Sonntag, 16. November 2008

Aus der Unterrichtspraxis:

Ein Startritual einer Lehrerin, die mich beeindruckt hat.

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Ich kenne Lehrkräfte, die nicht nur das Schuljahr oder den Schultag bewusst mit einem Ritual eröffnen und schliessen. Anfang und Ende jeder Unterrichtseinheit sollte bewusst zelebriert werden, Ich kenne eine Oberstufenlehrerin, die den Morgen stets mit dem gleichen Ritual angefangen hatte. So wie früher Schülerinnen und Schüler aufgestanden sind, wenn eine Lehrperson das Zimmer betrat oder der Unterricht mit einem Gebet oder Lied eröffnet worden war, so schlug diese Lehrerin am Anfang zuerst immer an eine grosse Klangschale. Dabei mussten sich die Klasse mäuschenstill verhalten und zwar so lange, bis der Ton verklungen war. Diese Konzentrationsübung erstreckte sich oft recht lang. Die Lehrerin erzählte mir, dass sich dieses Ritual mehrfach gelohnt habe: Das Ritual beruhigte die ganze Klasse. Es gab keine Seitengespräche mehr und der Unterricht konnte mit geöffneten Ohren schneller begonnen werden. Diese Hörübung habe sich nach Wochen auf das ganze Kommunikationsverhalten positiv ausgewirkt. Als sie nach einigen Wochen dieses Ritual abgebrochen hatte, vermissten erstaunlicherweise recht viele Kinder dieses Eintauchen in die Welt der Stille. Sie hatten in der Schule etwas erlebt, was im Alltag kaum mehr der Fall ist. Denn heute lassen sich Jugendliche schon dem Schulweg - auch bei den Hausaufgaben - mit Musik nicht nur berieseln, sondern meist laut beschallen. Mehr als die Hälfte der Klasse sehnte sich erstaunlicherweise nach dem Ritual des Hörens zurück und ein Knabe fragte: Wann machen wir wieder „Gong hören“? Die Schüler hatten sich an diese aussergewöhnliche Situation, an das Ritual schon gewöhnt. Die Lehrerin verzichtete auf eine psychologische Erläuterung zu dieser "Meditationsform". Sie nahm den Brauch wieder auf. Die Klasse hatte die bereichernde Erfahrung gemacht : Stille tut gut.

Abgewählter Blocher möchte nochmals in die Exkutive zurück

Obschon die Chance gleich Null ist, will es Christoph Blocher nochmals wissen. Wir haben seit seiner Abwahl einen gekränkten Mann gesehen, der im Tele Blocher immer wieder von seinem überraschenden und zugegebenermassen hinterhältigen Hinauswurf mit Groll gesprochen hatte. Es war offensichtlich, dass er diese Abwahl nie verdaut hatte. Es kam mir ständig so vor, als wolle Silvia und Christoph Blocher das Rad mit aller Gewalt zurückdrehen - obwohl in der heutigen Situation keine Chance besteht zu einer Rückkehr in die Exekutive. Obschon er für die SVP nur noch eine Hypothek ist, will er nicht Hand bieten und freiwillig auf eine Kandidatur zu verzichten!

20-Min:

Schmid-Nachfolge

Blocher wills nochmals wissen

Aus alt mach neu. Alt Bundesrat Christoph Blocher steigt erneut ins Rennen um einen Sitz im Bundesrat. Eine Bedingung muss aber erfüllt sein: Der abgewählte Ex-Bundesrat sagt Ja, wenn ihn die Zürcher SVP der Bundeshausfraktion als Kandidaten für die Nachfolge von Bundesrat Samuel Schmid empfiehlt

Tagi-online:

Blocher würde ins Rennen steigen

Der abgewählte Ex-Bundesrat Christoph Blocher sagt Ja zu einer Kandidatur für die Nachfolge von Samuel Schmid – wenn ihn die Zürcher SVP aufstellt.

Aus alt mach neu. Alt Bundesrat Christoph Blocher steigt erneut ins Rennen um einen Sitz im Bundesrat. Eine Bedingung muss aber erfüllt sein: Der abgewählte Ex-Bundesrat sagt Ja, wenn ihn die Zürcher SVP der Bundeshausfraktion als Kandidaten für die Nachfolge von Bundesrat Samuel Schmid empfiehlt.

Alter Mann, was nun?

Christoph Blocher ist bereit, erneut für den Bundesrat zu kandidieren. Das erklärte der SVP-Vize-Präsident und vor einem Jahr abgewählte Bundesrat gegenüber der SonntagsZeitung. Er kündigt an, einen Vorschlag durch die SVP Zürich anzunehmen:

«Einer Nominierung werde ich mich nicht widersetzen.»

Einer- oder Zweiervorschlag?

Am Montag wird der kantonale Parteivorstand Kandidaten zuhanden der Zürcher Delegiertenversammlung vom 24. November bestimmen und es ist davon auszugehen, dass Blocher nominiert wird. Möglich ist auch ein Zweiervorschlag: Hier ist Ueli Maurer Favorit für den Ticketplatz neben Blocher; wesentlich weniger Unterstützung geniessen Nationalrat Bruno Zuppiger und Regierungrsätin Rita Fuhrer.

Vor- oder Nachteil

Ob Blocher in der Fraktion eine Mehrheit erreicht, um effektiv für die Schmid-Nachfolge zu kandidieren, ist offen. Manche SVP-Vertreter fürchten eine Kandidatur Blochers, weil dieser im Parlament durchfallen und die SVP so weiter in der Opposition bleiben würde. Doch Blocher will sich nicht aus dem Rennen nehmen. «Es gibt nichts zu verzichten», sagt er und warnt die Fraktion, sich dem Druck der anderen Parteien zu beugen und auf einen Kandidaten zu setzen, der «irgendwo im Mainstream herumschwimmt». Man wolle ihn zum Verzicht drängen, «um die SVP zu schwächen».

Kommentar: Warum kann er es nicht lassen? Glaubt Christoph Blocher, nur er könne die Schweiz vor der Fremdbestimmung retten?

Ich zitiere Sobli:

«Am 27. November wählen wir den Bundesrat»

Ich hoffe, dass die SVP diesen Vorschlag nicht macht, was Toni Brunner vorschlägt. Christoph Blocher würde verheizt und die SVP müsste in der Oppostionsrolle weiter schmoren.

Donnerstag, 13. November 2008

Nun werden Lehrer verbal verprügelt

Tagi-online:

Nun kommen die Schulmeister dran: Auf Facebook prügeln Schüler der Zürcher Kantonschule Enge verbal auf ihre Lehrer ein. Die Schule will sich das nicht gefallen lassen und prüft rechtliche Schritte.

< Rechtlich problematisch: Diffamierung hinter dem Rücken der Lehrer

Konstruktive Kritik: Anonyme Fragebogen - oder das direkte Gespräch

Rudolf Widmer (Name geändert), Französischlehrer an der Zürcher Kantonsschule Enge, scheint bei seinen Schützlingen nicht beliebt zu sein. 31 seiner aktuellen und ehemaligen Schüler haben sich in einer Gruppe eingetragen, in welcher man ihm «pausenlos die Fresse polieren» will. «...mir hasset de Widmer doch alli!», heisst es da, er würde seinen Schülern am liebsten mit dem Stock auf die Finger schlagen. Deshalb würden ihn die Gruppenmitglieder am liebsten «mit ere Isestange vermöble», schliesst der Eintrag martialisch.

22 Leute finden sich in einer Gruppe, welche sich gegen den Physiklehrer Markus Daniel (Name geändert) richtet: «@Herr Daniel: 1. widerling 2. kindermann 3. en gruusige siech». Die Gruppe ist da für alle, die «am liebschte gar nüüt mit ihm ztue ha würdet will er eifach en arsch isch». Und der Eintrag für Frank Hartmeier (Name geändert) - er unterrichtet Deutsch - wurde erstellt für alle die wissen «wies isch vom Hartmeier voll glaberet zwerde…» Auch Kommentare, die unter die Gürtellinie zielen, finden sich in der Gruppe.

Rechtliche Schritte werden erwägt

Beat Wüthrich, Rektor der Kantonschule Enge, zeigt sich empört über die öffentlich einsehbaren Facebook-Gruppen, über die ihn 20 Minuten Online informierte. «Das ist, wie wenn man an einem Bahnhof ein Plakat aufhängen würde mit diffamierenden Aussagen über einen Lehrer», ärgert sich Wüthrich. Man werde die Einträge prüfen – und die Konsequenzen ziehen. «Je nachdem wie stark die Verunglimpfungen sind, könnte allenfalls der Rechtsweg beschritten werden.» Auf jeden Fall müsse man sicherstellen, dass so etwas nicht mehr vorkomme.

Der betroffene Lehrer Rudolf Widmer ist enttäuscht über die Art und Weise, wie hinter seinem Rücken über ihn geredet wird. «Ich habe keine Probleme mit Schülern, die bereit sind, etwas zu leisten», sagt Widmer. Er würde gerne mit den Fehlbaren das Gespräch suchen – rechtliche Schritte wolle er aber trotzdem nicht ausschliessen.

Zu wenig der Konsequenzen bewusst

Nicht akzeptabel sind solche Aussagen für Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Lehrer-Verbandes LCH: «Von solch ehrverletzenden Äusserungen im Internet gegenüber Lehrern habe ich hierzulande noch nicht gehört.» Er warnt vor solchen Einträgen: «Die Schüler, die solche Einträge unter eigenem Namen aufschalten, sind sich der strafrechtlichen Konsequenzen nicht bewusst.» Das könne Ehrverletzungsklagen nach sich ziehen. Man müsse den Schülern mehr Bewusstsein im Umgang mit dem Internet vermitteln.

Rektor Beat Wüthrich versichert, dass an der Kantonsschule Enge die Schüler bei Problemen das direkte Gespräch mit dem Lehrer suchen könnten, sich an den Klassenlehrer und an die Schulleitung wenden - oder eine eigens dafür geschaffene Kontaktgruppe angehen.

Technologisch aufrüsten

Wenn sie diese Art von Nachrede unterbinden wollen, müssen die Lehrer nicht nur pädagogisch, sondern auch technologisch aufrüsten. Um die diffamierenden Facebook-Seiten zu sehen, müssen der Lehrer Rudolf Widmer und der Rektor Beat Wüthrich nämlich erstmal ein eigenes Profil erstellen.

Kommentar: Schüler sind gegen physische und psychische Gewaltanwendung geschützt.

Und die Lehrer? Haben Sie keinen Schutz. Dürfen Jugendliche Lehrkräfte im Netz ungestraft diffamieren oder an den Pranger stellen?

Hier besteht eine Gesetzeslücke!

Ich bin Ombudsmann einer Kantonsschule und habe gesehen, dass diese Stelle mithilft, aufgestauten Stress konstruktiv abzubauen. Ob die Kantonsschule Enge auch so eine Stelle hat?

Jedenfalls dürfen wir solche Beschimpfungen auf keinen Fall dulden, so wenig, wie wir die Körperstrafe von Kindern ahnden. Hier dürfen wir keine Augen zudrücken. Die Geschichte zeigt einmal mehr: Jugendliche haben selten gelernt, konstruktiv mit Erwachenen zu streiten oder korrekt Vorgesetzte zu kritisieren. Diese Schulung gehört eigentlich zur Grundausbildung, so wie das Lesen und Schreiben oder den Umgang mit dem PC.

SVP Sprüche, die Samuel Schmid schlucken musste

Aus Blick.online:

November 2002

Nationalrat Christoph Blocher: , Schmid sei nur ein «halber SVP-Bundesrat».

Juni 2005

SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli schreibt sich angesichts Schmids Befürwortung des Schengen-Abkommens mit der EU in der «Weltwoche» in Rage. Er bescheinigt in seiner Kolumne dem Bundesrat «völlige Absenz einer Überzeugung». Und schlägt schliesslich völlig über die Stränge: «Wäre der Charakter ein lebenswichtiges Organ, man müsste Schmid künstlich am Leben erhalten.»

Februar 2008

Der von der eigenen Partei zunehmend unter Beschuss stehende Verteidigungsminister wagt es, die SVP öffentlich zu kritisieren. An einer Rede zur Eröffnung der Basler Mustermesse geisselt er das Oppositions-Gehabe der Volkspartei. Zudem warnt er vor einem Referendum gegen die Erweiterung der Bilateralen auf Rumänien und Bulgarien. Die Retourkutsche der SVP kommt postwendend. Parteipräsident Ueli Maurer poltert gegenüber «10 vor 10»: «Für unsere Parteimitglieder ist Samuel Schmid so gut wie klinisch tot.»

Juni 2008

Hinter der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf an die Stelle von Bundesrat Blocher im vergangenen Winter wittert die SVP eine Verschwörung. Damit solle die Spaltung der SVP vorangetrieben werden, mutmasst Hermann Weyeneth. Der Berner Ex-Nationalrat hat sich bisher immer tapfer vor Samuel Schmid gestellt, wenn dieser ins Kreuzfeuer geriet. Doch «dass er nun aus persönlichen Motiven die Berner Partei spaltet, ist für mich absolut inakzeptabel», wirft Weyeneth seinem ehemaligen Gefährten in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» vor. Und vergreift sich arg im Ton: «Wenn ich mich nach all dem noch im Spiegel sähe, müsste ich mich übergeben.»

Kommentar: Ich habe immer wieder erlebt, dass Führungskräfte, die ständig nur einstecken, schweigen, nichts sagen alles schlucken und hinnehmen, letztlich krank werden.

Der Verteidigungsminister hatte nicht nur diese happigen SVP Sprüche zu schlucken. Er stand monatelang einer kritischen Presse gegenüber. Im Zusammenhang mit seinen Fehlleistungen (Jungsfraudrame, Nef, Kanderunglück) war er einem Trommelfeuer von kritischen Beiträgen ausgesetzt. Samuel Schmid schien alles gelassen entgegenzunehmen und beiseite legen zu können. Ich behaupte: Die permanente Kritik machte ihm und seiner Familie sicher viel mehr zu schaffen, als man es nach aussen wahrzunehmen glaubte.

Finanzkrise ist eine Glaubenskrise

Es wird zu wenig berücksichtigt, dass die Situation auf dem Finanzmarkt derzeit vor allem von psychologischen Faktoren abhängt. Banken trauen einander nicht mehr. Alle Unterstützungs- und Steuerungsmassnahmen bringen nichts, wenn dieses Vertrauen fehlt. Geld hätte eigentlich mit gelten zu tun. Nur wenn Geld liquid ist, kann es genutzt werden. Doch heute fliessen die Geldströme nicht mehr. Wir stecken in einer Liquiditätskrise. Geldflüsse sind eingetrocknet. Die Banken sind krank und sind Patienten. Der Staat versucht mit Notprogrammen einzugreifen. Mit Kapitalspritzen und die Banken liegen auf dem Krankenbett am Tropf des Staates. Erst wenn Kredite wieder zugetraut werden, könnte eine Besserung eintreten. Im Wort Kredit steckt nämlich das Wort GLAUBEN (lat. creder glauben). Hoffen wir, dass den Banken und allen Kreditnehmern wieder Glauben geschenkt wird, sonst ist die Rezession unabwendbar.

In 20 Min gefunden:

Visualisierte Finanzkrise:

Mittwoch, 12. November 2008

Bundesrat Schmid tritt zurück

aus 20 Min:

Bundesrat Schmid wirft den Bettel hin

Bundesrat Samuel Schmid hat in einer emotional vorgetragenen Erklärung seinen Rücktritt auf Ende Jahr bekanntgegeben. Er demissioniere mit Rücksicht auf seine Gesundheit, seine Familie, sein Land und die Armee, sagte er als Begründung.

Adrian Amstutz (SVP/BE), einer der Kandidaten für die Nachfolge Schmids. (Weitere Kandidaten gibts hier).

Die Nachfolge von Samuel Schmid wird am kommenden 10. Dezember von der Vereinigten Bundesversammlung geregelt.

Das neugewählte Mitglied des Bundesrats tritt sein Amt spätestens zwei Monate nach seiner Wahl an, wie es im Gesetz weiter heisst.

Bundesrat Samuel Schmid verlas heute um 10 Uhr vor den Medien mit bewegter Stimme eine persönliche Erklärung, in der er seinen Rücktritt auf den 31. Dezember 2008 bekannt gab. Er hielt Rückschau auf seine Amtszeit. Er habe heute Morgen den Gesamtbundesrat darüber informiert, sagte er.

Der abtretende Verteidigungsminister habe in den acht Jahren im Bundesrat mit Freude im Verteidigungsdepartement gearbeitet. Er zeigte sich auch überzeugt, in dieser Zeit die Grundlagen für die Weiterführung der kommenden Aufgaben aufgegleist zu haben.

«Ich demissioniere meiner Gesundheit, meiner Familie, meinem Land und der Armee zuliebe», sagte Schmid mit Tränen in den Augen.

Rücktritt vor dem Showdown

Obwohl über den Rücktritt von Schmid seit längerer Zeit spekuliert wurde, kommt die Demission am heutigen Tage überraschend. Gestern feierte Schmid einen Erfolg. Das Rüstungsprogramm wurde von der vorberatenden Kommission des Nationalrats angenommen, die Zustimmung in der Wintersession ist absehbar.

Dennoch hätte ihn Ende November und Anfang Dezember neuen Ungemacht erwartet. Die Geschäftsprüfungskommission veröffentlicht Ende November einen Zwischenbericht zur Affäre Nef. Und am 10. Dezember hätte sich Schmid der Wahl zum Vizepräsidenten des Bundesrats stellen müssen und eventuell ein schlechtes Resultat erzielt.

Nun findet dann die Wahl seines Nachfolgers statt. Das Kandidatenkarussell beginnt zu drehen.

Durch den Rücktritt Schmids werden nun die Karten für die Bundesratswahlen vom kommenden 10. Dezember neu gemischt. Die SVP dürfte die Gelegenheit ergreifen, um ihren Anspruch auf einen Bundesratssitz erneut geltend zu machen. Alt Bundesrat Christoph Blocher dürfte jedoch nicht mehr ein realistischer Kandidat sein.

Kommentar: Auch ich hätte Bundesrat Schmid geraten, zurückzutreten. Ich bin sicher, dass er während des Spitalaufenthaltes über seine Situation eingehend nachgedacht hat.

- Mit dem Rücktritt ist er nun aus dem Schussfeld der SVP. Die SVP hat jetzt selbst ein Problem mit der Nachfolge. Sie hatte zu viele interne Fragen noch nicht geklärt. Sie wurde am linken Fuss erwischt.

- Das nachträgliche Wäschewaschen im Fall Nef ist mit dem Rücktrittvom Tisch.

- Wie bei Beerdigungen werden nun die Medien mit dem Verkehrsminister sicher gnädiger verfahren. Er wird nicht als Sesselkleber in Erinnerung geblieben wäre. Jetzt wird er als guter, väterlicher Bundesrat gelobt, der das Beste wollte. Imagemässig kann Schmid somit mit seinem Rücktritt nur gewinnen.

- Ich hatte fruher wieder gehofft, Schmid befreie sich von allen Fehlentscheidungen, indem er offen zugibt: Ich habe diesen und jenen Fehler gemacht oder hier und dort nicht die Wahrheit gesagt. Diesen Schritt eines MEA CULPA hatte er leider verpasst. Jetzt hat er immerhin nachträglich einen mutigen Entscheid gefällt und wartete nicht noch länger zu.

Bundesrat Schmid bei der Pressekonferenz vom Mittwochmorgen

Dieser Auftritt überzeugte mich. Bundesrat Schmid sprach bedacht. Die Formulierung las er ab. In so einer wichtigen Situation, wenn jedes einzelne gesprochene Wortzählt, war dies bestimmt richtig. Bei den Worten GESUNDHEIT, FAMILIE waren die Emotionen in seiner Stimme gut hör- und spürbar. Die sonore Radiostimme wurde etwas gebrochen und ein Hüsteln signaliserte, dass er emotional bewegt war. Den heutigen Auftritt fand ich glaubwürdig und der Situation angemessen. Am Nachmittage wird dann der Verteidigungsminister um 1500 Uhr Fragen beantworten.

Zur zweiten Medienkonferenz:

20 Min:

Die Attacken auf seine Person haben Samuel Schmid mehr zugesetzt als bisher vermutet. Er übte im zweiten Auftritt scharfe Kritik an der SVP und rechtfertigte seinen Austritt aus der Partei. Der abtretende Bundesrat musste die Pressekonferenz wegen Nasenblutens kurzzeitig unterbrechen.

Reden bis zum Nasenbluten (am Ende des Videos): der abtretende Bundesrat Samuel Schmid.

Kurz nach seiner Rede vor den Medien kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Bundesrat Samuel Schmid blutete unvermittelt aus der Nase. Weil Schmid die Blutung nicht sofort stoppen konnte, verliess er den Saal. Die Pressekonferenz wurde kurzzeitig unterbrochen. Das Nasenbluten ist offenbar auf die Einnahme eines Medikaments zur Blutverdünnung zurückzuführen. Seit dem Frühjahr müsse er Medikamente einnehmen, sagte Schmid, der nicht nur auf Grund dieses Zwischenfalls gesundheitlich angeschlagen wirkte.

Kurzfristiger Entscheid

Zugesetzt haben Schmid nicht zuletzt die Angriffe der SVP auf seine Person. Dies verdeutlichte er mit folgender Aussage: «Man darf dem Druck nicht nachgeben.» Damit begründete Schmid, weshalb er nicht schon früher zurückgetreten ist. Er habe sich auch überlegt, die Demission erst im Dezember bekannt zu geben.

Den definitiven Entscheid hat der abtretende Bundesrat dann aber sehr kurzfristig gefällt. «Der Entscheid ist in der letzten Nacht gefallen», sagte Schmid vor den Medien. Keine Rolle habe dabei der GPK-Bericht über die Affäre Schmid/Nef gespielt, der noch in diesem Monat vorliegen wird. Doch nach seiner Operation an der Gallenblase und den gesundheitlichen Problemen, die Schmid seit dem Frühjahr plagen, wollte der VBS-Chef nicht mehr weitermachen. «Man soll sein Schicksal nicht forcieren», sagte er mit Blick auf seinen Gesundheitszustand.

Als im Sommer die Affäre Nef publik wurde, geriet der VBS-Vorsteher immer stärker unter Beschuss: «Das war sicher die schwierigste Zeit», blickte Schmid heute auf diese Zeit zurück.

Kritik an der SVP

Seine Enttäuschung gegenüber der SVP konnte Schmid während der gesamten Rede nicht verbergen. «Die Konkordanz ist jetzt mehr denn je auf dem Prüfstand», sagte er. Es brauche Bereitschaft zum Kompromiss, sagte Schmid. Eine Bereitschaft, die er in den Reihen der SVP praktisch während seiner gesamten Amtszeit vermisste. Er habe den Preis der Unabhängigkeit bezahlt mit dem Rauswurf aus der Fraktion und Verunglimpfungen gegen seine Person, stichelte Schmid weiter gegen seine frühere Partei. «Namhafte» SVP-Mitglieder hätten ihm nach dem Rauswurf von Blocher gesagt, er könne nur in der Partei bleiben, wenn er schweigen würde. Dazu war Schmid aber nicht bereit. Nun hoffe er, dass sich die Polarisierung der letzten Jahre noch korrigieren lasse

.

«Politische Erpressung gehört nicht zur Schweiz»

«Politische Erpressung hat in diesem Land nichts zu suchen», kritisierte Schmid seine ehemaligen SVP-Parteikollegen weiter. Und «dogmatische Polemik» sei nicht tolerierbar. Zu den Werten der Schweiz zählten unter anderen «politische Unerpressbarkeit und auch Grundvertrauen in Menschen.»

Schmid konnte trotz den Angriffen gegen seine Person aber auch Höhepunkte seiner Amtszeit vermelden: «Ich habe alle Abstimmungen gewonnen», sagte er. Aber auch sein Jahr als Bundespräsident nannte Schmid als ein Highlight.

Jetzt setzt Bundesrat Samuel Schmid den Angriffen ein Ende. Per 31. Dezember tritt er zurück. Mit einem Hauch von Patriotismus sagte Schmid: «Ich tue es meinem Land zuliebe».

Hoffentlich auch sich zuliebe!

2. Medienkonferenz:

Schmid dachte schon im Sommer an Rücktritt

Aktualisiert am 12.11.2008 134 Kommentare

Die letzten Wochen hat Bundesrat Samuel Schmid als die schwierigste Zeit seiner Karriere bezeichnet. Gesundheitliche Probleme habe er bereits seit dem Frühsommer. An der Pressekonferenz kämpfte der VBS-Chef mit den Tränen.

Samuel Schmid musste die Pressekonferenz wegen Nasenbluten kurz unterbrechen.

Samuel Schmid musste die Pressekonferenz wegen Nasenbluten kurz unterbrechen.

Samuel Schmid musste die Pressekonferenz wegen Nasenbluten kurz unterbrechen.

Kauft er sich jetzt einen Hund?

Nach seinem Rücktritt aus dem Bundesrat will sich Samuel Schmid wieder einen Hund zulegen. Das hat er an der Medienkonferenz - von Tränen übermannt - beiläufig verraten. Viele Stunden war der Verteidigungsminister früher mit seinen beiden Hündinnen über Land gegangen. Seit dem Tod der Tiere musste er darauf verzichten. Zeitungsberichten zufolge verbot ihm seine Frau die Anschaffung eines neuen Hundes für die Zeit, in der er noch dem Bundesrat angehöre.

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«Ich demissioniere meiner Gesundheit, meiner Familie, meinem Land und auch der Armee zuliebe»: Mit diesen Worten hat Samuel Schmid an einer überraschend einberufenen Medienkonferenz seinen Rücktritt auf Ende Jahr angekündigt.

Obwohl lange über eine Demission spekuliert worden war - die Rücktrittsankündingung des 61-jährigen Verteidigungsministers kam doch zu einem überraschenden Zeitpunkt. Das Zerwürfnis mit der SVP, die Affäre Nef sowie andere Probleme und nicht zuletzt der Gesundheitszustand dürften den Ausschlag gegeben haben.

Höhepunkte seiner Karriere

Als Höhepunkte seiner Karriere nannte Schmid die Volksabstimmungen, die er allesamt gewonnen habe. Auch die Rüstungsgüter habe er - mit Ausnahmen - durchgebracht. Zudem hat die Armee laut Schmid alle Aufträge erfüllt, obwohl die Karten in den letzten Jahren «vollständig neu gemischt» worden seien.

Gerne erinnert sich Schmid auch an sein Präsidialjahr. Dieses sei für ihn und seine Familie wichtig gewesen. Er habe in der Zeit mit allen Präsidenten der grössten Länder der Welt persönlichen Kontakt gehabt.

Kreislaufprobleme

Schon seit Frühsommer leidet Schmid unter Kreislaufproblemen. Er musste für eine kurze ambulante Behandlung sogar ins Spital. Seither müsse er diverse Medikamente einnehmen, «unter anderem eben auch Blutverdünner», sagte Schmid in Anspielung auf sein Nasenbluten während der Medienkonferenz – die dann kurz unterbrochen wurde.

Der Gedanke an einen Rücktritt sei damals schon aufgekommen. Im Juli/August sei die Belastung dann gelegentlich so massiv geworden, «dass ich mir diese Gedanken auch konkret machte». Zusammen mit politischen Weggefährten habe er aber damals beschlossen, «dass man diesem Druck nicht nachgeben darf».

Er habe sich damals vorgenommen, noch das Rüstungsprogramm 2008 zum Erfolg zu führen. Nach dem klaren Entscheid der Sicherheitspolitischen Kommission sei das Rüstungsprogramm auf gutem Weg. Er sei zuversichtlich, dass das Programm im Dezember im Parlament eine Mehrheit finden werde.

Er habe sich überlegt, den Rücktritt erst im Dezember anzukündigen, sagte Schmid. Aber dadurch wäre ein Wechsel erst im Frühjahr möglich geworden. «Die letztmögliche Frist war der heutige Tag.»

Lob für Widmer-Schlumpf

Samuel Schmid rühmt Eveline Widmer-Schlumpf als gute Politikerin und hat keine Befürchtungen, dass sie nun als BDP-Bundesrätin alleine dastehe. Er sagte, dass er vorher ja auch alleine war und es sich damit gut leben lasse.

Der Rücktrittsentscheid sei die letzte Nacht daheim gefallen. Die politischen Diskussionen hätten keine Rolle gespielt. Er sei nicht Geisel der anderen.

Heute fühle er sich wieder leistungsfähig, so Samuel Schmid. Man dürfe aber die Gesundheit nicht herausfordern, und so betrachte er den Vorfall mit der Gallenblase und die Kreislaufprobleme auch als Zeichen. Schmid sagte auch, dass er seit 40 Jahren rege politisiere und jeder selber entscheiden oder merken müsse, wann es Zeit zum Rücktritt sei.

Er habe während all den Jahren mit Freude im Bundesrat gearbeitet. Unter anderem eine zivile Struktur des Nachrichtendienstes aufgebaut und «wir haben Voraussetzungen geschaffen um Vorsorgeplanungen zu realisieren», sagte Samuel Schmid vor den Medien. Dass auch Fehler gemacht wurden, gehöre dazu.

Persönliches sei kein Thema

«Was ich persönlich in den vergangenen Monaten erlebt habe, soll hier nicht Thema sein», betonte er. Samuel Schmid dankt allen und sagt, er habe in diesen acht Jahren grosse Achtung vor all den Militärangehörigen bekommen. Diese hätten hochstehende Arbeit zur Reform der Sicherheitsdienste geleistet. In der festen Überzeugung, einen Beitrag dazu geleistet zu haben, trete er zurück. Nicht erst in den letzten Tagen habe er bemerkt, welch fragiles Gut die eigene Gesundheit sei. Dies gehe zu oft vergessen, genau wie auch die Seele, und man ermatte, ohne dies zu merken, sagte Schmid.

Schmid steht zur Konkordanz

Er kritisiert die Verbindung von Persönlichem und der Sache. «So nahe am Volk wie die Regierung ist niemand». In den vergangenen Wochen habe er aber auch viel Zuspruch aus der Bevölkerung erhalten. «Dies wäre ein Grund zu bleiben», sagt er. Und betont: «Politische Erpressung hat nichts zu suchen in diesem Land.»

Die Bekanntgabe seines Rücktritts macht dem Bundesrat sichtlich zu schaffen, er kämpfte mit den Tränen.

Ende der Polemiken

Die Nachricht von Schmids Demission wurde mit Bedauern und Verständnis aufgenommen. Die Offiziersgesellschaft hofft auf eine Ende der Polemiken rund um die Armee. Auch die Sportverbände verlieren einen guten Partner. Sie hoffen auf einen würdigen Nachfolger, der sich mit Engagement für die Anliegen des Sports einsetzen wird.

Schmids Nachfolger im Verteidigungsdepartement wird am 10. Dezember von der Vereinigten Bundesversammlung gewählt. Eine Departementsrochade nach der Ersatzwahl scheint ausgeschlossen.

Andrea Ypsilanti:

Es gilt das gesprochene Wort - oder eher das gebrochene Wort?

Wenn Politiker reden, geben sie den Journalisten meist den Text der Rede ab. Unten steht dann explizit :

Es gilt das gesprochene Wort!

Bei Yplilantis Rede müsste jedoch der Vermerk stehen:

Es gilt das gebrochene Wort!

Mit erstaunlicher Hartnäckigkeit pflegte sie den Wortbruch. Ich kann all die Talkrunden, Auftritte und Interviews nicht zählen, bei denen die SPD Politikerin immer wieder betont hatte, eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei komme unter keinen Umständen in Frage. Ohne eine Wimper zu zucken, brach sie hernach ihr mit Herzblut abgegebenes Versprechen. Wenn sich jüngst einige worttreue Parteigenossen an ihr Wahlversprechen gebunden fühlten und den nachaträglichen Wahlbetrug nicht mitvollziehen wollten, wurden das standfeste Quartett als Abtrünnige gestempelt und für ihre aufrechte Haltung von der Partei geächtet. Was für eine verkehrte Welt! Doch die Basis machte den Schlingerkurs Ypsilantis und der Parteispitze nicht. Der gravierende Wortbruch führte letztlich zu einem Dammbruch. Andrea Ypsilanti gilt heute als Tricksilante.