Super Gau für die Swisscom
«Ein Fehler, der nicht passieren darf»:
Swisscom-Chef Urs Schaeppi denkt nach dem jüngsten Ereignis der Pannenserie über personelle Konsequenzen nach.
«Die Swisscom ist sehr pannenanfällig»
Das Unternehmen rühmt sein Netz derweil als das «beste der Schweiz». Wie Ralf Beyeler, Telekom-Experte beim Onlinevergleichsdienst Moneyland, gegenüber dem «Sonntagsblick» sagt, sei damit «über die Netzsicherheit und die Verbindung leider nichts gesagt.» Die Swisscom habe in letzter Zeit bewiesen, dass sie sehr pannenanfällig sei und dem eigenen Slogan kaum noch nachkomme.
Beyeler ist überzeugt, dass es nicht an den Technikern liegt – diese seien bestens ausgebildet. Gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt er: «Die Swisscom hat ihre Technologie nicht im Griff.» Dies führt Beyeler auf ein «kulturelles Problem» zurück. «Das Management bremst bei den Investitionen in die Infrastruktur. Sie wird aus Kostengründen zu wenig gut gewartet.» Laut Beyeler bestehe der Unterschied zu den anderen grossen Anbietern UPC, Sunrise und Salt darin, dass diese Vorkehrungen im Fall von Störungen getroffen haben.
Vorstösse geplant
Laut dem «Sonntagsblick» würden nun die Fernmeldekommissionen von National- und Ständerat aktiv. So soll SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger am Montag einen Vorstoss einreichen, um Antworten auf Fragen zu erhalten wie: «Wie können weitere Pannen verhindert werden? Welche Risiken für Blaulichtorganisationen, Banken und Bevölkerung entstehen durch die Pannenserie von Swisscom?» Und SP-Nationalrat Matthias Aebischer will wissen: «Wie ist es möglich, dass aufgrund menschlichen Fehlverhaltens sämtliche Notruf-Back-ups ausser Kraft gesetzt werden?» Auch soll das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) die Vorfälle untersuchen.
Personelle Konsequenzen?
Über allfällige personelle Konsequenzen werde entschieden, wenn die Detailanalyse zu den Ereignissen vorliege, sagte Schaeppi. Er selber habe nicht an Rücktritt gedacht. Aber es sei ihm bewusst, dass er als Firmenchef letztlich die Verantwortung dafür trage. «Meine Aufgabe ist es, die richtigen Lehren aus den Vorfällen zu ziehen und die nötigen Massnahmen umzusetzen», sagte er weiter.
Er könne sich für die Vorfälle nur entschuldigen. Er verstehe auch die Kritik an der Swisscom. «Wir messen die Zuverlässigkeit unserer Netze laufend und verbessern sie», sagte Schaeppi weiter. In den vergangenen drei Jahren seien beispielsweise die Ausfallminuten bei Privatkunden um gegen 40 Prozent gesunken. Die Systeme sind insgesamt stabiler geworden.«
Die Risikostufe wurde falsch eingeschätzt
Schaeppi wies darauf hin, dass es eine Ausfallabsicherung bei den Notfallnummern gebe. Zusätzlich existiere eine zweite Rückfallebene, die in einigen Kantonen den Ausfall verhindert habe. Insgesamt werde aber noch mehr Sicherheit benötigt. »Wir werden uns deshalb mit den Notfalldiensten zusammensetzen und prüfen, wie wir gemeinsam weitere Rettungsschirme einbauen können«, sagte der Swisscom-Chef weiter.
Die Panne von vergangener Woche bezeichnete er als «eine Verkettung unglücklicher Umstände.» Wir wissen nun dass die Risikostufe bei einer Änderung am Netz von mehreren Spezialisten falsch eingeschätzt wurde. Das ist ein Fehler, der nicht passieren darf», sagte der Swisscom-Chef weiter.
Die Risikoeinschätzung der Änderung, welche die jüngste Störung ausgelöst habe, sei nun per sofort um zwei Stufen erhöht worden. Ausserdem habe er verfügt, dass die Spezialisten die Risikostufen sämtlicher Änderungen überprüften und wenn nötig neu beurteilten. Zudem laufe ein externer Audit zu den Notfalldiensten. «Und seit längerem läuft ein Programm, um die Verfügbarkeit und Betriebsstabilität unserer Netze weiter zu erhöhen», sagte Schaeppi weiter.
Er habe die Situation mit den Verantwortlichen genau geprüft: Es seien falsche Einschätzungen vorgelegen, welche diese fatalen Konsequenzen gehabt hätten. «Ich wehre mich gegen den unterschwelligen Vorwurf, dass wir zu wenig für den Netzunterhalt tun», sagte Schaeppi. In der Schweiz würden jährlich etwa 1,6 Milliarden Franken in die Infrastruktur investiert. Davon flössen etwas mehr als 500 Millionen Franken in die Wartung und in den Unterhalt.
