit einem Sit-In vor dem «Rhino». __________________________________________________________________ Politprominenz zieht mit ___________________________________________________________ An der Demonstration beteiligte sich auch linke Politprominenz, darunter die Nationalräte Ueli Leuenberger (Grüne), Maria Roth- Bernasconi (SP) und Pierre Vanek vom Linksbündnis «A gauche toute!». Sie verlangten wie die übrigen Teilnehmer, dass ohne richterliche Anordnung keine weiteren Häuser geräumt werden dürften. Die hinausgeworfenen Besetzerinnen und Besetzer sollten zudem in ihre Wohnungen zurückkehren können. Weiter fordern die Demonstrierenden, dass für kulturelle und alternative Vereinigungen weiterhin Räume zur Verfügung stehen. __________________________________________________________________ Was uns erstaunt: Die Genfer Regierung hat nicht vor, die verbleibenden 24 Hausbesetzungen der Stadt räumen zu lassen, wie Staatsrat Mark Muller am Mittwoch gegenüber der «Tribune de Genève» sagte. _____________________________________________________________ Kommentar: Hausbesetzungen sind und bleiben illegal. Denn es eignet sich jemand unrechtmässig fremdes Eigentum an. Wenn die Regierung solche illegalen Besetzungen jahrelang zulässt und besetzte Liegenschaften nicht sofort räumt , muss sie sich nicht wundern, wenn sie später den alten Zustand kaum mehr wiederherstellen kann. Eltern und Lehrpersonen wissen es aus dem eigenen Erziehungsalltag: Wird das Ueberschreiten der Grenzen all zu lange geduldet d.h. lässt man das Unrecht gewähren, ist es später kaum noch möglich, das Rad wieder zurückzudrehen. Im Grunde genommen hatte die Genfer Regierung die gleiche Erfahrung gemacht, wie alle Erziehungspersonen. Wird ein Unrecht zum Gewohnheitsrecht, so kann man das Gewohnheitsrecht sehr schlecht nachträglich wieder ändern. Ich bin der Meinung, die Genfer Regierung trägt in diesem Fall eine wesentliche Mitschuld. Sie muss heute vor allem das ausbaden, was sie sich eingebrockt hatte. Mit den zahlreichen weiteren Besetzungen würde sie gewiss eine analoge unerfreuliche Geschichte erleben. Es sei denn, die Regierung foutiere sich um das Eigentumsrecht und halte sich weiterhin an das fragwürdige Rezept, das ihr jahrelang keinen Aerger eingebracht hat: Es ist das billige Rezept des "Gewährenlassens".

Mittwoch, 25. Juli 2007

Entführte Deutsche in Afghanistan: Zu viele offene Fragen ____________________________________________________________ 25. Juli 07 Ein entführter deutscher Ingenieur ist bereits tot. Ob er an den Folgen einer Schussverletzung gestorben ist, weiss niemand. Die Todesursache ist noch nicht geklärt. Informationen bleiben im Dunkeln. Die Thaliban wollen, dass die deutschen Afghanistan verlassen. Mit den Entführungen und dem ersten Toten ist es ihnen gelungen Deutschland zu verunsichern. Das Verwirrspiel ist perfekt. Wie es der zweiten Geisel gesundheitlich ergeht, ist derzeit unklar. Der Kampf um die Befreiung dieses Mannes ist im vollen Gang. Niemand weiss Bescheid über den Gesundheitszustand dieses Mannes. ____________________________________________________________ Aussenminister Steinmeier hatte zuerst verlauten lassen, es deute nichts darauf hin, dass die tote Geisel ermordet worden ist. Es deute alles darauf hin, dass der Deutsche den Strapazen erlegen sei. Nun bringen jedoch die Schusswunden den Aussenminister in Verlegenheit. Er informierte, ohne dass er über genügend Informationen verfügt hatte. __________________________________________________________________ Kommentar: Solche Informationspannen führen immer zu einer Einbusse der Glaubwürdigkeit. Die deutsche Regierung möchte sich auf keinen Fall den Rückzug der deutschen Truppen aufzwingen lassen. Ihr liegt vielmehr daran, dass das Mandat noch verlängert werden kann. Die tote Geisel vergiftet heute die Stimmung für den Truppeneinsatz in fremden Landen. Und an kritischen Stimmen fehlt es nicht. Deshalb bleibt der Regierung nichts anderes übrig, als mit den Taliban zu feilschen. Ein weiterer Toter kann man sich nicht leisten. Der Nervenkrieg geht somit weiter. Es gibt in den Medien Spekulationen über den Einsatz deutscher Tornados - zur Ortung der Geiseln. Ferner wird vermutet, dass die Regierung alles tue und heimlich jede Summe zahle, nur damit es nicht noch mehr Tote gibt. Wer sich jedoch mit Entführungen beschäftigt, der weiss , dass Zahlungen die Erpresser ermunter , erneut zu erpressen. Die Bundesregierung würde mit ihren vertraulichen Lösegeldern im Grunde genommen nicht nur die Erpresser unterstützen. Die nächsten Entführungen wären bereits vorprogrammiert.

Dienstag, 24. Juli 2007

Cannabis erhöht Risiko für Schizophrenie ____________________________________________________________ Quelle: Heute online

ZÜRICH. Cannabis-Konsum erhöht das Risiko für Schizophrenien und andere Psychosen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

«Aus präventiver Sicht erscheint Cannabis weniger harmlos als gemeinhin angenommen», werden die Forscher in einer Mitteilung der Universität Zürich zitiert. Die Rolle von Cannabis als Risikofaktor für psychische Krankheiten müsste neu eingeschätzt werden. _____________________________________________________________ Menschen, die aufgrund einer familiären Belastung anfällig für psychische Krankheiten sind, sollten auf Cannabis verzichten, empfehlen die Forscher. Ihre Studie ist in der online-Ausgabe der Fachzeitschrift «Schizophrenia Research» publiziert. Statistisch untersucht wurden Ersteintritte in die psychiatrischen Einrichtungen des Kantons Zürich. Berücksichtigt wurden Daten, die bis in die 1970er Jahre zurückreichen. Das Forschungsteam stellte bei jungen Männern eine auffällige Zunahme der Erkrankungsrate im Verlaufe der 1990er Jahre fest. Bei den 15- bis 19-Jährigen verdreifachte sie sich, bei den 20- bis 24- Jährigen verdoppelte sie sich innert kürzester Zeit. In diesem Jahrzehnt stieg auch der Konsum weicher Drogen stark an. Junge Männer konsumieren zudem am häufigsten und die grössten Mengen Cannabis. Auch weisen sie am häufigsten einen Mischkonsum auf. _________________________________________________________________

Soweit die SDA Mitteilung. __________________________________________________________________

Kommentar: Als Präsident der Volkshochschule Schaffhausen hatte ich in den achziger Jahren eine Veranstaltung über die Wirkungen von Cannabis durchgeführt. Ein Arzt machte schon damals darauf aufmerksam, dass die Gefahr des Konsums weicher Drogen nicht bagatellisiert werden dürfe. Die Droge beeinflusse die Psyche. Sie beeinflussten zudem die Jugendlichen negativ - hinsichtlich Arbeitswille und Arbeitshaltung. Damals wurde jede Kritik als "unbewiesen" abgetan. Es gab Strömungen und engagierte Gruppen, die sich für die Legalisierung der weichen Drogen stark machten. Für sie gab es keine Gründe, Jugendlichen den Genuss von Cannabis zu verbieten. Auf politischem Weg wollten sie den Cannabiskonsum sogar legalisieren. Die Fronten verhärteten sich. Auch in den Medien kam es gleichsam zu einem Glaubenskrieg. Wer dem Cannabiskonsum gegenüber kritisch eingestellt war, wurde als Ewiggestriger abgestempelt und "fertig gemacht". Es wurde behauptet, Cannabis könne unbedenklich genossen werden. Er sei weniger gefährlich als Alkohol. Es sah so aus, dass das Parlament - letzlich auch das Volk - Cannabis legalisieren würde. Bis dann die ersten medizinischen Resultate die schädlichen konkret Wirkungen nachweisen konnten. Es kam zu einem Umdenken. Nachdem nun diese zusätzlichen erhärteten Erkenntnisse vorliegen, zweifle ich an einer raschen Legalisierung weicher Drogen.