Mittwoch, 27. Mai 2009

Moderieren heisst vor allem, andere zum Reden zu bringen

Es ist ärgerlich, wenn Moderatoren meinen, sie müssten mit diskutieren. Ich habe mich immer wieder bei Frank A. Meyer geärgert, weil er sich beim Moderieren nicht MORDERAT verhalten wollte.

Bei seinen Moderationen sprach er manchmal länger die Befragten und gewichtete seine Position zu offensichtlich . Moderieren heisst jedoch, sich zurücknehmen und ein Gespräch lenken, führen und zum Ziel führen. Ein guter Moderator, bringt die Gesprächteilnehmer zum Reden. Es nimmt sich bewusst zurück. Nach meiner Kritik am Moderationsstil bei Frank A. Meyer sandte mir der bekannte Journalist ein Mail und wollte mir klar machen, dass er einen anderen Moderationsstil pflege, den ich wahrscheinlich nicht kenne, er moderiere nämlich bewusst diskutierend.

Dass es Fälle gibt, bei denen ein Moderator auch mit diskutieren darf, gibt es tatsächlich. Doch handelt es sich dann um eine besondere Moderationsform, wie sie ein Teamleiter kennen muss.

Vor allem in einem Team soll und darf ein Leiter mit diskutieren.

Doch diese Gesprächsleitung hat nichts zu tun mit der üblichen Moderation in den elektronischen Medien.

Im Buch TEAM und KOMMUNIKATION weise ich auf diese besonders heikle Form der Gesprächsleitung hin:

Wenn ein Moderator in erster Linie auf der Prozessebene leiten muss (Gespräch steuern, Zeitplan managen, Langredner zurückbinden und mit Fragen das Gespräch lenkt usw), so darf ein Teamleiter - wie jedes andere Teammitglied - auch auf der Sachebene seine Ideen einbringen.

Doch darf das Team erwarten, dass sich der Teamleiter auch an die Spielregeln hält und auf Uebertretungen sofort reagiert und eingreift. Das Team wünscht vor allem, dass der Teamleiter seine Beiträge nicht bevorzugt oder mehr gewichtet (weil er der Chef ist!) Der Beitrag des Teamleiters darf nicht mehr Gewicht haben, als die Aussagen der Teammitglieder.

Wenn im Team geleitet wird, gilt somit immer, zwischen Prozess und Sachebene zu unterscheiden.

Bei üblichen Moderationen ist ein Mitdiskutieren verpönt.

Die Gesprächsleitung im Team muss deshalb besonders gelernt und geübt werden. Sie ist nicht einfach.

Ich habe mir die Moderation beim Literaturclub verschiedentlich betrachtet und festgestellt, dass in diesem Sendegefäss die Moderation mit der dem Leiten eines Teams verglichen werden könnte. Denn die Moderatorin stellt wie die anderen ein gelesenes Buch ebenfalls selbst vor und darf in der Runde mit diskutieren.

Doch hat sie das gleiche Problem wie eine Gespräachsleiterin eines Teams.

Heute am 27. Mai wurde Iris Radisch im DRS 2 zu ihrer Arbeit als Moderatorin interviewt.

Die Antworten der Moderatorin haben mich interessiert. Die Leiterin des Literaturclubs wurde unter Anderem mit dem Vorwurf konfrontiert, sie dominiere in den Sendungen zu stark und bringe ihre Meinung zu missionarisch ein.

Nach meinem Dafürhalten müsste die Profi Moderatorin folgende Antworten überdenken. Ich setze bei diesen Aussagen einige Fragezeichen. Radisch:

Ich riskiere bewusst viel. Lieber eine riskante Sendung, als eine langweilige.

Ich will nicht (mit Stichworten) abfragend durch eine Sendung führen. Ich will meine Meinung einbringen.

Ich habe etwas Missionarisches und will bewusst Leute dazu bringen, ein Buch gut zu finden.

Ich möchte , dass andere das Buch gut finden, das ich auch gut finde. Und es freut mich, wenn andere das gut finden, was ich gut finde.

Gott sei Dank gehen bei mir manchmal die Pferde durch. Die Sache ist mir zu wichtig und ich kann mich aufregen, wenn...

Ich hatte früher geschireen. Um etwas zu bewirken musste man in Deutschland manchmal mit dem Megafon schreien. In der Schweiz habe ich viel später erkannt, dass das Publikum das Tempo und diese Lautstärke nicht liebt.

Kommentar: Die Berlinerin hatte zwar eingesehen, dass die Schweizer auf die Berliner Schnauze sauer reagieren können. Laut und schnell - aus deutschen Munde - kommt nie gut an. Steinbrück lässt grüssen.

Iris Radisch sollte jedoch auch noch den zweiten Lernschritt wagen und auf das Missionarische verzichten. Sie müsste lernen, zuhörend zu moderieren. Moderieren heisst, nicht nach Stichworten abfragen, sondern mitdenken, Meinungen einander gegenüber stellen und Gegensätze bewusst machen, Sachverhalte herausschälen und auf den Punkt bringen. Dann ist moderieren alles andere als langweilig. Ob Iris Radisch diesen zweiten Lernschritt auch noch unter die Füsse nimmt?

Iris Radisch müsste vielleicht die Frage gestellt werden, ob andere Menschen auch das gerne essen müssen, das sie bevorzugt und die Menschheit jene Kleider schön finden müssen, die der Journalistin gefallen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass eine Moderatorin ein Gespräch dermassen missionarisch führt.

LINKS:

  1. Moderieren - aber wie?

    9. Juni 2001 ... Moderation heisst denn auch ursprünglich Mässigen oder Schlichten zwischen einzelnen oder mehreren Personen. Bereits im 16. ... www.rhetorik.ch/Moderieren/Moderieren.html - 21k - Cached - Similar pages
  2. rhetorik.ch aktuell: Anne Will weiss, was sie will

    27. Okt. 2007 ... Anne Will stellte ihre Vorgängerin Sabine Christiansen in den Schatten. Sie verzichtete auf einstudierte Gesten, wie beispielsweise die ... www.rhetorik.ch/Aktuell/07/10_27/index.html - 17k - Cached - Similar pages
  3. rhetorik.ch aktuell: Bettina Rust - für viele ein Frust?

    Nach unserer Prognose steht Bettina Rust noch ein grosser Frust bevor, falls sie nicht sofort ihre Moderation professionalisiert. Sie fiel am Sonntagabend ... www.rhetorik.ch/Aktuell/05/08_23.html - 13k - Cached - Similar pages
  4. rhetorik.ch aktuell:

    16. Febr. 2003 ... Fazit Zum professionellen Moderieren ist Einfühlungsvermögen eine wichtige ... Das gilt auch beim Moderieren im Unterhaltungsbereich. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Feb_16_2003.html - 10k - Cached - Similar pages
  5. rhetorik.ch aktuell:

    18. Apr. 2004 ... Stefan Klapproth - ein guter Journalist bei "10 vor 10", der die Informationssendung kompetent moderiert - versuchte zwar immer wieder Humor ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Apr_18_2004.html - 5k - Cached - Similar pages
  6. rhetorik.ch aktuell: Röbi Kollers erste Club Moderation

    Es fehlte ihm die Freude am Moderieren. Koller schien viel älter als bei der Sendung Quer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass solche Sendungen ein hohe ... www.rhetorik.ch/Aktuell/09/02_25/index.html - 13k -Cached - Similar pages

Montag, 25. Mai 2009

Bundesrat Couchepin will auf das Kürzel ETH verzichten

Im Ranking steht die ETH vor der EPF in Lausanne. Als Walliser will wahrscheinlich Couchepin Lausanne aufwerten, in dem er für die EPF, das Paul Scherrer Institut und die ETH nur noch einen Namen gelten lassen will: Swiss Federal Institute of Technology. Diese internationale Bezeichnung ist bis jetzt ohnehin zugefügt worden.

Das ETH Brand hat jedoch weltweit Strahlkraft. 21 Nobelpreisträger stammen von dieser renommierten Hochschule. Die drei Buchstaben zeugen von hoher Qualität und sind international bekannt. Marketing Spezialisten wissen, dass ein Name nur dann geändert werden sollte, wenn der Name bekannter werden sollte. Wir fragen uns, was an der Marke ETH verbesserungswürdig sein könnte, wenn die Buchstaben ETH dauernd oben aufschwingt. Die ETH hat gar keinen Grund den Bekanntheitsgrad des Namens zu verbessern. Mit dem Verzicht der bekannten Bezeichnung würde die ETH nur verlieren. Bei renommierten Universitäten und Kaderschmieden geht es vor allem um die Identität und das Profil.

Es ist nicht einzusehen, dass ein Bundesrat nichts Sinnvolleres zu tun hat, als eine der besten Hochschule markenmässig zu demontieren. Couchepin hätte derzeit viel wichtigere Probleme zu lösen. Die Abstimmung über die Anerkennung der Alternativmedizin müsste er eigentlich unverzüglich an die Hand nehmen. Doch der Gesundheitsminister schiebt die Umsetzung des Volkswillens auf die lange Bank. Das Resultat muss ihn masslos geärgert haben. Auch die jüngsten explodierenden Gesundheitskosten wären eine prioritäre Geschichte für ihn. Krankenkassenprämien sollen laut jüngsten Informationen sogar bis zu 20 Prozent steigen. Statt gegen diese unzumutbare Kostenexplosion (in einer Krisensituation) unverzüglich konkrete Massnahmen einzuleiten, beschäftigt sich Bundesrat Couchepin mit dem Kürzel ETH. Es ist leider kein schlechter Scherz. Es ist der ernst gemeinte Vorschlag eines Mitgliedes unserer Landesregierung. Den Kopf schütteln, schmunzeln und zur Tagesordnung übergehen reicht nicht.

Ich gehe davon aus, dass das Parlament diesem Ablenkungsmanöver des Gesundheitsministers noch rechtzeitig einen Riegel schieben wird.

Lernen wie man lernt

Am Samstag hatte ich als Ombudsmann der Kantonsschule Schaffhausen einem Schüler (der das Gefühl hatte, er werde zu schlecht benotet) bewusst gemacht, dass er seine Noten nur verbessern kann, wenn er lernt, wie man lernt. Er ist ein begeisterter Sportler und er erklärte mir, ihm fehle die Zeit zum Lernen. Zeit zum Trainieren hat jedoch genug zur Verfügung. Es zeigte sich während des Gespräches, dass es vor allem am Interesse bei gewissen Fächern mangelte und keine Ahnung hat von all den bewährten Lerntechniken

Ich erzählte ihm von meiner Kantonsschulzeit und sagte, auch ich hätte drei Mal in der Woche im Ruderclub trainiert. Auch mir habe es damals an der Zeit zum Lernen gemangelt. Doch hätte mir dann einfach Techniken angeeignet , um mit wenig Aufwand den Stoff zu beherrschen. Später lernte ich einen Ausbildner kennen der mir bewusst machte: Wer intelligent und faul ist, der lernt am effizientesten. Doch müsse man sich bewusst bleiben: Wie beim Rudern auf dem Rhein treibe man zurück, wenn man stille stehe.

Ruderer
Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Wenn man damit aufhört, treibt man zurück.

(Laotse)

Der Mittelschüler listete mir dann auf, wieviel Schulstoff er zu bewältigen habe. Im Laufe des Gespräches zeigte sich, dass die ungenügenden Noten keine Fehlbeurteilung der Lehrkräfte war. Der Schüler hatte nurnoch nie gelernt, wie man lernt. Deshalb beschränkte sich meine Beratung auf konkreten Tipps zum Thema: "Lernen, wie man lernt."

--> Erste Empfehlung: Machen Sie eine Liste, was Sie alles lernen müssen und erstellen Sie einen Zeitplan. Wieviel Zeit steht mir für jedes Fach zur Verfügung. Damit werden Lernmengen übersichtlicher.

--> Zweite Empfehlung: Während des Unterrichtes mitmachen, immer präsent sein, mitdenken. Dies erleichterte das Lernen enorm. Wer während der Schulstunden vor sich hinträumst und leicht ablenken lässt, hat nicht nur diese Zeit verloren. Die Grundinformationen müssen nachher in der Freizeit zusätzlich erarbeitet werden (Evt. von einem Kollegen). Aufmerksam sein und Mitdenken heisst auch, sich während der Lektionen ständig sich selbst Fragen zu stellen, Fragen die mir der Lehrer an einer Prüfung stellen könnte. Dies verminderte bei mir den Lernaufwand zu Hause enorm. Wichtig waren für mich Randnotizen mit sinnvoller Farbmarkierungen und vor allem das Mitschreiben. Wer mitschreibt, muss die vermittelten Gedanken neu formulieren. Dieses Zusammenfassen ist ein ganz wichtiger Denkprozess. Und Denken ist immer Lernen!

--> Dritte Empfehlung: Verschieben Sie nie alles auf morgen! Schauen Sie sich den Stoff (die Notizen und Randbemerkungen) möglichst nach dem Unterricht noch einmal an und lösen Sie die Hausaufgaben unverzüglich. So werden Sie viel weniger Zeit aufwenden müssen, vor allem wenn Sie sich später auf eine Prüfung vorbereiten müssen. Wenn Sie schon auf dem Schulweg den Stoff repetierend memorieren, können Sie den Stoff zusätzlich verankern. Ich ging oft zu Fuss zur Kantonsschule und konnte beim Durchqueren einer Promenade Zusammenfassungen des letzten Lektion halblaut formulieren. Manchmal nahm ich ein Notizzettel mit. Ich notierte mir wichtige Fachausdrücken oder Vokalbeln, die schwer einzuprägen waren. Uebrigens hat sich gezeigt, dass Schüler, die für eine Prüfung einen Spick schreiben, diesen Spick nachher meist gar nicht mehr benötigen, weil die Reduktion des Stoffes und das Umformulieren bereits ein wertvoller Lernprozess ist. Einen Spick schreiben ist ein hilfreiche Denk- und Festigungsprozess. Als Lehrer könnte man sogar Spickzettel benoten. Er macht bewusst, wie der Schüler denkt, reduziert und strukturiert.

--> Vierte Empfehlung: Pausen und Erholungsphasen einschalten. Sie sind wichtig. Wer nach der Schule den Stoff sofort konzentriert überdenkt und die Hausaufgaben macht, sollte sich nachher erholen! Sport ist ein guter Ausgleich zu der ständigen Präsenz im Unterricht. Ich habe mich oft bei meiner Lieblingsmusik entspannt. Auch beim Klavierspielen. Generell gilt: Rhythmisieren , um regelmässige Lernpausen einzuschalten! Bewegung, genügend Wasser trinken und Obst essen sind hilfreich, um man sich nachher wieder neu zu konzentrieren.

--> Fünfte Empfehlung: Zuerst den einfachen Stoff lernen. Es lohnt sich auch bei schriftlichen Prüfungen, zuerst die leichten Aufgaben zu lösen. Nicht mit der schwierigsten Aufgabe beginnen. Das lohnt sich auch beim Lernen. Ich würde deshalb nie zuerst das schwierigsten Thema anpacken. Es ist motivierend, wenn man einige Fragen rasch gelöst hat. Ich würde auch nie einem Nachmittag stundenlang Vokabeln büffeln. Abwechslung lohnt sich: Lesen, Mathematik, Sprachen usw.

--> Sechste Empfehlung: Arbeiten Sie in Lerngruppen. Ich habe in Zürich unweit der Kantonsschule Enge Schüler angetroffen, die neben mir im Starbooks gemeinsam Spanisch gelernt hatten. Es macht sich bezahlt, sich mit Mitschülern zu treffen, damit man sich über das Gelernte austauschen kann. Ich konnte im Kaffeehaus beobachten, dass die Kantonschülerinnen diskutierend gelernt hatten oder, indem anderen etwas erklärt wurde. Die Einzelnen erkannten in der Gruppe, wo es Wissenslücken gibt.

--> Siebte Empfehlung: Interessieren Sie sich für den Stoff - selbst dann, wenn der Lehrer langweilig doziert. Bei meiner Beratung ging es beim betreuten Kantonsschüler um Tiefnoten beim Französisch. Ich empfahl, täglich den welschen Sender am Radio einzuschalten und sich an die Sprache zu gewöhnen, wenngleich nicht alles verstanden wird. Weshalb nicht die Illustré abonnieren oder regelmässig Krimis auf einem französisch sprechenden Kanal ohne Untertitel konsumieren. Ich habe festgestellt: Es geht wenige Wochen und das Sprachverständnis verbessert sich rasch. Dies macht dann Freude und weckt dadurch das Interesse an der Sprache. Dies wiederum wirkt sich zwangsläufig auf den Erfolg und damit auch auf die Noten aus.

--> Letzte Empfehlung: Unter www.lernen-mit-spass.ch gibt es viele wertvolle zusätzliche Tipps. Dass wir weniger gut lernen, wenn wir ein Schlafmanko haben, haben gewiss alle bei sich erkannt. Die logische Folgerung - dass man ausgeruht besser lernt - diese Selbsterfahrung musste ich somit dem Kantonsschüler nicht mehr besonders betonen.

LINK:

Begriffe verstehen

22. Okt. 2004 ... Begriffe sind nach Verena Steiner, der Autorin des Bestsellers "Exploratives Lernen", geistige Werkzeuge. Sie sind abrufbare Knotenpunkte im ... www.rhetorik.ch/Verstehen/Begriffe.html - 12k - Cached - Similar pages

Wahl der Wörter - Wahl der Waffen

Politische Kommunikation

Lärmen, poltern, pauschalisieren

Steinbrücks Kavallerie, Schmidt-Schnauze und Blochers Schafe: Worin unterscheiden sich Deutsche und Schweizer in ihrer politischen Sprache und ihren Umgangsformen? Eine Podiumsdiskussion an der UZH ging dieser Frage nach.

Zitat aus News Universität Zürich:

Podium

Das Podium v.l.n.r.: Thomas Abegglen (Stellv. Leiter der Abteilung Information&Kommunikation der Bundeskanzlei); Prof. Josef Klein (Germanistische Linguistik, Uni Koblenz/D); Urs Bühler (NZZ); Dr. Regula Stämpfli (Politologin); Prof. Otfried Jarren (Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, UZH). (Bild: Marita Fuchs)

Peer Steinbrück formuliere gern markig, meinte Linguistikprofessor Josef Klein. Er stehe jedoch in einer Tradition, die von deutschen Politikern wie Herbert Wehner, Franz Josef Strauss oder dem frühen Helmut Schmidt – auch Schmidt-Schnauze genannt – mitbegründet worden sei. In der Schweiz bestünden seiner Ansicht nach zwei Tendenzen:

Während mit dem Abstimmungsbüchlein das Volk sachlich orientiert werde, gebe es auf der anderen Seite mediale Foren wie die «Arena»; eine verbale Schlägersendung, wie es sie in Deutschland nicht gebe.

Hemdsärmelige Helvetier

Auf Einladung des Deutschen Seminars, Lehrstuhl Christa Dürscheid, waren unter der Moderation von NZZ-Redaktor Urs Bühler, die Politologin Regula Stämpfli, Thomas Abegglen, Leiter der Abteilung Information&Kommunikation der Bundeskanzlei, UZH-Prorektor Otfried Jarren und der Linguist Josef Klein zusammengekommen, um über ein brisantes Thema zu reden:

«Wahl der Wörter – Wahl der Waffen? Traditionen und aktuelle Tendenzen der politischen Sprache und Kommunikation in der Schweiz».

Das Schweizer Misstrauen gegen laute Töne in der Politik liege im Konkordanzprinzip begründet, sagte Regula Stämpfli. Allerdings nehme die politische Polarisierung auch in der Schweiz zu, der Umgang werde aggressiver.

Prorektor Otfried Jarren – selbst Hamburger wie Steinbrück – verurteilte die ungehobelte Art des Ministers: sie sei nicht akzeptabel. Politische Sprache hänge, so Jarren, vom jeweiligen Politik- und Mediensystem ab und die Schweiz sei stark durch die direkte Demokratie geprägt. Es ginge jedoch hier nicht nur mit leiser Stimme zu und her: Beim Abstimmungskampf werde ziemlich heftig gestritten.

Was von der Regierung kommuniziert werde, sei in der Schweiz gesetzlich geregelt, somit gebe es keine Staats-PR, wie sie zum Beispiel in England hemmungslos betrieben werde. Die Verwaltungskommunikation habe eine hohe Qualität und sei nicht so parteipolitisch ausgerichtet, wie es etwa in Deutschland der Fall sei, sagte Jarren.

Sachlich geprägter Diskurs

Auch das Mediensystem sei in der Schweiz kein Transportriemen manipulierter Meinung. Die Stellungnahmen politischer Eliten sei nach wie vor Bestandteil der Medienkultur. «Der Diskurs ist hochgradig sachlich geprägt,» meinte Jarren.

In Deutschland jedoch, hangle sich die politische Auseinandersetzung entlang der Parteilinien. «Es wird polarisiert und zwar entweder links oder rechts», so Jarren. Damit werde der politische Diskurs anders geführt als in der Schweiz und auch die Umgangsformen seien andere.

Die Schweiz sei klein: Hier würden sich die politischen Akteure besser kennen als in grösseren Ländern. Man treffe sich häufiger, zum Beispiel bei Apéros, kenne sich gut und dadurch entstehe eine andere Form der Gemeinsamkeit.

Podiumsdiskussion

< «Die Mehrsprachigkeit spielt eine grosse Rolle in der politischen Kultur der Schweiz», Thomas Abegglen (links). (Bild: Marita Fuchs)

Josef Klein brachte es auf den Punkt: In Deutschland setze sich bei politischen Stammtischdiskussionen der mit der ‚grossen Klappe‘ durch, während am Schweizer Stammtisch sich nur derjenige Wort verschaffen könne, der sich mit den Abstimmungsunterlagen auseinandergesetzt habe. Regula Stämpfli relativiert: Auch in Deutschland seien die Leute recht gut informiert und helvetische Stammtische würden sich nicht sehr von deutschen Stammtischen unterscheiden.

Thomas Abegglen meinte, dass Schweizer Politiker auch deshalb vorsichtiger agieren, weil es nicht nur ums Gewinnen ginge: «Politikerinnen und Politiker müssen bei Abstimmungen immer damit rechnen, dass der Souverän anders als erwartet abstimmen wird.»

Mehrsprachigkeit als entscheidender Parameter

Für Abegglen spielt die Mehrsprachigkeit eine grosse Rolle in der politischen Kultur der Schweiz. Man könne nicht alle Bewohner unter einem so genannten «Fahnenwort» zusammenscharen, weil das «Fahnenwort» übersetzt werden müsse und sich dann idiomatische und mentalitätsbegründete Probleme ergeben können. Eine politische Pointe oder eine sehr bekannte Deutschschweizer Persönlichkeit finde selten in allen Landesteilen den gleichen Widerhall.

Charismatische Führer in sozial unsicheren Zeiten

Auf die Frage, ob die SVP einen anderen Politikstil in der Schweiz etabliert habe, sagte Regula Stämpfli: «Nein, es waren die Medien, die Personalisierung und Polarisierung zuerst vorantrieben.» Und Jarren erläuterte, dass der Ruf nach starken Persönlichkeiten vor allem durch den rasanten sozialen Wandel hervorgerufen werde. Dadurch würden Einzelpersonen in der Politik wichtiger, die dann durch die Medien zusätzlich gepuscht würden – ein demokratiegefährdendes Potential.

Die Veranstaltung fand am 15.5.2009 im Rahmen eines von Professorin Christa Dürscheid und Kersten Sven Roth ausgerichteten linguistischen Symposiums zum Thema «Politische Sprache und Kommunikation in der Schweiz» statt.

Mit:

Dr. Regula Stämpfli (Politologin, Dozentin, Autorin); Thomas Abegglen (Stellv. Leiter der Abteilung Information&Kommunikation der Bundeskanzlei); Prof. Otfried Jarren (Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, UZH); Prof. Josef Klein (Germanistische Linguistik, Uni Koblenz/D) Moderation: Urs Bühler (NZZ)

Die Thesen von Regula Stämpfli:

1. Personalisierung, Emotionalisierung, Theatralisierung, Polarisierung sind konstitutiv für die politische Kommunikation der Gegenwart. Praktisches und Phantastisches wechseln sich so ab. Meinungen werden wie Tatsachen behandelt und das Verhältnis von Intelligenz und Dummheit verschiebt sich so, dass auch völlig abstruse Meinungen nicht einfach als primärer Zustand unaufgeklärter Köpfe begriffen, sondern als vieldeutiges, ja geradezu aufregend kompliziertes und diskussionswürdiges Phänomen behandelt werden. Das gilt in allen Mediendemokratien, aber in der Schweiz besonders (fehlende Intellektuellen-Politdiskussionen wie beispielsweise in Frankreich).

2. Schweizerische politische Kommunikation von Regierung, Verwaltung, Parlament und Parteien bewegt sich wie die Postkutsche im Nanozeitalter. Dass Innenpolitik sowie –kommunikation gleichzeitig Aussenpolitik darstellt sowie immer auch Aussenkommunikation ist, wird kaum verstanden. Die Kleinräumigkeit unterstützt diesen Effekt noch und stärkt vorwiegend isolationistische, vormoderne populistische Rhetorik (während diese in den NL und Italien viel postmoderner deherkommt).

3. Arena-Rhetorik und Auftreten: Alle Zeiten sind Gegenwart. Wer die stärksten rhetorischen Waffen, u.a. auch den persönlichen Angriff beherrscht, punktet, ungeachtet aller Fakten. Die Dissonanz zwischen Gefühl und Verstand kann durch infantile Werberhetorik gut ausgelotet werden (ist aber schon hohe Kunst moderner Medienrhetorik, in der Schweiz noch nicht so häufig anzutreffen:-). Instantfloskeln wirken, Selbstsicherheit auch, Bilder sprechen, deshalb werden oft Klischées bedient. Wer gute Gefühle rüberbringt, punktet, selbst wenn heisse Luft („jetzt keine Fehler machen“, „ich gehe völlig mit Ihnen einig“, „wie Studien dies schon längst belegt haben“, „schon meine Grossmutter wusste das“,“Sie haben wohl den Text nicht gelesen“, „Wir von der xy haben dies schon seit Jahren gemacht“...) produziert wird. Doch ebenso bleibt eine, übrigens sehr tröstliche, Tatsache: Kein Arena-Teilnehmer oder Teilnehmerin sollte je das Publikum unterschätzen! Denn Authentizität sowie gute, klare Argumente werden gehört, selbst wenn die Diskussion diesen Anschein zunächst nicht macht. Dass die manchmal beklagte Verluderung der Sprache und der politischen Inszenierung nicht einfach auch verluderte Politiken bringt, zeigen auch die Abstimmungsresultate.

4. Frauen: Frauen punkten in Arena-Sendungen nur dann auffällig weniger (sie kriegen dann auch nur einen Bruchteil der Redezeit der anwesenden Männer), wenn sie völlig in der Minderheit sind. Als Minderheit wirken sie als „das Andere“ und damit wie ein Störfaktor. Wenn aber Frauen zur Hälfte oder gar zur Mehrheit in der Arena sind, dann zeigt sich, wie der letzten Arena-Sendung über den biometrischen Pass, dass die rhetorischen Waffen durchaus geschlechtsneutral angewandt werden. D.h. mehr und mehr wenden Akteurinnen die rhetorischen Instanttricks der Mediendemokratie (siehe Bundesrätin Evelyn Widmer-Schlumpf und Nationalrätin Hutter) an, wie wir sie bisher vor allem von den wortführenden Männern kennen.

Kommentar: "Wahl der Wörter - Wahl der Waffen" lautete das Thema der aufschlussreichen Podiumsdiskussion. Ueber die Macht der Worte, die Waffe "Wort oder Bild" habe ich Einiges publiziert. Es lohnt sich folgende Beiträge zu überfliegen:

  1. [PDF]

    EICHELS, MÜNTEFERINGS UND STEINBRÜCKSVERBALEENTGLEISUNGEN

    File Format: PDF/Adobe Acrobat - View as HTML Attacke gegen die Schweiz: der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück. .... reissen liess, äusserte sich Steinbrück schlitz- ... www.rhetorik.ch/Aktuell/09/05_12/05_09.pdf - Similar pages
  2. rhetorik.ch aktuell: Steinbrücks Peitschenrede

    Der Deutsche Finanzminister Peer Steinbrück hat an einem Ministertreffen von 17 ... Steinbrück ging weiter und von einer "Schwarzen Liste" geredet. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/10_25/index.html - 11k - Cached - Similar pages
  3. rhetorik.ch aktuell: Kriegs und Wildwestrhetorik

    Wirtschaftminister Peer Steinbrück drohte der Schweiz schon am 25. ... Steinbrück legte diese Woche noch einen Zacken zu als er die Schweizer mit Indianern ... www.rhetorik.ch/Aktuell/09/03_19/index.html - 8k - Cached - Similar pages
  4. rhetorik.ch aktuell: Eskalation nach Karikaturen

    Sich der Verantwortung der Waffen Wort und Bild bewusst zu bleiben. An Stelle von Verboten und Gewaltaktionen sehen wir die Lösung der verhärteten Situation ...
    1. Macht der Worte

      Worte können Menschen beeinflussen, Macht ausüben, Worte führten zu Kreuzzügen und Glaubenskriegen. Die Macht der Worte wird einem besser bewusst, ... www.rhetorik.ch/Fenster/Fenster.html - 10k - Cached - Similar pages
    2. Manipulationstechniken

      Der Konzernleiter ergreift hierauf das Wort: "Haben Sie sich auch schon überlegt, welche Konsequenzen Sie damit .... Die Macht der Worte nutzen ... www.rhetorik.ch/Manipulation/Manipulation.html - 35k - Cached - Similar pages
    3. rhetorik.ch aktuell: Macht der Medien in der heutigen Medienlandschaft

      Für ihn müssten die Medien zwei Worte aus der Abschiedsrede Samuel Schmids ernster ... Auch die vierte Macht muss sich in einer Demokratie gefallen lassen, ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/12_08/index.html - 13k - Cached - Similar pages
    4. rhetorik.ch aktuell:

      25. Jan. 2001 ... Zur Thematik: "Macht der Bilder" ... Die Frage ist jedoch berechtigt, ob mit Wort und Bild alles erlaubt sein soll. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Jan_25_2001.html - 11k - Cached - Similar pages
    5. Toxische Kommunikation

      11. Jan. 2004 ... Toxische Wörter sind nie belanglos. Worte haben Macht. Es lohnt sich deshalb genau zuzuhören und die Wahrnehmungsfähigkeit zu schulen. ... www.rhetorik.ch/Toxisch/Toxisch.html - 18k - Cached - Similar pages

Sonntag, 24. Mai 2009

Was tun gegen die Gewalt nach Fussballspielen?

Allmählich wurde erkannt , dass es so nicht mehr weitergehen kann. Aufwändige Polizeieinsätze, Verletzte, immense Sachbeschädigungen, Verkehrsbehinderungen usw. Von verschiedensten Seiten werden nun Vorschläge gemacht:

Der Sportminister will handeln. Sein Vorschlag:

Bundesrat Maurer möchte das grosse Hooligan-Outing

Der oberste Sportverantwortliche der Schweiz, Bundesrat Ueli Maurer, will nach den jüngsten Fussball-Krawallen die Hooligans in die Ecke treiben. Er will Chaoten-Bilder im Internet veröffentlichen, damit sie von Arbeitgebern und Bekannten abgestraft werden können

Quelle 20 Min

(Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Blick publiziert den konkreten Massnahmekatalog;

  • Täter identifizieren:Täter müssen aus der Anonymität gerissen werden, so Maurer. Das Hooligan-Gesetz biete dafür die Gesetzesgrundlage: Datenbank, Rayonverbot, Meldeauflage, Polizeigewahrsam und Ausreisebeschränkung.
  • Chaoten-Visagen ins Internet: Würden Fotos der Täter im Internet veröffentlicht, könnte der Arbeitgeber der Wochenend-Randalierer in Aktion treten. Am Sonntag mit Vermummung im Stadion und am Montag mit Krawatte im Büro – das dürfe der Chef nicht akzeptieren, so Maurer.
  • Fanpass für die Anständigen: Aufwändig umzusetzende, aber durchaus erfolgsversprechende Massnahme gemäss Maurer. So könnten nur die anständigen Fans eines Vereins dessen Auswärtsspiele besuchen.
  • Konsequente Gesetzes-Anwendung: Falls dies nicht genüge, müssten die Strafen verschärft werden. Maurer nennt hier England als Vorbild.
  • Runder Tisch: Maurer unterstützt das gemeinsame, koordinierte Vorgehen gegen Gewalt im Sport aller beteiligter Gruppen: Bund, Kantone, Städte, Sportverbände.
  • Schnellgerichte: In eigentlichen Verhaftungsstrassen könnten Chaoten gleich vor Ort überprüft und dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. In St Gallen werden solche Ideen bei Risikospielen zum Teil schon umgesetzt. (bih)
  • Sepp Blatter hat auch einen Vorschlag:

    Er will auf Stehpätze verzichten. Er glaubt, dass sitzende Fans weniger gewalttätig sind.

    *****************

    Ich las noch einen anderern Vorschlag:

    Sobald an einem Spiel Raketen abgefeuert werden, wird das Spiel abgebrochen.

    *********

    Kommentar: Alle sind sich einig: So kann und darf es nicht weitergehen. Wir haben bei den 1.Mai-Kravallen gesehen, dass die Gewaltspirale rasch nach oben dreht, wenn man sie nicht stoppt. Die Katz und Mausspiele mit der Polizei können Tradition werden und Jugendliche Kravalltouristen lassen sich heute sehr schnell über SMS und Internet mobilisieren. Wenn die Chaoaten wissen, dass sie sich in der Anoymität verstecken können und die Aktionen keine Folgen haben, so wird es zu keiner Deeskalation kommen. Die Thesen: Jugendliche Gewattäter müsse man einfach nicht ernst nehmen und die Aktionen sollten ignorieren werden. Polizeieinsatze würden nur provozieren. Sie führten eigentlich erst zur Eskalation. Bei diesen Thesen wird übersehen, dass viele Chaoten Lust und Freude haben an Gewalteinsätzen und die Strassenschlachten oft nur aus Langeweile ausgetragen werden. Heute sehen endlich auch Politiker ein: Es muss gehandelt werden! Zuschauen und Gewähren lassen ist keine Lösung.

    LINKS:

    1. rhetorik.ch aktuell:

      Die Ausschreitungen im Stile "Züri brennt" waren am 1. Mai bereits zum Ritual mit Tradition geworden. Psychologen, die sich mit Jugendgewalt ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Mai_01_2001.html - 9k - Cached - Similar pages
    2. rhetorik.ch aktuell:

      Am 1. Mai wurden seit fast 20 Jahren Scheiben eingeschlagen. ... Statistiken suggerieren, dass in westlichen Ländern die Jugendgewalt von 1980-1998 ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Mai_28_2003.html - 13k - Cached - Similar pages
    3. rhetorik.ch aktuell: Neue Dimension von Jugendgewalt

      20. Juni 2005 ... Gewalt gab es seit Bestehen der Menschheit - auch Jugendgewalt. ... Die Schweizer Jugend scheint keinen noch so dummen Trend auszulassen. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/05/06_20.html - 16k - Cached - Similar page
    4. Nachtrag NZZ:
    5. Nachtrag:
    6. Hooligans im Netz: Die ersten haben sich gestellt

    Samstag, 23. Mai 2009

    Hat uns der Bundesrat angelogen?

    Zitat Blick:

    Die starke Zuwanderung der letzten Jahre habe nicht zu mehr Wirtschaftswachstum geführt, sagt der Freiburger Professor Reiner Eichenberger. «Man sollte endlich aufhören, einfach zu behaupten, dass wir der Einwanderung das Wirtschaftswachstum verdanken.»

    Die Schweizer Regierung habe noch im letzten Herbst behauptet, dass im internationalen Vergleich gute Wachstum von 0,5 Prozent sei auch eine Folge der Einwanderung, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler in der «NZZ» von heute.

    Bereinigt um das starke Bevölkerungswachstum von 1,4 Prozent wäre die Wirtschaftsleistung pro Kopf damals aber längst um 1 Prozent gesunken, sagte der Professor an der Universität Freiburg. Bevölkerungswachstum verursache enorme Kosten. «Wir sollten auf Wirtschaftswachstum setzten, nicht auf Bevölkerungswachstum.»

    Denn eine wachsende Bevölkerung führe zu dichterer Besiedlung, zu Landverschleiss, erfordere hohe Investitionen in die Infrastruktur, führe zu Lärm und Stress – etwa wegen den Verkehrsproblemen. «Die Schweiz hat europaweit das höchste Bevölkerungswachstum. Im Kanton Zürich beträgt es 2 Prozent. Wie soll das weitergehen?», fragt Eichenberger.

    Das Thema Bevölkerungswachstum kritisch zu betrachten, gelte als anrüchig, weil bei diesem Thema eine gewisse Nähe zur Ausländerfeindlichkeit bestehe, weiss der Professor. «Dieses Thema hat die SVP gepachtet, weil die anderen Parteien nicht fähig waren, auf die Probleme, die es in diesem Bereich gibt, ernsthaft einzugehen.»

    Eichenberger sieht die Migration jedoch nicht nur negativ: Heute kämen vor allem gut qualifizierte, produktive Einwanderer. Und das heisse: bauen, bauen, bauen. Davon könne das Gewerbe, das politisch von der SVP vertreten werde, profitieren.

    Kommentar: Jede Münze hat zwei Seiten. Es hängt immer davon ab von welcher Seite man die Münze betrachtet.

    Moritz Leuenberger provozierte bewusst, damit die Sonntagspresse anbeisst!

    Im Tele D (Diessenhofen) begründete Moritz Leuenberger seine umstrittenen Worte in seinem Blog gegen die Obwaldner.

    Ich zitiere aus dem BLOG:

    Raumplanerische Zonen für Reiche sind die definitive Karikatur des Steuerwettbewerbes. Er selbst schafft ja schon Ungleichheiten, die mühsam korrigiert werden müssen: Wenn eine Gemeinde mit sehr niedrigen Steuersätzen derart viele Reiche anzieht, dass die Bodenpreise ins Unermessliche steigen, muss sie, die Gemeinde, auf der anderen Seite wieder dafür sorgen, dass die Angestellten, ohne die eine Gemeinde nicht funktioniert, erschwinglich wohnen können. Dass die Bodenpreise als Folge des Bodenmarktes den meisten Menschen den Zugang zu Grundeigentum verwehren, ist seit Jahrzehnten Anlass, um eine ausgleichende und gerechtere Bodenpolitik und Raumplanung zu versuchen. Doch die behördliche Reservierung von Boden für Menschen, die „einen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen“,

    ist nichts anderes als Apartheid.

    Ende Zitat

    Hernach folgte denn auch wie das Amen in der Kirche - ein kritischer Artikel in der Sonntagspresse über diesen angeblich unzumutbaren Vergleich!

    Leuenberger erläuterte im Tele D, dass er am Wochenende den Spruch mit dem Apartheit - Vergleich bewusst als "List" im Blog geschrieben habe, wohl wissend, dass Journalisten den Blog vor der Ausgabe wie gewohnt durchkämmen. Tatsächlich hatte die Sonntagspresse den Leuenbergers Vergleich publiziert. Dies führte zu einem kleinen Medienwirbel mit der Folge, dass die Thematik nachher breiter diskutiert wurde. Das war Leuenbergers Absicht.

    Kommentar: Damit demonstrierte Bundesrat Leuenberger, wie die Medien instrumentalisiert werden können. Ob jedoch die Rechnung mit derartigen Listen langfristig aufgehen, darf bezweifelt werden. Wenn nämlich die Journalisten solche Tricks durchschauen, hat es auch ein Bundesrat nicht mehr so einfach, den Journalisten künftig - so wie man Hunden Knochen hinwirft, damit sie zubeissen - Provokationen oder hinkende Vergleiche zu publizieren.

    Interessant finde ich den Umstand, dass sich Leuenberger früher geärgert hatte, wenn es der SVP mit ähnlichen Provokationen und überspitzten Formulierungen gelang, Ihre Anliegen vertiefter zu diskutierten. Die SVP profitierte ebenfalls von den erbosten Reaktionen und den Protesten. Hauptsache war für die Partei die Medienpräsenz. Sie konnte wie Leuenberger nachträglich den verärgerten Stimmen entgegnen und kam damit nochmals zu Wort. Ob wohl Bundesrat Leuenberger von einem SVP Strategen gecoacht worden ist?