Dienstag, 27. Februar 2007

Jan Ullrichs Rücktritt - Rhetorik

(ein Musterbeispiel unglaubwürdiger Kommunikation)

Der unter Dopingverdacht stehende Jan Ullrich will zurücktreten. Am Montag, 26.2. gab er anlässlich einer Pressekonferenz in einem Hamburger Hotel seinen Rückzug vom Leistungssport bekannt.

Seit dem 30. Juni 2006 (vor dem Start der Tour de France) bestritt Ullrich keine Rennen mehr. Er wurde damals von allen Rennen suspendiert.

Ullrichs Worte an der Medienorientierung:

«Ich beende heute meine aktive Karriere».

folgten schwere Anschuldigungen gegen swiss olympic, Funktionäre und Medien und er betonte:

«Ich komme mir vor wie ein Schwerverbrecher.»

Die Aussage bedeutet nicht: "Ich bin kein Verbrecher" sondern nur, ich komme mir vor wie ein Schwerverbrecher. Die Uebertreibung ist geschickt. Denn niemand würde Ullrich - falls er schuldig gesprochen wird - als Schwerverbrecher bezeichnen. Indem Ullrich sagt, was er empfindet, begibt er sich nicht aufs Glatteis.

Rückblickend müssen wir in Erinnerung rufen:

Ullrich war wegen seiner Verwicklungen in den Dopingskandal um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes von der Tour 2006 ausgeschlossen und am 21. Juli von seinem T-Mobile- Team fristlos entlassen worden. Es wurde dem Radprofi vorgeworfen, sich über Jahre bei Fuentes mit manipulierten Blutkonserven und diversen Doping-Mitteln eingedeckt zu haben.

Ullrich gewann 1997 die Tour de France, das wichtigste Radrennen der Welt, und wurde fünf Mal Zweiter. Er hatte sportlichen Erfolg. Die Frage ist nicht geklärt: Mit legalen Mitteln? In regelmässigen Abständen erlitt der erfolgreiche Sportler Rückschläge durch Verletzungen. Während der Rehabilitation wurde er positiv auf Amphetamine getestet und für sechs Monate gesperrt. Im gleichen Jahr verursachte er unter Alkoholeinfluss einen Unfall und beging Fahrerflucht. Im September hatten das Bundeskriminalamt und die Bonner Staatsanwaltschaft Ullrichs Wohnsitz in Scherzingen in der Schweiz durchsucht. Der Sportler verweigerte hernach ständig Proben. Er hätte seine Unschuld längst beweisen können. Ihm war bewusst: Solange man etwas nicht nachweisen kann, gilt die Unschuldvermutung. Die Oeffentlichkeit wurde jedoch skeptisch. Auch wir fragten uns: Weshalb erschwerte er ständig die Untersuchungen?

In unseren Analysen in rhetorik.ch (Siehe Aktuellbeitrag vom 1. Juli 06) hatten wir verschiedentlich Sportler und Sportfunktionäre beobachtet, die vor Mirkofon und Kamera Sachverhalte beschönigt oder bestritten hatten und sich dann erst später gezeigt hat, dass sie während des Interviews gelogen hatten.

Ich schrieb damals:

Bei Hochleistungssportler - vor allem bei Radrennfahrer - liegt die Versuchung nahe, illegale Möglichkeiten zu nutzen, um ihre Leistung zu steigern. Mit Mitteln, die auch für Dopingkontrolleure schwer nachweisbar sind. Ein Sportler hat uns verraten: Ohne Blutdoping oder chemische Hilfe ist heute eine Tour de France nicht mehr zu gewinnen. Denn wer nicht nachhilft und sauber bleibt, hat angeblich gar keine Chance mehr gegenüber den Rivalen, welche die Dopingkontrolleure austricksen. Tatsächlich hinkt die Kontrolle den neuen schwer nachweisbaren Möglichkeiten (wie Blutdoping) hintennach.

Wir haben vor Jahren in Seminaren oft ein legendäres TV- Interview mit Oscar Camenzind gezeigt, als er vor der Kamera vehement abgestritten hatte, Doping genommen zu haben. Für uns war erstaunlich, dass schon damals die Betrachter des Fernsehbeitrages intuitiv gemerkte hatten, dass der Sportler lügt. Dies konnte schon damals - vor der Verurteilung - aufgrund der Körpersprache, den verbale Aeusserungen, de Stimme, den Emotionen erkannt werden. Nachtäglich bestätigte sich dann: Camenzind hatte vor der Kamera tatsächlich gelogen.

Wir haben auch in unserem Beitrag vom 1. Juni 06 ein Interview vor den Fernsehkameras mit Jan Ullrich gespeichert. Es kann heute noch auf dieser Seite betrachtet und angehört werden. Ullrich wurde damals auch mit dem Dopingvorwurf konfrontiert. Er wurde mit Ivan Basso und weiteren Fahrern wegen "begründeter Zweifel an seiner Unschuldsbeteuerung" von der Liste der "Tour de France" gestrichen. Wir haben nachträglich bei allen Umfragen zu diesem Interview Feedbacks erhalten, die Ullrich aufgrund seiner Stimme, seines Verhaltens, der Wortwahl und seiner Körpersprache die alle die Meinung vertraten: Ullrich sagt im Interview nicht die Wahrheit.

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Wir analysieren an dieser Stelle noch ein paar Aussagen Ullrichs aus der jüngsten Medienkonferenz:

"Ich bin enttäuscht von der UCI, von Swiss olympic und vom Schweizer Rad- Verband, der seit acht Monaten den Eindruck erwecken will, er hätte belastendes Material gegen mich".

Ullrich weigerte sich stets, vergleichende Proben zuzulassen und konnte dadurch die Beweise sabotieren. Hätte er ein gutes Gewissen gehabt, hätte er die Unschuld beweisen können. Mit seinem Angriff auf die Kontrollbehörde wählte Ullrich die Taktik: Angriff ist die beste Verteidigung.

Ullrich behauptete ferner an der Pressekonferenz:

"Ich habe ein reines Gewissen."

Hätte er tatsächlich ein reines Gewissen, dann müsste er nichts verbergen.

Folgende Worte Ullrichs sind ebenfalls aufschlussreich:

"Ich kann mit Stolz behaupten, in meiner ganzen Karriere nie betrogen und niemanden geschädigt zu haben. Das ist ganz gross."

Mit diesen Worten sagt Ullrich lediglich, dass er niemanden geschädigt hat. Das trifft möglicherweise zu, selbst dann, wenn er Blutdoping genommen hat. Ob sein Vergehen ein "Betrug" war, darüber könnte gestritten werden. Was Ullrich nicht explizit erwähnt (bewusst?): "Ich habe nie gelogen" oder "Ich habe nicht gedopt".

Der Radprofi hat sich somit verbalstrategisch geschickt verhalten. Ob er überzeugt hat? Wir zweifeln daran. Nachfragen an der Medienkonferenz erlaubte er nicht. Warum wohl? Ullrich - der immer noch unter Dopingverdacht steht - will künftig Berater werden. Berater für...? So wie Borer, der in einer Krisensituation versagt hatte und dann Krisenkommunikationsberater wurde, so könne Ullrich künftig auch Sportler beraten, die unter Dopingverdacht stehen.

Die Schlagzeilen in Deutschland waren hernach recht negativ

(Quelle Bild):

„Ullrichs peinlicher Abgang“ (“Express“)

„Der letzte Rundumschlag“ (“Westfälische Nachrichten“)

„Zum Abschied die letzte Attacke“ (“Frankfurter Rundschau“)

„Ein Rücktritt voller Selbstmitleid und fern der Realität“ (“Berliner Morgenpost“)

„Besuch aus dem Paralleluniversum“ (“Berliner Zeitung“)

Die internationale Presse ging noch härter mit ihm ins Gericht. „Le Figaro“ (Frankreich) schrieb: „Jan Ullrich oder die Geschichte eines Hochbegabten mit einem verpfuschten Schicksal.“

Der Titel im Südkurier ist bezeichnend:

Tricksen, täuschen - Jan Ullrich bleibt sich treu

Die negativen Echos kommen nicht von ungefähr

Das spitzbübische, angeblich clevere Verhalten war kontraproduktiv. Denn: Ullrichs Aussagen waren unglaubwürdig. Zu viele Fragen offene Fragen lagen in der Luft, die erörtet werden wollten, die Ullrich nicht zugelassen hatte. Dieses Abblocken schätzen Journalisten nie!

Zu oft hatte Ullrich getrickst, getarnt und getäuscht. Der angeschuldigte Sportler blockte wichtige Ermittlungen ab. Er verweigerte Speichelproben und konnte auch die Herausgbe eines Blutbeutels verhindern. Er versäumte es immer wieder, reinen Tisch zu machen. Die Oeffentlichkeit weiss heute, dass die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind und die Bonner Staatsanwaltschaft - wie auch der Schweizerische Radverband- den Fall weiter bearbeiten.

Die Indizienkette ist angeblich erdrückend.

Dennoch trat Ullrich so auf, als sei die Untersuchung abgeschlossen.

Ullrich wusste bestens, solange er nicht überführt ist, gilt er nicht als verurteilt. Der mutmassliche Täter konnte sich somit vor den Medien als Opfer "verkaufen".

Die Oeffentlichkeit hat Ullrichs raffinierte Rhetorik gehört- allein es fehlte allen der Glaube.

Für uns war diese Präsentation ein Musterbeispiel unglaubwürdiger Kommunikation.

Nachtrag 1. März:

Quelle: Bild online

Peinlich! Ullrich lässt Beckmann-Sendung verbieten

(Zitat Bild online)

Sein Auftritt bei Beckmann war so schlecht wie seine Rücktritts-Erklärung am Vormittag: Bizarr und verwirrt.

Jan Ullrich wäre am liebsten noch während des Gesprächs mit dem Star-Moderator aufgestanden und gegangen. Der ehemalige Radstar fühlte sich von Beckmann verraten und hintergangen.

Wie zu erfahren war, haben er und seine Rechtsanwälte die Wiederholung der Sendung verboten.

Sollte sich die ARD nicht daran halten, will Ullrich klagen. „Beckmann hat sich nicht an die gegebenen Zusagen gehalten“, erklärt Ullrichs Hamburger Rechtsanwalt Marcus M. Hotze.

Nach Ullrichs-Anwälten war angeblich mit Beckmann vereinbart worden:

• Der ehemalige T-Mobile-Kapitän kann sich mit dem Hinweis auf das in Bonn laufende strafrechtliche Verfahren nicht zu dem spanischen Dopingskandal äussern.

• Er und seine Frau Sara sind alleinige Gäste der Sendung.

• Ullrich darf die Aufzeichnung vor der Ausstrahlung in der Nacht sehen, um auch Passagen, die dem Strafverfahren schaden könnten, zu entfernen.

Beckmann dementierte jedoch diese Absprachen.

Beckmann:

„Jan Ullrich wusste, dass es sich um ein journalistisches Gespräch handeln wird. Darüber haben wir vorher gesprochen. Es ist doch klar, dass wir eine Untersagung der zentralen Frage nach dem Doping-Arzt Fuentes niemals zugelassen hätten. Jan Ullrich hat einen ganz normalen Gäste-Vertrag bei uns.

Darin ist nicht vorgesehen, nach der Sendung Passagen zu entfernen, die einem nicht gefallen oder Einfluss auf die Sendung zu nehmen.“

Peinlich war tatsächlich, als Ullrich auf Beckmanns hartnäckiges Nachfragen nach Fuentes immer nur antwortete, er dürfe sich dazu nicht äussern.

Als die ARD während der Aufzeichnung den Dopingexperten Hans-Joachim Seppelt dazuschaltete, wäre Ullrich am liebsten geschockt aus dem Studio geflüchtet.

Bereits am Montag Abend erwog Ullrich mit seinem Rechtsanwalt die Ausstrahlung der Sendung zu stoppen. Sie wurde dann aber nicht gestoppt.

„Das Unheil soll nicht noch weiter verbreitet werden“, damit begründet Rechtsanwalt Hotze sein Verbot einer Wiederholung der Sendung. Laut BILD hat jedoch das Unheil längst seinen Lauf genommen!

Erkenntnis:

Klare Abmachungen vor einer Sendung sind gewiss ein Muss. Doch machen Ullrichs Rechtsanwälte einen gravierenden Fehler, wenn Sie nun nachträglich eine Zweitausstrahlung blockieren. Damit haben sie Ullrich einen Bärendienst erwiesen. Jetzt wird nämlich erst recht klar, dass Ullrich etwas zu verbergen hat. Das Eingrifen und Abblocken wird zu einer neuen Mediengeschichte. Auch wir schreiben darüber. Die Sendung wurde bereits einmal ausgestrahlt und wie bei einer Zahnpastatube kann der Inhalt der ausgedrückt wurde, nachher kaum noch rückgängig gemacht werden. Dies ist auch bei der ARD Beckmannsendung der Fall. Im Gegenteil: Das Verbot verstärkt nur noch Ullrichs negatives Image. Jetzt reiht sich diese Abblockungsgeschichte nahtlos in alle andern Abblockgeschichten des Radprofis ein. - Es wurden schon an der Medienkonferenz keine Fragen zugelassen

- Speichelproben wurden blockiert usw.

Und nun werden Aussagen, die bereits im Fernsehen einmal gesendet worden waren, auch noch abgeblockt.

Reputationsmässig haben somit die Rechtsanwälte ihrem Mandanten geschadet. Das Verbot war aus unserer Sicht ungeschickt!

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Nachtrag, 4.3.07:

Ullrichs seltsames Medienverständnis

Bisher liess Ullrich keine Fragen zu.

Nun hat er doch noch gemäss BLICK (4.3.07)Antworten gegeben.

Unter den Titel :

Ullrich stellt sich «kritischen» Fragen

Nun lässt sich der gefallene Rad-Star doch noch interviewen. Aber bizzarerweise von seinem PR-Berater! Nicht verwunderlich, dass es keine kritischen Fragen gibt. Bis jetzt hatte Ullrich noch nie die Frage beantwortet, ob der "Blutdoping" auch als strafbare Dopinghandlung betrachte.

Zum Pseudo-Interview

Vor einer Woche hat Jan Ullrich seinen Rücktritt erklärt. Seither reihte sich Peinlichkeit an Peinlichkeit. Ulrichs Medien-Verständnis gibt zu denken: Es gab eine Presse-Konferenz, an der Fragen verboten waren. Dann folgte der groteske Beckmann-Auftritt und der Versuch, eine Zweitausstrahlung zu verhindern.

Dann folgte ein Gespräch, das Ullrich auf seiner Homepage platziert hatte. Er gab ein Pseudo - Interview, in dem er den Fans die Wahrheit sagen wollte, weil die Medien angeblich seine Aussagen «verfälschen».

Der Interviewer, PR-Manager Michael Lang, kündigte zwar vor dem 18-Minuten-Gesprächs «kritische Fragen, Fragen zur Vergangenheit im Radsport» an. Dann folgte aber nur banalstes Gefasel. Fragen über Doping, den Ausschluss aus der Tour de France oder über den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes wurden alle ausgeklammert.

Es folgten Fragen wie:

«Fiel es leicht, die Karriere zu beenden?»

«Wie war das Verhältnis zu grossen Konkurrenten wie Basso oder Armstrong?»

«Bricht der Kontakt zu den Fans jetzt ab?»

Bei der einzig relevanten Frage:

«Weshalb nehmen Sie zu bestimmten Fragen keine Stellung?»

«Da möchte ich auf den Rat meiner Anwälte hören.»

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Zu schön , um wahr zu sein

Im Internet habe ich jüngst ein groteskes Interview gefunden. Es ist sehr wahrscheinlich eine Glosse , ein Gag, denn das Interview ist konstruiert. Dennoch habe ich die Antworten kommentiert, so als hätte es stattgefunden. Nach dem Ullrich in den echten Auftitten ähnlich geantwortet hat, wäre es eigentlich durchaus möglich, dass Jan Ullrich so antworten würde.

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1) Herr Ullrich, geht es Ihnen gut?

(Räuspert sich) Ich muss endlich auf den Rat meiner Anwälte vertrauen.

Kommentar: Es wird deutlich. Nicht der Rennfahrer sondern die Anwälte führen jetzt das Rennen.

2) Haben Sie unerlaubte Substanzen zu sich genommen?

(Ernst) Unerlaubte Substanzen?

Kommentar: Ullrich gibt keine Antwort. Er weicht mit einer Gegenfrage aus.

3) Was ist Doping für Sie?

(Blickt sanft in die Kamera) Doping ist Doping ist Doping ist Doping.

Kommentar: Anstelle einer Antwort (was er als Doping betrachtet, folgt ein Plausibilitätsatz "Doping ist Doping". Dies eine billige Ausweichtaktik.

4) Kennen Sie Rudy Pevenage?

(Runzelt die Stirn wie ein Denker) Kommt mir bekannt vor, erinnere mich nicht mehr, ihn getroffen zu haben.

Kommentar: Er weiss genau, wer das ist und um was es geht. Ullrich weicht wiederum aus, in dem er eine andere Ausweichtechnik anwendet. Er will sich einfach nicht mehr erinnern. Dass er ihn kennt muss er nicht bestätigen können. Denn bei dieser "Antwort" hilft ihm die Erinnerungslücke (Diese Technik wird bei Verhören oft angewendet, sie wirkt jedoch meist unglaubwürdig)

5) Warum mag Sie Rudolf Scharping nicht mehr?

(Lacht euphorisch auf) Wahrscheinlich, weil er aus seinem Amt gezwungen wurde, ich hingegen frei, guten Gewissens und erhobenen Hauptes meine Karriere beenden kann.

Kommentar: Anstatt auf die üblen Dopinggeschichten im Radsport einzugehen, spricht er über Scharpings Problem als Politiker und versucht sich mit dieser Schuldzuweisung reinwaschen.

6) Ist es richtig, dass Eufemiano Fuentes Ihr Trauzeuge war?

(Reibt versonnen seinen Ring) Trauzeugen sind Privatsache.

Kommentar: Kann sich hinter dem Wort "Privatsache" (als Rettungsanker) verschanzen.

7) Vertrauen Sie Ihren Anwälten?

(Holt eine Karteikarte raus) Auf Anraten meiner Anwälte kann ich dazu nichts sagen.

Kommentar: Heikle Situation. Jetzt hilft die Karte der Anwälte. Die musste er gewiss (auf Anraten?) zücken.

8) Fühlen Sie sich manchmal hilflos in diesen Tagen?

(Setzt sich entschlossen aufrecht hin) Wenn ich wollte, könnte ich sofort wieder angreifen, wie damals am Col de la Madeleine oder so.

Kommentar: Ullrich muss das Wort "hilflos" gereizt haben. Er kontert mit einer Taktik, die jedes kleine Kind kennt, wenn es als Schwächling hingestellt wird. Es trumpft auf, und prahlt, was es alles machen könnte. Ullrich ragiert ähnlich: "Wenn ich wollte, könnte ich..."

9) Warum sind Sie so wütend auf die Medien?

(Reckt den Hals) Ich weiss: Doping ist Doping ist Doping. Ich weiss auch: Jan Ullrich ist Jan Ullrich ist Jan Ullrich. So ist es, God knows. (Blickt versonnen zur Seite) Gell, Schatz?

Kommentar: Mit einer plumpen Wiederholungstaktik wissen jetzt alle, dass Doping Doping ist und Jan Ullrich, Jan Ullrich. Die Pseudo-Antwort enthält einen erstaunlichen Neuigkeitsgehalt!?

10) Warum wehren Sie sich so nachdrücklich gegen einen DNA-Abgleich mit den beim spanischen Arzt Fuentes gefundenen Blutbeuteln?

Mein Körper gehört mir! Mein Bauch gehört mir! Meine DNA gehört mir! (Klopft gegen seinen Schädel, dumpfes Geräusch) Mein Kopf gehört mir auch!

Kommentar: Alle wissen es nun endgültig. Jan Ullrich kann machen was er will, denn sein Körper und seine DNA gehört ihm - ihm allein. Auch die allfälligen Stoffe die er eingenommen hat?

Schlussfrage: Weshalb klopft sich Ullrich am Schluss an den Kopf? Die Antwort überlasse ich den Lesern. Jedenfalls tönten die Antworten im FIKTIVEN INTERWIEW ebenfalls alle hohl.

Soweit dieses konstruierte Interview, das durchaus wahr sein könnte. Das Medienverhalten Ullrichs ist eine Fundgrube für alle, die sich für Medienrhetorik interessieren. Wie können auch aus dem gestellten Interview Einiges lernen.

Uebrigens: Wer die echten Auftritte Ullrichs genau mitverfolgt hatte, konnte gut sehen, wie Ullrich immer dann an die Nase gegriffen hat, wenn es heikel wurde und er "lügen musste". Auch der Speichelschaum in einer Mundecke stimmten mit den Luftblasen in den Antworten überein.

Montag, 26. Februar 2007

Kommunikation-konkret:

Geheimniskrämerei oder Offenheit?

Bei der Alltagkommunikation wird zwar Offenheit gewünscht. Doch hat jeder Mensch Geheimnisse. Das Geheimnis bietet uns Gelegenheit einer zweiten Welt neben der offenbaren.

Das ist nichts Anrüchiges, obwohl die meisten Menschen Offenheit gross schreiben.

Nichts gegen transparente und offene Kommunikation. Bleiben wir uns dennoch stets bewusst, dass jedes Geheimnis, das wir für uns bewahren, eröffnet der Individualität eine zweite Welt, d.h. eine Rückzugsmöglichkeit, einen Freiraum für die eigenen Bedürfnisse.

Wenngleich früher Heimlichkeit mit Nacht- und Nebelaktionen assoziert wurden,

so wissen wir heute, dass Beziehungen, die alles offen legen und ohne das innere Asyl des Geheimnisses auskommen, viel unzufriedener sind.

Schon Simmel fragte sich, ob sich Eheleute nicht "qualitativ mehr gehören, wenn sie sich quantitativ weniger gehören."

Geheimniskrämerei gehört genau so zum Menschen wie Geselligkeit und Gedankenaustausch.

Jedes Kind merkt bald, dass totale Offenheit Aerger heraufbeschwört und man sich mit "Klappehalten" Freunde schaffen kann.

"Schweigenkönnen" ist tatsächlich ein Element der Freundschaft.

Das Geheimnis hat anderseits den verführerischen Anreiz, es durch Ausplaudern oder Beichte zu durchbrechen. Ich zitiere Jörg Bergmann, der die Klatschkommunikation untersucht hat:

"Wer etwas weiss, das andere nicht wissen, kann diese Attraktivität nur ausspielen, wenn die andern auch wissen, dass man etwas weiss."

Es fällt oft schwer, ein Geheimnis mit ins Grab zu nehmen. Der Reiz ist zu gross, das Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, um das aber zwei wissen, das ist jedoch keines mehr.

Fazit:

Egal wie offen wir sind. Jeder hat ein Geheimnis. Und das ist gut so.

Wer alles von sich preis gibt, wird uninteressant. Gerade das Verborgene macht Menschen reizvoll.

Sonntag, 25. Februar 2007

Erneuerbare Energie lächerlich gemacht oder ging es nur darum, die Nachteile zu erwähnen?

Energieminister Moritz Leuenberger kritisierte die Werbespots des des Energiekonzerns Axpo. Die Spots sind derzeit im Kino zu sehen und werden demnächst auch im Fernsehen gezeigt. Leuenberger beanstandete, dass in den Spots die Sonnen- und Windenergie lächerlich gemacht werde. In einer Sequenz wird beispielsweise eine Jassrunde mit Köbi Kuhn gezeigt. Einer der Jasser prahlt mit seiner Solaruhr. Diese zeigt jedoch die falsche Zeit an. Um die Uhr aufzuladen, unterbricht ihr Besitzer die Jassrunde und begibt sich nach draussen, wo es in Strömen regnet.

Leuenberger fand, es sei kontraproduktiv, wenn sich die Axpo über erneuerbare Energien lustig mache. Das Volk werde dem Bau eines AKW nur zustimmen, wenn alles getan werde für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Der Energieminister bat in der ARENA Sendung der Axpo, den beanstandeten Werbespot zu streichen.

Wie darf kritisiert werden?

Köbi Kuhn kann die Kritik des Energieministers nicht verstehen. Offenbar habe Leuenberger den Spass nicht verstanden, sagte er gegenüber der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens. Eigentlich müssten jene, die den Spot kritisierten, froh sein. Sie bekämen nun eine Plattform, die sie sonst nicht hätten. Nach der Axpo (Karrer) wollte sie mit den Sequenzen nicht die erneuerbaren Energien lächerlich machen, sondern lediglich auf die Nachteile hinweisen, die leider bis jetzt meist ausgeklammert blieben.

Kommentar: Wenn es um Energiefragen geht, prallen Welten aufeinander. Es gibt militante Kernenergiegegner und es gibt Interessenvertreter, die nicht viel halten von Landschaften, die mit Windrädern verschandelt werden und nie daran glauben, dass das Stromdefizit mit Erdwärme und Sonnenenergie je wettgemacht werden kann. Nach unserem Dafürhalten ist heute eine Versachlichung der CO2 Problematik angesagt. Es muss jetzt vor allem alles getan werden, den CO2 Ausstoss zu reduzieren. Somit haben laut Fachkreisen alternativen Energien wie auch die Kernenergie erste Priorität. Bis anhin wurden jedoch nur bei den Atomkraftwerken die Nachteile (Entsorgung, mögliche Pannen) unterstrichen. Bundesrat Leuenberger hat bestimmt recht, wenn er fordert, dass nicht eine CO2 freundliche Energiequelle gegen die andere ausgespielt werden darf. Doch müsste dieser Appell auch für all jene Kreise gelten, die bis anhin jahrzehntelang die CO2 freundliche Kernenergie verteufelt hatten und Kernkraftbefürworter lächerlich gemacht hatten.

Die Axpo hat den umstrittenen Werbespot zurückgezogen. Begründung: Wir möchten nicht, dass wir falsch verstanden werden. NAch unserem Dafürhalten, hat die Bemerkung Leuenbergers diesen Entscheid auch beschleunigt.

Beispiel eines sachlichen Textes:

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"Seit Monaten macht die Stromwirtschaft im Hintergrund Druck für neue Atomkraftwerke. Am letzten Mittwoch hat der Bundesrat entschieden: Es braucht mehr Energieeffizienz, mehr Förderung von erneuerbaren Energien, aber auch neue Atomkraftwerke. Denn ums Jahr 2020, wenn «alte» Werke wie Beznau und Mühleberg vom Netz gehen und Lieferverträge mit Frankreich auslaufen, drohe eine «Stromlücke», weil der Verbrauch steige."

Die Wortwahl verrät in der Regel die Gesinnung des Autors:

In der Presse lasen wir jüngst von einer "Atomlobby, die vor allem Frauen anstrahlen" werde (weil mit Webekampampagnen die weibliche Bevölkerung vermehrt angesprochen werden soll. Es hat nämlich sich gezeigt, dass die Frauen mehrheitlich gegen die Kernenergie sind). Wer die Diskussionen in Deutschland mitverfolgt, stellt ähnliche, ebenfalls gefärbte Formulierungen fest. Vielen Journalisten fällt es angeblich schwer, fach- und sachgerecht zu formulieren

Samstag, 24. Februar 2007

Verbale Schweinereien während einer Messe

In der Hl.-Franz-von-Assisi-Kathedrale im mexikanischen Santa Fe Santa Fee wurde die beschauliche Messe am Aschermittwoch plötzlich gestört: Gotteslästerungen und andere verbale Schweinereien durchdrangen die heilige Stille des Kirchenraumes.

Stöhnen und Fluchen brachten Priester und Polizei aus der Fassung.

Die Priester mussten die Messe unterbrechen. Sie fanden drei Kassettenrekorder, die an die Kirchenbänke angeklebt waren. Jemand hatte verschiedene Leute aufgenommen, die fluchten, stöhnten und vulgäre Dinge sagten. Es wurde befürchtet, die Kassettenrecorder könnten noch explodieren.

Das Teufelszeug wurde in den Keller der Kirche getragen und die Polizei informiert. Die wusste dem Fluch nur zu begegnen, indem sie ein Bombenkommando losschickte. Zwei der Kassettengeräte wurden gesprengt.

Wie «Fox News.com» berichtete, wollte man damit sichergehen, dass von den Apparaturen keine weitere Gefahr ausginge.

Die Polizei soll nun den verbleibenden dritten Rekorder auf DNA-Spuren oder sonstige Hinweise auf den oder die blasphemischen Täter untersuchen.

Das Verhalten der Polizei ist verständlich.

Die Geschichte ist aussergewöhnlich und und damit eine ideale Mediengeschichte.

Falls die Täter nicht gefunden werden, so sind Nachahmungshandlungen denkbar.

Könnten die Täter doch noch ermittelt werden, so wäre es interessant zu erfahren, gegen welche Gesetzesbestimmungen sie alles verstossen hatten.

Freitag, 23. Februar 2007

Uriella- Rhetorik

Sie beantwortete in einem Exklusivinterview Fragen von "HEUTE":

«heute»: Uriella, danke dass Jesus Christus Ihnen grünes Licht für unser Gespräch gegeben hat.

Uriella: Gut, gut. Ich muss auch immer sehr viel organisieren und heilen.

Sie müssen sich schonen, Sie hatten doch eine schwere Operation. Gott gibt mir Willenskraft und Energie. Ich muss immer da sein. Können Sie unter diesen Umständen überhaupt noch heilen?

Ja. Ich nehme die kranken Leute in mein Gebet auf und sende ihnen Energie. Das verzögert meinen eigenen Heilungsprozess.

Wer hilft Ihnen eigentlich bei Ihrer Heilung? Jesus? Sie selbst?

Nur Gott kann heilen.

Im Jahr 2000 sahen Sie zum letzten Mal einen Weltuntergang voraus…

…ja, und den hat der Orden Fiat Lux mit viel positiven Gedanken gerade noch abwenden können. Ich möchte aber nicht von Weltuntergang sprechen, sondern von einer Reinigung der Erde. Gibt es schon ein Datum für diese Erdreinigung?

Nein. Jesus will sich zurzeit auf kein Datum festlegen.

Wird es denn bald sein?

Es geht nicht mehr zehn Jahre. Es könnte sogar dieses Jahr sein.

Sind Sie sicher?

Es braucht nur noch den Funken im Pulverfass.

Und wenn Sie ganz viel beten?

Nein, es ist zu spät für eine gänzliche Abwendung.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein, weil es kein eigentlicher Tod ist. Ich lebe ja als Uriella weiter. Jemand hat behauptet, Ihr Ehemann Icordo baue ein weiteres Medium für die Zeit nach Ihrem Tod auf.

Alles Quatsch. Es gibt keinen Ersatz für mich. Und wenn ich diese Erde einmal mit meinem Körper verlasse, dann bin ich mit meinem Geist immer noch beim Orden Fiat Lux.

Gestern feierten Sie Ihren 78. Geburtstag. Hatten Sie es schön?

So wie es ist, wenn man sehr isoliert lebt.

Kommentar:

Bei allen heiklen Fragen findet Urielle Selbstschutzbehauptungen. Ihre Begründungen (Ausreden) sind recht plump: Weil sie sich selbst nicht heilen konnte, erklärt sie diese Tatsache damit, dass sie eben zu viel beten musste für andere kranke Menschen.

Weil sie den Weltuntergang falsch prognostiziert hatte, spricht Uriella nicht mehr von einem Weltuntergang sondern von Erdreinigung.

Zudem behauptet sie, dass sie den Weltuntergang dank mit ihrer positiven Gedanken abzuwenden vermochte.

Um sich nicht nochmals zu blamieren, legt sie sich für die nächste Erdreinigung nicht mehr auf ein genaues Datum mehr fest.

Damit die Sekte Fiat Lux ihre Schäfchen weiterhin auf Trab halten kann, nutzt Uriella einmal mehr das bewährte Instrument Angstmache. "Es gibt keine Entrinnen mehr!" Bestimmt werden bei der bevorstehenden Reinigung nur ihre Sektenmitglieder - als Auserkorene - das Heil finden.

Beim Ansinnen ,dass ihr Icordo nach Uriellas Tod ein neues Medium zu sich nehmen könnte, reagiert die Sektenführerin ungehalten und macht deutlich, dass sie mit ihrem Geist immer bei ihm sein werde.

Aus der letzten Antwort schimmert durch, dass sich Uriella einsam und isoliert fühlt. Vielleicht leidet die mediensüchtige Frau an Entzugserscheinungen.

Donnerstag, 22. Februar 2007

Stoibers Aschermittwoch Versprecher

"Spinnt die jetzt komplett?"

CSU-Chef Edmund Stoiber über Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, die kürzlich den Kauf von umweltfreundlichen Hybrid-Autos von Toyota empfohlen hatte

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"Die hat doch nicht mehr alle Nadeln an der grünen Tanne!"

Stoiber über Grünen-Chefin Claudia Roth

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"Ich fühle mich wohl hier."

CSU-Rebellin Gabriele Pauli in der Halle, in der Sprechchöre "Pauli raus, Pauli raus!" riefen...

und CSU Anhänger das Plakat hochhielten:

P = PRIMITIV

A = ARROGANT

U = UNMOEGLICH

L = LINK

I = IRRE

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Stoibers schönster Aschermittwoch Patzer

Er verwechselte Breschnew mit Bush:

"Ich habe es für wohltuend empfunden, dass die Bundeskanzlerin gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Breschnew Guantanamo kritisiert hat."

Mittwoch, 21. Februar 2007

SIE+ER Magazin:

Medienkritik ja - aber nicht so!

Im Sonntagsblick- Magazin "SIE+ ER" (Nr.7 /07) wurden unter dem Titel "Tatort Mattscheibe" Sendungen und Moderatoren kritisiert. Gegen Medienkritik ist nichts einzuwenden. Kritisieren darf jeder. Selbst persönlich gefärbte, pointierte Meinungen sind erlaubt. Acht Kritiker des Magazin- Beitrages zeichneten leider ihre eigenen Aussagen nicht und verfälschten sogar ein Zitat. Dies zeugt nicht von professionellem Journalismus.

Zur Meinung stehen!

Im erwähnten "SIE + ER" Beitrag werden unterschiedlichste Sendungen und Moderatoren des Schweizer Fernsehens beurteilt und kritisiert. Unter anderen wurden Swen Epinay, Daniela Lager , Aeschbi usw. mit deutlichen Kommentaren beurteilt (verurteilt?).

Es ist in in diesem längeren Artikel (acht Seiten!) nicht ersichtlich, wer welchen Kommentar verfasst hat.

Zwar unterzeichnen acht Autoren gemeinsam : Helmut-Mario Glogger, Sandro Brotz, Gabrielle Kleiner, Claudia Langenegger, Stephanie Ringel, Franco Siegfried, Stefan Thomi, Sabine Eva Wittwer, doch bleibt unklar:

Haben alle alles geschrieben?

Wer hat welche Beurteilung verfasst?

Wer hat wen kritisiert?

Wurden die persönlichen Beurteilungen nachher vom Autorenteam abgesegnet?

Da gewisse Fakten nicht stimmen (darüber später), wissen wir nicht, wer vom Team unseriös gearbeitet hat. Sicherlich nicht alle. Jeder Verfasser einer Medienkritik muss persönlich zu seiner Aussage stehen dürfen. Da jedoch alle gemeinsam unterzeichnet haben, kann sich nun jede der acht Personen hinter dem Autorenteam verstecken. Die Frage ist berechtigt: Warum durften die Autoren nicht zu ihrem eigenen Textteil stehen?

Bei einer Kritik müssen vor allem die Fakten stimmen!

Die Problematik dieses "Versteckspiels" wird bewusst, wenn es um fachliche Unzulänglichkeiten geht. Gegen persönliche Meinungen oder subjektive Urteile ist nichts einzuwenden. Wenn jedoch Zitate nicht stimmen, wird es problematisch.

So wurde beispielsweise der Tagesschaumoderator Franz Fischlin falsch zitiert (wortwörtlich steht im SIE+ER Text):

Interessant auch, wie "Tagesschau"- Ansager Franz Fischlin einen Beitrag zum dräunenden Thema "Sterblichkeit im Februar" mit den gesetzten Worten einleitet: "Das gemässigte Klima in der Schweiz hat Auswirkungen auf die Mortalität". Ein absoluter Aufsteller zu besten Sendezeit.

Ich habe mir die Mühe gemacht und den betreffenden Tagesschau-Beitrag im Archiv des Schweizer Fernsehens angeschaut. Franz Fischlin's Moderation gemäss Beleg:

"Wenn im Winter die Grippewelle so richtig anrollt und wenn es im Sommer besonders heiss ist, dann kann das, besonders für ältere Menschen, tödlich sein. Nun, der Sommer im letzten Jahr war zwar heiss, aber überraschenderweise hat sich das nicht auf die Zahl der Todesfälle ausgewirkt.

(Dann folgte eine Grafik)

Insgesamt starben letztes Jahr 59'609 Menschen, das sind rund 800 weniger als im Durchschnitt der letzten Jahre. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Grippeviren letztes Jahr weniger aggressiv und die Wintermonate recht mild waren"

Der zitierte Moderations-Satz mit dem Fremdwort "Mortalität" existiert also nur in der Erinnerung der SIE + ER-Autoren. Von einem Journalisten, der andere Journalisten kritisiert, dürfte eigentlich mehr Genauigkeit erwartet werden.

Im erwähnten Beitrag steht ferner bei Roman Kilchsperger:

"Zielt er zur Primetime mal unter die Gürtellinie - schon wird er von den TV-Bürokraten gedeckelt."

Auch bei dieser Bemerkung hätte mich ebenfalls interessiert, wer diesen fragwürdigen Satz geschrieben hat. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das ganze "SIE+ER" Autorenteam wünscht, dass Kilchsberger - analog Bohlens "Exekutionsrhetorik" - während der Primetime vermehrt Aussagen "unter der Gürtellinie" macht und dies auch noch vom Schweizer Fernsehen honoriert werden sollte.

Fazit:

Nichts gegen Medienkritiken.

- Doch müssen Kritiker den Mut haben, persönlich zu ihren Texten zu stehen. Die acht Autoren hätten unbedingt ihren Beitrag zeichnen müssen.

- Wer kritisiert, darf nicht falsch zitieren. Wenn nachträglich eindeutig belegt werden kann, dass ein Medienkritiker ein Zitat manipuliert, beeinträchtigt er die Glaubwürdigkeit des ganzen Beitrages und in unserem Beispiel auch noch die Glaubwürdigkeit des ganzen Autorenteams. Ich bin überzeugt, dass der Chefredakteur - falls er davon erfährt - diese Unzulänglichkeiten nicht tolerieren würde.