Montag, 5. März 2007

Thomas Gottschalk:

Aerger nach unbedachtem Hartz-IV-Witz

Mit seinem missratenen Witz über Hartz IV wusste "Wetten, dass?"- Moderator Thomas Gottschalk: Das kann Aerger geben. Deshalb entschuldigte er sich sofort für den Faux-pas (noch während der Sendung!). Trotz dieser öffentlichen Entschuldigung gibt es für das "Erwerbslosen Forum Deutschland" kein Pardon.

Der Moderator bezeichnete während der Sendung bei einer Bierdosenwette die Bierdosen als "Hartz IV-Stelzen".

Das Erwerbslosen Forum Deutschland fordert nun in einem offenen Brief an ZDF-Intendant Markus Schächter eine Entschuldigung für Gottschalks Aussage in seiner jüngsten "Wetten, dass..?"-Sendung, "Bierdosen sind doch Hartz IV-Stelzen". Der Moderator und das ZDF sollten erklären, dass Hartz IV-Empfänger keine Säufer seien und keine Hartz IV-Stelzen" benötigten. Gottschalks erklärte zwar in der Sendung am Samstag vor laufender Kamera, seine Äusserung zu den Bierdosen sei "völlig daneben" gewesen. Dies reiche nicht aus, erklärte das Forum. Die unbedachte Bemerkung zeige, dass das ZDF seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag nicht nachkomme. Viele Hartz IV-Empfänger müssten auch Rundfunkgebühren zahlen.

"Wir würden es für gut heissen, wenn Ihr Moderator sich einmal drei bis fünf Monate mit den Realitäten des Hartz IV-Satzes auseinandersetzen würde", hiess es im Schreiben.

Für seine Bezeichnung von Bierdosen als "Hartz-IV-Stelzen" hatte Gottschalk während der Sendung gleich zwei Mal um Verzeihung gebeten und sich den Rest des Abends über seinen gründlich misslungenen Witz geärgert. Er hatte den Begriff bei der Wette eines Soltauers benutzt, der sich auf vier lockeren Getränkedosen-Stapeln halten wollte. Doch daraus wurde nichts.

Fazit:

Einmal mehr sehen wir: Unbedachtes Reden kann sich rächen. Deshalb ist der Grundsatz richtig:

"Gehirn einschalten und dann reden." Nicht umgekehrt.

Samstag, 3. März 2007

Der erste Eindruck ist entscheidend

Nicht nur beim Vorstellungsgespräch, bei Kundenkontakten, Präsentationen oder Kontakten im Alltag werden wir innert weniger Sekunden begutachtet und beurteilt (verurteilt?). Bei einer Begegnung machen wir uns unverzüglich ein Bild vom Gegenüber. Unsere Erfahrung, unser Instinkt sagt uns sofort: Die Person ist mir sympathisch oder unsympathisch. Eine innere Stimme mahnt: Vorsicht! Oder sie sagt: Diese Person ist vertrauenswürdig. Unsere Wahrnehmung beeinflusst unsere Beurteilung, das heisst, was wir im ersten Augenblick "wahr" - nehmen, empfinden wir meist als richtig.

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Was beeinflusst unsere Wahrnehmung?

In vielen Ratgebern wird der Kleidung, Frisur und Körpersprache grosse Bedeutung zugemessen, davon ausgehend, dass das Äussere bedeutende Signale über das Selbst- und Rollenverständnis des Trägers aussendet. In der Fachliteratur wird der erste Eindruck unterschiedlich thematisiert. Es gibt Autoren, die messen ihm keine grosse Bedeutung bei. Oft finden wir zahlreiche Checklisten und Listen mit Entscheidungskriterien für die Beurteilten und die Vorgesetzten, die auf eine Beurteilung angewiesen sind. Es gibt Personalchefs, die stützen sich auf ihre systematische und professionelle Interviewtechnik. Ich arbeitete einige Jahre mit einem Diplom- Psychologen. Der schaute sich Bewerber nur kurz an, hörte vor allem auf ihre Stimme und urteilte dann erstaunlich präzise - ohne Checklisten. Er wusste sofort, ob der Bewerber für den betreffenden Job in Frage kam. Viele Personalverantwortlichen sind der Meinung, dass sie sich auf ihre Intuition verlassen können. Sie urteilen spontan nach ihrem ersten Eindruck.

Verzerrungen "vereinfachen" unsere Wahrnehmung

Beim ersten Eindruck ist zu berücksichtigen, dass unser Urteil durch Vorurteile oder Gesichter, die uns an Bekannte erinnern so stark beeinflusst werden können, dass wir uns täuschen können. Die Verzerrungen "vereinfachen" gleichsam die Wahrnehmung.Die Beurteilung scheint einfach zu sein. Wir glauben, zu wissen, dass... Doch handelt es sich oft um Täuschungen.

Wir verweisen auf den Beitrag von Hildegard Knill (Siehe Inhaltsverzeichnis rhetorik.ch) mit dem Titel: Wahr-nehmen oder Falsch-nehmen?

Verschiedenste Faktoren beeinflussen die Wahrnehmung. Deshalb kommt es laufend zu Missverständnissen und Wahrnehmungsverfälschungen. Diese Verzerrungen sollen wir kennen. Hildegard Knill beschreibt sie so (verkürzte Version):

1. Erfahrungen beeinflussen unser Urteil

Erlebtes wird übertragen. Sieht beispielsweise die Person einem guten Onkel ähnlich, wird der erste Eindruck von dieser Erfahrung geprägt. So kann es zu einer Fehleinschätzung kommen.

2. Selektive Wahrnehmung

Wahrnehmung ist nie neutral und allumfassend. Wir wählen beispielsweise das gezielt aus, was uns interessiert oder wir hören wollen.

3. Sympathie-Effekt

Menschen, die uns sympathisch sind, sehen wir meist in besonders günstigem Licht. Unpassendes Verhalten wird leicht übersehen oder entsprechend umgedeutet.

4. Vorinformationen

Mündliche oder schriftliche Vorinformationen über eine Person beeinflussen die Wahrnehmung sehr stark. (Sozialer Hintergrund, Mängel, besondere Leistungen).

5. Halo-Effekt

(Halo griech.= "Hof" um eine Lichtquelle) Eine Eigenschaft, die uns wichtig ist, überlagert oder überblendet alle anderen.

6. Logischer Fehler (Ein Spezialfall des Halo-Effektes)

Wir ordnen zwei Eigenschaften zwingend zusammen, weil wir glauben, dass sie logisch zusammengehören: z.B. unordentlich = faul.

7. Kategorisierung /Stereotype Bilder

Wir machen uns ein Bild von einer Person und nehmen an, dass... Eine ungepflegte Person ist ein Arbeitsscheuer. Ein Mann mit Halsbinde und Aktenkoffer ist konservativ oder Bankbeamter.

8. Projektion

Oft erkennen wir jene Eigenschaften, die wir an uns nicht mögen, in anderen Menschen wieder und bekämpfen sie vielleicht deshalb vehement. Angenommen eine Person ist geizig und weiss es. Sie lehnt nun all jene Personan ab, die sparsam sind.

9. Reihenfolge Effekt

Dazu gehört beispielsweise der "Kontrast Effekt". Spricht ein mittelmässiger Referent vor einem schwachen Redner, so wird er besser bewertet, als wenn der nämliche mittelmässige Referent vor einem brillanten Rhetoriker gesprochen hätte.

10. Beharrungseffekt

Es ist viel leichter, auf einer einmal getroffenen Beurteilung zu beharren, als die Meinung zu ändern. ("Sie war, ist und bleibt so").

11. Übertragung

Gefühle, Einstellungen und Abwehrhaltungen von früheren Beziehungen und Erlebnissen werden gerne auf andere Menschen übertragen. Eine Frau, die von Männern enttäuscht wurde, hat unter Umständen nun bei allen Männern Vorbehalte.

12. Aehnlichkeitseffekt

Der erste Eindruck kann schnell zu einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung" werden. Personen mit "ähnlichen Merkmalen" (z.B. gleicher Dialekt oder gleiche Universität) erhalten unbewusst einen Sympathiebonus.

13. Zuschreibungsfehler

Wir tendieren dazu, aus den "Eigenschaften" (Verhaltensweisen) die wir sehen, Rückschlüsse auf die betreffende Person zu ziehen: Wir schreiben ihr Eigenschaften zu. Einen Menschen nichts sagt, wird zugeschrieben, dass er gut zuhören kann.

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Wichtig ist, dass wir uns beim Phänomen "erster Eindruck" dieser Phänomene bewusst bleiben. Der Mensch schätzt rezeptartige Hilfen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei der Beurteilung von Menschen auf Grund des Körperbaus, der Kopfform und des Gesichtes angeblich erlernbare Beurteilungshilfen wenig taugen.

Viele Experimente haben gezeigt, dass beispielsweise Fotos von Gesichtern von sehr geringer Aussagekraft über die Person selbst sind. Dennoch wird bei Bewerbungen fast immer ein Bewerbungsphoto verlangt.

Warum gibt es so viele Verzerrungen?

Die Vorstellungen, die wir uns beim ersten Eindruck machen, werden durch wichtige Bedürfnisse beeinflusst:

- Bilder sind einfacher zu begreifen als die Realität. Sie erleichtern uns die Orientierung.

- Bilder sind dauerhafter als die Wirklichkeit. Wenn wir die Menschen dafür halten, wie wir sie sehen, fällt es uns leichter, ihr Verhalten einzuordnen.

- Bilder sind weniger widersprüchlich als die Realität.

- Bilder (vor allem Stereotypen) erzeugen Uebereinstimmung mit der Gruppe.

FAZIT: Wenn wir uns sofort ein eindeutiges Bild machen können, vereinfacht dies unsere Beurteilung. Bilder sind dauerhafter und widerspruchsfreier als die Wirklichkeit.

Wie können Bewerber den ersten Eindruck beeinflussen?

Wir fanden in Unterlagen und Fachbüchern Tipps und Checklisten, die Bewerbern behilflich sein sollten, ihren ersten Eindruck günstig zu beeinflussen.

So schreibt ein Berater in einem Beitrag - unter dem Kapitel:

Ausstrahlung und Präsenz:

Bereiten Sie sich gut vor. Achten Sie auf den Händedruck. Lächeln sie! Nehmen Sie Blickkontakt auf und richtien sie sich auf. Spielen Sie nicht mit den Händen usw.

Gegen den Rat - sich gut vorzubereiten und Präsenz zu trainieren - ist nichts einzuwenden.

Aber:

Wir lehnen jene Trainings ab, die darauf abzielen, den Leuten beizubringen, während der ersten Sekunden an den Händedruck, die Körperhaltung, die Gestik und den Augenkontakt zu denken. Derartige Ratschläge finden wir unprofessionell, weil wir uns dann gedanklich auf den ersten Eindruck fixieren. Wer sich während eines Auftrittes auf den Körper, das Rückgrat, die Füsse, den Blick, die Gestik und die Stimme konzentriert, ist dadurch nicht mehr konzentriert bei der Sache, beim Zuhören respektive beim Gegenüber. Was hingegen immer gemacht werden muss - VOR jedem Auftritt: Wir müssen zuerst die Balance zwischen Spannung und Lockerheit finden. Wir bezeichnen dies als "entspannte Spannung". Wer sich 1oo prozentig auf das Gegenüber und das Denken (Zuhören) konzentriert, darf nicht unnötige Energie für Nebensächlichkeiten aufwenden. Denn wer sich auf das Gegenüber konzentriert und auf die Situation voll und ganz einstellt, stellt den Körper automatisch richtig ein. Die innere Einstellung beeinflusst immer die Körpersprache. Bluffen und künstliches, antrainiertes Theaterspielen wird schnell erkannt. Auch darum lehnen wir es ab.

Bei jeder Begegnung, jedem Einsatz: Wieder neu beginnen ("auf Null stellen")!

Wir haben Spitzensportlern bei den Interviewtrainings - vor der Olympiade - bewusst gemacht, dass sie unter Umständen 50 mal ähnliche oder sogar gleiche Fragen beantworten müssen. (Internationale, europäische, nationale TV Stationen. Printjournalisten, Lokalmedien usw.). Obschon ein Erlebnis oder eine Bemerkung X mal gemacht wurde, muss jedes Gespräch wieder bei Null beginnen. Wie vor einem Rennen gilt es jedes Mal, sich wieder neu auf das Gegenüber einzustellen und sich neu zu konzentrieren.

Es wäre fahrlässig, sich auf die eigene Routine zu verlassen. Nochmals: Bei der Vorbereitung geht es vor allem darum, vor jedem Votum die innere Spannung aufzubauen und den Körper zu entspannen. Dieses Zelebrieren des Startes kann trainiert werden. Die Körpersprache stimmt dann , wenn wir authentisch sind.

Zum akkustischen ersten Eindruck

Die meisten Lehrbücher beschäftigen sich beim ersten Eindruck mit den Kleidern, der Körperprache und und dem optischen Eindruck und berücksichtigen nicht, dass auch der Tonfall unserer Stimme sehr stark ins Gewicht fällt.

- Unsere Stimme hat eine emotionale Wirkung (in den ersten Worten schwingt bereits unsere emotionale Grundstimmung mit)

- Auch ein Laie merkt, wenn die Stimme auf einer falschen Resonanzebene schwingt, ohne das er dies wie ein Phoniater messen kann. (Die Stimme stimmt mit der Grundstimmung überrein. Wir wiederholen es zum dritten Mal: Es es, sich vor dem Gespräch in die richtige Grundstimmung zu versetzen).

- Die Verständlichkeit, die Artikulation ist auch wichtig. Doch dies können wir vor einem Auftritt trainieren.

In einem Seminar beobachtet: Kundendienstberater üben die Begrüssung

Begrüssungsrituale zu beobachten und zu analysieren ist sinnvoll , wenn es nur darum geht, Sicherheit bei den Umgangformen zu erhalten. Folgende Fragen müssen geklärt sein:

Wer begrüsst wen?

Wer stellt wen vor?

Soll ich sitzen oder stehen?

Wer geht vor?

Wer weisst den Platz zu?

usw.

Den Bogen bis zum LETZTEN Eindruck spannen!

Der erste Eindruck formt sich innert weniger Sekunden. Und doch reicht sein Einfluss weit, bis hin zum Ende des Gesprächs und darüber hinaus. Auf die Einheit unserer Wirkung kommt es an, vom ersten Erscheinen bis zum Moment, wo wir wieder ausser Sichtweite sind. Neben dem ersten bleibt auch der letzte Eindruck haften, und beide sollen kongruent sein. Vorbereitung, eine rechtzeitige Einstimmung und Fokussierung, Konzentration und gleichzeitig eine offene, aufrichtige Grundhaltung sind die Schlüssel, um diesen einheitlichen Bogen zu spannen.

ERKENNTNIS: Seine Sache, sein Metier zu beherrschen, ist das eine, dem Gegenüber zu vermitteln, dass wir gut sind, das andere. Das eine ist Voraussetzung, das andere erlernbar d.h. durch richtiges Ueben trainierbar. Ein Caoching lohnt sich jedenfalls. Denn:

Der erste Eindruck hat keine zweite Chance!

Freitag, 2. März 2007

Beschönigen oder die Wahrheit sagen?

Dass mit Worten Tatsachen beschönigt werden ist nicht neu. Jüngst fand ich ein neues Beispiel bei einer Arbeitserziehungsanstalt. Seit Jahren werden dort rückfällige jugendliche Kriminelle erzogen. Der Begriff Arbeitserziehungsanstalt stimmt mit den Tatsachen überein. Er wird heute beschönigt. In Schulen werden verhaltensgestörte Kinder auch nicht mehr als das bezeichnet nämlich mit einer Bezeichnung über das, was der Verhaltensgestörte tatsächlich macht. (Er stört nämlich mit seinem Verhalten den Unterricht), so heisst es heute nur noch:

"verhaltensauffällig".

Ich habe sogar schon einmal von einem Psychologen gehört, der bei einem verhaltensgestörten Jugendlichen von "verhaltensoriginell" gesprochen hat. Denn wenn ein Jugendlicher dem Kollegen ein Bleistift in den Oberschenkel stösst, so beschönigt der Begriff Auffälligkeit oder Originalität sein gestörtes Verhalten.

Eine derartige Beschönigung erlebten wir auch bei der erwähnten Arbeitserziehungsanstalt. Sie wird neu bewussst als

"Massnahmenzentrum für junge Erwachsene"

bezeichnet.

Kommentar:

Wir vertreten die Meinung, dass Sachverhalte nach wie vor als das bezeichnet werden sollten, wie sie sind. Beschönigungen sind langfristig kontraproduktiv.

Donnerstag, 1. März 2007

Erfolgreiche Präsentation: Drei Regeln!

1.. Die "Brücken schlagen":

Beziehen Sie Ihre Zuhörer in Ihre Präsentation ein - vor allem in der Startphase. Sprechen Sie einzelne Personen an. Agieren Sie interaktiv mit dem Publikum. Stellen Sie Fragen. Ist die Verbindung zum Publikum hergestellt, werden Sie sehen, dass es nachher viel leichter fällt, die Botschaften zu übermitteln. Es ist wie beim Radio: Hat ein Empfänger nicht die gleichen Schwingungen (Megaherz) eingestellt wie der Sender, so kommt die Sendung nicht an! Eine Präsentation kommt ebenfalls nicht an wenn die Zuhörer nicht voll auf Empfang sind.

2. Der Inhalt:

Die Kernbotschaft muss mit einem praktischen Beispiel, einer leicht verständlichen und nachvollziehbaren persönlichen Geschichte oder einem Erlebnis gekoppelt werden.

3. Das Selbstvertrauen:

Sie müssen selbst davon überzeugt sein, dass das, was Sie sagen, wichtig ist und für die Zuhörer wichtig ist. Ihre Worte überzeugen nur, wenn Sie persönlich von Ihren Gedanken überzeugt sind. Selbstvertrauen weckt Vertrauen. Lehnen Sie eine Präsentation ab, mit der Sie sich nicht identifiziern können.

Mittwoch, 28. Februar 2007

Nur Kriegs-Rhetorik?

Bringt USA Flugzeugträger gegen den Iran in Stellung?

Nach "20 Minuten" soll am 27.2.07 der «USS Eisenhower» mit der nagelneuen «John C. Stennis» ein zweiter Flugzeugträger im Golf von Oman kreuzen. Experten sehen darin weitere Vorzeichen für einen US-Angriff auf den Iran.

Die US-Regierung beteuern zwar, sie wollen mit dem zweiten Flugzeugträger in der Region die bereits im Irak und Afghanistan stehenden Einheiten unterstützen.

Das Manöver könnte vielleicht nur eine Drohgebärde an die Adresse Irans sein.

Hauptmann Bradley E. Johanson, Kommandant auf der «John C. Stennis», behauptet, er habe keine Befehle, die den Iran beträfen.

«Wir haben ganz explizite Anweisungen, dass wir keine Eskalationshaltung gegenüber dem Iran einnehmen», sagte Johanson an Deck des schweren Kriegsschiffes und fügte bei:

«Unsere Mission ist es nicht, den Iran einzuschüchtern, sondern unseren Partnern vom Golfkooperationsrat Vertrauen in die Sicherheitslage zu geben.»

Offiziell heisst es aus Washington ebenfalls, ein Angriff auf den Iran sei nicht geplant. Doch in jüngster Zeit häufen sich Berichte, die stark an die Zeit vor dem US-Einmarsch in den Irak im Frühjahr 2003 erinnern: So soll es mittlerweile einen Planungsstab für Angriffe auf den Iran geben. Spezialkräfte sollen angeblich bereits konkrete Ziele auskundschaften.

Unsere These:

Das Manöver könnte durchaus nur der Baustein einer Drohrhetorik sein. Für diese These spricht der Umstand, dass man hinter der vorgehaltenen Hand munkelt, Israel habe sich bereits die Luftstrassen frei gehalten, um einen überraschenden Luftschlag gegen die Atomanreicherungsanlagen zu führen. Schon einmal hat Israel Anlagen mit Flugzeugen in Irak zerstört. Auch diese Mitteilung könnte auch nur zum bewussten Konzept einer Kriegs-rhetorik zählen mit dem Ziel, Iran einzuschüchtern. Bislang gab nämlich Israel nie vorgängig die Angriffsabsichten bekannt. Israels konkrete Aktionen zeichneten sich stets durch Ueberraschung aus, ohne Vorankündigung.

Für einen echten Angriff der Amerikaner könnte höchstens der Umstand sprechen, dass Bush ohnehin Boden verloren hat und imagemässig profitiert, indem er mit einem militärischen Schlag , der als "notwendige Polizeiaktion" deklariert wird - die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und so von den anderen Problemfeldern ablenken könnte. Bush wäre in der heutigen Situation alles zuzutrauen, das von seiner misslichen Lage ablenkt.

Dienstag, 27. Februar 2007

Jan Ullrichs Rücktritt - Rhetorik

(ein Musterbeispiel unglaubwürdiger Kommunikation)

Der unter Dopingverdacht stehende Jan Ullrich will zurücktreten. Am Montag, 26.2. gab er anlässlich einer Pressekonferenz in einem Hamburger Hotel seinen Rückzug vom Leistungssport bekannt.

Seit dem 30. Juni 2006 (vor dem Start der Tour de France) bestritt Ullrich keine Rennen mehr. Er wurde damals von allen Rennen suspendiert.

Ullrichs Worte an der Medienorientierung:

«Ich beende heute meine aktive Karriere».

folgten schwere Anschuldigungen gegen swiss olympic, Funktionäre und Medien und er betonte:

«Ich komme mir vor wie ein Schwerverbrecher.»

Die Aussage bedeutet nicht: "Ich bin kein Verbrecher" sondern nur, ich komme mir vor wie ein Schwerverbrecher. Die Uebertreibung ist geschickt. Denn niemand würde Ullrich - falls er schuldig gesprochen wird - als Schwerverbrecher bezeichnen. Indem Ullrich sagt, was er empfindet, begibt er sich nicht aufs Glatteis.

Rückblickend müssen wir in Erinnerung rufen:

Ullrich war wegen seiner Verwicklungen in den Dopingskandal um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes von der Tour 2006 ausgeschlossen und am 21. Juli von seinem T-Mobile- Team fristlos entlassen worden. Es wurde dem Radprofi vorgeworfen, sich über Jahre bei Fuentes mit manipulierten Blutkonserven und diversen Doping-Mitteln eingedeckt zu haben.

Ullrich gewann 1997 die Tour de France, das wichtigste Radrennen der Welt, und wurde fünf Mal Zweiter. Er hatte sportlichen Erfolg. Die Frage ist nicht geklärt: Mit legalen Mitteln? In regelmässigen Abständen erlitt der erfolgreiche Sportler Rückschläge durch Verletzungen. Während der Rehabilitation wurde er positiv auf Amphetamine getestet und für sechs Monate gesperrt. Im gleichen Jahr verursachte er unter Alkoholeinfluss einen Unfall und beging Fahrerflucht. Im September hatten das Bundeskriminalamt und die Bonner Staatsanwaltschaft Ullrichs Wohnsitz in Scherzingen in der Schweiz durchsucht. Der Sportler verweigerte hernach ständig Proben. Er hätte seine Unschuld längst beweisen können. Ihm war bewusst: Solange man etwas nicht nachweisen kann, gilt die Unschuldvermutung. Die Oeffentlichkeit wurde jedoch skeptisch. Auch wir fragten uns: Weshalb erschwerte er ständig die Untersuchungen?

In unseren Analysen in rhetorik.ch (Siehe Aktuellbeitrag vom 1. Juli 06) hatten wir verschiedentlich Sportler und Sportfunktionäre beobachtet, die vor Mirkofon und Kamera Sachverhalte beschönigt oder bestritten hatten und sich dann erst später gezeigt hat, dass sie während des Interviews gelogen hatten.

Ich schrieb damals:

Bei Hochleistungssportler - vor allem bei Radrennfahrer - liegt die Versuchung nahe, illegale Möglichkeiten zu nutzen, um ihre Leistung zu steigern. Mit Mitteln, die auch für Dopingkontrolleure schwer nachweisbar sind. Ein Sportler hat uns verraten: Ohne Blutdoping oder chemische Hilfe ist heute eine Tour de France nicht mehr zu gewinnen. Denn wer nicht nachhilft und sauber bleibt, hat angeblich gar keine Chance mehr gegenüber den Rivalen, welche die Dopingkontrolleure austricksen. Tatsächlich hinkt die Kontrolle den neuen schwer nachweisbaren Möglichkeiten (wie Blutdoping) hintennach.

Wir haben vor Jahren in Seminaren oft ein legendäres TV- Interview mit Oscar Camenzind gezeigt, als er vor der Kamera vehement abgestritten hatte, Doping genommen zu haben. Für uns war erstaunlich, dass schon damals die Betrachter des Fernsehbeitrages intuitiv gemerkte hatten, dass der Sportler lügt. Dies konnte schon damals - vor der Verurteilung - aufgrund der Körpersprache, den verbale Aeusserungen, de Stimme, den Emotionen erkannt werden. Nachtäglich bestätigte sich dann: Camenzind hatte vor der Kamera tatsächlich gelogen.

Wir haben auch in unserem Beitrag vom 1. Juni 06 ein Interview vor den Fernsehkameras mit Jan Ullrich gespeichert. Es kann heute noch auf dieser Seite betrachtet und angehört werden. Ullrich wurde damals auch mit dem Dopingvorwurf konfrontiert. Er wurde mit Ivan Basso und weiteren Fahrern wegen "begründeter Zweifel an seiner Unschuldsbeteuerung" von der Liste der "Tour de France" gestrichen. Wir haben nachträglich bei allen Umfragen zu diesem Interview Feedbacks erhalten, die Ullrich aufgrund seiner Stimme, seines Verhaltens, der Wortwahl und seiner Körpersprache die alle die Meinung vertraten: Ullrich sagt im Interview nicht die Wahrheit.

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Wir analysieren an dieser Stelle noch ein paar Aussagen Ullrichs aus der jüngsten Medienkonferenz:

"Ich bin enttäuscht von der UCI, von Swiss olympic und vom Schweizer Rad- Verband, der seit acht Monaten den Eindruck erwecken will, er hätte belastendes Material gegen mich".

Ullrich weigerte sich stets, vergleichende Proben zuzulassen und konnte dadurch die Beweise sabotieren. Hätte er ein gutes Gewissen gehabt, hätte er die Unschuld beweisen können. Mit seinem Angriff auf die Kontrollbehörde wählte Ullrich die Taktik: Angriff ist die beste Verteidigung.

Ullrich behauptete ferner an der Pressekonferenz:

"Ich habe ein reines Gewissen."

Hätte er tatsächlich ein reines Gewissen, dann müsste er nichts verbergen.

Folgende Worte Ullrichs sind ebenfalls aufschlussreich:

"Ich kann mit Stolz behaupten, in meiner ganzen Karriere nie betrogen und niemanden geschädigt zu haben. Das ist ganz gross."

Mit diesen Worten sagt Ullrich lediglich, dass er niemanden geschädigt hat. Das trifft möglicherweise zu, selbst dann, wenn er Blutdoping genommen hat. Ob sein Vergehen ein "Betrug" war, darüber könnte gestritten werden. Was Ullrich nicht explizit erwähnt (bewusst?): "Ich habe nie gelogen" oder "Ich habe nicht gedopt".

Der Radprofi hat sich somit verbalstrategisch geschickt verhalten. Ob er überzeugt hat? Wir zweifeln daran. Nachfragen an der Medienkonferenz erlaubte er nicht. Warum wohl? Ullrich - der immer noch unter Dopingverdacht steht - will künftig Berater werden. Berater für...? So wie Borer, der in einer Krisensituation versagt hatte und dann Krisenkommunikationsberater wurde, so könne Ullrich künftig auch Sportler beraten, die unter Dopingverdacht stehen.

Die Schlagzeilen in Deutschland waren hernach recht negativ

(Quelle Bild):

„Ullrichs peinlicher Abgang“ (“Express“)

„Der letzte Rundumschlag“ (“Westfälische Nachrichten“)

„Zum Abschied die letzte Attacke“ (“Frankfurter Rundschau“)

„Ein Rücktritt voller Selbstmitleid und fern der Realität“ (“Berliner Morgenpost“)

„Besuch aus dem Paralleluniversum“ (“Berliner Zeitung“)

Die internationale Presse ging noch härter mit ihm ins Gericht. „Le Figaro“ (Frankreich) schrieb: „Jan Ullrich oder die Geschichte eines Hochbegabten mit einem verpfuschten Schicksal.“

Der Titel im Südkurier ist bezeichnend:

Tricksen, täuschen - Jan Ullrich bleibt sich treu

Die negativen Echos kommen nicht von ungefähr

Das spitzbübische, angeblich clevere Verhalten war kontraproduktiv. Denn: Ullrichs Aussagen waren unglaubwürdig. Zu viele Fragen offene Fragen lagen in der Luft, die erörtet werden wollten, die Ullrich nicht zugelassen hatte. Dieses Abblocken schätzen Journalisten nie!

Zu oft hatte Ullrich getrickst, getarnt und getäuscht. Der angeschuldigte Sportler blockte wichtige Ermittlungen ab. Er verweigerte Speichelproben und konnte auch die Herausgbe eines Blutbeutels verhindern. Er versäumte es immer wieder, reinen Tisch zu machen. Die Oeffentlichkeit weiss heute, dass die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind und die Bonner Staatsanwaltschaft - wie auch der Schweizerische Radverband- den Fall weiter bearbeiten.

Die Indizienkette ist angeblich erdrückend.

Dennoch trat Ullrich so auf, als sei die Untersuchung abgeschlossen.

Ullrich wusste bestens, solange er nicht überführt ist, gilt er nicht als verurteilt. Der mutmassliche Täter konnte sich somit vor den Medien als Opfer "verkaufen".

Die Oeffentlichkeit hat Ullrichs raffinierte Rhetorik gehört- allein es fehlte allen der Glaube.

Für uns war diese Präsentation ein Musterbeispiel unglaubwürdiger Kommunikation.

Nachtrag 1. März:

Quelle: Bild online

Peinlich! Ullrich lässt Beckmann-Sendung verbieten

(Zitat Bild online)

Sein Auftritt bei Beckmann war so schlecht wie seine Rücktritts-Erklärung am Vormittag: Bizarr und verwirrt.

Jan Ullrich wäre am liebsten noch während des Gesprächs mit dem Star-Moderator aufgestanden und gegangen. Der ehemalige Radstar fühlte sich von Beckmann verraten und hintergangen.

Wie zu erfahren war, haben er und seine Rechtsanwälte die Wiederholung der Sendung verboten.

Sollte sich die ARD nicht daran halten, will Ullrich klagen. „Beckmann hat sich nicht an die gegebenen Zusagen gehalten“, erklärt Ullrichs Hamburger Rechtsanwalt Marcus M. Hotze.

Nach Ullrichs-Anwälten war angeblich mit Beckmann vereinbart worden:

• Der ehemalige T-Mobile-Kapitän kann sich mit dem Hinweis auf das in Bonn laufende strafrechtliche Verfahren nicht zu dem spanischen Dopingskandal äussern.

• Er und seine Frau Sara sind alleinige Gäste der Sendung.

• Ullrich darf die Aufzeichnung vor der Ausstrahlung in der Nacht sehen, um auch Passagen, die dem Strafverfahren schaden könnten, zu entfernen.

Beckmann dementierte jedoch diese Absprachen.

Beckmann:

„Jan Ullrich wusste, dass es sich um ein journalistisches Gespräch handeln wird. Darüber haben wir vorher gesprochen. Es ist doch klar, dass wir eine Untersagung der zentralen Frage nach dem Doping-Arzt Fuentes niemals zugelassen hätten. Jan Ullrich hat einen ganz normalen Gäste-Vertrag bei uns.

Darin ist nicht vorgesehen, nach der Sendung Passagen zu entfernen, die einem nicht gefallen oder Einfluss auf die Sendung zu nehmen.“

Peinlich war tatsächlich, als Ullrich auf Beckmanns hartnäckiges Nachfragen nach Fuentes immer nur antwortete, er dürfe sich dazu nicht äussern.

Als die ARD während der Aufzeichnung den Dopingexperten Hans-Joachim Seppelt dazuschaltete, wäre Ullrich am liebsten geschockt aus dem Studio geflüchtet.

Bereits am Montag Abend erwog Ullrich mit seinem Rechtsanwalt die Ausstrahlung der Sendung zu stoppen. Sie wurde dann aber nicht gestoppt.

„Das Unheil soll nicht noch weiter verbreitet werden“, damit begründet Rechtsanwalt Hotze sein Verbot einer Wiederholung der Sendung. Laut BILD hat jedoch das Unheil längst seinen Lauf genommen!

Erkenntnis:

Klare Abmachungen vor einer Sendung sind gewiss ein Muss. Doch machen Ullrichs Rechtsanwälte einen gravierenden Fehler, wenn Sie nun nachträglich eine Zweitausstrahlung blockieren. Damit haben sie Ullrich einen Bärendienst erwiesen. Jetzt wird nämlich erst recht klar, dass Ullrich etwas zu verbergen hat. Das Eingrifen und Abblocken wird zu einer neuen Mediengeschichte. Auch wir schreiben darüber. Die Sendung wurde bereits einmal ausgestrahlt und wie bei einer Zahnpastatube kann der Inhalt der ausgedrückt wurde, nachher kaum noch rückgängig gemacht werden. Dies ist auch bei der ARD Beckmannsendung der Fall. Im Gegenteil: Das Verbot verstärkt nur noch Ullrichs negatives Image. Jetzt reiht sich diese Abblockungsgeschichte nahtlos in alle andern Abblockgeschichten des Radprofis ein. - Es wurden schon an der Medienkonferenz keine Fragen zugelassen

- Speichelproben wurden blockiert usw.

Und nun werden Aussagen, die bereits im Fernsehen einmal gesendet worden waren, auch noch abgeblockt.

Reputationsmässig haben somit die Rechtsanwälte ihrem Mandanten geschadet. Das Verbot war aus unserer Sicht ungeschickt!

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Nachtrag, 4.3.07:

Ullrichs seltsames Medienverständnis

Bisher liess Ullrich keine Fragen zu.

Nun hat er doch noch gemäss BLICK (4.3.07)Antworten gegeben.

Unter den Titel :

Ullrich stellt sich «kritischen» Fragen

Nun lässt sich der gefallene Rad-Star doch noch interviewen. Aber bizzarerweise von seinem PR-Berater! Nicht verwunderlich, dass es keine kritischen Fragen gibt. Bis jetzt hatte Ullrich noch nie die Frage beantwortet, ob der "Blutdoping" auch als strafbare Dopinghandlung betrachte.

Zum Pseudo-Interview

Vor einer Woche hat Jan Ullrich seinen Rücktritt erklärt. Seither reihte sich Peinlichkeit an Peinlichkeit. Ulrichs Medien-Verständnis gibt zu denken: Es gab eine Presse-Konferenz, an der Fragen verboten waren. Dann folgte der groteske Beckmann-Auftritt und der Versuch, eine Zweitausstrahlung zu verhindern.

Dann folgte ein Gespräch, das Ullrich auf seiner Homepage platziert hatte. Er gab ein Pseudo - Interview, in dem er den Fans die Wahrheit sagen wollte, weil die Medien angeblich seine Aussagen «verfälschen».

Der Interviewer, PR-Manager Michael Lang, kündigte zwar vor dem 18-Minuten-Gesprächs «kritische Fragen, Fragen zur Vergangenheit im Radsport» an. Dann folgte aber nur banalstes Gefasel. Fragen über Doping, den Ausschluss aus der Tour de France oder über den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes wurden alle ausgeklammert.

Es folgten Fragen wie:

«Fiel es leicht, die Karriere zu beenden?»

«Wie war das Verhältnis zu grossen Konkurrenten wie Basso oder Armstrong?»

«Bricht der Kontakt zu den Fans jetzt ab?»

Bei der einzig relevanten Frage:

«Weshalb nehmen Sie zu bestimmten Fragen keine Stellung?»

«Da möchte ich auf den Rat meiner Anwälte hören.»

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Zu schön , um wahr zu sein

Im Internet habe ich jüngst ein groteskes Interview gefunden. Es ist sehr wahrscheinlich eine Glosse , ein Gag, denn das Interview ist konstruiert. Dennoch habe ich die Antworten kommentiert, so als hätte es stattgefunden. Nach dem Ullrich in den echten Auftitten ähnlich geantwortet hat, wäre es eigentlich durchaus möglich, dass Jan Ullrich so antworten würde.

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1) Herr Ullrich, geht es Ihnen gut?

(Räuspert sich) Ich muss endlich auf den Rat meiner Anwälte vertrauen.

Kommentar: Es wird deutlich. Nicht der Rennfahrer sondern die Anwälte führen jetzt das Rennen.

2) Haben Sie unerlaubte Substanzen zu sich genommen?

(Ernst) Unerlaubte Substanzen?

Kommentar: Ullrich gibt keine Antwort. Er weicht mit einer Gegenfrage aus.

3) Was ist Doping für Sie?

(Blickt sanft in die Kamera) Doping ist Doping ist Doping ist Doping.

Kommentar: Anstelle einer Antwort (was er als Doping betrachtet, folgt ein Plausibilitätsatz "Doping ist Doping". Dies eine billige Ausweichtaktik.

4) Kennen Sie Rudy Pevenage?

(Runzelt die Stirn wie ein Denker) Kommt mir bekannt vor, erinnere mich nicht mehr, ihn getroffen zu haben.

Kommentar: Er weiss genau, wer das ist und um was es geht. Ullrich weicht wiederum aus, in dem er eine andere Ausweichtechnik anwendet. Er will sich einfach nicht mehr erinnern. Dass er ihn kennt muss er nicht bestätigen können. Denn bei dieser "Antwort" hilft ihm die Erinnerungslücke (Diese Technik wird bei Verhören oft angewendet, sie wirkt jedoch meist unglaubwürdig)

5) Warum mag Sie Rudolf Scharping nicht mehr?

(Lacht euphorisch auf) Wahrscheinlich, weil er aus seinem Amt gezwungen wurde, ich hingegen frei, guten Gewissens und erhobenen Hauptes meine Karriere beenden kann.

Kommentar: Anstatt auf die üblen Dopinggeschichten im Radsport einzugehen, spricht er über Scharpings Problem als Politiker und versucht sich mit dieser Schuldzuweisung reinwaschen.

6) Ist es richtig, dass Eufemiano Fuentes Ihr Trauzeuge war?

(Reibt versonnen seinen Ring) Trauzeugen sind Privatsache.

Kommentar: Kann sich hinter dem Wort "Privatsache" (als Rettungsanker) verschanzen.

7) Vertrauen Sie Ihren Anwälten?

(Holt eine Karteikarte raus) Auf Anraten meiner Anwälte kann ich dazu nichts sagen.

Kommentar: Heikle Situation. Jetzt hilft die Karte der Anwälte. Die musste er gewiss (auf Anraten?) zücken.

8) Fühlen Sie sich manchmal hilflos in diesen Tagen?

(Setzt sich entschlossen aufrecht hin) Wenn ich wollte, könnte ich sofort wieder angreifen, wie damals am Col de la Madeleine oder so.

Kommentar: Ullrich muss das Wort "hilflos" gereizt haben. Er kontert mit einer Taktik, die jedes kleine Kind kennt, wenn es als Schwächling hingestellt wird. Es trumpft auf, und prahlt, was es alles machen könnte. Ullrich ragiert ähnlich: "Wenn ich wollte, könnte ich..."

9) Warum sind Sie so wütend auf die Medien?

(Reckt den Hals) Ich weiss: Doping ist Doping ist Doping. Ich weiss auch: Jan Ullrich ist Jan Ullrich ist Jan Ullrich. So ist es, God knows. (Blickt versonnen zur Seite) Gell, Schatz?

Kommentar: Mit einer plumpen Wiederholungstaktik wissen jetzt alle, dass Doping Doping ist und Jan Ullrich, Jan Ullrich. Die Pseudo-Antwort enthält einen erstaunlichen Neuigkeitsgehalt!?

10) Warum wehren Sie sich so nachdrücklich gegen einen DNA-Abgleich mit den beim spanischen Arzt Fuentes gefundenen Blutbeuteln?

Mein Körper gehört mir! Mein Bauch gehört mir! Meine DNA gehört mir! (Klopft gegen seinen Schädel, dumpfes Geräusch) Mein Kopf gehört mir auch!

Kommentar: Alle wissen es nun endgültig. Jan Ullrich kann machen was er will, denn sein Körper und seine DNA gehört ihm - ihm allein. Auch die allfälligen Stoffe die er eingenommen hat?

Schlussfrage: Weshalb klopft sich Ullrich am Schluss an den Kopf? Die Antwort überlasse ich den Lesern. Jedenfalls tönten die Antworten im FIKTIVEN INTERWIEW ebenfalls alle hohl.

Soweit dieses konstruierte Interview, das durchaus wahr sein könnte. Das Medienverhalten Ullrichs ist eine Fundgrube für alle, die sich für Medienrhetorik interessieren. Wie können auch aus dem gestellten Interview Einiges lernen.

Uebrigens: Wer die echten Auftritte Ullrichs genau mitverfolgt hatte, konnte gut sehen, wie Ullrich immer dann an die Nase gegriffen hat, wenn es heikel wurde und er "lügen musste". Auch der Speichelschaum in einer Mundecke stimmten mit den Luftblasen in den Antworten überein.

Montag, 26. Februar 2007

Kommunikation-konkret:

Geheimniskrämerei oder Offenheit?

Bei der Alltagkommunikation wird zwar Offenheit gewünscht. Doch hat jeder Mensch Geheimnisse. Das Geheimnis bietet uns Gelegenheit einer zweiten Welt neben der offenbaren.

Das ist nichts Anrüchiges, obwohl die meisten Menschen Offenheit gross schreiben.

Nichts gegen transparente und offene Kommunikation. Bleiben wir uns dennoch stets bewusst, dass jedes Geheimnis, das wir für uns bewahren, eröffnet der Individualität eine zweite Welt, d.h. eine Rückzugsmöglichkeit, einen Freiraum für die eigenen Bedürfnisse.

Wenngleich früher Heimlichkeit mit Nacht- und Nebelaktionen assoziert wurden,

so wissen wir heute, dass Beziehungen, die alles offen legen und ohne das innere Asyl des Geheimnisses auskommen, viel unzufriedener sind.

Schon Simmel fragte sich, ob sich Eheleute nicht "qualitativ mehr gehören, wenn sie sich quantitativ weniger gehören."

Geheimniskrämerei gehört genau so zum Menschen wie Geselligkeit und Gedankenaustausch.

Jedes Kind merkt bald, dass totale Offenheit Aerger heraufbeschwört und man sich mit "Klappehalten" Freunde schaffen kann.

"Schweigenkönnen" ist tatsächlich ein Element der Freundschaft.

Das Geheimnis hat anderseits den verführerischen Anreiz, es durch Ausplaudern oder Beichte zu durchbrechen. Ich zitiere Jörg Bergmann, der die Klatschkommunikation untersucht hat:

"Wer etwas weiss, das andere nicht wissen, kann diese Attraktivität nur ausspielen, wenn die andern auch wissen, dass man etwas weiss."

Es fällt oft schwer, ein Geheimnis mit ins Grab zu nehmen. Der Reiz ist zu gross, das Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, um das aber zwei wissen, das ist jedoch keines mehr.

Fazit:

Egal wie offen wir sind. Jeder hat ein Geheimnis. Und das ist gut so.

Wer alles von sich preis gibt, wird uninteressant. Gerade das Verborgene macht Menschen reizvoll.