Montag, 19. September 2011

UBS-Chef will nicht gehen: Grübel: «Fühle mich nicht schuldig»
UBS-­ Chef will nicht gehen. Grübel findet:


«Fühle mich nicht schuldig»

Was er aber heute doch eingestehen muss:

"Fühle mich verantwortlich!"


- leider hat er dies zu spät erkannt.


Experten vermuten, dass sich Grübel nicht mehr lange halten kann. 


Kommentar: Für mich ist es unvorstellbar, dass die oberste Führungsebene einer Grossbank vier Tage wartet, bis sie sich persönlich der Krise stellt!  Wenn Grübel noch doch bereit ist die Konsequenzen zu tragen, müsste dies heissen: "Ich trete zurück!"

Samstag, 17. September 2011

Wie Jutta Ditfurth Dialoge sprengen konnte


Die Grünen-Mitbegründerin Jutta Ditfurth hält nicht mehr viel von ihrer ehemaligen Partei: "Die Grünen sind heute nichts anderes als eine FDP mit Fahrrad."





Am 16. September wurde an den 8. Schaffhauser Wirtschaftsimpulsen die Thematik "Wachstum- Fluch oder Segen?" von unterschiedlichsten Seiten beleuchtet. 





Nachdem  Jutta Ditfurth  bei ihrem Impulsreferat mit ihrer pointierten Gegenposition beim Publikum  punkten konnte,  erntete sie dann in der Diskussionsrunde mit der Starbesetzung Wellershoff, Wallraff, Pauli und Deiss unter der Leitung des Medienprofis Brennwald nur noch Minuspunkte.


Die Veranstalter wünschten bewusst eine konkradiktorische Auseinandersetzung mit der vorgegebenen Thematik und das Publikum erlebte dann auch  die Kontrapunkte im Podiumsgespräch und zwar  ungeschminkt und hautnah. Jutta Ditfurth gelang es, sich über alle Regeln der Gesprächskultur hinweg zu setzen. 
Es war erstaunlich, wie es es verstand, jeglichen Konsens zu sabotieren und echte Dialoge zu sprengen.
So wie ein pubertierendes Kind, das antiautoriär "erzogen" wurde und sich an keine Regel halten will, spielte sie auf der Klaviatur der Provokation. Sie brachte es sogar fertig, einen Joseph Deiss aus der Reserve zu locken, Wellershoff zu destabilisieren und mit primitivsten Techniken, den Moderator auszuklammern.
Ein paar Beispiele:

Ein Moderator hat bekanntlich in seiner Rolle das Recht und die Pflicht, Fragen zu stellen. Die Teilnehmer müssen sich den Spielregeln  unterordnen. Doch Jutta Ditfurth war nicht bereit, sich befragen zu lassen. Nachdem sich   Reto Brennwald erlaubte, seine Frage zu wiederholen, die Ditfurth als gewiefte Debattiererin nicht beantwortet hatte, griff sie den Moderator mit einer Unterstellung frontal an:
"Sie wollen, dass ich das sage, was Sie wollen. Ich sage, was ICH denke!"
(analog einem pubertierenden Kind, das trotzt und sagt: Ich mache was ICH will!)
Nachdem Ditfurth - sie ist die heutige Vorsitzende der bunten Fraktion -  das Wort ständig an sich gerissen hatte und vom Moderator gestoppt werden musste (was auch seine Pflicht ist) konterte sie: "Ich rede nicht in Schlagzeilen!" (Ein pubertierendes Kind würde sagen: Ich rede solange ich will!)

Wurde Sie hingegen von anderen Gesprächsteilnehmern, die von Ditfurth ständig unterbrochen wurden, freundlich gebeten,  den Satz doch zu Ende sprechen zu dürfen, entgegnete die Provokateurin:
"Wir haben hier einen Dialog!"
Erstaunlich, dass es dieser Frau im Podiums gelang, Deiss mit der ständigen Unterbrechungstaktik so zu destabilisieren, bis er entnervt, dieses provokative Unterbrechen als pathologisch bezeichnete.
Ditfurth gelang es zudem, selbst Wellershoff  zu irritieren, indem sie ihn seine Person nicht neutral und parteiisch bezeichnete.
(So wie ein rebellierendes Kind, das mit Vorwürfen und Unterstellungen Eltern zu manipulieren versteht. Der Trick: Man spielt auf die Person)
Erstaunlich, dass es diese spät pubertierende Politikerin auch fertig brachte, einen Moderator einfach zu ignorieren und auszuklammern. (auch mit Körperhaltung und Blickkontakt). Nachdem Reto Brennwald auf die Spielregeln verwies,  drohte Ditfurth: "Wenn ich nicht sagen kann, was ich will,  verlasse ich das Podium."
(Analog dem Verhalten eines antiautoritär "erzogenen" Kindes, das den Eltern droht, es werde ausziehen, wenn es kein neues Handy bekommt)
Ich beschäftige mich seit Jahren mit Dialogik. Ich habe selten erlebt, wie es jemand so plump fertig bringt, sich über alle  Regeln der Gesprächkultur eigenmächtig hinwegzusetzen. Aeusserlich setzte die Provokantin auch noch einen knallroten Fächer ein, den sie dominant einsetzte. Gockel wollen auch mit dem roten Kamm die eigene Position stärken.

Der Gipfel der Ich-Bezogenheit verriet Ditfurth, indem sie forderte: "Wenn ich schon Gelegenheit habe, vor den Medien meine Sicht darzulegen, so will ich dies hier in Schaffhausen auch tun" (Erinnerte erneut an ein  pubertierendes Kind:  Ich will... ich muss - aber subito!).
Das Schaffhauser Publikum erlebte an dieser spannenden Podiumsveranstaltung live einen Lehrfilm, der  für Kommunikationsseminare verwendet werden könnte. Nicht alle ertrugen zwar diese penetrante ICH-bezogene Provokateurin. Viele verliessen  - offensichtlich genervt - vorzeitig den Saal.

Fazit:
Ein Musterbeispiel, wie sich eine hochintelligente, eloquente Rhetorikerin selbst demontierte, weil sie den Unterschied zwischen Rhetorik und Dialogik nicht kennt.
Das Verhalten Jutta Ditfurth veranschaulicht uns, dass Dialog  Austausch sein muss. Zuhören, sich an Spielregeln halten, das Gegenüber wertschätzen (auch wenn man nicht einverstanden ist mit ihm) gehört zum ABC jeder Kommunikationskultur. Wer diese Voraussetzungen nicht mitbringt, dürfte eigentlich nicht eingeladen werden.
Der Veranstalter brachte es am Schluss erfreulicherweise fertig, das  Streitgespräch - in einer kurzen Zusammenfassung - gekonnt auf einen Nenner zu bringen:

1. Beim Thema "Wachstum- Fluch oder Segen?" scheiden sich die Geister.

2. Eine "Entweder - Oder Haltung" bringt uns nicht weiter.

3. Wachstum kann sowohl Segen sein, als auch  Gefahren in sich bergen.


4.  Wir müssen uns der Grenzen des Wachstum stets bewusst bleiben.


Es gab Feedbacks von Teilnehmern, die das Sprengen des Dialoges nicht bei der Bombenlegerin suchten, sondern bei den Opfern.


So habe ich gehört:


Wellershoff hätte mit seiner wachstumsfreundlichen These die deutsche Referentin gereizt. Er sei im Grunde genommen schuld


Oder: Reto Brennwald hätte sich besser vorbereiten müssen. Er habe nicht recherchiert, mit wem er es zu tun habe.


Zu den Podiumsteilnehmern, die zu Statisten degradiert worden waren, wurde gesagt: Sie hätten die Dominanz der "Spielverderberin" selbst verschuldet. Sie hätten sofort hart kontern müssen.



Nachtrag (Analyse aus dem Blog LUPE)


Lupe, der Satire-Blog: Wirtschaftsimpulse'11 (Kommentar) 





die referentenliste war vielversprechend: 
- klaus w. wellershoff, ökonom und lanjähriger ubs-kadermann,
- günter wallraff, enthüllungsjournalist, autor
- peter pauli, ceo eines solar-technologie-unternehmens
- jutta ditfurth, soziologin, publizistin und gründungsmitglied der grünen deutschlands
- joseph deiss, präsident uno-generalversammlung und alt-bundesrat

In einer ersten runde erläuterten die 5 referenten in einem 20-minütigen kurzreferat ihren standpunkt zum thema. im zweiten teil wurde auf dem podium ziemlich hart und kompromisslos diskutiert.
die eintretensreferate waren grundverschieden aber sehr unterhaltend und zum nachdenken anregend, das podium von unüberbrückbaren ansichten geprägt. reto brennwald, erfahrener schweizer arena- und rundschau-moderator geriet bisweilen durch die impulsive art der teilnehmer an die grenzen seiner möglichkeiten.

ich verzichte auf inhaltliche replik. beschränke mich auf eine kurze einschätzung der leistungen der einzelnen exponenten:

  • wellershoff: trat in gewohnt unterhaltender manier auf, referierte frei und hatte die lacher auf seiner seite. glänzen konnte er mit seinem referat wie auch seinem podiumsauftritt nicht. er schien sich diesmal sichtlich die sache etwas zu leicht gemacht zu haben, war zu wenig auf die gegnerschaft vorbereitet.  auf die attacken von jutta ditfurth reagierte er naiv mit gegenangriffen und fixierte sich fortan nur noch auf ditfurth-konter.
  • wallraff: starkes referat, gut vorbereitet, guter auftritt, gute konter, zeigte wellershoff klar die schwächen seines einstiegsreferates auf. etwas zu negativ-orientiert. im gelang gegen ende immerhin, ditfurth zu überzeugen, vom verlassen des podiums abzusehen. 
  • pauli: etwas farblos, wollte anhand einer firmenpräsentation aufzeigen, warum wachstum notwendig sein muss. immerhin, der erfolg seiner solarunternehmens gibt ihm recht.
  • ditfurth: starkes referat, gute konter und zwischenrufe. erntete zu beginn oft szenenapplaus, auch von wirtschaftsleuten. verspielte aber daraufhin durch ihr arrogantes, überhebliches ich-bezogenes auftreten ohne jeglichen anstand gegenüber moderator und teilnehmern, jegliche sympathien. wurde sie in die enge getrieben, weil sie z.b. schlicht keine lösungen für eine null-wachstumsversion hatte, reagierte sie fast pöbelnd anschuldigend. dass sie gegen ende gar zweimal drohte, das podium zu verlassen, liessen ihre sympathiewerte auch bei linken frappant weiter sinken. 
  • deiss: schwaches referat, verpasste die steilvorlage von wellershoff, begnügte sich, eine aufzählung von erfolgen seiner uno-amtszeit in überlänge darzubieten. deiss verfügt aber über eine gesunde portion trockenen humors, mit dem er angespannte situationen entschärfen konnte. in der diskussion konnte er dann seine stärken zeigen. 
  • moderator brennwald: zu beginn des podiums stark, leitete klar, hielt dann aber dem druck der deutschen diskussions(un)kultur bald einmal nicht mehr stand und gab die leitung im zweiten teil des podiums entnervt aus der hand. deiss sah sich genötigt, brennwald humorvoll zu fragen, ob er ihn unterstützen könne. kontraproduktiv auch, wenn der podiumsleiter den teilnehmern in der schlussrunde gleich mehrere fragen in einem guss stellt.  

2. Nachtrag:
Ditfurths Kommunikationsverständnis verriet sie schon 2008 bei Anne Will. Ich zitiere die Welt:

Wie Jutta Ditfurth bei Anne Will die Nerven verliert

Über explodierende Energiepreise wollte Anne Will in ihrer Sendung reden, doch hoch gegangen ist gestern Abend nur eine: Die Ex-Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth. Sie redete sich um Kopf und Kragen und forderte nebenbei eine Revolution – und weniger "Propagandagesülze" der Energiekonzerne.
Kopfschütteln, schweres Atmen: Knapp eine halbe Stunde begnügte sich Jutta Ditfurth, die Mitbegründerin der Grünen, die 1991 aus der Partei ausgestiegen war, damit, schweigend gelegentlich ihren Fächer hektisch hin- und herzuschütteln, als müsse sie selbst den Strom der Sendung mit Windenergie produzieren.


Dann platze es aus ihr heraus: „Ich kann so viel Propagandagesülze geballt auf einem Haufen mit meinem Temperament nur schwer ertragen“, stöhnte sie. Ein Dorn im Auge waren ihr dabei besonders der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der sich für eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke in Deutschland aussprach und Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie AG. Für den „schlechten Ruf“ der Energiekonzerne in der Öffentlichkeit sei sie „herzlich dankbar“, gab sie Schmitz mit auf den Weg, immerhin bestünden diese zurecht. „Sie reden einfach Blödsinn!“, unterbrach sie Wulff unwirsch an anderer Stelle.

Mit einer sachlichen Diskussion hatte das zwar nicht mehr viel zu tun, sorgte aber wenigstens für einen gewissen Unterhaltungswert im üblichen Parteiphraseneinerlei mit festgeschrieben Positionen.

 

Freitag, 16. September 2011

Unprofessionelles Kommunikationsverhalten der UBS in der jüngsten Krise


Jede Bank weiss: Vertrauen ist die wichtigste Währung einer Bank. Die UBS musste nach der letzten Reputationskrise mit  einer teuren PR Kampagne versuchen, beim verlorenen Vertrauen wieder Boden wett zu machen. vor Tagen brachte es   nun ein Mitarbeiter der Grossbank fertig, die UBS erneut in eine Krise zu stürzen, indem es ihm gelang, sage und schreibe 2 Milliarden Franken in den Sand zu setzen. Keine Bagatelle. Nicht nur die Medien interessieren sich umgehend, wie so etwas überhaupt möglich sein konnte, nachdem die Kontrolle angeblich verbessert worden sein soll. Alle Fachleute waren sich einig: so etwas darf nicht passieren. Vor allem nicht in dieser Höhe



Die Aktien der UBS sackten denn auch unverzüglich auf ein Rekordtief. Nach dieser Neuigkeit schüttleten das Publikum und die  Medien nur noch den Kopf.Der Grund: Niemand konnte es verstehen, dass die UBS Spitze unfähig war, nach dem Vorfall auf Deck zu gehen sich persönlich der Oeffentlichkeit zu stellen und das Bedaueren auszusprechen und zu sagen, dass die Angelegenheit untersucht werde. Doch was tat die Führungspitze: Mit lediglich   ein paar wenigen Zeilen wurden alle Mitarbeiter und die Oeffentlichkeit abgespiesen.

Ein Musterbeispiel, wie man in Krisen nicht kommunizieren darf! Wenn die internen Sparübung durch ein Fehlverhlaten eines einzelnen Mitarbeiter zu Nichte gemacht werden kann, so darf die Oeffentlichkeit erwarten, dass sich die UBS Spitze persönlich zu Wort meldet. Bundesrat Villiger wollte zuerst auch schweigen. Er musste dann zwangsläufig an einer Veranstaltung doch noch kurz das  gravierende Vorkommnis ansprechen. Die Aussage, es gebe keine absolute Kontrolle. Betrug sei in jedem System möglich, kam einer Selbstschutzbehauptung gleich. Selbst wenn Fakten geklärt werden müssen, will man von Chef persönlich hören, dass das Vorkommnis keine Bagatelle ist und die Führungsspitze muss zudem sagen, was geklärt wird und welche Sofortmassnahmen vorgekehrt werden, damit der Schaden eingegrenzt werden kann. Villiger habe ich sonst nicht  als Schönredner erlebt.    


Medienechos (Aus 20 Min):


Milliarden verzockt und keiner hats gemerkt: Die Schweizer Medien gehen mit der Führungsriege der UBS hart ins Gericht. Aber auch die Politiker kriegen ihren Anteil.

«Wir wissen, was wir tun, und wir werden uns nie damit rausreden, dass wir von Risiken überrascht wurden.» Das Zitat von Oswald Grübel vom vergangenen Winter liest sich heute etwas anders, etwas höhnischer vielleicht. Die UBS wurde offenbar kalt erwischt, doch die Risiken, die das Investmentbanking mit sich bringt, waren allen Verantwortlichen bekannt. Viele Kommentatoren im Schweizer Blätterwald fordern Grübels Rücktritt. Die These des Einzeltäters K.A. aus London, der die Grossbank durch unbefugte Zockerei um zwei Milliarden Dollar erleichterte, sei nicht nachvollziehbar, so der Haupttenor vieler Kommentatoren.
Die UBS-Personalverantwortlichen hätten um die Problematik von A.s Profil gewusst, so der «Blick». Wie andere Finanzbetrüger arbeitete der Händler früher im Backoffice und hatte das Know-how, das ihm bei der Kaschierung von Geschäften nützte. Doch schwerwiegender als falsche Personalentscheide sei das Geschäftsmodell des Investment Banking: Aggressivität zahlt sich aus, sprich: Damit können hohe Boni verdient werden. «Der frühere Händler Oswald Grübel hat diese Zockerkultur goutiert und gefördert. Dass die umstrittene Sparte vornehmlich Verluste schrieb, schien er bewusst in Kauf zu nehmen,» so der «Blick» weiter. Schlimmer als der finanzielle Verlust sei der Vertrauensverlust der Bank.


Effekt ist verheerend


Der Kommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung» stösst ins gleiche Horn, geht aber noch einen Schritt weiter. Nicht nur sei das Vertrauen in die UBS angeschlagen, sondern in den Schweizer Finanzplatz. Das Imageproblem sei gravierend. «Die Frage sei erlaubt, warum es trotz verschärften internen Vorschriften und straffer geführten Linienkompetenzen immer noch möglich ist, solche Summen unkontrolliert in den Sand zu setzen. Wer immer hier welche Schlampigkeit begangen hat – der Effekt ist verheerend und schadet just dem, was die Banken fordern: einem ‹sauberen› Finanzplatz (...).»
Und weiter an einer anderen Stelle in der NZZ: «Ernüchtert muss jetzt zur Kenntnis genommen werden, dass Oswald Grübel seiner Forderung nach Nulltoleranz in der UBS nicht die nötige Nachachtung verschafft hat.» Der nach der Subprime-Krise versprochene Kulturwandel sei nicht eingetreten. Ein Köpferollen in der Teppichetage der UBS zu fordern, sei aber noch zu früh. Zuerst müssten die Hintergründe, die zum enormen Verlust führten, geklärt werden. Bis dann könnten die Führungsverantwortlichen der UBS nicht ruhen.


Luft wird dünner


Der «Tages-Anzeiger» folgert aus dem Zockerfall aus London, dass die Luft für Oswald Grübel und Verwaltungsrat Villiger dünner geworden ist, da sie sich bis heute gegenüber der Kritik an der Einheitsbank mit dem integrierten Investmentbanking immun zeigten. Die Zeitung spekuliert, dass ein baldiger Abgang von Grübel und der Rücktritt des Chefs des Investmentbankings, Carsten Kengeter, wahrscheinlich sei.


Für die welsche Tageszeitung «Le Temps» ist ein Rücktritt von Grübel eine «Frage der Moral». Der Milliardenverlust sei «ein Unfall zu viel». Nichts gelernt, so auch das harte Urteil des Kommentars in der «Zürichsee-Zeitung»: «Wenn der UBS noch irgendetwas an ihrer Reputation und Selbstachtung gelegen ist, dann bleibt ihr nur ein Ausweg: sich so schnell wie möglich vom Konzernchef zu trennen,» so das Fazit der Zeitung.
Nach der Finanzkrise von 2008 versprach die UBS, die Investmentbanker an die kürzere Leine zu nehmen. Sollten sich diese Versprechen nun bei der Aufarbeitung der jüngsten Affäre als Luftblasen erweisen, müssen Köpfe rollen, so das «St. Galler Tagblatt». Wer als gebranntes Kind im Risikomanagment wiederholt versagt, hat an der Spitze eines globalen Finanzkonzerns nichts zu suchen. «Zur Tagesordnung übergehen kann die UBS keineswegs.»


Auch Politiker in der Kritik


Im «10vor10» von Donnerstagabend zeigte sich Bankenexperte Hans Geiger schockiert. Er glaubt, dass es im UBS-Skandal Mitwisser gibt. Ein Rücktritt von CEO Grübel sei aber noch zu früh: «Ich denke, man muss in die Zukunft schauen und fragen: Was ist das beste für die Bank, für ihre Kunden, für das Personal und für die Aktionäre. Eine Zukunft mit Oswald Grübel oder ohne ihn: Wir wissen im Moment noch zu wenig.»


Die «Berner Zeitung» kritisiert vor allem die Schweizer Politiker und moniert, dass der neue Skandal im Nationalratssaal (Debatte zur Grossbankregulierung «Too big to fail», Anm. d. Red.) kaum zu einem Umdenken geführt hat. Nationalräte lasen von ihren Manuskripten, als wäre in London nichts passiert. «Die Meinungen sind gemacht. Man will die Grossbanken nicht dazu zwingen, das riskante Investmentbanking abzustossen.»
(kub)

Donnerstag, 15. September 2011

Coach Dich selbst, sonst coacht Dich keiner


Eine Seminarteilnehmerin zeigte mir jüngst das Buch mit dem Titel "Coach Dich selbst, sonst coacht Dich keiner!". Daraus entwickelte sich eine aufschlussreiche Diskussion darüber, welches Coaching  Sinn macht.



Spitzensportler und Topmanger haben seit Jahren einen Coach. Tatsächlich entwickelte sich bei vielen Führungskräften einen Coachingwahn und es ist heute schwierig, sich im Dschungel der Coaching- Angebote  zurecht zu finden. Die Branche wird immer undurchsichtiger. Es fehlen vielfach Wegweiser, die uns vor billigen Einflüsterern und Paradiesvögel  bewahren. Es gibt zwar einige Leitplanken, die uns auf der Suche nach professionellen Beratern weiterhelfen:

- Billige Versprechen mit nicht messbaren Grössen sind immer verdächtig, wie beispielsweise "Mehr Geld im Job". Scharlatane und Schaumschläger vermeiden eindeutige Ziele. Die "Beratung" ist nicht nachhaltig. Die angepriesenen Rezepte sind auch nicht alltagstauglich.

- Ein professioneller Berater zeigt Ihnen, wie sie sich SELBST coachen können

- Er befähigt Sie, Ihre Ziele SELBST zu entwerfen


- Er zeigt Ihnen, wie Sie Unanehmlichkeiten SELBST beseitigen können


- Sie lernen, Grenzen SELBST zu ziehen


Somit spricht der Buchtitel etwas Zentrales der professionellen Beratung an:

Professionelles Coaching heisst "Hilfe zur Selbsthilfe!"
Es setzt messbare, konkrete Ziele, die nachher überprüft werden können und dadurch ist professionelle Beratung immer nachhaltig.


LINK:




KOMMUNIKATION MANAGEMENT 2. Wer möchte nicht seine. SELBST- Kompetenz för- dern? Wer wünscht sich nicht mehr SELBST-Sicherheit? Lange Zeit ...
www.rhetorik.ch

4. Nov. 2008 ... Wer möchte nicht seine Selbst-Kompetenz fördern? Wer wünscht sich nicht mehr Selbst-Sicherheit? Lange Zeit dominierte eine fragwürdige ...
www.rhetorik.ch
Andere motivieren - sich selbst motivieren; aber wie? Manche ... "Andere motivieren können" ist die eine Seite, "sich selbst motivieren" die andere. Beides ist ...
www.rhetorik.ch
Werden Mängel selbst erkannt, kommt es viel schneller zu den erwünschten Verbesserungen. Dank der persönlichen Einsicht braucht es zudem weniger ...
www.rhetorik.ch

Mittwoch, 14. September 2011

Das Bild des Tages:







Die F/A-18 führten über dem Mittelland mit dem Superjumbo eine Abfangübung durch (aus 20 Min).

Vorwort zur individuellen Beratung eines CEOs in dieser Woche



der hofnarr

Hofnarr





Anwälte und PR Berater sind leider nicht die idealsten Berater, wenn es um heikle Medienauftritte geht. Sie erinnern sich noch an Jo-Ackermann, der am21. Januar 2004 die Finger zum Victory-Zeichen gespreizt hat, als er den Gerichtsaal betrat. Es folgte ein Proteststurm, der dem Topbanker beinahe den Kopf kostete.

  Ackermann entschuldigte sich 15 Tage nach dem Faux-pas mit der Begründung:

Seine Anwälte hätten ihm dies empfohlen. Sie hätten gesagt, so zeige er sich locker. Er habe nur diesen Rat befolgt.



"Big Joe" ist nicht der einzige, der mit einer falschen Beratung ein PR-Desaster ausgelöst hat. Ich erinnere an Temporärstellenvermittler Adecco, der nach seiner anwaltlich diktierten Kommunikation in einer Börsenwoche fünf Milliarden Franken vernichtet.


Um in der Oeffentlichkeit zu überzeugen, benötigen sie einen ausgebildeten Hofnarren.


Erkenntnis: Die meisten Unternehmenschefs haben keine Ahnung, wie die Medien ticken. Sie kennen die Sicht der Kunden, Mitarbeiter, der Anleger nicht mehr.

Wenn jemand nur noch im 50. Stockwerk seines Palastes lebt, verliert jemand schnell  die Sicht der Bevölkerung

Die Bewohner auf den Teppichetagen - mit goldenen Fallschirms - brauchen Berater, die ihnen zeigen, dass nicht alles, was sie tun, vom Publikum als richtig erachtet wird.


Ein Berater, darf den Auftraggebern nicht nur Honig ums Maul streichen. Wer nur Good News verkündet, verliert den Status als Hofnarr. Er ist nur noch Hofsänger.


Bei unserem Coaching wird ein Realitäts-Check praktiziert, wie er schon im Mittelalter praktiziert worden ist. Mit dem SPIEGEL!

Ihnen wird bewusst gemacht, wie sie von Aussen wahrgenommen werden.


LINK:


Jean-Paul Sartre hat diese Thematik im Theaterstück 'Bei verschlossenen Türen' aufgegriffen: Ein Raum ohne Spiegel. Der eine sieht sich nur im Andern - in ...
www.rhetorik.ch

Dienstag, 13. September 2011

Illegale Partys und Gewalt


Will die Polizei Gewalt verhindern muss sie rasch einschreiten und Leute rasch verhaften, findet ein Strafrechtsprofessor. In Zürich bei den Kravallen am Bellevue vom letzten Samstag, wurden angeblich nur zwei Personen verhaftet.
Eskaliert die Gewalt, wird den Sicherheitskräften vorgeworfen, sie habe dem Treiben tatenlos zugesehen. Bei Sachbeschädigungen muss dann eingegriffen werden, wonach der Vorwurf folgt, der Einsatz der Polzei viel sei brutal gewesen.


Ich zitiere 20 Min:


Wer hinter der illegalen Bellevue-Party steckt, ist weiterhin nicht bekannt - obwohl Mehrere behaupten, sie seien die «Organisatoren». Eine Schätzung des Schadens liegt nun vor.



  • Tränengas und Gummischrot: Ausschreitungen nach illegaler Party in Zürich 
    100 000 Franken beträgt der Schaden, der am Wochenende rund um das Bellevue angerichtet worden ist. Dies ist jedoch erst eine erste Schätzung der Stadtpolizei nach einer Begehung der Gegend mit Fachleuten. Die Zahl könnte noch steigen. «Wir bekommen laufend neue Schadensmeldungen von Privaten», sagt Stapo-Sprecher Michael Wirz.



Wer die Veranstalter waren, ist indes schwierig zu eruieren. 20 Minuten Online hat mehrere Schreiben von Leuten erhalten, die behaupten, sie hätten die Party organisiert. Reto* sagt: «Wir haben das ursprüngliche SMS verfasst und auch verschickt.» Am Schluss hätten Mehrere mitorganisieren wollen.
Er bezeichnet seine Gruppe als eine von mehreren Veranstaltern von illegalen Parties in Zürich. Das Team sei ein Mix aus DJ's, Musikern, Leuten aus der Elektro-Szene - die meisten seien jung. «Wir veranstalten solche Partys weil wir keine Lust haben, in teure Clubs voller hochnäsiger Leute zu gehen», erklärt Reto weiter.


«Gehen sicher nicht zur nächsten Party»


«Es war uns wichtig, dass die Party friedlich über die Bühne geht, dass es keine Krawalle gibt.» Als Jugendliche habe man beweisen wollen, dass so etwas auch ohne Tumulte gehe. «Leider kamen dann auch gewaltbereite Fussballfans.»


Was das aktuell kursierende SMS mit einer Einladung für eine weitere Party am Samstag in Zürich betrifft, stellt Reto klar. «Das kommt nicht von uns, wir gehen da sicher nicht hin.»


«Polizei muss möglichst viele Personen verhaften»


Mittlerweile hat sich auch der Zürcher Strafrechtsprofessor Martin Killias zu den Ausschreitungen gemeldet. Er verlangt von der Polizei ihre Strategie zu überdenken. Der Fokus der Einsatzkräfte dürfe nicht allein darauf liegen, Sachschäden zu verhindern, so Killias. «Die Polizisten müssten sich darauf konzentrieren, möglichst rasch viele Personen zu verhaften», sagte Killias am Montag Nachrichtenagentur SDA. Am Sonntag waren lediglich zwei Personen verhaftet und angezeigt worden.
Gebe es nach solchen Ausschreitungen nur wenige Festnahmen, erhielten die Gewaltbereiten ein Gefühl der «Risikolosigkeit». «Sie wissen, dass sie randalieren und Private erheblich schädigen können, ohne das etwas passiert», sagte Killias.


«Solche Veranstaltungen sind auf Ausschreitungen angelegt»


Der Strafrechtsprofessor findet es grundsätzlich richtig, dass die Polizei die Party auflösen wollte. «Solche Versammlungen sind auf Ausschreitungen angelegt.» Es sei jeweils nur eine Frage der Zeit, bis die Situation eskaliere.
Die Tumulte seien ein «Happening» mit hohem Unterhaltungswert. Killias hält es deshalb sehr wohl für denkbar, dass sich die Szenen wiederholen.


Ermittlungen laufen auf Hochtouren



Im Hintergrund liefen die Ermittlungen auf Hochtouren, sagte Michael Wirz, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich. «Wir hoffen, weitere Täter festzunehmen.» Bei solchen Ausschreitungen müsse die Polizei immer situativ Massnahmen ergreifen.
Am Samstag seien die Einsatzkräfte sehr stark gefordert gewesen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen und eine Ausweitung der Tumulte zu verhindern. «Diese Sofortmassnahmen waren sehr wichtig». Um die Situation zu entschärfen, seien zudem sehr schnell Kantonspolizisten beigezogen worden.
*Name von der Redaktion geändert
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Kommentar: Insoweit hat Killias recht. Bekommt so eine illegale Party eine Eigendynamik,  zieht sie  die unterschiedlichsten Gruppen an, die gewaltbereit sind und die Chance nutzen können - im Schutze der Massen - die Lust an der Gewalt risikolos auszuleben. Es kommt zu einem Konglomerat von links und rechts, gewaltbereiten Fussball-Hooligans, Jugendlichen, die sich langweilen und Exponenten der linksextremen Szene, wie der schwarze Block, dessen Handschrift wir vor allem am 1. Mai sehen.


Nachtrag: Aus 20 Min ein Erklärungsversuch von







Wie kann eine ursprünglich friedliche Veranstaltung plötzlich derart ausarten?
Claude Ribaux: 



  Wir sind hier mit einem klassischen Phänomen des menschlichen Verhaltens in einer Masse konfrontiert: Sobald jemand ein Tabu bricht, wird es für die anderen einfacher, diese Grenze auch zu überschreiten. Die persönliche Hemmschwelle sinkt deutlich und man gibt sich in einem gewissen Sinn dem Ritual der Masse hin. Alkohol und andere Drogen verstärken diesen Effekt noch.


Generalisieren Sie damit nicht das Verhalten von einer Handvoll Leute, während die grosse Masse keine Gesetzesverstösse beging?


Natürlich muss man da klar differenzieren, nur eine Minderheit hat sich am Samstag straffällig verhalten. Es ist allerdings eine Tatsache, dass bei derartigen Ereignissen immer auch junge Leute mitmachen, die sonst völlig unauffällig leben.


Schwelt also in uns allen ein Gewalttäter?

 
Wir sind nicht zivilisiert geboren, sondern werden es durch unsere Erziehung und Bildung. Anstand und Rücksicht wird einem beigebracht. Sozialpsychologische Versuche wie das berühmte Milgram-Experiment in den Sechzigerjahren zeigen aber, dass Leute in Extremsituationen bereit sind, diese aufgebaute innere Grenze zu verschieben. Es ist wie ein Feuer, das – einmal ausgebrochen – nur noch schwer zu kontrollieren ist. Hinzu kommt, dass man in der Masse seine eigenen Aktionen ohnehin weniger reflektiert.


Wie soll sich die Polizei bei solchen Massenveranstaltungen verhalten?

 
Die deutschen Behörden haben gute Erfahrungen mit sogenannten Konfliktvermittlern gemacht. Das sind speziell ausgebildete Polizisten, die ihr Vorgehen gegenüber potentiellen Krawallmachern so transparent wie möglich machen und ihnen Ultimaten setzen. Das soll aber nicht heissen, dass Gesetzesverstösse einfach toleriert werden dürfen. Im Fall vom Bellevue kam natürlich erschwerend hinzu, dass die Organisatoren nicht erkennbar waren. Die Polizei wusste also gar nicht, an wen sie sich hätte wenden können. Generell gilt, dass sie mit solchen Szenen auf Tuchfühlung bleiben muss.


Haben wir hier – wenn auch in kleinerem Ausmass – mit einem ähnlichen Jugendphänomen zu tun, das vor kurzem die englischen Städte heimsuchte?


Es gibt durchaus Faktoren, die vergleichbar sind. Dennoch besteht meiner Ansicht nach kein direkter Zusammenhang. Die Krawalle in England hatten soziokulturell eine tiefere Ursache als diejenigen vom Bellevue. Die Botschaft der Zürcher Jugend war schlicht: «Wir wollen Party machen und dabei von niemandem gestört werden!»


LINKS:


5. Apr. 2000 ... Politiker, Agitatoren und Bandmanager wissen die Massenphänomene geschickt zu nutzen. Um Massen zu beeinflussen, gab es nicht nur die ...
www.rhetorik.ch