Kein Einkommen, dafür 12,4 Millionen Franken Vermögen.
Und eine grosse Klappe, wenn es um angebliche Steuerskandale und die
Pauschalbesteuerung geht. Die Berner SP-Nationalrätin Margret Kiener
Nellen , die sich gerne als Sozialistin bezeichnet, ist in höchster
Erklärungsnot.
Gestern enthüllte die «Weltwoche» die
erwähnten Steuerzahlen. Heute nahm eine nervöse Kiener Nellen vor den
Medien Stellung. Der Tenor: «Es war ein Fehler», «ich war naiv», «ich
erschrak damals, als ich unter der Veranlagung die Null sah». Und: «Mir
ist klar, dass ein Einkommen von 0 bei einer linken Politikerin Fragen
aufwirft.» Obwohl dieser Abzug gesetzmässig war und sei, sagt sie.
Die
Fragen versucht Kiener Nellen so zu beantworten. Ihr Mann, der
Maschinenbauingenieur Alfred Nellen, habe 2011 einen Einkauf in die
zweite Säule getätigt: 400 000 Franken. Von den Steuern konnte der
Betrag abgezogen werden.
«Aber ich ging davon aus, dass
meine eigenen Einkünfte diesen Betrag kompensieren würden.» Das taten
sie offensichtlich nicht, unter der Rechnung stand am Ende trotzdem
diese Null. Handeln haben man nicht mehr können. «Man kann der
Steuerbehörde ja nicht sagen: Ich will diesen Abzug nicht», versucht sie
sich zu erklären. Ja, sie hätte wohl energischer einschreiten müssen.
Aber ihr Mann habe halt auch seine Eigenständigkeit.
Nur:
Wie kommt eine SP-Nationalrätin überhaupt zu einem steuerbaren Vermögen
von über 12 Millionen? Die Ursache sei die Alfar-Holding, ein Eigentum
ihres Mannes, die dessen Firma Amax finanziert. Der Aktienwert der Alfar
AG explodierte in den letzten Jahren regelrecht. «Dabei sind mein Mann
und ich doch einfache ‘Chrampfer’», argumentiert Kiener Nellen dazu.
«Sie sehen, dass wir keinen Steuerberater haben», lächelt
die Nationalrätin. Letztlich würden die Kiener Nellens die
Steuererklärung halt ausfüllen, so wie jeder andere auch. Sie geben sie
online ein «und sehen das Ergebnis.»
KOMMENTAR:
Wer Mist gebaut hat, muss dazu stehen. Mea Culpa kann sich lohnen. Doch die Antworten der angeschlagenen Politikerin überzeugen als Schuldeingeständnis nicht. Die Rechtfertigungen sind mehr als dürftig:
1. Mit der Begründung, man könne doch der Steuerbehörde nicht sagen, ich will den Abzug nicht, hat Nationalrätin Kiener an Glaubwürdigkeit eingebüsst.
2. "Ich hätte wohl energischer einschreiten müssen. Aber den Mann habe eben seine Eigenständigkeit." Diese Ausrede überzeugt nicht.
3. Auf die Frage, wie man plötzlich ein steuerbares Vermögen von über 12 Millionen haben könne, folgt das Tüpfchen auf dem i der Unglaubwürdigkeit: «Dabei sind mein Mann
und ich doch einfache ‘Chrampfer’», lässt Kiener verlauten. Kaum vorstellbar, dass jemand glaubt, mit Chrampfen allein könne man in so kurzer Zeit 12 Mio auf die Seite legen.
Die Chrampferin hat sich mit Ihrem unverkrampften Verhalten im Umgang mit der Steuererklärung enorm geschadet.