«Auf dem Spielplatz sah man mich schräg an»
Dank Stellenbörse und Kampagne soll
die Zahl der Teilzeit arbeitenden Männer auf 20 Prozent steigen. Drei
Männer, die diesen Schritt bereits gemacht haben, berichten:

Männer mit ihren Kindern auf dem Spielplatz - dieser Anblick ist noch nicht normal.
Die Schwierigkeiten:
Ein gelernte Metzger suchte nach einem Jahr als Vollzeit-Hausmann eine
50-Prozent-Anstellung - ohne Erfolg. Nun wird er wohl wieder zu 100
Prozent arbeiten.
Vor dem Gang zu seinem Chef hatte der Umweltingenieur an der ETH kein
Knieschlottern. «Ich wusste, dass er gegenüber Teilzeit-Arbeit offen
eingestellt ist.» Der Antrag für eine Reduktion auf 80 Prozent sei dann
auch ohne grosses Meckern akzeptiert worden. Weniger verständnisvoll als
sein Vorgesetzter zeigten sich Lüthis internationale Forscherkollegen.
«Ob mit Kindern oder nicht - ein Teilzeitjob in diesem Beruf ist für sie
völlig absurd.»
«Wenn Kinder umfielen, wollten sie zu Mami»
Ein Teilzeitvater erzählt:«Ich habe ziemlich spontan auf den
Wunsch meiner Partnerin nach einer geteilten Betreuung Ja gesagt, aber
erst nachher realisiert, was dies eigentlich bedeutet.» So habe es über
ein Jahr gedauert, bis er von seinen Kindern - die Tochter ist heute 15
und der Sohn 12 Jahre alt - überhaupt als vollwertige Betreuungsperson
akzeptiert wurde. «Wenn zum Beispiel eines der beiden Kinder umfiel oder
sonst ein Problem hatte, rief es zuerst immer nach dem Mami. Das war
für mich nicht einfach.»
«Im Alltag oft alleine»
Als
schwierig erlebte ein Teilzeit-Papi an seinem
ehemaligen Wohnort am rechten Zürichseeufer. «Hier lebten damals nicht
viele Hausmänner leben, und so fühlte ich mich im Alltag oft alleine.»
Auf dem Spielplatz sei er als einziger Mann von den Frauen schräg
angeschaut worden.
«Meine Frau hat sofort etwas gefunden»
Neuhaus konnte
trotz intensiver Suche - rund 40 Bewerbungen in drei Monaten - nichts
finden. «Es ist schon erstaunlich: Meine Frau arbeitet in der gleichen
Branche und hat sofort wieder eine Teilzeit-Anstellung gefunden», sagt
der 28-Jährige, der im Kanton Freiburg wohnt. Beim Arbeitsamt habe man
ihm empfohlen, seine Pläne mit der Teilzeit-Arbeit zu überdenken - sie
erschwere ihm die Jobsuche, hiess es.Und prompt: Bei der ersten
100-Prozent-Stelle, auf die sich Neuhaus beworben hatte, konnte er sich
vorstellen. «Da meine Mutter nun noch auf die Kleine aufpassen kann,
habe ich mich schweren Herzens für diesen Schritt entschieden», sagt
Neuhaus.
Kommentar: Heute kann jede Partnerschaft das eigene Modell verwirklichen. Doch müsste die Rollenverteilung schon vor der Ehe verbindlich geklärt werden. Es gibt verschiedene Muster. Es sind heute unterschiedlichste Mischformen denkbar:
- Das traditionelle Modell: Die Mutter widmet sich den Kindern - der Vater versorgt die Familie
- Oder: Der Vater ist voll beschäftigt und die Mutter arbeitet Teilzeit. Die Kinder werden zum Teil fremdbetreut.
- Beide Ehepartner arbeiten Teilzeit - beide leisten ihren Anteil am Haushalt
- Die Frau ist Ernährerin und arbeitet zu 100%. Der Ehepartner ist Hausmann.
Wichtig scheint mir vor allem, dass die Rollenverteilung klar geregelt wird. Es ist blauäugig, zu glauben, der Ehepartner würde dann nach der Heirat schon nach sein Rollenverständnis ändern.