Rhetorik.ch Blog
Persönliche Gedanken von Marcus Knill
zu Aktuellem.
Freitag, 24. April 2009
40 Jahre SAWI:
Am Fest zum 40-jährigen Bestehen des Schweizerischen Ausbildungszentrums für Marketing, Werbung und Kommunikation (Sawi) traf sich am Donnerstagabend eine bunte Schar von350 Ehemaligen, Branchenangehörigen, Freunden des Hausesund viele mehr. Beim Bauernhof Jucker Farmart in Rapperswil-Jonahatte Sawi-Direktorin Pia Kasper ein grosses Festzelt aufstellenlassen, die 60-köpfige Polizeimusik der Stadt Zürich und das SAWI hatte Universitäts-Professoren für eine Podiumsdiskussion engagiert. (Quelle Kleinreport)
Kerngedanke aus der Podiumsdiskussion zum Thema:
"Ausbildung in Marketing und Kommunikation"
Es diskutierten: Prof. Dr. Torsten Tomczak, Prof. Dr. Marcus Schögel, Prof Dr. Manfred Bruhn und Pia Kasper mit Stephan Klapproth.
Die Aussage des Moderators Stephan Klapproth "Die wahre Kraft liegt im richtigen Wort, das zur richtigen Zeit gesagt wird"stimmt mit dem Schlüsselsatz von K+K überein:
"Schweigen ist Silber, Reden ist Gold - aber das richtige Wort zur richtigen Zeit zu sagen - ist wie ein Diamant - in Platin gefasst!"
Ich habe das Podiumsgespräch gestern aufmerksam mitverfolgt und verzichte bewusst auf eine Zusammenfassung der Inhalte. Aus meiner Sicht hat aber Manfred Bruhn drei wichtige Aussagen gemacht, die ich an dieser Stelle mehrfach unterstreichen möchte:
1. Heute müssen Ausbildner für Marketing und Kommunikation in erster Linie das analytische Rüstzeug vermitteln, das gebraucht wird für den Alltag. Sie müssen den Studierenden das DENKEN beibringen, vor allem das Denken in Zusammenhängen.
2. Die Halbwertszeit des Wissens nimmt stetig ab. Bei der Kommunikation rechnet man heute bereits nur noch mit einer Halbwertszeit von 2 Jahren.
Veränderungen erfolgen rasend schnell. Der Grundsatz "Aus der Praxis für die Praxis" hat deshalb bei der Ausbildung neu an Bedeutung gewonnen. Wegen der Halbwertszeit wird aber der Bezug zur Aktualität immer wichtiger!3. Die Hochschuldiplome und Abschlüsse taugen erst dann etwas, wenn sie von aussen, von den Arbeitgebern akzeptiert werden. Es gibt bereits eine Inflation von Abschlüssen. In den Vereinigten Staaten zählt nur, wo ein Hochschulabschluss gemacht worden ist. Es ist somit auch bei der SAWI wichtig, wie die Ausbildung später beurteilt wird. Deshalb bei SAWI die Qualität der Ausbildung das Wichtigste!
Fazit: Pia Kasper ist somit auf dem richtigen Weg, wenn sie bei SAWI
Praxis und Theorie unter einen Hut bringen will und das Hauptgewicht auf die Vernetzung legt und darauf bedacht ist, den Studierenden die Werkzeuge zu vermitteln, die ihnen helfen, wie sie das Wissen holen können, das sie in der Zukunft benötigen.
Persönlicher Kommentar: Nur angewandte Intelligenz bringt uns in der heutigen schnelllebigen Zeit weiter!
Donnerstag, 23. April 2009
Dräck-Rhetorik:
Chris von Rohr und Polo Hofer verstehen etwas von Rock aber nichts von Konfliktmanagement.
Ich zitiere 20 Minuten:
Knatsch der Altrocker: Polo Hofer lästerte am TV über Chris von Rohr: «Der macht bloss warme Luft.» Dies lässt der Krokus-Mann aber nicht auf sich sitzen.
Chris von Rohr und Polo Hofer fahren einander via TV an den Karren. (3+/Kurmann)
«Meh Dräck»: Als Chris von Rohr bei «Glanz&Gloria» zum Interview erschien, untermalte das Schweizer Fernsehen dies mit Promi-Meinungen zum Musikproduzenten. Die Überraschung kam beim Statement von Kumpane Polo Hofer: «Chris von Rohr ist ein Rock’n’Roller, der mit warmer Luft viel Wind erzeugt», giftelte Hofer. Von Rohr zeigte sich erstaunt, gab dann zurück: «Polo als Chef-Durchlauferhitzer der Nation sollte sich mit warmer Luft auskennen.» Zickenkrieg zwischen den Altrockern?
Von Rohr: «Necken gehört dazu. Schweigen war nie unsere Stärke», so der Musiker, der diesen Freitag mit Krokus an der Eishockey-WM die Hymne «Live for the Action» performt. Gleichzeitig fordert er Polo zum musikalischen Duell auf. Von Rohr: «Die Antwort darauf, was nun warme Luft ist, wird auf den Silberlingen und Bühnen dieser Welt gegeben.»
Kommentar:Man kann auch an den Schwächen arbeiten. Schweigen ist oft besser als REDEN.
Sie wundern sich vielleicht, dass das Schweigen ein wichtiges Element der ... Diese Geschichte macht deutlich: Schweigen können hat verschiedene Vorteile. ...www.rhetorik.ch/Schweigen/Schweigen.html - 10k - Cached - Similar pages
Im Umgang mit Medien gibt es nur eines: Sich situationsgerecht zu verhalten. Reden ist nicht immer Gold. Schweigen auch nicht immer Silber. ...www.rhetorik.ch/Schweigen/ProKontra.html - 39k - Cached - Similar pages
9. Juli 2004 ... Anita Fetz glaubt angeblich, sie könnte mit Schweigen ihre Haut retten. ... Juli ihr Schweigen. Mit zurückhaltender Stimme sagt sie: ...www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Jul_09_2004.html - 27k - Cached - Similar pages
Der Weg nach dem Schweigen wird nicht mehr so gradlinig verlaufen. ... Bis zum Abschluss des Verfahrens wollen Fetz und Zanetti jetzt schweigen. ...www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Jul_18_2004.html - 24k - Cached - Similar pages
Es ist in der Praxis durchaus möglich, diese Balance zu finden, zwischen Hype und dem Schweigen (Verschweigen von Ereignissen). ...www.rhetorik.ch/Aktuell/07/11_18/index.html - 6k - Cached - Similar pages
17. Jan. 2007 ... Da riet der Rechtsanwalt dem Angeklagten: "Schweigen Sie - aber ... Wenn Sie konsequent schweigen, sagen Sie kein einziges falsches Wort. ...www.rhetorik.ch/Aktuell/07/01_17/index.html - 11k - Cached - Similar pages
Mittwoch, 22. April 2009
Gas oder Menschenrechte?
Folgender Artikel Tagi-online gibt dem Entgegenkommen der Schweizer -während und nach der Hassrede in Genf - eine neue denkwürdige Dimension.
Gaspipeline nach Europa oder Menschenrechte? Bundesrätin Micheline Calmy-Rey.
Bild: Keystone
Am Dienstag tauchte Aussenministerin Micheline Calmy-Rey bei der UNO-Konferenz gegen Rassismus auf. Sie lobte in einer Rede die Verabschiedung der Schlusserklärung und kritisierte den Auftritt des iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad.
Vor allem verteidigte sie aber den Verbleib der Schweizer Delegation im Saal während der Rede Ahmadinedschads. Die Politik des leeren Stuhls sei nicht die Politik der Schweiz, rechtfertigte sich die Schweizer Aussenministerin.
Eigenartig: Auch Norweger blieben im Saal
Könnte es sein, dass die Schweiz auch andere Gründe hatte, im Saal zu bleiben? Auch die Norweger blieben sitzen – zufällig genau jene Nation, mit der die Schweiz den Bau einer Gaspipeline aus dem Iran nach Europa plant. Natürlich sind es in erster Linie privatrechtliche Unternehmen wie die Energiegesellschaft Laufenburg (EGL) und die norwegische StatoilHydro, welche diese Gasleitung bauen wollen. Die Pipeline soll die Gasversorgung in Südeuropa sicherstellen.
Spätestens seit Tausende Südeuropäer wegen des Streits zwischen Russland und der Ukraine vorübergehend frieren mussten, weil die Versorgung mit Gas unterbrochen war, hat der Bau einer von Russland unabhängigen Versorgungsroute an Bedeutung gewonnen - auch für die EU. Sie konkurrenziert mit ihrem Projekt «Nabucco» die Pläne der Schweiz und Norwegen. Ihre Vertreter blieben in Genf aber trotzdem nicht im Saal. Hat die Schweiz also die Nase vorn?
Ob jemals Gas durch die Pipeline der EGL nach Südeuropa fliessen wird, das steht noch nicht fest. «Wenn man aber will, dass die Projekte vorankommen, dann müssen die Regierungen dem Projekt zustimmen und den jeweiligen Ländern ihre Aufwartung machen», erfährt man von Marianne Zünd, der Informationschefin im Bundesamt für Energie. So reiste zum Beispiel Bundesrat Leuenberger nach Aserbaidschan und unterschrieb dort ein «Memorandum of Understanding», eine Art Absichtserklärung. Unter Umständen wird das Gas aus Aserbaidschan nach Westeuropa fliessen.
Calmy-Rey pushte Treffen mit Ahmadinedschad
In den Iran reiste 2008 Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Leuenberger habe einen anderen Termin wahrnehmen mussen, heisst es. Noch mehr als die Unterzeichnung des Gas-Liefervertrags gab der Auftritt der Aussenministerin zu reden. Die Tatsache, dass Calmy-Rey sich beim Tête-à-Tête mit Mahmud Ahmadinedschad mit einem Schleier bedeckte, führte in der Schweiz zu heftiger Kritik an der Aussenministerin.
Ihre Lehren hat sie daraus insofern gezogen, als dass sie diesmal Bundespräsident Hans-Rudolf Merz vorschickte. Sie habe wegen des Gasdeals Merz zu einem Treffen mit dem iranischen Staatspräsidenten gedrängt, sagen Insider. Merz traf Ahmadinedschad. Das Bild des frivol lachenden Merz im Gespräch mit dem iranischen Staatspräsidenten brachte der Schweiz international Prügel ein - womöglich wegen eines unsicheren Gasdeals.
Eine lesenswerte amüsante Kolumne über zwei Grundformen des Lächelns:
Das sogenannte Duchenne-Lächeln (echtes Lächeln) und das «soziale Lächeln», das auf die Umgebung reagiert.
Das Lächeln unseres Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz am Sonntag in Genf ist um die Welt gegangen. Drückt es tatsächlich Komplizenschaft mit dem Bösen in Gestalt von Irans Präsident aus – warum empfinden manche dieses Lächeln als frivol?
Die Gelotologie, die Wissenschaft vom Lachen, kennt zwei Grundformen des Lächelns: das sogenannte Duchenne-Lächeln, absichtslos, tief, aus wahrer Freude entspringend. Und das «soziale Lächeln», das auf die Umgebung reagiert. Es entkrampft, zeigt Grundsympathie, guten Willen, baut Beziehungen auf. Schon Säuglinge besitzen auch dieses soziale Lächeln.
Der sichtbare Unterschied: Beim zweckfreien Duchenne-Lächeln sind laut Forschern die Muskeln links und rechts der Augen beteiligt. Davon kann auf den Merz-Fotos von Genf nicht die Rede sein. Die Zähne sind gebleckt, die Muskeln um den Mund angespannt – aber die Augenpartie macht nicht mit.
Merz lächelte in Genf also sozial. Taktisch. An sich ist das professionell. Der Politiker sagt dem Politiker: «Hey, ich beisse nicht. Wir können reden.»
Allerdings ist Merz ein forcierter Soziallächler. Man nehme das offizielle Bundesratsfoto. Ueli Maurer lächelt scheu; als Hardliner muss er auf der Strasse ja auch stets damit rechnen, dass einer ihm den Vogel zeigt oder schlimmer. Micheline Calmy-Rey grinst so ehrgeizig maskenhaft, dass die Mundwinkel die Ohren erreichen. Moritz Leuenberger lächelt moralisch-mitleidvoll aus erhabener Warte.
Doris Leuthard, mit geschlossenem Mund schmunzelnd, spielt gutmütige Gotte.
Pascal Couchepin markiert durch Knapplächeln etatistische Reserviertheit.
Und Eveline Widmer-Schlumpf kneift die Lippen zur Linie zusammen. Sie will Respekt nur für ihre Leistung.
Von allen lächelt der Ausserrhoder Merz am festesten. Dazu etwas helvetische Physiognomik: Den Romand (Couchepin) steuert die Schwere der französischen Mission civilisatrice.
Beim politisierenden Tessiner schleicht sich die Gravitas des römischen Senators ins Mienenspiel (Flavio Cotti). Der stoische Berner nutzt die Gesichtsmuskulatur kaum (Samuel Schmid, der unbewegte Mann).
Merz, sympathie- und harmoniesüchtig, verkörpert die gewitzte Appenzeller Frohnatur.
Hans-Rudolf Merz in Genf, von der Seite fotografiert, lächelte also gar nicht breit – für seine eigenen Begriffe. Doch von aussen gesehen wirkte die Gebissentblössung heftig. Dies umso mehr, als der Merz-Schädel weitgehend haarlos ist: Jedes Signal in diesem nackt-hageren Gesicht ist ein starkes Signal. Leider ist es nun aber so, dass ein guter Politiker seine Mimik beherrscht und nicht umgekehrt. Zudem: Das diplomatische Genfer Parkett ist etwas ganz anderes als der Herisauer Obstmarkt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.04.2009, 22:59 Uhr
Kommentar: Kommt hinzu, dass das Lachen der Appenzeller oft eine Prise des giftigen Appenzeller Witzes hat. Bei den Medienauftritten stellte ich immer wieder fest, dass Bundesrat Merz auch bei ernsthaften Antworten immer wieder sein typischen kurzes Lächeln aufsetzt.
Lächeln, das mit der Aussage nicht überein stimmt, beeinträchtigt Kommunikationsprozesse. Es zählt zu den pardoxen Verhaltensweisen. Micheline Calmy- Rey zeigte früher ständig mit breitem Lachmund die Zähne. Doch erwies sich ihr "Blecken" als eine Methode, auf angeblich freundliche Art die Zähne zu zeigen. In Genf trug sie den Uebernamen "la Cruelle" (die Schreckliche). Tatsächlich verstand sie es immer wieder, den Gegnern nicht nur die Zähne zu zeigen. Sie konnte auch beissen.
19. Dez. 2007 ... Erstaunlicherweise zeigt die Bundespräsidentin auf dieser Foto nicht mehr das künstliche Lachen von früher, mit dem Zähnezeigen. ...www.rhetorik.ch/Aktuell/07/12_19/index.html - 10k -Cached - Similar pages
Politikerportraits. ... Ausstellungstext, Politiker Portraits, DRS2, 1. November 2008, Redaktion: Karin Salm. Ausstellung im Museum für Gestaltung in ...www.rhetorik.ch/Politikerportraits/Politikerportraits.html - 8k - Cached - Similar pages
Bundespräsident Merz begreift den Aerger nicht
Obschon die Schweiz ein Vermittlungsmandat hat und auf Wunsch einer Seite den Dialog nicht abbrechen durfte, hätte Bundesrat Merz voraussehen müssen, dass der gemeinsame lächelnde Auftritt mit einem Holocaustleugner, Verweigerer von internationalen Abmachungen und wiederholten Hasspredigen gegen den Staat Israel - Folgen haben wird. Obschon Micheline Calmy-Rey mit einer unvorhergesehener Rede gestern in Genf die Wogen der Entrüstung glätten wollte, ist der Graben noch lange nicht zugeschüttet zwischen Israel und der Schweiz.
Kommentar: Wie bei Bankengeheimnis gelang es dem Bundesrat nicht, der Presse glaubhaft zu kommunizieren, weshalb die Schweiz den Dialog mit dem "Hitler von heute" pflegen muss.Wäre es nicht auch möglich gewesen, diese Vermittlungsaufgabe auf diplomatischer - nicht auf Regierungsebene - zu führen. Dass Ahmadinedschad als Rassist den Auftritt am Antirassismuskongress missbrauchen wird, war vorhersehbar.
Ein Leser schrieb uns gestern:
"Mich wunderte es, dass ein Rassist an einem Kongress das Wort erteilt wird, bei dem es um die Bekämpfung des Rassismus geht. Ich könnte mir kaum vorstellen, dass an einer Antirauchertagung einem Vertreter der Tabaklobby überhaupt eine Werbeplattform zur Verfügung gestellt wird."
Eine Frau fand:
"Spätestens dann, als Ahmadinedschad die Plattform in Genf missbraucht hatte, wäre es angebracht gewesen, dass auch die Schweiz ein Signal des Protestes gezeigt hätte. Die Duldung von rassistischen Aeusserungen hat nichts mehr mit Redefreiheit zu tun. In der Schweiz wird eine Normalbürger bestraft, wenn er gegen das Antirassismusgesetz verstösst. Unglaublich: Bei einem echten Rassisten beruft sich der Bundesrat auf die Redefreiheit!"
Dienstag, 21. April 2009
Zum heutigen Aprilwetter
Gegensätze beleben auch Kommunikationsprozesse:So wie Wärme und Kälte - Sonne und Regen - so ist auch bei der Rhetorik ein sinnvoller Wechsel von Reden und Zuhören, von sachlichen und emotionalen Anteilen wichtig. Bei der Kommunikation ist es ein Kunst, Gegensätze unter einen Hut zu bringen, wie beispielsweiseKürze und Redundanz.
Montag, 20. April 2009
Ahmadinejad:
Hassrhetorik eines Unbelehrbaren
Die Antirassismuskonferenz stand unter einem unguten Stern. Journalisten prognostizierten, dass der iranische Ministerpräsident
Ahmadinejad seine Anwesenheit als Plattform nutzen wird, gegen Israel.Einige Staaten blieben deshalb dem Treffen fern. Nun kam es, wie es kommen musste:
Ich zitiere Tagi-online:
Eklat: Ahmadinejad mit «Hassrede» – Delegierte verlassen den Saal
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad hat an der Uno-Konferenz gegen Rassismus Israel und die westlichen Staaten als rassistisch kritisiert. «Der Weltzionismus ist der personifizierte Rassismus», sagte er am Montag in Genf.
Israel missbrauche religiöse Gefühle um seinen Hass zu verbergen, sagte Ahmadinejad in seiner Rede weiter. Die westlichen Länder hätten nichts gegen die Bombardierung der Menschen im Gazastreifen gesagt.
Die Europäer hätten zudem den Ersten und Zweiten Weltkrieg verursacht und als Kompensation für ihren Rassismus ein rassistisches Regime nach Palästina gebracht, das sie zusammen mit den USA seit 60 Jahren unterstützten.
Aus Arroganz und um ihr Einflussgebiet auszuweiten, hätten die USA und ihre Verbündeten Krieg gegen Irak und Afghanistan geführt. Im Übrigen forderte Ahmadinejad eine Reform des Uno-Sicherheitsrats.
«Hassrede» verurteilt
Die Delegierten mehrerer EU-Staaten verliessen aus Protest den Saal. Frankreich hat scharf gegen die Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad auf der Anti-Rassismus-Konferenz in Genf protestiert. Sarkozy rief die EU zu einer «Reaktion von äusserster Entschlossenheit» auf.
Ahmadinejad rufe zum Rassenhass auf, er verhöhne die Ideale und Werte, die in der universellen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben seien, erklärte Sarkozy. Aussenminister Bernard Kouchner nannte die Aussagen des iranischen Präsidenten als «inakzeptabel».
«Hasstiraden, Schmähreden und anti-israelische Ausfälle»
Frankreich hatte in letzter Minute entschieden, anders als etwa Deutschland und die USA mit einem Botschafter an der Uno-Konferenz teilzunehmen. Nach den Äusserungen Ahmadinejads verliess der französische Uno-Botschafter aber gemeinsam mit den Delegationen zahlreicher europäischer Staaten die Konferenz.
Ausser von Deutschland und den USA wird die Konferenz von Israel, Italien, den Niederlanden, Polen, Kanada, Australien und Neuseeland boykottiert. Hintergrund des Boykotts war die Sorge, dass die Konferenz zu einem Podium für anti-israelische Erklärungen werden könnte.
Die deutsche Regierung rechtfertigte ihre kurzfristig beschlossene Nicht-Teilnahme mit Befürchtungen, dass die Veranstaltung von einzelnen Teilnehmern «für Hasstiraden, Schmähreden und anti-israelische Ausfälle» missbraucht werden könnte.
Kommentar:Die Sorge jener Länder, die der Konferenz fern geblieben sind war unmissverständlich: Die Konferenz könnte zu einem Podium für anti-israelische Erklärungen werden. Diese Sorge war berechtigt und voraussehbar. Es stellt sich somit die grundsätzliche Frage, weshalb man einen Staatschef, der internationales Recht nicht anerkennt, den Holocaust leugnet und Israel vernichten will, überhaupt empfängt?
Unsere Aussenministerin, die den Kontakt mit dem Hassrhetoriker schleiertragend stolz gepflegt hatte, in der Hoffnung, sie könnte mit ihrem Lächeln etwas bewirken, müsste heute endlich einsehen:
Mahmud Ahmadinejad ist und bleibt unbelehrbar. Auch Bundespräsident Merz sollte einsichtig über die Bücher gehen und sich fragen, ob es nicht doch besser gewesen wäre, dem Treffen fern zu bleiben. Für mich ist der Eklat keine Ueberraschung. Er war vorhersehbar und lag in der Luft.
Nachlese: Bundespräsident Merz versteht die Empörung nicht. Nach seinem Dafürhalten durfte die Schweiz den Dialog mit dem Holcausleugner nicht abbrechen, weil die Schweiz einen Vermittlungsauftrag hat und der Bundesrat dem Wunsch des iranischen Präsidenten entsprechen musste.
Jeder Kommunikationsberater weiss, dass Dialoge nur weiter führen, wenn jede Seite bereit ist auf das Gegenüber zu hören. Wir haben bei der katholischen Kirche gesehen, dass Dialoge durchaus eine Grenze haben können, beispielsweise bei jenem geistlichen Holocaustleugner der uneinsichtig blieb und nicht bereit war seine Haltung zu korrigieren.
Auch bei Ahmadinedschadhätte die Schweiz auf die Vermittlung verzichten müssen, solange dieser Gesprächspartner auf der Vernichtung des Staates Israels pocht. Rassisten müssen nicht geduldet werden mit der Begründung, man verteidige die freie Meinungsäusserung. Es gibt in jedem Staat mit freier Meinungsäusserung Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen.
Interessant: Als man der Schweiz mit einer schwarzen Liste drohte, war Bundespräsident erstaunlich rasch nachsichtig und berücksichtigte sofort die Meinung anderer Staaten. Beim Holocaustleugner hingegen setzte er sich angeblich konsequent für die Meinungsfreiheit ein und setzt sich über die berechtigte öffentliche Kritik hinweg. Ein verkehrte Welt: Beim rechtlich gefestigten Bankgeheimnis gibt Merz nach. Beim einem offensichtlichen Rassisten hingegen setzt er sich für die angebliche Meinungsäusserungsfreiheit eines Hassredners ein.
Auch bei Dialogen gibt es Grenzen, die eingehalten werden müssen. Anstatt ein Brücke aufzubauen hat unserer Aussenministerin und unser Bundespräsident mit ihrem ungeschickten Verhalten einen Graben aufgerissen, der sicherlich nicht so rasch überwunden werden kann. Es war gewiss ein gravierender Fehler, dass sich bei der Vermittlung der USA und dem IRAN sich die Aussenministerin persönlich und der Bundespräsident ebenfalls persönlich engagiert hatten.
Diese gravierenden Fehler dürfen nicht beschönigt werden!
Aus Tagi:
Schweizer Delegierte blieben im Saal bei Ahmadinejads Hetzrede
Das Treffen zwischen Hans-Rudolf Merz und Mahmud Ahmadinejad belastet die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel.
Die Frage ist berechtigt: Wer hatte dieses unverständliche Verbleiben angeordnet? Frau Calmy- Rey oder Herr Merz?Bei Rassismus und Völkerverhetzung darf es keine Neutralität geben. Es gibt bei Rassisten keine Gesinnungsneutralität.