Samstag, 9. August 2008

Ueberwältigende Eröffnungsfeier in Peking: Perfektoniertes Massenphänomen weckt ungute Gefühle

Illu: Spiegel-online

Wahrscheinlich kann so eine gigantische Show, wie wir es an der Eröffnungsfeierlichkeiten in Peking gesehen haben, gar nicht mehr wiederholt werden. Gedrillte Menschenmassen, die funktionierten wie Teilchen einer gigantischen Maschinerie. Wer die Eröffnungsfeier mitverfolgen konnte, musste sich die Frage stellen, wie solch gigantische perfekte Gleichschaltung von einzelnen Menschen überhaupt möglich werden kann. Die Massenveranstaltungen im dritten Reich weckten damals ebenfalls einen kalten Schauer. Bei den pompösen bis ins letzte Detail koordinierten Präsentationen von Einzelbewegungen kippte man als Beobachter von Staunen und Bewunderung rasch zu unguten Gefühlen. Was man zu sehen bekam, war im Grunde Genommen eine gigantische PR Aktion, bei der das Individuum keinen Platz mehr hatte. Menschen mutierten zu kleinen Elementen einer Masse und mussten sich der perfekten Maschinerie unterordnen. So wie die Elite-Soldaten im Stechschritt synchron den Fahnenaufzug zelebriert hatten, so integrierte sich jedes einzelnen Massenteilchen (sie bestanden aber aus Menschen) vollkommen synchron. Wir erlebten eine Demonstration von Einordung, Unterordnung, bei der Individualität ausgeschaltet war. Trotz der gewaltigen Massenwirkung weckte die Show in mir sonderbare Gefühle, vor allem als alle die Arme hitlergrussähnlich in die Höhe reckten. Da stellte ich mir die Frage: Welchen PR Zweck hat diese einmalige gigantische Veranstaltung zu erfüllen? Angeblich bin ich nicht der einzige, der das Massenphänomen nicht einfach nur blind bewunderte und aus Ehrfurcht vor der Perfektion und den Massenphänomenen die Absicht der Organisatoren völlig ausblendete. Ich las immerhin nachträglich in nzz- online:

Gigantische Show des Lichts und der Massen

Peking perfektioniert zur Olympia-Eröffnung den Gleichschritt

Der Abschluss der Eröffnungsfeier mit olympischem Feuer
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Der Abschluss der Eröffnungsfeier mit olympischem Feuer (Bild: Reuters)

Zur Eröffnung der XXIX. Olympischen Spiele hat Peking ganz auf die Überwältigung durch Licht und Menschenmasse gesetzt. Wären die Kinderszenen nicht gewesen, hätten Gigantismus und Perfektion eher zwiespältige Emotionen hinterlassen. Zum Schluss wurde der so umstrittene Fackellauf nochmals zelebriert.

Die XXIX. Olympischen Spiele in Peking sind eröffnet. Die gigantische Show, der im ganzen Land entgegen gefiebert worden war, begann mit einem Countdown aus Lichtern, getragen von mehr als 2000 Trommlern, die in absoluter Synchronität einen ersten Vorgeschmack auf die Inszenierung der Massen boten.

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. Bilderstrecke: Olympia-Eröffnung
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Überflutung der Sinne

Pünktlich zum glückbringenden Zeitpunkt am 8.8.08 abends um 8 Uhr 8 (Ortszeit) markierte ein erstes von vielen Feuerwerken des Abends den Anfang der Feier. In atemloser Folge und mit einem enormen Aufgebot an Darstellern wurden danach die Errungenschaften der chinesischen Zivilisation gefeiert, von der Erfindung des Papiers, über die grosse Mauer bis zur Oper. Die Überflutung der Sinne durch die lebenden Bilder aus Menschen und Farben war schwindelerregend.

Tai Chi in der Masse

Der Sprung nach der Darstellung von 5000 Jahren Geschichte in die Gegenwart erfolgte ohne jeden Hinweis auf die kommunistische Revolution. Mao war aus dem Stadion offenbar verbannt.

Mensch in der Masse

Die Eröffnungsfeier, die vom Filmregisseur Zhang Yimou gestaltet worden war, sollte die grösste und teuerste in der Geschichte der olympischen Bewegung werden. Einen derartig überwältigenden Einsatz des Menschen in der Masse hatte man tatsächlich seit Leni Riefenstahl 1936 in Berlin nicht mehr gesehen – und jene Choreografie dürfte in Peking um den Faktor 100 übertroffen worden sein.

Bei aller optischen Schönheit hinterlässt das Untergehen des Individuums in der Masse ein höchst ungutes Gefühl.

Wenn Tai Chi, eigentlich ein meditativer Sport, von Tausenden von Soldaten gleichzeitig ausgeübt wird, macht das eher Angst. Wären nicht immer wieder Szenen mit Kindern, den ungekrönten Kaisern Chinas, sowie leisere Musikstücke eingeflochten worden, der Eindruck wäre noch zwiespältiger gewesen.

Spektakulärer Globus

Das Motto der Spiele «One World One Dream» wurde durch einen riesigen Erdball symbolisiert, einem der spektakulärsten Elemente des Abend. Er diente als Turngerät für Akrobaten, die offenbar keine Schwerkraft kannten, sowie als Projektionsfläche für allerlei Bildbotschaften.

Unter den 91'000 Zuschauern im Stadion befanden sich auch rund 80 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt: an ihrer Spitze der amerikanische Präsident Bush, der französische Staatspräsident Sarkozy und der russische Ministerpräsident Putin. Die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Grossbritannien und Kanada blieben dem Ereignis jedoch fern.

Aus 20 Min:

Gigantische Eröffnungsfeier in Peking

Als offizieller Vertreter weilten Bundespräsident Pascal Couchepin und dessen Gattin Brigitte vor Ort.

(Quelle: Zattoo)

Der kolossale Beginn der Eröffnungszeremonie

(Quelle: YouTube)

Kommentar: Vor wenigern Tagen sah ich einen Dokumentarfilm aus einer gigantischen Fabrik in China. Die Eröffnungsfeier erinnerte mich immer wieder an die Arbeiter der besagten Fabrik. Unifomiert sassen hunderte von Arbeitern und Arbeiterinnen an Fliessbändern und verhielten sich roboterähnlich ohne zu reden. In der Pause bewegten sich die Masse auf einen Platz und mussten sich in Viererkolonne vor dem Kontrolleur aufstellen. Dann wurde die Arbeit beurteilt und einzelne Personen vor der Gruppe kritisiert. Bei der Eröffnungsfeier kamen mir immer wieder diese unglaublichen Aufnahmen der normierten Fabrik in den Sinn. Verzicht auf jegliche Individualität. Es ist erstaunlich, wie Menschen in China in kurzer Zeit so abgerichtet werden können (Erziehung, Schule, Sport), dass sie das Einordnen und Unterordnen als völlige Selbstverständlichkeit akzeptieren und der Wunsch nach Individualität gleichsam abgestorben ist. Bei der Eröffnungsfeier hatte sich jeder Mitwirkende gewiss stolz eingeordnet und untergeordnet, weil für ihn individuelle Ansprüche keinen Platz haben und er froh ist, dass er seinem Land dienen darf. Diese für den Westen ungewöhnliche Einstellung hat für mich etwas Unheimliches.

Zahlen zur Eröffnungsfeier der 29. Olympischen Spiele

– 91 000 Zuschauer verfolgten die Feier live im «Vogelnest»

– 4 Milliarden TV-Zuschauer sahen weltweit zu

– 14 000 Darsteller nahmen an der Eröffnungsfeier teil

– 15 153 verschiedene Kostüme wurden präsentiert

– 258 000 Quadratmeter gross ist die Fläche im Innern des Stadions

– 300 Tonnen wog das gesamte Beleuchtungs-Material

– 35 Minuten Verspätung handelten sich die Organisatoren beim Einmarsch der über 1 000 Athleten aus 204 Nationen ein.

Quelle:

Blick.ch LIVE in Peking

Nachtrag:

Es ist nachvollziehbar, dass Journalisten und Politiker von der überwältigenden Show begeistert waren und den Zusammenhang Propaganda - pompöser Pracht nicht mehr beachteten. So wie die Sportwelt 1936 vor dem Diktator paradierte und durch die bombasitischen Präsentationen der Nazis schon damals den Zusammenhang zur politischen Absicht nicht erkannt hatten, so blieb in Peking am 8.8.08 vielen Beobachtern bei der einmaligen Gigantenshow ebenfalls der Atem - vielleicht auch der kritische Geist - weg. Selbst unser Bundespräsident schwärmte von der Eröffnungsfeier. Trotz der Begeisterung für so eine perfekte Massendarstellung und das bis ins letzte Detail inszeniert Schauspiel sollten wir die politische Instrumentalisierung dieser Orchestrierung der Massen nicht übersehen. Peking gelang es am 8.8., die Welt - mit einer einmaligen, kostspieligen überwältigenden Darstellung - sich als modernes erfolgreiches Land zu inszenieren. Diese gespenstisch , farbenprächtige, pathetische Massendarstellung übertünchte völlig die totalitäre, menschenverachtende Seite des Staates, der alles im Griff hat - auch die Medien und die Freiheiten des Einzelnen. Wir werden wahrscheinlich nicht mehr so rasch so eine monumentale Schauveranstaltung sehen können. Peking gelang es, mit diesem Auftakt das Pfauenrad zu schlagen und die Zensur, Kinderarbeit, die Unterdrückung des Tibets aber auch die Umweltzerstörung dank der suggestiven Kraft der Bilder aus den Köpfen der geladenen Gästen und den Millionen Zuschauern zu tilgen. Alle Propagandaveranstaltungen bezwecken vor allem eines: Das hässliche Gesicht der Wahrheit soll verdrängt werden. Alle Massenveranstaltungen, alle Vorführungen im perfekten Gleichschritt haben immer etwas Faszinierendes, sei es ein militärischer Vorbeimarsch, eine begeisterte Menschenmenge, eine Massenveranstaltung. Die Beobachtenden lassen sich in der Masse leicht täuschen. Es ist so, als werde bei Massenphänomenen ein Teil unseres Gehirns ausgeschaltet.

Uebrigens:

Diktaturen können sexy sein kann, vor allem dann, wenn sie das Publikum mit Pomp, Pauken und Trompeten einzulullen verstehen. Auch in Peking wird es bestimmt den Sportlern gut gefallen. Sie werden die chinesische Gastfreundschaft genießen und nur gute Eindrücke mit nach Hause nehmen. Die Sportreporter werden fleißig berichten und jeden Tag den Medaillenspiegel aktualisieren. Und wenn alles vorbei ist, werden alle respektvoll finden - niemand müsse sich für etwas entschuldigen, wofür man nicht verantwortlich ist. Niemand stört es, dass nach den Spielen, die Dreckschleudern wieder wie vor den Spielen in Gang gesetzt, Hunde gegessen, Kinderarbeit zugelassen, Medien geknebelt, Menschenrechte weiterhin mit Füssen getreten werden .

Freitag, 8. August 2008

SVP attackiert Schmid - der Verteidigungsminister kontert

Seit die SVP im Bundesrat nicht mehr vertreten ist, verliert sie an Medienpräsenz. Deshalb versucht sie mit allen Mitteln den missliebigen angeblich führungsschwachen Bundesrat Schmid zum Rücktritt zu bewegen. Schmid fühlt jedoch sich vom Volk getragen und kann nicht zum Rücktritt gezwungen werden. Deshalb wird die SVP mit anderen z.T. fragwürdigen Mitteln den angeschossenen Magistraten das Leben schwer zu machen.

«Die Armee ist geführt»: Bundesrat Samuel Schmid.

«Die Armee ist geführt»: Bundesrat Samuel Schmid. (Bild: Keystone)

Ich zitiere 20 Minuten:

Schmid schiesst zurück

Bundesrat Samuel Schmid geht in die Offensive:

Der Verteidigungsminister bezeichnet die Rücktrittsforderung der SVP als politische Erpressung

Für einmal liess der Vorsteher des Eidgenösssischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport(VBS)nichts anbrennen:

Ungewöhnlich scharf reagierte Bundesrat Samuel Schmid auf die Attacke seiner früheren Partei, der SVP. Diese verlangt von Schmid den Rücktritt, sonst will sie alle künftigen Rüstungsgeschäfte abschiessen. «Als vom Parlament gewähltes Mitglied der Landesregierung stelle ich mich hinter die staatlichen Institutionen Armee und VBS», schreibt jetzt der VBS-Chef in einer Erklärung. «Es ist nicht akzeptabel, dass sie von einer politischen Partei aus fadenscheinigen Gründen als Geisel genommen werden.»

Kommentar: Bundesrat Schmid hat sicherlich gravierende Fehler gemacht. Ob jedoch die Rechnung der SVP aufgeht, darf bezweifelt werden. Schmid hat es zwar bis anhin verstanden seinen Pelz, der oft nass geworden ist, immer wieder abzuschütteln und nach allen Kritiken mit einem blauen Auge davon zu kommen. Nur die ungewohnt heftige Reaktion des sonst so ruhigen Berners ist für mich ein Hinweis, dass es dem Verteidigungsminister nicht mehr so ganz wohl ist in seiner Haut und er damit rechnen muss, dass ihm die SVP das Leben tatsächlich ernsthaft sauer machen könnte. Ich zweifle auch nicht daran, dass es der SVP ernst ist mit der angekündigten Drohung. Die unheilige Allianz zwischen Links und Rechts bei Rüstungsfragen kann Samuel Schmid nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen.

Ein Konflikt, der ernst genommen werden muss

tagi-online:

Russen liefern sich heftige Kämpfe mit Georgiern

Krieg am Kaukasus: In der abtrünnigen Region Südossetien liefern sich russische Truppen heftige Gefechte mit georgischen Soldaten.

ich zitiere 20 Min online:

Offenbar 1400 Tote am Kaukasus

Der Militärkonflikt zwischen Georgien und Russland um Südossetien eskaliert. Bis zu 1400 Menschen sollen bei Kämpfen und Bombardierungen getötet worden sein. Russland hat Georgien bombadiert. Georgien hat die Hauptstadt Zchinwali der abtrünnigen Region Südossetien eingenommen.

Die Zahl von 1400 Toten nannte am Abend der Präsident der nicht anerkannten Region Südossetien, Eduard Kokojty. Informationen von unabhängiger Seite lagen allerdings nicht vor. Die NATO und die EU reagierten besorgt auf die Eskalation der Lage. Der Sicherheitsrat plante für den Abend eine weitere Dringlichkeitssitzung.

Georgien hatte in der Nacht zum Freitag eine Grossoffensive gegen Südossetien mit Panzern, Kampfjets und Raketen gestartet, um das abtrünnige Gebiet «zurückzuerobern». Im Visier der Streitkräfte befand sich insbesondere die südossetische Hauptstadt Zchinwali.

Die Stadt sei «beinahe vollkommen» zerstört worden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die russischen Friedenstruppen vor Ort. Demnach starben zehn russische Soldaten beim Beschuss von Kasernen.

Moskau drohte umgehend mit Vergeltung. «Wir können den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen», erklärte Präsident Dmitri Medwedew. Zusätzliche russische Panzer und Truppen machten sich auf den Weg in die Region.

Georgien und Russland lieferten sich den ganzen Tag über einen Propagandakrieg. So meldete Georgien, russische Kampfjets hätten georgische Orte bombardiert. Moskau wies diese Angaben als «Unsinn» zurück. Offen blieb auch, ob die georgische Luftwaffe tatsächlich fünf russische Flugzeuge über Südossetien abgeschossen hat.

Kommentar: Dieser jüngste ernst zu nehmende Konflikt macht uns bewusst, wie schnell militärische Auseinandersetzung aus den Fugen geraten können.

Es muss nur eine Grossmacht unbedacht handeln.

Ein Grund mehr, Verteidigungsinstrumente nicht vorschnell abzuschaffen.

Protestaktionen mit Kerzen

Tagi online:

Olympische Spiele: Tibeterinnen und Tibeter zünden weltweit Kerzen an

Am Vorabend der Eröffnung der Spiele in Peking haben Tibeter eine internationalen Kerzenaktion gestartet - auch in der Schweiz.

Weltweite Proteste: Tibeter und Sympathisanten zünden zum Protes Kerzen an.

Weltweite Proteste: Tibeter und Sympathisanten zünden zum Protes Kerzen an. (Bild: Keystone)

Donnerstag, 7. August 2008

Parteien nutzen Sommerloch in den Medien

Illustration 20 Min-online:

Sommerloch

Parteien tun alles, um in die Schlagzeilen zu kommen

Mit zusätzlichen Medienkonferenzen versuchen die Parteien, sich während des Sommerloches Aufmerksamkeit zu verschaffen. An Themen fehlt es nicht.

Dicke Post -

Die Pressezensur in China mit der Sperrung rechtsextremer Seiten bei uns zu vergleichen, löst eine Welle der Empörung aus.

Michael Vesper hat mit seinen Äußerungen für große Empörung gesorgt.

"Tibet soll frei sein", fordern die Protestierenden.
Gleichsetzung mit Nazi-Seiten Vesper sorgt für Empörung

Michael Vesper, der Chef der deutschen Olympia-Mannschaft, verharmlost die chinesische Zensur und vergleicht diese mit der Sperrung von nationalsozialistischen Webseiten in Deutschland. Die Berliner Morgenpost findet, dass es durchaus "erstaunlich" sei, "mit welcher Leichtigkeit der Chef der deutschen Olympia-Mannschaft seine skandalöse Verharmlosung zu bagatellisieren versucht. Er, der Interessenvertreter der deutschen Sportler in Peking ist." Die Zeitung erinnert daran, dass in der Bundesrepublik Funktionäre und Politiker "schon wegen weit weniger missratener Vergleiche aus dem Amt geschieden" seien. In Vespers Fall wäre das auch wünschenswert, doch bleibe es "leider unwahrscheinlich. Denn Vesper befindet sich in schlechter, aber einflussreicher Gesellschaft. Das Internationale Olympische Komitee hat es schon lange aufgegeben, bei den Chinesen auf Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen zu bestehen." Das Offenburger Tageblatt schlägt dieselben Töne an, wenn sie schreibt: "Ein Wort der Entschuldigung wäre von Vesper angebracht. Doch daraus wird nichts werden. Denn Vesper hat sich gut im Internationalen Olympischen Komitee assimiliert, das sich beim chinesischen Regime anbiedert." Die Zeitung findet, dass schon es schon ein Fehler gewesen sei, die Spiele überhaupt an Peking zu vergeben. "Wer mit dem Sportereignis den Einzug der Demokratie in China erwartet, der irrt. China hat sich noch nie von außen bewegen lassen. Weder durch Druck noch durch Schulterklopfen á la Vesper." Die Zeit meint jedoch, dass die chinesische Regierung in diesem Jahr dennoch eine "erschütternde Erfahrung" mache, denn sie entdecke "schmerzhaft den Pluralismus". Dabei merke sie, so das Blatt weiter: "Beim globalen Image eines Landes kommt die Macht weder aus Gewehrläufen noch aus den Fabriktoren und schon gar nicht aus dem Propagandaministerium, sondern aus Köpfen von Individuen. Im April musste die KP mit ansehen, wie ihre arme, hilflose Fackel dem Wilden Westen ausgesetzt war. Nun ist es noch schlimmer: Der Wilde Westen ist jetzt da, mitten in Peking, und das mit seinen Soldaten und Polizisten und Internetzensoren scheinbar so starke Regime ist diesem Westen, wenn es um Bilder und Image geht, ausgeliefert." Die Landeszeitung Lüneburg ist auch der Meinung, dass die "wahre olympische Herausforderung" für Peking nicht in den Wettkampfstätten warten würde, "sondern in der Randdisziplin staatlichen Selbstbewusstseins (namens) Gelassenheit. Die Hürde einer aggressiv demonstrierten Gegenmeinung ist sehr hoch für eine Zivilisation, die lange vor Marx und Mao ein konformistisches Ideal pflegte. Und der Crash-Kursus in Meinungsvielfalt für die Ein-Parteien-Diktatur geht weiter. Zu verlockend ist die olympische Medienpräsenz. Vermutlich ist der Nachhall von Protesten gegen Pekings Tibet-Politik im Westen größer als der Nutzen für Tibet selbst. Forderungen nach Unabhängigkeit sind zwar plakatgerecht, angesichts der historischen Realitäten aber allzu plakativ. Wer eine Abspaltung Tibets von China fordert, facht lediglich nationalistische Ressentiments

Kommentar: Anstatt über die Bücher zu gehen und sich für friedliche Spiele zu engagieren, schützt sich der Chef der deutschen Delegation mit einer billigen Selbstschutzbehauptung. Der hinkende Vergleich soll von der eigenen Schuld ablenken. Wir finden dies dicke Post.

Nachtrag 20 Min-online:

Olympische Spiele 2008

Schockierender TV-Spot wirbt für Menschenrechte

Eine Schweizer Werbeagentur lanciert zum Start der Olympischen Spiele in Peking einen Spot für die Menschenrechte in Tibet. Er wird in Fernsehen und Internet gezeigt.

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Schockierender TV-Spot für Menschenrechte

Der Startschuss zum 100-Meter-Lauf fällt, die Athleten sprinten los. Einer aber bleibt liegen, getroffen von der Kugel. Mit dieser ebenso simplen wie effektvollen – und nicht ganz neuen – Botschaft wirbt die Zürcher Agentur Euro RSCG für «Spiele mit Menschenrechten». Leiter der Agentur ist Frank Bodin, einer der bekanntesten Werber der Schweiz. Er engagiert sich seit Jahren für die Sache der Tibeter.

«Seit mehr als zehn Jahren betreue ich Kampagnen für Tibet», sagte Bodin zu 20 Minuten Online. Und das kostenlos, «aus unserem Kulturprozent». Er sei kein Buddhist, habe aber den Dalai Lama und die Kultur kennengelernt und sei begeistert von den Menschen, erklärte Bodin weiter. Für seine Solidaritätsaktionen konnte er unter anderem die Hollywood-Stars Richard Gere und Oliver Stone gewinnen.

Unterstützung für «Team Tibet»

Zuletzt unterstützte Euro RSCG die Bestrebungen, ein eigenes «Team Tibet» an die Olympischen Spiele zu schicken. Das Internationale Olympische Komitee lehnte ein entsprechendes Gesuch jedoch ab, weshalb «Plan B» in Kraft trat, wozu unter anderem ein Parallel-Fackellauf der Tibeter und die Realisierung des Spots gehörten. «Wir sind eigentlich völlig unpolitisch», so Frank Bodin, «aber die Menschenrechte dürfen bei den Olympischen Spielen nicht ausgeblendet werden».

Das von der Bieler Regisseurin Christine Wiederkehr gedrehte Video wird unter anderem auf den Fernsehsendern 3+, Pro7 und Kabel 1 ausgestrahlt, und zwar ebenfalls kostenlos. Ausserdem soll es auf diversen Plattformen im Internet erscheinen und eine weltweite virale Verbreitung erfahren. Gegen den Vorwurf der Blauäugigkeit wehrt sich Werber Bodin: «Die Menschenrechts-Thematik muss diskutiert werden, denn in Tibet herrschen krasse Verhältnisse.»

(pbl)

Umfrage

Olympische Spiele in Peking sind ein Fehler

Nach 20 Min online finden es 71 Prozent schlecht, dass die Sommerspiele in Peking ausgetragen werden. Und fast ebenso viele Schweizer bescheinigen dem IOC, zu wenig in Sachen Menschenrechte zu unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage.

Kommentar: Ich befürchte, dass Bundespräsident Couchepin nach Peking reist und den Mut nicht aufbringt, als Politiker die Zensur, das Nichteinhalten der Medienfreiheit während der Spiele und die Knebelung der Menschenrechte laut zu verurteilen. Couchpin wird sagen: Wir sind neutral und es geht jetzt nur um Sport.

1. Couchepin ist nicht Sportminister. Er ist Politiker.

2. Auch ein neutrales Land darf nicht schweigen, wenn friedliche Spiele missbraucht werden.

3. Als die Nazis 1939 die Olympischen Spiele in Berlin missbraucht hatten, hätte man damals die Aktionen auch nicht passiv dulden sollen.

Reaktionen zu Couchepin in China

«Nicht sagen ist falsch»

Bundespräsident Couchepin will China in Sachen Menschenrechte nicht auf die Anklagebank setzen. Das stösst bei Parlamentariern aller Couleur auf Unverständnis. Sein Besuch in Peking sei eine gute Gelegenheit für Kritik.

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Nachtrag: Bundespräsident Couchepin will in Peking nicht den Schulmeister spielen. Er will die Chinesen nicht beleidigen. Wie vermutet, nimmt er zu den Menschenrchtsverletzung keine Stellung.

Interessant: In der Schweiz spielte er immer wieder den Schulmeister und massregelte stets seine politischen Gegner. Da nimmt er kein Blatt vor den Mund. Wenn es aber um Demokratie, Medienfreiheit, Zensur, Meinungsfreiheit und Unterdrückung geht, schweigt unser Bundespräsident. So wie wir ihn kennen, wird er sich von niemandem umstimmen lassen. Nach dem Motto: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Wir überreichen Pascale Couchepin symbolisch das Bild mit den drei Affen.