Montag, 31. August 2009

Bild ohne Worte

Nach den tristen Wahlresulten von gestern

Kann Bundespräsident Merz heute aufatmen?

Ich zitiere 20 Min:

Affäre Gaddafi

Heute läuft die Frist ab

Kommen sie oder kommen sie nicht? Bis Ende August dürften die beiden Schweizer Geiseln aus Libyen ausreisen, verkündete Bundespräsident Merz vorletzte Woche nach der umstrittenen Vertragsunterzeichnung. Nun denn - heute ist der 31. August.

Kommentar: An irritierenden Informationen gab es genug. Zuerst hiess es die Geiseln dürften nach Hause. Dann wurde ein Flugzeug nach Libyen beordert um die Geiseln zu holen. Die teure Falcon musste dann nur mit dem Gepäck zurückfliegen. Merz kann hoffen, dass ihn der 1. September erlöst. Doch ist die Affaire nach der allfälligen Rückkehr noch nicht ausgestanden. Es gab zu viele Kommunikationspannen, die nachher eingehend analysiert werden müssen. Ueber die groteske Geschichte (Kniefall vor einem Diktator) zirkulierten bereits zahlreiche Karikaturen. Profiteur der langen Politposse waren die Medien. Sie hatten eine Geschichte, die laufend neu aufgekocht werden konnte.

Bundespräsident verlängert sich selbst die Gnadenfrist

Nachtrag (blick):

Wenn es heute Mitternacht schlägt, und die beiden Schweizer Gaddafi-Geiseln immer noch nicht zurück sind, hat eigentlich das letzte Stündchen von Merz als Bundesrat geschlagen. Denn Merz´ Finanzministerium (EFD) hat sich diese Frist selber gesetzt: Die Geiseln müssen bis 1. September zurück sein. Sonst verliert Merz, wie er selber sagte, das Gesicht. Da morgen in Libyen aber die Feierlichkeiten «40 Jahre Unabhängigkeit» auf dem Programm stehen, müssten die letzten Amtshandlungen für die Ausreisebewilligung für Göldi und Hamdani heute stattfinden und die beiden würden dann sofort zum Flughafen fahren. Deadline jetzt erst morgen Abend Doch im Finanzdepartement von Merz ist man sich der Sache offenbar nicht mehr so sicher, dass die Geiseln heute frei kommen. Das EFD hält sich nun jedenfalls ein neues Hintertürchen offen. Merz-Sprecher Roland Meier sagte auf Anfrage von Blick.ch, die Deadline «bis 1. September» müsse nicht heute Mitternacht ablaufen, sondern könne auch den morgigen Tag einschliessen. Damit verlängt Merz die Gnadenfrist einmal mehr.

Nach seiner Rückkehr von Tripolis am 20. August sagte er noch: «Die beiden in Libyen festgehaltenen Schweizer können in den nächsten Tagen das Land verlassen.» Seitdem sind 10 Tage vergangen. Dann denkt Merz über Rücktritt nach Morgen Abend, 1. September, ist dann aber definitiv Schluss.

Wird Bundesrat Merz zurücktreten, wenn die Geiseln bis dann nicht da sind? «Herr Merz wird sich dann sicher Gedanken machen», sagt Merz-Sprecher Meier gegenüber Blick.ch. «Aber sicher nicht öffentlich.» Diplomatensprache. Im Klartext heisst das: Sind die Geiseln morgen Abend nicht hier, sieht Merz den Rücktritt für unausweichlich.

Wahl für Merz-Nachfolger

«Die Besetzung von Vakanzen erfolgt in der Regel in der Session nach dem Erhalt des Rücktrittsschreibens, dem unvorhergesehenen Ausscheiden oder der Feststellung der Amtsunfähigkeit.» So steht es im Parlamentsgesetz, Art. 133. Das heisst, Merz könnte bereits morgen sein Rücktrittschreiben einreichen. Dann würde es am 16. September sogar zu einer Doppelwahl kommen! Und das Theater um den Couchepin-Nachfolger noch grösser werden. Merz könnte sein Rücktrittschreiben datieren, dass es in der Wintersession zur Ersatzwahl käme.

Tagi:

Um Mitternacht läuft der Countdown für Merz ab

Sollten die beiden Geiseln heute Abend nicht zurück in der Schweiz sein, verliere er sein Gesicht. Dies sagte Hans-Rudolf Merz über sich selbst.

Seine Kritiker warten nur darauf.

Die Spannung lässt nicht nach. Der Politkrimi geht weiter.

Zur aktuellen Fortsetzungsgeschichte:

Qadhafis Scharfmacher lässt Bundespräsident Merz schmoren

Der Generalsekretär des libyschen Aussenministeriums gilt als harter Verhandlungspartner und lässt die Geiseln nicht so schnell ziehen. Ein schlechtes Omen für Merz.

Was spielt er für ein Spiel? Muammar Qahdafi.

Was spielt er für ein Spiel? Muammar Qahdafi. Bild: Reuters

In Bern wartet und wartet und wartet man. Tripolis hat derweil die Hoffnungen auf eine Rückkehr der Schweizer Geiseln noch heute Dienstagmorgen früh platzen lassen. Hinter den neusten Winkelzügen steht Khaled M. Kaim. Der Generalsekretär des Aussenministeriums gilt allgemein als Scharfmacher. Bei ihm laufen die Fäden in der Auseinandersetzung mit der Schweiz zusammen.

Kaim hat gegenüber dem Westschweizer Fernsehen TSR gesagt, die beiden Schweizer müssten wegen den Visaübertretungen noch vor den Staatsanwalt und vernommen werden. Und was noch mehr aufhorchen lässt:

Der Vertrag zwischen Bern und Tripolis beinhalte keine Angaben zu den zwei Personen; diese kämen mit Sicherheit nicht so bald frei.

Heute Dienstag feiert Libyen den 40. Jahrestag der Machtergreifung Qadhafis.

Kommentar

Die Geschichte ist für Bundespräsident Hans-Rudolf bereits heute eine persönliche und politische Katastrophe, obschon er von den meisten Parlamentariern geschont wird (Niemand will die Rückkehr der Geiseln gefährden). Merz behauptete seit Tagen, er habe vom libyschen Premierminister einen Brief mit der Zusage erhalten, dass die beiden Manager bis zum 1. September ausreisen dürften.

Nach gut unterrichteten Quellen (Tagi online) hat Merz im Bundesrat erwähnt, der libysche Premierminister habe ihm nebst der Heimreise der zwei Geiseln auch zugesichert, dass die Verfahren gegen die festgehaltenen Manager Max Göldi und Rachid Hamdani «supendiert und eingestellt» würden. Deswegen hätten das Finanz- und Aussendepartement geglaubt, dass die zwei Geschäftsleute bis Ende August frei kämen.

Als der Inhalt des Vertrages publik wurde, war es für mich schon damals unverständlich, dass die beiden Geiseln darin unerwähnt blieben - obschon überall die Geiselbefreiung angeblich erste Priorität hatte.

Nun könnte dieser weitere Formfehler Merz zum Verhängnis werden.

Qadhafi geniesst es zurzeit förmlich, einen Bundespräsidenten vorzuführen und zu demütigen (so wie sein Sohn angeblich gedemütigt worden war) . Bundespräsident Merz hat somit die letzte Hürde noch nicht genommen.

Ferner befinden sich Politiker und Medien in einem Dilemma: Würde nämlich Bundespräsident Wort halten und zurücktreten - nachdem er jetzt das Gesicht verloren hat - wäre dies ein zusätzlicher Triumpf für den libyschen Machthaber. Und dies will ihm niemand gönnen. Anderseits möchten alle den Bundesrat offen kritisieren. Deshalb wird Hans Rudolf Merz trotz aller Pannen und trotz seines unprofessionellen Verhaltens vorläufig geschont noch gut wegkommen und wird im Amt beiben.

Nachdem die Libyer vertragsbrüchig geworden sind, schlug die FDP vor, den Vertrag zu kündigen. (Zitat Blick) .

Die Kohlen aus dem Feuer holen Fällt die Partei damit ihrem Bundespräsidenten, der den Vertrag quasi auf Knien ausgehandelt hat, in den Rücken? «Nein», so der Politologe Michael Hermann. «Ganz im Gegenteil. Sie will das Beste aus der Situation machen und für ihn die Kohlen aus dem Feuer holen. Denn jetzt haben wir die schlechteste Situation: Der Vertrag ist unterzeichnet, die Geiseln sind aber nicht da.» Nahostexperte Ulrich Tilgner weist gegenüber Blick.ch aber auf einen entscheidenden Punkt hin: Die Freilassung der Schweizer Geiseln sei in dem Vertrag nicht erwähnt. Die «schriftliche Zusicherung», wonach die Geiseln bis zum 1. September zurückkehren sollten, sei lediglich vom Eidg. Finanzdepartement (EFD) am 28. August kommuniziert worden: «Libysche Quellen haben bisher meiner Kenntnis nach nichts Entsprechendes veröffentlicht. Ich kenne keine solche libysche Quelle.» EFD soll schriftliche Zusage vorweisen! «Und selbst wenn es eine solche schriftliche Zusage über die Freilassung der Geiseln gibt – ich kann mir nicht vorstellen, dass eine zeitliche Befristung über die Freilassung der beiden Männer festgehalten wurde», erklärt Tilgner. Eine schriftliche Zusage wäre zu diesem Zeitpunkt natürlich hilfreich. Aber: «Das EFD müsste diese Zusage jetzt zeigen: Wer hat die Frist, die beiden Schweizer freizulassen wann, wie und wo zugesichert?» Doch das EFD hüllt sich in Schweigen. Auch heute hiess es auf Anfrage von Blick.ch, dass man nicht bereit sei, das entsprechende Dokument zu veröffentlichen. Gaddafi ist ein schwieriger Fall Den Vertrag mit Libyen jetzt zu sistieren, davon hält Tilgner nichts: «Der Vertrag war nicht glücklich. Jetzt aber davon abzurücken, sendet falsche Signale aus.» Der libysche Ministerpräsident habe beim Merz-Besuch klar und deutlich gesagt: Dies sei nicht das Ende der Affäre, sondern der Beginn der Lösung des Problems. Verzweifelt Druck aufzubauen, würde zu einer neuen Verhärtung der Fronten führen. Es bleibe der Schweiz nur, Libyen mit Nachdruck anzumahnen. Denn Libyen hat noch keine unabhängige Richterinstanz in dem Streit ernannt – und zu einer solchen Ernennung hat es sich tatsächlich bis Ende August vertraglich verpflichtet.

Nachtrag Tagi 1. Sept.:

Libyen will Lösegeld für die Schweizer Geiseln

Laut einem Bericht von Radio Suisse Romande fordert Qadhafi für die beiden Geschäftsleute ein happiges Lösegeld

Aus TAGI:

Karikatur

1/145 Kniefall vor dem Diktator: Hans-Rudolf Merz. Foto: Felix Schaad

Es wird immer enger für Bundespräsident Merz:

Der Nervenkrieg ist noch lange nicht zu Ende

Libyen bestätigt Ausreisesperre für Geiseln Der libysche Aussenminister Musa Kursa sagte gegenüber der Nachrichtensendung 10vor10, die beiden Schweizer Geiseln würden definitiv vor Gericht gestellt. Wann die beiden Schweizer Geschäftsleute ausreisen könnten, werde das Gericht entscheiden. Sie hätten gegen Einreisebstimmungen und «weitere Gesetze» verstossen. Und Kursa drohte weiter: «Niemand kann dem libyschen Rechtssystem etwas vorschreiben». Mit dieser offiziellen Bestätigung nimmt der Druck auf den Schweizer Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz weiter zu. Er hatte nach seinem Kniefall gegenüber dem libyschen Diktator versprochen, die beiden festgehaltenen Schweizer ABB-Mitarbeiter bis zum 1. September frei zu bekommen. Der Bundesrat-Jet war jedoch leer in die Schweiz zurückgekehrt. Jetzt wird definitiv klar: der Nervenkrieg zwischen der Schweiz und Libyen ist noch lange nicht ausgestanden. (SDA/lec)

Sonntag, 30. August 2009

Aussenministerin Calmy-Rey im Gegenwind

Dass die eigenmächtige Aktion des Bundespräsidenten bei der Aussnministerin nicht gut angekommen ist, ist gut nachvollziehbar. Dass sie aber die Auseinandersetzung nicht nur intern ausgetragen hatte und nichgt warten konnte, bis die Geiseln zurückgekehrt sind, ist ein gravierender Kommunikationsfehler, der sich nun rächt.

Ich zitiere die Presse:

Die Intrigantin in der Libyen-Affäre?

Tagi online:

Laut einem Zeitungsbericht werfen die Bundesräte Ueli Maurer und Doris Leuthard Micheline Calmy-Rey vor, eine Intrige gegen Merz zu führen. Anstoss der Empörung waren drei verschickte SMS.

Kommunikationsfauxpas: Micheline Calmy-Rey.

Kommunikationsfauxpas: Micheline Calmy-Rey. Bild: Keystone

Eine SMS-Affäre um Aussenministerin Calmy-Rey empört Ueli Maurer und Doris Leuthard, wie die Zeitung «Sonntag» berichtet. Wurden die Befreiungsbemühungen für die Geiseln vom Aussenministerium EDA unterminiert?

Der Unmut über Micheline Calmy-Reys Kommunikation in der Libyen-Frage ist gross. Es waren SMS aus dem EDA, welche die drei Magistraten auf die Palme trieben. Noch während Merz am Freitag vor einer Woche die Journalisten über seine Reise nach Libyen informierte, erhielten mehrere Medienleute ein SMS aus dem EDA: «Dfae direktion für völkerrecht hat gestrigen vertrag vor der unterzeichnung nicht gesehen.» Damit distanzierte sich das EDA offiziell vom Abkommen, das Merz am Tag zuvor mit Libyen geschlossen hatte.

Schockiert über Desavouierung

Im Finanzdepartement spricht man inzwischen von einer

«unglaublichen Desavouierung des Bundespräsidenten». Man sei «schockiert» über diesen Vorgang.

Es sei ein «unverzeihlicher» Vorgang, der Konsequenzen haben müsse, wenn die zwei Schweizer Geschäftsleute aus Libyen wohlbehalten in der Schweiz zurück seien. Merz selber hatte am Montag via Bundesratssprecher André Simonazzi von den SMS erfahren, weiss die Zeitung «Sonntag» zu weiter zu berichten.

Der Bundespräsident sei «fassungslos» gewesen, heisst es. Verärgert über den Vorfall ist man auch im Verteidigungsdepartement VBS. Das VBS würde sich nie so verhalten. «So etwas würde es bei uns nie geben. Das ist unvorstellbar und undenkbar», sagt Bundesrat Maurers Sprecher Jean-Blaise Defago zum «Sonntag». Auch Bundesrätin Leuthard reagiert. Wäre das in ihrem Departement passiert, wäre eine Administrativuntersuchung eröffnet worden, sagte Doris Leuthard persönlich gegenüber Drittpersonen, wie Recherchen belegen.

SMS aus Frust verschickt?

Das EDA selbst will die SMS-Affäre offiziell nicht kommentieren. Kenner gehen davon aus, dass es Mitarbeiter der Direktion für Völkerrecht waren, welche das SMS verschickten: Aus Frust über das Vertrags-Ergebnis von Merz, nachdem sie monatelang um jedes Wort gerungen hatten. Keine Stellung nimmt auch der Bundesratssprecher. «Über Diskussionen im Bundesrat sage ich nichts», lässt Simonazzi verlauten. Eine Aussage, aus der sich schliessen lässt, dass die SMS-Affäre in der Regierungssitzung vom Mittwoch ein Thema war. Micheline Calmy-Rey persönlich machte am Montag den ersten Schritt auf Hans-Rudolf Merz zu – und lieferte damit eine Geste der Entschuldigung. (mbr)

Libyen-Krise: Was verschweigt Calmy-Rey?

Hat ein interner Streit die Heimkehr der zwei in Libyen festgehaltenen Schweizer zusätzlich verzögert? Aussenministerin Calmy-Rey und ihr Botschafter in Libyen sollen grosse Differenzen gehabt haben.

Setzt die Schweiz unter Druck: Revolutionsführer Moammar al-Qadhafi

Setzt die Schweiz unter Druck: Revolutionsführer Moammar al-Qadhafi

Die Krise

Die beiden Schweizer sitzen seit über einem Jahr in Libyen fest – auf Befehl von Staatschef Moammar al-Qadhafi. Libyens Herrscher ist gekränkt, weil die Genfer Polizei seinen Sohn Hannibal und dessen Ehefrau am 15. Juli 2008 in Genf verhaftet hat und eine Nacht lang festhielt. Qadhafi Junior und seine Frau sollen Hausangestellte misshandelt haben. Worauf Vater Qadhafi zwei Schweizer, die in Libyen arbeiteten, in den schlimmsten Kerker von Tripolis werfen liess. Die beiden wurden zwar schnell wieder aus dem Gefängnis entlassen, warten aber seither in der Schweizer Botschaft auf die Erlaubnis auszureisen.

Der 12. Juli dürfte für den in Libyen festgehaltenen ABB-Kadermann Max Göldi und für den anderen Schweizer ein bitterer Moment gewesen sein: Es war der Tag, an dem die letzte Schweizer Geisel in Mali, von den Entführern freigelassen wurde. Die zwei Schweizer in Libyen warten seit über einem Jahr darauf, dass sie heimkehren dürfen.

«Wieso findet man Lösungen für Mali aber nicht für Libyen», wundert sich Nationalrat Gerhard Pfister (CVP). «Und wieso interessiert es niemanden, ob Bundesrätin Calmy-Rey tatsächlich alles unternommen hat, damit die Geiseln in Tripolis endlich heimdürfen?» Besonders ein Punkt gibt dem Zuger Parlamentarier zu denken: dass mitten in der Krise der Schweizer Botschafter in Libyen, Daniel von Muralt, in Rente gegangen ist.

Keiner im EDA kennt den arabischen Raum besser als der Diplomat mit Berner Wurzeln. Er hat sein halbes Leben im Nahen Osten und Nordafrika verbracht. Von Muralt kennt Land und Leute und ist mit der Kultur vertraut. Als Pfister die Aussenministerin vergangenen Juni in der Fragestunde des Nationalrates darauf ansprach, präzisierte sie: «Der Schweizer Botschafter ist nicht zurückbeordert worden. Er ist in Pension gegangen.» Aber ist das wirklich die ganze Wahrheit? Von Muralt sagt dazu (noch) nichts.

Wann wird von Muralt tatsächlich pensioniert?

Aber Personen aus seinem familiären Umfeld erzählen, der Botschafter werde offiziell erst am 13. Februar 2010 pensioniert. Diese Leute erzählen auch: Der Botschafter beziehe bis Ende August noch Ferien. Trifft dies zu, steht er auch jetzt noch auf der Lohnliste des EDA. Hat sein Abgang also einen anderen Grund?

Seit Wochen gehen in der Bundesverwaltung darüber verschiedene Geschichten herum: Botschafter Daniel von Muralt und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey sollen mächtig Krach haben – weil sie unterschiedlicher Meinung waren, wie man das Problem mit Libyen lösen könne. Als Folge davon sei von Muralt in die Schweiz zurückgekehrt. Ob freiwillig oder nicht, ist nicht klar.

Der Streit wird aber auch durch E-Mails belegt, die der Botschafter an Personen in der Bundesverwaltung verschickte. So hat der Botschafter im Herbst 2008 den Vorschlag eingebracht, der damalige Bundespräsident Pascal Couchepin solle direkt mit dem libyschen Staatschef telefonieren und verhandeln. Denn Moammar al-Qadhafi lehnte und lehnt ein Gespräch mit der Schweizer Aussenministerin ab – weil diese nicht seinem Rang entspricht. Couchepin wäre dazu auch bereit gewesen. Aber Micheline Calmy-Rey legte sich quer.

Libyen hat neuen Botschafter nicht akkreditiert

Viel weiter ist die Aussenministerin mit ihrer eigenen Strategie aber nicht gekommen. Die zwei Geiseln sitzen immer noch in der Schweizer Botschaft in Tripolis, während Qadhafi als Gast des G-8-Gipfels in Italien Helvetien als Mafialand beschimpft, sein gesamte Vermögen von Schweizer Banken abzog und und nebenbei die Einreise eines neuen Schweizer Botschafters monatelang blockierte.

Nach dem Abgang von Muralts im April musste das EDA zudem einen Diplomaten von Kairo nach Tripolis verschieben, damit die zwei Geiseln nicht mutterseelenallein in der Botschaft zurückbleiben. Erst Mitte Juli erhielt der vom Bundesrat als neuer Botschafter gewählte Stephano Lazzarotto eine Einreisebewilligung. Er wird laut EDA vorerst in Libyen aber nur als Geschäftsträger fungieren. Weil Qadhafi keinen neuen Schweizer Botschafter akreditieren will?

Und jetzt muss Micheline Calmy-Rey trotzdem die Hilfe des Bundespräsidenten in Anspruch annehmen – das hat der Bundesrat im Juni so entschieden. Ein Treffen mit Qadhafi fand bisher aber nicht statt. Merz hofft nun auf Vermittlerdienste des Sheiks von Abu Dhabi. Und Micheline Calmy-Rey? Für sie wird die Geschichte auch dann noch nicht zu Ende sein, wenn die zwei Geiseln heimreisen dürfen.

Das EDA war bisher nicht für eine Stellungnahme erreichbar. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Prognose: Nach der Rückkehr der Geiseln folgt bestimmt das grosse interne Wäsche waschen im Bundesrat. Ich vermute, dass trotz internen AUseinandersetzungen wiederum mehr an die Oeffentlichkeit dringt, als es dem Bundesrat lieb ist. Kommt dazu: Wer immer schweigt und die Medien zappeln lässt, muss sich nicht wundern, wenn sich Journalisten Informationen aus anderen Kanälen beschaffen. Das sind dann oft Kanäle, die weniger glaubwürdig sind als der eigene Mediensprecher. Wer nicht informiert, muss erklären, warum er zur Zeit nichts sagen kann und müsste auch bekannt geben, wann die nächsten Informationen zu erwarten sind. In dieser Hinsicht war es leider beim Bundesrat gar nicht zum besten bestellt.

Samstag, 29. August 2009

Der Altweibersommer beginnt

Die Tage werden kürzer- die Schatten länger- Die Wärme ist noch da. Das Wasser misst 25 Grad. Im Wallis war noch Hochsommer. Zurückgekehrt - finde ich schon Anzeichen des Herbstes: Reife Trauben - taunasse Wiesen am Morgen - Anzeichen, dass bald Nebelschleier den Tag begrüssen.

altweibersommer photo by M.J.AL (Quelle: static.twoday.net/images) Einige Kirschbäume hinten im Garten bekommen schon gelbe Blätter.

Nach 20 Min war der August zu trocken:

Widersprüchliche Aussagen rächen sich

Bei Informationen und Kommunikationsprozessen dürfen sich Aussagen nicht widersprechen. Das gilt vor allen in Krisensituationen. Der Grundsatz:

ALLES WAS DU SAGST, MUSS WAHR SEIN - ABER DU MUSST NICHTS ALLES SAGEN, WAS WAHR IST

Beim Kommunikationsverhalten im Bundeshaus sieht es so aus, als würden die Bundesräte diesen Satz überhaupt nicht kennen (An Beratern gibt es bei allen Departementen genug). Immer wieder müssen Aussagen nachträglich korrigiert werden.

Jüngste peinliche Geschichte:

Ich zitiere TAGI:

Kommunikationspanne oder gezielte Fehlinformation?

Die Libyen-Affäre ist wirr und das Departement Merz verheddert sich immer noch stärker:

Gestern hat sich das Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) mit inhaltlich komplett gegensätzlichen Äusserungen widersprochen.

Gestern kehrte die Falcon des Bundesrates aus Tripolis zurück. Qadhafis Geiseln sassen nicht im Flugzeug. Ist der Deal von Merz geplatzt? Tagesanzeiger.ch/Newsnetz bat gleich am Freitagmorgen um 7.30 Uhr beim Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) und seinem Sprecher Roland Meier um Auskunft gebeten.

Die Antwort kam schnell und war kurz:

«Die Falcon ist heute Nacht zurückgekehrt. Sie wird anderweitig benötigt.»

Aber dem Bund würden doch mehrere Maschinen zur Verfügung stehen? Darauf antwortete Meier: «Ja, das ist richtig.» Auch andere Medien vertrauten auf die gleichen Aussagen des Departements Merz.

Der Widerspruch im Communiqué

Doch es dauerte nicht lange, und Überraschendes kam an die Öffentlichkeit. Gegen 10 Uhr sagte Bundespräsident Merz gegenüber Tele Züri, dass die Falcon gar nicht leer gewesen sei. Sondern Gepäck der beiden Geiseln transportiert habe. Ein interessantes Detail.

Und um 10.30 Uhr veröffentlichte das EFD ein Communiqué, dessen Inhalt der Aussage Meiers von 7.30 Uhr völlig widersprach:

«Libyen besteht darauf, dass die beiden Schweizer das Land als Geschäftsleute verlassen. Die Schweiz erfüllte diese Bedingung, indem umgehend die Rückkehr der Falcon angeordnet wurde.»

Das bedeutet, dass Qadhafi die beiden Schweizer auf einem Linienflug ausreisen lassen will. Und so flog der Bundesratsjet nicht heim, weil er anderweitig benötigt wird. Die gestrige Informationspolitik in Bern war nicht gerade vertrauensfördernd.

Das EFD war heute für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Widersprüche irritieren und bedürfen einer Klärung. Widersprüche sind alles andere als vertrauenserweckend.

Verkehrsschild

Aber das EFD schweigt einmal mehr, wenn es reden sollte (So wie mit unterschiedlichen Zungen geredet wurde, als Schweigen wichtig gewesen wäre)

Aus unserer Sicht: BEDENKLICH!

Dienstag, 25. August 2009

Für Bundespräsident Merz wird wahrscheinlich der Kelch demnächst an ihm vorüber gehen und er kann bald aufatmen - glaubten alle. Doch:

Aus dem "BALD" wurde ein Nervenkrieg mit ungewissem Ausgang.

Libyen-Affäre

Quelle 20 Min:

Geiseln kommen heute zurück — Jet gestartet

Bern ist nervös. Noch heute sollen die zwei Schweizer Geiseln aus Libyen eintreffen. Um 12.30 Uhr ist der Bundesratsjet in Bern gestartet. Damit könnte Bundespräsident Hans-Rudolf Merz nach fünf Tagen Kritik einen grossen Erfolg feiern

Libyen spielt auf Zeit. Denn im Vertrag wurde die Geiselfrage nicht explizit erwähnt.

Ich zitiere NZZ:

Ghadhafis Nervenkrieg mit den Geiseln

Gaddafi ist so oder so der Sieger: Er hat alles erhalten was er wollte.

Erich Gysling zur Libyen-Affäre

«Gaddafi-Clan lässt die Schweizer schmoren»

Die beiden Schweizer Geiseln kommen frühestens in ein paar Tagen zurück. Denn ein Gnadeakt würde zum 40. Jahrestag der libyschen Revolution am 1. September passen, sagt Nahost-Experte Erich Gysling im Interview mit 20 Minuten Online.

27.8.09

Humor ist auch eine Antwort:

aus 20 Min (1. Sept)

20 Min:

Affäre Gaddafi

Keine Spur vom Bundesrats-Jet

Das Warten nimmt und nimmt kein Ende: Die zwei in Libyen festgehaltenen Schweizer sind wieder im Besitz ihres Passes sowie eines Ausreisevisums. Zur Ausreise fehlt noch die Zustimmung der Justizbehörde. Diese Zustimmung sei lediglich eine Frage der Zeit, teilte das Finanzdepartement mit.

EINE FRAGE DER ZEIT!!!!!

Kommentar: Diese Gummiformulierung macht deutlich, wie Gaddafi der Schweizer Regierung weiterhin auf der Nase herum tanzt. Weil Bundespräsident Merz die Rückführung mit dem genauen Zeitplan nicht schriftlich ausgehandelt hatte, lässt sich nun der umstrittene Machthaber ZEIT. Ich vertrete die Meinung, dass Bundespräsident Merz schon bei der Ankunft das Gesicht verloren hatte, als er die gravierende Demütigung akzeptiert hatte und es zuliess, dass er nicht von Staatspräsident persönlich empfangen wurde. Diese Schmach hätte er sich nciht bieten lassen dürfen.

Tripolis meldet sich zu Wort: Abkommen wird «umgesetzt»

Tagi

Noch immer stecken die beiden Schweizer Geiseln in Libyen fest. Aus den Mühlen der Bürokratie kommt jetzt aber erstmals ein Bekenntnis – wenn auch ein dürres.

Bern ist im Netz des libyschen Revolutionsführers gefangen: In Tripolis hat man es nicht eilig.

Bern ist im Netz des libyschen Revolutionsführers gefangen: In Tripolis hat man es nicht eilig.

Die libysche Regierung hat das von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz in Tripolis unterzeichnete Abkommen am Mittwochabend für gültig erklärt. Dies meldete Jana, die staatliche Nachrichtenagentur Libyens, am Donnerstag.

Die Regierung habe entschieden «den Wortlaut des Abkommens umzusetzen», hiess es. Das Volkskomitee für Aussenbeziehungen und internationale Zusammenarbeit sei damit beauftragt worden,

«die nötigen Massnahmen in die Wege zu leiten». Was damit genau gemeint ist, geht aus der Jana-Meldung offenbar nicht hervor.

«Eine Frage der Zeit»

Zur Zukunft der zwei seit über einem Jahr in Libyen festgehaltenen Schweizer Geschäftsleute schweigt sich Tripolis weiter aus. Am Dienstagabend hatten die beiden Männer gemäss Angaben aus Bern ihre Pässe zurückerhalten, Ausreisevisen liegen vor. Für die Ausreise fehlt noch die Zustimmung der libyschen Justizbehörde.

Es sei «eine Frage der Zeit», bis diese Zustimmung vorliege, teilte der libysche Premierminister dem Bundespräsidenten Hans- Rudolf Merz mit. Das Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) informierte am Mittwoch über die schriftliche Mitteilung des libyschen Premierministers.

Mutiert die ganze Affaire zu einer veritablen Posse?

Quelle Blick:

Noch ein Pfand in Gaddafis Hand

27.08.2009

TRIPOLIS – Nichts geht mehr in Tripolis: Schweizer Geiseln warten auf Gaddafis Goodwill. Ein 5-Mio-Jet samt Crew auf den Rückflug. Damit hat Merz kaum gerechnet.

Der Bundesrats-Jet hebt in Richtung Tripolis ab. (Philippe Rossier)

Am Montag hob die Dassault Falcon 50 der Schweizer Luftwaffe ab, um die beiden in Libyen festgehaltenen Schweizer zurück in die Heimat zu bringen. Doch der Poker von Bundesrat Merz ging in die Hose.

Gaddafi denkt bisher nicht daran, die zwei Geiseln ziehen zu lassen. Merz muss auf den Goodwill des Despoten hoffen und wird so selber zur Geisel. Und mit dem Bundesrats-Jet hat Gaddafi noch mehr in der Hand. Mit der Hinhalte-Taktik Gaddafis scheint Bundespräsident Merz nicht gerechnet zu haben. 5 Millionen Franken-Geisel Der Kniefall von Hans-Rudolf Merz entwickelt sich immer mehr zum Desaster. Fünf Schweizer Bürger ohne Diplomatenstatus und der Bundesrat-Jet sitzen in Tripolis fest. Das Flugzeug hat zwar Baujahr 1982, ist aber immer noch 5 Millionen Franken wert. Doch der Bundespräsident zögerte nicht, das teure Flugi auf nach Tripolis zu schicken, obwohl er keine Gewissheit hatte, dass die Festgehaltenen nach Hause dürfen.

Libyen-Kenner, wie Jean Ziegler, sind der Ansicht, dass die Schweizer noch lange festgehalten werden könnten. Es sei auch alles andere als klar, dass die Geiseln am 1. September im Zuge der General-Amnestie zum 40 Jahre Jubiläum von Gaddafi ausreisen dürfte

Tagi:

«Qadhafi geniesst es schlicht, seine Macht auszuspielen»

Qadhafi geniesst das Machtspiel

Warum dauert die Freilassung der Schweizer Geiseln so lange. Libyen-Expertin Isabelle Werenfels erklärt, wie Qadhafi tickt – und auf was sich die Schweiz noch gefasst machen muss. Mehr...

Neue Rechtschreibung?

Quelle 20 Min (Der Leser als Reporter):