Sonntag, 22. September 2013

Heute geht es nicht nur um die Wurst




Die Würfel sind bald gefallen:


Bei der eidgenössischen Abstimmung muss heute der Souverän  über das Tankstellenshop-Angebot, die Wehrpflicht und das Epidemiengesetz befinden.
- Nach meiner Prognose wird das Arbeitsgesetz für die verlängerten Oeffnungszeiten an Shops knapp angenommen.
- Die Stimmberechtigen werden die Wehrpflicht beibehalten und
- dem Epidemiegesetz (Impfzwang?) wird entsprochen.

- In Deutschland wird Merkel eindeutig gewählt und nach dem Schock der FDP wird sie auf Bundesebenen die 5% Hürde schaffen (dank Zweitstimme).
Nicht nur die Pädophilen Geschichte Trittins wird den Aufwärtstrend der Grünen stoppen. Vielleicht werden sie sogar zusätzlich verlieren.
Gespannt warte ich auf die Resultate. Bald liegen sie vor:
Es ist soweit (Quelle TV SRF):

Abstimmungen





KOMMENTAR: Nur das Resultat in Zürich (Ablehnung Fussballstadion) ist für mich eine Ueberraschung



Die Resultate der Wahlen in Deutschland liegen um 1900 Uhr noch nicht vor.
Um Mitternacht:

Die Union siegte fulminant, ihr brach aber die FDP weg. Wenn Angela Merkel nicht alleine regieren kann und mit der SPD koalieren muss, wird ihr Spielraum enger.
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Das mächtigste Mutti der Welt


Allerdings ging Merkels Triumph auf Kosten ihres Koalitionspartners. Die FDP brach ein und verpasste zum ersten Mal seit 1949 den Einzug in den Bundestag. Am Wahlabend war lange nicht klar, ob sich die Kanzlerin darüber freuen sollte oder nicht. Eine absolute Mandatsmehrheit für die Union schien anfangs möglich - wenn Merkel jedoch eine neue Koalition eingehen muss, könnte sich ihr Spielraum sogar einengen.
Die SPD steht für eine Große Koalition bereit. Vom Einzug ins Kanzleramt blieb ihr Spitzenkandidat Peer Steinbrück indes weit entfernt. Er kann sich lediglich zugutehalten, etwas besser abgeschnitten zu haben als Frank-Walter Steinmeier vor vier Jahren. Mit dem zweitschlechtesten Resultat in der Geschichte der Sozialdemokratie erreichte er ein Minimalziel und eröffnete der SPD zumindest die Option auf eine Machtbeteiligung. Auch Schwarz-Grün wäre eine Möglichkeit, aber nur eine sehr vage - und taktische.
Mit seinem Klartext-Wahlkampf hatte Steinbrück die eigenen Genossen oft sprachlos zurückgelassen. Zielsicher stieg er in den jeden Fettnapf, den man ihm aufstellte. Merkel konnte der Sozialdemokrat in keiner Phase gefährlich werden. Eine rot-grüne Mehrheit war nie in Griffweite.
Es war der Wahlabend der Großparteien in Deutschland, vor allem der Union. Aus dem Kreis der etablierten Parlamentsparteien konnten nur sie zulegen. Die Überraschung des Urnengangs lieferte jedoch die „Alternative für Deutschland", die sich aus dem Stand ins Rampenlicht katapultierte. Von der neuen Gruppierung hing letztlich ab, ob Merkel die Absolute schaffte oder nicht. Das professorale Bündnis der Eurogegner punktete ohne nennenswerte mediale Unterstützung, abseits des Mainstreams. Ihr Erfolg zeigt, wie tief die Euroskepsis bei manchen Deutschen sitzt. Stimmen lukrierte die neue Bewegung aus den Reihen der Konservativen, vor allem aber aus dem liberalen Lager.
Die FDP fiel in sich zusammen wie ein Soufflé. Auf 14,6 Prozent hatte sie sich vor vier Jahren mit viel heißer Luft aufgepumpt. Diesmal geriet sie in akute Atemnot und flog aus dem Bundestag. Die Wähler präsentierten den Liberalen die Rechnung für eine unterirdische Regierungsleistung. Ihr Profil hatten sie schon in den Koalitionsverhandlungen mit der Union verwischt. Danach rieben sich die Freidemokraten in innerparteilichen Schaukämpfen auf. Ihre Kapitulation reichte die FDP im Endstadium des Wahlkampfs ein, als sie panisch um die Zweitstimmen der Unionswähler winselte. Das kam gar nicht gut an.
Die Grünen blieben deutlich unter den Erwartungen, die sich in den vergangenen vier Jahren in Umfragehochs aufgebaut hatten. Das lag nicht nur an den farblosen Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, sondern vor allem auch an der falschen Themenwahl. Ihre Umweltagenda forcierten die Grünen erst auf der Zielgeraden des Wahlkampfs. Aus der Bahn geworfen hatten sie sich allerdings davor schon mit ihren Vorschlägen für Steuererhöhungen und die verpflichtende Einführung eines Vegetariertages in Schulkantinen. Für die politischen Gegner war das ein gefundenes Fressen, um die Grünen als lustfeindliche Zwangs- und Verbotspartei darzustellen. Am Ende kochte auch noch die Pädophiliedebatte hoch. Trittin musste sich öffentlich dafür entschuldigen, dass er und seine Gesinnungsgenossen Anfang der 1980er-Jahre gefordert hatten, Sex mit Minderjährigen nicht mehr unter Strafe zu stellen.Die Grünen verloren in diesem Wahlkampf die kommunikative Kontrolle, ansprechen konnten sie deshalb nur ihre Stammwähler.
Merkel indes griff weit über die Kernanhängerschaft ihrer Partei hinaus. Deshalb triumphierte sie so deutlich. (Quelle DIE PRESSE)

MERKELS ERFOLGSREZEPT

Weshalb dieses Glanzresultat?

News, Hintergründe, Reportagen

Merkels Botschaft ist Merkel.
Es ist eine Botschaft der Beruhigung: Wenn ihr mich wählt, bekommt ihr vier weitere Jahre der Ruhe.
Merkels Hände mit der Raute sagen alles: Ihr seid in guten Händen.
Merkel verweigerte den Wahlkampf. Sie plaudert über das Wetter und die Schönheit des Landes.
Merkels Stärke ist die Normalität.
Auf ihrer Homepage steht, dass sich ihr Mann beschwere, wenn zu wenig Streusel auf dem Kuchen ist.
Merkel regiert heute mit einer Macht, wie es kein Vorgänger je hatte. Sie verkündet, wo's lang geht.
Wichtiges bespricht sie vor allem mit ihrer Büroleiterin Beate Baumann oder mit der Medienberaterin Christiansen. Alle die sie hätten bedrohen können, schaffte sie weg: Roland koch, Christian Wulff, Friedrich Merz und alle die dachten, sie wären bessere Kanzler. Die meisten Rivalen haben sich selbst erledigt. Seitdem sich die Kanzlerin unbedroht fühlt, entwickelte sie Freude am Spiel  der MACHT. Ebenbürtige Gegner gibt es nur noch im Ausland. Der neue Roland Koch heisst Wladimir Putin.
Erkenntnis: Wofür Merkel wirklich steht, ist schwer auszumachen. Sie hat die Fähigkeit, sich wie ein Chamäleon überall anzupassen. Politisch hat sie viele Parteiforderungen der SP vorweggenommen (Grundlohn, Mietzinsbremse...)
In vielen Anliegen wirkt sie wie eine gemässigte Linke.
Die Wankelmütigkeit zeigt sich auch im Verhalten gegenüber der Schweiz (Fluglärmfrage, Steuerabkommen). Sie ist die personifierte Politikerin einer Windfahnenpolitik und eines erfolgreichen opportunistischen Kurses.  

Was hat MUTTI, was PEER nicht hat?

Eigenschaften

Merkel unterscheidet sich deutlich von Steinbrück:

Ich zitiere 20 Min:

Manfred Güllner, Leiter des renommierten Meinungsforschungsinstitutes Forsa, hat mehrfach 1000 deutsche Wahlberechtigte zu ihren Eindrücken zu Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinbrück befragt. «Die Attribute, welche die Wähler der Kanzlerin zuschreiben, sind mehrheitlich positiv, Herausforderer Steinbrück wird mehrheitlich negativ beschrieben.»
Für die Kanzlerin verwendeten die Befragten Adjektive wie «verlässlich», «führungsstark», «sympathisch», «einfühlsam». «Bei Frau Merkel gab es kaum negative Beschreibungen. ‹Bieder› und ‹altbacken› fielen da höchstens einmal», so Forsa-Leiter Güllner. Steinbrück hingegen ist in den Augen vieler Deutscher «geldgierig», «arrogant», «unsympathisch». Immerhin schreiben einige dem einstigen Finanzminister auch Humor, Schlagfertigkeit und Fachkompetenz zu.
Für die fast durchwegs positiven Eigenschaftszuschreibungen der Mutter der Nation darf ein Aspekt nicht ausser Acht gelassen werden: die aktuelle Wirtschaftskrise. Grundsätzlich halten die Menschen in Krisenzeiten am Vertrauten fest. Wie es Manfred Güllner mit Blick auf die Wahlen formuliert: «Merkel ist krisengesinnt. 


In der Krise will man keinen Aufgeregten wie Steinbrück»


Steinbrück als Merkels Kofferträger

Angela Merkel stehe über dem Gezänk der Parteien, sie sei eine regelrechte «Präsidentenkanzlerin». Doch Steinbrück war von 2005 bis 2009 Bundesfinanzminister unter Angela Merkel – wäre das nicht Grund genug, sich jetzt zu profilieren? «In der Bankenkrise 2008/09 war Steinbrück zwar Finanzminister, aber kein Krisenmanager. Erinnern wir uns an die Bilder von damals: Immer, wenn die Kanzlerin eine Pressekonferenz gab, war Steinbrück hinter, nicht etwa neben ihr. Er war Merkels Adlatus, ihr Kofferträger, den Merkel bewusst hinter sich positionierte, um die eigene Machtposition herauszustreichen», so Güllner. So unscheinbar war Steinbrück in jener Zeit, dass «40 Prozent der SPD-Anhänger nicht einmal wussten, dass Steinbrück ein Mitglied der SPD ist!»
Als der erste Rettungsschirm für die maroden Banken bereitgestellt wurde, gewann Merkel Vertrauen mit Sätzen wie: «Wir machen das nicht für die Banken, wir machen das für die Menschen». Und als dann 2009 die Eurokrise kam, gab Merkel den Bürgern das Gefühl, dass unter ihrer Regierung die Krise nicht auf den Alltag der Menschen durchschlagen werde. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. 

FAZIT: Das nonverbale Duell "Raute" gegen "Stinkefinger" ist somit eindeutig entschieden. Alles andere bleibt offen.
Ich durfte 2008  für das Museum für Gestaltung Fotos von Angela Merkel analysieren. Ich sehe am heutigen Wahltag mein Urteil  bestätigt.
Siehe Link:

Ausstellung im Museum für Gestaltung in Zürich: Kopf an Kopf - Politikerporträts, 31.10.2008 - 22.02.2009 "Kopf an Kopf - Politikerporträts" zeigt auf, welcher ...
www.rhetorik.ch/Politikerportraits/Politikerportraits.html


 


Fall Carlos: Der Volkszorn hat sich noch nicht gelegt

Für die Kuscheltherapie bei uneinsichtigen Gewalttätern
zeigt die Bevölkerung  völliges Unverständnis.


Die Leserbriefe signalisieren Kopfschütteln für die Anordnungen der Psychotherapeuten. 
Der Messerstecher darf ein Messer beschaffen.
Gewalttäter Carlos  wird im Zuschlagen trainiert.
Jemand hat geschrieben:

"Bald gibt es Kindermassagekurse für Pädophile."


Oder:


"Wie wäre es, wenn Anthamatten, der seine Therapeutin  mit dem Messer getötet hat, nun Trainingsstunden im Messerschleifen oder im Messerwerfen angeordnet werden?"

Samstag, 21. September 2013

Merkel vor der Wahl

Ob morgen  wohl der Schatten FDP 
aus dem Gesicht weichen wird?

Trittin muss bangen

Kurz vor der Wahl sieht es für die Gruenen nicht gut aus

Das Bild aus DIE ZEIT sagt mehr wie Worte.
Trittin wurde von der fragwürdigen Vergangenheit (als Befürworter SEX mit KINDERN) eingeholt:

Kaum ein Grüner glaubt an ein gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl. Schon werden Szenarien für einen Generationswechsel entworfen – und eine Zukunft ohne Jürgen Trittin. 







Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin auf einer Wahlkampfveranstaltung in Hannover

Ich ziziere DIE WELT:

Mehrzweckhalle, das ist so ein Wort aus der alten Bundesrepublik. Und wenn die Halle auch noch in Göttingen steht, dann riecht das Wort nach dem revolutionären Schweiß und Zigarettenqualm von Versammlungen der Siebzigerjahre. Kein schlechter Ort, um Jürgen Trittin eine Frage zu stellen, die tief hineinführt in die Irrungen und Wirrungen jener Zeit. Hier in Göttingen studierte Trittin damals. Hier wurde aus dem studentischen Revoluzzer der Politiker, der er heute ist.
Heute, das ist der Dienstagabend dieser Woche. Auf dem Podium der Mehrzweckhalle sitzen die Bundestagskandidaten von SPD, FDP, CDU, der Linken und der Grünen. Letzterer ist Jürgen Trittin. Es geht um die bekannten politischen Themen. Aber noch eine andere Frage steht im Raum. Und nun stellt sie der Moderator. Es ist die Pädophilen-Frage: "Es gibt da Vorwürfe, Herr Trittin, bitte nehmen Sie kurz Stellung."
Trittin trägt eine Krawatte, deren Farbe man als Metallicgrün beschreiben könnte. "Es war 1981", beginnt er, "da habe ich hier in Göttingen die AGIL mitgegründet." Diese Alternative Grüne Initiativen-Liste war ein Bündnis aller möglichen linken Gruppen, damals typisch für Uni-Städte. Die Fraktionen der Studentenbewegung zerbröselten, aber die Bewegung musste weitergehen, und so tat man sich vorerst in solchen Listen zusammen.
Aus denen entstanden dann oft Ortsgruppen der Grünen. In solche Listen drängte damals alles, was auf dem Unterdrückte-Minderheiten-Ticket unterwegs war. Auch propagierende und praktizierende Pädophile.

"Das muss Betroffenen wie Hohn erschienen sein"

"Im Rahmen des Kommunalwahlprogramms", fährt Trittin fort, "haben wir damals die Streichung des Homosexuellen-Paragrafen 175 gefordert, aber auch von Paragrafen, die sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern unter Strafe stellen."
Dann wird er deutlich: "Diese Formulierung geht fehl. Sie ist schlicht falsch. Es gibt keine einvernehmlichen Formen sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern. Wir müssen uns vorwerfen lassen, dass wir zu lange gebraucht haben, bis wir diese Position abgelegt haben. Das muss vielen Betroffenen wie Hohn erschienen sein." Nun aber habe seine Partei unabhängige Forscher beauftragt, das alles aufzuarbeiten. "Wir klären auf!"
Das Podium begrüßt Trittins Erklärung einhellig. Vom Mann der Linken über den SPD-Mann und den FDP-Mann bis zur CDU dankt man ihm für die klaren Worte.
Einzig der CDU-Mann merkt an, Trittin müsse einmal darüber nachdenken, wie sein moralischer Rigorismus etwa in der Causa Guttenberg, dessen Rücktritt er vehement gefordert hatte, zu seiner Haltung jetzt in eigener Sache passe. "Aber das muss er selbst wissen." Und Pfusch bei einer Doktorarbeit, sagt er noch, sei ja wohl mit pädophilen Aktivitäten nicht zu vergleichen.
Jürgen Trittin, der neben dem CDU-Mann sitzt, duckt sich leicht. Eine Geste, als wolle er sich zwischen die hochgezogenen Schultern zurückziehen. Das ist er nicht gewohnt, man sieht es ihm an: moralisch infrage gestellt zu werden. Das war doch sein Part: andere moralisch infrage zu stellen. Vielleicht ist es das erste Mal seit Jahrzehnten, dass er sich einer solchen Lage ausgesetzt sieht. Wie der strenge Pastor, der immer so scharf predigt, und dann wird er im Bordell erwischt, so schaut er jetzt aus.

Es galt das kommunistische Reinheitsgebot

Aber so ist es ja gar nicht. In dem Milieu, aus dem er um 1980 herum kam, galt in sexuellen Fragen das kommunistische Reinheitsgebot. "Verantwortlich im Sinne des Presserechts" war Jürgen Trittin für das Wahlprogramm jener Göttinger Liste, in dem das furchtbare Zeug stand. Mehr aber auch nicht.
Man möchte ihn rütteln. Ihm sagen, jetzt sag doch mal was. Nicht viel. Ein, zwei Sätze, meinetwegen abgehackt, unelegant, grammatisch falsch. Aber echt. Echtes Bedauern. Ein Mitgefühl mit den Kindern, die auf dem Altar der sexuellen Revolution vernascht wurden. Was hindert dich denn an so einem Wort, möchte man ihn fragen, du selbst hast doch keinen Dreck am Stecken? Du bist doch frei davon. Jetzt sag halt was!
Nun meldet sich ein Herr aus dem Publikum: "Ich habe eine Frage an Herrn Trittin." Der Moderator: "Nein! Wird nicht zugelassen." Der Herr mit der Frage setzt nach: "Aber die Positionen auf dem Podium sind doch sehr homogen …" Der Moderator: "Nein, nein! Nicht zugelassen. Da kämen wir ja vom Hundertsten ins Tausendste." Und weiter geht's auf dem Podium, rasch hin zu den brennenden Themen Handball und Sport in Göttingen.
Ein Aroma von Volksfront steht in der Mehrzweckhalle. Man kann sich gut in die Lage jedwedes Störenfriedes versetzen, der in seinem Dorf, seinem Verein oder beim Elternabend auch mal eine Frage hat, die keiner hören will. Warum sagt jetzt Jürgen Trittin nicht zum Moderator: "Nun lassen Sie doch den Mann seine Frage stellen?"

"Keine Fragen aus dem Publikum"

Ja, warum nicht? Weil das hier Politik ist. Große Politik. Wahlkampf, die letzten Meter vorm Ziel. Weil Jürgen Trittin der Marathonmann der Grünen ist. Weil er nicht sieht, dass der Moment gekommen ist, in dem er nicht zuallererst Wahlkämpfer sein darf. Weil er sich bestätigt fühlt in seiner unerschütterlichen Polit-Professionalität fast vom gesamten Podium. Weil die Fünf-Minuten-Terrine, in der das störende Thema kurz aufgewärmt wird, vorab so abgemacht war.
Der Moderator sagt es explizit: "Wir haben das so verabredet. Keine Fragen aus dem Publikum." Das wird jetzt so durchgezogen. Basta.
Und der Göttinger Abend ist noch der ausführlichste, selbstkritischste auf Jürgen Trittins Wahlkampftour via Bremen und Hamburg. In diesen Stunden und Tagen kann man förmlich zuschauen, wie der pädophile Makel in der wahlkampferhitzten grünen Moralverbrennungsanlage zu Asche wird.
Tags darauf, am Mittwochmittag, spricht Jürgen Trittin in Bremen. Es ist der Höhepunkt der grünen Wahlkampagne dort. Er spricht auf dem historischen Markt seiner Heimatstadt, gegenüber wacht der steinerne Roland und über allem der Dom. Es ist eine übersichtliche Schar von Anhängern, die um die Bühne herum Platz genommen hat.
Eine türkischstämmige Grüne, hier geboren, fordert mehr Geld für Bildung und die doppelte Staatsbürgerschaft. Die Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck spricht emotional und mitreißend von ihrem Traum eines ökologischen Wirtschaftswunders, von dem der Norden bereits profitiere.

Er ist fähig zu öffentlichen Gefühle

"Und jetzt kommt Jürgen!"
"Moin!", ruft er in die kleine Menge. "Moin! Moin!", schallt es zurück. Es ist ein Heimspiel, das zweite nach Göttingen. Aber hier ist es echt, hier sitzt jeder Ton. Hier kommt er her. Seine Mutter sitzt in der ersten Reihe, eine sympathische weißhaarige Dame, die ihren Sohn umarmt und sichtlich stolz auf ihn ist. Er flicht eine Kindheitserinnerung in seine Rede ein und spricht seine Mutter direkt an.
Er kann es doch. Er ist fähig zu öffentlichen Gefühlen. Es tut ihm gut, hier zu sein. Er kämpft, wirbt, baut Witze ein, er donnert gegen Schwarz-Gelb. Ein Bremer Junge, der es weit gebracht hat.
Er spricht das heikle Thema an, natürlich. Aber das hier ist keine Mehrzweckhalle, das ist jetzt ein Marktplatz. Das ist richtig Wahlkampf. Es geht ums Ganze. "Es wird sauknapp!", ruft er den Seinen zu. Die Selbstkritik ist jetzt genau drei Sätze lang, und sie klingt wie eine Attacke: "Wenn wir Grünen zu sexuellem Missbrauch eine falsche Position eingenommen haben, dann sollte man zur Kenntnis nehmen, dass wir das überwunden haben! Wir stellen uns diesem Anspruch! Wir lassen das aufarbeiten!"
Dann geht es lang und breit gegen "die Schwarzen". Wie Seehofer, Kauder und andere im Bundestag damals dagegen stimmten, dass Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt wurde. "Ich lasse mir von diesen Leuten nichts übers Kindeswohl erzählen!" Und zehn Milliarden werden die Grünen in Kitas stecken, in Betreuung, in Ganztagsschulen. Und das idiotische Betreuungsgeld muss weg. Ja, wir tun was!
Die leidige Pädo-Chose ist jetzt vor allem eines: eine Hetzkampagne der CDU. "Ja", ruft Trittin, "aggressiv und zu Hetzkampagnen neigend, so ist er, der Schwarze!"

In Hamburg wartet ein Zelt voller Bluesmusik

Und weiter geht es nach Hamburg. Dort wartet in Winterhude ein Zelt voller Bluesmusik und Jack-Wolfskin-Jacken auf ihn. Der Zufall will es, dass er just zu der hübschen Liedzeile "You're so fine / let me love you all the time" einzieht, durch ein Spalier aus Parteifreunden und Applaus. Menschen auf Bänken, Bierhumpen auf den Tischen. Die Szene hat etwas Bayerisches. Das täuscht. Gegen die Schwarzen da unten in Bayern lässt sich so ein grünes Zelt allemal zum Kochen bringen.
Wieder kommt die Selbstkritik, und diesmal ist sie wieder genauer, ausführlicher. Fast so klar wie in Göttingen. Doch es ist nur das Vorspiel zum Angriff. Die Grünen hätten aus ihren Fehlern gelernt, ruft Trittin seinen Anhängern zu. "Diesen Lernprozess sollten die CSU-Leute uns zubilligen, anstatt dieses Land mit einer Schmutzkampagne zu überziehen!" Als die Namen Seehofer, Kauder, Hasselfeldt fallen, da tobt das Zelt.
Man kann das so machen. Die Reihen schließen, das eigene Milieu mobilisieren. Für Zweitstimmen werben. Die Grünen dieser Tage erinnern an die FDP, funktional, versteht sich. "Nur mit uns!" Das ist die Aussage, in die Trittins Wahlreden am Ende münden. Nur mit uns tut die CDU das Richtige, sagt die FDP. Nur mit uns tut die SPD das Gute, sagt Trittin. Die Volksparteien, hieß es doch vor gar nicht langer Zeit, seien mausetot. Erinnert sich noch jemand daran?

Der goldene Herbst beginnt




Ich schätze dieses Aufblühen der Natur vor dem Novembergrau























                              

Stolpersteinbrück und die Medien

Diesmal stolpert er über das Schweizer Fernsehen

 STOPLPERSTEINBRUECK

und

STOLPERSTEINDRUECK

«Wie originell»

20 Min

Steinbrück kanzelt SRF ab

Dem SPD-Kanzlerkandidaten wird ein verkrampftes Verhältnis zu den Medien nachgesagt. Auch das Schweizer Fernsehen blitzte bei Peer Steinbrück ab. Der Korrespondent konnte einem leidtun.


Noch zwei Tage, dann wählt Deutschland ein neues Parlament. Dass der Wahlkampf arm an Höhepunkten war, ist gut für Amtsinhaberin Angela Merkel und schlecht für Herausforderer Peer Steinbrück. Der bisweilen frustriert wirkende Spitzenkandidat der SPD vermutet den Grund für seine schlechten Umfragewerte in einer Medienkampagne gegen seine Person. Er sagte einmal, Berlin liege unter einer «medialen Käseglocke», in der die Psychologie eines Politikers mehr interessiere als seine Positionen.
Als ob es eines weiteren Beweises für Steinbrücks angespanntes Verhältnis zu den Medien bedurft hätte, schickte das Schweizer Fernsehen diese Woche seinen Deutschland-Korrespondenten los. Thomas Vogel folgte dem Kandidaten für die «Rundschau» einen Tag lang und bemühte sich redlich um ein Interview, kam aber auf keinen grünen Zweig (siehe Video oben). Vielleicht lag es an rhetorischen Fragen wie «Sind Sie zufrieden mit Ihren Umfragewerten?». Da darf man sich über die pampige Antwort «Wie originell von Ihnen!» nicht wundern.
Der «Tagesspiegel» verwirft in einem aktuellen Kommentar die These der Medienkampagne. Die Regierungskoalition aus Union und FDP werde weit härter kritisiert als Steinbrück. Journalisten stünden tendenziell links und wären zudem eher an einem spannenden Rennen interessiert – beides Argumente, die gegen eine Medienhetze gegen den Underdog sprechen. «Kann der Bauer nicht schwimmen, ist die Badehose schuld», resümiert die Zeitung aus Berlin.

Kommentar: So kann es am Sonntag nicht gut gehen. Steinbrück wird merken, dass sein Verhalten (Fettnäpfe, Stinkefinger und Medienschelte) kontraproduktiv waren.
Die Punkte, die er am Duell geholt hatte, werden dahin schmelzen wie der Schnee an der Frühlingssonne.