Konzentration auf ETWAS versus Multitasking
In unserem Bereich Medienrhetorik ist die völlige Präsenz vor Mikrofon und Kamera etwas vom Wichtigsten. Sich fokussieren auf das Wichtigste wird bei uns trainiert. Ich kann nicht nur so nebenbei ein Interview geben. Auch ein Coach müsste gelernt habe sich voll und ganz 100%ig auf das Tun zu konzentrieren. In einem lesenswerten Artikel habe ich gelesen, wie sich Multitasking auf das Lernen auswirkt.
Ich zitiere aus NZZ:
Mit den Ohren beim Dozenten und den Augen auf dem Laptop
Multitasking im Hörsaal oder die Grenzen der Aufnahmefähigkeit

Facebook und die News im Auge behalten ohne den Lernstoff zu verpassen: Eine Sache der Unmöglichkeit? (Bild: Frederik Jurk)
Multitasking
bedeutet beispielsweise eine SMS schreiben und gleichzeitig dem
Dozenten zuhören. Geht das? Ja, meinen manche Studierende. Eher nein,
meint die Wissenschaft.
Morgens um acht Uhr. Der Vorlesungssaal ist bis auf den letzten
Platz besetzt. Aber wirklich anwesend scheint nur eine Minderheit der
Studierenden zu sein. Ein Grossteil ist irgendwo im World Wide Web
unterwegs. Laptops und Smartphones sind allgegenwärtig, die eigentliche
Aufmerksamkeit gehört Twitter, Facebook oder der Morgenlektüre der
Online-Zeitung, nicht aber dem Dozenten und seiner redlichen Bemühung,
Wissen zu vermitteln.
Einfluss auf das Denken?
Unter Experten ist die Ansicht weit verbreitet, dass die Allgegenwart
und ständige Verfügbarkeit des Internets auch Auswirkungen auf die
Konzentrationsfähigkeit und die psychische Belastbarkeit von
Studierenden hat. In Internetforen, Zeitungsartikeln und Büchern wird
nicht nur von verändertem Leseverhalten, das mit dem Medienwandel
einhergeht, sondern gar vom Einfluss auf das Denken gesprochen. In
diesen Chor der Kritischen stimmen auch Professoren mit der Klage ein,
dass Studierende nicht mehr in der Lage seien, lange, komplexe Texte zu
lesen.
Aber macht uns das Internet wirklich «dumm», wie der als
Technologiekritiker bekannte Autor Nicholas Carr im amerikanischen
Magazin «The Atlantic» fragt?
Natürlich: Neue Kommunikationsmittel prägen das Leben in mancherlei
Bereichen. Doch bereits das Telefon hat die Kommunikation
revolutioniert; ohne dies hätte die Menschheit intellektuell gesamthaft
gelitten. Eine Entwicklung per se als gut oder schlecht zu bezeichnen,
hält Elsbeth Stern, Professorin für Lehr- und Lernforschung an der ETH
Zürich, denn auch für falsch. Insgesamt sieht sie in neuen Technologien
viel mehr Vor- als Nachteile. Der stereotype Hinweis darauf, dass früher
alles besser gewesen sei, hält sie für ein Zeichen von Bequemlichkeit.
«Als Gesellschaft müssen wir dafür sorgen, dass wir die Nachteile
kennen, um auf sie reagieren zu können, und die Vorteile müssen wir
nutzen.»
Auch Ingrid Tomkowiak, Leiterin der Abteilung Populäre Literaturen
und Medien am Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich, ist
gegenüber neuen Medien und Kommunikationsformen aufgeschlossen. Und sie
plädiert dafür, diese in
didaktischen Formen an den Universitäten
gezielt einzusetzen. Sie meint indes auch zu beobachten, dass in ihren
Lehrveranstaltungen das Schreiben von SMS und das Surfen im Internet
wieder abnimmt. Mittlerweile seien sich die Studierenden bewusst
geworden, wie anstrengend das Multitasking sei, interpretiert die
Wissenschafterin ihre Beobachtung.
Tatsächlich dürfen sich jene Kritiker bestätigt sehen, die das
Multitasking als Ursache von Konzentrationsschwächen sehen.
Eine Studie
der Universität Stanford aus dem Jahre 2009 kommt zum wenig
überraschenden Schluss, dass Studierende, die ihre Aufmerksamkeit
ständig verschiedenen elektronischen Medien gleichzeitig widmen,
insgesamt weniger aufnahmefähig und konzentriert sind.¹
Studierende sehen es anders
Studierende sind jedoch oftmals anderer Meinung. Viele halten
Multitasking für effizient und auch hilfreich. «Ich denke, das ist
lernbar», sagt eine Studentin dazu, ergänzt jedoch: «Und wenn man
während der Vorlesung einmal etwas verpasst, dann steht das Wichtigste
ja im Skript.»
Die Fähigkeit zum Multitasking wird aber nicht nur von optimistischen
Studierenden positiv bewertet, sie scheint auch einen evolutionären
Vorteil zu bescheren. «Gerade weil der Mensch zweigleisig fahren kann,
konnte er gut überleben», meint Elsbeth Stern. Doch die Frage, welche
Auswirkungen gerade neue Medien auf den Menschen und die Gesellschaft
haben, ist abschliessend noch nicht beantwortet. Nicht zuletzt die
Hirnforschung liefert dazu noch kaum verbindliche Aussagen. So kann
beispielsweise eine Studie der University of California von 2009
durchaus unterschiedlich ausgelegt werden:
Sie ergab, dass erfahrene
Internetsurfer beim Googeln im Vergleich zu weniger erfahrenen Probanden
eine gesteigerte Hirnaktivität aufwiesen. Stern meint dazu, dass sich
auch das Anschauen eines nicht jugendfreien Films durch eine gesteigerte
Hirnaktivität auszeichnen könne. Google nicht nur zum Aufspüren von
Pornos, sondern bereits als Porno-Ersatz für Routiniers? Wie auch immer.
Klar ist, dass allein aufgrund einer gesteigerten Hirnaktivität kaum
auf besondere intellektuelle Leistung geschlossen werden kann.
Doppeltes Versagen
Letzten Endes weiss die Wissenschaft in diesem Bereich einfach noch
zu wenig. «Wir denken mit dem Gehirn, so viel wissen wir, aber wie sich
das Denken im Einzelnen in Hirnaktivitäten umsetzt, darüber wissen wir
nichts», sagt die Lernforscherin Elsbeth Stern. In diesem Bereich helfe
die Hirnforschung nicht weiter.
Doch wie auch immer der Befund eines Tages ausfallen wird, fest
stehe, dass beim Lernen und in Lehrveranstaltungen, wo die volle
Konzentration für ein Ereignis verlangt werde, die Nachteile des
Multitasking überwiegen – am Ende gar für beide parallelen Tätigkeiten.
«Wenn man Pech hat, hat man beides schlecht gemacht», sagt Stern – man
hat die Vorlesung verpasst und erst noch die Flirt-SMS an die falsche
Adresse verschickt.
¹ www.stanford.edu/group/knowledgebase/cgi-bin/2011/01/22/separation-anxiety-research-is-getting-more-serious
Folgende Links machen bewusst, wie wichtig die Konzentration bei Lern- und Kommunikationsprozessen ist. Was nicht heissen will, dass auch Multitasking im Alltag ein Vorteil sein kann. Dann nehmen wir aber Informationen bewusst auf vielen Kanälen auf:
1. Juni 2007 ...
Nach jeder Unterbrechung müssen wir uns neu eindenken und neu
einarbeiten. Dies kostet Energie und Zeit. Bei wichtigen oder
komplizierten ...
www.rhetorik.ch/Saegeblatteffekt/Saegeblatteffekt.html - Cached - Similar
20. Juni 2005 ... Dabei jedes Mal 100 prozentig präsent zu sein. Medientraining ist ein Muss Piloten können fliegen - dennoch verbessern sie laufend ihr ...
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Das Verb "vereinfachen" (ver - 1 - fachen) verdeutlicht mit der Zahl eins, dass es immer um die "Reduktion auf das Wesentliche" und um die Frage "Was ist ...
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