Donnerstag, 5. Juli 2007

Fragwürdige TITANEN-Rhetorik _____________________________________________________________ Thomas Gottschalk über Dieter Bohlen _______________________________________________________________ Quelle. Bunte 28/07 _____________________________________________________________ "Was in den Medien über uns geschrieben wurde ist nicht wahr. So was kommt unter Zicken vor, aber nicht unter Titanen." sagte Gottsschalk und betonte: "Deswegen hier in aller Deutlichkeit: Ich mag den Dieter, auch wenn ich ihn mehrfach beschimpft habe. Das gehört zur Sorgfaltspflicht, wie sie unter Titanenbrüdern üblich ist. Ansonsten sind wir uns nicht unähnlich. Er hat bunte Frauen und ich grelle Anzüge, die wir öfter wechseln als andere Männer, was diese uns logischrweise nicht gönnen, weswegen sie uns vor ihren Frauen schlecht machen. _____________________________________________________________ Wir sagen mal, was wir denken, und denken dann darüber nach, was man vielleicht besser nicht gesagt hätte. Eine Geisteshaltung, die nicht mehr weit verbreitet ist und die zwischendurch auch mal Aerger bringt." _______________________________________ Kommentar: Eine Geisteshaltung, die leider recht stark verbreitet ist und nichts - aber gar nichts - mit guter Rhetorik zu tun hat. Wenn Titanen reden und erst nachher nachdenken, was sie gesagt haben, so wäre dies ein Musterbeispiel für das, was wir im Alltag nie tun dürfen. Ein unüberlegtes Plappern ist mehr als fahrlässig. Es ist dumm und unbedacht. Titanen hin - Titanen her. Wir finden und bleiben dabei: Zuerst Gehirn einschalten und dann reden. Ich habe einmal gelesen, dass im deutschen Bundestag viele Politiker sich so lange warm reden müssen, bis es zu denken beginne. Die selbsternannten Titanen Gottschalk und Bohlen hätten somit die besten Voraussetzungen für eine politische Karriere.

Mittwoch, 4. Juli 2007

Beamten-Rhetorik ___________________________________________________________________ In Deutschland - in einem Spital - an einem Schalter so gehört. Die Formulierungen könnten zwar einer Satiresendung entnommen sein: ____________________________________________________________________ "Dürfen wir davon ausgehen, dass Sie als Rentenversicherungsträger eine Anschlussheilbehandlung (AHB) beantragen möchten?" ____________________________________________________________________ Wir erkannten im Laufe des Dialoges, dass folgende Personen am Schalter miteinander sprachen: Ein Arzt informierte eine Patientin. Mein Begleiter- der die Auskunft ebenfalls mit anhörte - tat so, als habe er sich bereits vom Beamtenvirus anstecken lassen und flüsterte mir ins Ohr: "Nach der Anhörung derartiger Begrifflichkeiten wundere ich mich nicht, weshalb niemand mehr das deutsche Gesundheitswesen versteht." ___________________________________________________________________ Kommentar: Das Einfache ist leider nicht so einfach.

Dienstag, 3. Juli 2007

Weshalb Hillary Clinton gewählt wird ____________________________________________________________ Sie hat das grösste Werbebudget - Sie hat ein enormes Netzwerk - Sie profitiert vom Namen ihres populären Mannes BILL - Sie blieb Ihrem Mann treu und kämpfte mit glühender Hingabe für ihn - Sie ist intelligent, machthungrig und ehrgeizig. _____________________________________________________________ Weshalb Hillary Clinton nicht gewählt wird ___________________________________________________________ Sie ist reserviert , spröde und verbreitet konzentrierte Sachlichkeit. Die Emotionalität fehlt - Sie irritiert mit dem Satz , wenn sie sich vorstellt: "Ich bin die berühmteste Frau, über die sie wenig wissen." - Sie wirkt elitär, herablassend und trägt den Makel, dass sie den Irakkrieg befürwortet hatte - Sie hat ein Frauenproblem: Frauen legen an Hillary strengere Massstäbe an, als an Männern - Die Bevölkerung sehnt sich nach Neubeginn nach einer Aenderung . Eine Frau die bereits jahrelang im Weissen Haus gelebt hat, hat nicht viel mit dem Erneuerungsbestreben zu tun - Hillary ist nicht zu fassen - Es wird vermutet, dass die Treue zu Ihrem Mann pure Berechenbarkeit gewesen sei. Es wird behauptet: Ohne Ihre Grosszügigkeit wäre der Weg zur Präsidentschaftskandidatin nie möglich geworden. Hätte nämlich Hillary den untreuen Mann im Regen stehen lassen (so wie ihr von Frauen damals gefordert wurde), würde heute niemand mehr von Hillary reden. _____________________________________________________________ PROGNOSE: Nach meinem Dafürhalten ist das Rennen immer noch offen. Obwohl in den Staaten das Werbebudget und die Medien eine zentrale Rolle spielen, könnte es sein, dass Hillary - die von den Medien getragen wird - das Nachsehen hat. Zur Zeit besteht aus meiner Sicht eine Patt-Situation. Am Schluss entscheidet das Volk. Auf jeden Fall wird es spannend werden. Wir werden die Medienduelle mitverfolgen.

Samstag, 30. Juni 2007

Wie können Eltern in die Pflicht genommen werden, wenn sie nicht mehr anwesend sind? __________________________________________________________________ Die ARENA vom 29. Juli befasste sich ebenfalls mit der Jugendgewalt. In der Diskussion um mögliche Massnahmen gegen die Gewalt, war von allen Seiten die einhellige Forderung zu hören: Die Eltern müssten vermehrt in die Pflicht genommen werden! Es wurden Spachförderungskurse für ausländische Eltern gefordert, die auch erzwungen werden dürften. Wie üblich wurden Tagesschulen und Betreuungsstätten gefordert. Die Tatsache dass damit viele Eltern ihre Erziehungsaufgabe gar nicht mehr richtig wahrnehmen können, blieb ausgeklammert. ____________________________________________________________________ Das Grundproblem: ____________________________________________________________________ Wie können die Eltern in die Pflicht genommen werden, wenn beide Elternteile tagsüber abwesend sind? Wenn Vater und Mutter auswärts arbeiten, ist diese Forderung nach vermehrtem Engagement der Eltern gar nicht realisierbar. Entweder nehmen wir die Eltern in die Pflicht. Dann sollte aber mindestens ein Elternteil anwesend sein oder wir entlasten die Eltern und dann müssten wir an Stelle der Eltern den Lehrkräften, den Grosseltern oder sonstigen Betreuern die volle Erziehungsaufgabe übergeben. Leider blieben diese Zusammenhänge in der Diskussion ausgeklammert. Es ist erstaunlich, dass es die wenigsten Politiker wahr haben wollen, dass die Forderung nach vermehrtem Engagement der Eltern in den meisten Fällen heute gar nicht mehr durchgesetzt werden kann. Dies wäre ja nur möglich, wenn die Eltern diese Erziehungspflicht tatsächlich auch wahrnehmen könnten - sprich anwesend wären. Ein Dilemma, das leider in Diskussionen nicht berücksichtig wird.

Freitag, 29. Juni 2007

Mütter, bleibt zu Hause! ___________________________________________________________________ "Wenn Mami arbeitet, leidet das Kind" ___________________________________________________________________ Dieser Titel im BLICK vom 28. Juni musste allen beruftstätigen Müttern weh tun. Die Ergebnisse der grössten Wählerbefragung ergaben erstaunlicherweise, dass eine überwältigende Mehrheit die Meinung vertritt: "Kleine Kinder leiden, wenn Mami arbeitet." Diese Umfrage ist explosiv. Denn die Politiker tendieren auf Fremdbetreuung (Krippenplätze, Tagesschulen usw.) Seit Jahrzehnten wird den Müttern eingeredet: Kinder mit arbeitenden Müttern hätten gar keine Nachteile. Schon Eva Herman mit dem Buch "Das Eva-Prinzip" stach in ein Wespennest. Sie wagte es, zu schreiben, dass viele Mütter ihrer Karriere wegen die Kinder opfern. Eva Herman wurde von vielen Medien geschnitten. Auch die Rolle der Eltern bei der Verwahrlosung und Jugendgewalt brachte ein Umdenken: Dass die Eltern die Erziehungsprobleme nicht nur der Schule aufbürden können, leuchtet ein. Doch wie können Eltern Einfluss nehmen, wenn sie gar nicht da sind? Einer Erziehungsaufgabe kann jemand nur dann gerecht werden, wenn er das Kind nicht sich selbst überlässt. Wie können wir persönlich die eigenen Kinder prägen, wenn diese fremdbetreut werden (Verhalten, Essgewohnheiten, Bewegungsmangel usw.)? Bis jetzt wurden Stimmen, die versuchten, für die Präsenz der Eltern zu reden, stets abgewürgt. Sie wurden als erzkonservativ, hinterwäldnerisch, verstaubt etikettiert. Wer versuchte, sich für "Konstanz", "Nestwärme" und Elternpräsenz stark zu machen, wurde gefragt: "Wollen Sie das Rad zurückdrehen?" "Sind Sie von gestern?" "Wollen Sie zurück zur Formel: Kind und Küche? Dass Kind und Karriere vereinbar sind ist doch eine Selbstverständlichkeit!" Wer sich für die Haus- und Erziehungsarbeit von Müttern eingesetzt hat, wurde nicht ernst genommen. Alle Bestrebungen, die Haushalt. und Erziehungsarbeit aufzuwerten und bezahlen, hatte einen schweren Stand. In der Familienpolitik war das Gegenteil der Fall. Auch die Familienministerin in Deutschland machte alles, damit die Frauen ja nicht zu Hause bleiben. Sie werden sogar heute finanziell bestraft. Nur wer arbeitet, profitiert von den Krippenplätzen. Ein Elterngeld wird vehement bekämpft, weil sonst die Frauen zu Hause bleiben könnten, anstatt auswärts zu arbeiten. ___________________________________________________________________ Die Wählerbefragung macht deutlich, dass die Politiker gar nicht auf die Stimme des Volkes hören wollen und die jungen Frauen die Bedeutung der Erziehungsarbeit neu entdecken und jene Frauen progressiv sind, die das Erziehen nicht mehr delegieren wollen. _____________________________________________________________ Nachlese: Ein Schulleiter hat mir heute erzählt, dass Eltern immer mehr die Erziehungsaufgabe der Schule abtreten. Wenn es aber zu Problemen komme oder das eigene Kind beanstandet werden müsse, so werden die Lehrkräfte kritisiert und nicht das eigenen Kind. Dann plötzlich engagieren sich die Eltern vehement - aber gegen das ganze Schulhausteam. So habe jüngst ein Oberstufenschüler auf dem Pausenplatz mir einer Gun-Waffe auf einen Mitschüler geschossen. Die Schulleitung und die Lehrerschaft hatte vorbildlich reagiert - es wurden nicht wie in Zürich die Augen zugedrückt. Es wurde gehandelt. Es folgten Massnahmen und Strafen. Auch die Polizei wurde eingeschaltet. Nach meinem Dafürhalten hat ein Schulhaus endlich richtig und rasch reagiert. Nichts wurde unter den Tisch gewischt. In der Regel wird zu lange zugewartet. Doch diese zeitgemässe Schule hat nicht weggeschaut. Bei gravierenden Vorfällen dürfen wir kein Auge zudrücken. Was war jedoch - nach dem Eingreifen - geschehen? Die Eltern des "Sünders" nahmen das eigene fehlbare Kind in Schutz und griffen Behörde, Lehrer und Polizei an: Man dürfe bei Kindern in diesem Alter nicht so hart vorgehen. Die Schule habe unverhältnismässig reagiert, sagen sie. Die Eltern blieben uneinsichtig.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Sabine Christiansen rächte sich am Kritiker ____________________________________________________________________ Zwei Tage vor der letzten Ausgabe der ARD Talkshow "Sabine Christiansen" ist der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter vom Empfang nach der Aufzeichnung ausgeladen worden. Falter war selbst 23 Mal als Experte zu Gast in der Show. Doch hatte sich Falter vorher in einem Interview kritisch über das Format "Sabine Christiansen" geäussert. _______________________________________________________________ Falter sagte der "Osnabrücker Zeitung", dass die Debatten oft "recht oberflächlich" gewesen war und die Gäste "sich permanent ins Wort gefallen seien. Prompt kam hierauf per FAX die Ausladung mit folgendem Text: " Vielleicht ist es besser, Sie ersparen sich einen weiteren oberflächlichen Abend mit uns und geniessen den Sonntag bei einem guten Buch." Absender: Produzent Michael Heiks und ergänzte: "Ich empfehle Ihnen: - Prof. Untat: Was faul ist hinter den Hochschulkulissen -" ______________________________________________________________ Kommentar: Schade! Wir fragen uns, weshalb das Christiansen Team so allergisch auf Kritik reagieren musste. Es bleibt nun leider - vor dem Abgang der Moderatorin - ein schaler Nachgeschmack zurück. Ich bedaure, dass ich keine Chance gehabt habe, ausgeladen zu werden. Der "rhetorische Faxerguss" hätte mich in meinem Fall interessiert. Produzent Heik hätte vielleicht die Standardformulierung übernommen - mit einem leicht veränderten Text. Möglicherweise hätte er dem Kritiker der Beiträge in rhetorik.ch geschrieben: "Ich hoffe, es ist besser, Sie ersparen sich einen Abend mit einer schnatternden Schnellsprecherin und Sie geniessen den Sonntag mit einem guten Buch. Ich empfehle Ihnen: - Matthias Pöhm: Vergessen Sie alles über Rhetorik -."

Sonntag, 24. Juni 2007

Westerwelles scharfe Rhetorik ______________________________________________________________ Der FDP Chef sagte zur neuen Linken ( Stuttgarter Rede vom 15. Juni): ___________________________________________________________________ Ihr demokratischer Sozialismus ist eine "Art vegetarischer Schlachthof." Westerwelle findet es "zum Kotzen", dass sich die SPD-Politikerin Andrea Nahres ein Bild des kubanischen Diktators Fidel Castro ins Büro gehängt hat. Westerwelles Rede gipfelte in dem pathetischen Appell: "Deutschland entscheide dich. Willst du den Weg gehen in Richtung mehr Freiheit oder in Richtung mehr sozialistische Bevormundung?" _____________________________________________________________ Westerwelles Wortwahl wurde hernach von verschiedenen Liberalen kritisiert. Nun muss er bestimmt mit verschiedenen kritischen Fragen im Bundesvorstand rechnen. ___________________________________________________________________ Kommentar: Ich kann mir gut vorstellen, dass Westerwelle bewusst provoziert hat. So hört man wenigstens wieder von ihm. Leute die Schwarz weiss malen, punkten in der Regel beim eigenen Parteivolk. Anderseits ist in der heutigen Situation unklug - als Partei der Mitte - harte Fronten aufzubauen. Wer weiss, ob er nicht unverhofft mit den angeblichen Gegnern zusammen regieren muss. In Deutschland ist derzeit alles offen.