Dienstag, 21. April 2009

Zum heutigen Aprilwetter

Gegensätze beleben auch Kommunikationsprozesse:

So wie Wärme und Kälte - Sonne und Regen - so ist auch bei der Rhetorik ein sinnvoller Wechsel von Reden und Zuhören, von sachlichen und emotionalen Anteilen wichtig. Bei der Kommunikation ist es ein Kunst, Gegensätze unter einen Hut zu bringen, wie beispielsweise

Kürze und Redundanz.

Montag, 20. April 2009

Ahmadinejad:

Hassrhetorik eines Unbelehrbaren

Die Antirassismuskonferenz stand unter einem unguten Stern. Journalisten prognostizierten, dass der iranische Ministerpräsident

Ahmadinejad seine Anwesenheit als Plattform nutzen wird, gegen Israel. Einige Staaten blieben deshalb dem Treffen fern. Nun kam es, wie es kommen musste:

Ich zitiere Tagi-online:

Eklat: Ahmadinejad mit «Hassrede» – Delegierte verlassen den Saal

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad hat an der Uno-Konferenz gegen Rassismus Israel und die westlichen Staaten als rassistisch kritisiert. «Der Weltzionismus ist der personifizierte Rassismus», sagte er am Montag in Genf.

1/10 Haben genug gehört: Westliche Diplomanten verlassen... Bild: Reuters

Leere Sitze: Die USA kamen schon gar nicht, andere Delegierte verliessen während der Rede des iranischen Präsidenten den Saal.

Leere Sitze: Die USA kamen schon gar nicht, andere Delegierte verliessen während der Rede des iranischen Präsidenten den Saal. (Bild: Keystone)

Artikel zum Thema

Israel missbrauche religiöse Gefühle um seinen Hass zu verbergen, sagte Ahmadinejad in seiner Rede weiter. Die westlichen Länder hätten nichts gegen die Bombardierung der Menschen im Gazastreifen gesagt.

Die Europäer hätten zudem den Ersten und Zweiten Weltkrieg verursacht und als Kompensation für ihren Rassismus ein rassistisches Regime nach Palästina gebracht, das sie zusammen mit den USA seit 60 Jahren unterstützten.

Aus Arroganz und um ihr Einflussgebiet auszuweiten, hätten die USA und ihre Verbündeten Krieg gegen Irak und Afghanistan geführt. Im Übrigen forderte Ahmadinejad eine Reform des Uno-Sicherheitsrats.

«Hassrede» verurteilt

Die Delegierten mehrerer EU-Staaten verliessen aus Protest den Saal. Frankreich hat scharf gegen die Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad auf der Anti-Rassismus-Konferenz in Genf protestiert. Sarkozy rief die EU zu einer «Reaktion von äusserster Entschlossenheit» auf.

Ahmadinejad rufe zum Rassenhass auf, er verhöhne die Ideale und Werte, die in der universellen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben seien, erklärte Sarkozy. Aussenminister Bernard Kouchner nannte die Aussagen des iranischen Präsidenten als «inakzeptabel».

«Hasstiraden, Schmähreden und anti-israelische Ausfälle»

Frankreich hatte in letzter Minute entschieden, anders als etwa Deutschland und die USA mit einem Botschafter an der Uno-Konferenz teilzunehmen. Nach den Äusserungen Ahmadinejads verliess der französische Uno-Botschafter aber gemeinsam mit den Delegationen zahlreicher europäischer Staaten die Konferenz.

Ausser von Deutschland und den USA wird die Konferenz von Israel, Italien, den Niederlanden, Polen, Kanada, Australien und Neuseeland boykottiert. Hintergrund des Boykotts war die Sorge, dass die Konferenz zu einem Podium für anti-israelische Erklärungen werden könnte.

Die deutsche Regierung rechtfertigte ihre kurzfristig beschlossene Nicht-Teilnahme mit Befürchtungen, dass die Veranstaltung von einzelnen Teilnehmern «für Hasstiraden, Schmähreden und anti-israelische Ausfälle» missbraucht werden könnte.

Kommentar: Die Sorge jener Länder, die der Konferenz fern geblieben sind war unmissverständlich: Die Konferenz könnte zu einem Podium für anti-israelische Erklärungen werden. Diese Sorge war berechtigt und voraussehbar. Es stellt sich somit die grundsätzliche Frage, weshalb man einen Staatschef, der internationales Recht nicht anerkennt, den Holocaust leugnet und Israel vernichten will, überhaupt empfängt?

Unsere Aussenministerin, die den Kontakt mit dem Hassrhetoriker schleiertragend stolz gepflegt hatte, in der Hoffnung, sie könnte mit ihrem Lächeln etwas bewirken, müsste heute endlich einsehen:

Mahmud Ahmadinejad ist und bleibt unbelehrbar. Auch Bundespräsident Merz sollte einsichtig über die Bücher gehen und sich fragen, ob es nicht doch besser gewesen wäre, dem Treffen fern zu bleiben. Für mich ist der Eklat keine Ueberraschung. Er war vorhersehbar und lag in der Luft.

Bild findet:

Iran-Präsident Ahmadinedschad: Eklat auf  auf Anti-Rassismus-Konferenz

Nachlese: Bundespräsident Merz versteht die Empörung nicht. Nach seinem Dafürhalten durfte die Schweiz den Dialog mit dem Holcausleugner nicht abbrechen, weil die Schweiz einen Vermittlungsauftrag hat und der Bundesrat dem Wunsch des iranischen Präsidenten entsprechen musste.

Jeder Kommunikationsberater weiss, dass Dialoge nur weiter führen, wenn jede Seite bereit ist auf das Gegenüber zu hören. Wir haben bei der katholischen Kirche gesehen, dass Dialoge durchaus eine Grenze haben können, beispielsweise bei jenem geistlichen Holocaustleugner der uneinsichtig blieb und nicht bereit war seine Haltung zu korrigieren.

Auch bei Ahmadinedschad hätte die Schweiz auf die Vermittlung verzichten müssen, solange dieser Gesprächspartner auf der Vernichtung des Staates Israels pocht. Rassisten müssen nicht geduldet werden mit der Begründung, man verteidige die freie Meinungsäusserung. Es gibt in jedem Staat mit freier Meinungsäusserung Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen.

Interessant: Als man der Schweiz mit einer schwarzen Liste drohte, war Bundespräsident erstaunlich rasch nachsichtig und berücksichtigte sofort die Meinung anderer Staaten. Beim Holocaustleugner hingegen setzte er sich angeblich konsequent für die Meinungsfreiheit ein und setzt sich über die berechtigte öffentliche Kritik hinweg. Ein verkehrte Welt: Beim rechtlich gefestigten Bankgeheimnis gibt Merz nach. Beim einem offensichtlichen Rassisten hingegen setzt er sich für die angebliche Meinungsäusserungsfreiheit eines Hassredners ein.

Auch bei Dialogen gibt es Grenzen, die eingehalten werden müssen. Anstatt ein Brücke aufzubauen hat unserer Aussenministerin und unser Bundespräsident mit ihrem ungeschickten Verhalten einen Graben aufgerissen, der sicherlich nicht so rasch überwunden werden kann. Es war gewiss ein gravierender Fehler, dass sich bei der Vermittlung der USA und dem IRAN sich die Aussenministerin persönlich und der Bundespräsident ebenfalls persönlich engagiert hatten.

Diese gravierenden Fehler dürfen nicht beschönigt werden!

Aus Tagi:

Schweizer Delegierte blieben im Saal bei Ahmadinejads Hetzrede

Das Treffen zwischen Hans-Rudolf Merz und Mahmud Ahmadinejad belastet die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel.

Die Frage ist berechtigt: Wer hatte dieses unverständliche Verbleiben angeordnet? Frau Calmy- Rey oder Herr Merz? Bei Rassismus und Völkerverhetzung darf es keine Neutralität geben. Es gibt bei Rassisten keine Gesinnungsneutralität.

Sonntag, 19. April 2009

Die fünf Tugenden für das UEBENDE LEBEN

Wir sind ständig übende Menschen, die unser Leben ständig verbessern können. Erfreulich ist der Umstand, dass dieses LERNEN bis ins hohe Alter möglich ist. Mich hat es heute gefreut, dass die fünf Tugenden des Philosophen Professors Peter Sloterdijk 1:1 auf die Rhetorik und die Verbesserung der kommunikativen Kompetenz übertragen werden können.

Peter Sloterdijk
Peter Sloterdijk

Prof. Dr. Peter Sloterdijk Professor für Philosophie und Ästhetik, Rektor Kontakt E-Mail: rektorat@hfg-karlsruhe.de Internet: http://www.petersloterdijk.net

Ich zitiere diese fünf Tugenden und kommentiere sie:

1. Körper und Geist regelmässig fit halten!

Kommentar Marcus Knill: Das Training der körperlichen Fitness wird den Menschen immer mehr bewusst und immer mehr ältere Menschen merken, dass man den Körper auf Trab halten kann. Bewegung ist ein MUSS. Leider sind sich die Wenigsten bewusst, dass man genau so den Geist regelmässig fit halten muss. Wir vermitteln in unseren Seminaren Uebungen, wie wir im Beruf und Alltag aber auch in der dritten Lebensphase geistig beweglich bleiben können.

2. Aufmerksam und geistesgegenwärtig sein!

Kommentar Marcus Knill: Die Präsenz und die Fähigkeit sich bei jeder Tätigkeit voll und ganz auf das jeweilige Tun zu konzentrieren ist etwas vom Zentralsten bei allen Kommunikationsprozessen. Es gibt bestimmte Rituale, dank derer wir besser dies Aufmerksamkeit fördern können. K+K hilft Ihnen gerne weiter.

3. Bereitschaft zur Belastung zeigen!

Kommentar Marcus Knill: Wer die Muskeln schont, merkt bald, dass sie sich ohne Belastung rasch zurückbilden. Wer nicht gelernt hat, mit Belastungen umzugehen, ist nicht fähig, ein Projekt oder eine Aufgabe zeit - und zielgerecht zu erledigen. In der Erziehung wurde leider vielerorts über Jahre hinweg das Durchstehvermögen vernachlässigt, im Glauben, Druck schade und sei kontraproduktiv bei den Lernprozessen (Kuschelpädagogik). Wer gelernt hat, Belastungen auszuhalten, wird im Nachhinein ein grössere Freude empfinden, als jene Person, die den Belastungen ständig ausweicht. Dies erleben wir beispielsweise, wenn wir die Mühsal eines Aufstieges auf einen Bergipfels auf uns nehmen und dann die Aussicht mehr geniessen, wie nach der Benützung der Bergbahn.

4. Auf die Ausdruckskultur achten. Nicht das Erstbeste (ohne Inhalt) drauflos reden.

Kommentar Knill: Diese Sloterdijk Tugend kann hundertprozentig auf die Rhetorik übertragen werden. Sie deckt sich mit unserern Grundregeln: Zuhören ist wichtiges als Reden! Schweigen ist auch Kommunikation. Immer Gehirn einschalten vor dem REDEN! d.h. DENKEN dann SPRECHEN!

LINKS:

Schweigen können

Sie wundern sich vielleicht, dass das Schweigen ein wichtiges Element der ... Diese Geschichte macht deutlich: Schweigen können hat verschiedene Vorteile. ... www.rhetorik.ch/Schweigen/Schweigen.html - 10k -Cached - Similar pages
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  1. Hoeren, Hinhoeren, Zuhoeren

    Es gibt einen Unterschied zwischen Hören, Hinhören und Zuhören. ... Vom Hören über das Hinhören zum aktiven Zuhören zu kommen. ... www.rhetorik.ch/Hoeren/Hoeren.html - 17k - Cached - Similar pages
  2. Überzeugend antworten

    Nur wer sich vorbereitet, zuhört und reflektiert hat die Möglichkeit, ... Ohne konzentriertes Zuhören können wir beim Antworten nicht lenken. ... www.rhetorik.ch/Ueberzeugen/Ueberzeugen.html - 11k - Cached - Similar pages
  3. Überlegen antworten Gesprächserfolge durch strukturierte ...

    Nur wer sich vorbereitet, zuhört und reflektiert hat die Möglichkeit, ... Konzentriert zuhören Wie bei jedem Gespräch muss vor der Befragung überlegt ... www.rhetorik.ch/Alphaartikel/ueberlegen.html - 10k - Cached - Similar pages
  4. Die Balance finden

    Schweigen heisst noch nicht Zuhören. Zuhören bedeutet: Das Gehörte aufnehmen. Das Gehörte bedenken und auf das Gehörte eingehen. Aktives Zuhören bedingt ... www.rhetorik.ch/Balance/Lang.html - 40k - Cached - Similar pages

5. Musik hören

Kommentar Marcus Knill: Musik gehört für mich zum Lernen. Musik kann entspannen und uns emotional beeinflussen. Ich lasse in Seminaren meist vor der Eröffnung ein "Brandenburgisches Konzert" von Johann Sebastian Bach laufen. Für mich enthält diese Musik eine ausgewogene Balance zwischen Kopf und Herz. Diese barocke Musik folgt mathematischen Gesetzmässigkeiten und weckt zugleich emotionale Bilder.

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Weder Versehen noch einmaliger Ausrutscher:

Bohlen bleibt sich seiner gewohnten Exekutionsrhetorik treu -

wie gewohnt ohne Folgen!

Ich zitiere Bild:

Bohlen nennt Annemarie Bitch: Entgleisung oder übler Scherz?

Entgleisung oder übler Scherz? Bohlen nennt Annemarie „Bitch“ (Schlampe)

Eklat bei DSDS: Dieter Bohlen beschimpft Kandidatin Annemarie (18)!

Es passierte nach der ersten Runde, nach Annemaries erstem Auftritt (sie sang den Song „Bailando“ von Loona).

Bohlen maulte, das Original sei ja noch „ganz charming“ – aber, an Annemarie gerichtet: „...wenn so eine Bitch (Schlampe) so eine Nummer singt...“

Das Publikum war geschockt – genau wie die anderen Kandidaten. Daniel hielt sich vor Entsetzen die Hand vor den Mund, Sarah blieb der Mund offen stehen, Dominik schüttelt den Kopf. Sogar Moderator Markus Schreyl: sprachlos.

Kommentar: Ich sehe keinen Grund, geschockt zu sein. Bohlen beleidigt die Teilnehmer nicht zu ersten Mal. Es ist sogar nach BILD sein Markenzeichen. BILD schätzt diese "lustigen" Sprüche und publiziert sie immer wieder als originelle Aussagen.

LINKS:

  1. rhetorik.ch aktuell: Die Exekutionsrhetorik des Dieter Bohlen

    17. Febr. 2007 ... "Die Sprüche von Dieter Bohlen werden bewusst lanciert, ... Wir sehen es ähnlich: Nach unserem Dafürhalten wird Dieter Bohlen von den Medien ... www.rhetorik.ch/Aktuell/07/02_17/index.html - 5k - Cached - Similar pages
  2. rhetorik.ch aktuell:

    3. Okt. 2003 ... Im Herbst letzten Jahres landete Dieter Bohlen mit seinem ersten Buch "Nichts als die Wahrheit" auf Anhieb einen Megaseller. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Oct_03_2003.html - 15k - Cached - Similar pages
  3. rhetorik.ch aktuell: Bohlen und die Apfelringe

    26. Nov. 2005 ... Nachdem Dieter Bohlen die Gesangskünste der letzten 14'000 Bewerber im "DSDS" auf primitive Art und Weise verbal schikaniert und beleidigt ... www.rhetorik.ch/Aktuell/05/11_26.html - 9k - Cached - Similar pages
  4. rhetorik.ch aktuell:

    Dieter Bohlen war von der Boulevardpresse nicht zu erreichen. Vielleicht befand er sich im Makromarkt und wurde inmitten der vielen Doppelgängern nicht mehr ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Nov_28_2004.html - 6k - Cached - Similar pages
  5. rhetorik.ch aktuell: Benny's Anti-Bohlen Lied

    Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Aktuell Bohlen · Klatschkommunikation ... trällerte beim Ludwigshafener Radio-Sender RPR1 ein Lied zum Thema Dieter Bohlen: ... www.rhetorik.ch/Aktuell/09/03_29/index.html - 5k - Cached - Similar pages
  6. rhetorik.ch aktuell:

    17. März 2003 ... Dieter Bohlen und Co ihre Millionen. So ist allen gedient. ... Dieter Bohlen schreckt selbst vor "verbaler Exekution" nicht zurück. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Mar_17_2003.html - 25k - Cached - Similar pages
  7. rhetorik.ch aktuell:

    Thomas Anders, die Stimme des einst erfolgreichen Pop-Duos "Modern Talking" feierte Mitte der achziger Jahre mit Dieter Bohlen Erfolge auf der ganzen Welt. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Jun_24_2004.html - 5k - Cached - Similar pages
  8. Exekutionsrhetorik

    Exekutionsrhetorik ist der Griff in die unterste Schublade der Rhetorikkiste. Sie wurde in letzter Zeit von Dieter Bohlen im Fernsehen praktiziert. ... www.rhetorik.ch/Exekution/Exekution.html - 6k - Cached - Similar pages
  9. rhetorik.ch aktuell: Geht der Krug doch zum Brunnen, bis er bricht?

    16. Jan. 2007 ... Das müsste auch ein Dieter Bohlen wissen. Als er beim Tauchen jüngst von Haien attackiert worden ist, hätte er erkennen können, ... www.rhetorik.ch/Aktuell/07/01_16/index.html - 8k - Cached - Similar pages
  10. rhetorik.ch aktuell:

    21. Aug. 2003 ... In einem Werbespot für den Milchreisproduzenten "Müller-Milch" nimmt der Musikproduzent Dieter Bohlen deutsche Politiker auf die Schippe. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Aug_21_2003.html - 10k - Cached - Similar pages

Donnerstag, 16. April 2009

Die Lust am Schecklichen - solange man nicht betroffen ist

Standbild aus dem Amnesty-International-Film «Stuff Of Life», das Waterboarding zeigt.

(Bild: Keystone/AP)

Für Kinder üben Folternkammern auf Burgen einen sonderbaren Reiz aus. Ich weiss noch gut, wie mich an einer Schulreise die "eiserne Jungfrau" Beim Besuch einer Folterkammer in einem Museum lange beschäftigt hatte. Ich versuchte mir auszumalen, welche Schmerzen erduldet werden müssen, wenn man in die eiserne Rüstung gesteckt wird und beim Schliessen der Rüstung die zahlreichen Nadeln durch den Körper dringen.

Später musste sich mich als Medienpädagoge mit den Darstellungen in Brutalovideos und Gewaltdarstellungen beschäftigen und erkannte, dass Gruselszenen und Folterungen für viele Jugendliche einen Reiz haben und der Nervenkitzel - wie im Kino bei Krimis - lustvoll sein kann, aber nur, wenn man das Geschehen nur als Unbeteiligter gleichsam nur von aussen mitverfolgen kann.

http://www.spieleradar.de/PC/spiele/news/wheelman/uploads_cms/pics/63172461300000.jpg

Heute wurden im Internet (Tagi online) Foltermethoden publiziert, die in Amerika angewendet wurden, um Geständnisse zu erzwingen. Wer folgende Publikation liest, dem wird es ähnlich ergehen, wie es mir als Kind in der Folterkammer in der Kyburg ergangen ist.

Ich zitiere:

Die Memoranden aus dem US-Justizministerium enthalten Einzelheiten zur harschen Verhörpraxis unter der Regierung von Präsident George W. Bush. Die Dokumente aus den Jahren 2002 und 2005 dienten dem US-Geheimdienst CIA als Richtlinie für die Befragungen von Häftlingen, die mutmasslich zum Terrornetzwerk al-Qaida gehörten. Nur wenige Textstellen sind geschwärzt worden.

Die vier Memoranden, die alle zwischen 13 und 20 Seiten lang sind, enthalten 14 Foltermethoden, mit denen Häftlinge dazu gebracht werden sollen, Informationen preiszugeben. Dabei weisen die Autoren permanent darauf hin, wie harmlos die Verhörmethoden seien.

Das US-Justizministerium hat die Verhörtechniken in drei Kategorien eingeteilt. Zur ersten zählen Methoden, um den Häftling zu erniedrigen und in einen «Zustand der Abhängigkeit» zu bringen:

Schlafentzug:

Der Gefangene wird gezwungen zu stehen, die Hände gefesselt vor dem Bauch. «Das verhindert, dass er einschläft.» Auch an den Füssen gefesselt, kann er sich in einem Rechteck von 60 auf 90 Zentimetern bewegen und wird bis zu elf Tagen wach gehalten.

Erzwungene Nacktheit:

Der Häftling wird gedemütigt, weil sein «kulturelles Empfinden» verletzt wird oder indem ihn eine weibliche Beamtin betrachtet.

Zwangsdiät:

Die feste Nahrung wird durch Flüssignahrung ersetzt. «Verschieden Schlankheitskuren, welche in den USA erhältlich sind, reduzieren die Kalorienzufuhr mindestens so stark», heisst es. Die Verhörtechniken der zweiten Kategorie bezwecken, den Häftling «zu erschrecken oder zu massregeln».

Schlag in den Unterleib:

Der Befrager schlägt mit dem Handrücken zu, darf aber keinen Ring tragen. Empfohlen zusammen mit der Eiswasserdusche.

Gesichtsgriff:

Der Häftling wird im Gesicht so angepackt, dass er den Kopf nicht mehr bewegen kann.

Schlag ins Gesicht:

Das Ziel ist nicht körperlicher Schmerz, sondern Überraschung, Schock und Beleidigung.

Griff an den Kragen:

Der Häftling wird überrascht und erschreckt. Mit den Methoden der dritten Kategorie wird der Häftling «physisch und psychisch unter Druck» gesetzt.

Simuliertes Ertrinken (Waterboarding):

Der Häftling wird mit verbundenen Augen auf eine Bank gefesselt, die Füsse angehoben. Mund und Nase werden mit einem Tuch bedeckt und 20 bis 40 Sekunden mit Wasser begossen. Der Verhörte leidet unter «seelischen Qualen und Todesangst». Der Vorgang «kann wiederholt werden». Das simulierte Ertrinken darf nur angewendet werden kombiniert mit einer Zwangsdiät und Schlafentzug.

Stehen an der Wand:

Das Folteropfer steht einen Meter vor der Wand und muss sich nach vorn lehnen, bis es mit den Fingerspitzen die Wand berührt. Ziel ist die Ermüdung der Muskeln.

Schmerzhafte Körperhaltung:

Der Gefangene soll auch damit stark ermüdet werden. Zum Beispiel, indem der Häftling kniet und sich 45 Grad nach hinten lehnt.

Dusche mit Eiswasser:

Wasser von einer Temperatur von 5 Grad Celsius wird über den Häftling gegossen.

Arrest in dunkler Kiste:

Eingeengt, wird die sinnliche Wahrnehmung gestört.

Wurf gegen Holzwand:

Wenn der Beamte den gefesselten Häftling gegen die Wand stösst, gibt es einen Knall. «Der Aufschlag soll härter wirken, als er ist.»

Arrest in dunkler Kiste mit Insekt:

Einem Gefangenen, der Angst vor Insekten hat, wird suggeriert, dass sich in der Kiste Ungeziefer befindet. Tatsächlich ist dort aber nur eine harmlose Raupe. Diese Foltermethode hat bereits George Orwell in seinem Roman «1984» beschrieben. Das IKRK hat die Verhörmethoden der US-Behörden zwischen 2002 und 2006 untersucht. Die Gespräche mit 14 Häftlingen ergaben, dass die vom US-Justizministerium empfohlenen Verhörmethoden weitgehend angewendet wurden. (Tages-Anzeiger)

Kommentar: Die Methoden werden zwar als harmlos beschrieben. Doch Betroffene teilen diese Behauptung nicht. Mein Mentor (ein Diplompsycholge aus Deutschland, der mich in der Supervision ausgebildet hatte) kam gegen Ende des zweiten Weltkrieges ins Konzentrationslager Bautzen.

Seine Schilderungen der grauenhaften Erlebnisse sind tatsächlich noch schlimmer als jene Methoden, die der Tagi heute publiziert hat. Doch konnte ich mir alle geschilderten Methoden im Konzentrationslager gar nicht mehr richtig vorstellen, denn die Folterungen überstiegen das Vorstellungsvermögen eines Menschen, der so etwas noch nie erlebt hatte: Ein paar Monate Dunkelheit. Es wird ein Todesurteil ausgesprochen, doch die Erschiessung erfolgt ohne Munition. Stress pur. Oder: Der GEfangene wird einen Heizkörper gebunden und die Temperatur wird langsam gesteigert, bis es zu Verbrennungen kommt. Tagelang Schlafentzug d.h. wenn der Gefangene einnickt, wird er nach einigen Minuten mit einem Sirenenton aus dem Schlaf gerissen. Oder: Arbeiten ohne Schuhe draussen in der Kälte. Essenentzug. Redeverbot über Wochen usw.

Der deutsche Diplompsychologe hat zwar später seine unvorstellbaren Erlebnisse in einen Buch niedergeschrieben. Von den Gefangenen in seinem Gebäude haben übrigens nur vier seiner Freunde diese Hölle überlebt. Die fünf Ueberlebenden vertraten alle die Meinung: Physische Stärke sei nicht das Wichtigste beim Ueberlebenskampf. Vor allem die geistige Widerstandkraft habe geholfen, die Torturen zu überstehen.

Dienstag, 14. April 2009

Lohnt sich illegale Werbung?

Die Rechnung kann Migros wahrscheinlich im jüngsten Fall aufgehen. Jedenfalls hat ihre heutige illegale Werbung immerhin bereits grosse Aufmerksamkeit bewirkt und die Busse oder die Reinigungskosten stehen wahrscheinlich in keinem schlechten Verhältnis, zu den Kosten, welche die Migros mit legaler Werbung hätte aufbringen müssen.

Ich zitiere Tagi:

Illegal: Migros pflastert Schweizer Ortstafeln zu

Der Detailhandelsriese startet heute seine neue Werbekampagne. Dabei greift er auch zu ungewöhnlichen Mitteln. Die Migros hat in einer Guerilla-Aktion in 57 Schweizer Gemeinden die Ortstafeln abgeändert.

Der Gag ist eine Idee der Werbeagentur von Matt. Die Agentur war sich bewusst, dass die Veränderung von Ortschildern mit Busse bestraft werden können. Angeblich werden die selbstklebenden und gut lösbaren M nach der Atkion sofort wieder entfernt.

Aus 20 Min:

Der Detailhändler Migros geht unter die Gesetzesbrecher: Für eine Werbekampagne überklebt er Ortstafeln. Dafür drohen bis zu 10 000 Franken Busse. Der orange Riese nimmt das offenbar gerne in Kauf.

RUMINARE

Siehe Synoyme:

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Italienisch Italienisch

ruminare (problema, zoologia)

Deutsch Deutsch

grübeln (problema, zoologia) wiederkäuen (problema, zoologia)

Englisch Englisch

ponder (problema) ruminate (problema, zoologia)

Französisch Französisch

méditer (problema, zoologia) ruminer (problema, zoologia) réfléchir (problema, zoologia) se faire du mauvais sang (problema, zoologia) songer (problema, zoologia)

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Heute hatte ich mit Gunter Faigle, Direktor der deutschen Volkshochschule Donaueschingen, ein gutes Gespräch. Wir reflektierten, was LERNEN mit DENKEN zu tun hat. Er zitierte mir dabei einen Gedanken von Konfuzius über LERNEN - DENKEN - BILDUNG:

LERNEN ohne zu DENKEN ist wertlos

DENKEN ohne zu LERNEN ist gefährlich

Den ersten Satz konnte ich sofort unterschreiben. Bei zweiten Satz merkte ich jedoch, dass dieser Gedanke verschieden interpretiert werden kann und nach einer kurzen Diskussion machte mich Gunter Faigle auf eine Methode zur geistigen Vergewisserung aufmerksam, die immerhin schon mehr als 2000 Jahre auf dem Buckel hat und auch für bestimmte Zwecke heute noch tragfähig ist: das fand er faszinierend. Sie gemahnt u. a. auch daran, den Mund bei wichtigen Angelegenheiten erst dann aufzumachen, wenn Abwägungen getroffen worden sind. Im Alltag lohnt es sich vermert zu ruminieren!

Ruminare kommt von wiederkauen (Ruminatio, Rummans, Ruminales, s. Pfeil-IconWiederkäuung).

Zur Methode RUMINATIO:

Wenn beispielsweise ein Satz (Gedanke) von verschiedensten Seiten betrachtet wird, können wir die Aussage reflektierend (wiederkauend) zusätzlich vertiefen.

Der Satz kann beispielsweise zuerst in einzelne Worte zerlegt werden und über jedes Wort müsste in einem Selbstgespräch laut nachgedacht werden. Dann wird der Satz zerlegt und über jeden Teil wird laut reflektiert. Der Satz kann auch von hinten nach vorn gelesen werden. Dazu wird laut nachgedacht und es werden dazu jeweils auch Notizen gemacht. Hernach gilt es, aus den vielen Gedanken einen Kerngedanken heraus zu schälen und diese Interpretation der Gruppe vorzutragen.

Nachtrag 18.4.09:

Auch in der Meditation besteht eine Variante des Ruminare ein Bestandteil zur Vertiefung von Gedanken. Beispielsweise in Gebetsritualen. Abt Merian liess mir folgenden beachtenswerten Text zukommen, den ich gerne an dieser Stelle als weiteren Gedankenanstoss zur Thematik "Wiederholung und Reflektion von Worten und Gedanken" aufnehme:

Das Jesus- oder Herzensgebet ist seit dem Beginn des Mönchtums in der aegyptischen Wüste im 3./4. Jh. eine westliche und östliche Tradition des mystischen Gebetes. Es besteht in der einfachen, gläubigen Wiederholung (mündlich oder im Herzen) eines sog. Ein-Wort-Gebetes (griech. Monologion; lat. formula pietatis): z.B. "Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner (unser)" oder "Jesus, Sohn Gottes, ich vertraue auf Dich" oder "O Gott komm mir zu Hilfe, HERR, eile mir zu helfen!" Es geht auch mit dem blossen Namen "Jesus", den man sogar mit dem Ein- und Ausatmen verbinden kann. Das Geheimnis des Erfolgs ist die richtige Gesinnung (entschiedene Gottes- und Nächstenliebe), die ausdauernde und geduldige Wiederholung (Beten) des Jesusgebetes im Herzen in einer vertrauensvollen und demütigen Haltung. Auf diese Weise führt das Gebet bald zu einer Gotteserfahrung und zum Frieden des Herzens. In eine zeitgemässe Sprache gegossen, würde ich es so sagen: Durch das Jesusgebet im Herzen kann ich jederzeit und allerorts (wie auch in jeder Lage, innerlich wie äusserlich) einfach, ungehindert und schnell "online gehen" mit dem erhöhten und auferstandenen HERRN. Ich komme durch diese Anrufung Gottes in eine direkte Berührung und Verbindung mit IHM, dem Sohne Gottes, der zur rechten des VATERS sitzt und für uns eintritt. Sobald ich durch Zerstreuungen, Fehler und durch den Lauf der Dinge in den Standby-Modus zurückfalle (die Verbindung mit Gott vergesse), kann ich schnell durch "ein paar Bewegungen der Maus" bzw. durch die erneuerte und wiederholte Anrufung des HERRN (Wiederholen des Jesusgebetes im Herzen) mich wieder aufschalten mit Christus und auf diese Weise so lange mich das Gebet trägt in der Gnade "surfen" (in IHM bewegen wir uns) und chatten (mit Gott reden). Diese Form des Gebetes wird zu einer immerwährenden Tiefenhaltung, die auch noch im Schlafe fortbesteht und das Herz durch die Nähe Gottes warm (wohlwollend) macht und zwischenzeitlich mit grossem Trost erfüllt. Auf diesen Trost aber soll man nicht aus sein. Er stellt sich dann ein, wenn es Gott gefällt.

Abt Dr. Marian Eleganti osb Abtei St. Otmarsberg Ernetschwilerstrasse Postfach 135 CH 8730 UZNACH

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Zu den fernöstlichen Techniken der Meditation

Ich zitiere aus DocuCC:

Mönche im Labor - Die Neurowissenschaften entdecken die fernöstliche Meditation

Abgelegt in Natur/Tiere, Wissenschaft, Übersinnliches | wong it! von doku am 19 Februar 2007

Die Dokumentation erzählt ein ebenso menschliches wie wissenschaftliches Abenteuer: Warum interessiert sich die Wissenschaft für Meditationspraktiken? Und warum lassen buddhistische Mönche ihr Gehirn und ihren Körper wissenschaftlich untersuchen? Seit 2.500 Jahren erforschen die Buddhisten ohne jedes Hilfsmittel das Wesen des Geistes. Sie haben Meditationstechniken entwickelt, um die Konzentration zu fördern und Gefühle zu steuern. Lange wurden diese Praktiken in den westlichen Industrieländern ignoriert, heute jedoch interessieren sich viele Wissenschaftler für diese Techniken, weil sie sich Antworten auf jahrtausendealte Fragen erhoffen: Was sind Emotionen? Was ist der Geist?

Die Dokumentation zeigt Neurowissenschaftler in ihren Laboren, die Versuche mit praktizierenden Buddhisten durchführen, und verschafft Einblicke in einen neuen Bereich der Wissenschaft, der das Verhältnis zwischen Körper und Geist und die faszinierende Formbarkeit des Gehirns untersucht.

Montag, 13. April 2009

Der renommierte Pritzker-Preis 2009 geht an den Schweizer Architekten Peter Zumthor.

Die Therme Vals haben ihn weltberühmt gemacht.

Vor wenigen Wochen verbrachten wir in der Therme Vals ein paar Tage der Erholung. Es ist erstaunlich, wie es Peter Zumthor dort verstand, Funktion und Aesthetik unter einen Hut zu vereinen.

Das Material, das unterirdische Bad mit dem einheimischen dunklen Granit und der akustischen Untermalung (aus Lautsprechern sind Grottengeräusche zu hören) gibt dem Bau eine Sinnhaftigkeit und erinnerte mich an die Thematik (sinnvoll kommunizieren).

  1. rhetorik.ch aktuell: Sinnvoll Kommunizieren

    Sinnvoll Kommunizieren. Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Wortwirkung · Wort und Bild. Wer so schreibt oder so redet, dass man das Gesagte mit den äusseren ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/06_11/index.html - 6k - Cached - Similar pages

Ich zitiere Tagi online:

1/12 Das bekannteste Bauwerk Peter Zumthors: Die Therme in Vals. Bild: KEYSTONE/AP

Architekt von Weltrang: Peter Zumthor.

Architekt von Weltrang: Peter Zumthor. (Bild: Keystone)

Pritzker-Preis

Höchste Auszeichnung für Architekten

Der Pritzker-Preis ist der renommierteste Preis in der Architektur. Gestiftet wurde er 1979 vom US-Amerikaner Jay A. Pritzker (1922-1999), der unter anderem die Hyatt-Hotelkette gegründet hatte. Der Pritzker-Preis ist mit 100'000 Dollar dotiert und wird jährlich vergeben. Die Auszeichnung geniesst in Fachkreisen eine ähnliche Wertschätzung wie die Nobelpreise in den Naturwissenschaften. Peter Zumthor ist nicht der erste Preisträger aus der Schweiz. Vor acht Jahren erhielten Jacques Herzog und Pierre de Meuron den Pritzker-Preis.

Wie viele Bauwerke Zumthors bestechen sie durch rigorosen Minimalismus und dezent eingesetztes Licht.