Freitag, 10. Oktober 2008

Vertrauensbildende Antworten

Versprechen: Der Bundesrat will alles unternehmen, um die Stabilität des Finanzplatzes Schweiz sicherzustellen.

Quelle Blick-online:

Blick: Ist der Bundesrat vorbereitet, wenn in der Schweiz Ereignisse eintreten, wie wir sie nun zuhauf im Ausland haben? Staatsgarantien, Rettungsaktionen für schlingernde Banken?

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf:

Ja, wir sind auf alles vorbereitet. Das ist unsere Pflicht. Aber wir reden erst über Massnahmen, wenn solche konkret beschlossen werden sollten.

Trotzdem: Selbst Hochschul-Professoren kritisieren, dass der Bundesrat zu wenig ­vertrauensbildende Signale aussendet ...

Nochmals: Der Bundesrat hat verschiedene Szenarien ausgearbeitet und ist jederzeit in der Lage, die geeigneten Massnahmen zu treffen, so solche notwendig sein sollten. Aber es macht keinen Sinn zu sagen: Wenn das geschieht, machen wir das, und falls dieser Fall eintritt, handeln wir so.

Weshalb nicht?

Wir würden auf diese Weise die Verunsicherung wohl nur noch verstärken. Unsere Philosophie ist eine ganz andere: Wir machen politische Aussagen über konkrete Massnahmen erst, wenn diese notwendig und beschlossen sind. Meines Erachtens dient der vom Bundesrat eingeschlagene Weg der Vertrauensbildung.

Eine leise Kritik an ausländi­schen Politikern?

Möglicherweise sind wir etwas besser vorbereitet als andere Länder.

Doch noch konkreter: Wenn eine Schweizer Bank ins Schlingern gerät ...

Der Bundesrat wird alles unternehmen, damit die Stabilität des Schweizer Finanzplatzes insgesamt sichergestellt werden kann.

Verbesserung des ­Anlegerschutzes?

Ich werde sehr bald etwas Konkretes dazu sagen können. Wir arbeiten daran.

Weshalb gehen Sie am Wochenende nicht zur Weltbanktagung nach Washington?

Frau Leuthard und ich haben vereinbart, dass sie in die USA reist. Uns ist wichtig, dass ich in diesen Tagen in der Schweiz bleibe. Für mich ist ausschlaggebend, dass ich weiterhin direkten Kontakt mit Vertretern der Eidgenössischen Bankenkommission und der Schweizerischen Nationalbank habe, um die tägliche Lageanalyse an den ­Finanzmärkten vorzu­nehmen.

Haben Sie Kontakt mit Ihrem Kollegen Hans-Rudolf Merz?

Ja, wir haben telefoniert. Ich habe ihn über die grösseren Geschäfte informiert.

Wie wirkte er auf Sie?

Sehr munter, sehr präsent. Das ist für mich, wie für alle, eine grosse Erleichterung.

Kommentar: Die Antworten überzeugen, weil Spekulationen, Vermutungen fehlen und die Bundesrätin konsequent bleibt: Die Aussagen sind eindeutig: JA, NEIN. "Wir sagen erst etwas, wenn wir etwas beschlossen haben." Kein Lavieren! Die kurzen und bündigen Aussagen sind glaubwürdig.

Tagi online:

Grösster Kursabsturz seit 17 Jahren

Die Schweizer Börse hat die schwärzeste Woche seit langem hinter sich. Der SMI sackte um 7,79 Prozent auf einen Schlussstand von 5347 Punkten ab. Der Dow Jones befindet sich auf Berg- und Talfahrt.

Auch im Interview vom 10.10.08 gelang es die Vertreterin des Finanzministers, in der katastrophalen Krisensituation vertrauensbildende Worte zu finden.

- Der Bund wolle Einlagesicherungen verstärken (Offen sei nur noch die Höhe dieses Schutzes - die EU habe sich für 80 000.-- Fr entschieden)

- Offen sei noch, welche Guthaben es betreffe. Der Bundesrat werde erst kommunizieren, wenn es etwas zu kommunizieren gebe. Nur weil andere Staaten kommunizierten, müsse die Schweiz ihre geplante Massnahmen nicht schon heute bekannt geben

- Die Bundesrätin schloss nicht aus, dass sich die Krise auch auf die Schweiz auswirken kann

- Die Kantonalbanken in der Schweiz würden eine stabilisierende Rolle spielen

- Der Bundesrat habe sich mit allen möglichen Szenarien eingehend auseinander gesetzt. Massnahmen gebe er jedoch erst bekannt, wenn dies notwendig werde.

Illustration nzz-online:

Nachtrag Sonntagsblick:

Widerspruch Eveline Widmer-Schlumpf (l.) hält Doris Leuthards Versprechen, die ­Grossbanken im Notfall zu retten, für realitätsfremd. (Keystone)

Der Bundesrat liess auch letzte Woche kaum etwas zu den Notfallplänen verlauten, die für den Fall eines Grossbanken-Crashs ausgearbeitet worden sind. Man habe die Lage im Griff, sagte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf am vergangenen Donnerstag bloss.

Gleichentags redete dann (Im Gegensatz zu Eveline Widmer Schlumpf) allerdings Wirtschaftsministerin Doris Leuthard (45) munter drauflos: «Was wir auf jeden Fall nicht wollen – dass eine Grossbank in eine ernsthafte Krise hineingerät bis hin zu einem Konkurs», sagte sie Radio DRS. «Das würde der Bundesrat mit Sicherheit verhindern.» Diese Aussage sorgte im Finanzdepartement (EFD) für Verärgerung. Umgehend korrigierte man Leuthards Statement: Der Bundesrat treffe Vorkehrungen, damit die Banken gar nicht erst in eine Lage geraten, in der sie Staatshilfe nötig hätten.

«Leuthard hat sich ungeschickt geäussert und sich nicht an die Sprachregelung des Bundesrats gehalten», heisst es im EFD. Sprecherin Tanja Kocher sagt dazu nur: «Ich bin überzeugt, Doris Leuthard ist auf der Linie des Bundesrats.»

Auch Widmer-Schlumpf soll über Leuthard «not amused» gewesen sein. Aus ihrem Umfeld heisst es, Leuthards Statement entspreche nicht den realen Möglichkeiten. Nähme man sie beim Wort, müsste der Schweizer Staat mit einem Bruttoinlandprodukt von 510 Milliarden Franken im Falle eines UBS-Crashs eine Bank mit einer Bilanzsumme von 2000 Milliarden retten – ein Ding der Unmöglichkeit.

Auch SVP-Finanzexperte Hans Kaufmann (60, ZH) schüttelt den Kopf über die Wirtschaftsministerin: «Leuthard kann ihr Versprechen nicht einhalten. Für eine solche Rettungsaktion fehlt nicht zuletzt die rechtliche Grundlage.»

Es ist bereits das zweite Mal, dass sich Leuthard im Zusammenhang mit der Finanzkrise um Kopf und Kragen redet.

Den ersten Patzer leistete sie sich am 17. September. Zwei Tage nach dem Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothers sagte sie in einem BLICK-Interview: «Wir sehen null Indizien für eine Rezession.» Damit sorgte Leuthard bei Economiesuisse für Verwunderung: Dort rechnete man damals für 2009 bereits mit rezessiven Quartalen. Seither sieht alles noch düsterer aus.

SonntagsBlick weiss: Am Donnerstag, kurz vor Leuthards Abflug an die IWF-Tagung in Washington, rief Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer (60) die Wirtschaftsministerin persönlich an – um ihr zu sagen, er werde am Freitag in der «Arena» vor einer Rezession warnen. Was er dann auch tat.

Zur Kritik an Leuthard will sich das Volkswirtschaftsdepartement nicht äussern: «Kein Kommentar.»

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Schafft sich die Armee selbst ab?

Es kann nachgewiesen werden, dass im Laufe der letzten Jahre bei der Armee laufend gekürzt wurde und viele Armeeführer befürchteten, dass unsere Armee künftig nicht mehr richtig einsatzfähig sein wird. Dies freut die Armeegegner:

Quelle 20 Min-onlline:

«Armeegegner Nr. 1»

Juso verhöhnt Bundesrat Schmid

Provokation gegenüber Verteidigungsminister Schmid: Die Jungsozialisten zeigen ihn auf einem T-Shirt als Che Guevara. Da er der grösste Armeegegner sei, müsse er im Amt bleiben.

MCCAINS AUSRUTSCHER HILFT OBAMA

Quelle Tagi-online:

«That One» wird zum Kassenschlager

John McCains «Der da!»–Ausrutscher beim zweiten TV-Duell nutzt das Lager von Barack Obama für die eigene Wahl-Kampagne. T-Shirts mit dem verächtlichen Spruch sind bereits ausverkauft.

Einige T-Shirt-Motive sind bereits ausverkauft.

Einige T-Shirt-Motive sind bereits ausverkauft.

McCains Spruch gibt es jetzt auch auf T-Shirts.

McCains Spruch gibt es jetzt auch auf T-Shirts.

Mit «That one» meinte McCain seinen Kontrahenten.

Mit «That one» meinte McCain seinen Kontrahenten.

Originalwortlaut

«By the way, my friends, I know you grow a little weary of this back and forth: there was an energy bill on the floor of the Senate, loaded down with goodies, billions for the oil companies, and it was sponsored by Bush and Cheney. You know who voted for it? You might never know. That one. You know who voted against it? Me.»

McCain referierte gerade über alternative Energien, als er sich zu einer groben Unhöflichkeit hinreissen liess: «Übrigens, meine Freunde, es gab da eine Energie-Gesetzesvorlage im Parlament mit Milliardensummen für die Ölkonzerne, und gesponsert haben das Bush und Cheney.

Und wissen Sie, wer dafür gestimmt hat? Sie werden nicht darauf kommen. Der da!» Mit dem Zeigefinger wies er – fast verächtlich – auf Obama, ohne diesen jedoch anzuschauen.

63,2 Millionen Fernsehzuschauer haben in den USA die viel diskutierte Szene zwischen den Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama gesehen. «Der da» klingt in den USA so, als sage Angela Merkel im Duell mit Frank-Walter Steinmeier: «Der Typ da.» So übersetzt «Welt Online» den Ausrutscher in hiesige Kulturverhältnisse. Dabei sind in der amerikanischen Politik strenge Höflichkeitsregeln üblich. Beleidigende Zwischenrufe in einer Debatte sind absolut tabu.

Das Obama-Lager hat schnell auf die Entgleisung McCains reagiert und bieten bereits T-Shirts mit verschiedenen Motiven des jetzt schon legendären Spruchs an. Eine Auswahl: «That one for president», «I'm voting for that one» oder «This one is voting for that one». Auf thatone08.com sind 30 Stunden nach dem TV-Duell die ersten frisch bedruckten T-Shirts schon wieder ausverkauft.

Das dritte und letzte TV-Duell zwischen Obama und McCain ist für den 15. Oktober angesetzt.

Kommentar: Von diesem Ausrutscher wird Obama bestimmt profitieren

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Das Duell: Obama hat gewonnnen

Auch 20 Min-online bestätigt es:

Wer hat gewonnen?

John McCain hat es in der zweiten Fernsehdebatte nicht geschafft, einen Sieg gegen Barack Obama zu erringen. Vielmehr sorgte er mit einer als abschätzig empfundenen Bemerkung für viel Gesprächsstoff.

John McCain bezeichnet Barack Obama als «that one» («der da»).

Es geschah ungefähr in der Mitte des 90-minütigen Rededuells. John McCain erwähnte eine Energievorlage, die im Senat zur Abstimmung kam, beladen mit Milliarden für die Ölindustrie und unterstützt von Bush und Cheney.

«Wissen Sie, wer dafür gestimmt hat?» fragte McCain das Publikum in Nashville. «Sie werden es nie erraten. Der da», sagte er und zeigte mit dem Finger auf Barack Obama. «Wissen Sie, wer dagegen war? Ich», fügte er an.

Obamas Sprecher Bill Burton reagierte postwendend und schickte ein E-Mail mit der als abschätzig empfundenen Bemerkung an die Medien. Auch in den ersten Kommentaren war sie ein Thema. Es sei offensichtlich, dass John McCain «eine gewisse Abneigung» gegenüber Barack Obama empfinde, sagte Wolf Blitzer von CNN.

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Obamas Wahlkampfleiter David Plouffe verwies darauf, dass McCain in der ersten Debatte seinem Kontrahenten nicht ins Gesicht habe sehen können. «Dieses Mal konnte er seinen Namen nicht nennen.»

Enttäuschende Debatte

Die Bemerkung mag verdeutlichen, dass das Verhältnis zwischen den beiden Männern auf dem Gefrierpunkt angelangt ist. Sie war aber auch eines von wenigen «Highlights» einer enttäuschenden Debatte. Die beiden Kandidaten hätten nur «alte Rezepte» aufgetischt, kritisierte die «Washington Post». Auch das «Town Hall»-Format hielt nicht, was es versprach. Es war nicht wie erhofft eine lebendige Diskussion. Das lag auch an Moderator Tom Brokaw, der auf die Einhaltung der «Regeln» auch dann bestand, wenn es nicht nötig war, und dafür in Weblogs heftig kritisiert wurde.

Für John McCain bedeutet dieses Fazit nichts gutes. Er hätte dringend einen Sieg gebraucht. Das ist ihm nach Ansicht der meisten Politbeobachter in den USA gründlich misslungen.

«McCain verliert, indem er nicht gewinnt», titelte der Kommentator von «Politico». Selbst Bill Bennett, ehemaliger Bildungsminister unter Ronald Reagan und wichtiger Meinungsführer der Republikaner, erklärte auf CNN, McCain sei etwas besser gewesen als in der ersten Debatte, «aber nicht gut genug».

Obama «sympathischer und intelligenter»

Dies unterstreichen auch diverse Instant-Umfragen, die unmittelbar nach der Debatte durchgeführt wurden. Fast alle ergaben einen deutlichen Sieg für Obama. Selbst jene des rechtslastigen Senders «Fox News», in der McCain vorne lag, enthielt eine gute Nachricht für den Demokraten: bei den unentschlossenen Wählern schnitt er besser ab. Die umfassendste Erhebung stammte von CNN. Befragt wurden 675 Zuschauer, 38 Prozent davon Demokraten, 31 Prozent Republikaner, der Rest parteilos. Dies entspricht gemäss CNN ziemlich genau dem nationalen Durchschnitt.

54 Prozent sahen Obama als Sieger und nur 30 Prozent McCain. Noch deutlicher war der Vorsprung des Demokraten bei den Fragen, wer sympathischer und intelligenter wirkte und sich besser ausdrücken konnte. Der Republikaner hingegen «gewann» in jenen Kategorien, in denen man lieber nicht vorne liegt. 63 Prozent der Befragten erklärten, John McCain sei negativer aufgetreten als sein Gegner, nur 17 Prozent sagten das gleiche über Barack Obama. Auf eine Mehrheit der Befragten wirkte McCain wie ein «typischer Politiker».

McCain «mürrisch und griesgrämig»

Dies dürfte die Befürchtungen einiger seiner Berater nicht vermindern, dass John McCain zunehmend als «mürrisch» und «griesgrämig» wahrgenommen wird. «Die Leute wollen so etwas nicht», sagte eine Vertreter des Wahlkampfteams gegenüber «Politico». Immer öfter tauchen Vergleiche mit dem knorrigen Bob Dole auf, der 1996 gegen Bill Clinton chancenlos war. Eine Chance bleibt McCain, um diesen Eindruck zu korrigieren. Am nächsten Mittwoch findet in Hempstead (New York) die dritte TV-Debatte statt.

Ich verweise auf meine Analyse in rhetorik.ch.

TV Debatten der Präsidentschaftkandidaten in den USA - Ein Rückblick

Schon ist die zweite Debatte zwischen Obama und McCaon Geschichte. Eindeutiger Sieger: Obama.

blick-online publiziert einen interessanten Rückblick aus älteren Debatten:

Die Amerikaner sind sich von den Wortgefechten der Präsidentschaftskandidaten einiges gewohnt: Mal gaben die Politiker unglaubliche Dummheiten von sich, mal waren sie überraschend witzig, mal überschätzten sie sich grossartig. Überzeugen Sie sich selbst!

Die TV-Debatte der Präsidentschaftskandidaten Gerald Ford und Jimmy Carter 1976. Sie bleibt dank der Aussage des Republikaners Ford in Erinnerung. Dieser behauptet nämlich: «Es gibt keine sowjetische Dominanz über Osteuropa». Moderator Max Frankel von der «New York Times» kann nur ungläubig nachfragen, ob Ford dies wirklich ernst gemeint habe. Doch der beharrt darauf: Polen, Rumänien und Jugoslawien werden von den Sowjets nicht unterdrückt. Diese Falsch-Behauptung kostete Ford schliesslich den Wahlkampf.

Ronald Reagan und Walter Mondale, Wahlkampf 1984. Danach gefragt, ob er mit 73 Jahren nicht zu alt für das Präsidentenamt sei, antwortete Reagan: «Ich werde die Jugendlichkeit und Unerfahrenheit meines Gegners nicht aus politischen Gründen ausnützen». Reagan hatte die Lacher auf seiner Seite – immerhin war Mondale mit seinen 60 Jahren ebenfalls nicht mehr der Jüngste. Humor war eine der Stärken Reagans. Er wurde zum zweiten Mal US-Präsident.

Der Republikaner Dan Quayle in der Debatte der Vize-Präsidenten 1988. Quayle ist so anmassend, sich mit John «Jack» F. Kennedy zu vergleichen. Der Demokratische Konkurrent Lloyd Bentsen daraufhin: «Ich habe mit Jack Kennedy gedient. Ich kannte Jack Kennedy. Jack Kennedy war ein Freund von mir. Senator, Sie sind nicht Jack Kennedy». Quayle konnte wegen des lauten Gelächters im Saal nicht weitersprechen. Doch trotz dieser Blamage und weiterer Schnitzer von Vize Dan Qualye gewann George H. Bush das Rennen ums Weisse Haus.

VOR DEM DUELL MC CAIN-OBAMA

Spiegel-onlines Vorinformationen:

Nashville - Die Sonne scheint warm auf den grünen Campus der Belmont-Universität in Nashville, und die Debatte ist schon voll im Gange. Barack Obama und John McCain werden erst am Dienstagabend hier streiten, im zweiten TV-Duell. Aber jetzt hat der Gouverneur von Tennessee zur Diskussion geladen. Es geht, ausgerechnet, um "civility", um höflichen Umgang. Prominente Republikaner und Demokraten sitzen nebeneinander, sie schreien nicht, sie reden nicht übereinander, sie sprechen miteinander. Die Beiträge kreisen darum, wie der Wahlkampf so hässlich werden konnte, und wo denn eigentlich die politischen Inhalte geblieben seien. Sie klingen ein wenig ratlos.

Wahlkämpfer McCain, Obama (bei der ersten Debatte in Oxford, Mississippi): "Sie sollen bloß nicht wieder aufeinander losgehen"
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AFP

Wahlkämpfer McCain, Obama (bei der ersten Debatte in Oxford, Mississippi): "Sie sollen bloß nicht wieder aufeinander losgehen"

Es ist nur ein Beiprogramm, diese Nachmittagsdiskussion, eine Etappe im Countdown zum Kandidaten-Schlagabtausch. Doch sie wirkt wie eine Aufforderung zur Mäßigung an die beiden Bewerber. Genau wie die staatstragende Ausstellung aller US-Präsidenten in der Nähe des Debattensaals, mit umfassender Würdigung der Verdienste von Vertretern beider Parteien. Davor stehen ein paar Belmont-Studenten, sie reden natürlich über das TV-Duell, sie wünschen sich, dass Obama und McCain möglichst konkrete Antworten geben auf die Fragen der Bürger. "Sie sollen bloß nicht wieder aufeinander losgehen", sagt einer.

Ein Ruf nach mehr Harmonie. Nur: Die beiden Adressaten können ihn gar nicht hören. Sie sind noch viele Meilen entfernt, und so beherrscht stattdessen ihr Zank Schlagzeilen und Nachrichtensendungen. "Wer ist der wahre Barack Obama?", ruft McCain in Albuquerque. Er nennt seinen Rivalen einen "Politiker aus Chicago", in der Geheimsprache der US-Politik ein Synonym für korrupte Polit-Verhältnisse. Und der Republikaner erinnert die Wähler grimmig: "Ich bin nicht einfach aus dem Nichts aufgetaucht. Amerika kennt mich."

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Foto: REUTERS
Soll heißen: Obama ist eine riskante Wahl. McCain-Vize Sarah Palin, die schon am Wochenende den Demokraten in die Nähe von Terroristen gerückt hatte, schlägt in dieselbe Kerbe: "Barack Obama sieht Amerika als unperfekt genug an, um mit ehemaligen Terroristen zusammenzuarbeiten, die unser eigenes Land angegriffen haben", ruft sie. Palin spielt darauf an, dass der ehemalige Vietnam-Protestler und Bombenwerfer Will Ayers einst mit Obama im Vorstand einer Stiftung in Chicago gedient hat. Auf McCain-Wahlkampfveranstaltungen sprechen Redner mittlerweile den vollen Namen Obamas genüsslich aus: "Barack Hussein Obama."

US-PRÄSIDENTSCHAFT: OBAMA UND MCCAIN IM DAUERWAHLKAMPF

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Doch auch die Demokraten lassen sich nicht lange bitten. Ein neuer TV-Spot des Obama-Teams erinnert daran, wie McCain einst in einen Skandal um Hilfe für einen umstrittenen Finanzhai verwickelt war - vor rund zwanzig Jahren. Ein anderer Streifen nennt McCains Verhalten in der Finanzkrise "erratisch" - und vermittelt bewusst den Eindruck, der 72 Jahre alte Senator sei vielleicht schon ein bisschen senil.

Sechs Millionen Zusendungen für sechs oder sieben Fragen

Im "Curb Event Center", wo die Kandidaten debattieren werden, wirkt das Getöse weit weg. Vor blauer Wand prangt die Aufschrift "Die Union und die Verfassung auf ewig", weicher roter Teppich schluckt den Hall der Schritte.

Es ist ein großer Saal, doch eigentlich dreht sich alles um einen kleinen Halbkreis im Scheinwerferlicht. In dem stehen zwei Stühle mit grauer Polsterlehne. Auf denen dürfen die beiden Kandidaten Platz nehmen, sie dürfen auch aufstehen, aber sie müssen im zugewiesenen Teil der Bühne bleiben. Drumherum stehen rund 80 graue Sessel für Bürger, aus deren Kreis die Fragen kommen werden.

Wer wann und wie Fragen stellen darf, haben beide Lager haarklein ausgehandelt, in einem 31 Seiten langen Abkommen. "Gallup" wählte in wochenlanger Telefonrecherche "unentschlossene" Wähler aus, für Ideologen soll kein Raum sein. Diese sorgfältig vorsortierten Bürger dürfen ihre Frage verlesen, egal zu welchem Thema, nur Nachfragen sind nicht gestattet. Die Kandidaten haben je zwei Minuten Zeit für Antworten, dann soll es eine Minute lang hin und her gehen. Moderator ist TV-Urgestein Tom Brokaw, der zudem ein Drittel der Fragen aus Online-Vorschlägen auswählen wird. Laut "New York Times" hat Brokaw dafür rund sechs Millionen Zusendungen erhalten. Doch die Zeit dürfte wohl nur für sechs bis sieben reichen.

Trotz solcher strengen Regeln steht also eine Art Bürgersprechstunde an - die einzige der drei Fernseh-Debatten. McCain liebt solche Runden. Sie haben ihm die Kandidatur der Republikaner gesichert. McCain, hinterm Rednerpult oft steif und ungelenk, wirkte im Vorwahlkampf im direkten Austausch mit Wählern locker und entspannt. Er scherzte über sein Alter, er sprach bewegend von Verantwortung und Vaterlandsliebe. So wohl fühlte sich McCain in solchen Runden, dass er Obama über den Sommer antrug, ein Dutzend Mal gemeinsam vor die Bürger zu treten - was der Demokrat aber ablehnte. Obamas Team hat übrigens bereits versucht, die Erwartungen für das zweite TV-Duell herunterzuschrauben. "Diese Art Veranstaltung ist ein Heimspiel für John McCain", lassen Obama-Strategen verlauten.

McCain trainierte tagelang auf der Ranch

Der Republikaner hat sich entsprechend sorgfältig vorbereitet. Tagelang trainierte McCain auf der Ranch in Sedona für den Fernseh-Auftritt. Für ihn steht viel auf dem Spiel. Seit Beginn der US-Finanzmisere ist er in den Umfragen deutlich zurückgefallen. McCain muss unbedingt das Thema wechseln.

Die Attacken der vergangenen Tage auf Obamas Charakter sollen dabei helfen, doch sie könnten heute Abend auch zum Dilemma für den Republikaner werden. Denn in der TV-Bürgersprechstunde, die bis zu 70 Millionen Zuschauer sehen könnten, erwarten die Zuschauer Antworten auf konkrete Fragen - und eine überzeugende Vision, wie beide Bewerber das Land aus der Wirtschaftskrise führen wollen. Attacken auf den Rivalen, wie McCains Lager sie in den letzten Tagen begann, dürften nach hinten losgehen.

Chuck Todd, politischer Direktor des Fernsehsenders NBC, steht am Abend vor der Belmont Universität. Todd ist der Zahlenguru dieses Wahlkampfes, er hat auch jetzt die neuesten Umfragen parat, er verkündet sie atemlos in die Kamera, und fast wirkt es, als könne Todd die selbst nicht glauben: Nur noch zwölf Prozent der Amerikaner glauben, dass das Land in die richtige Richtung marschiert. Wenn man Hardcore-Republikaner herausrechnet, sind nur noch zehn Prozent der US-Bürger mit Bushs Amtsführung zufrieden.

Wie soll McCain angesichts so negativer Vorzeichen eigentlich noch eine Chance haben, grübelt Todd laut. Mit Verweisen auf Obamas Mittelnamen oder seine angeblichen Terroristenverbindungen? Todd ist skeptisch. "Die Wähler scheinen so fixiert auf die Wirtschaftslage", sagt er, "dass sie sich vielleicht diesen ganzen anderen Müll gar nicht beachten werden."

TV-DUELLE - HIGHLIGHTS IM US-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF

1960 - Wie Kennedy den unrasierten Nixon besiegte

AP
Die Debatte zwischen dem damaligen Vize-Präsidenten Richard Nixon (rechts im Bild) und seinem demokratischen Herausforderer John F. Kennedy am 26. September 1960 gilt als Geburtsstunde des Fernsehens als wahlentscheidendem Medium und brachte den Durchbruch für Kennedy. Der sportliche Senator aus Massachusetts wandte sich mit jungenhaftem Charme direkt an die Zuschauer. Der schlecht rasierte und nach einer Erkrankung sichtlich abgemagerte Nixon verlor entscheidende Prozentpunkte, wie Umfragen belegten. Nach den schlechten Erfahrungen Nixons gab es eine 16-jährige Pause. Nixon gewann 1968 und 1972 die Wahlen und ging weiteren Debatten aus dem Weg.

1976 - Gerald Fords verhängnisvoller Fehler

1980 und 1984 - Reagan und der Humor

2000 - Die Erfolgstaktik des George W. Bush

Dienstag, 7. Oktober 2008

Haariges Haargeständis

Die unterschiedlichen Farbtöne bei Giacobbos Haartracht fielen mir schon länger auf. Nach der letzten Sendung gab die neue rotbraune Tönung Anlass zu Kommentaren.

Blick online:

Haarige Angelegenheit

Mike Müller und Viktor Giacobbo. (SF)

Politisch ist er rot. Als Harry Hasler trägt er blond. Aber privat wird Viktor Giacobbo immer brauner (wohlverstanden- nicht politisch!) Frisch geföhnt und mit geschärfter Zunge stiegen Viktor Giacobbo und Mike Müller aus dem Sommerloch. Gardezu haarsträubend war der Vergleich von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf mit Film-Grüsel Gollum aus «Herr der Ringe». Bereits vor Monaten schrieb Kolumnist Peter Rothenbühler dem Satiriker in der «SonntagsZeitung»: «Ich möchte keinen Prozess, aber dieses Rötlichbraun passt nicht zu deiner schütteren Haarpracht.» Und jetzt sieht Giacobbo oben aus wie Vermicelles.

Färbt er?

Giaccobbo macht auf locker: «Die Haare sind nur kürzer. An den Seiten sieht man ein paar graue Haare. Ich habe schon Rothenbühler gewarnt, dass ich den gleichen Anwalt wie Gerhard Schröder habe.» Der damalige Bundeskanzler prozessierte gegen die Behauptung, er färbe die Haare.

Aber eine Tönung ist drauf, oder? Der Satiriker:

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«Ich habe mir im Sommer die Schamhaare eines braunen Alpaka-Schafes auf den Kopf transplantieren lassen.»

Der Appenzeller Alpaka-Züchter Markus Bischofberger korrigiert: «Alpakas sind nicht alle braun. Es gibt 22 Farbtöne. Am liebsten haben wir die weissen, weil man ihre Wolle gut färben kann.» Giacobbo, wir haben verstanden.

Kommentar: Giaccobo kann es sich nicht leisten zu lügen. Deshalb bedient er sich eines rhetorischen Tricks. Mit einem Gag lenkt er ab und umgeht damit die konkrete Antwort. Doch "der geneigte Leser" merkt etwas. Es ist ein indirektes Eingeständnis.