Sonntag, 15. März 2009

Protest: Die Schweiz wurde nicht informiert

Aus NZZ online:

«Hinter dem Rücken der Schweiz agiert»

Bundesrätin Doris Leuthard kritisiert Rolle der OECD im Streit um Bankgeheimnis

Bundesrätin Doris Leuthard hat die Rolle der OECD im Streit um das Schweizer Bankgeheimnis scharf kritisiert. Die Pariser Organisation habe sich unrühmlich verhalten und die Schweiz über die geplante Nomination für die Schwarze Liste nicht informiert.

(sda) Beim Entwurf einer Schwarzen Liste unkooperativer Länder in Steuersachen habe die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zugunsten der G-20-Staaten gearbeitet, sagte Leuthard in der Sendung «Samstagsrundschau» von Schweizer Radio DRS. Die Organisation habe Transparenz vermissen lassen und «hinter dem Rücken» der Schweiz agiert

Kommentar: Diese Rüge macht bewusst, dass die Schweiz vorschnell gehandelt hat.

Es ist unbegreiflich, dass der Bundesrat eine Expertengruppe ins Leben gerufen hatte, um alle Möglichkeiten zu prüfen und dann plötzlich im Schnellschuss handelte.

Es ist nicht verständlich, dass der Bundesrat nicht zuwartet, bis alle so genannten Steueroasen mit gleichen Spiessen ausgerüstet werden. Weshalb muss die Schweiz eine Vorleistung bringen, bevor andere Länder in diesem Wirtschaftskrieg auch nachgeben? Mit dem Vorpreschen ist noch nicht sicher, dass die restlichen Steueroasen auch mitziehen.

Es hat sich heute gezeigt: Die Zahlen über die deponierten Vermögen in der Schweiz wurden falsch eingeschätzt. Wenn alle Gelder abgezogen werden ist der Schaden nach heutigen Erkenntnissen für unser Land doppelt so hoch!

Tagi-online:

Ziehen jetzt Ausländer ihre 2000 Milliarden aus der Schweiz ab?

Ausländische Privatkunden haben doppelt so viel Geld bei Schweizer Banken wie bisher angenommen. Die Konsequenzen durch das gelüftete Bankgeheimnis könnten daher für die Volkswirtschaft bedeutend sein.

Weshalb hatte der Bundesrat so Angst vor der schwarzen Liste (bei der er übrigens auch hätte mitreden können). Die Schweiz hätte auch noch Trümpfe in der Hand gehabt, die sie vor dem Entgegenkommen hätte ausspielen können.

Fazit: Es zeigt sich auch beim Zugeständnis, dass der Bundesrat - einmal mehr - unbedacht gehandelt hat. Nachdem die Schweiz über den Tisch gezogen wurde, versucht sich nun die Regierung - nachträglich - mit Zähnezeigen und Bellen wieder Respekt zu verschaffen.

Zur Ansteckungsqualität von Amokläufen in Schulen

Die These, dass ohne Internet , Waffen und Medien das neue Phänomen der Bluttaten in Schulen nicht so zugenommen hätte, hat etwas für sich.

Amokläufe werden ungefähr seit 100 Jahren untersucht. Ich zitiere NZZ am Sonntag vom 15. März:

"Schulmassaker hat es seit dem 18. Jahrhundert gegeben. Allerdings waren es Gemetzel von Indianern an weissen Siedlerkindern. oder es rächten sich erwachsene Männer für vermeindliche ungerechtigkeiten. Massacker durch Schüler an Schule gibt es seit den neuziger Jahren, aber nur in den USA, Westeuropa und Australien. Mit dem aus Malaysia bekannten Amoklauf haben sie nichts zu tun, bei dem sich Malaien mit einem Blutbad an den Kolonialherren rächten."

(Ende Zitat)

Seit dem Anschlag in der Cafeteria der Columbine High School haben die Anschläge eine neue Dimension bekommen. Wir wissen heute, dass das Massaker in Littleton lange vorbereitet wurde. Texte, Videos wurden ausgewertet. Das Blutbad im April 1999 animierte zur Nachahmung.

Dylan Klebold & Eric Harris "Littleton Massaker"

1. Wir können heute auf jedem Laptop auf Videos sehen, wie die Columbine Attentäter Dylan Lebold und Eric Harris auf ihre Mitschüler schiessen. Es starben damals 11 Schüler und ein Lehrer.

Das Vermächtnis der Tat ist in Tagebucheinträgen, Kurzgeschichten aus Creative-Writing-Workshops, Videos und Gedichten zu finden. Die Tat wurde angekündigt. Die Täter entschuldigen sich sogar vor der Tat an die Eltern und jene "die wir lieben".

2. Die Amokläufer haben das Bedürfnis, endlich einmal jemand zu sein. Sie wissen heute, dass sie mit einer Bluttat gleichsam unsterblich werden. Sie wissen, dass nach dem Tod (Verüben meist Selbstmord) die Videos um die Welt gehen.

Seit Columbine müssen wir uns mit dem neuen Phänomen auseinandersetzen:

Die Täter werden berühmt!

3. Die Täter in Erfurt - auch in Winnenden - haben sich vermutlich an Columbine orientiert.

http://www.javno.com/slike/slike_3/r1/g2009/m03/y197683118832470.jpg

Wenn sich die Erkenntnis erhärtet, dass sich die Ansteckungsqualität durch die mediale Verbreitung und "Verewigung" der Bluttat erhöht, lohnt es sich, über die Bücher zu gehen und zu überlegen, ob man nicht mit etwas mehr Zurückhaltung in den Medien und im Internet die Lust der Mörder an Publizität eingrenzen könnte.

Die grauenhaften Taten haben gewisse Gemeinsamkeiten:

- Die Mörder fielen nicht auf. Sie waren nette, zurückhaltende Schüler

- Es sind immer junge Männer

- Sie fühlten sich zu wenig ernst genommen

Das heisst: "Normale" Menschen wurden zu Massenmördern.

"Ich weiss" sagt Dylan Klebold (Amoktäter in der Columbine High School) "wir werden Nachahmer haben, weil wir so verdammt gottähnlich sind".

Wenn andere Jugendliche erkennen, dass sie dank einer Waffe in einem Massaker über Leben und Tod entscheiden und sich damit unsterblich machen können, besteht die Gefahr, dass frustrierte Jugendliche erneut angesteckt werden und den Frust ebenfalls auf dies gleiche schreckliche Weise beantworten.

Der deutsche Fernsehautor Joachim Gärtner findet:

Die Kommunikation zu Schulmassakern findet heute im Internet statt!

aus YouTube: (Falls das Video nicht mehr aus unserem Blog abgerufen werden könnte - bitte im Suchfenster -YouTube - Columbine Massaker - eintippen.)

Columbine Massaker 1/5

Channel Icon

Am 20. April 1999 stürmten die Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die Columbine High School in Jefferson County, nahe Denver im US-Staat Colorado und ermordeten dort zwölf Schüler im Alter von 1...
Am 20. April 1999 stürmten die Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die Columbine High School in Jefferson County, nahe Denver im US-Staat Colorado und ermordeten dort zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. Schliesslich nahmen sie sich selbst das Leben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die beiden Schüler durch die Umzingelung der Schule an Plänen gehindert wurden, die Schießerei auf das weitere Umland auszuweiten. Die Stadt Littleton wurde durch die Tat der beiden Schüler weltweit bekannt. Jedoch befindet sich die Columbine High School im Ort Jefferson County und nicht im benachbarten Littleton. Dieser Irrtum wird darauf zurückgeführt, dass das Schulgebäude im Postleitzahlenbereich von Littleton liegt.Die meisten Todesopfer gab es schließlich in der Bibliothek. Zwischen 11:29 und 11:36 nahmen die beiden Schüler nach und nach gezielt die einzelnen Tische unter Beschuss. Die rund 50 Schüler, die sich unter den Tischen versteckten, wurden von den beiden Schützen verspottet. Ob und wenn ja welche Konversationen zwischen den beiden Todesschützen und den Opfern stattfanden, konnte nie eindeutig geklärt werden. Fest steht, dass die beiden Täter äußerst brutal vorgingen. Cassie Bernall († 17), die sich unter einem Tisch versteckte, wurde von Harris aus kurzer Distanz mit einem Kopfschuss getötet, der Rückstoß der Schrotflinte brach ihm die Nase. Daniel Mauser († 15), dem vorletzten Todesopfer, dessen Vater in der Dokumentation Bowling for Columbine zu sehen ist, wurde mitten ins Gesicht geschossen.Die vielen größtenteils verletzten Schüler flüchteten bereits zuvor durch die Notausgänge aus der Bibliothek. Dass sich neben den zehn Toten auch noch die beiden Schwerverletzten Patrick Ireland und Lisa Kreutz unter den Tischen befanden, bemerkten die Amokläufer nach ihrer Rückkehr aus der Cafeteria offenbar nicht. Ireland rettete sich nach mehr als zwei Stunden selbst aus dem Fenster in die Arme der Rettungskräfte. Erst dadurch erfuhren Rettungsmannschaften vom Tod der Attentäter und bargen die beinahe verblutete Lisa Kreutz. Schon mindestens ein Jahr zuvor war der Anschlag genau geplant und wurde vorbereitet, indem die beiden Rohrbomben bauten und sich Waffen und Munition beschafften. Harris und Klebold studierten die Gewohnheiten in der Schule. Wenige Minuten vor der Schießerei stellten sie unbemerkt zwei 10kg schwere Propangasbomben mit Zeitzünder in die zu diesem Zeitpunkt stark frequentierte Cafeteria (der Zeitpunkt war bewusst gewählt, da sich für gewöhnlich ab 11:00 Uhr die meisten Menschen dort aufhielten) und warteten in ihren Autos auf die Explosion, die genau um 11:17 Uhr hätte stattfinden sollen. Fliehende Schüler sollte ein Kugelhagel erwarten. Die Bomben explodierten jedoch aufgrund technischer Fehler nicht. Wären die Bomben explodiert, hätte es wahrscheinlich bis zu 500 Menschen das Leben gekostet.

Samstag, 14. März 2009

Bundesrat hat nachgegeben

Monatelang sagte der Bundesrat: Das Bankengeheimnis ist nicht verhandelbar. An ihm kann nicht getrüttelt werden. Wir werden andere Staaten nur informieren, wie unser Bankengeheimnis funktioniert.

Vor Wochen hiess es man werde mit anderen Staaten zusammen eine Lösung finden, damit man nicht auf die schwarze Liste kommt. Plötzlich war alles anders. Es kam zum Wortbruch: Die Schweiz lockerte das Bankengeheimnis!

Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück drohte der Schweiz mit der Peitsche – es hat genützt. (AP)

Aus Tagi:

Winkelried Maurer: Er wollte beim Bankgeheimnis nicht nachgeben

Doris Leuthard, Eveline Widmer- Schlumpf und Micheline Calmy-Rey waren schon früh zu Zugeständnissen beim Bankgeheimnis bereit. Ueli Maurer wehrte sich hingegen bis zuletzt.

Bild: Felix Schaad

20 Min:

Bankgeheimnis

«Bald sind wir die Sklaven der Deutschen»

Gross ist die Empörung vieler 20-Minuten-Online-Leser über den Entscheid des Bundesrates zum Bankgeheimnis. Von Verrat, Ausverkauf zu Discountpreisen und Kniefall ist die Rede. Andere sehen im Aufweichen des Bankgeheimnisses eine clevere Strategie des Bundesrates

Bittet der Bundespräsident um Gnade?

Aus 20 Min:

Freitag, 13. März 2009

Noch mehr Chaos durch neue Namensgebung?

Früher war es einfach: Die Frau und die Kinder übernahmen den Namen des Vaters. Mit der Gleichberechtigung der Frau musste sie dann nicht mehr den Namen des Ehemannes automatisch übernehmen. Sie durfte neu den eigenen Namen behalten. Mit dem Bindestrich wurde verdeutlicht, ob die Ehefrau Edith Meier-Boller den Namen des Ehepartners übernommen hat oder als Edith Boller Müller einen Mann namens Müller geheiratet hat. Die Kinder hiessen so wie der Vater.

Die Namensregelung ist bekanntlich eine emotionale Sache und es kam aus den Reihen von Frauen zu einem Vorstoss im Nationalrat. Es wurde verlangt:

Künftig müsse man am Prinzip der Veränderlichkeit des Geburtsnamens festhalten und man sollte es aber den Brautleuten frei stellen, den Ledignamen der Frau oder des Mannes als gemeinsamen Familiennamen zu bestimmen.

Doppelnamen ohne Bindestrich würden abgeschafft.

Den Namen der Kinder hätten die Eltern vor der Heirat bestimmen müssen. Sollen sich die Eltern über den Namen der Kinder nicht einigen können, würde das Gericht entscheiden oder die Kinder heissen automatisch so, wie die Mutter.

Der Nationalrat lehnte den Vorschlag zur neuen Namenregelung ab.

Obschon die Linken aus Gleichstellungsoptik den Vorschlag geschlossen unterstützten, hielt die bürgerliche Mehrheit diese umfassende Revision als zu kompliziert ab und sah im zusätzlichen Wirrwarr sogar eine Gefahr für die Familie. Für sie ging die Revision zu weit. Die neue Namensregelung wurde abgelehnt.

Kommentar: Während der letzten acht Jahre hat man alle Möglichkeiten und alle Varianten geprüft. Mit der Rückweisung des Vorschlages scheint die komplizierte neue Regelung vorläufig vom Tisch zu sein. In der heutigen Regelung könnte der Mann auch einen Doppelnamen ohne Bindestrich tragen. Doch habe ich noch nie diese Version gesehen. Der Entscheid, den neuen Vorschlag abzulehnen, finde ich insoweit richtig, als die heutige komplexe und bereits unübersichtliche Regelungen nicht noch weiter zu verkomplizieren. Dies hätte die Bevölkerung verunsichert.

Die neue Regelung hätte die Namengebilde in Familien bestimmt zusätzlich destabilisiert. Nachdem es in Schulen aber auch bei Bezugspersonen immer mehr an Konstanz und Ruhe mangelt, müssen wir nicht mit weiteren zusätzliche Zerstückelung - mit einer noch komplizierten Namensgebung - den Zeitgeist der Unverbindlichkeit und Beliebigkeit zusätzlich unterstützen. Was heute Not tut ist, ist nicht noch mehr Orientierungslosigkeit. Der Mensch wünscht Stabilität, Sicherheit und den Halt am Handlauf bewährter Traditionen und kein zusätzliche Verunsicherung.

Donnerstag, 12. März 2009

Unglaublich: Luci musste sterben, weil Daniel Hofmann zurück ins Gefängnis gehen wollte!

Der Mörder Daniel Hofmann und sein Opfer Luci

Nach 20 Min:

Polizeifoto des Lucie-Mörders.

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Lucie

Ermordet: Lucie Trezzini. (Kapo Schwyz)

Die Vermisstmeldung von Lucie Trezzini.

Dani H. tötete, weil er zurück in den Knast wollte

Daniel Hofmann tötete Lucie am Mittwochabend, am selben Tag, als er sie in seine Wohnung lockte. Das schockierende Motiv des brutalen Mordes: Dani Hofmann wollte einfach zurück in den Knast. Er konnte sein Leben in Freiheit nicht mehr aushalten.

Daniel Hofmann begab sich am Mittwoch, den 4. März, um die Mittagszeit nach Zürich. Dort kaufte er Betäubungsmittel, die er teilweise noch am Bahnhof konsumierte. Danach traf er «zufällig» Lucie Trezzini. Das Mädchen fiel Dani H. wegen seiner Zierlichkeit auf, wie die Polizei mitteilte. Hofmann lockte das Mädchen mit der Aussicht auf Fotoaufnahmen und Geld nach Rieden in seine Wohnung. Offenbar wollte er dem Mädchen durch sein Auftreten als Fotograf imponieren.

Dani H. wollte zurück ins Gefängnis

In der Wohnung in Rieden sei es zu einem Gespräch gekommen. Dabei sei es vor allem um Modalitäten gegangen. Lucie hatte das Vertrauen in Dani H. Dieser konsumierte zwischen 15 und 17 Uhr «etwas Alkohol», Lucie trank einen Sirup. Darauf sei ihm die Ausweglosigkeit seiner Situation durch den Kopf gegangen. Während des Gespräches kamen im Kopf von Dani H. Phantasien auf: Stellenverlust, Drogenprobleme, Verlust der Freundin.

Dies führte ihn zum Entschluss, dass er sein Leben lieber in Gefangenschaft verbringen wollte.

Ohne Streit holte er ein Schlagwerkzeug und schlug mehrfach auf Lucie ein. Als er feststellte, dass Lucie noch am Leben war, holte er ein Messer und tötete sie.

Kommentar:

Vor wenigen Tagen hörte ich auf der Fahrt nach Zürich in meinem Eisenbahnabteil, wie sich zwei Männer über die heutigen modernen Gefängniszellen lustig machten. Aus einem Heftchen zeigte der jüngere Mann die Farbfoto einer heutigen Zelle, die das Wort Zelle nicht verdient. Zwei Fernseher an der Decke, Stereoanlage, PC, Schreibtisch und eine Bibliothek. Das Bild erinnerte mich tatsächlich an ein gut eingerichtetes Gästezimmer in einem Ferienhaus. Dann machten sich die beiden über den Komfort in den Schweizer - Gefängnissen lustig. Das Gegenüber ergänzte zynisch: "Hast Du gewusst, dass die Insassen bei den Essen auch noch aus verschiedenen Menus wählen können? Das gibt es jedenfalls bei mir zu Hause nicht! Und dass man im Knast Sport treiben und sogar gegen einen bescheidenen Lohn arbeiten darf? Für die ärztliche Pflege ist immer bestens gesorgt." Dann fuhr der Spötter fort: " Ich weiss nicht, wie lange es geht, bis ich meinen Job verliere. Doch heute zahle ich mich dumm und dämlich: Ich zahle Steuern, Miete, Heizung, Krankenkasse, Strom, Zahnarztkosten usw. Der Knast ist gratis! Ich wäre ja doof, wenn ich als Arbeitsloser nicht ein kleines Verbrechen mache, damit ich ein paar Jahre sorgenfrei kostenlos absitzen darf. Alle Finanzprobleme wären gelöst. Ich müsste keine Steuern mehr bezahlen und hätte erst noch meine Ruhe vor meiner Frau.

Es gäbe keinen Streit mehr in der Familie um das Fernsehprogramm und ich könnte in Ruhe lesen. Wenn ich im Knast weder Miete, noch Heizkosten, keinen Stromanteil und keine Krankenkassenppämien zahlen muss, rechnet sich dies. Zudem kann ich mir noch etwas auf die Seite legen. Ich darf arbeiten und bekomme noch einen Entgelt. Jetzt ist dies mir jedenfalls nicht möglich. Medizinische und psychologische Betreuung wäre ebenfalls inklusiv. Falls ich nach meiner Tat in den Knast gehen darf, werde ich - dank des Fitnessprogrammes - endlich meinen Bierbauch abspecken können. Super nicht wahr! Jetzt weiss ich nur noch nicht, was ich anstellen könnte, damit ich wirklich mein ruhiges Einzelzimmer beziehen darf. Bei einem Diebstahl würde ich bestimmt nur bedingt bekommen."

Dass dieses Gespräch nach der heutigen Zeitungsmeldung über das Tatmotivs des Mörders eine tragische, aktuelle Note bekommt, hätte ich mir damals im Bahnabteil nicht träumen lassen.

Nach der Bluttat von Winnenden

Können Bullying und Mobbing zu Ueberreaktionen von Jugendlichen führen?

Heute wurde in verschiedene Medien die Frage gestellt, ob der unauffällige Täter nicht ein Mobbingopfer gewesen sei, denn seine Freunde sagten, er sei von den Mädchen nicht akzeptiert worden und die Lehrer hätten ihn meist ignoriert. Der Amokläufer sei auch oft gehänselt worden.

< Der Täter Tim Kretschmer. Quelle Blick (Reuters)

Ein unauffälliger Junge, der jedoch (wie sich erst nachträglich herausgestellt hat), seine Tat im Internet angekündigt hatte.

In 20 Min:

«Ich habe dieses Lotterleben satt»: So kündigte Tim K. seine Bluttat im Internet an.

Mehr... Video Bildstrecke

Ob es zutrifft, dass Amok Tim gemobbt wurde, ist noch nicht erwiesen. Dennoch lohnt es sich für Eltern, Erziehende und Behörden, das Zeitproblem Bullying, Mobbing und Cybermobbing einmal mehr unter die Lupe zu nehmen.

Mobbing unter Schülern

Als Mobbing unter Schülern zählen alle böswilligen Handlungen, die kein anderes Ziel haben, als eine Mitschülerin oder einen Mitschüler fertig zu machen. Dazu gehören.

* als DIREKTES Mobbing: Hänseln, Drohen, Abwerten, Beschimpfen, Herabsetzen, Blossstellen, Schikanieren

* als INDIREKTES Mobbing: Ausgrenzen, Ruf schädigen, "Kaltstellen" durch das Vorenthalten von Informationen und Beschädigen von Eigentum der gemobbten Person usw.

school bullying image

Verbreitet ist in Schulen das BULLYING*

Hier geht es unter Jugendlichen praktizierte physische Gewalt, mit der bestimmte Opfer durch ihnen körperlich überlegene Mitschüler gezielt gequält werden.

Photograph of a child being Bullied

Auswirkungen von Mobbing und Bullying

Beim Mobbing suchen die Opfer das "Problem" meist zuerst bei sich selbst. Leider oft über über längere Zeit. Selten informiert ein Schüler oder eine Schülerin einen Lehrer oder erzählt den Eltern, was tagtäglich passiert.

Die Folgen wirken sich auf die gesamte Persönlichkeit aus:

- Verlust des Selbstvertrauens

- Negative Auswirkungen auf die Leistungen

- Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme

- Durch die wahrgenommene Isolierung und Einsamkeit entwickeln sich depressive Tendenzen und Passivität.

- Die Lernmotivation nimmt ab. führt zu Lernunlust und unter Umständen zur Schulvermeidung.

Die häufigsten Auswirkungen (Beobachtungen aus der Praxis)

* Physische Schädigungen (Verletzungen)

* Psychische Schädigungen (z. B. Zerstörung des Selbstbewusstseins)

* Psychosomatische Reaktionen (z. B. Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Albträume, Schlafstörungen)

* Sonstige Reaktionen (z. B. Unkonzentriertheit, Leistungsrückgang, Fehltage durch "Krankheitstage" oder Schwänzen, Rückzug aus sozialen Bezügen, Ängste, Depressionen, bis zu Suizidversuchen bzw. vollzogenem Suizid)

Mögliche Anzeichen von Bullying oder Mobbing:

* Der Jugendliche will nicht mehr zur Schule gehen

* Er will zur Schule gefahren werden.

* Die schulische Leistung lässt deutlich nach.

* Das betroffene Kind verliert angeblich Geld (das Geld wird von den Tätern erpresst).

* Sie können oder wollen keine schlüssige Erklärung für ihr Verhalten geben.

* Das Kind beginnt zu stottern.

* Es zieht sich zurück.

* oder hat Alpträume.

< * Es begeht einen Selbstmordversuch.

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*Bullying

Policy on Bullying No Bullying Circle

Definition aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie Der Begriff Bullying (engl. für „tyrannisieren“) wird unterschiedlich interpretiert. * Bullying wird insbesondere in Großbritannien und Irland als Synonym für „Mobbing“ verwendet. * Bullying steht auch für ein weniger subtiles Verhalten als Mobbing, wobei körperliche Gewalt oder deren Androhung eine prominentere Rolle spielt als beim Mobbing, das eher psychologisch als physisch betrieben wird. Einige deutschsprachige Autoren verwenden deshalb den Begriff „Bullying“ für Mobbing unter Kindern und Jugendlichen in der Schule in bewusster Abgrenzung zum Mobbingbegriff. * Siehe auch Cyberbullyin

cyber-bullying

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Aus Stangels Arbeitblättern:

Der Begriff "Bully" bezeichnet im Hockey, insbesondere im Eishockey, das Ins-Spiel-Bringen des Balls bzw. des Pucks durch den Schiedsrichter zu Beginn des Spiels, bei Wiederbeginn nach unvorhergesehenen Unterbrechungen oder nach unterschiedlicher Entscheidung der Schiedsrichter. Im Umgangssprachlichen daher eine Bezeichnung für "Einwurf", wobei immer zwei Spieler einander gegenüberstehen und um den Spielball bzw. den Puck kämpfen.

Eine Studie von Mechthild Schäfer an Münchener Lehrern bestätigt, dass Bullying von Lehrerseite durchwegs unterschätzt wird. Andererseits bestätigen die Ergebnisse der Studie in durchaus überraschendem Umfang reflektiertes Wissen über die Aggression im Klassenkontext und sie unterstützen Befunde, die die Abhängigkeit der Lehrereinstellungen vom Schulklima belegen. Etwa die Hälfte der Befragten schätzt ca. 7% der Schüler als regelmässige Opfer, ungefähr ein Drittel ca. 15% der Schüler als Opfer ein, wobei die Schätzwerte - entgegen den in Schülerbefragungen gefundenen Werten - für die Grundschule keinesfalls höher sind. Dieser Lehrereinschätzung stehen einheitliche Berichte von Schülern über ca. 15% Viktimisierung in der weiterführende Schule und ca. 25% in Grundschulen gegenüber (Olweus 1995, Schäfer 1996, Schulz & Wolke 1995, Whitney & Smith 1993). Dass sich Mitschüler eher mit den "Bullies" als den Opfern solidarisieren, kann mit dem Phänomen des Gruppenzwanges erklärt werden, was für Opfer häufig Mittäterschaft bedeutet.

Bullying-Intervention und auch -Prävention sind nicht geeignet, Aggression im Klassenkontext gänzlich zu verhindern, können aber den aggressiveren Kindern den Boden für einen klasseninternen Statusgewinn durch aggressive Strategien entziehen. Damit kann zwar nicht gewährleistet werden, dass die Kinder, die leicht zu Opfern werden, vollständig und problemlos in der Klasse integriert werden, doch kann erreicht werden, dass die Mehrheit der Schüler, die äussern, dass sie Bullying in ihrer Klasse nicht wollen (Schäfer 1996a), Unterstützung erhält, die z.B. auf gemeinsam erarbeiteten Regelwerken über das soziale Miteinander und klarer Benennung von Grenzen in diesem Miteinander (und der resultierenden Sanktionen) aufbaut und durch eine bewusste Aufmerksamkeit aller an Schule Beteiligten (Schüler, Lehrer, Eltern usw.) mitgetragen wird. Eine solche grundsätzliche Auseinandersetzung über akzeptable Formen des sozialen Miteinanders und deren ständige Aktualisierung im tägliche Miteinander ermöglicht Kindern zu begreifen, dass ein Grundrecht auf körperliche und seelische Unversehrtheit faire Chancen für jedes Kind bedeuten und wie das systematische Schikanieren oder bewusste Ausgrenzen bestimmter Kinder eindeutig gegen die Chancengleichheit verstösst.

Ungefähr dreiviertel der Lehrer favorisieren in der Studie von Schäfer (o.J.) im Fall von Bullying mit möglichst vielen Beteiligten zu sprechen, erst in zweiter Präferenz die Eltern zu benachrichtigen und selten Verweise oder Strafarbeiten als Reaktion einzusetzen. Dabei ziehen ungefähr zwei Drittel der Lehrer vor, erst mit Opfer bzw. Täter, dann mit ihnen gemeinsam und auch mit der Klasse zu sprechen, während ein Drittel - die Einzelgespräche vermeidend - mit Opfer und Täter gemeinsam sprechen und oft zusätzlich die Diskussion in der Klasse anregen.

Unter dem Aspekt effektiver Interventionen erfüllen die verschiedenen Kommunikationsansätze verschiedene Funktionen:

* Gespräche mit dem Täter sollten sehr bald nach dem Bullying-Ereignis stattfinden und das eindeutige Ziel haben, Bullying zu stoppen und die unmissverständliche Botschaft enthalten "Wir akzeptieren keine Gewalt in unserer Klasse/Schule und werden dafür sorgen, dass sie aufhört!" (nach Olweus 1995).

* Schon existierende Klassen- oder Schulregeln gegen Gewalt bieten einen guten Hintergrund für das Verstehen des Schülers und erleichtern ein wirkungsvolles Vorgehen des Lehrers, ohne dass dieser Gefahr läuft, dem "Bully" durch zusätzliche Aufmerksamkeit einen weiteren Statusgewinn zu ermöglichen.

* Gespräche mit dem Opfer enthalten die Verantwortung, die Situation für das Opfer tatsächlich zu verändern und zu verbessern. Das oft beobachtete Bemühen von Seiten des Opfers, seine Situation zu verbergen (oft aus Angst und unter Bedrohung), darf weder von Eltern noch von Lehrern unterstützt werden.

* Gespräche und Diskussionen mit der Klasse sind zur Beseitigung einer aktuellen Bullyingsituation ein ausgezeichnetes Mittel, um sicherzustellen, dass die gewünschten Verhaltensänderungen tatsächlich eintreten und von Dauer sind. Dieses ist wiederum vereinfacht, wenn unter Mitwirkung der Klasse schon Regularien geschaffen sind, die das Miteinander positiv definieren, aber auch Maßnahmen enthalten, die dann konsequent Anwendung finden, wenn aggressives oder regelbrechendes Verhalten gezeigt wird.

Tatsächlich - so Olweus (1995) - ist oft grosse Erleichterung feststellbar, wenn Bullying endlich ans Tageslicht kommt. Die Verantwortung, die Erwachsene dadurch - wenn eben möglich mit Einwilligung des drangsalierten Kindes - übernehmen ist aber erheblich, denn ein halbherziges Abhandeln des Problems macht die Situation des Kindes in der Klasse häufig noch schlimmer. Letzteres gilt ganz besonders für Gespräche mit Opfer und Täter. Eine Lehrkraft, die hier eingreift, muss sich der expliziten Aufgabe bewusst sein, den Schutz des Opfers zu gewährleisten, bis die Bullyingsituation gelöst ist. Bezüglich von Strafen ist dabei besonders zu beachten, dass diese für den Täter unangenehm sein sollten, aber als eindeutiges Signal gegen unerwünschtes Verhalten und nicht aversiv gegen die Person gerichtet sind

Was bewirkten bei der Bluttat der Konsum dieser Killerspiele, die beim Täter gefunden wurden?

Obwohl das Game nach 5 Jahren technisch veraltet wirkt, ist «Counter-Strike – Source» immer noch eines der beliebtesten Spiele weltweit.

Amokläufer Tim Kretschmer hatte in den vergangenen Monaten viel Zeit mit Killerspielen verbracht. «Das kann ich bestätigen», sagte der Polizeisprecher Klaus Hinderer. «Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel Counter-Strike gefunden.»

Spiegel:

Amokläufer verbrachte Abend vor der Tat mit Killerspiel

Auf dem Bildschirm wollte er einen Waffenhändler töten: Nach Informationen des SPIEGEL hat der Amokläufer von Winnenden, Tim K., noch am Abend vor der Tat das Computerspiel "Far Cry 2" gespielt. Auch soll der 17-Jährige in der Schule über Amokläufe diskutiert haben.

Quelle Blick

Amoklauf von Winnenden: Tim Kretschmer– vom netten Jungen zum gnadenlosen Amokläufer
Video Amokzahltag: Löste der Song von Rapper Kaas das Schul-Massaker aus

Oder förderte die Verwöhnung des Jungen die Orientierungslosigkeit? (Luxusverwahrlosung?)

"Sie haben Tim alles gekauft, was er wollte"

REUTERS; Getty Images
Gepflegter Vorgarten, Porsche, properes Haus: Jörg und Ute K. führten ein schwäbisches Vorzeigeleben, der Amoklauf ihres Sohnes zertrümmerte das Idyll.

Wenn ein Experte für Amoktaten findet, Eltern sollten immer ein offenes Ohr haben für die Kinder (das sei das WICHTIGSTE!), so tönt dies gut. Doch müssten die Eltern auch da sein. Was tun, wenn die Eltern keine Zeit mehr haben für ihre Kinder und die Betreuung an verschiedene Instanzen delegiert werden?

Profil der Amokläufer
„Männliche, isolierte Versager“