Sonntag, 2. November 2008

Blocher Antwort, die zu denken gibt - aus einem Exklusivinterview des Sobli:

Bei Kaffee und Gipfeli sprach Christoph Blocher gestern Nachmittag im Hotel Marriott in Zürich mit Chefredaktor Britschgi und Politreporter Odermatt (r.) (Sobli)

Frage:

Ihre Nachfolgerin, Bundesrätin Widmer-Schlumpf, musste für den herzkranken Bundesrat Merz einspringen. Wie hat sie es gemacht?

Ich weiss es nicht, da ich nicht im Lande war. Ich stelle einfach fest, dass in der Bevölkerung die Botschaft nicht angekommen ist.

Kommentar: Ich kann mir kaum vorstellen, dass Ex- Bundesrat Blocher das Verhalten seiner Gegenspielerin nicht mitbekommen hat. Er darf, kann und will nicht eingestehen, dass sie es gut gemacht hat. Sie hatte in der Krisensituation immer nur eine Botschaft. Es war BR Leuthard, die sich nicht an das Botschaftenmanagement des Bundesrates gehalten hat und für Verwirrung gesorgt hatte. Soeben habe ich die Antworten der vorübergehenden "Finanzministerin" während der Finanzkrise für die Zeitschrift PERSOENLICH analsysiert und habe festgestellt: Sie hat es hervorragend gemacht.

Samstag, 1. November 2008

Patzer im USA Wahlkampf

Zitat Bild- online:

Obama, McCain, Palin & Co: Die Wahlkampf-Patzer der Kandidaten
Obama, McCain, Palin & Co: Die Wahlkampf-Patzer der Kandidaten
Obama, McCain, Palin & Co: Die Wahlkampf-Patzer der Kandidaten

Obama, McCain, Palin & Co Wahlkampf „Peinlich“

Die Patzer der Kandidaten

Der US-Wahlkampf geht in die letzte Runde und die Auftritte der Kandidaten ist vor allem eines: unterhaltsam!

Versprecher, peinliche Patzer und tiefe Fehltritte ins Fettnäpfen werden von den Medien ausgeschlachtet

– zur Freude der Wähler und Beobachter auf der ganzen Welt.

Bild lässt die Auftritte von Barack Obama, seinem Vize Joe Biden und dem republikanischen Pärchen John McCain und Sarah Palin revue-passieren. Die peinlichsten Ausrutscher im Überblick:

Barack Obama und seine Aussetzer

Obama, McCain, Palin & Co: Die Wahlkampf-Patzer der Kandidaten

Die Auschwitz-Panne: Am Memorial Day erklärte Barack Obama vor einer Gruppe von Kriegsveteranen, sein Onkel habe zusammen mit den amerikanischen Truppen Auschwitz befreit! Schlimmer Fauxpas: Auschwitz wurde von den Russen befreit. Sein Großonkel (!) marschierte mit der 89. Infanterie in ein Nebenlager des KZ Buchenwald ein.

Foto: Reuters
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Biden ist bekannt für seine Versprecher

Fehlerhafte Prophezeiungen: „Behalten Sie meine Worte in Erinnerung. Noch innerhalb der nächsten sechs Monate wird die Welt Barack Obama testen wie sie es einst mit John F. Kennedy tat.“ Pikant: Drei Monate nach Kennedys Amtseinführung versuchten die USA mit der „Invasion in der Schweinebucht“ Fidel Castro in Kuba zu stürzen. Die Invasion scheiterte.

Foto: AP
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McCain, der Pausenclown

Obama, McCain, Palin & Co: Die Wahlkampf-Patzer der Kandidaten

Sangestalent: „Luftbotschaften“ an den Iran – die Idee eines Anhängers griff John McCain auf einer Wahlkampf-Veranstaltung beschwingt auf. Zur Freude der zuhörenden Armeeangehörigen stimmte er den „alten Beach-Boys-Song 'Bomb Iran' “ an. „Bomb, bomb, bomb. bomb, bomb Iran“, zur Melodie von „Barbara Ann“.

Foto: AP
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Palin, Präsidentin des groben Unfugs

Obama, McCain, Palin & Co: Die Wahlkampf-Patzer der Kandidaten

Außenpolitische „Kompetenz“: Graue Haare dürfte Sarah Palin ihrem Wahlkampfteam schon mit ihrer gefürchteten Eignung in außenpolitischen Fragen beschert haben. Ihr Hauptargument: Sie sei deshalb besonders geeignet, weil sie als Gouverneurin von Alaska einen Staat regiere, der an Russland und an Kanada grenze. Immerhin könne sie Russland von einer Insel aus sehen. Palin als außenpolitische Größe? Immerhin hat sie einen Reisepass – seit etwa zwei Jahren.

Kommentar: Niemand ist makellos. Wir alle machen Fehler. Man kann sogar aus Fehlern lernen und ich bin der Ueberzeugung: Wer keine Fehlerkultur hat, kommt weniger schnell vorwärts. Doch gibt es Fehler, die man verzeiht und Fehler, die niemand begreift und Folgen haben. Aus meiner Sicht ist Palin bei den gröbsten Schnitzer Medaillenverdächtig. Fehler dürfen alle machen, doch bitte nicht die gleichen!

Entscheiden ist nicht seine Stärke. Nun hat der Medienminister doch entschieden!

Nach dem Entscheid ist jedoch vor dem Entscheid.

Ich zitiere blick-online:

Eben erst hat Medienminister Moritz Leuenberger seinen mit Spannung erwarteten Konzessions­entscheid für den Grossraum Zürich verkündet:

Radio 1, der neue Sender von Roger Schawinski erhält eine Frequenz. Ebenso Radio 24, dazu zwei Kanäle von 105-Macher Giuseppe Scaglione . Dem beliebten Energy aber zieht er den Stecker raus.

Die Begründung an der Pressekonferenz ist wenig erhellend. Licht in die Motivation des Medienministers bringt dagegen die schriftliche Verfügung. Dort heisst es:

«Energy spricht nur über Themen, die aktuell, Zürich-bezogen, authentisch, boulevard und jung sind.»

Was wie ein Kompliment klingt, ist für den Medienminister ein Tadel: Denn Leuenberger ist erklärter Gegner des Boulevards. Möglich, dass sich der sensible Bildungsmensch so für knackige Schlagzeilen, freche Sprüche und ­Jokes ­rächt. Etwa jenen, als Kilchsperger ihn im Gay-Magazin «akut» als «schwulsten Hetero-Promi» bezeichnet . «Ich hoffe sehr, sein Entscheid war kein Entscheid gegen mich», sagt Kilchsperger. Er traue dem Medienminister zu, dass er weiter denken könne. Ausserdem sei die Sache längst gegessen, «ich habe mich schriftlich bei ihm entschuldigt». Auch Leuenberger wehrt ab: «Bitte nicht so», sagt er gegenüber BLICK. Selbst wenn man mit dem Boulevard nicht immer einverstanden sei, könne man dafür doch nicht Radio Energy prügeln. Tatsächlich wird ein frecher Spruch allein nicht Grund für den umstrittenen Entscheid gewesen sein. Doch die Aversion des bekennenden Arte-Fans Leuenberger gegen das junge, urbane Radio Energy äussert sich auch in einem gewissen Desinteresse an der delikaten Ausgangslage: So sprach der Medienminister an der Pressekonferenz konsequent von «Radio One» – obwohl sich der Sender ganz klar als «Radio eins» deklariert. «Der hatte doch keine Ahnung, von was er spricht. Ich wette, er hat die Sender kaum je selbst gehört. Das ist nicht seriös», wettert Kilchsperger. Am Ende habe sich Leuenberger wohl einfach gedacht: «Energy ist dieser Sender mit Kilchsperger, das kann ja nur Mist sein.»

Offiziell sagt Leuenberger, das Konzessionsgesuch von Energy habe qualitativ am wenigsten befriedigt: «Man könnte es als lieblos bezeichnen.» Für Energy-Programmleiter Dani Büchi ein Hohn: «Es war bunt, es war selbstbewusst – aber es war garantiert nicht lieblos!»

Der Frust sitzt tief. Bei Kilchsperger («Ich bin betroffen») wie bei Büchi («Wir gehen zusammen essen, um die Stimmung etwas aufzufangen»). Nicht zuletzt, weil Leuenbergers Willkür auch privatwirtschaftliche Mechanismen ausser Kraft setzt. Das sagt der ehemalige DRS3-Chef Bendicht Luginbühl gegenüber dem Internet-Portal Newsnetz.ch:

«Leuenberger straft Verlagshäuser dafür ab, dass sie erfolgreiche Medien produzieren. Energy Zürich gehört zu den wenigen kommerziell erfolgreichen Sendern – ausgerechnet dem wird nun der Stecker gezogen».

20 Min-online:

Tele Züri gibt nicht auf

Tele Züri will in den nächsten Wochen die Chancen eines Sendebetriebes ohne Konzession prüfen - aber auch, ob der UVEK-Entscheids beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden soll.

Harte Entscheidung für die Radiosender

Für die Radiosender, die jetzt keine Konzessionsgelder mehr bekommen wird es hart, erklärte Leuenberger. Die meisten davon werden den Sendebetrieb einstellen müssen. Es würden aber insgesamt keine Arbeitsplätze vernichtet, erklärt er. Die Sender, die eine Konzession erhalten haben, hätten ihm gegenüber erklärt, dass sie neue Leute suchen und aktiv auf die Radioschaffenden der gekappten Sender zugehen würden. Leuenberger macht aber kein Geheimnis daraus, dass es sich um ein Verfahren handelt, «wo es Gewinner und Verlier gibt».

Ende der Konzessionsvergabe

Die Schweizer Medien-Landschaft ist mit den Entscheiden des UVEK endgültig neu geordnet. 27 Radio- und 6 Fernsehkonzessionen wurden bereits im Juli erteilt, weil es in den entsprechenden Versorgungsgebieten keine Konkurrenz gab. Mit der heutigen Vergabe der verbliebenen und umkämpften 14 Radio-Konzessionen in den Regionen Zürich-Glarus, Basel, Aargau und Südostschweiz sowie den verbliebenen 7 Fernsehkonzessionen in den Regionen Zentralschweiz, Zürich-Nordostschweiz und Ostschweiz sind nun alle Konzessionen verteilt.

Kommentar: Ich hatte nicht hinter die Kulissen der Verhandlungen blicken können. Sicherlich waren Interessen im Spiel und - wie so oft - auch Geld. Ich weiss auch nicht, wie subjektiv gefärbt Leuenbergers Entscheid war. Dass es der Medienminister nicht allen recht machen konnte, ist anderseits allen klar. Eine Entscheidung für Etwas, ist bekanntlich immer auch eine Entscheidung gegen Etwas. Dies war bei Leuenbergers Entscheid ebenfalls der Fall. Es hat mehr Sender als Plätze. Der Entscheid scheint endgültig gefallen zu sein. Doch steht heute bereits fest: Wir müssen mit einer Anzahl Beschwerden rechnen. Wir sind somit nach Leuenbergers Entscheid immer noch vor dem Entscheid.

Freitag, 31. Oktober 2008

An den Kleider sollt ihr sie erkennen -

Doch nach Verboten finden Rechtsextreme neue Wege zur eigenen Identität über Symbole.

Ich rede vom Rechtsextremismus. Punkts und Gruppierungen haben auch ihre Uniform. Doch gibt es dort weniger einheitliche Embleme.

Ich zitiere 20 Min:

Woran man Nazi erkennt

Können wir bei uns Läden wie in Hamburg schliessen, nur weil jemand Kleider der Marke Thor Steinar vertreibt? Nur Insider wissen: Statt Hakenkreuz und Springerstiefel trägt der Nazi von heute Norwegerflagge und Thor-Steinar-Jacke. Der Nazi-Dresscode wird immer unauffälliger.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Blocher rechtfertigt den Slalomkurs

Von Gaby Szöllösy, Schaffhausen.

Ein gutgelaunter Christoph Blocher zeigte sich gestern an der Herbstmesse Schaffhausen, erklärte die SVP-Taktik zur Personenfreizügigkeit und teilte Hiebe aus.

Alt Bundesrat Christoph Blocher ist nun «aus voller Überzeugung» gegen die Personenfreizügigkeit.

Alt Bundesrat Christoph Blocher ist nun «aus voller Überzeugung» gegen die Personenfreizügigkeit. (Bild: Keystone)

Er mag es nicht, auf einem roten Sofa zu sitzen. Denn die Roten sind seine Freunde nicht. Trotzdem schien es Christoph Blocher auf dem Sofa inmitten der Schaffhauser Herbstmesse wohl zu sein. Jedenfalls antwortete der alt Bundesrat gelöst auf die Fragen von Matthias Ackeret, als sie gestern vor Publikum die neuste Folge von «Teleblocher» aufnahmen.

Ob der Kurswechsel bei der Personenfreizügigkeit die Wähler nicht überfordere, wollte Ackeret wissen. Was Blocher in Bausch und Bogen verwarf. «Die Journalisten sind überfordert», findet er. Und: Die Sache sei ganz logisch. Dass das Parlament die beiden Fragen zur Weiterführung einerseits und zur Ausdehnung auf Rumänien und Bulgarien anderseits verknüpft habe, sei «eine Sauerei». Jetzt aber, da das Referendum stehe, gelte es, richtig zu agieren. Am liebsten wäre ihm, das Volk bliebe der Urne fern. Doch dies in einer direkten Demokratie zu fordern, käme schlecht an. Ein Ja zum Paket komme aber für die SVP nicht in Frage, und so bleibe die Nein-Parole als die «am wenigsten schlechte Lösung».

Das sei doch ein Slalomkurs, wandte Akeret ein – und stutzte selbst ob der Antwort: «Ja natürlich ist das ein Slalomkurs. Es wäre das blödeste, wenn wir nicht Slalom fahren könnten.» Wenn einem jemand einen Stein in die Piste lege, müsse man darum herum kurven. Das ihm zugetane Publikum quittierte die verbale Pirouette mit Lacher.

Rund 100 Leute waren gekommen, darunter auch sein Bruder Gerhard, der ebenfalls das «Glünggiparlament» und die Journalisten rügte.

Letztere bekamen vom alt Bundesrat noch mehr Schelte. Der «Blick» habe mitgeholfen, «dass das Referendum zu Stande kam, indem er den Präsidenten der jungen SVP hochjubelte», glaubt Blocher. Der «Tages-Anzeiger» berichte tendenziös über ihn und versuche einen Keil in die SVP zu treiben. Er aber sei der jungen SVP, die das Referendum ergriffen hatte, nicht böse. Auf die Frage, ob er sich aktiv am Abstimmungskampf beteilige, sagte Blocher: «Ich bin nun aus voller Überzeugung gegen die Personenfreizügigkeit.» Der alt Bundesrat findet, die Jungen sollten primär selbst Geld suchen für den Abstimmungskampf, schlägt aber die Tür nicht zu: «Vielleicht werde ich ihnen auch noch ein paar Franken schicken.»

«Interview beendet!»

Dass es in der SVP-Fraktion rumort, räumte indes auch Blocher ein. Die Opposition erfordere Kraft, einige wollten deshalb von diesem Kurs abweichen: «Es sind nicht die Starken» – sagte er in Anspielung auf die Gruppe um Peter Spuhler. Die aktuellen Sticheleien unter Parteimitgliedern empfindet er jedoch als «Gäggelizüüg», wie er dem TA nach der Veranstaltung zu Protokoll gab. «Damit befasse ich mich nicht. Ich befasse mich mit unserem Land und damit, wie wir zur Finanzkrise hinauskommen. Da habe ich keine Zeit, mich mit solchem Gäggelizüüg abzugeben. Interview beendet!» (Tages-Anzeiger)

Kommentar:

Ich war vor Ort und habe nach der Veranstaltung die Beschimpfungen der Medien mitangehört. Vor allem, wie Gerhard Blocher nach der Veranstaltung die TAGI- Journalistin von sich wies. Mit Ihnen rede ich nicht, Sie arbeiten beim Tagesanzeiger!

Dann sprach er über den Chefredaktor mit beleidigenden Worten (Er sprach von einem Waschlappen).

Ich staunte , wie die Redaktorin souverän die Beschimpfungen entgegennahm ohne zurückzuschlagen. Ich rechnete damit, dass sie sich im heutigen Bericht rächt, indem sie alle unfairen Verallgemeinerungen und das Sippenhaftverhalten Gerhard Blochers beschreibt.Ich staune heute: Keine Retourkutsche, kein Zurückschlagen. Das finde ich Grösse!

Gaby Szöllösy demonstriert in diesem Bericht, was guter Journalismus ist. Wenn die Blochers diesen Beitrag lesen würden, wären sie künftiger vorsichtiger mit billigen Verallgemeinerungen . Journalisten dürften nicht in einen Topf geworfen werden.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Was ist los mit der SVP?

Letztes Jahr wurde der FDP Zickzackkurs und Lavieren vorgeworfen. Jetzt ist es die SVP, die ihre Meinung ständig ändert. Jüngstes Beispiel:

Aus NZZ-online:

SVP jetzt doch gegen die Personenfreizügigkeit

Kommentar: Was ist mit Christoph Blocher los? Er schiesst nun auch gegen das SVP Zugpferd Spuhler, weil er im UBS Verwaltungsrat sass (oder, weil er Blocher nicht als Kandidat sicher setzen wollte?). Christoph Blocher müsste aber seine frühere Position zur UBS ebenfalls selbstkritisch überdenken. Ob Matthias Ackeret heute im Tele Blocher zu dieses Sachverhalten auch Fragen stellen wird? On verra.

NZZ-online:

Jeder Sohn muss das Elternhaus verlassen

SVP-Präsident Brunner muss sich von seinem Ziehvater lösen – eine Analyse

Toni Brunner, Christoph Blocher
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Will Brunner sein Profil schärfen, so muss er sich von Blocher absetzen. (Bild: Reuters)

Die SVP vollzieht eine weitere Kehrtwende. Hatte sie das Referendum gegen die Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit noch nicht unterstützt, so empfiehlt die Parteileitung nun doch ein Nein zur Vorlage.

Der Schlingerkurs ist Ausdruck der schwachen Parteiführung.

ubl. Toni Brunner war gerade mal 21-jährig, als er in den Nationalrat gewählt wurde. Es dauerte nicht lange und der Toggenburger war in der ganzen (Deutsch)Schweiz eine bekannte Grösse. Sein spitzbübischer Charme trug ihm Sympathien auch von ausserhalb der SVP zu. Brunner punktete wegen seiner Art, nicht wegen seiner politischen Arbeit. Es war die Aufgabe von Christoph Blocher, seinen Zögling allmählich an gewichtige politische Dossiers heranzuführen. Die Karriere verlief gradlinig und führte schliesslich zur Chefposition der stärksten Schweizer Partei.

20 Min-online:

SVP: Hüst und hott - und wieder hüst

Die SVP-Parteileitung empfiehlt nun doch ein Nein zur Vorlage zur Personenfreizügigkeit mit der EU. Und ändert damit ihre Haltung in dieser Frage wiederum. Nicht zum ersten Mal.

Parteipräsident Toni Brunner liess die Bombe heute morgen gegenüber Radio DRS platzen. Die SVP-Parteileitung empfehle die Vorlage zur Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit mit der EU zur Ablehnung. Auch Vizepräsident und SVP-Übervater Christoph Blocher stehe voll und ganz hinter der Parole. Damit sorgt die SVP einmal mehr für Verwirrung in ihrer Haltung zum Thema Personenfreizügigkeit mit der EU.

Blenden wir zurück: Ende Januar 2008 einigen sich Bern und Brüssel auf die Modalitäten zur Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Rumänien und Bulgarien. Somit stehen im Bereich Personenfreizügigkeit im gleichen Jahr plötzlich zwei Geschäfte zur Debatte: einerseits die Ausdehnung auf die beiden jüngsten EU-Mitglieder, andererseits die grundsätzliche Weiterführung der Personfreizügigkeit gemäss den ersten bilateralen Verträgen mit der EU.

Kommentar: Wenn aus der SVP eine Windfahnenpartei wird, wird sie dies bitter büssen müssen, so wie früher die FDP.

Im Blocher -TV ( Es wurde heute am 29. Oktober an der Schaffhauser Herbstmesse aufgezeichnet - ich war dabei) griff Moderator Matthias Ackeret die Slalompolitik der SVP auf. Christoph Blocher nutzte nach diesem Einwand eine geschickte Argumentationstechnik und sagte: Slalomfahren ist ein Kunst. Im Skifahren eine schwierige Disziplin. Die SVP muss diese Sparte auch beherrschen - Slalomfahren ist nicht einfach.

Ackeret griff nach: Im Blocherprinzip sagten Sie doch immer, man müsse stets den Auftrag im Auge behalten und dieses Ziel direkt anpeilen. Christoph Blocher erkannte den Stolperstein und antwortete: Das stimmt. Der Auftrag ist das Wichtigste. Doch gibt es Situationen, bei denen muss das Ziel im Slalomkurs angepeilt werden. Vor allem, wenn es einen Stein im Weg hat.

Die Argumentation Blochers war zwar raffiniert und geschickt. Doch kam die Begründung bei den Anwesenden nicht gut an. Sie war unglaubwürdig. Es ist zu plump, wenn offensichtliche Fehler plötzlich als Stärke verkauft werden. Das erinnert mich an die DKW Werbung aus den 50er Jahren. Der DKW brauchte damals als Zweitakter viel zu viel Oel. Die Werbung machte aus dem Manko einen Vorteil. In Inseraten wurde geschrieben:

DKW - der einzige Wagen mit Frischölschmierung.

Uebrigens: In Schaffhausen warf Christoph Blocher dem Tagesanzeiger an der gleichen Veranstaltung ebenfalls einen Slalomkurs vor. Innert Minuten ist nun für Blocher das Slalomfahren nichts Positives mehr. So unlogisch habe ich den Debattierer selten erlebt.

Die Presse quittierte das Lavieren der SVP am 30. Oktober mit Titeln wie:

SVP LEITUNG DREHT PIROUETTE

WISCHI - WASCHI KURS BEI DER SVP

Oft lesen wir auch vom ZICK-ZACK KURS DER SVP

Ich kann mir beim besten Willen im LAVIEREN und WECHSELVERHALTEN der SVP nichts Positives abgewinnen.

Dienstag, 28. Oktober 2008

So funktioniert die Telefon-Abzockerei

In Bild-online gefunden:

Gewinnspiel-Betrug! So gemein werden Rentner am Telefon abgezockt

1 Million verbotene Anrufe. Jeden Tag. Nach der Abzocke mit Kaffeefahrten werden nun immer mehr Deutsche mit miesen Telefon-Tricks reingelegt. Mit dubiosen Versprechen („Sie haben garantiert 1500 Euro gewonnen“) locken Glücksspiel-Anbieter ihre Opfer in die Falle.

Verdächtiger: Unternehmer Axel A.

Verdächtiger: Gegen ihn laufen bereits 17 Strafverfahren

BILD recherchierte bei der Glücksspiel-Mafia, wie die Bürger abgezockt werden. Vor allem Ältere sind das Ziel der Betrügerei!

Der Fall von Rentner Peter Hoenisch (73). Er sagt: „Mehrfach am Tag kommen diese Anrufe. Mal heißt es, ich hätte Geld gewonnen, dann eine Reise. Ich müsste nur zurückrufen.“

BILD machte mit ihm den Test, rief die 0900er-Nummer (2,99 Euro pro Minute) an.

• Es wird so getan, als ob alles live ist („Ich logge Sie gerade ein ...“). In Wirklichkeit läuft nur ein Band.

• Die Registrierung für den Gewinn findet gar nicht statt. Auch ohne den Namen zu nennen, kommt die Antwort vom Band: „Perfekt.“

• Der Anrufer wird veräppelt: „Ich höre gerade aus der Technik, dass uns das Quiz live zugeschaltet ist.“

• Der Anrufer wird hingehalten („Ein spannender Moment. Gleich geht’s los“)

• Es wird ständig aufs Neue gelockt: „Nach dem Quiz verraten wir Ihren noch geheimen Gewinn.“

Erst nach neun Minuten (26,91 Euro) geht das Quiz los. Nach 14 Minuten und Kosten von 41,86 Euro ist gerade Gewinnstufe 2 erreicht. Gewonnen ist nichts. Hinter der Abzock-Nummer steckt der Unternehmer Axel A. (41). Er betreibt vier Firmen. Gegen ihn laufen bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf derzeit 17 Ermittlungsverfahren. Staatsanwalt Johannes Mocken: „Allen Verfahren liegen Betrugsanzeigen zugrunde.“

Kommentar: Wahrscheinlich kann gegen diese Abzockerei nicht viel gemacht werden. Axel A. wird höchstens seine Nummer gesperrt. Doch kann er nachher wieder eine neuen Nummer beantragen und das Spiel beginnt von Neuem.

Nach meinem Dafürhalten würden die Abzocker vonselbst aufhören, wenn die Leute den Abzockertrick kennen und nicht mehr bereit sind auf den Leim zu kriechen.