Montag, 13. September 2010

Intelligenter Mathematiker narrt Polizei

Ein Heer von Polizisten und ein renitenter Rentner, der nicht gefasst werden kann.

In Biel spielt sich eine unglaubliche Geschichte ab zwischen einem renitenten Rentner und der Elitepolizei. Zwei Mal konnte der studierte Mathematiker nach einem Schusswechsel der Polizei entkommen und der Polizeikommandant musste eingestehen, dass selbst Elitetruppen gegenüber dem Schützen im Nachteil wären, weil dieser seine Flucht minutiös geplant habe und die Polizei nie damit gerechnet hatte, dass es sich bei dem Rentner um einen intelligenten Mann handle, der bereits sei, bis zum Aessersten zu gehen.

Quelle Blick:

Zitat:

BLICK zeigt zum ersten Mal den Garten von Peter Kneubühl. Hier arbeitete er in den letzten drei Jahren immer nachts, grub Löcher. Schüttete sie wieder zu. Die Nachbarn vermuteten, der Rentner wolle ein eigenes Kanalisationssystem graben. Oder plante er schon da seine Amoktat? Hier im Garten entwischte Kneubühl der Polizei auch in der ersten Nacht. Hier schoss er ­einem Polizisten ins Gesicht. Jetzt wird klar, wieso die Polizei so überrascht war, als der Rentner plötzlich aus dem Haus kam. Denn er hatte seine eigene Eingangstür zugemauert. Aus jedem der Fensterläden hatte Kneubühl eine Lamelle rausgebrochen. Damit er die ­Beamten genau beobachten konnte. «Hohe Intelligenz» attestierten die Berner Behörden ­Peter Kneubühl am Samstag an einer Medienkonferenz. Ist Kneubühl zu schlau, um ihn dingfest zu machen? Gestern, kurz vor 14 Uhr, glaubte die Polizei eine Spur des flüchtigen Rentners zu haben. Sie fuhr beim Schulhaus Linde auf. Schwer bewaffnet. Um­stellte die Umkleidekabinen beim Fussballfeld. Platzwart Antonio Scala: «Eineinhalb Stunden standen die Beamten da. Riefen immer wieder in die Umkleidekabinen. Dabei waren da vor kurzem noch Fussballer drin gewesen. Die hätten den Rentner sicher bemerkt.» Niemand antwortet. Dann stürmt die Polizei die Kabine. Aber Peter Kneubühl ist nicht da. Die ganze Aktion: ein Schlag ins Wasser. Die Bewohner des Bieler Linde-Quartiers vermuten, dass sich der Rentner mindestens eine Zeit lang in einem Versteck aufhielt, das in seiner Jugend bei örtlichen Kindern sehr beliebt war. Ein Erdloch am Bord bei den Bahngleisen. Nur wenige Minuten vom Haus des Amokschützen entfernt. «Wir haben uns da früher oft versteckt. Zum Spielen. Manchmal sogar einen ganzen Tag», sagt ein Anwohner. «Peter war auch dabei.» Heute ist das Versteck von den Gleisen aus nicht mehr einsehbar, zu dicht sind die Büsche gewachsen. Ein idealer Unterschlupf für einen Flüchtigen. Anwohner wollen Peter Kneubühl auch in der Nacht auf Samstag im Quartier gesehen haben. Und gestern Schüsse aus einem nahen Wald gehört haben. Polizeisprecher Franz Märki: «Wir haben nicht geschossen.» In ihrer Ratlosigkeit veröffentlichte die Berner Polizei am Sonntag einen Aufruf von Peter Kneubühls Cousin Bobi. Darin appelliert er: «Deine Aktion hat die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht. Deine Begehren und deine Lage werden erkannt. Und viele Leute denken, du seist im Recht. Sollte es aber zu weiteren Verletzten kommen, wird auch die Sympathie für deine Anliegen bei der Bevölkerung schwinden. Peter, ich bitte dich daher, nicht Unrecht mit Unrecht zu vergelten und dich zu melden.»

Ende Zitat

Kommentar: Es ist durchaus denkbar, dass sich der Rentner die Flucht bis in alle Details minutiös vorbereitet hat. Beispielsweise mit Verstecken, in denen er Lebensmittel und Utensilien deponiert hat, um überleben zu können oder seine Identität beliebig ändern zu können. So ist es denkbar, dass er an einem sicheren Ort sein Gewehr deponiert und tagsüber als biederer Normalbürger in gepflegten Kleidern- beispielsweise mit einer Perücke und einem Bart getarnt - unbehelligt die Polizeiorgane beobachten könnte. Nach meinem Dafürhalten müssen wir damit rechnen, dass das Katz- und Mausspiel noch länger andauern wird und der clevere Rentner sich so verhält, dass er sich am Schluss nicht einmal selbst umbringen muss, sondern letztlich beim Katz- und Mausspieles als Opfer von der Polizei niedergeschossen wird. Diese reale Geschichte hat alles zu einer guten Filmgeschichte. Dem Rentner werden wird heute in Kommentaren erstaunlich viel Respekt gezollt und die Polizei hat grösste Mühe, sich zu verteidigen. Bekanntlich ist Schadenfreude die grösste Freude.

20 Min:

Der Rentner Peter K., der vergangene Woche in Biel auf Polizisten geschossen hat, bleibt unauffindbar. Die Polizei tappt offenbar weiterhin im Dunkeln.

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Die Pannenserie der Berner Polizei setzt sich fort. Dass die Polizei nervös ist, verdeutlicht die Ueberreaktion der gefrusteten Beamten in folgendem Bericht :

Folgenschwere Verwechslung:

Vom übereifrigen Einsatz der Sondereinheiten gezeichnet: André Feller in Biel.

Vom übereifrigen Einsatz der Sondereinheiten gezeichnet: André Feller in Biel. Bild: Michel Perret / Le Matin

Seit Mittwoch ist Peter Hans Kneubühl in Biel auf der Flucht. Wie nervös der 67-jährige Rentner die Sondereinheiten der Polizei macht, erfuhr André Feller am eigenen Leib. Der 68-jährige Vaudois, der seit dreissig Jahren in Biel wohnt, befand sich am Donnerstagabend kurz vor 23 Uhr auf einem Abendspaziergang, als ein weisser Mercedes abrupt neben ihm hielt. «Ein Rambo sprang heraus und schrie auf Deutsch, ich solle mich hinlegen», erzählte Feller der Zeitung «Le Matin». Und weiter: «Er ist bewaffnet, vermummt. Er ist sehr nervös. Er zittert mehr als ich. Weil ich nicht schnell genug reagiere, hechtet er mich an und drückt mich zu Boden. Dabei hält er mich mit einem Arm fest am Nacken». André Fellers Gesicht wird beim Einsatz am Boden aufgeschürft.

«Ich gleiche dem Gesuchten ja nicht einmal», sagt Feller zu Tagesanzeiger.ch/Newsnetz. Kneubühl ist laut Beschreibung der Polizei 2 Meter gross, hat weisse Haare und ist Brillenträger. Feller misst 1.80 Meter, er hat graue Haare und trägt keine Brille. Doch obwohl Feller dem gesuchten Kneubühl nicht ähnlich sieht und nur Französisch spricht, nahm ihn der Polizist, ein «Zürcher Rambo», fest und brachte ihn auf den Posten in Biel. Dort steckte die Polizei Feller in eine Zelle. «Ein lokaler Polizist, den ich kenne, fragte mich, warum ich auf dem Posten sei», erzählt er. «Es war ihm peinlich, doch er konnte nichts für mich tun.»

Der Nacken schmerzt und das Geld ist weg

Um fünf Uhr morgens dann habe ihn ein Polizist angeschnauzt: «Geh jetzt nach Hause.» Noch heute kann Feller nicht fassen, was ihm passiert ist. «Ich war einfach in der Nähe von Kneubühls Haus, wie es zu der Zeit noch ein paar andere Bieler waren», sagt er. Er habe keine Abschrankung durchbrochen, auch niemanden beleidigt oder provoziert. Der Polizeieinsatz hatte Folgen, sagt Feller. Sein Nacken schmerze stark, er könne den Kopf kaum bewegen. «Im Spital sagten mir die Ärzte, ein Muskel sei blockiert.» Er müsse jetzt starke Schmerzmittel nehmen. Beim Einsatz habe er zudem sein Portemonnaie verloren. Heute Morgen habe ihm die Polizei angerufen, jemand hat sein Portemonnaie abgegeben. Wenigstens habe er seine Karten und Ausweise wieder, sagt Feller. Das Geld sei weg, «aber das ist nicht weiter schlimm.»

Die Berner Kantonspolizei will zum näheren Ablauf des Vorfalls nichts sagen. Man habe den Mann auf seine rechtlichen Möglichkeiten hingewiesen. Die habe Feller allerdings bisher nicht wahrgenommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Nachtrag:

Flugblätter in den Jurahöhen Am Nachmittag teilte die Kapo Bern mit, dass auch fünf Tage nach Beginn des Dramas jede Spur von Peter K. fehle. «In einer in der Geschichte der Kapo Bern einzigartigen Aktion werfen wir nun in der Region Biel und den Jurahöhen Flugblätter ab», sagte Peter Giger, Leiter Prävention bei der Kapo Bern. Auf denen wendet sich «Bobi», der Bekannte von Peter K., in einem Appell direkt an den flüchtigen Rentner. «Es stellt sich die Frage, ob Peter K. überhaupt noch am Leben ist», sagte Kripochef Christoph Kipfer. Aufgrund der Tagebücher wisse man, dass der Amok-Rentner am 8. September seinen Tod eingeplant habe. Es sei aber durchaus möglich, dass er sich einen Plan B überlegt habe.

Kompliziertes Mosaik

«Wir möchten Peter K. kennenlernen», sagte Kipfer weiter. Der Mann habe keine Hobbies, sei in keinem Verein und habe keine Vorlieben. Die Polizei setze derzeit ein kompliziertes Mosaik zusammen, welches nur aus wenigen Informationen bestünde. «Peter K. hat eine Mission. Wir wissen aber nicht welche und wie er sie umsetzt», so Kipfer. Derzeit werde das Haus und der Garten bis ins letzte Detail untersucht. «Wir dürfen nichts übersehen», sagte Kipfer weiter. Er sei weiterhin überzeugt, dass sich die Aggressionen von Peter K. nicht gegen die Bevölkerung, sondern gegen Behörden, Justiz und Polizei richte. «Peter K. wird nicht plötzlich zum Heckenschützen oder Guerilla-Krieger.»

Bereits gibt es PRO KNEUBUEHL Domonstrationen.

Amok-Schütze: Pro-Kneubühl-Demonstration in Biel

Amok-­ Schütze Pro-­ Kneubühl-­ Demonstration in Biel

Sympathisanten in Biel:

Mit einer Kundgebung am Montagnachmittag fordern Aktivisten Kneubühl auf, er solle aktiv werden. (Quelle TAGI)

Sonntag, 12. September 2010

MEDIENRHETORIK

Simonetta Sommaruga wiederholt gekonnt ihre Kernbotschaften

Von Marcus Knill*

Nachdem bekannt wurde, dass die Berner SP Ständerätin Sommaruga zur Nachfolge Leuenbergers antreten will, musste sie sich in Dutzenden von Interview stellen, offensichtlich professionell vorbereitet, wiederholte sie in allen Medien, auch auf dem heissen Stuhl in der Rundschau (SF), die Kernaussagen:

- Ich arbeite lösungsorientiert und bin nicht aufs Polarisieren bedacht

- Ich möchte bei der Bevölkerung verlorene Vertrauen wieder herstellen. Die Glaubwürdigkeit, das Vertrauen in die Regierung hat 1. Priorität. Dann gilt es auch die Sozialwerke zu sichern und nach der Finanzkrise gilt es zu überlegen, was vorgekehrt werden muss, dass unser Staat nicht nochmals in die Geiselhaft von Grossbanken genommen werden kann.

- Ich setze mich für die Schwächeren und die Konsumenten ein

- Ich bin mir bewusst dass es bei der zunehmenden Personifizierung und Mediatisierung der politischen Tätigkeit, schwieriger geworden ist, Kollegialität zu pflegen, so dürfen Bundesräte nicht ihre persönliche Meinung ständig hinausposaunen

- Ich bin überzeugte SP Politikerin, doch erlaube ich mir auch kritische Gedanken. Schon Helmut Hubacher hatte gesagt: Nur eine Partei die zwei Flügel hat, kann fliegen. Ich stehe zu meiner Meinung. In der SP darf man eine andere Sicht der Dinge einbringen. Man müsste mir eine Person nenne, die sagt, ich hätte keinen Rückhalt in der Partei. Es wäre ein Gräuel wenn man in einer Partei nur eine Meinung haben darf.

- Ich würde mir auch als Bundesrätin Zeit nehmen zum Klavierspielen und Romane lesen. Ein Bundesrat soll nicht nur Akten lesen

- Ich politisiere vorausschauend d.h. ich will immer zuerst die Entscheidungsgrundlagen erarbeiten, auch im Zusammenhang mit dem bilateralen Weg mit Europa. Ich bin für eine offene Schweiz, für die Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Zur Frage des Wunschdepartementes: Ein Kandidat muss bereit sein, alle Departemente zu übernehmen

Sommaruga will Vertrauen wiederherstellen

(Quelle 20 Min) Die Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga kandidiert offiziell für den Bundesrat. Im Interview erklärt die Kronfavoritin, was sie am Amt reizen würde und warum sie auch als Bundesrätin noch Klavier spielen würde.

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Simonetta Sommaruga gibt ihre Kandidatur bekannt. (Keystone)

Frau Sommaruga, was hat Sie zu Ihrem Entscheid bewogen? Simonetta Sommaruga:

Er fiel mir nicht leicht, ich habe mir vier Wochen Bedenkzeit genommen. Schliesslich entschied ich mich für die Kandidatur, weil ich gerne dazu ­beitragen möchte, dass der Bundesrat das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnt.

Was befähigt Sie in besonderem Ausmass dazu?

In meiner politischen Arbeit habe ich bewiesen, dass ich über die Parteigrenzen hinweg­schauen kann. Die Lösung und nicht die sture Ideologie steht für mich im Vordergrund.

Ärgert es Sie, dass Sie ausgerechnet von Ihren politischen Gegnern ins Amt gewählt werden könnten?

Schon um in den Ständerat gewählt zu werden, waren Stimmen aus anderen Lagern notwendig. Ich wehre mich aber dagegen, innerhalb der SP an den Rand gedrückt zu werden. Ich bin gut verankert und fände es sogar gefährlich, wenn es nicht ab und zu parteiinterne Differenzen gäbe.

Man kennt Sie auch als Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz. Bleiben Sie ­diesem Credo treu?

Ganz bestimmt. Dieses Engagement für die Schwächeren ist mir sehr wichtig. Ich erhalte täglich Reaktionen auf meine Funktion und möchte die Nähe zu den Leuten auch als allfällige Bundesrätin unbedingt beibehalten.

Sie sind ausgebildete Pianistin. Kämen Sie als Bundesrätin noch zum Spielen?

Natürlich kann ich der Musik nicht so viel Zeit wie früher widmen, sie ist aber immer noch ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Mit Ständerat Rolf Schweiger habe ich sogar einmal ein vierhändiges Ständchen gespielt.

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Aus einem Interview im Tagesanzeiger:

«In den nächsten Wochen spielen Dinge eine Rolle, die ich nicht beeinflussen kann»: Simonetta Sommaruga gab gestern ihre Bundesratskandidatur bekannt.

Sommarugas Versprechen

SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga hat gestern vor den Medien ihre Kandidatur für die Nachfolge von Moritz Leuenberger begründet. Sie stellte sich als «lösungsorientierte und nicht auf Polarisierung bedachte» Politikerin dar. Mit «Offenheit, Ehrlichkeit, einer vorausschauenden Politik und dem Willen, auch unbequeme und schwierige Fragen anzupacken» möchte sie dazu beitragen, dass der Bundesrat das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnt. «Vorausschauend» heisst für sie etwa, dass der Bundesrat auf die neue Ausgangslage im Verhältnis zur EU reagiert und «Entscheidgrundlagen» für Alternativen zum bilateralen Weg erarbeitet. So seien zum Beispiel auch Norwegens Erfahrungen im EWR genauer zu prüfen. Eine Diskussion über den EU-Beitritt hält sie hingegen aufgrund der geringen politischen Erfolgschancen für «unproduktiv». (paf)

Sie versichern, lange um Ihre Bundesratskandidatur gerungen zu haben. Aber in Tat und Wahrheit haben Sie dieses Amt doch seit Jahren angestrebt.

So ist es nicht. Ich habe mir die Kandidatur in den letzten vier Wochen sehr genau überlegt und mich mit meinen Ängsten und Befürchtungen auseinandergesetzt. Ich habe mich gefragt, ob ich diesem Amt gewachsen bin. Ob ich meine politischen Stärken im Bundesrat einbringen kann. Und ob mir als Bundesrätin genug Freiräume und Zeit für Kreativität bleiben. Das war ein sehr wichtiger Prozess für mich.

Freiräume? Kreativität?

Ich weiss, was für mich lebenswichtig ist: meine Partnerschaft, enge Freundschaften, Klavier spielen, hin und wieder im Garten arbeiten. Und ich will nicht nur Akten lesen, sondern auch Romane, Erzählungen und Märchen.

Sie wollen dafür sorgen, dass die Bevölkerung das Vertrauen in den Bundesrat zurückgewinnt. Mit diesem Anspruch sind schon Doris Leuthard und Didier Burkhalter angetreten – und gescheitert. Warum soll es Ihnen gelingen?

Es wäre vermessen, zu meinen, eine einzelne Person könnte den Wandel schaffen. Aber ich will einen Beitrag leisten. Wenn genug Bundesräte gewillt sind, daran zu arbeiten, wird das Vertrauen in den Bundesrat zurückkehren. Das passiert aber nicht von heute auf morgen. Mit der starken Personalisierung und Mediatisierung der Politik ist es schwierig geworden, Kollegialität zu leben.

Was beinhaltet Kollegialität?

Bundesräte sollen nicht ständig ihre persönliche Meinung hinausposaunen oder gar öffentlich Kollegen schlechtmachen. Und sie müssen bereit sein, sich auf Lernprozesse innerhalb der Regierung einzulassen. Jeder soll mit seinen eigenen Vorstellungen in die Diskussion steigen, aber immer im Bewusstsein, dass der andere recht haben könnte. Zuhören, neugierig bleiben, sich aufeinander zubewegen – solche gemeinsamen Lernprozesse faszinieren mich.

Es heisst, Sie hätten den Gemeinderatskollegen ständig in deren Dossiers hineingeredet. Wollen Sie im Bundesrat besserwisserisch überall eingreifen?

Gut vorbereitet sein, mitreden und mitgestalten – das erwarte ich von jedem Mitglied einer Exekutive. Bundesräte sollen sich Gedanken über die Geschäfte ihrer Kollegen machen. Entscheidend ist aber die Art und Weise, wie sie sich einbringen. Falsch ist es, zuerst an die Öffentlichkeit zu gelangen und erst dann im Kollegium zu diskutieren. Damit eine Regierung funktioniert, sind zudem menschliche Qualitäten wichtig. Man muss einander respektieren.

Die Medien stellen Sie als Lichtgestalt dar – als hochkompetente Brückenbauerin mit Feingefühl und Kommunikationstalent. Ist Ihnen die Topstar-Rolle nicht unheimlich?

Ich bin ein nüchterner Mensch. Heute wird man hochgejubelt und morgen abgeschrieben – so funktionieren die Medien. In den nächsten Wochen werden Dinge eine Rolle spielen, die ich nicht beeinflussen kann. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier kennen mich als Person und wissen, was ich geleistet habe. Wenn sie mich wählen, freut mich das. Aber ich werde mich nicht verbiegen, um gewählt zu werden.

Keine Angst vor dem Obama-Syndrom? Davor, dass Sie die hoch gesteckten Erwartungen nur enttäuschen können?

Es stimmt, ich spüre schon jetzt einen grossen Erwartungsdruck. Aber es ist absurd, so zu tun, als könnte eine neue Bundesrätin das ganze Land verändern. Eine solche Haltung führt zwangsläufig zu Enttäuschungen. Solange ich aber ich selber bleibe, habe ich nicht das Gefühl, ungerechtfertigte Erwartungen zu wecken und Menschen zu enttäuschen.

ANALYSE:

Wenn Frauen laut reden, klingt es oft schrill, unangenehm, nervös. Störend ist es, wenn sich dazu noch die Stimme überschlägt. Wer auch noch unkoordiniert fuchtelt, überzeugt nicht. Viele Politikerinnen haben nicht gelernt, nicht in die Stimmfalle zu tappen. Simonetta Sommaruga hat auch eine recht hohe Stimme. Doch die Stimmfarbe ist angenehm. Sie spricht ausbalanciert und zurückhaltend sanft. Man hört gerne zu. Mir fiel auf, dass sie sich nie provozieren lässt. Sie versteht es - mit einem Lächeln, das die Aussage nicht abschwächt für sich einzunehmen.

Nach meinen Informationen nahm die Politikerin Schauspielunterricht und hat ein Stimmtraining hinter sich. Die Stimmbildung wirkt sich positiv auf die Stimmung aus, die sie verbreitet. Sommarugas Rhetorik beweist einmal mehr, dass Stimme und Art und Weise des Sprechens das Publikum oft stärker beeinflussen als der Inhalt. Bundesrat Furgler tappte beinahe in die Perfektionsfalle, er sprach zu perfekt. Simonetta Sommaruga müsste bei einer Wahl bedenken, dass jene Politiker, die sie wählen sollen, eine herausragende, zu perfekte Kollegin nicht mit Herzblut wählen.

Die protokollierten Interviews haben mich vor allem deshalb überzeugt, weil die Kandidatin die oben erwähnten Kernbotschaften konsequent wiederholt und geschickt in ihre Antworten einbaut.

KOMMENTAR:

Etwas machte mich stutzig: Die Kandidatin betont, dass sie als Bundesrätin weiterhin Klavier spielen möchte, dass sie die Partnerschaft und ihre Freunde weiterhin voll und ganz pflegen werde. Auch wolle sie weiterhin ab und zu im Garten arbeiten. Ferner möchte sie sich auch noch Zeit nehmen, Romane, Erzählungen und Märchen zu lesen.

Wenn Simonetta Sommaruga dem Klavierspiel, der Unterhaltungslektüre und ihrer privaten Gesellschaft eine solch grosse Bedeutung zumisst - aber alle wissen, dass der Bundesrat ein sehr forderndes Geschäft ist - erlaube ich mir die Frage: Kann die Bundesrätin mit ihren Freiräumen den aufreibenden Job in der Praxis noch ungebremst ausüben?

Worauf ist sie stolz? Und welches Fluchwort rutscht ihr am häufigsten heraus? Simonetta Sommaruga stellt sich dem Frontalinterview.

Simonetta Sommaruga im Interview Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal

41 Fragen, zwei Kameras und eine Kandidatin: Simonetta Sommaruga (50), Berner SP-Ständerätin, wurde im Videointerview von 20 Minuten Online auf die Probe gestellt

* Marcus Knill, Experte für Medienrhetorik (www.knill.com). Autor des im virtuellen Buches www.rhetorik.ch

Donnerstag, 9. September 2010

Wir empfehlen eine bildhafte Sprache-

doch müssen die Bilder stimmen

In der Auseinandersetzung um den Bau des neuen Bahnhofes in Stuttgart, hörte ich folgende Drohung:

Es wird einen heissen Herbst geben! Ihr müsst Euch warm anziehen!

Eine Regierungsrätin, der empfohlen wurde, bildhaft zu reden, sagte vor Jahren:

Der Wald muss auch Federn lassen.

Fazit: Analogieen und Bilder müssen übereinstimmen. Ein Wald ist kein Huhn. Weshalb soll ich mich bei Hitze warm anziehen? Sprache hat mit DENKEN zu tun. Die LOGIK darf beim Sprechen nicht ausgeklammert werden. Mein Physiklehrer - der sonst logisch denken konnte - sagte einmal :

Ihr müsst nicht verdunkeln. Es ist hell genug!

Mittwoch, 8. September 2010

Lerntechniken, die sich bewährten

Im Tagi gefunden:

Die 11 Lerntricks der Supermaturandin

Auswendiglernen? Lesen? Nicht unbedingt nötig, meint die erste Schülerin, die an der Kanti Wetzikon alle Maturaprüfungen mit Sechsern abgeschlossen hat.

Kim Borsky, die beste Wetziker Maturandin aller Zeiten, erklärt wie man am besten lernt.

Neun Prüfungen hatten die Maturanden der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) in Wetzikon zu schreiben. Kim Borsky hat sie allesamt mit Sechsern bestanden – Rekord. Den Lesern von Tagesanzeiger.ch erklärt die 18-Jährige, wie man Erfolg hat, ohne Tag und Nacht für die Schule zu lernen.

Borsky ist ohne Zweifel sehr talentiert und mit einem beneidenswerten Kurzzeitgedächtnis ausgestattet. Ihre Sechserserie in so verschiedenen Disziplinen wie Deutsch-Aufsatz oder Mathematik verdankt die Rütnerin aber auch ihrem analytischen Können – sie durchschaut das Schulsystem, die Lehrer und ihre Maschen. Selbst für Schüler, die weniger diszipliniert ans Werk gehen als sie, hat Borsky Tipps auf Lager. (Tagesanzeiger.ch/Newsne

Kommentar: Als Ombudsmann der Kantonsschule Schaffhausen habe ich immer wieder Schülerinnen und Schüler in der Beratung, die nie gelernt hatten, systematisch zu lernen. Kim Borsky kommt auf einen zentralen Punkt, den ich beim effizienten Lernen stets herausstreiche: WENIGER IST MEHR! Bei den meisten Punkten der Top Schülerin geht es um den Grundsatz: Konzentriert Euch auf das WESENTLICHE! Sie unterstreicht die Bedeutung des Markierens, des Rhythmisierens (Spannung Entspannung). Ich finde alle Tipps beachtenswert. Immer wieder stelle ich bei Schulbesuchen fest, dass wir viel zu viel vom Gruppenlernen halten. Meist arbeitet in der Gruppe nur einer und die andern bleiben passiv. Dass sich das Ausklinken bei mathematischen Problemen nicht lohnt, habe ich in der Mittelschulzeit bei mir selbst hautnah erlebt. Wer gute Spicks schreiben kann, hat übrigens gelernt, die Fülle an Wissen auf das WESENTLICHE zu reduzieren. Allein schon das "Spick schreiben" ist aus meiner Sicht ein Lernprozess. Ein Lehrer könnte sogar selbst gefertigte Spicks begutachen und daraus erkennen, wer fähig ist, Wesentliches auf den Punkt zu bringen.

Montag, 6. September 2010

Kachelmann vor Gericht

Bei den wenigen Sequenzen, die ich gesehen habe, sehe ich einen gefassten Angeklagten, mit gepflegtem Aeusseren (Kleid, Haare, sauber rasiert). Gefasst auch mit den Händen auf dem Rücken. Das Gesicht wirkt konzentriert - auch die Augen. Die Klägerin würdigt er mit keinem Blick.

Aus TAGI:

Ein kurzer Auftritt mit vielen Überraschungen

Der erste Verhandlungstag im Prozess gegen Jörg Kachelmann war schnell vorbei – ein Befangenheitsantrag stoppte das Verfahren für eine Woche. Doch schon heute zeigte sich: Beide Seiten kämpfen mit harten Bandagen.

Überraschung am Tag 1: Kachelmann-Prozess vertagt. (Video: Reuters)

Der Herbst hält Einzug

Sonntag, 5. September 2010

Jugendslang oder Balkan-Dialekt bei der SBB?

Aus 20 Min (Leserfoto)

Nicht ganz Deutsch, aber deutlich stand auf einer S-Bahn im Zürcher Hauptbahnhof, dass sie nicht zu betreten sei.

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Oder: Hat sich der Zugführer am Sonntagmorgen einen Scherz erlaubt? (Bild: Leser-Reporter Pädu)