Die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz wächst. Die diesjährige
Gallup-Studie stellt erneut fest, dass immer mehr Beschäftigte innerlich
bereits gekündigt haben.
Jeder vierte Arbeitnehmer hat innerlich gekündigt,
ergab eine Umfrage des Gallup-Instituts. Den Mitarbeitern fehlt Lob
durch die Führungskräfte.
für Mitarbeiter sind in deutschen Büros und Werkshallen noch immer selten. Vorgesetzte legten zu
.
Das Beratungsunternehmen folgert aus einer Umfrage, dass knapp jeder
vierte Angestellte (23 Prozent) schon innerlich gekündigt habe.
lediglich jeder Dritte werde nach seiner Meinung gefragt. "Am
Führungsverhalten hat sich in den letzten zehn Jahren wenig geändert."Deutschland liegt laut Gallup im internationalen Vergleich im unteren Mittelfeld, am besten standen demnach zuletzt die
da. Auch Nachbarländer wie
erzielten bessere Werte.
Gallup Deutschland berät große Unternehmen und schult Führungskräfte.
Für die Untersuchung wurden 1.323 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab
18 Jahren von Oktober bis Dezember 2011 telefonisch interviewt. Die
Angerufenen wurden nicht direkt nach ihrer emotionalen Bindung an ihren
Arbeitgeber befragt. Das Unternehmen folgert seine Schlüsselaussagen aus
zwölf verschiedenen Angaben zum Arbeitsumfeld, darunter zu Freunden,
Motivation Lob macht Karriere
Und ist für jeden im Beruf wichtig. Aber welche Form der Anerkennung motiviert uns wirklich?
Claus von Wagner
ist 34 Jahre alt und hat 2011 an gut 160 Abenden auf deutschen
Kleinkunstbühnen gestanden. Sein aktuelles Kabarettprogramm heißt
3 Sekunden Gegenwart,
und darin spielt er einen jungen Mann, der in der Nacht vor einer
Gerichtsverhandlung, in der es um das Sorgerecht für seine Tochter
geht, sein Leben einer Bestandsaufnahme unterzieht. Das klingt
ernst, ist aber lustig. Bei einem Auftritt in der Lach- und
Schießgesellschaft in
München
fühlt sich das Publikum sehr gut unterhalten, der Applaus nach
zweieinhalb Stunden versiegt nur langsam.
Ein paar Wochen später
versucht von Wagner in einem Kaffeehausgespräch das Gefühl zu
beschreiben, das sich einstellt, wenn er sich vor den Zuschauern
verneigt. »Der Moment strahlt eine unglaubliche Faszination aus«, sagt
er. Was von Wagner macht, ist Autorenkabarett. Er schreibt seine
Texte selber, und der Applaus und die lobenden Worte am Ende eines
gelungenen Abends gehören deshalb ganz allein ihm. »Wenn die
Eitelkeit eines Kabarettisten, sich alleine auf eine Bühne zu stellen
und etwas zu sagen, auch noch belohnt wird«, sagt von Wagner,
»dann hat das schon was.«
All das Lob sei
schon schön, sagt von Wagner und wirkt trotzdem nachdenklich.
Lob ist
nämlich nicht gleich Lob.
Das
richtige Lob
und die damit verbundene Anerkennung sind etwas Zentrales im Leben.
Kleinkinder kommen ohne Zuwendung und Bestärkung gar nicht aus, und bei
erwachsenen Menschen ist es im Grunde nicht anders: Es gibt Manager, die
behaupten, sie würden
nicht wegen des Geldes aufstehen,
sondern wegen der Aussicht, dass andere sie toll finden. Doch während
uns schlechte Erlebnisse lange verfolgen, verpuffen schöne Erlebnisse
sehr schnell.
Lob ist wie Essen: Wir vertragen es dreimal am Tag und
morgen schon wieder. Das Schulterklopfen und der erhobene Daumen sind
deshalb Zeichen, um die wir gerne und vor allem im Berufsalltag kreisen.
Erst mit der Gewissheit, dass der Chef zufrieden ist, stellt sich auch
beim Mitarbeiter Zufriedenheit ein.
Früher, als Deutschland noch eine Agrargesellschaft war, spielte die
Anerkennung der eigenen Arbeit durch andere womöglich eine geringere
Rolle. Die Bauern fuhren morgens auf den Acker und bestellten das Feld.
Am Abend fuhren sie wieder nach Hause und wussten, was sie getan hatten.
Etwas geschafft zu haben – das macht zufrieden. In der
Dienstleistungsgesellschaft dagegen, in einer von Computern und
Büroarbeit dominierten Welt, hat der moderne Arbeiter häufig mit
Projekten zu tun, die nie so richtig fertig werden. Er sieht am Abend
nicht das fein gekrümelte Feld. Stattdessen braucht er eine explizit
ausgesprochene Form von Anerkennung. Das Lob seines Vorgesetzten zum
Beispiel. Doch das kommt so selten, und wenn, dann kommt es oft falsch
rüber.
Loben ist leider nicht leicht, man muss es lernen.
In den vergangenen Jahren ist eine ganze Reihe von Studien
erschienen, in denen sich Menschen über zu wenig Lob am Arbeitsplatz
beschweren. Wenn die Meinungsforscher von Gallup ihren
Engagement Index
vorstellen, steht dort eine Zahl, die sich seit Jahren kaum verändert:
Nur jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer sagt, dass ihm für gute Arbeit
auch Lob ausgesprochen werde. Während in den
USA keine Konversation ohne Wörter wie
great oder
wonderful auskommt,
steht das Lob in Deutschland im Verdacht, ein Werkzeug der Manipulation zu sein. Hierzulande wurde ja auch der Philosoph Friedrich Nietzsche geboren, der dem weltweiten Zitateschatz den Spruch »Im Lobe ist mehr Zudringlichkeit als im Tadel« zufügte.
Claus von Wagner kennt viele Arten von Zuspruch, und manchen
misstraut er tatsächlich. Loben, sagt er, habe viele Facetten. Der
Kabarettist wird zum Beispiel skeptisch, wenn die Leute voreilig und
laut Pointen wegklatschen. Dann stellt er sich die Frage, ob seine
Zuschauer eigentlich auch zuhören. Claus von Wagner irritieren Menschen,
die ihn nach seiner Vorstellung mit ihrem Lob vereinnahmen wollen. »Es
gibt Leute, die besonders den politischen Teil des Abends loben und
dann vor allem die Erwähnung bestimmter Politiker. Die möchten, dass du
mit ihnen gedanklich in eine bestimmte Richtung läufst.« Von Wagner
wundert sich auch manchmal über Berichte, in denen Journalisten in ihm
den »neuen Stern am Kabaretthimmel« sehen. Das sei schön, sagt er. »Aber
man darf es trotzdem nicht glauben.« In den Rezensionen der Programme
von Kollegen stehe so was schließlich auch immer wieder.
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