Montag, 17. Oktober 2011

Gerhard Blocher und die Medien



Von Fehlern könnte man lernen. Bei Gerhard Blocher scheint dies nicht der Fall zu sein. Er hat sich im Umgang mit Medien mehr als nur einmal verrannt. Der ehemalige Pfarrer, Feldprediger und Gemeindepräsident war sich  noch nie bewusst, dass alles, was vor Mikrofon und Kamera gesagt wird, publiziert werden kann, falls keine entsprechenden Vereinbarungen getroffen worden sind. Gerhard Blocher scheint immer noch nicht erkannt zu haben, dass man sich vor Gesprächen mit Journalisten vorbereiten muss, und   man bei diesen Gesprächen vor allem auf Ironie, Satire, Analogien oder angeblich "lustigen, nicht ernst gemeinten" Uebertreibungen verzichten sollte.








Seit dem 5. Dezember 07 ist Gerhard Blocher der berühmteste Bruder eines Politikers. An diesem Tag strahlte das Fernsehen einen Dokumentarfilm über die "Gebrüder Blocher" aus. Ich vertrat damals in rhetorik.ch die Meinung, dass die peinlichen, grotesken,  unbedachten Aeusserungen von Gerhard Blocher möglicherweise zur Abwahl seines Bruders  beigetragen haben.  Ein bekannter Politiker sagte mir  damals: Wenn ein Bundesrat so  einen Bruder hat, der von "Nahkampf und Blut im Bundesrat" spricht und sagt, Christoph müsse den "Sauladen" in Bern "ausmerzen".  Wenn dieser Bruder am Fernsehen zudem öffentlich  "mit dem Sackmesser so irr auftritt", könnte es doch  sein, dass Christoph, der Bundesrat, ähnliche Gene habe und somit als Magistrat nicht mehr tragbar sei.


Diesen Herbst steht Christoph Blocher erneut im Wahlkampf. Er möchte wieder Parlamentarier werden. Kandidat Blocher wird seit Monaten mit Argusaugen beobachtet und es gibt genügend Feinde, die alle Patzer registrieren. Dass in dieser Situation Journalisten auch versuchen würden,  dem Bruder   - dank seiner losen Zunge -  erneut einige   unbedachte Bemerkungen zu entlocken, das  lag eigentlich in der Luft. Gerhard Blocher hätte sich somit vorbereiten und seine Kernaussagen antizipieren können. Sebastian Ramspeck und Reza Rafi (2 Journalisten der SonntagsZeitung) hatten  jüngst bei einem Essen mit dem  Bruder -der gerne provoziert  - ein leichtes Spiel. Gerhard Blocher konnten sie erneut verschiedene groteske Bemerkungen entlocken.



Die fragwürdigen Zitate wurden gestern in der SonntagsZeitung (16. Oktober)  publiziert. Der Artikel ist gut geschrieben und die publizierten Aeusserungen werden möglicherweise auch bald von Giacobbo als Gags aufgenommen.
Gerhard Blochers Verhalten und die folgenden ungefilterten Bemerkungen  sprechen für sich. Für mich unbegreiflich: Der berühmte Bruder tappte wiederum in die Falle. Die  Zitate belegen, dass Gerhard Blocher  aus den früheren Pannen nichts gelernt hat.



Schon bei der Bestellung des Mittagmenüs nimmt Blocher die Wirtin auf die Schippe. Vom alten  Dokumentarfilm wurde nichts gelernt. Bei Aussagen vor Journalisten haben nämlich Ironie und Satire kurze Beine. Die Journalisten konnten  schon bei der Bestellung Blochers zynische Bemerkungen dokumentieren (vielleicht waren sie lustig gemeint) und wurden im Artikel  wiedergeben. Die ersten Worten mit der Wirtin gaben schon ein sonderbares Bild vom Bruder des berühmten Christoph.



Gerhard Blocher zur Wirtin: "Ich bitte Sie, endlich zu begreifen: Keine Zähne mehr oben links und unten rechts. Könnte ich pürierte Pommes haben?" Nachdem die Wirtin Nudeln vorschlägt: "Weicher!" und ruft laut "Kartoffelstock!" Auf den Hinweise, dass es keine Kartoffelstock auf der Karte habe, moniert Gerhard Blocher: "Haben Sie schon etwas von Stocki gehört?"Dann beginnt er lang und laut zu lachen.



Andere Zitate aus dem Zeitungsartikel:




"Seit Christoph nicht mehr im Bundesrat ist, hat es sich als ein Nachteil, vor allem für seine Gesundheit, erwiesen, dass er oft vor geschlossenen Türen steht." Deshalb wolle Christoph zurück.


"Er braucht das. Er muss in die Wandelhalle und im Parlament sein!"
Es sei also nicht nur für die Schweiz von Nutzen, wenn Christoph in diesen "Saulanden" zurückkehre:



"Gesundheitlich geht es Christoph besser, wenn er zurück ins Parlament kann".

Der letzte Satz eignete sich verständlicherweise  als Titel. Gerhard Blocher kann aber nachträglich  den Journalisten keine Vorwürfe machen. Sie setzen die  Titel und wählen etwas Aussergewöhnliches aus. Die Aussage, dass Christoph Blocher gesundheitlich angeschlagen ist und mit der Wahl gesunden könne, scheint Gerhard Blocher  tatsächlich gesagt zu haben.

Damit hat der kleine Bruder einmal mehr dem grossen Christoph Blocher einen Bärendienst erwiesen. Indirekt behauptet er: Christoph Blocher sei seit der Abwahl gesundheitlich angeschlagen.

Folgende Aeusserung des ehemaligen Pfarrers verdeutlicht, dass wir uns und Anderen  schaden können, wenn wir  vor Medienvertreter so fahrlässig drauflos reden:


"Es ist doch der helle Wahnsinn, dass der arme Siech gopfridstutz in so einen blödsinnigen Bundeshausbetrieb zurückkehrt!"


 Die Journalisten haben den weintrinkenden, redefreudigen Bruder gut beobachtet und konnten in ihrem Beitrag  sein lautes Lachen, sein Glucksen und Quitschen, das den holzgetäferten Raum der Wirtsstube füllte, ausführlich beschreiben. Gerhard Blocher scheint keine Ahnung zu haben, dass man bei  Mediengesprächen erst nachher trinken sollte. Von einer "off the reccord" oder "on the reccord"- Situation scheint Gerhard Blocher ebenfalls keine Ahnung zu haben. Möglicherweise ist er so naiv, dass er nicht einmal weiss, dass auch  Printjournalisten -  ohne Kamera - Situationen ebenfalls  bildhaft vermitteln können.



Fazit: Wer in Medien auftritt, müsste wissen, dass der Adressat - in diesem Fall der  Leser - entscheidet, was im Langzeitgedächtnis haften bleibt. Ich habe bei einigen Lesern   der SonntagsZeitung nachgefragt. Das Urteil ist  für Gerhard Blocher wiederum  vernichtend. 



LINK:


7. Dez. 2007 ... Den Bruder von Christoph Blocher, Gerhard Blocher, hatte ich noch vor Jahren als intelligenten Seelsorger von Gehörlosen kennen gelernt. ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/12_07/index.html



Gerhard Blocher beleidigt Widmer-Schlumpf - YouTube

www.youtube.com/watch?v=FKu_M_PMhJY22. Mai 2008 - 28 Sek. - Hochgeladen von hanspaulrudolf
Gerhard Blocher gibt seine meinung über das schweizer Fernsehen und Eveline Widmer-Schlumpf preis.



 

Sonntag, 16. Oktober 2011

Etwas durch die Blume sagen


etwas nur andeutungsweise / indirekt / verhüllt sagen; eine Kritik nur andeuten / umschreiben; jemandem die Wahrheit schonend beibringen; eine Aussage beschönigend verpacken
(Aus Redensarten Index)



Im today Blog gefunden:


Man kann nicht davon ausgehen, dass jeder mit den eigentlichen Bedeutungen dessen, was „durch die Blume gesagt“ wird, vertraut ist und so wird es zwangsläufig zu Missverständnissen können. Diese können im Ernstfall so schwerwiegend sein, dass die Beziehung der Gesprächspartner darunter nicht nur leidet, sondern u. U. ganz zerbricht. Wer möchte schon mit Gesprächspartner reden, der in einer Art „Fremdsprache“ antwortet?

Ein ständiges „durch die Blume reden“ ist nicht wahrhaftig. Der so Redenden hat vielleicht das Gefühl, geschützt zu sein, aber so entsteht keine wirklich wahrhaftige Kommunikation zwischen den Gesprächspartnern. Das betrifft beide Fälle: Wenn es um Kritik geht, können auf diese Weise vielleicht Konflikte umgangen/verdrängt werden, gelöst werden sie jedoch nicht. Geht es hingegen um positive Aussagen, so mag man dem Gesprächspartner auf diesem Weg vielleicht tiefe und herzliche Gefühle ausdrücken wollen, ob man sein Herz jedoch genauso berührt, wie wenn klar sagt: „Ich schätze Dich sehr.“, „Ich vertraue Dir.“, „Ich liebe Dich.“, dass ist sehr, sehr fraglich.



Samstag, 15. Oktober 2011

Zur Rolle der Medien im Wahlkampf 11



In der Kommunikationslandschaft MEDIEN - PARTEIEN - KANDIDATEN - PUBLIKUM müssen wir uns nicht nur damit auseinandersetzen, wie die Parteien und Politiker sensibilisieren (hinsichtlich Themen), wie sie diese Themen visualisieren (mit welchen Bildern), wie  die Stimmberechtigten mobilisiert werden (wie  sich die Parteien verbünden) und wie sie personifizieren (Mit welchen Botschaftern?), um die Sieger auszumachen.
die Rolle der Medien in diesem Wahlkampf müsste eigentlich auch bedacht werden.






Bei der jüngstes ARENA mit Chefredakteure wurde der Wahlkampf 11 als zu langweilig ("Gähn langweilig"  titelte Blick am Abend) bezeichnet.  Warum ist der aktuelle Wahlkampf so lau? Diese Frage stand am Anfang im Zentrum der Diskussion.



Wer jedoch die Medienaktivitäten in diesem Wahlkampf betrachtet, stellt fest:


Es wurde  dieses Jahr von den Medien selten so ein grosser Aufwand betrieben. Es wurde in diesem angeblich lauen Wahlkampf für Auftritte von Parteien und Kandidaten enorm  viel Platz eingeräumt. Vom Berner Bundesplatz konnten wir täglich  Interviews mit Exponenten der Politik vernehmen.  Alle Medien räumten diesem Wahlkampf aussergewöhnlich viel Platz ein. Selten wurde so viel gemacht.
Die Aktivitäten der Medien waren somit alles andere als lau.


Wir müssen uns deshalb auch die Frage stellen, weshalb die Medien so einen enormen Aufwand betrieben haben. Weshalb suchten sie diese Nähe zu den Politikern? Weshalb das enorme Interesse am Kontakt mit Exponenten der Politik? Dies versuchte ich in einem Votum an der ARENA zu begründen:


- Die Medien wollen und müssen informieren (Informationsauftrag)


- Die Medien wollen Einschaltquoten. Es wäre nicht normal, wenn für einen Chefredakteur  die Auflagezahlen kein Thema wäre.


- Die Medien schätzen  Auseinandersetzungen, Kämpfe, Streit. Das sind wichtige  Treiber sind hinsichtlich "Wecken der Aufmerksamkeit", Einschaltquoten. Bekanntlich verkauft sich Ausserwöhnliches bei den Konsumenten immer besser  als emotionslose Fakten und Botschaften. Die  Medien haben somit ein  Interesse an ungewöhnlichen  Geschichten. Diese werden vom Publikum geschätzt.


- Die Medien brauchen und wollen Geld. Nicht nur hinsichtlich Inserate. Elektronische  Medien erhalten auch Konzessionen. Der Kontakt zum politischen Personal wird bewusst gesucht. Deshalb ist die Tendenz zur Nähe zur Politik und Politiker verständlich. Der aussergewöhnliche Aufwand in diesem Herbst ist sicherlich auch politisch geprägt.


- Medien profitieren  vom gekaufen Raum. Wenn die SVP in der Schlussphase mit Inseraten nochmals die Bürger mobilisiert (Beispielsweise die grossen Inserate, die vor einem Geheimplan warnen), so kann dies den Printmedien nur recht sein.


An der Arena war es offensichtlich, dass ich mit diesem Hinweis bei einzelnen Journalisten  etwas ausgelöst hatte. Diese Zusammenhänge werden nämlich nicht gerne gehört. Ein Chefredakteur wollte mir sogar während der Sendung unterstellen, ich hätte gesagt, die Medien würden nicht  trennen zwischen dem gekauftem Raum und redaktionellem Teil. Meine Analyse gehe davon aus, dass sich Journalisten  durch die Inserenten beeinflussen lassen.


Beobachter fragten sich: Weshalb diese ungehaltene Reaktion? Von einer Beeinflussung war gar  nie die Rede. Es wurde lediglich die Rolle der Medien im Wahlkampf beleuchtet und bewusst gemacht, dass Medien einen lebendigen Wahlkampf lieben, bei dem die Fetzen fliegen.
Es wäre durchaus nachvollziehbar, falls  Journalisten Auseinandersetzungen im Wahlkampf sogar bewusst schüren. 


An der ARENA (Elefantenrunde mit Chefredakteure) musste ich diesen unpopulären Aspekt im  Kommunikationsfeld MEDIEN - PARTEIEN - KANDIDATEN - PUBLIKUM beleuchten, mit dem Risiko, dass mein Beitrag einem Chefredakteur in den falschen Hals gerät. Einmal mehr bestätigte sich für mich ein Kommunikationsphänomen: Menschen hören selektiv, interpretieren und glauben das gehört zu haben, was man meint, gehört zu haben. Das heisst, viele hören das, was sie gehört haben wollen.


Fazit: Der Wahlkampf war aus der Sicht der Medien weniger lau als es einzelne Redakteure empfunden haben. Ich zweifle jedenfalls daran, dass dieses Jahr weniger Bürger mobilisiert werden konnten. Die Stimmbeteiligung wird sich nach meinem Dafürhalten im Rahmen halten und kaum einknicken.



Uebrigens: Zur  Kernfrage der Sendung ARENA: Wer wird siegen? Aus kommunikativer Sicht nur jene Politiker, die eine Botschaft, verständlich, überzeugend und glaubwürdig vermitteln können, die - wie erwähnt - Botschaften visualisieren können, die Verbündete finden, sich vernetzen und die Wähler mobilisieren können. Diese werden siegen. Die Botschafter der Parteien sind ausschlaggebend. Eine wissenschaftlichen Untersuchung (Universität Zürich) bestätigte : Das Image einer Person  schlägt die Fakten.


LINKS



18. Okt. 2009 ... Sowohl die Person als auch die Präsentation beeinflussen den Inhalt wesentlich. Fakten werden durch die Person oder die Darstellung gefärbt. ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/09/10_18/index.html


Nachtrag zur Sendung:




Bild Die «Arena»-Runde mit den Chefredaktoren.
Hannes Britschgi, Roger Köppel, Markus Spillmann und Patrik Müller (von links nach rechts) hören einem Parteienvertreter zu. sf
Die jeweilige Schlagzeile zum Verlauf des Wahlkampfs 2011 wäre für die Chefredaktoren folgende:
«Stinklangweiliger Wahlkampf»
Roger Köppel, Verleger «Weltwoche»
Parteien und Medien hätten die Diskussion über wesentliche Themen verweigert. Ein weiteres Merkmal ist für ihn: «Alle gegen die SVP».
«Spannend auf dem Land, lau in der Stadt»
Patrik Müller, Chefredaktor «Der Sonntag»
Wenn man mit dem Auto über Land fahre, dann rieche es nach Wahlkampf, auch an den Podien werde in ländlichen Regionen intensiv diskutiert.
«Pastell statt grell»
Hannes Britschgi, Publizist Ringier
Der Wahlkampf sei etwas ruhig, aber es gebe sanfte Töne. Über das ganze Jahr hinweg gesehen, sei er interessant gewesen.
«Profilarm»
Markus Spillmann, Chefredaktor «NZZ»
Die Parteien seien fast nicht aufeinander eingegangen. Dies erwecke den Eindruck, dass jede Partei versuchte, sich selber zu positionieren. Kontroversen mit politischen Gegnern sei man aus dem Weg gegangen.
«Arena»: Wer gewinnt die Wahlen 2011?

Mittwoch, 12. Oktober 2011

ARENA befasst sich mit den Wahlen 2011 und will wissen, wer gewinnt.


Aktuelle Sendung vom 14.10.2011

Wahlen 2011: Wer gewinnt...?

In einer Woche fällt die Entscheidung! Chefredaktoren und weitere Beobachter der Schweizer Politszene schauen zurück auf den Wahlkampf und diskutieren wichtige Fragen: Welche Parteien überzeugen am meisten? Ist der Wahlkampf tatsächlich weniger polarisiert als auch schon? Wer wird gewählt? Und: Was heisst das für die Bundesratswahlen im Dezember?

In der Arena diskutieren:
- Externer LinkHannes Britschgi, Publizist Ringier
- Externer LinkRoger Köppel, Verleger und Chefredaktor «Weltwoche»
- Externer LinkPatrik Müller, Chefredaktor «Der Sonntag»
- Externer LinkMarkus Spillmann, Chefredaktor «NZZ»

Weiter in der Sendung:
- Externer LinkMichael Hermann, Politforscher
- Externer LinkMarcus Knill, Kommunikationsberater
- Generalsekretärinnen und-sekretäre der 6 grossen Parteien

Wiederholungen:
Samstag, 15. Oktober 2011
SF 1: 02.35 Uhr und 15.30 Uhr
SF info: zwischen 08.00 und 13.00 Uhr


Nachtrag: Aus persönlich,com

"Arena"

Lädt zur Chefredaktoren-Elefantenrunde

Tamedia bleibt draussen.
Um über den aktuellen Wahlkampf zu diskutieren, hat das Schweizer Fernsehen für einmal Chefredaktoren und andere Beobachter der Schweizer Politszene zur Sendung am Freitag eingeladen. Auf der Gästeliste sind: Hannes Britschgi (Publizist Ringier), Roger Köppel (Verleger und Chefredaktor "Weltwoche"), Patrik Müller (Chefredaktor "Sonntag") und Markus Spillmann (Chefredaktor "NZZ"). Sie werden darüber diskutieren, welche Parteien im Wahlkampf besonders überzeugend waren und wer wohl gewählt wird. Auch mögliche Auswirkungen auf die Bundesratswahlen im Dezember sollen zu Sprache kommen.
Beim Blick auf die Gästeliste fällt auf: Unter den prominenten Namen findet sich niemand der Tamedia, obwohl der Konzern mittlerweile rund 43 Prozent des Schweizer Pressemarktes kontrolliert. Bei Tamedia war man darum ziemlich perplex über die Gästeauswahl des Schweizer Fernsehens: "Wir nehmen den Entscheid, nur Vertreter anderer Schweizer Medienhäuser zu berücksichtigen, erstaunt zur Kenntnis“, sagt Unternehmenssprecherin Eliane Gräser auf Anfrage von persoenlich.com. Doch das Zürcher Traditionshaus will nicht kleinlich sein und der "Arena" keinen Vorwurf machen: "Selbstverständlich ist das Schweizer Fernsehen völlig frei in der Wahl in seiner Gäste."
Doch das Erstaunen seitens Tamedia ist durchaus berechtigt, denn fraglich ist: Warum hat SRF nur Ringier, "NZZ", AZ-Medien und die "Weltwoche" eingeladen? Ist es Absicht, dass Tamedia draussen bleibt? "Ziel war es, Vertreter von verschiedenen Zeitungsarten in der Runde zu haben. In dieser Zusammensetzung sind die Typen Boulevard-Zeitung, Wochenmagazin, Sonntagstitel und klassische Tageszeitung vertreten", erklärt Mediensprecher Martin Reichlin gegenüber persoenlich.com die Auswahlkriterien der "Arena"-Redaktion. Da die Runde auf eine gewisse Grösse beschränkt werden müsse, konnte man dabei nicht sämtliche Medienhäuser berücksichtigen.
Von einem bewussten Ausschluss kann demnach nicht gesprochen werden. Reichlin und auch Gräser weisen darauf hin, dass bei der Wahlsendung "Entscheidung 11" am 23. Oktober auf SF 1 auch Res Strehle vom "Tages-Anzeiger" in der Chefredaktoren-Runde vertreten sein wird. (eh)


2. Nachtrag:



"Arena"

Hannes Britschgi vertritt Ringier-Chefredaktoren

Alle Gäste der Freitagssendung sind bekannt.
Zur "Arena" am Freitag hat das Schweizer Fernsehen verschiedene Chefredaktoren eingeladen: Hannes Britschgi (Publizist Ringier), Roger Köppel (Verleger und Chefredaktor "Weltwoche"), Patrik Müller (Chefredaktor "Sonntag") und Markus Spillmann (Chefredaktor "NZZ") den Wahlkampf diskutieren (persoenlich.com berichtete), Daneben sind auch der Politforscher und "Tages-Anzeiger"-Kolumnist Michael Hermann, sowie der Kommunikationsberater Marcus Knill sind als Gäste ins Studio eingeladen.
Beim Blick auf die Gästeliste fragt sich nicht nur, warum Tamedia in der Chefredaktoren-Elefantenrunde nicht vertreten ist, sondern es fällt auf, dass von Ringier kein Chefredaktor, sondern Publizist Hannes Britschgi teilnimmt. Warum klemmen Ralph Grosse-Bley ("Blick") und Karsten Witzmann ("SonntagsBlick")? Lesen Sie hierzu den Kommentar auf blog.persoenlich.com. (pd/eh)


NACHTRAG:


TV Knatsch


ARENA ohne Frauen - Stämpfli tobt






titelt BLICK.



"Unfassbar" - sagt Regula Stämpfli


Ich zitiere (die Bildlegende unter der Foto kann nicht stimmen):




Keine Männer in der «Arena»: Die Politologin regt sich darüber auf. (Zvg)


«Das ist doch mehr als erstaunlich, dass Frauen schlicht ignoriert werden. Es geht dabei nicht um mich», konstatiert Stämpfli, die selber regelmässiger Gast in der «Arena» ist. Tatsache sei, dass das Thema Frauenquote als Wahlkampfthema nicht existiere.

 SRF-Sprecher Martin Reichlin: «Stimmt. Wir bringen  eine Runde, die aus lauter Chefredaktoren besteht. Leider gibt es nur wenige Chefredaktorinnen. Und diejenigen, die wir anfragten, waren verhindert oder sagten ab.»

Frauen wollten oder konnten nicht


Angefragt wurden mehrere Frauen: Ex-Tages-Anzeiger-Chefin Esther Girsberger weilt im Ausland. Catherine Duttweiler, Chefin des Bieler Tagblatts, sagte ab. Und Susanne Boos (WoZ) weilt ebenfalls ausser Land.

Die Redaktion habe sich redlich bemüht, eine Frau zu finden. Und warum wurde nicht eine Politologin anstelle eines Mannes eingeladen? Reichlin: «Die Redaktion hat Politforscher Michael Hermann eingeladen, weil er in den letzten Jahren intensiv das Wahl- und Abstimmungsverhalten der Bevölkerung erforscht hat.»


Kommentar: Persönlich vertrete ich die Meinung, dass die Programmmacher über die Referenten bestimmen dürfen und ich gehe davon aus, dass Regula Stämpfli nur den inneren Ring gemeint hat. In der ersten Reihe standen nämlich zwei Generalsekretärinnen. Ich gehe nicht davon aus, dass damit der Protest  gegen den Kollegen,  Politologe Michael Hermann, gerichtet war.  Hinsichtlich  Geschlechterproporz bin ich kein Erbsenzähler. Mich stört es auch nicht, wenn es einmal eine reine Frauenrunde ist. In einer Diskussionsrunde sollte es weder Alibimänner noch Alibifrauen geben. 



Eindrückliche Aufnahme des Tages (aus Blick)






Eine Spinne arbeitet schon früh am Morgen, 
entsprechend feucht ist das Netz noch. (Reuters)


Kommentar im Wahlherbst:

Leider sind sich viele Politiker zu wenig bewusst,
wie wichtig das persönliche Netzwerk ist.

Buschauffeur von Ukrainer halb tot geschlagen


Die Problematik mit der Ausschaffung krimineller Ausländer war während der Wahlphase nur von der SVP thematisiert worden und wurde kaum diskutiert. Die anderen Parteien haben dieses Jahr etwas gelernt. Sie haben die Themen der SVP einfach leer laufen lassen und brachten es damit fertig, dass der SVP die Argumentationsplattform gleichsam entzogen wurde. Bei den Minarett- und Schäfchenplakaten führten früher die erbosten Proteste stets  dazu, dass die SVP ständig im Fokus der Aufmerksamkeit stand. Die Gegner wurden zu Steigbügelhalter der SVP.

Folgender Blickartikel - kurz vor den Wahlen - könnte nun der SVP zusätzliche Stimmen bringen. Diese Mediengeschichte weckt  Emotionen.  Bürgerinnen und Bürgern wird  mit dem Vorfall allen wieder bewusst , dass  die Umsetzung der  Ausschaffungsinitiative (die vom Volk angenommen wurde) verzögert wird. Sie sagen sich: So ein Schläger müsste ausgeschafft werden.

  Blick - der alles andere als das Leibblatt der SVP ist - durfte diese Geschichte nicht  ausklammern. Es gibt nämlich bei der Boulevardpresse auch eine Informationspflicht. Vor allem, wenn es um Emotionen, Blut und Tränen geht.

Ich zitiere Blick:


So sieht ein Mann aus, der nur knapp dem Tod entronnen ist.

Das linke Auge von Manuel Garay (60) aus Murg SG ist blutunterlaufen, er kann sich kaum bewegen. Der Bus-Chauffeur hat Prellungen am ganzen Körper, sein Schädel ist gebrochen. «Vom linken Ohr bis rüber zum anderen ist alles kaputt», sagt der gebürtige Spanier. «Ich habe nun Schrauben und Platten im Kiefer. Aber ich bin froh, dass ich noch lebe!»

Der Bus-Chauffeur wurde Sonntagabend beim Bahnhof in Ziegelbrücke GL brutal angegriffen und halb totgeschlagen. (BLICK berichtete).

«Ich hätte sterben können», sagt Garay. Dabei hatte ich noch nie Streit mit Passagieren. Ich fahre sogar Nachtbus und die jungen Leute haben es immer sehr gut mit mir.»

Früher arbeitete Familienvater Manuel Garay als Schreiner. «Doch der viele Staub tat mir nicht gut.» Deshalb setzt er sich vor zehn Jahren ans Bus-Steuer, wird Chauffeur. «Ich habe es nie bereut! Und jetzt ist mir das passiert!»

Zur Attacke kam es um 19 Uhr, kurz vor seiner letzten Fahrt. «Ich sass am Steuer und hatte die Türe offen, damit die Passagiere reinkommen und bei mir ein Billett lösen können.»

Er sieht einen Mann, der direkt vor der Türe eine Zigarette raucht. «Ich sagte ihm, dass er damit bitte etwas weiter weg zu den offiziellen Aschenbechern gehen soll.»

Aber der Ukrainer Denys S.* (24) ignoriert die Aufforderung. Manuel Garay geht zum ehemaligen Bodybuilder raus. Und: «Ich sagte ihm wieder, dass er weiter weg rauchen könne. Und ob ich es ihm noch ein drittes Mal sagen müsse. Da meinte er nur zu mir, ich solle meine Schnorre halten und haute mir voll eine rein!»

Manuel Garay stürzt zu Boden, wird ohnmächtig. Denys S. tritt weiter auf ihn ein.

«Er meinte, ich solle meine Schnorre halten und haute mir voll eine rein.»


Garays Arbeitskollege Peter Thoma (48) verkauft zur Tatzeit im Bus nebenan gerade Tickets, als er die brutale Attacke mitbekommt. Er lässt den Täter laufen, kümmert sich um seinen am Boden liegenden Kollegen. Blut tropft auf den Boden.

Garay wird schliesslich mit der Rega ins Kantonsspital nach St. Gallen geflogen.

«Ich bin Peter sehr dankbar», sagt der Schwerverletzte. «Wer weiss, ob ich ohne ihn überhaupt noch am Leben wäre.» Die Ärzte haben ihn bereits am Kiefer operiert. «Zum Glück lindern die Schmerzmittel das Schlimmste», so der Chauffeur.

Er ist froh, dass die Polizei Denys S. rasch verhaften konnte. Und was sagt er zum brutalen Schlägerangriff des Ukrainers? Manuel Garay: «Er soll hart bestraft werden. Sehr hart!»


Kommentar: Ich habe festgestellt, dass bei der Bevölkerung das Bedürfnis nach Sicherheit sehr hoch ist.
Wenn es die Politiker nicht fertig bringen, die subjektiven Aengste vor willkürlichen Gewalttaten aber auch Sachbeschädigungen  (wie Autos anzünden usw.) in der Bevölkerung zu reduzieren, so sind all jene Vorkommnisse, wie das Zusammenschlagen eines Bus-Chauffeurs, Wasser auf die Mühlen jener Parteien, die sich für Ruhe und Ordnung stark machen.
Nachtrag: 


Nun hat sich gezeigt, dass der Blick einen falschen Täter  abgebildet hatte.


Ich zitierte 20 Min (Blick hat die Korrektur noch nicht publiziert):



Dumm nur, dass der Mann auf dem Bild nicht der Ukrainer ist. Max Muster ist auch nicht 24 Jahre alt, sondern 29-jährig und absolut unschuldig. Sein einziges Vergehen ist, dass er einen ähnlichen Vornamen hat wie der Täter und keinen tadellosen Ruf in Glarus geniesst. Er sei kein Unschuldslamm, sagt eine Leser-Reporterin. Max Muster selbst wollte sich auf Anraten seines Anwaltes zum Fall nicht äussern.


Damit bekommt die Geschichte eine völlig neue Dimension. Sie verdeutlicht, was eine  Publikation bewirken kann. Sie veranschaulicht ferner, wie rasch eine Meinung gemacht werden kann.
Ich zweifle daran, dass all jene, die den Beitrag mit dem UKRAINER gelesen habe, die Korrektur ebenfalls mitbekommen haben. 

Dienstag, 11. Oktober 2011

Aus BLOG Persönlich. com:


Fortsetzung folgt auf Oben-ohne Foto der FDP Frauen

storybild


Vor Wochen habe ich die Werbekampagnen der FDP Frauen analysiert. Ich setzte schon damals einige Fragezeichen zur Werbeaktion mit der Generalsekretärin mit folgender Aufschrift auf dem schwarzen Balken: «Nicht mehr oben ohne».

Nun gibt es eine Fortsetzungsgeschichte, die ich letzte Woche auf 20min.ch las. Auf einem Balken posierte die Generalsekretärin der FDP Frauen im Juli «oben ohne» für mehr Frauen in Führungspositionen. Der «Blick» druckte das Bild unzensiert unter dem Titel «Freisinnige Nacktpanne».  Dafür muss er sich nun verantworten.



Denn für Esseiva war das eine klare Verletzung des Rechts an ihrem Bild und ein massiver Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte. «Niemand darf ohne mein Einverständnis ein bewusst technisch manipuliertes Bild von mir verwenden», sagte sie gegenüber 20min.ch. Deshalb habe sie beim Presserat eine Beschwerde gegen die Zeitung eingereicht.

Natürlich habe die Grafikerin einen Fehler gemacht, als sie eine Datei aufgeschaltet habe, bei der die verschiedenen Bildebenen nachträglich bearbeitbar gewesen seien, räumt Esseiva ein. Sie hätte jedoch nie damit gerechnet, dass dies getan werde. Mit ihrer Forderung an den Presserats werden die Bilder aber weder verschwinden, noch ist eine Richtigstellung zu empfehlen. Weshalb also dieser Schritt? «Mir geht es um das Recht an meinem Bild und um Stil im Journalismus», sagt die Freiburgerin. Es sei eine Chance zu zeigen, dass die Medien mit Frauen und Männern unterschiedlich umgingen. «Wenn der Grüne Nationalrat Bastien Girod nackt vor einem Polizeiauto posiert, finden das alle cool, aber bei mir als Frau macht man den Balken weg.»

Ob das Geschlecht Esseivas tatsächlich eine Rolle gespielt hat beim Entscheid, das Foto ohne Balken zu publizieren, ist offen. Bei Ringier, dem Verlag des «Blicks», wollte man dazu mit Verweis auf das hängige Verfahren keine Stellung nehmen.

Kommentar: In meinem ersten Beitrag über die «Oben ohne» Werbung hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass es bei PR-Aktionen immer auch darum geht, Aufmerksamkeit zu erlangen. Das haben die FDP Frauen mit ihrem Flyer eindeutig erreicht. So gesehen wäre schon die erste Aktion ein PR Erfolg gewesen. Oft wird in der Politik und Kunst nur deshalb provoziert, damit man einen Medienwirbel auslösen kann und zum Medienthema wird. Diese Methode hatte mitunter die SVP jahrelang mit Erfolg angewendet. Provokateure sind stets sauer, wenn sie ignoriert werden. So gesehen könnten eigentlich die FDP Frauen mit ihrer Aktion zufrieden sein. Sie hatten bewusst provoziert. Die FDP Frauen konnten – dank der Diskussionen in der Öffentlichkeit – ihr Anliegen  erläutern. Die jüngste Klage gibt den Frauen eigentlich erneute Publizität. Man spricht einmal mehr vom angeblich gelungenen «Oben-ohne»-Plakat. Die PR-Gruppe der FDP Frauen könnten sich somit erneut auf die Schultern klopfen. Wieder erlangte man mit dem analogen Plakat Aufmerksamkeit. Die Generalsekretärin zeigt sich nun im nachhinein unglücklich. Die Geschichte habe ihr letztlich geschadet, findet sie. «Blick» habe nun mit der Publikation des Bildes – ohne Balken – die Grenze überschritten.

Für mich hat diese  Fortsetzungsgeschichte verschiedene Ebenen:

Es geht um die rechtliche Frage: Hat «Blick» gegen die Persönlichkeitsrechte der Generalsekretärin der FDP Frauen verstossen, obwohl der Fehler bei der Grafikerin lag? Werden die FDP Frauen von dieser Geschichte PR mässig langfristig tatsächlich profitieren oder verlagert sich die Diskussion noch mehr auf jene Ebene, die von den Frauen nie gewünscht wurde (Frau als Sexobjekt)?

Die Geschichte bestätigt einmal mehr, dass es sich bei Marketingaktionen immer lohnt, mit Profis zu arbeiten, die keine dilettantischen Fehler machen. Auf dieses Problem habe ich verschiedentlich bei den heutigen Wahl-Spots hingewiesen, die kontraproduktiv sein können, weil sich Kandidaten vorschnell vor eine Kamera stellen und sich mit ihren Auftritten lächerlich machen.

Aus meiner Sicht das Wichtigste: Steht letztlich die gewünschte Kernbotschaft nach den Mediengeschichten im Zentrum oder war die Aktion doch kontraproduktiv? Das entscheiden immer nur die Adressaten und nicht die Macher. In diesem Fall hatte ich leider keine guten Rückmeldungen erhalten. Aufmerksamkeit zu erlangen ist das nur ein Aspekt. Das Wichtigste beim Marketing ist und bleibt die Vermittlung einer überzeugenden Kernbotschaft. Diese müsste verankert werden.

Marcus Knill
Dienstag, 11. Oktober 2011
Kategorie: Allgemeines