Diese Methode nach dem Physiologen Edmund Jacobson arbeitet mit der
Grundannahme, dass innere Anspannung (z. B. Bühnen-Angst) mit einem
erhöhten Muskeltonus verbunden ist. Auch hier gilt die Wechselwirkung
von innerem Zustand und körperlicher Reaktion. Ein Muskel kann nur
ENTspannen, wenn er vorab
ANgespannt war. Daher werden bei dieser Methode systematisch verschiedene Muskelgruppen angespannt und wieder gelockert. Viele
Theater-Schauspieler arbeiten mit dieser Technik vor ihrem großen Auftritt.
Mentale Strategien gegen Lampenfieber
Positive innere Bilder
Unsere geistige Vorstellungskraft ist eine für viele Menschen bewährte Strategie, unsere Einstellung in Bezug auf Lampenfieber zu verbessern.
Da Sie nur bei uns im Kopf passieren, bleiben sie nach außen hin
unbemerkt. Es ist eine Gedanken-Reise, ein Kopf-Kino, das von außen
unbemerkt durchgeführt werden kann. Es ist eine Art Programmierung auf Siegersituationen.
Wir visualisieren uns innere Bilder, die uns in kraftvollen,
erfolgreichen, energiegeladenen positiven Erfolgssituationen zeigen. Und
mehr noch als zeigen: Wir geben uns als innerer Betrachter ganz in
dieses Bild ein, lösen uns von einer rein visuellen Bild-Betrachtung und
geben uns allen Sinnen hin. Was genau hören wir in der Situation,
welche Geräusche, Klänge, Stimmen sind da? Wie fühlt sich mein Körper
an? Kontakt zum Boden? Worauf schauen wir? Welchen Geschmack erlebe ich
auf der Zunge? So beziehen wir alle Sinne mit in die Betrachtung mit
ein, dadurch wird die Imagination verstärkt.
Gedanken-Reisen zur Kraft-Quelle
Gehen Sie auf Reisen. In Ihrer Phantasie. Lassen Sie sich darauf ein
und imaginieren Sie sich Orte, an denen Sie sich sicher, geschützt,
stolz, selbstbewusst und frei fühlen können. Die positive Kraft und
Energie dieses Ortes wird für Sie eine Ressource, eine
Kraft-Quelle
sein. Am leichtesten funktioniert das, wenn Sie durch diese imaginäre
Reise geführt werden. (Kaufen Sie sich am besten eine von Profis
entwickelte und aufgenommene CD. Achten Sie darauf, dass Sie dem
Stimmklang gut folgen können. Nicht selten haben die Gedanken-Reisen
nicht funktioniert, weil der Anwender mit der Stimme des Sprechers
schlecht zurechtkam.)
Je öfter Sie sich auf eine gedankliche Ressourcen-Reise begeben,
desto leichter wird es Ihnen fallen, auch in der Stress-Situation sich
schnell „hineinzubeamen“ und die zauberhafte Kraft dieses
geheimnisvollen Ortes in das Hier und Jetzt (also ihrer persönliche
Lampenfieber-Situation) zu holen.
Stille Meditation/Achtsamkeitsmeditation
Einssein, im Hier und Jetzt sein oder frei von Gedanken sein – in der
Meditation darf der unruhige Geist sich beruhigen und sammeln.
Meditationen haben uralte Traditionen, über die verschiedenen Kulturen
und Religionen hinweg. Die Stille Meditation und die
Achtsamkeitsmeditation gehören zu den sog. passiven Meditationen (weil
Sie i. d. R. im Sitzen praktiziert werden). Bei regelmäßiger
Übungs-Praxis helfen Meditationen, den
Stress-Situationen gelassener zu begegnen.
Autogenes Training
Das Autogene Training ist eine autosuggestive Methode, mit dem wir
innere Anspannung regulieren können.
Innere Gedanken, sog. „Grundformeln“ werden vorgesagt und versucht, sie
in eine spürbare Körperlichkeit zu übersetzen (Bsp.: „Mein linkes Bein
Arm schwer). Autogenes Training heißt Training, das impliziert, dass es
einige Übungssequenzen voraussetzt, um es wirksam im Einsatz gegen
Lampenfieber einsetzen zu können. Um Erfolge festzustellen sollte auf
eine Skalierung von 1-10 der Ausgangspunkt („So stark empfinde ich das
Lampenfieber“) mit einem Zielpunkt („Nach meiner Übungspraxis möchte ich
auf dem Skalenwert xc sein, dann bin ich zufrieden“) verglichen werden.
Autosuggestionen/positive SelbsteinredenReden Sie sich doch einmal Mut zu. So, wie Sie es mit einem guten
Freund/Freundin machen würden. Bauen Sie sich doch zur Abwechslung
einmal selber aus. Probieren Sie Sätze, die zu Ihnen /Ihrer
Situation/Ihrem Umfeld passen.
„Ich schaffe das!“
„Ich werde das von mir gesteckte Ziel erreichen!“
„Ich nehme jede Hürde!“
„Dafür, ja dafür setze ich mich ein!“
Strukturelle-organisatorische Strategien gegen Lampenfieber
Durchlaufprobe, Anspielprobe, Hauptprobe: Üben, üben, üben.
Gehen Sie vorab Ihre Präsentation/Ihren Vortrag Schritt für Schritt
durch. Natürlich lesen Sie sich dabei kein Manuskript vor, sondern
arbeiten mit
Stichworten. Denn beim reinen Vorlesen
kann schnell eine monotones und wenig lebendige Stimm-Melodie entstehen.
Üben Sie besser mit Stichwortzetteln, die die wichtigsten Kernaussagen
enthalten.
Tipp: Machen Sie Ihr Stichwort verständlicher,
nachvollziehbarer durch ein Verb, das Sie hinter das Stichwort setzen.
Beispiel: Unser Stichwort heißt „Datenschutzmaßnahmen“. Was genau ist
damit gemeint? Ein Verb schafft Klarheit: „Datenschutzmaßnahmen
budgetieren“, „Datenschutzmaßnahmen integrieren“, „Datenschutzmaßnahmen
kontrollieren“… .
Rituale
Schauspieler wünschen sich mit einem herzhaften „Toi Toi Toi“ Glück
für den nächsten Auftritt. Zum guten Ton gehört es auch, dass der so
Angesprochene sich nicht bedanken darf. Warum das so ist, wird kaum noch
hinterfragt. Es wird als
Ritual vor dem Auftritt
gelebt. Viele professionelle Bühnenkünstler erzählen, was sie kurz vor
dem Auftritt ritualisiert tun. Von Dehnübungen, Kurz-Meditationen,
Zähneputzen, Klopftechniken, Gebete…
Rituale geben uns Sicherheit, sind verlässliche Partner in einer Stress-Situation. Die immer gleichen Abläufe bringen Struktur in das gefühlte Chaos.