Montag, 2. Februar 2009

Zum Meinungschaos des Bundesrates

oder: Oh dass ich tausend Zungen hätte!

Der Bundesrat darf bei Sachfragen durchaus geteilter Meinung sein und hat das Recht, intern zu streiten. Doch müsste die Exekutive wissen, dass sie dann nach aussen nur mit einer Stimme sprechen sollte. Was nicht heissen will, dass nur eine Person spricht. Nein - es dürfen alle reden - aber die Aussagen dürfen sich dann nicht widersprechen. Es gibt somit nur EINE Stimme des Gesamtbundesrates. Christoph Blocher wurde als Justizminister immer wieder vorgeworfen, er halte sich nicht an diese Regel. Seit er nicht mehr im Bundesrat sitzt, erleben wir jedoch beim heutigen Bundesrat, wie sie sich in der Oeffentlichkeit widersprechen. Bei der Finanzkrise war es Eveline Widmer - Schlumpf und Doris Leuthard, die unterschiedlich kommunizierten. Dann gab es unterschiedliche Verlautbarungen zwischen Calmy-Rey und Leuthard und beim Einsatz der Soldaten auf hoher See zwischen Calmy Rey und dem Gesamtbundesrat usw. Ich habe dieses Hickhack in der OEffentlichkeit immer wieder im Blog thematisiert. Heute lesen wir nun im Blick:

Uneins!

Sie drückt, er bremst: Doris Leuthard, Hans-Rudolf Merz. (Reuters)

Da soll noch einer drauskommen: Auf der einen Seite fordert Wirtschaftsministerin Doris Leuthard (CVP, 45) am Wochen­ende «tiefere Löhne für Banker» und sofortige Transparenz bei den vermutlich zwei Milliarden Boni, welche sich die UBS-Banker gönnen: «Die Leute auf der Strasse müssen wissen, wie viel die UBS-Banker an Fixlöhnen und an va­riablen Entschädigungen bezogen haben. Und zwar schnell», so Leuthard in der «Berner Zeitung».

Zwei Tage zuvor hatte sich schon Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP, 52) über die Boni empört. Sie habe nur Verständnis für jenen Teil der Boni, der fester Lohnbestandteil sei, «für ­alles andere nicht».

Ganz andere Töne kommen von Finanzminister Hans-Rudolf Merz (FDP, 66). Er warnt in der «SonntagsZeitung»: «Wir müssen aufpassen, dass die Boni-Debatte nicht zur Hatz auf die UBS wird.» Sekundiert wird er vom Chef der Finanzmarktaufsicht (Finma) Eugen ­Haltiner, der im SonntagsBlick bei Kritik an den UBS-Boni sogar «Volksverhetzung» wittert.

Was gilt denn nun in dieser Kakophonie? «Der Bundesrat sollte dringend klären, welche Position er eigentlich gegenüber der UBS vertritt», fordert der grüne Finanz­politiker Daniel Vischer (59). «Kann hier jeder sagen, was ihm gerade in den Sinn kommt?», fragt Vischer. SP-Präsident Christian Levrat (38) erhebt schwere Vorwürfe: «Der Bundesrat spielt ganz bewusst ein Doppelspiel. Gegen aussen tut er so, als ob er den Volkszorn ernst nähme, im Hintergrund schützt er aber nur die Interessen der UBS.»

Eigenartig ist es ja schon: Da regen sich zwei Bundesrätinnen über die UBS auf. Aber der Bundesrat selbst ist doch der Auftraggeber der Finma, kann dieser vorschreiben, was sie bei der UBS durchgehen lassen darf und was nicht. Ausserdem wurde der Vertrag zwischen UBS und Bundesrat über die 68 Milliarden Steuerfranken zur Rettung der Bank unter Leitung von Widmer-Schlumpf umgesetzt – Merz lag im letzten Herbst ja im Spital. In diesem Vertrag steht auch, was der Bund bei den Boni mitzureden hat – oder eben nicht.

Kakophonie auch bei den Parteien: FDP-Vorzeigeunternehmer Johann Schneider-Ammann (56) predigt landauf landab gegen die Geldgier der Banker an und will Boni in der jetzigen Situation verhindern. Als aber am Freitag in der Finanzkommission der Antrag von André Daguet (SP, 61) auf dem Tisch liegt, der Bundesrat müsse die Stornierung der UBS-Boni verlangen, stimmen plötzlich alle FDP-Kollegen dagegen. Genau wie Grünliberale und Leuthards CVP-Kollegen.

Was gilt? In Abwandlung von Leuthards Forderung gilt sicher: Die Leute auf der Strasse müssen wissen, was die Regierung wirklich mit der UBS gedealt hat und wie die Parteien wirklich dazu stehen.

Was gilt denn jetzt?

Kommentar: Der Bundesrat sollte sich bei seinen Kommunikationsprozessen die Aerzte des Universitätsspital in Innsbruck (Koma von Daniel Albrecht) zum Vorbild nehmen, die sich bei den täglichen Medienmitteilungen und bei allen Befragungen nie widersprochen haben. Kommunikation muss koordiniert und geführt werden. Das habe ich schon vor Jahren bei Beatrice Tschanz gelernt. Dies müsste auch der Bundesrat wissen! In den Departementen hat es bekanntlich genügend Kommunikationsfachleute.

Nachtrag Tagi 4.2.09

Das Gezänk kommt im dümmsten Augenblick: Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Bundesrätin Doris Leuthard

Das Gezänk kommt im dümmsten Augenblick: Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Bundesrätin Doris Leuthard

Es ist noch nicht so lange her, das besprachen Bundesrat Hans-Rudolf Merz und Bundesrätin Doris Leuthard strittige Dossiers bei einem Teller Risotto. Jetzt tragen sie Differenzen in der Öffentlichkeit aus - wie beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Leuthard kritisierte die Bonizahlungen der UBS, Merz hingegen verteidigte die UBS.

Das Gezänk im Bundesrat kommt im dümmsten Augenblick: Die Schweiz steht am Beginn einer schweren Wirtschaftskrise, die Gesuche für Kurzarbeit steigen seit Wochen sprunghaft an. Experten rechnen für 2009 mit einer Arbeitslosenquote von bis zu 4,5 Prozent. Eigentlich wären nun Wirtschaftsministerin und Finanzminister gefordert. Sie sollen gemeinsam ein weiteres Programm zur Stabilisierung der Wirtschaft vorlegen.

Das Parteibuch steht im Wege

Dem Risotto-Pärchen Merz und Leuthard steht aber immer öfter das Parteibuch im Wege: Wenn Leuthard ankündigt, sie prüfe auch die Senkung der Mehrwertsteuer zur Ankurbelung des Konsums, folgt hinterher prompt die Kritik des Finanzministers: er sei nicht bereit die Mehrwertsteuer zu senken. Das ist ein Beispiel mehr dafür, wie stark der Konflikt zwischen FDP und CVP das Klima im Bundesrat vergiftet und die Arbeit der Regierung belastet.

Vorwürfe hüben wie drüben

Beide Mitteparteien bombardieren sich seit Monaten mit Vorwürfen. Stefan Brupbacher, Generalsekretär der FDP, bezeichnet die CVP als wenig verlässlichen Partner: «Bei den Parallelimporten und bei der Revision der Invalidenversicherung hat die CVP ihre Position plötzlich gewechselt», kritisiert er. Die FDP-Spitze habe offenbar ein Identifikationsproblem, kontert Marianne Binder, Informationschefin der CVP. «Dass sie auf der Suche nach einem neuen Koalitionspartner der SVP in die Arme läuft, erleichtert die Selbstfindung nicht.»

Neuer Zankapfel die IV-Revision

Sonntag, 1. Februar 2009

Ein guter Vorschlag von Kurt Felix:

(Quelle "Sonntag")

«Der SRG sollte Werbung ab 20 Uhr verboten werden»

Der St. Galler Fernsehmann gehört in Deutschland und der Schweiz zu den populärsten Menschen überhaupt.
Sonntag: Wenn die SRG nach 20 Uhr keine Werbung mehr schalten kann, verliert sie doch massiv Geld. Es brauchte leider eine Gebührenerhöhung. Da dadurch aber eine Schweizer «ARD» ermöglicht würde, wäre sie begründbar. Bei der SRG sehe ich übrigens ein grosses Sparpotenzial. Mir ist absolut schleierhaft, was SF 2 für eine Berechtigung haben soll. Das zweite Programm ist wochentags hauptsächlich ein Abspielkanal für Spielfilme und ausländische TV-Serien. Es ist doch eigentlich egal, wo man sich diese Filme ansieht: Auf RTL, SF 2 oder irgendwo. (mz/nos)

Kurt Felix in seinem Haus in St. Gallen: (Foto: Daniel Ammann )

Kommentar: Einverstanden. Ich sehne mich schon längst nach einem Gerät, das die Werbung am Bildschirm ausblendet. Vor allem bei den Unterbrecherwerbungen während einer Beitrages.

So teuer musst das kostenlose Benzin bezahlt werden - mit dem Leben!

Ich zitiere 20 Min:

111 starben – weil sie gratis Benzin wollten

01.02.2009

MOLO – Beim Versuch kostenlos Benzin aus einem verunglückten Tankwagen zu ergattern, sind in Kenia mindestens 111 Menschen ums Leben gekommen. Die Bilder sind nichts für schwache Nerven.

Als der Tankwagen gestern nahe der Stadt Molo von der Strasse abkam und nach dem Unfall Treibstoff verlor, versammelten sich nach Angaben des Polizeichefs der Provinz mehrere hundert Menschen um den umgestürzten Lkw, um Benzin aufzufangen. Auf noch unbekannte Weise fing das Benzin Feuer.

Kommentar: Recherchen haben gezeigt, dass es noch nicht klar ist, weshalb das Benzin in Brand geraten ist. War es eine brennende Zigarette? Oder war es ein Reachakt einer Person, der verhindert worden war, Benzin zu holen? Die tragische Geschichte verdeutlicht, welche Risiken der Mensch auf sich nimmt, wenn er Not leidet. Ich gehe nicht davon aus, dass nicht in erster Linie Habgier die Triebfeder des riskanten Tuns war.

Albrecht wird von Wolfgang Koller behandelt.

Der bekannte Arzt für Schwerstverletzte mir Mehrfachverletzungen ist am Universitätsspital Innsbruck ein renommierter Spezialist.

1/8 Die schwersten Stunden für den Präsidenten des Skiverbandes: Er gibt mit dem behandeldenen Arzt, Dr. Wolfgang Koller Auskunft über den Gesundheitszustand vom schwer gestürzten Schweizer Skirennfahrer Daniel Albrecht. Bild: KEYSTONE/AP

Der behandelnde Arzt von Daniel Albrecht erklärte in der NZZ am Sonntag Therapien und Perspektiven des verletzten Skirennfahrers Daniel Albrecht. Sein Interview ist nach meinem Dafürhalten vorbildlich. Es veranschaulicht, dass es auch für Aerzte möglich ist, sich mediengerecht auszudrücken, ohne dass Mutmassungen oder voreilige Prognosen geäussert werden. Koller hat mich bei allen bisherigen Medienauftritten überzeugt.

1. Februar 2009, NZZ am Sonntag

«Jetzt reden wir von Wochen»

«Jetzt reden wir von Wochen»

Der behandelnde Arzt von Daniel Albrecht erklärt Therapien und Perspektiven

NZZ am Sonntag: Herr Koller, wie geht es Daniel Albrecht?

Wolfgang Koller: Die Verletzungen im Gehirn gehen den normalen Verlauf. Sie waren in den letzten Tagen definitiv kein Problem. Hingegen hat es mit der Lunge Komplikationen gegeben: Wir stellten kleine Blutungen fest, dann kam es rasch zu einer massiven Lungenentzündung, und zuletzt ist die Lunge im Bereich der Blutungen geschrumpft. Das ist nicht unüblich und hat derzeit für uns Priorität.

Muss man von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands reden?

Das kann man so nicht sagen. In der Summe hat sich am Risiko nichts geändert. Wir brauchen nach wie vor einen künstlichen Tiefschlaf, aber nicht so sehr wegen der Gehirnverletzung, sondern wegen der Lunge.

Weiss man, was Albrecht in diesem Schlaf wahrnimmt?

Wir gehen davon aus, dass in sehr tiefen Phasen des Tiefschlafs keine Impulse zum Gehirn des Patienten durchdringen. In oberflächlicheren Phasen kann das sehr wohl der Fall sein. Aber genau wissen wir das nicht.

Man kann also nicht Träume und Emotionen über Gehirnströme messen?

In dieser Situation geht das nicht. Wir wissen jedoch, dass Patienten nach dem künstlichen Tiefschlaf praktisch keine Erinnerungen daran haben. Die meisten erinnern sich an die letzten ein, zwei Tage auf der Intensivstation. Das ist die Phase, in der die künstliche Beatmung beendet und der künstliche Luftweg sicher entfernt ist. Was vorher war, ist nicht präsent.

Auch nicht der Moment des Unfalls?

Manche Skifahrer erinnern sich, dass sie in der Skihütte waren – und dann an nichts mehr. Andere haben noch den Sturz im Kopf. Die Erinnerungslücke ist typisch für ein Schädel-Hirn-Trauma . Meist ist es so, dass in der Rehabilitation gewisse Erinnerungen wieder auftauchen. Das ist wie ein Mosaik, und welche Stücke man findet, ist nicht voraussagbar.

Kann ein langer Tiefschlaf das Gehirn zusätzlich schädigen?

Solange man sicherstellt, dass der Kreislauf gut funktioniert und das Gehirn mit Sauerstoff, Blut und Nährstoffen versorgt wird, rechnen wir nicht damit. Aber das ist eine künstliche Situation, die von aussen höchst aufwendig überwacht wird. Selbstverständlich ist für den wachen, lebenden Menschen der natürliche Schlaf besser.

Lässt sich aufgrund von Untersuchungen abschätzen, wie gesund Albrecht nach dem Aufwachen sein wird?

Bei einem mittelschweren Schädel-Hirn-Trauma ist das nicht exakt voraussagbar. Den Patienten geht es aber viel besser, als der Volksmund behauptet. Hier hat die Medizin in den letzten zwanzig Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Auch andere innere Organe wie die Lunge erholen sich normalerweise erstaunlich gut.

Wie erwacht ein Mensch nach längerer Zeit aus dem Tiefschlaf?

Das Aufwachen des Bewusstseins passiert so, dass die Funktionen allmählich wieder einsetzen. Das beginnt etwa mit der Kreislaufsteuerung und der Atmung. Es gibt eine Durchtrittsphase, die sehr stressig ist, weil der Patient zu spüren beginnt, dass da etwas passiert – aber er weiss nicht, was los ist. Später spricht er auf Berührungen an, auf Geräusche, auf Licht, kann das aber nicht zuordnen. Langsam geht es rauf, er versteht einzelne Worte. Ganz zum Schluss gibt es eine Phase, in der er kurze Sätze versteht, sie aber gleich wieder vergisst. Dann sagen wir immer wieder: Du hast einen Unfall gehabt. Du bist jetzt im Spital. Es kann dauern, bis er das im Kopf behält.

Können Sie bereits sagen, wann für Albrecht die Aufwachphase beginnt?

Das ist noch offen. Jetzt müssen wir schauen, wie wir mit diesen Lungenschrumpfungen umgehen.

Kurz nach dem Unfall sagten Sie: Wir reden von Tagen.

Jetzt reden wir von Wochen.

Wie sieht der langfristige Ablauf aus?

Wenn Daniel Albrecht das Spital verlassen kann, beginnt die Rehabilitation, die sechs bis zwölf Monate dauert.

Also ist es illusorisch zu glauben, Daniel Albrecht könne bereits in der nächsten Saison wieder Skirennen fahren?

Spitzensportler haben andere körperliche Voraussetzungen und eine andere Motivation. Unter Umständen kann bereits in der Rehabilitation der Wiederaufbau in Richtung Sport beginnen. Man geht am Anfang durch Depressionen und hat dann wieder übertriebene Hoffnungen. In dieser Phase wird sehr viel mit Psychologen gearbeitet. Wenn dieser Knackpunkt geschafft ist und der Sportler seine Motivation wieder abrufen kann, ist sehr viel möglich.

Renommierter Spezialist

Der Österreicher Wolfgang Koller hat ab Mitte der 1980er Jahre die Traumatologische Intensivstation an der Universitätsklinik Innsbruck aufgebaut. Diese ist eine von wenigen in Europa, die sich auf Schwerstverletzte mit Mehrfachverletzungen spezialisiert haben. Jeder Patient wird rund um die Uhr überwacht, wobei täglich 2000 bis 5000 Daten gesammelt werden. Die Klinik hat einen hervorragenden Ruf und behandelte immer wieder Prominente, darunter die Sportler Scott Macartney, Brian Stemmle (Ski) und Karl Wendlinger (Formel 1); die Präsidenten von Tschechien und der Slowakei, Politiker Vaclav Havel und Rudolf Schuster; und den deutschen Schauspieler Johannes Heesters. (reg.)

Keine Änderung bei Albrecht Lunge als Hauptproblem

Keine Änderung bei Albrecht Lunge als Hauptproblem

Die Lungenprobleme stehen bei der Behandlung von Daniel Albrecht weiterhin im Zentrum. Laut Wolfgang Koller, dem behandelnden Arzt, ist das bei den Verletzungen des Wallisers nicht ungewöhnlich. Überrascht habe ihn allerdings die sehr schnell und massiv aufgetretene Lungenentzündung. Es sei möglich, dass bei der Erstversorgung am Berg Keime in die Atemwege gelangt seien oder dass der Skifahrer vor dem Unfall eine leichte Erkältung gehabt habe. Zwar sei eine Lungenentzündung bei Patienten im Tiefschlaf eine häufige Komplikation, doch trete sie in der Regel später auf. Inzwischen kann die Entzündung bei Albrecht mit einem passenden Antibiotikum gezielt behandelt werden.

Die Lungenschrumpfung ist eine Folge der vielen kleinen Blutungen. Als erste Massnahme dagegen wurde der Tiefschlaf von Albrecht ganz leicht angehoben, so dass wieder eine Eigenatmung einsetzte. Diese kann dabei helfen, die geschrumpften Lungenflügel auszudehnen. Sollte die Atmung nicht richtig koordiniert erfolgen, wird der Schlaf laut Koller wieder abgesenkt und der Patient nur noch künstlich beatmet. Eine weitere Möglichkeit, gegen die Schrumpfung anzugehen, ist laut Koller, den Patienten in Bauchlage zu drehen. Dann wird quasi die Schwerkraft therapeutisch eingesetzt. Im Normalfall wird die Lunge wieder voll funktionsfähig. Dort, wo es zu Blutungen kam, bilden sich ganz kleine Narben. Diese sollten aber die Atmung nicht beeinträchtigen.

Kommentar:

Es lohnt sich, das Interview nochmals bewusst zu lesen und nach Formulierungen zu suchen, die vorbildlich sind. Antworten, die sich an Fakten halten und auf Mutmassungen und Spekulationen verzichten. Wenn Aerze nicht nicht gelernt haben, sich mediengerecht zu antworten, sprechen sie in der Regel zu kompliziert, versteigen sich in Mutmassungen oder rettet sich mit einer Minivorlesung, die gespickt ist, mit fachchinesischen Ausdrücken oder sie versuchen sich mit vagen, diffusen Formulierungen zu retten. Wolfgang Koller bleibt stets konkret, spricht einfach, klar und sagt nur, was er belegen kann. Ich habe einige der zahlreichen vorbildlichen Sequenzen herausgeschält:

Die Verletzungen im Gehirn gehen den normalen Verlauf. Sie waren in den letzten Tagen definitiv kein Problem. Hingegen hat es mit der Lunge Komplikationen gegeben: Wir stellten kleine Blutungen fest, dann kam es rasch zu einer massiven Lungenentzündung, und zuletzt ist die Lunge im Bereich der Blutungen geschrumpft. Das ist nicht unüblich und hat derzeit für uns Priorität.

Das kann man so nicht sagen. In der Summe hat sich am Risiko nichts geändert. Wir brauchen nach wie vor einen künstlichen Tiefschlaf, aber nicht so sehr wegen der Gehirnverletzung, sondern wegen der Lunge.

Aber genau wissen wir das nicht.

Wir wissen jedoch, dass Patienten nach dem künstlichen Tiefschlaf praktisch keine Erinnerungen daran haben. Die meisten erinnern sich an die letzten ein, zwei Tage auf der Intensivstation

Meist ist es so, dass in der Rehabilitation gewisse Erinnerungen wieder auftauchen. Das ist wie ein Mosaik, und welche Stücke man findet, ist nicht voraussagbar.

Meist ist es so, dass in der Rehabilitation gewisse Erinnerungen wieder auftauchen. Das ist wie ein Mosaik, und welche Stücke man findet, ist nicht voraussagbar.

Können Sie bereits sagen, wann .....?

Das ist noch offen. Jetzt müssen wir schauen, wie wir mit diesen Lungenschrumpfungen umgehen.

Also ist es illusorisch zu glauben, Daniel Albrecht könne bereits in der nächsten Saison wieder Skirennen fahren?

Spitzensportler haben andere körperliche Voraussetzungen und eine andere Motivation. Unter Umständen kann bereits in der Rehabilitation der Wiederaufbau in Richtung Sport beginnen. Man geht am Anfang durch Depressionen und hat dann wieder übertriebene Hoffnungen. In dieser Phase wird sehr viel mit Psychologen gearbeitet. Wenn dieser Knackpunkt geschafft ist und der Sportler seine Motivation wieder abrufen kann, ist sehr viel möglich.

Fazit:

Die Medien wollen Prognosen und neue Informationen. Journalisten haben auch das Recht, kritische Fragen zu stellen und möchten stellvertretend für das Publikum wissen, wie es mit dem verunfallten Sportler weitergeht:

- Kann er wieder Wettkämpfe bestreiten?

- Wie beeinflusst ein künstlicher Tiefschlaf den menschlichen Körper?

- Weshalb wird der Sportler nicht geweckt?

- Wie lange kann ein Mensch ohne gravierende Folgen im Tiefschlaf gehalten werden?

- Hat der Sportler mit langfristigen Schäden zu rechnen? (Gehirn)

- Weshalb schrumpfte die Lunge?

So wie sich die Bevölkerung wochenlang über medizinische Details plötzlich zu interessieren beginnt, ich erinnere an Zurbriggens Knie (vor Jahren) oder das Herz von Bundesrat Merz (nach der Einlieferung ins Inselspital) , versuchen dann die Medien, medizinische Sachverhalte vereinfachend zu erklären. Das ist kein einfaches Unterfangen.

Freitag, 30. Januar 2009

Eklat am WEF

Blick online:

Am WEF in Davos sind bei einer Podiumsveranstaltung über den Gazastreifen heute die Emotionen übergekocht.

Erdogan (links) tobt - Peres hört zu. (AP)

Für den Otto Normalverbraucher sind die Diskussionsforen am WEF meist öde Kost. Aber gestern war alles anders. Zum brisanten Thema «Gibt es eine Lösung für den Nahen Osten?» zofften sich der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan und der israelische Präsident Shimon Peres. Als Schiedsrichter versuchte WEF-Gründer Klaus Schwab die Wogen zu glätten.

Als Erdogan auf die Rede von Peres antworten wollte, unterbrach ihn der Moderator – und verwies auf knurrende Mägen und das Abendessen. Erdogan konnte nicht mehr sagen, was er sagen wollte. Er verliess die Versammlung wutentbrannt.

Kommentar:

Moderieren heisst: Alle angemessen zu Worte kommen lassen. Wenn Erdogan tatsächlich nicht mehr das Recht hatte, die Gedanken Peres zu erwidern und ihm das Wort abgeschnitten wurde, ist es verständlich und sogar richtig, dass sich der türkische Ministerpräsident gewehrt hat. Dem Moderator gehört im Grunde genommen die rote Karte.

Hitzige Diskussion: Recep Tayyip Erdogan kritisiert Israel.

Hitzige Diskussion: Recep Tayyip Erdogan kritisiert Israel. (Bild: Keystone)

Abrupter Abgang: Der türkische Ministerpräsident will nicht mehr diskutieren.

Abrupter Abgang: Der türkische Ministerpräsident will nicht mehr diskutieren. (Bild: Keystone)

Versuch, die Wogen zu glätten: WEF-Gründer Klaus Schwab und Recep Tayyip Erdogan.

Versuch, die Wogen zu glätten: WEF-Gründer Klaus Schwab und Recep Tayyip Erdogan. (Bild: Keystone)

Tagesanzeiger News wollte von mir eine Stellungnahme über das Image des UBS

Die Prügelknaben der Nation – wie die UBS zur Bad Bank wurde

Die grösste Bank im Land kann melden, was sie will: Sie erntet Protest, sie weckt Wut. Denn in der Krise rächt es sich, dass die UBS in der Schweiz ein Fremdkörper geblieben ist.

1/7 Das Gesicht des Bonus-Empfängers: UBS-Präsident Marcel Ospel diente ab Frühjahr 2002 auch als Symbolfigur aller Abzockerdebatten in der Schweiz. Bild: KEYSTONE/AP

So nicht! Seit bekannt wurde, dass die UBS ihren Angestellten gegen 2 Milliarden Franken an Boni auszahlen will, hagelt es Proteste. In den Leserbriefspalten und Online-Foren wird die UBS bis heute mit Vorwürfen zugedeckt, und zwar in einem Ausmass, das sich kaum noch sachlich erklären lässt. Arroganz, Abzockerei, kein Anstand: Die klare Mehrheit der Menschen äussert eine klare Meinung – so nicht, UBS!

Ein Kommunikationsunfall? Eine Imagedelle? Das Problem liegt offenbar tiefer: Die UBS ist zum Symbol verkommen für alles, was die aktuelle Krise ausmacht. Einer der grössten und wichtigsten Arbeitgeber im Land hat hier fast keinen Rückhalt mehr.

Nachdem der Bund die UBS im Notverfahren retten musste, zeigten diverse Umfragen, dass kaum eine Mehrheit der Bevölkerung dies unterstützen würde. Andere Erhebungen besagten, dass Herr und Frau Schweizer die Grossbank als «eher wenig» oder «überhaupt nicht vertrauenswürdig» erachten. Und die Markenstudie des Werbekonzerns Advico Young & Rubicam stellte fest, dass das Vertrauen in den Brand UBS innert eines Jahres um 66 Prozent abgesackt war.

Weitere Beispiele liessen sich anfügen, sie alle besagen eines: Die UBS ist – freundlich formuliert – unbeliebt. «Die Vertrauenswürdigkeit der Bank ist stark beschädigt», sagt der Kommunikationsexperte Marcus Knill, «und verlorenes Vertrauen kann leider selten neu erworben werden.»

http://www.rhetorik.ch/Schlagfertig/marcus_knill_vortragend.jpg

Natürlich könnte man dies vor allem mit Kommunikationsfehlern erklären. In der ersten Phase der Finanzkrise – bis Herbst 2008 – gestand die Bank ihre Probleme allenfalls im Salamiverfahren ein, Fehler wurden bagatellisiert. In einer zweiten Phase – nach dem Rettungspaket aus Bern – setzten UBS-Präsident Peter Kurer und Konzernchef Marcel Rohner auf eine neue Bescheidenheit. Wobei sie es grundsätzlich vorzogen, sich möglichst rar zu machen. So blieb die Grossbank auch jetzt in der Bonus-Debatte auf Tauchstation, kein Versuch zur Versachlichung. Peter Kurer kritisierte zwar schon am Montag die Lohnexzesse seiner Branche, nur: Er tat dies an einer Konferenz in Riad (Saudiarabien). Die Schweizer Öffentlichkeit erfuhr nichts davon.

Die UBS hat ein Imageproblem (Robert Studer, 1997)

«Das Klima zwischen der UBS und den Schweizer Medien ist auf einem Tiefpunkt», bemerkt Knill. Und in diesem Punkt spiegelt sich ein grösseres Dilemma: Die Bank will sich jetzt wieder stärker auf den Heimmarkt stützen, doch hier war sie noch nie besonders tief verankert.

«Die UBS hat ein Imageproblem»: Dieser Satz ist älter als die UBS selber – beispielsweise äusserte ihn Robert Studer mehrfach im Jahr 1997. Die Bankgesellschaft hatte sich da gerade in Union Bank of Switzerland umgetauft, der Streit um Nazigeld und Judengold brachte sie unter internationalen Druck, und Verwaltungsratspräsident Studer wurde im Fall Meili vorgeworfen, arrogant geworden zu sein.

Nachdem die Fusion von SBG und SBV durchgepaukt worden war, setzten die erwähnten Imageprobleme erst richtig ein: Schon im ersten Jahr 1998 verlor die Fusionsbank eine Milliarde Franken im amerikanischen Spekulationsfonds LTCM; ihr Präsident, der kernige Bündner Mathis Cabiavalletta, musste gleich wieder sein Pult räumen.

Stationen einer Entfremdung

1999 folgte die Schliessung von 150 Filialen im ganzen Land, und auch danach erreichte die Entfremdung zwischen der Bank und der Heimat fast jährlich neue Stufen; einige Anlässe:

Im Jahr 2000 übernahm die UBS die Wallstreet-Grossbank PaineWebber mit 8000 Angestellten, womit sie nebenbei unterstrich, wie unwichtig ihr das Kleinkunden- und KMU-Geschäft zwischen Mettmenstetten und Minusio geworden war. Der Deal brachte einen massiven Schub an amerikanischer Bonus-Kultur in die Schweizer Bank, und vor allem kippte jetzt ein wichtiges Verhältnis: Bloss noch 40 Prozent des UBS-Personals arbeitete danach in der Schweiz.

Den ausgeschriebene Namen «United Bank of Switzerland» hatte die UBS da ohnehin schon ganz unterdrückt: Im globalen Selbstverständnis war Switzerland vernachlässigbar geworden.

Im Herbst 2001 erschien die UBS dann zum ersten Mal als Hassobjekt auf Demonstrationen: Das war nach dem Grounding der Swissair – ein Desaster, für das die Öffentlichkeit stark die UBS verantwortlich machte. UBS wurde zur Bank, welche der Nationalfluggesellschaft den Stecker rausgezogen hatte.

Im Frühjahr 2002 legte UBS-Präsident Marcel Ospel als erster Grosskonzern-Chef sein Gehalt offen. Es kam zum Aufschrei: 12.5 Millionen Franken! – die Summe lag damals noch jenseits aller Erwartungen. Ab diesem Zeitpunkt galt Marcel Ospel landauf, landab als Prototyp eines globalisierten Managers, dem es an Bezug zum Normalverdiener zu fehlen schien. Abzocker gleich Ospel: Diese Formel verfolgte den UBS-Chef bis zu seinem Rücktritt. Und mit ihm die UBS.

In den Jahren danach konnte sich die Bank zwar auch wieder allerhand Goodwill verschaffen. Dabei halfen die Sponsorengelder für Alinghi, und vor allem: Zwischen 2003 und 2007 präsentierte die Bank faszinierende Milliardengewinne. Das trug ihr vielleicht nicht gerade Liebe ein, aber wenigstens Respekt. Noch 2007 bekam die UBS in der erwähnten Advico-Markenstudie leicht bessere Vertrauenswerte als Paradeplatz-Rivale Credit Suisse.

Doch mit der Finanzkrise und den 40-Milliarden-Abschreibern schmolz diese Anerkennung im Nu. Denn nun musste die Bank umso mehr als amerikanisierter Grosskonzern wahrgenommen werden: Nicht sehr schweizerisch, aber ein Klumpenrisiko für die ganze Schweiz. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

NACHTRAG Tagi-online:

Merz verteidigt UBS-Boni

Bundespräsident Hans-Rudolf Merz schildert die Lage der UBS vorsichtig zuversichtlich.

Kommentar: Diese Zuversicht die Hans-Rudolf Merz verkündet und seineVerteidigung der variablen Lohnanteile wundern mich nicht. Hat doch Bundespräsident Merz ein schlechtes Gewissen, weil er sich von der UBS über den Tisch ziehen liess und es der Bundesrat verpasst hatte, Bedingungen an die Finanzspritze zu knüpfen. Es trifft nicht zu, dass die ganze Summe der Boni vertraglich gebunden sind. Diese Falschsinformation des Bundesrates konnte bereits entlarvt werden. Bundespräsident Merz sollte nicht den ehemaligen Verteidigungsminister copieren, der Fehler ständig schönredete und nie Fehler zugeben konnte. Schade! Hat doch Bundesrat Merz seinen Job sonst recht gut gemacht. Weshalb spricht übrigens niemand von MALUS. Ein sogenannt "variabler Lohn" müsste auch die Variation nach unten kennen. Die UBS kennt aber nur eine Variable - den Bonus (nach oben), der laut Bundesrat dank einer Wortkosmetik nicht mehr Bonus heissen darf , sondern nebenbei zur variablen Lohnkomponente umgetauft wurde.

Auch der Präsident der Finanzkommission spricht Klartext und geisselt die UBS

Nachtrag Blick:

«Vollkommen ungenügend» sei die Kommunikation nach dem Bekanntwerden der Milliardenboni der UBS, kritisierte die Kommission. Die Finanzmarktaufsicht (Finma), welche die Bezüge genehmigte, hätte viel schneller und offener reagieren müssen.

Im Ganzen geht es um eine Summe von 2 Milliarden Franken. Nur 1,3 Milliarden aber sind per Arbeitsvertrag abgedeckt. Doch mit den «hohen vertraglich nicht zugesicherten Boni» in der Höhe von geschätzten 700 Millionen Franken kann die Kommission nichts anfangen. Diese seien angesichts der UBS-Verluste nicht gerechtfertigt.

Auch die Kommunikation der Grossbank UBS selbst sei «absolut ungenügend» gewesen.

Der Bundesrat schliesslich habe mit seinen Äusserungen vom 28. Januar «nichts zur Klärung der Fakten beigetragen, sondern die Verwirrung eher noch vergrössert». Bei aller Kritik, Konsequenzen wollte die Kommission dann doch nicht ziehen: Sie lehnte einen Antrag ab, der den Bundesrat beauftragen wollte, der UBS einen Bonusverzicht nahezulegen. (

Spricht Klartext in der Boni-Frage: Fabio-Abate (FDP), Präsident der Finanzkommission des Nationalrats. (Keystone)

Ich frage mich: Weshalb will man keine Konsequenzen ziehen?

Nachtrag Tagi 31-1-09:

Arroganz der UBS ohne Ende

Doris Leuthards Forderung lässt Peter Kurer kalt

Die UBS-Spitze reagiert verhalten auf die Forderung von Bundesrätin Doris Leuthard, das Ausmass der Boni 2008 noch vor der Bilanzkonferenz am 10. Februar offenzulegen.

Es wird noch dreister: Erhalten die USA Banker tatsächlich Geld aus der Finanzspritze?

Nach Tagi 3.2.09:

UBS-Boni fliessen in die Taschen ausländischer Banker

Die Vermögensverwalter in Übersee dürfen sich freuen: Die Boni sind für sie reserviert. Die Kritiker pochen darauf, die Verträge umgehend zu ändern

Kommentar: Dicke Post ohne Ende!

Donnerstag, 29. Januar 2009

Bückling vor China

Und dies in einem Land, das sonst Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Demostrationsfreiheit gross schreibt

Aus TAGI online:

Tibet-Fahne: «Ich darf doch zeigen, was ich will»

Die Bündner Polizei ging gestern gegen die «Kundgebung» im Schaufenster von Margrit Merz vor und verbot das Zeigen einer Tibet-Fahne. Selbst beim Bündner Wef-Ausschuss wundert man sich über das Vorgehen.

Auch mich wundert dieses Vorgehen!

Nachtrag aus 20 Min vom 30. Jan:

China-Politik

Tibet-Frage: «Bundesrat hat Schere im Kopf»

Die Tibeter-Seele kocht: Sie sind entsetzt über die Mutlosigkeit der Landesregierung. Selbst Parlamentarier sprechen von «chinesischen Zuständen», welche in der Schweiz herrschten. Nun fordern Tibeter, dass der Bundesrat den Dalai Lama empfängt.

Tibet war kein Thema: Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao (links) mit Bundespräsident Hans-Rudolf Merz während seines Arbeitsbesuchs am Dienstag in Bern.

(Bild: Keystone/Peter Schneider)

Schöne Worte benutzte Bundespräsident Hans-Rudolf Merz am Mittwoch in Davos: «Die Schweiz ist eines der offensten Länder der Welt», sagte er zur Eröffnung des WEF.

Wenig offen zeigte sich die Schweiz jedoch in diesen Tagen gegenüber den Tibetern. Die Polizei verhaftete Demonstranten und hängte eine Flagge ab, um den chinesischen Ministerpräsidenten Wen nicht zu verärgern. Und auch der Bundesrat legte wenig Wert auf den vielbeschworenen Menschenrechtsdialog. Beim Treffen mit Wen sprach er das Thema Tibet nicht an.

«Bundesrat kuscht vor Chinesen»

Dafür gibts jetzt Kritik: «Der Bundesrat kuscht vor den Chinesen und hat kein Rückgrat gezeigt», sagt Yangchen Büchli, Präsidentin der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft GSTF. «Wir Tibeter sind entsetzt über die Ereignisse der letzten Tage. Es hat uns die Sprache verschlagen.» Sie hätten das Gefühl gehabt, sie seien während der Demonstration dem verlängerten Arm der chinesischen Regierung ausgeliefert gewesen, sagt Büchli.

Bundespolitiker sind ebenfalls empört: «Wenn es um China geht, sind unsere Bundesräte Duckmäuser», sagt SVP-Nationalrat Oskar Freysinger (VS), Mitglied der Parlamentarischen Gruppe Tibet. Dessen Präsident, der Zürcher SP-Nationalrat Mario Fehr, hat Merz im Vorfeld des Besuchs noch einen Brief geschrieben. Darin bat er den Bundesrat, das Thema Tibet anzusprechen. Nun ist er umso mehr enttäuscht: «Der Bundesrat hat eine Schere im Kopf. Aus vorauseilendem Gehorsam spricht er das Thema gar nicht an.»

Ein Sprecher von Merz wollte zum Treffen mit Wen keinen Kommentar abgeben.