Nach schwerer Krankheit Schriftsteller Urs Widmer verstorben
Der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer wurde 75 Jahre alt.
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Urs Widmer im vergangenen Dezember in Zürich.
Blick/Jorma Müller
Quelle Blick
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Erst
im letzten Spätsommer hatte Widmer noch eine Autobiographie
veröffentlicht. Die «Reise an den Rand des Universums» begann 1938 und
endete 1968 – jenem Jahr, in dem sein Debüt veröffentlicht wurde:
«Alois», das wie fast alle seine Werke im Diogenes-Verlag erschienen.
Für die Autobiographie erhielt er im Januar den Schweizer
Literaturpreis.
Urs Widmer war am
21. Mai 1938 in Basel zur Welt gekommen. Sein Vater war Lehrer,
Übersetzer und Literaturkritiker, seine Mutter die Tochter eines
Ciba-Vizedirektors. Widmer studierte Germanistik, Romanistik und
Geschichte in Basel, Montpellier und Paris.
Aus WIKIPEDIA:
Urs Widmer war der Sohn des Schweizer Übersetzers, Literaturkritikers und Gymnasiallehrers
Walter Widmer. Häufiger Gast im Hause Widmer war der deutsche Autor
Heinrich Böll. Urs Widmers Deutschlehrer am
Realgymnasium Basel war der Autor
Rudolf Graber. Widmer studierte an den Universitäten von
Basel,
Montpellier und
Paris Germanistik,
Romanistik und
Geschichte. 1966 wurde er in Basel bei
Heinz Rupp mit einer Arbeit über die deutsche Nachkriegsprosa
promoviert.
Anschliessend begann Widmer als
Verlagslektor zunächst beim
Walter Verlag in Olten, wechselte dann nach Deutschland zum
Suhrkamp-Verlag. Den Verlag verliess er bald wieder, nicht aber die Stadt
Frankfurt am Main, wo er von 1967 bis 1984 als
freier Schriftsteller lebte. In dieser Zeit schrieb er Kritiken für die
Frankfurter Allgemeine Zeitung und lehrte als
Dozent für
neuere deutsche Literatur an der
Universität Frankfurt. 1968 debütierte Widmer als Schriftsteller mit der Erzählung
Alois. 1969 gehörte er zu den Mitbegründern des
Verlag der Autoren, in dem seine Theaterstücke noch heutzutage erscheinen. 1984 kehrte er in die Schweiz zurück. Er lebte danach in
Zürich und war mit einer
Psychoanalytikerin verheiratet; mit ihr hatte Widmer eine Tochter.
Urs Widmers umfangreiches Werk umfasst Romane, Erzählungen, Essays,
Theaterstücke und Hörspiele. Seine Stärke war nach Ansicht der
Literaturkritik das fantasievolle, ironische Ausspinnen trivialer
Handlungsschemata der klassischen Abenteuer- und Reisegeschichte bis hin
zur
Parodie und zum
Surrealen.
Widmer wollte einerseits „Fiktion“ schreiben, aber dabei auch
„möglichst viel gesellschaftliche Wirklichkeit spürbar werden lassen.“
[1]
Besonderen Eindruck bei den Rezensenten hinterliess seine (pseudo-)autobiografische Trilogie über seine Mutter (
Der Geliebte der Mutter, 2000), seinen Vater (
Das Buch des Vaters, 2004) und sich selbst (
Ein Leben als Zwerg, 2006). Darin werde deutlich, wie das doppelbödige Spiel seiner Eltern – einer
burlesken Fassade vor einem ernsten Hintergrund – auch seinen späteren Schreibstil beeinflusst hat. Läse man den Roman
Der Geliebte der Mutter
als autobiografischen Text, so würde der Autor darin damit kokettieren,
der Sohn des einflussreichen Schweizer Unternehmers und Dirigenten
Paul Sacher zu sein. Die Ambiguität des Textes zwingt nicht zu einer solchen Lesart, hält sie aber offen.
Sein Theaterstück
Top Dogs, eine Sozialsatire, präsentierte Widmer mit dem Regisseur
Volker Hesse beim
Berliner Theatertreffen 1997. Aus entlassenen Führungskräften, den sogenannten „Top Dogs“, werden dort „
Underdogs“.
In einem Outplacement-Center erleben sie das Grauen und das Groteske,
das sie Anderen durch ihre Entlassung zugefügt haben, an sich selbst.
Wie schon sein Vater übersetzte auch Urs Widmer Bücher anderer Autoren.
Urs Widmer war Mitglied der
Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, der
Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Bensheim, der
Akademie der Künste Berlin-Brandenburg und Mitglied im Grazer
Forum Stadtpark.
KOMMENTAR: Urs Widmer hat jüngst im Radio über den Tod sinniert und dem personifizierten Tod gegenüber den Wunsch geäussert: "Gib mir noch 24 Jahre! Dann beschäftige ich mich mit dem Abschied".
Nun hat Widmer diese 24 nicht mehr erhalten.
Von Urs Widmer las ich 1992 die Erzählung "Der blaue Siphon". Beeindruckt hat mich schon damals sein listiges Spiel mit der Erinnerung.
Folgendes Zitat von Urs Widmer schätzte ich sehr:
„Ich bin zuweilen damit beschäftigt, mir in meinem Kopf drin etwas
Schönes vorzustellen, Bäume oder Ozeane oder Luft oder Liebe, weil es
da, wo ich wohne, irgendwie nicht immer schön genug ist, zu wenig Bäume
und Ozeane und Luft und Liebe.“
Urs Widmer, 1977