Freitag, 2. November 2012

Für die SVP könnte die Rechnung aufgehen

Von allen Seiten wollen Politiker und Banken das Bankgeheimnis aufweichen- auch der Bundesrat.
Nach meinem Dafürhalten könnte nun jene Partei Erfolg haben, die das Bankgeheimnis in der Verfassung verankern will. Man kann davon ausgehen, dass die Bevölkerung die Anonymität schätzt und bei einer Abstimmung das Bankkundengeheimnis in der Schweiz beibehalten möchte.

2o Min:




Ich zitiere Tagi-online:

SVP plant Initiative zur Rettung des Bankgeheimnisses

Banker und SVP-Mitglied Thomas Matter ist irritiert ob den Aussagen von UBS-Chef Sergio Ermotti von gestern im TA-Interview. Nun will seine Kantonalsektion der SVP handeln.
Wollen die Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung so beibehalten, wie sie heute besteht: Christoph Mörgeli und Thomas Matter. (Archivbild)

Wollen die Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung so beibehalten, wie sie heute besteht: Christoph Mörgeli und Thomas Matter. (Archivbild)
Bild: Keystone

Die Zürcher SVP will nicht zuschauen, wie die «Schweiz ihren Finanzplatz demontiert», sagt Thomas Matter, Zürcher Banker und SVP-Mitglied. «Die Geschäftsleitung hat grünes Licht gegeben für intensive Arbeiten an einer nationalen Initiative zur Rettung des Bankgeheimnisses im Inland», sagt Matter und bestätigt damit Recherchen des «Bund». Er zeigt sich besorgt über das Ansinnen von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, das Bankgeheimnis zu schwächen.
UBS-Konzernchef Sergio Ermotti doppelte gestern im TA-Interview nach. Der Banker erklärte, «ein Doppelstandard in der Bankgeheimnisfrage» wäre «ein Witz». Mit anderen Worten: Die Schweiz solle das Bankgeheimnis im Inland ebenso schwächen wie gegenüber dem Ausland. Genau das will Matter verhindern. «Das Hauptanliegen der Initiative besteht darin, die urschweizerische Tradition aufrechtzuerhalten, dass der Staat für die Bürger da ist und nicht umgekehrt», sagt Matter. «Wir wollen das Recht auf eine finanzielle Privatsphäre in der Verfassung verankern.» Die Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung solle weiterhin so gelten, wie dies heute der Fall ist.

Ermottis Aussagen polarisieren

«Die SVP muss verhindern, dass künftig auch bei Steuerhinterziehung das Bankgeheimnis aufgehoben wird», sagt Matter. Dies sei gefährlich, weil sonst bald einmal Bagatelldelikte als schwere Steuerhinterziehung taxiert und Bürger wegen eines schlichten Fehlers in der Steuererklärung «mit einem Fuss im Gefängnis stehen» würden. FDP- und CVP-Politiker zeigen sich hingegen bereits seit einigen Monaten offen dafür, dass das Bankgeheimnis in Fällen von schwerer Steuerhinterziehung künftig durch die Kantone aufgehoben werden kann. «Definitiv beschliessen über die Lancierung der Initiative werden die Delegierten der SVP Zürich», sagt Matter. Er hofft, dass dies im ersten Quartal 2013 passiert. Matter geht davon aus, dass die SVP Schweiz später bei der Unterschriftensammlung mithilft, und er hofft, dass er von Verbänden und weiteren Parteien Unterstützung erhält.
«Ermotti vertritt die Interessen einer internationalen Bank», meint Nationalrat Christoph Mörgeli. «Die SVP hingegen vertritt die Interessen der Schweizer, die einen Schutz ihrer Privatsphäre wünschen.» Andere Parlamentarier wie Ruedi Noser (FDP) und Susanne Leutenegger Oberholzer (SP) begrüssen hingegen die Aussagen Ermottis.

Kommentar: Fragen Sie sich heute im Bankentenkreis um. Sie werden staunen, wie viele Leute für die Beibehaltung des Bankkkundengeheimnisses sind. 

Donnerstag, 1. November 2012

Wie viele Lehrer werden tatsächlich geschlagen und gemobbt?



In der heutigen 20 Min Printausgabe wird die Gewaltforscherin Katja Iseli zitiert, welche in ihrer Doktorarbeit festgehalten hat, dass von 367 befragten  Schweizer Lehrern ALLE mindestens einmal pro Monat Gewalt durch Schüler erlebt haben. Entweder verbale Angriffe oder sie werden ausgelacht. Nicht ganz 10 Prozent der Lehrer nennen sogar körperliche Gewalt (Schüler werfen beispielsweise Radiergummis auf die Lehrperson).


Kommentar:



Ich arbeite seit Jahren in der Lehrerfortbildung und bezweifle, dass wir bei allen Fällen von Mobbing sprechen dürfen. Bei Mobbing gibt es klare Kriterien.



LINK: 



Was ist Mobbing und was kann man dagegen tun? Dieses Dokument ist ein Zusatz zum Kapitel "Konflikte im Team" aus dem Buch "Team und Kommunikation" .
www.rhetorik.ch/Mobbing/Mobbing.html



Bei Beratungen habe ich immer wieder festgestellt, dass viele Lehrer verbale Angriffe viel zu wenig ernst nehmen.

Es hat sich bewährt, die Worte ernst zu nehmen. Wenn Lehrkräfte beschimpft werden oder Mitschüler  verbal erniedrigt werden, gibt es viele Lehrerinnen und Lehrer , die das überhören und sich sagen: So reden halt Jugendliche. Das was gesagt wurde, war ja nicht so gemeint.


LINK:

10. Okt. 2004 ... "Um einen Stein zu zertrümmern, braucht man einen Hammer, aber um eine kostbare Vase zu zerbrechen, genügt eine flüchtige Bewegung ...
www.rhetorik.ch/Fenster/Fenster.html

Kraft der Einbildung. ... Nur Worte, die Bilder auslösen wirken nachhaltig. ... Einbildungskraft ist eine Kraft, die konkrete psychische und physische Auswirkungen ...
www.rhetorik.ch/Einbildung/Einbildung.html


Viele Lehrkräfte sind sich zu wenig bewusst, dass Worte das Verhalten beeinflusst und umgekehrt. Wer das Gegenüber wertschätzt, beschimpft es nicht. Wenn Worte ernst genommen werden, verändert sich auch das Verhalten.



Ich kenne ein Schulhaus, bei dem alle Lehrkräfte sofort intervenierten, wenn jemand mit Worten beleidigt wurde.



Wenn im Hauswirtschaftskundeunterricht ein Oberstufenschüler ruft : "Abwaschen ist Weibersache. Mädchen sind zum brauchen da",  interveniert die Lehrerin ganz bestimmt und ruft: "Hallo! René. So nicht, hast Du verstanden?"
Nachdem René erwidert: "Ich habe es ja nicht so gemeint!" sagt die Lehrerin bestimmt: "Du hast es aber so gesagt! Ich will nicht, dass Mitschüler beleidigt werden! Klar?"

Bei jenen Lehrerteams die den Sinn der  Worte ernst genommen hatten, verzeichneten innert weniger Wochen erstaunlicherweise weniger Gewalt.


Nach meiner Erkenntnis, müssten wir Gewalt sofort und unmissverständlich an den Pranger stellen. Wer zu lange die Augen zudrückt, wird die Geister nicht mehr los, die er geduldet hat. Erstaunlich: Gewalt an Kindern nehmen wir ernst und jeder Lehrer muss mit Sanktionen rechnen, der auch nur aus Spass einem Schüler eine Kreide an den Kopf wirft. Physische oder psychische Gewalt, vor allem verbale Gewalt wird  bei Lehrpersonen nicht geduldet. Weshalb wird jedoch Gewalt gegenüber Eltern oder Lehrer  geduldet?
Für mich gibt
es nicht nur den Schutz der Kinder. Eltern- und Lehrermisshandlungen dürfen wir ebensowenig dulden.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Bilder beeinflussen unsere Stimmung

LINK:



Bilder prägen sich tiefer ins Gedächtnis ein als Worte. Sie beeinflussen unsere Einstellung. Nicht nur die Rhetorik sondern auch das Autogene Training, die ...
www.rhetorik.ch/Bildwirkung/Bildwirkung.html

TEST:

Betrachten Sie eine halbe Minute lang dieses Bild und Sie können bei diesem Selbstversuch feststellen, wie  dieses Gemälde Ihre Stimmung beeinflusst:







Das Ölgemälde «Mohnfeld bei Vétheuil» ist eines der bekanntesten Werke des französischen Malers Claude Monet.
Das Ölgemälde «Mohnfeld bei Vétheuil» ist eines der bekanntesten Werke des französischen Malers Claude Monet. (Bild: Reuters)


Das Ölgemälde «Mohnfeld bei Vétheuil» ist eines der bekanntesten Werke des französischen Malers Claude Monet.
Das Ölgemälde «Mohnfeld bei Vétheuil» ist eines der bekanntesten Werke des französischen Malers Claude Monet.

Das Ölgemälde «Mohnfeld bei Vétheuil» ist eines der bekanntesten Werke des französischen Malers Claude Monet.

“DAB Plus ist ein DAB Minus Flop”

Marcus Knill
Kunden verärgern ist bekanntlich keine Kunst, aber auf ihre Bedürfnisse eingehen – hingegen sehr.
Niemand mehr hört heute die Nachrichten aus einem “Dampfradio”. Die technische Entwicklung vom Radio Beromünster über UKW zu DAB erfolgte Schritt für Schritt. So müsste eigentlich auch der Schritt von DAB zu DAB+ reibungslos erfolgen. Nehmen wir an, Sie haben als flexibler und anpassungsfähiger Radionutzer recht schnell ihre vier Radios im Haushalt mit modernen DAB-Geräten ersetzt. Angenommen ferner, Sie haben alle  Geräte auf ihre Lieblingssender (Klassik und Jazz) programmiert und diese Sender jahrelang problemlos empfangen. Plötzlich verstummt – gleichsam über Nacht – ihre  Musik und eine Stimme gibt über ein Endlosband bekannt: DAB können Sie ab sofort nicht mehr empfangen! Sie müssen Ihr Gerät auf DAB+ umstellen. “Kein Problem” denken Sie. Man muss ja nur den Senderdurchlauf richtig bedienen und alles ist im Butter. Sie gehen  davon aus, dass während dieser Umstellung kaum mit einer Umweltkatastrophe zu rechnen ist. Denn jeder Radiokonsument weiss: Bei Sirenenalarm, sofort das Radio einschalten und allfällige Anweisungen befolgen.
Die Umstellungsgeschichte beginnt eigentlich erst jetzt.  Was ich bislang geschildert habe, erlebte ich so  letzte Woche. Wenn uns Konsumenten in einer Nacht- und Nebelaktion das Radiogerät auf stumm gestellt wird, so ist dies ärgerlich. Es ist, als würde uns ein Fremder den Stecker ziehen. Dass die verärgerten Kunden nach dieser Aktion mit ihrer Arbeit aussetzen müssen, um das stillgelegte Gerät umzustellen, wird von höherer Warte einfach als Selbstverständlichkeit genommen.
Es bleibt mir nichts anderes übrig: Ich befolge trotz Ärger  die empfohlenen Anweisungen. Aber der Wechsel auf DAB+  funktioniert leider bei keinem meiner Geräte. Was tun? Im Internet werde ich fündig. Eine Telefonnummer verspricht  Hilfe. Wiederum die ähnliche Anweisung, die ich vom Endlosband gehört habe und mir nicht weitergeholfen hat. Etwas ungehalten werde ich  aufgefordert, die Bedienungsanleitung zur Hand zu nehmen. Dort würden mir alle Schritte genau erläutert werden. Da ich keine Bedienungsanleitung mehr habe, stosse ich bei der Beraterin am Telefon auf völliges Unverständnis. Die Dame sagt, es bleibt mir somit nichts anderes übrig, als jene Fachgeschäfte aufzusuchen, bei denen ich meine DAB-Geräte gekauft habe. Mein Einwand: Und wenn ich nun diese Geschäfte nicht mehr ausfindig machen kann? Dann suchen Sie irgend ein anderes Fachgeschäft auf, war die ungehaltene Antwort. Glücklicherweise finde ich bei den Akten noch eine Adresse eines Fachgeschäftes, bei dem ich  das letzte DAB Gerät gekauft habe. Ich packe sofort alle vier Geräte in eine Tasche und fahre unverzüglich ins Fachgeschäft. Dort angelangt, erlebe ich nun, was Kundenfreundlichkeit heisst. Der  Geschäftleiter zeigt Verständnis und ist bereit, alle meine Geräte zu überprüfen. Er werde mich über den Erfolg seiner Bemühungen rasch informieren. Der freundliche Geschäftsleiter erkennt rasch, dass die Umstellung bei meinen Geräten nicht so einfach ist. Bereits nach einem Tag  erfahre ich, dass meine ersten Geräte nicht umgestellt werden könnten, nur noch jenes, das mit DAB+ zusätzlich ausgerüstet sei. Ausgerechnet jene flexiblen Kunden, die als erstes  DAB-Geräte beschafft haben, werden jetzt also im Regen stehen gelassen. Diese werden nun gezwungen, neue Geräte zu kaufen und die alten zu entsorgen. Spesen nichts als Spesen. Zeitaufwand, Fahrten, Ärger usw.! Ein Trost: Der Geschäftsleiter des privaten Unternehmens will keine Entschädigung. Dies nennt man Service.
Fazit: Die Umstellung auf DAB Plus ist für unzählige Kunden zum DAB Minus Flop geworden. Ob wenigstens die Verantwortlichen dieses Projektes (DRS?) aus dieser überraschenden, fragwürdigen, kundenunfreundlichen Umstellung ihre Lehren ziehen werden?
(aus BLOG PERSOENLICH.COM)

Marcus Knill

Dienstag, 30. Oktober 2012







Blindorientierte Sprache



Wer so spricht, dass  der Zuhörer das Gehörte sieht,  nutzt im Grunde genommen die


 "blindorientierte" Sprache. 

Wir reden so, dass die Zuhörenden gleichsam mit den Ohren die Schilderung sehen. Im Beitrag "sinnvoll kommunizieren" oder "Bildrhetorik" zeigen wir, wie man mit der Sprache alle Sinne nutzen sollte (Auge, Ohr, Nase, Hände, Zunge). Gute Schriftsteller schreiben so, dass wir die Bilder vor dem inneren Auge sehen, die Geräusche, den Geschmack usw. beim Hoeren nachempfinden können.

In den letzten Monaten habe ich einige Bücher von Martin Suter gelesen. Mir  ist auch beim jüngsten Buch "Die Zeit, die zeit" aufgefallen, dass der Autor dank seines


 filmischen Erzählstiles 

 einen so grossen Erfolg hat. Seine Sprache wird von passenden VERBEN getragen. KONKRETE DETAILS werden nicht ausgeklammert.

Hier ein Beispiel aus dem Buch "Die Zeit, die Zeit" von Martin Suter. Ich zitiere:

Dann deckte er den Tisch für zwei Personen, ENTKRORKTE eine Flasche ANTINORI, SCHENKTE beide Gläser VOLL, NAHM eines und BEGAB sich wieder auf seinen Posten.
Im Garten auf der anderen Gartenseite STAND jetzt der alte Mann, der dort WOHNTE, mit einem Gartenschlauch neben einem der APFELBAEUME und GOSS ihn MIT WEICHEM STRAHL.


ER HIELT den Kopf GESENKT. Als BENOETIGE die Arbeit seine volle Konzentration.


Er arbeitet oft im Garten. MAEHTE, SCHNITT, HACKTE, STACH UM, RECHTE, GOSS und PFLANZTE.
Und VERBRANNTE,
trotz behördlichem Verbot seine Gartenabfälle.


Das Wasser KOCHTE wieder. Taler RISS die Packung auf, SCHUETTETE die Spaghetti ins Wasser und RUEHRTE ein paar Mal UM, damit sie nicht ANEINANDERKLEBTEN.
Er STELLTE den TIMER auf acht Minuten.
Beim Läuten des Timers SCHRECKTE er ZUSAMMEN. Er GING ZURUECK in die Küche, GOSS die Spaghetti ins Sieb und viel OLIVENOEL in den leeren Topf.

Dann KIPPTE er die PASTA ZURUECK, GOSS noch mehr Olivenöl darüber, WENDETE sie ein paar Mal mit der SPAGHETTIZANGE, SCHOEPFTE eine Portion in den Teller, TAT TOMATENSAUCE und GERIEBENEN PARMESAN dazu und SETZTE sich damit an den Esstisch im Wohnzimmer ...usw.


Ende Zitat

Fazit:


 Schade, dass in Schulen und Gymnasien diese "blindorientierte" Sprache zu wenig vermittelt wird. In der angewandten Rhetorik wird von den Zuhörern dieser filmische Erzählstil geschätzt. Er ist nicht langweilig, weckt die Aufmerksamkeit und ermöglicht Präsentationen ohne aufwändige zusätzliche Visualisierungen.

LINK:


- Sinnvoll kommunizieren:

11. Juni 2008 ... Wer so schreibt oder so redet, dass man das Gesagte mit den äusseren Sinnen wahrnehmen kann, hat den Vorteil: - Die Worte können wir uns ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/06_11/index.html

- Bildrhetorik:




Die Bildrhetorik machte uns erneut bewusst, dass Führungskräfte bei Sitzungen und Gesprächen das "Spiel mit den Beispielen" verlernt haben. Die Kunst ...
www.rhetorik.ch/Spiel/Spiel.html

- Narrative Rhetorik:


12. März 2005 ... Seit der Zeit des Kalifen Harun-al-Raschid weiss man um die Macht des Geschichtenerzählens. Auch die Gleichnisse in der Bibel machen der ...
www.rhetorik.ch/Narrativ/Narrativ.html




Halloween steht wieder vor der Türe


Zoom


Zoom

Halloween stammt von den britischen Inseln. Im 19. Jahrhundert durch die irischen Einwanderungswellen an die amerikanische Ostküste gebracht, entwickelte es sich höchst dynamisch und erfuhr vielfältige Umformungen und kehrte als amerikanischer Brauch nach Europa zurück.

Die Ursprünge von Halloween sollen auf das heidnisch-keltische Fest Samhain zurückreichen, das am 1. November gefeiert wurde. Samhain ist das keltische Neujahrsfest, markierte den Beginn des Winters und stellte auch eine Art Erntefest dar.

Montag, 29. Oktober 2012

Deutscher Verkehrminister giftelt gegen die Schweiz


play Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (Archiv) (Keystone)


 Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat gegenüber Medienvertretern den Schweizer Bundesrat mit deutlichen Worten kritisiert. 
Der Bundesrat geht davon aus, dass dank dem Staatsvertrag die Anzahl der Anflüge von Norden auf den Flughafen Zürich «bis zu etwa 110'000 Anflügen wachsen» kann. Dabei handelt es sich um ein langfristiges Szenario. Zum Vergleich: mit der aktuellen betrieblichen Regelung liegt die Obergrenze bei 128'000 Anflügen.

Der deutsche Verkehrsminister:

 «Das ist natürlich ein

 völliger Quatsch, 

einen solchen Unfug zu schreiben»,

 monierte Ramsauer.

Er könne nur davor warnen, so eine 

«sachlich durch nichts 

zu rechtfertigende Zahl 

in Umlauf zu bringen 

und damit in Deutschland 

alles in Brand zu stecken, 

was man in Brand stecken kann.»

Die deutsche Seite geht ihrerseits von deutlich weniger Nordanflügen aus: «Wir haben klar gerechnet, dass das Zurückfahren der Zeitfenster, in denen geflogen werden darf, dazu führt, dass wir auf etwa 85'000 Flüge kommen.»

Der Anfang September von Bundesrätin Doris Leuthard und ihrem Amtskollegen Ramsauer unterzeichnete Staatsvertrag sieht vor, dass Anflüge auf den Flughafen Zürich am Abend künftig drei Stunden früher als heute über Schweizer Gebiet stattfinden, nämlich ab 18 Uhr. Deutschland verzichtet im Gegenzug auf eine zahlenmässige Begrenzung der Anflüge über deutsches Gebiet.
An Werktagen dürfen Flugzeuge bereits ab 6.30 Uhr über Süddeutschland anfliegen, eine halbe Stunde früher als heute. Die Schweiz ist dafür bereit, die am frühen Abend landenden Flugzeuge anstatt von Norden her über eine andere Route zum Flughafen Zürich zu führen. Hierfür kommen Ostanflüge, Südanflüge oder ein satellitengestützter gekröpfter Nordanflug in Frage.

Ramsauer warnte aber davor, den Staatsvertrag abzulehnen. Wenn dieser nicht zustande komme, werde sich für die Bevölkerung im Süden alles zum Schlechteren wenden.

Insbesondere in den vom Fluglärm betroffenen süddeutschen Gebieten erwächst dem Staatsvertrag heftiger Widerstand. Den bekommt Ramsauer deutlich zu spüren: Er erinnere sich an kein einziges politisches Problem in seiner Laufbahn, bei dem er derart angefeindet und bedroht worden sei.

 Was er im Zusammenhang mit dem Staatsvertrag derzeit erlebe,

 sei «schlicht und einfach skandalös». (SDA)

Kommentar: Bundesrätin Leuthard reagierte gelassen und rechtfertigte die konkrete Zahl von Anflügen damit, sie informiere lieber  transparent und offen. In den Medien wurde die Nennung der von 110 000 Anflügen recht unterschiedlich kommentiert. Die Nennung der Zahl sei ungeschickt gewesen, ist von verschiedenen Seiten  zu hören.  Persönlich schätze ich eindeutige, klare Aussagen. Wenn jedoch das Gegenüber dermassen giftig reagiert - wie es Peter Ramsauer getan hatte, ist es denkbar, dass bei den Verhandlungen  zu wenig klar und unmissverstädnlich kommuniziert worden ist. Anderseits könnte Ramsauers "Giftrhetorik" auch gezielte Taktik sein.