Mittwoch, 29. Juli 2009

Politik vergisst leider zu rasch. Sie richtet sich nach der Tagesaktualität

Ich hatte die tragische Geschichte mit dem zwei Kampfhunden - die früher ein Kind zerfleischt hatte - im Netz mitverfolgt und damals festgestellt, wie die Medien und Politiker reagierten, nachdem ein Kind von den Hunden zu Tode gebissen wurde. Zuerst grosse Empörung. Gesetzte wurden gefordert. Nach kurzer Zeit wollte man jedoch von Maulkorb- und Leinenzwang bei gefährlichen Tieren nichts mehr wissen. Auch das Bundesamt für Veterenärwesen verfolgte damals einen Zickzackkurs. Man überliess es den Kantonen, entsprechende Massnahmen festzulegen. Bald war die Geschichte wieder vergessen. Es kam nur zu kleinen Anpassungen (Kurse für Hundehalter usw.)

Nachdem in Schaffhausen erneut in Kind von einem gefährlichen Rottweiler gebissen wurde, erfolgte wiederum ein Aufschrei der Empörung in der Oeffentlichkeit. Ich bin sicher, dass auch dieser gravierende Vorfall bald vergessen sein wird und man bald wieder zusehen kann, bis ein Kind von einem gefährlichen Hund völlig entstellt oder getötet wird und sich in gewohnter Manier alles wiederholt: Aufschrei - grosse Empörung - dann zurück zur Tagesordnung.

Dass der Kantonstierarzt den unberechenbaren Hund in Schaffhausen einschläfern lassen musste, ist nachvollziehbar. Hätte nämlich das gefährliche Tier später erneut einen Menschen anfallen, wäre es für den Kantonstierarzt ungemütlich geworden. Er musste handeln.

Ich zitiere 20 Min:

Bissiger Rottweiler wird heute getötet

Der junge Rottweiler, der am Sonntag in Schaffhausen einen Vierjährigen schwer verletzt hat, wird im Laufe des Vormittags eingeschläfert. Ein zweiter Rottweiler des gleichen Besitzers wird aus Tierschutzgründen nachmittags getötet.

Nachtrag blick online:

Hätte die Rottweiler-Attacke vom vergangenen Sonntag (Blick.ch berichtete) womöglich verhindert werden können? Wie Recherchen von «10vor10» zeigen, wurde der Rüde im Tierheim Au in Brugg AG als ungefährlich beurteilt. Dorthin kam der Hund, nachdem sein Besitzer Patric Suter im Zusammenhang mit dem Schenkkreis-Mord in Haft genommen worden war. Um zu prüfen, ob die Mutter des Inhaftierten dessen zwei Hunde in ihre Obhut nehmen konnte, klärten Aargauer Hundespezialisten die beiden Rottweiler ab. «Wir sahen trotz dreitägiger Prüfung keine Anzeichen für eine Gefährlichkeit des Hundes», sagt Thomas Rosskamp, Geschäftsführer des Tierheims Au, gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Auch dem behandelnden Tierarzt fiel damals nichts Aussergewöhnliches auf», erklärt Rosskamp. Ein Befund mit Folgen. Denn aufgrund dieser Analyse sah auch die Kantonstierärztin des Kantons Aargau, Erika Wunderlin, keinen Grund, den fraglichen Hund nicht zu Patric Suters Mutter nach Schaffhausen zu geben. Allerdings kennt der Kanton Aargau auch keine besonderen Auflagen für eine solche Platzierung. Dies dürfte sich jedoch in nächster Zeit ändern, denn ein neues Hundegesetz ist in Planung. Darin vorgesehen: eine spezielle Prüfung für die temporären Halterinnen und Halter von gefährlichen Rassen. Dazu sollen auch Rottweiler gehören.

Der Chirurg gibt Auskunft:

Blick: Herr Meuli, wie geht es dem kleinen Ali? Professor Martin Meuli: Sein Zustand ist stabil. Er erholt sich gut von der Operation, und die Heilung macht rasche Fortschritte. Sie waren dabei, als Ali zum ersten Mal der Gesichtsverband gewechselt wurde. Konnten Sie mit ihm sprechen? Ali kann reden, ja. Er hat gelächelt, hat keine Schmerzen. Nach der Visite gibt er mir die Hand. Was fühlten Sie, als Sie an Alis Spitalbett standen? Grosse Betroffenheit, wenn ein «unschuldiges» Kindergesicht derart zerfleischt wird. Grosse Zuversicht aber auch, dass wir als Expertenteam ein optimales Resultat bei der Rekonstruktion erzielen können. Natürlich im Rahmen des Möglichen. Mit welchen Verletzungen wurde der Bub am Sonntag eingeliefert? In der ersten Operation versorgten wir etwa ein Dutzend grosse und teilweise sehr zerfetzte Bisswunden. Sie dauerte 3 ½ Stunden, Ali lag etwa 6 Stunden in der Narkose. Stimmt es, dass der Rottweiler Ali ein Ohr abbiss? Ja, das Ohr wurde halb abgerissen – im Chirurgen-Jargon nennt man das eine Teilamputation. Das Ohr konnte aber wieder rekonstruiert werden. Solche Hundebisse verursachen oft grässliche Entzündungen. Auch bei Ali? Im Moment gibt es keine Anhaltspunkte für eine Infektion. Das Risiko ist aber noch nicht hundertprozentig gebannt. Sind weitere Operationen geplant? Eine Hauttransplantation braucht er nicht. Mit grosser Wahrscheinlichkeit sind auch keine anderen Folgeoperationen nötig. Hat Ali jetzt ein anderes Gesicht? Er wird seine Gesichtszüge behalten. Narben werden bleiben, die verheilen aber bisher gut. Falls er das wünscht, können wir die Narben später mit einer Operation korrigieren. Wie lange muss Ali noch im Kinderspital bleiben? Schon jetzt ist er nicht mehr auf der Intensivstation. Er muss noch ungefähr 10 Tage im Spital bleiben. Auch lebenslange Nachkontrollen drohen ihm nicht.

Chirurg Martin Meuli kümmert sich um den verletzten Ali. (RDB)

Nachtrag Blick (2. August):

Hunde-Attacke: Die Halterin ignorierte alle Warnungen

Polizei schiesst in Biel auf freilaufenden Pitbull, der Leute angriff.

Der Polizei war am Abend ein frei laufender Pitbull an der Madretschstrasse gemeldet worden. Dieser riss Kehrichtsäcke auf, rannte Kindern nach und griff einen Mann an, der sich dem Hund entgegengestellt hatte. Der Mann wurde aber nicht verletzt. Eine Polizeipatrouille fand den Pitbull schliesslich in einer Sackgasse. Das Tier rannte auf einen Polizisten zu, der seine Waffe zog und mehrere Warnschüsse auf den Boden abgab. Dies konnte den Kampfhund nicht aufhalten, weshalb der Polizist auf das Tier schoss und es an der Pfote traf. Der verletzte Hund suchte das Weite, wurde aber bald bei seinem Besitzer gefunden. Der Pitbull wurde verarztet und befindet sich weiterhin in Gewahrsam des Tierarztes. Die Fachstelle Tierdelikte der Kantonspolizei Bern klärt nun ab, was mit ihm geschehen soll. Der Besitzer gab zu, nicht genügend auf den Hund aufgepasst zu haben. Der Hund hatte sich ohne dessen Wissen von zu Hause entfernt. (sda/dct)

Der angeschossene Pitbull befindet sich in Gewahrsam des Tierarztes. (Symbolbild Keystone)

20 Min:

Polizist schiesst Pitbull in die Pfote

Kommentar: Wenn ein Besitzer durch Unaufmerksamkeit riskiert, dass Menschen gefährdet werden, muss die Polizei das Recht haben, die Menschen mit Waffengewalt zu schützen. Uebrigens: Wer Waffen fahrlässig gebraucht, wird auch bestraft. Ein aggressiver Pitbull ist wie eine Waffe.

LINKS:

  1. rhetorik.ch aktuell: Eine unbefriedigende Antwort zur Pitbull-Attacke

    1. Dez. 2005 ... In einem Unfall im Kanton Zürich hatten drei Hunde ein Kind zerfleischt. Das Bundesamt für Veterenärwesen reagierte darauf so, ... www.rhetorik.ch/Aktuell/05/12_01.html - Cached - Similar
  2. rhetorik.ch aktuell: Zick-zackverhalten von Bundesrat Deiss

    ... dem ein Kind von zwei Kampfhunden zerfleischt worden war) die Auffassung, ... von ihm vorgeschlagenen Massnahmen gegen gefährliche Hunde wieder zurück. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/06/03_10.html - Cached - Similar

Freitag, 24. Juli 2009

Couchepin Nachfolge; Das Wahlkarussel dreht sich

Ich zitiere blick-online:

Körpersprache

Trainieren sie ihre Wahrnehmungsfähigkeit mit folgender BEOBACHTUNGSUEBUNG

1. Schritt:

Beobachten Sie eine andere Person genau, wie sie geht, sitzt oder steht!

2. Schritt:

Fragen sie sich: Welcher Eindruck, welche Wirkung, hat die Körperhaltung der Person, deren Körperhaltung sie beschrieben haben?

3. Schritt:

Ziehen sie Schlüsse daraus. Damit sie die Einstellung dieser Person besser nachvollziehen können, ahmen Sie die Stellung dieser Person bewusst nach. Sie werden möglicherweise auf diese Weise herausfinden, mit welcher Einstellung die beobachtete Person kommuniziert. (Die Einstellung wirkt sich bekanntlich auf die Stellung des Körpers aus und umgekehrt!)

4. Schritt:

Diese Selbstbeobachtung dürfen Sie keinenfalls während eines echten Auftrittes oder eines echten echten Dialoges machen (Sie wären sonst nicht mehr 100 prozentig beim Kommunikationsprozess)! Beobachten sie ab und zu ihre Körperhaltung:

FUESSE

BEINE

BECKEN

RUMPF

ARME

HAENDE/FINGER

KOPFHALTUNG

Dank dieser Ueberprüfung erkennen sie rechtzeitig allfällige negative Verhaltensweisen und können so ihre Haltung immer wieder selbst korrigieren, bevor sie sich Negatives angewöhnt haben.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Wir blieben heute vom Hagel verschont.

Im Gegensatz zur Westschweiz:

Quelle NZZ:

1+1= 3

Diese Teamformel gilt auch bei Primaten. Gemeinsam ist man stärker

Folgendes Video sagt mehr als 1000 Worte!

(Quelle 20 Min)

Ein Rudel Paviane öffnet innerhalb weniger Augenblicke die Dachbox eines Autos und macht sich über den Inhalt her. Das Video soll Besucher des englischen Safariparks Knowsely davon abhalten, Wagen mit Dachboxen ins Parkgelände zu fahren.

(Video: Quelle: YouTube)

Ab August gelten die neuen Rechtschreiberegeln

Hier die wichtigsten Neuerungen:

1. Bei Wortzusammensetzungen fallen keine Buchstaben mehr weg: Schifffahrt, Kaffeeernte, Rohheit (Ausnahmen: u.a. dennoch, Hoheit)

2. Stammschreibung: Stängel (statt Stengel), Gämse (statt Gemse), schnäuzen (statt schneuzen), nummerieren (statt numerieren), Tipp (statt Tip).

3. Wenige Fremdwörter können angepasst werden: Mikrofon (statt Mikrophon), Panter (statt Panther), Spagetti (statt Spaghetti)

4. Getrenntschreibung:

a) bei Verb & Verb: kennen lernen, spazieren gehen

b) bei Substantiv & Verb: Acht geben, Rad fahren (aber nicht bei «verblassten Substantiven»: preisgeben)

5. Zusammenschreibung: zwingend nur bei irgendetwas, irgendjemand, umso, desto

6. Kleinschreibung: Ist erlaubt bei Anredepronomen in Briefen: du, ihre, dein, euer

7. Grossschreibung:

a) Tageszeiten: gestern Abend, heute Morgen

b) Substantive bei Getrenntschreibung: in Bezug auf, Eis laufen, Schuld haben

c) Substantivierung nach Artikel: der Einzelne, das Gleiche, als Erster

8. Kommasetzung:

a) Komma darf wegbleiben in Satzreihen vor «und» bzw. «oder»: Er studiert noch und sie ist arbeitslos.

b) Komma darf wegbleiben bei Infinitiv- und Partizipgruppen: Ich hoffe dir eine Freude zu bereiten. Zu Hause angekommen legte er sich hin.

c) Komma ist zwingend bei Infinitiv- und Partizipgruppen mit Hinweiswörtern: Ein Auto zu kaufen, das ist schwer. Ich liebe es, Sport zu treiben.

d) Komma ist auch zwingend bei Infinitiv mit «um zu», «statt zu».

Mittwoch, 22. Juli 2009

Köppel und die Rabenmütter

In verschiedensten Medien wurde jüngst die Frage diskutiert, ob eine Mutter mit Kindern auch ihren Job an der Führungsspitze problemlos meistern könne. Jene Managerinnen, die in einer wichtigen Fürhungspostition weder auf Job noch auf Kind verzichten wollte, erklärten, man müsse nur die Fremdbetreuung der Kinder organisieren (was mit grossen Kosten verbunden ist, wenn die Konstanz der Bezugsperson gewährleitet werden soll). Sie behaupteten, dass eine zufriedene Mutter, die sich selbst verwirklichen könne eine glücklichere Mutter sei. Was jedoch in den meisten Beiträgen ausgeklammert blieb, war die Meinung der Kinder. Die Frage nämlich, was sich eigentlich die Kinder wünschen: Fremdbetreuung oder Präsenz Elternteil? Auch die grosse Bedeutung der Konstanz der Bezugspersonen bei Kleinkindern wurde kaum erwähnt. Im CLUB wurde die Problematik der schwangeren Managerinnen ebenfalls dikutiert. An einer Veranstaltung des Sonntagsblick (an der ich vor wenigen Wochen teilnahm) erklärte Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre. Mit Kindern sei für sie so ein Job nicht möglich gewesen. Sie habe sich für die Karriere entschieden. In meinen Coachings höre ich von CEOs immer wieder: Auf dieser Stufe müsse man jederzeit verfügbar sein und zu Unzeiten wegfliegen können. Teilzeitjobs auf oberster Stufe sei deshalb nicht möglich, weil die Spitze nicht als Team funktionieren kann. Auf dieser Stufe gebe es keine "Fünfer und Weggli" Situation.

TV-Kritik: Roger Köppel diskutiert mit «Rabenmüttern»

Quelle Tagi

Im «Club» waren berufstätige Mütter das Thema des Abends. Der Bogen wurde gespannt von erster Hilfe bei Stürzen über Märchen bis zu VR-Sitzungen – und der Ton blieb erstaunlich friedlich.

Angeregte Runde: Der «Club» vom 21. Juli.

Angeregte Runde: Der «Club» vom 21. Juli. Bild: Club/Schweizer Fernsehen

«Bin ja noch der grösste Theoretiker»: Roger Köppel.

«Bin ja noch der grösste Theoretiker»: Roger Köppel. (Bild: Club/Schweizer Fernsehen)

Links

Der Weltwoche-Chefredakteur setzte gleich zu Beginn der Sendung die Agenda. Die Rolle als Geschäftsführer in einem grossen Unternehmen lasse keine extremen Zusatzbelastungen zu, wie eine Mutterschaft sie bedeute, sagte er. Köppel hatte bereits in einem Editorial die Entscheidung der ABB-Chefin Jasmin Staiblin kritisiert, in den aktuell schwierigen Zeiten 16 Wochen Mutterschaftsurlaub einzuziehen. «Wenn eine Frau ein Unternehmen leitet, muss sie sich dem 100 Prozent unterordnen», sagte er jetzt.

Köppel räumte ein, dass seine Meinung auch von persönlichen Erfahrungen herrühre. «Meine beiden Eltern waren berufstätig», erzählte Köppel der Runde. «Es war für mich der Horror, in den Hort zu gehen.» Wenn er ganz ehrlich zurückdenke, dann habe er die Mutter vermisst, weniger den Vater. «Zu ihr hatte ich den persönlicheren Bezug.» Ein Vater, und das sei keine repräsentative, sondern eine rein persönliche Aussage, bewege sich nicht in derselben Intimsphäre.

Das symbolische Pflästerli...

Rösli Zuppiger, Hausfrau und Mutter, und Claudia Deuber, Teilzeit-Stillberaterin und Mutter, pflichteten dem Chefredakteur bei. Eine Mutter müsse für ihr Kind da sein.

Diese Aussage war der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Diskussion: Die Teilnehmer drehten sich lange Zeit um die Frage, was das genau bedeutet. Zum Sinnbild wurde im Laufe der Debatte das Pflästerli, ein Verbandspflaster, das eben eine berufstätige Mutter dem Kind nicht selber aufkleben könne.

«Das ist richtig», sagte Andrea Degen, Ärztin und Unternehmerin dazu. Ein Pflästerli klebe jeweils nicht sie auf. «Aber ganz ehrlich: Das würde mich auch sehr bemühen.» Für sie sei vielmehr zentral, das sie ihren Kindern vermittle, dass ihre Mutter immer wieder heimkomme. «Ich sage meinen Kindern, ich fliege jetzt ins Ausland, aber ich komme immer zu euch zurück.»

...die Grimm'schen Märchen

Köppel verwies auf die Urangst des Kindes, von seinen Eltern getrennt zu sein. In seiner Generation sei viel zu wenig bedacht worden, was die Berufstätigkeit der Mutter für das Kind bedeute.

.....

Köppel: «Wenn du ganz nach oben willst, musst du dich voll und ganz dieser Herausforderung widmen.» Verantwortung sei unteilbar, und wer Teilzeit arbeite, zeige, dass er entbehrlich sei.

......

Köppel, der selber bald Vater wird, meinte, ein Kind zu betreuen, habe ja wohl nicht denselben Effekt wie Golf zu spielen oder zu wandern. «Meinen Sie? Das habe ich auch mal gedacht», so Degen. Köppel hörte aufmerksam zu und meinte schliesslich: «Ich bin ja hier noch der grösste Theoretiker.» Man darf gespannt sein.