Montag, 26. Februar 2007

Kommunikation-konkret:

Geheimniskrämerei oder Offenheit?

Bei der Alltagkommunikation wird zwar Offenheit gewünscht. Doch hat jeder Mensch Geheimnisse. Das Geheimnis bietet uns Gelegenheit einer zweiten Welt neben der offenbaren.

Das ist nichts Anrüchiges, obwohl die meisten Menschen Offenheit gross schreiben.

Nichts gegen transparente und offene Kommunikation. Bleiben wir uns dennoch stets bewusst, dass jedes Geheimnis, das wir für uns bewahren, eröffnet der Individualität eine zweite Welt, d.h. eine Rückzugsmöglichkeit, einen Freiraum für die eigenen Bedürfnisse.

Wenngleich früher Heimlichkeit mit Nacht- und Nebelaktionen assoziert wurden,

so wissen wir heute, dass Beziehungen, die alles offen legen und ohne das innere Asyl des Geheimnisses auskommen, viel unzufriedener sind.

Schon Simmel fragte sich, ob sich Eheleute nicht "qualitativ mehr gehören, wenn sie sich quantitativ weniger gehören."

Geheimniskrämerei gehört genau so zum Menschen wie Geselligkeit und Gedankenaustausch.

Jedes Kind merkt bald, dass totale Offenheit Aerger heraufbeschwört und man sich mit "Klappehalten" Freunde schaffen kann.

"Schweigenkönnen" ist tatsächlich ein Element der Freundschaft.

Das Geheimnis hat anderseits den verführerischen Anreiz, es durch Ausplaudern oder Beichte zu durchbrechen. Ich zitiere Jörg Bergmann, der die Klatschkommunikation untersucht hat:

"Wer etwas weiss, das andere nicht wissen, kann diese Attraktivität nur ausspielen, wenn die andern auch wissen, dass man etwas weiss."

Es fällt oft schwer, ein Geheimnis mit ins Grab zu nehmen. Der Reiz ist zu gross, das Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, um das aber zwei wissen, das ist jedoch keines mehr.

Fazit:

Egal wie offen wir sind. Jeder hat ein Geheimnis. Und das ist gut so.

Wer alles von sich preis gibt, wird uninteressant. Gerade das Verborgene macht Menschen reizvoll.

Sonntag, 25. Februar 2007

Erneuerbare Energie lächerlich gemacht oder ging es nur darum, die Nachteile zu erwähnen?

Energieminister Moritz Leuenberger kritisierte die Werbespots des des Energiekonzerns Axpo. Die Spots sind derzeit im Kino zu sehen und werden demnächst auch im Fernsehen gezeigt. Leuenberger beanstandete, dass in den Spots die Sonnen- und Windenergie lächerlich gemacht werde. In einer Sequenz wird beispielsweise eine Jassrunde mit Köbi Kuhn gezeigt. Einer der Jasser prahlt mit seiner Solaruhr. Diese zeigt jedoch die falsche Zeit an. Um die Uhr aufzuladen, unterbricht ihr Besitzer die Jassrunde und begibt sich nach draussen, wo es in Strömen regnet.

Leuenberger fand, es sei kontraproduktiv, wenn sich die Axpo über erneuerbare Energien lustig mache. Das Volk werde dem Bau eines AKW nur zustimmen, wenn alles getan werde für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Der Energieminister bat in der ARENA Sendung der Axpo, den beanstandeten Werbespot zu streichen.

Wie darf kritisiert werden?

Köbi Kuhn kann die Kritik des Energieministers nicht verstehen. Offenbar habe Leuenberger den Spass nicht verstanden, sagte er gegenüber der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens. Eigentlich müssten jene, die den Spot kritisierten, froh sein. Sie bekämen nun eine Plattform, die sie sonst nicht hätten. Nach der Axpo (Karrer) wollte sie mit den Sequenzen nicht die erneuerbaren Energien lächerlich machen, sondern lediglich auf die Nachteile hinweisen, die leider bis jetzt meist ausgeklammert blieben.

Kommentar: Wenn es um Energiefragen geht, prallen Welten aufeinander. Es gibt militante Kernenergiegegner und es gibt Interessenvertreter, die nicht viel halten von Landschaften, die mit Windrädern verschandelt werden und nie daran glauben, dass das Stromdefizit mit Erdwärme und Sonnenenergie je wettgemacht werden kann. Nach unserem Dafürhalten ist heute eine Versachlichung der CO2 Problematik angesagt. Es muss jetzt vor allem alles getan werden, den CO2 Ausstoss zu reduzieren. Somit haben laut Fachkreisen alternativen Energien wie auch die Kernenergie erste Priorität. Bis anhin wurden jedoch nur bei den Atomkraftwerken die Nachteile (Entsorgung, mögliche Pannen) unterstrichen. Bundesrat Leuenberger hat bestimmt recht, wenn er fordert, dass nicht eine CO2 freundliche Energiequelle gegen die andere ausgespielt werden darf. Doch müsste dieser Appell auch für all jene Kreise gelten, die bis anhin jahrzehntelang die CO2 freundliche Kernenergie verteufelt hatten und Kernkraftbefürworter lächerlich gemacht hatten.

Die Axpo hat den umstrittenen Werbespot zurückgezogen. Begründung: Wir möchten nicht, dass wir falsch verstanden werden. NAch unserem Dafürhalten, hat die Bemerkung Leuenbergers diesen Entscheid auch beschleunigt.

Beispiel eines sachlichen Textes:

<

"Seit Monaten macht die Stromwirtschaft im Hintergrund Druck für neue Atomkraftwerke. Am letzten Mittwoch hat der Bundesrat entschieden: Es braucht mehr Energieeffizienz, mehr Förderung von erneuerbaren Energien, aber auch neue Atomkraftwerke. Denn ums Jahr 2020, wenn «alte» Werke wie Beznau und Mühleberg vom Netz gehen und Lieferverträge mit Frankreich auslaufen, drohe eine «Stromlücke», weil der Verbrauch steige."

Die Wortwahl verrät in der Regel die Gesinnung des Autors:

In der Presse lasen wir jüngst von einer "Atomlobby, die vor allem Frauen anstrahlen" werde (weil mit Webekampampagnen die weibliche Bevölkerung vermehrt angesprochen werden soll. Es hat nämlich sich gezeigt, dass die Frauen mehrheitlich gegen die Kernenergie sind). Wer die Diskussionen in Deutschland mitverfolgt, stellt ähnliche, ebenfalls gefärbte Formulierungen fest. Vielen Journalisten fällt es angeblich schwer, fach- und sachgerecht zu formulieren

Samstag, 24. Februar 2007

Verbale Schweinereien während einer Messe

In der Hl.-Franz-von-Assisi-Kathedrale im mexikanischen Santa Fe Santa Fee wurde die beschauliche Messe am Aschermittwoch plötzlich gestört: Gotteslästerungen und andere verbale Schweinereien durchdrangen die heilige Stille des Kirchenraumes.

Stöhnen und Fluchen brachten Priester und Polizei aus der Fassung.

Die Priester mussten die Messe unterbrechen. Sie fanden drei Kassettenrekorder, die an die Kirchenbänke angeklebt waren. Jemand hatte verschiedene Leute aufgenommen, die fluchten, stöhnten und vulgäre Dinge sagten. Es wurde befürchtet, die Kassettenrecorder könnten noch explodieren.

Das Teufelszeug wurde in den Keller der Kirche getragen und die Polizei informiert. Die wusste dem Fluch nur zu begegnen, indem sie ein Bombenkommando losschickte. Zwei der Kassettengeräte wurden gesprengt.

Wie «Fox News.com» berichtete, wollte man damit sichergehen, dass von den Apparaturen keine weitere Gefahr ausginge.

Die Polizei soll nun den verbleibenden dritten Rekorder auf DNA-Spuren oder sonstige Hinweise auf den oder die blasphemischen Täter untersuchen.

Das Verhalten der Polizei ist verständlich.

Die Geschichte ist aussergewöhnlich und und damit eine ideale Mediengeschichte.

Falls die Täter nicht gefunden werden, so sind Nachahmungshandlungen denkbar.

Könnten die Täter doch noch ermittelt werden, so wäre es interessant zu erfahren, gegen welche Gesetzesbestimmungen sie alles verstossen hatten.

Freitag, 23. Februar 2007

Uriella- Rhetorik

Sie beantwortete in einem Exklusivinterview Fragen von "HEUTE":

«heute»: Uriella, danke dass Jesus Christus Ihnen grünes Licht für unser Gespräch gegeben hat.

Uriella: Gut, gut. Ich muss auch immer sehr viel organisieren und heilen.

Sie müssen sich schonen, Sie hatten doch eine schwere Operation. Gott gibt mir Willenskraft und Energie. Ich muss immer da sein. Können Sie unter diesen Umständen überhaupt noch heilen?

Ja. Ich nehme die kranken Leute in mein Gebet auf und sende ihnen Energie. Das verzögert meinen eigenen Heilungsprozess.

Wer hilft Ihnen eigentlich bei Ihrer Heilung? Jesus? Sie selbst?

Nur Gott kann heilen.

Im Jahr 2000 sahen Sie zum letzten Mal einen Weltuntergang voraus…

…ja, und den hat der Orden Fiat Lux mit viel positiven Gedanken gerade noch abwenden können. Ich möchte aber nicht von Weltuntergang sprechen, sondern von einer Reinigung der Erde. Gibt es schon ein Datum für diese Erdreinigung?

Nein. Jesus will sich zurzeit auf kein Datum festlegen.

Wird es denn bald sein?

Es geht nicht mehr zehn Jahre. Es könnte sogar dieses Jahr sein.

Sind Sie sicher?

Es braucht nur noch den Funken im Pulverfass.

Und wenn Sie ganz viel beten?

Nein, es ist zu spät für eine gänzliche Abwendung.

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein, weil es kein eigentlicher Tod ist. Ich lebe ja als Uriella weiter. Jemand hat behauptet, Ihr Ehemann Icordo baue ein weiteres Medium für die Zeit nach Ihrem Tod auf.

Alles Quatsch. Es gibt keinen Ersatz für mich. Und wenn ich diese Erde einmal mit meinem Körper verlasse, dann bin ich mit meinem Geist immer noch beim Orden Fiat Lux.

Gestern feierten Sie Ihren 78. Geburtstag. Hatten Sie es schön?

So wie es ist, wenn man sehr isoliert lebt.

Kommentar:

Bei allen heiklen Fragen findet Urielle Selbstschutzbehauptungen. Ihre Begründungen (Ausreden) sind recht plump: Weil sie sich selbst nicht heilen konnte, erklärt sie diese Tatsache damit, dass sie eben zu viel beten musste für andere kranke Menschen.

Weil sie den Weltuntergang falsch prognostiziert hatte, spricht Uriella nicht mehr von einem Weltuntergang sondern von Erdreinigung.

Zudem behauptet sie, dass sie den Weltuntergang dank mit ihrer positiven Gedanken abzuwenden vermochte.

Um sich nicht nochmals zu blamieren, legt sie sich für die nächste Erdreinigung nicht mehr auf ein genaues Datum mehr fest.

Damit die Sekte Fiat Lux ihre Schäfchen weiterhin auf Trab halten kann, nutzt Uriella einmal mehr das bewährte Instrument Angstmache. "Es gibt keine Entrinnen mehr!" Bestimmt werden bei der bevorstehenden Reinigung nur ihre Sektenmitglieder - als Auserkorene - das Heil finden.

Beim Ansinnen ,dass ihr Icordo nach Uriellas Tod ein neues Medium zu sich nehmen könnte, reagiert die Sektenführerin ungehalten und macht deutlich, dass sie mit ihrem Geist immer bei ihm sein werde.

Aus der letzten Antwort schimmert durch, dass sich Uriella einsam und isoliert fühlt. Vielleicht leidet die mediensüchtige Frau an Entzugserscheinungen.

Donnerstag, 22. Februar 2007

Stoibers Aschermittwoch Versprecher

"Spinnt die jetzt komplett?"

CSU-Chef Edmund Stoiber über Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, die kürzlich den Kauf von umweltfreundlichen Hybrid-Autos von Toyota empfohlen hatte

**********

"Die hat doch nicht mehr alle Nadeln an der grünen Tanne!"

Stoiber über Grünen-Chefin Claudia Roth

**********

"Ich fühle mich wohl hier."

CSU-Rebellin Gabriele Pauli in der Halle, in der Sprechchöre "Pauli raus, Pauli raus!" riefen...

und CSU Anhänger das Plakat hochhielten:

P = PRIMITIV

A = ARROGANT

U = UNMOEGLICH

L = LINK

I = IRRE

******************

Stoibers schönster Aschermittwoch Patzer

Er verwechselte Breschnew mit Bush:

"Ich habe es für wohltuend empfunden, dass die Bundeskanzlerin gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Breschnew Guantanamo kritisiert hat."

Mittwoch, 21. Februar 2007

SIE+ER Magazin:

Medienkritik ja - aber nicht so!

Im Sonntagsblick- Magazin "SIE+ ER" (Nr.7 /07) wurden unter dem Titel "Tatort Mattscheibe" Sendungen und Moderatoren kritisiert. Gegen Medienkritik ist nichts einzuwenden. Kritisieren darf jeder. Selbst persönlich gefärbte, pointierte Meinungen sind erlaubt. Acht Kritiker des Magazin- Beitrages zeichneten leider ihre eigenen Aussagen nicht und verfälschten sogar ein Zitat. Dies zeugt nicht von professionellem Journalismus.

Zur Meinung stehen!

Im erwähnten "SIE + ER" Beitrag werden unterschiedlichste Sendungen und Moderatoren des Schweizer Fernsehens beurteilt und kritisiert. Unter anderen wurden Swen Epinay, Daniela Lager , Aeschbi usw. mit deutlichen Kommentaren beurteilt (verurteilt?).

Es ist in in diesem längeren Artikel (acht Seiten!) nicht ersichtlich, wer welchen Kommentar verfasst hat.

Zwar unterzeichnen acht Autoren gemeinsam : Helmut-Mario Glogger, Sandro Brotz, Gabrielle Kleiner, Claudia Langenegger, Stephanie Ringel, Franco Siegfried, Stefan Thomi, Sabine Eva Wittwer, doch bleibt unklar:

Haben alle alles geschrieben?

Wer hat welche Beurteilung verfasst?

Wer hat wen kritisiert?

Wurden die persönlichen Beurteilungen nachher vom Autorenteam abgesegnet?

Da gewisse Fakten nicht stimmen (darüber später), wissen wir nicht, wer vom Team unseriös gearbeitet hat. Sicherlich nicht alle. Jeder Verfasser einer Medienkritik muss persönlich zu seiner Aussage stehen dürfen. Da jedoch alle gemeinsam unterzeichnet haben, kann sich nun jede der acht Personen hinter dem Autorenteam verstecken. Die Frage ist berechtigt: Warum durften die Autoren nicht zu ihrem eigenen Textteil stehen?

Bei einer Kritik müssen vor allem die Fakten stimmen!

Die Problematik dieses "Versteckspiels" wird bewusst, wenn es um fachliche Unzulänglichkeiten geht. Gegen persönliche Meinungen oder subjektive Urteile ist nichts einzuwenden. Wenn jedoch Zitate nicht stimmen, wird es problematisch.

So wurde beispielsweise der Tagesschaumoderator Franz Fischlin falsch zitiert (wortwörtlich steht im SIE+ER Text):

Interessant auch, wie "Tagesschau"- Ansager Franz Fischlin einen Beitrag zum dräunenden Thema "Sterblichkeit im Februar" mit den gesetzten Worten einleitet: "Das gemässigte Klima in der Schweiz hat Auswirkungen auf die Mortalität". Ein absoluter Aufsteller zu besten Sendezeit.

Ich habe mir die Mühe gemacht und den betreffenden Tagesschau-Beitrag im Archiv des Schweizer Fernsehens angeschaut. Franz Fischlin's Moderation gemäss Beleg:

"Wenn im Winter die Grippewelle so richtig anrollt und wenn es im Sommer besonders heiss ist, dann kann das, besonders für ältere Menschen, tödlich sein. Nun, der Sommer im letzten Jahr war zwar heiss, aber überraschenderweise hat sich das nicht auf die Zahl der Todesfälle ausgewirkt.

(Dann folgte eine Grafik)

Insgesamt starben letztes Jahr 59'609 Menschen, das sind rund 800 weniger als im Durchschnitt der letzten Jahre. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Grippeviren letztes Jahr weniger aggressiv und die Wintermonate recht mild waren"

Der zitierte Moderations-Satz mit dem Fremdwort "Mortalität" existiert also nur in der Erinnerung der SIE + ER-Autoren. Von einem Journalisten, der andere Journalisten kritisiert, dürfte eigentlich mehr Genauigkeit erwartet werden.

Im erwähnten Beitrag steht ferner bei Roman Kilchsperger:

"Zielt er zur Primetime mal unter die Gürtellinie - schon wird er von den TV-Bürokraten gedeckelt."

Auch bei dieser Bemerkung hätte mich ebenfalls interessiert, wer diesen fragwürdigen Satz geschrieben hat. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das ganze "SIE+ER" Autorenteam wünscht, dass Kilchsberger - analog Bohlens "Exekutionsrhetorik" - während der Primetime vermehrt Aussagen "unter der Gürtellinie" macht und dies auch noch vom Schweizer Fernsehen honoriert werden sollte.

Fazit:

Nichts gegen Medienkritiken.

- Doch müssen Kritiker den Mut haben, persönlich zu ihren Texten zu stehen. Die acht Autoren hätten unbedingt ihren Beitrag zeichnen müssen.

- Wer kritisiert, darf nicht falsch zitieren. Wenn nachträglich eindeutig belegt werden kann, dass ein Medienkritiker ein Zitat manipuliert, beeinträchtigt er die Glaubwürdigkeit des ganzen Beitrages und in unserem Beispiel auch noch die Glaubwürdigkeit des ganzen Autorenteams. Ich bin überzeugt, dass der Chefredakteur - falls er davon erfährt - diese Unzulänglichkeiten nicht tolerieren würde.

Montag, 19. Februar 2007

Steuerstreit EU- Schweiz

Wie soll der Bundesrat kommunizieren?

Zur derzeitigen Situation (Stand 14.2.07)

Die EU übte im Steuerstreit verbalen Druck auf die Schweiz aus- und zwar öffentlich!.

Die EU-Kommission erklärte die Praktiken für Holdinggesellschaften als illegal.

Mit harschen Tönen blies die EU zum Angriff gegen die Schweiz: Die EU-Kommission bekräftigte am Dienstag die Illegalität von Steuerprivilegien für Unternehmen in Kantonen wie Zug und Schwyz. Dem EU-Ministerrat wurde deshalb beantragt, Verhandlungen aufzunehmen, denn die Schweiz verletze das Freihandelsabkommen von 1972.

Mit diesem Paukenschlag glaubte die EU über die angeblich illegalen Steuererleichterungen mit der Schweiz Verhandlungen zu erzwingen. Doch für Bundesrat Merz gibt es nichts zu verhandeln. Er wies die Vorwürfe der EU umgehend mit deutlichen Worten zurück.

Die kantonalen Finanzdirektoren und die Wirtschaftsorganisationen unterstützen die konsequente Haltung des Finanzministers.

Für Finanzminister Hans-Rudolf Merz gibt es nichts zu verhandeln, weil für ihn die Schweiz und die EU gar keine vertragliche Regelung haben, die Unternehmensbesteuerung anzugleichen. Deshalb könne die Besteuerung von Holdings und gewissen anderen Gesellschaftstypen in den Kantonen auch nicht gegen irgendwelche Abmachungen verstossen. Das gelte insbesondere für das von der EU-Kommission angerufene Freihandelsabkommen. Die Regeln über staatliche Beihilfen und der Verhaltenskodex zur Unternehmenssteuer in der EU seien auf die Schweiz nicht anwendbar, weil diese nicht dem EU-Binnenmarkt angehöre. Das Anliegen der EU sei nicht neu, werde aber jetzt von der technischen auf die politische Ebene gebracht, meinte Merz. Hier gebe es vor allem ein Kommunikationsproblem:

«Es ist uns offenbar noch nicht genügend gelungen, unsern Partnern das föderalistische schweizerische Steuersystem verständlich zu machen.»

Für Bundesrat Merz gibt es somit keine Verhandlungen, die Schweiz hat lediglich einen Erklärungsbedarf.

Nicht nur die Kantone stehen hinter Merz

Die Rüge der EU wird in der Schweiz als Einmischung in innere Angelegenheiten empfunden

Alle bürgerlichen Bundesratsparteien verwahren sich gegen die Einmischung von Brüssel in die kantonalen Steuerregimes. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse fordert, das Begehren aus Brüssel klar zurückzuweisen. Gerold Bührer, Economiesuisse-Präsident und Schaffhauser Nationalrat (FDP), betonte, die Schweiz als Nicht-EU-Land sei in Sachen Steuerrecht souverän. Die SVP verlangt, der Bundesrat solle über die Forderungen der EU gar nicht verhandeln und keinerlei Konzessionen machen. Nur die SP drängt auf eine einvernehmliche Lösung, auch wenn sie den Zusammenhang zwischen Freihandelsabkommen und Steuersystem für zweifelhaft hält. Der Bund müsse jedoch versuchen, im Gespräch mit der EU Leitplanken zu setzen.

Die Medien unterstützen die Haltung des Bundesrates

Nach der Tageschau SF 1 hat selbst die deutsche Presse Verständnis für die Haltung der Schweiz.

«Wer meint, er könne die Eidgenossen mit Verhandlungen dazu bewegen, ihre Unternehmenssteuern für Ausländer zu erhöhen, denkt reichlich naiv», kommentierte der deutsche «Südkurier».

Denn wenn es um Geld gehe, so das Blatt weiter, «kann die Schweiz stur wie ein Appenzeller Ochse sein. Und sie hat im Prinzip Recht: Das Erheben von Steuern gehört zu den zentralen Merkmalen nationaler Souveränität.»

Für den «Südkurier» steigt die EU jetzt «von Verhandlungen auf Daumenschrauben» um.

Das «Handelsblatt» betont die Brüsseler Drohung mit Strafzöllen. Was davon zu halten ist, macht der Untertitel klar: «Unternehmensbesteuerung einzelner Kantone angeblich rechtswidrig.»

Im Pressespiegel sehen wir ein homogenes Bild. Im Steuerstreit zwischen der Schweiz und der EU stehen die Medien hinter den Bundesrat: Auch sie lehnen Eingeständnisse der Schweiz ab.

(Quelle swissinfo):

"Dem Druck widerstehen", schrieb der Tagesanzeiger.

. "Schlechter Stil", kommentierte die Neue Zürcher Zeitung (NZZ).

"Es geht um Geld, nicht 'Moral'", so Der Bund.

Und "Brüssel droht, die Schweiz fühlt sich provoziert", titelte die Westschweizer Zeitung Le Temps.

Die grossen Zeitungen stellten sich alle hinter den Bundesrat: Der "kühne Versuch der EU-Kommission, sich in die Steuerhoheit des Drittlandes Schweiz einzumischen, zeugt von schlechtem Stil und wenig Respekt gegenüber der Eidgenossenschaft", so die NZZ

. Der Bundesrat könne "unmöglich Hand zu formellen Verhandlungen bieten", schrieb Der Bund, "denn das Streitobjekt ist Kantonssache". Ferner lesen wir:

"Die EU will der Schweiz einen Standortvorteil wegnehmen, den sie unionsintern abgeschafft hat."

Es wäre taktisch unklug gewesen, so die Basler Zeitung, wenn Finanzminister Merz jetzt schon Entgegenkommen signalisieren würde. "Dazu ist noch Zeit genug." Die EU sei sich in Steuerfragen noch keineswegs einig.

Den "kriegsheulenden" politischen Parteien riet die Basler Zeitung, die nächsten Monate lieber für eine Debatte über die Steuerforderungen der EU und ihre Motive zu nutzen.

Momentan könne sich nur Merz freuen: Bisher nicht gerade vom Erfolg verwöhnt, finde er sich nun in der Traumrolle eines Fiskal-"Winkelrieds" wieder.

"Eigengoal der EU-Kommission?"

Die Westschweizer "24 heures" gratulierte Brüssel. Sie habe es geschafft, (fast) alle Schweizer zu vereinen. Und dazu noch ein "Eigengoal" zu schiessen: Die Anti-Europäer spürten wieder Aufwind. Weshalb diese Einigkeit? Die Schweizer liebten es nicht, Befehle aus Brüssel zu empfangen, besonders wenn sie "juristisch diskutabel" seien.

"24 heures" schloss Steuerdiskussionen zwischen Bern und Brüssel zwar nicht aus, sieht sie aber sachlich nicht mit dem Freihandel verbunden. Denn auch EU-Länder wie Irland, Zypern, Slowenien oder Luxemburg bevorzugten Unternehmen steuerlich.

Mein Kommentar als Kommunikationsberater

Es ist gut vorstellbar, dass Bundesrat Merz in diesem heiklen politischen Konflikt vorgeworfen werden könnte, sich zu viel - zu sehr - um innenpolitische Punkte zu kümmern. Ich hörte sogar eine Fachperson, die befürchtete, dass die starre Haltung des Bundesrat Merz, Brüssels Position nur verhärten könnte. Ich wurde deshalb nach meiner Meinung zu derartigen politischen Verhandlungen gefragt, und man wollte von mir wissen, ob es nicht das Beste gewesen wäre, wenn Bundesrat Merz den Sachverhalt ruhiger klargestellt hätte, mit einem Hinweis, die Schweiz habe den Bericht der EU zur Kenntnis genommen und das Land werde alles daran setzen, die Position der Schweiz der EU zu erklären, um zu einer gütlichen Vereinbarung zu kommen. Es sei doch falsch gewesen, in einem diplomatischen und politischen Konflikt von vornherein zu sagen, das Problem gehe uns nichts an, das Anliegen komme gar nicht in Frage und überhaupt, was solle denn das alles?.

Tatsächlich habe ich viel über De-eskalationstechniken geschrieben und einige Erfahrungen im Bereich Verhandeln, Mediation, aber auch als Ombudsmann sammeln können. Bei Konflikten hatte ich stets gute Erfahrungen gemacht, wenn Auseinandersetzungen hinter geschlossen Türen, offen, aber stets vertraulich, wenn möglich unter vier Augen durchgeführt wurden.

Und nun zum aktuellen Streit:

Konflikte sollten generell nicht öffentlich ausgetragen werden. Im aktuellen Steuerstreit müsste berücksichtigt werden: Es war die EU, die sich nicht an die Gepflogenheiten des vertraulichen Gesprächs gehalten hatte und zuerst den Angriff in der Oeffentlichkeit lancierte. Das war ungeschickt, zumal sich Brüssel nach den verschiedenen knapp gewonnen positiven EU -Abstimmungen hätte wissen müssen, wie rasch das Vertrauen in die EU verloren gehen kann, vor allem dann, wenn man von aussen Druck ausübt. Auf Druck reagieren nicht nur die Schweizer allergisch. Wenn zudem ein Land über die Medien angegriffen wird, ist es verständlich, dass die Replik des Bundesrates ebenfalls öffentlich erfolgte und sich in der Schweiz alle gegen den "Angreifer" solidarisiert haben. Ich gehe davon aus, dass der Bundesrat vorher gemeinsam die rasche (zu rasche?) Antwort des Finanzministers abgesegnet hat. Wenn dem so ist, dass die Schweiz beim Steuerstreit keinen Verhandlungsspielraum mehr hat, so wären dennoch bei der Gegen - Reaktion die Erkenntnisse der De-eskalationsstrategien stets mit zu berücksichtigen: (Siehe: DEESKALATIONSRHETORIK in rhetorik.ch)

1. Es lohnt sich bei Angriffen, sich antizyklisch zu verhalten d.h. Wenn jemand unfreundlich ist, reagiere ich bewusst freundlich. (Siehe ANTIZYKLISCHES VERHALTEN in rhetorik.ch)

2. "Verstehen heisst nicht einverstanden sein" (Siehe: HARVARD PRINZIP in rhetorik.ch) Die Schweiz darf durchaus Verständnis zeigen für die Bedenken der EU, was jedoch nie heissen will, dass sie in wichtigen Punkten nachgeben muss.

3. Trotz konsequenter Positionierung müssen wir stets Dialogbereitschaft signalisieren.

4. Bedenken wir immer: "C'est le ton, qui fait la musique!"

Es bleibt zu hoffen, dass der Bundesrat bei der noch ausstehenden Erklärung auf eine Verlautbarung via Medien verzichtet und Brüssel die politische Landschaft der Schweiz in aller Ruhe - hinter verschlossenen Türen - so darlegt , dass die Schweizer Verhältnisse verstanden werden.