Donnerstag, 24. Juli 2008

Barack Obamas Rede in Berlin begeistert die Deutschen

Der US-Präsidentschaftskandidat in Berlin Obamas Rede begeistert die Deutschen

bild online:

„Völker der Welt, schaut auf Berlin“ +++ „Wir haben ein gemeinsames Schicksal“ +++ „Wir müssen den Frieden der Welt anstreben ohne Atomwaffen“

Barack Obama in Berlin – sein Tag war straff geplant und doch gab es einige Überraschungen. Die Rede an der Siegessäule vor 200 000 jubelnden und begeisterten Fans war der absolute Höhepunkt!

Obama sprach mit 20-minütiger Verspätung. Der Grund: Zahlreiche Fans warteten noch vor den Sicherheitskontrollen auf ihren Einlass!

Der US-Präsidentschaftskandidat sprach sich für ein starkes Bündnis zwischen Amerika und Europa aus: „Ja, es gab Differenzen zwischen Amerika und Europa. Es wird sie ohne Zweifel auch in der Zukunft geben. Aber die Last der gobalen Verantwortung bindet uns aneinander. Ein Wechsel der Führung in Washington wird diese Last nicht von uns nehmen. (...) Amerikaner und Europäer werden mehr tun müssen, nicht weniger.“

Und er kritisierte die USA: „Ich weiß, dass mein Land nicht perfekt ist. Gelegentlich taten wir uns schwer, das Versprechen von Freiheit und Gleichheit für alle unsere Bürger zu erfüllen. Wir haben unseren Anteil an Fehlern gemacht, und es gab Zeiten, in denen unser Handeln rund um die Welt nicht unseren besten Absichten gerecht wurde. Ich weiß aber auch, wie sehr ich Amerika liebe.“

Aber auch für Berlin und die deutsch-amerikanische Freundschaft fand er bedeutende Worte: „„Diese Stadt kennt den Traum von der Freiheit ganz genau. Sie wissen es: Heute abend sind wir nur deshalb hier, weil Männer und Frauen aus unseren beiden Nationen zusammengekommen sind, um zu arbeiten, zu kämpfen, und Opfer für ein besseres Leben zu bringen. (...) Völker der Welt, schaut auf Berlin. (...) Wir haben ein gemeinsames Schicksal.“

Illustration Tagi-online:

obama

Obama will einen Neubeginn mit Europa

Der amerikanische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede für ein neues Verhältnis zwischen Europa und den USA geworben

Und seine Mission ist: Frieden! „Wir müssen den Frieden der Welt anstreben ohne Atomwaffen.“

Die Berliner jubelten ihm zu, immer wieder. Zum Schluss seiner Rede nahm er ein Bad in der Menge, verteilte Autogramme, ließ sich fotografieren. Und darauf hatten die Berliner den ganzen Tag so sehnsüchtig gewartet! Doch bis dahin hielt sich Obama bedeckt, zeigte sich kaum der wartenden Öffentlichkeit.

Rückblick: Um kurz vor zehn landete er am Berliner Flughafen Tegel, fuhr auf direktem Weg ins Bundeskanzleramt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfing Obama, sie redeten fast eine Stunde! Danach ging es gleich zum Hotel Adlon – über die Tiefgarage, leider. Denn es gab kaum Sichtkontakt, kaum Möglichkeit für ein Erinnerungsfoto.

Aufregung: In der Zwischenzeit tauchte ein verdächtiges Päckchen im Hotel auf. Das Hotel wurde abgesperrt. Doch wenige Minuten später: Entwarnung! Es handelte sich lediglich um ein Buch mit einem Signierwunsch!

Um kurz nach 14 Uhr ging's dann zum Auswärtigen Amt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier empfing Obama, das Gespräch dauerte eine knappe Stunde. Danach sagt Steinmeier über Obama: „Ich habe auch bei diesem Gespräch noch einmal festgestellt, dass unsere Philosophie der Außenpolitik „Kooperation statt Konfrontation“ auch Ziel seiner außenpolitischen Vorstellungen ist.“ Es sei ein „intensives“ Gespräch gewesen, so Steinmeier.

Barack Obama fuhr danach wieder zurück ins Hotel, empfing um kurz nach 15 Uhr Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Der brachte das Goldene Buch der Stadt gleich mit und schenkte Obama einen Berliner Bären. „Berlin ist für die Welt ein Symbol für den Sieg der Hoffnung über die Angst und die Möglichkeit, Menschen in ihrem Streben nach Freiheit zu trennen“, schrieb der Linkshänder nach Senatsangaben in seiner ungewöhnlich langen Botschaft. „Lassen Sie uns gemeinsam auf dieser bemerkenswerten Geschichte aufbauen.“

Um 16.55 Uhr verließ Obama überraschenderweise sein Hotel. In schwarzer Trainingshose, grauem T-Shirt und weißen Turnschuhen! Es ging zum Sport! Ins Hotel Ritz Carlton. Wieder ging alles so schnell, wieder keine Autogramme, keine Erinnerungsfotos für die wartenden Obama-Fans!

Nach einer Stunde hat der US-Demokrat seine Trainingseinheit beendet – fuhr wieder zurück ins Hotel. Und bereitete sich auf seine 28-minütige Rede an der Berliner Siegessäule vor.

Kommentar: Obama sprach nicht wie ein Kandidat, sondern wie ein Weltpräsident. Er verstand es, mit seiner Rede eine Brücke zum Publikum zu schlagen. Obama ist ein begnadeter Rhetoriker. Der Auftritt wird bestimmt in die Geschichte eingehen, so wie die legendäre Rede in Berlin "Ich bin eine Berliner" von John F. K.

Wieder kommt etwas an den Tag:

blick-online:

Trotz dem laufenden Verfahren kam Roland Nef durch den Sicherheitscheck

Prüfungsstelle winkte Nef einfach durch!

Samuel Schmid wollte keine Details über Nefs Stalking-Akte wissen. Schlimmer ist: die VBS-Sicherheitsprüfer offenbar auch nicht

Als Verteidigungsminister Samuel Schmid den Armeechef Roland Nef beurlaubt, ist er des Lobes voll – für seine eigene Arbeit: «Das Verfahren zur Wahl des neuen Chefs der Armee war einwandfrei», sagte er am Montag.

Zwar habe Nef ihm erzählt, dass ihn seine Ex-Freundin angezeigt habe. Heute ist klar, weswegen: Nef soll sie gestalkt haben.

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Details will Schmid aber gar nie wissen, denn:

Erstens habe Nef ihm versichert, das Nötigungs-Verfahren sei vor Antritt seines Amtes erledigt.

Zweitens habe er, Schmid, gewusst, dass für Nef eine «erweiterte Sicherheitsprüfung» anstehe.

Der Schwarze Peter geht woanders hin

Schmid schiebt den Schwarzen Peter damit der Gruppe «Informations- und Objektsicherheit» (IOS) zu: eine VBS-interne Stelle, der die Sicherheitsprüfungen unterliegen.

Und Schmid weiss, dass er sich so mit den Stalking-Details nicht beschäftigen muss. «Die IOS erstellt zwar ein Dossier», erklärt VBS-Sprecher Sebastian Hueber, «der Auftraggeber der Überprüfung erfährt aber nur das Resultat: rotes oder grünes Licht.»

So kam es auch: Schmid erteilte noch im Juni, gleich nach Nefs Wahl am 8. Juni, den Auftrag zur Personenprüfung. Die IOS fragte bei Polizei und Betreibungsamt nach, führte ein langes Gespräch mit Roland Nef – und gab im Dezember ihr Placet: alles okay.

Gerade rechtzeitig vor Nefs Amtsantritt am 1. Januar.

Kein Alarm

Doch warum schlug die IOS nicht Alarm? Denn gemäss Verordnung erhebt sie Daten «über laufende oder abgeschlossene Strafverfahren». Und die Prüfer erfuhren bald von Nefs Taten: Gemäss «Sonn-tagsZeitung» reichte die Zürcher Polizei dem Inlandnachrichtendienst DAP bereits am 23. Juli 2007 den Vermerk weiter: «Strafverfahren: Nötigung etc. pendent».

Die Angelegenheit liess sich also nicht dadurch erledigen, dass Nef seine Ex-Freundin im September mit Schmerzensgeld zum Rückzug ihrer Stalking-Anzeige brachte.

Wurde die Nötigungs-Akte bestellt?

Der Nachrichtendienst reichte die Info weiter. «Wir geben Polizeidaten immer tel quel an die IOS-Gruppe weiter», sagt DAP-Sprecherin Danièle Bersier. «Eine Wertung nimmt dann erst sie vor.»

Ob die IOS Nefs ganze Nötigungs-Akte bestellte, ist unklar. Sicher ist: Im Dezember gab sie ihr Okay. Dabei hätte sie laut Gesetz auch einen Vorbehalt anmelden können. In diesem Fall hätten Samuel Schmid und seine Bundesratskollegen das IOS-Dossier studieren können – falls Nef das gestattet hätte. Und der hätte kaum ablehnen können.

Die VBS-internen Prüfer blieben also stumm, obwohl sie vom Stalking-Vorwurf hätten wissen müssen. Und Schmid wunderte sich nicht über die kulanten Prüfer, obwohl er von der Anzeige gegen Nef sogar noch vorher wusste.

Wieder zwei Einwände mehr – gegen Schmids angeblich so «einwandfreies» Verfahren.

Kommentar:

Ich gehe davon aus, dass morgen in Bern derartig happige Ungereimtheiten überprüft und nicht unter den Tisch gewischt werden. On verra.

Mittwoch, 23. Juli 2008

Ob diese Fragen am Freitag beantwortet werden?

Offene Fragen zur Sicherheitsprüfung

Roland Nef sei kein Sicherheitsrisiko, befanden Schmids Kontrolleure vor dem Amtsantritt des Armeechefs. Nun fragt sich, ob sie patzten.

Vorerst hat Armeechef Roland Nef Urlaub.

<> Vorerst hat Armeechef Roland Nef Urlaub.

Hat der inzwischen beurlaubte Roland Nef seiner früheren Lebenspartnerin Männer auf den Hals gehetzt, die auf Sex aus waren?

Der Vorwurf, den die «SonntagsZeitung» publik gemacht hat, steht weiterhin unwidersprochen im Raum – und wirft Fragen nach der Qualität der Personensicherheitsprüfung auf, der Nef vor seinem Amtsantritt als Armeechef unterzogen wurde.

Die nationale Fachstelle für Personensicherheitsprüfungen, die im Departement von Verteidigungsminister Samuel Schmid angesiedelt ist, erliess im Fall Nef eine «positive Risikoverfügung», wie Departementssprecher Sebastian Hueber am Dienstag bekräftigte. Dies bedeutet, dass sie in Nef kein Sicherheitsrisiko sah.

Risiko der «Erpressbarkeit»

«Als Sicherheitsrisiken gelten nach der Praxis der Fachstelle insbesondere Terrorismus, verbotener Nachrichtendienst, gewalttätiger Extremismus, kriminelle Handlungen, Korruption, finanzielle Probleme, Abhängigkeiten, Erpressbarkeit und exzessiver Lebenswandel», wie die frühere Rekurskommission VBS in ihren Entscheiden zu Personensicherheitsprüfungen wiederholt festgehalten hat. Sind all diese Risiken laut den Prüfern des VBS bei Nef also nicht vorhanden gewesen ?

Es fragt sich allerdings, ob der angehende Armeechef tatsächlich nicht erpressbar war. Ein genereller Hinweis, wie sich dieses Risiko einschätzen lässt, findet sich in einem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom August 2007: «Bei der Beurteilung einer allfälligen Erpressbarkeit gilt es herauszufinden, ob die betroffene Person bestimmte Tatsachen, welche sie in ein schlechtes Licht rücken könnten, gegenüber seinem Arbeitgeber oder seinem privaten Umfeld verschweigen will.»

Sollte es tatsächlich zutreffen, dass Nef im Namen seiner ehemaligen Lebenspartnerin auf Sexinserate geantwortet und sogar solche aufgegeben hatte , würde ihn dies zweifellos in ein schlechtes Licht rücken. Seinem Vorgesetzten Schmid hatte Nef  soweit bekannt  nur gesagt, dass eine Strafuntersuchung wegen einer privaten Sache laufe, die Einstellung aber absehbar sei.

«Spektakelwert eines Delikts»

Die frühere Rekurskommission VBS ist in einem Urteil von 2004 noch auf einen anderen Aspekt der Erpressbarkeit eingegangen: den «Spektakelwert eines Delikts». Dieser falle bei der Risikobeurteilung dann ins Gewicht, wenn der Beurteilte aus Furcht vor einer «öffentlichen Anprangerung» erpressbar werden könnte.

Vorderhand bleibt unklar, ob die Fachstelle in Nefs Fall eine allfällige Erpressbarkeit sorgfältig abgeklärt hat. Sie könne wegen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes keine weiteren Auskünfte geben, teilte Armeesprecher Christoph Brunner mit.

Wenn Nef einverstanden ist, kann aber Bundesrat Schmid als Arbeitgeber die Unterlagen zur Sicherheitsprüfung anschauen. Diese wird auch am kommenden Freitag ein Thema sein, wenn die Sicherheitspolitischen Kommissionen von National- und Ständerat zusammentreten. «Im Zusammenhang mit dem Wahlverfahren werden wir auch Fragen zur Zweckmässigkeit sowie zur Art und Weise der Personensicherheitsprüfung stellen», ist für SVP-Nationalrat und Kommissionspräsident Bruno Zuppiger klar. Ein Thema werde auch sein, wann eine Sicherheitsprüfung durchgeführt werden solle – ob bereits vor der Wahl oder erst vor dem Amtsantritt. Nach bisheriger Praxis werden Bundesangestellte oft erst bei Amtsantritt geprüft.

Familie, Freunde, Schulden

Dem Sicherheitscheck müssen sich alle jene stellen, die beim Bund regelmässig weit reichenden Einblick in die Regierungstätigkeit oder wichtige sicherheitspolitische Geschäfte haben – oder die über wesentliche Geheimnisse Bescheid wissen. Das können nicht nur Angestellte des Bundes, sondern auch Armeeangehörige, Angestellte der Kantone oder Mitarbeiter von Firmen sein, die zum Beispiel Rüstungsaufträge ausführen.

Je wichtiger die Position ist, die jemand einnimmt, desto genauer wird er in der Regel durchleuchtet: enge persönliche Beziehungen, familiäre Verhältnisse, finanzielle Lage, Beziehungen zum Ausland, Aktivitäten, welche die Sicherheit der Schweiz gefährden könnten – all das ist im Staatsschutzgesetz ausdrücklich vorgesehen. Wer überprüft wird, weiss das, weil er sich vorgängig mit seiner Unterschrift einverstanden erklären muss. Er erlaubt damit den Kontrolleuren, alle möglichen Datenbanken von Polizei-, Staatsschutz- oder Betreibungsbehörden zu durchforsten.

36'000 Sicherheitsprüfungen

Sicherheitsprüfungen sind viel häufiger, als gemeinhin vermutet wird. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 36'000 Prüfungen eingeleitet. Im Departement Schmid sind für diese Arbeit normalerweise 9,8 Vollzeitstellen eingeplant. «Momentan ist dieses Team mit 3 zusätzlichen temporären Arbeitskräften verstärkt», wie Armeesprecher Brunner bekannt gab.

2007 wurde etwa in der Hälfte der Fälle der Dienst für Analyse und Prävention (DAP) – also die Staatsschützer im Bundesamt für Polizei – beigezogen, wie aus dem Rechenschaftsbericht des Amtes hervorgeht. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) konsultiert die Kantonspolizeien an all jenen Orten, an denen der zu Prüfende in den fünf Jahren vor dem Sicherheitscheck wohnhaft war, wie Fedpol-Sprecherin Danièle Bersier erklärt. Das Fedpol gebe die Informationsberichte der Polizeistellen an die Fachstelle im VBS weiter, sagt Bersier. Es nehme aber selber keine Einschätzungen vor.

Quelle Blick online

Wir werden am Freitag auf die Beantwortung dieser Fragen zurückkommen

Angela Merkel wird immer beliebter

Obschon die Deutsche Bundeskanzlerin das konkrete Aussagen vermeidet und sich bei Auseinandersetzungen absetzt und gleichsam von der Metaebene aus regiert, wächst bei der Bevölkerung der Beliebtheitsgrad. Merkel ist fleissig, intelligent und pflegt ihren Brand ganz bewusst in den Medien. Sie kleidet sich uniform-mässig, wie man es in der DDR gewohnt war. Jetzt sind es Blazer in verschiedenen Farben. Ich verfolgte ihr Erscheinungsbild während ihrer politischen Laufbahn und werde mich später darüber ääussern.

Heute im Spiegel online gelesen:

MERKELS KOALITIONSBILANZ

Die Alles-ist-gut-Kanzlerin

Sommertheater 2008: Der Außenminister stichelt gegen die Kanzlerin, Parteifreunde spekulieren schon mal über ein vorzeitiges Ende der Regierung. Doch Angela Merkel hält eisern durch - und lässt sich die Große Koalition ja nicht kleinreden.

Pünktlich vor der Sommerpressekonferenz der Kanzlerin hat der Außenminister und Vizekanzler noch einmal nachgelegt. In der "Zeit" wird Frank-Walter Steinmeier an diesem Tag mit dem Satz zitiert, er halte die Debatte über Barack Obamas Rede vor dem Brandenburger Tor "für kleinlich". Es ist eine erneute Stichelei gegen die Kanzlerin. Angela Merkel hat sich bekanntlich gegen einen Auftritt des demokratischen US-Senators vor dem Symbol der deutschen Einheit ausgesprochen.

Sie habe ihre Meinung "einfach zum Ausdruck gebracht, das wird ja in einem freien Land möglich sein", sagt die Kanzlerin dann im Saal der Bundespressekonferenz. Und fügt hinzu:

"Manchmal wird ja gesagt, ich hab' keine Meinung."

Bundeskanzlerin Merkel: "Harmonische und intensive Kabinettssitzung"
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Bundeskanzlerin Merkel: "Harmonische und intensive Kabinettssitzung"

Merkel gegen Steinmeier - es ist auffällig, wie oft in den vergangenen zwei Wochen beide öffentlich auseinanderlagen. Deshalb wird die Kanzlerin gleich zu Beginn ihres Auftritts danach gefragt, warum sie eigentlich nicht mit dem Vizekanzler erschienen ist. Schließlich sei sie mit Franz Müntefering am selben Ort dreimal aufgetreten. Es ist eine verfängliche Frage, denn Steinmeier könnte der nächste Spitzenkandidat der SPD sein.

Angela Merkel lässt sich nicht beirren. Sie wolle einen Auftritt mit ihrem Vize in Zukunft nicht ausschließen, aber das sei auch immer "von der Sache abhängig". Heute sei sie in der "Tradition der Einzelpressekonferenz" hier. Im Übrigen habe sie heute "ausführlich mit dem Vizekanzler gesprochen", auch habe es eine "harmonische und intensive Kabinettssitzung" gegeben.

Alles ist gut, lautet die Botschaft. Oder in den Worten Merkels: Alle Minister bekämen die Gelegenheit, sich zu profilieren.

Nur nicht die Koalition kleinreden lassen

Auftritte der Kanzlerin vor der Bundespressekonferenz sind für Journalisten immer eine Gelegenheit, all das zu fragen, was sich angestaut hat. Und so wird Merkel auch mit Bemerkungen ihres Parteifreundes Peter Müller konfrontiert, der vor fast zwei Monaten öffentlich über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition nachgedacht hatte. Auf den saarländischen Ministerpräsidenten angesprochen sagt Merkel, sie erwarte, dass sich nicht nur SPD und Union "zusammensetzen und zusammenraufen". Das gelte auch für das Verhältnis zwischen Bund und Ländern. Wenn man die "Kraft und den Willen" dazu nicht aufbringe, dann würden die Wähler bei den nächsten Wahlen den Verantwortlichen "wenig Ernsthaftigkeit" vorwerfen.

Eines wird an diesem Mittwoch schnell klar - die Kanzlerin will sich vor ihrem Urlaub die Große Koalition nicht kleinreden lassen. Merkel liegt offenbar auch daran, in der Bundespressekonferenz dem unterschwelligen Vorwurf zu begegnen, die Große Koalition verwalte nur noch den Stillstand. Und so zählt sie eine Reihe von Projekten auf, die noch anstehen:

  • Da gebe es die Gesundheitsreform mit dem Gesundheitsfonds, die zwar angeschoben, aber noch nicht umgesetzt sei,
  • im Herbst sei über die Erhöhung des Kindergeldes und Kinderfreibetrags zu entscheiden,
  • da sei die Erbschaftsteuerreform,
  • die Fortsetzung der Haushaltspolitik
  • sowie der Bildungsgipfel zwischen Bund und Länder

Merkel, die arbeitende Kanzlerin - das ist eine der Botschaften, die an diesem Tag vermittelt wird. "Mein Ziel ist es, die Sacharbeit weiterzuführen." Diese Voraussage könne sie für den Herbst machen, fügt sie ironisch hinzu.

Von der Innen- zur Außenpolitik und zurück

Die Kanzlerin in der Bundespressekonferenz, das ist aber auch immer Angela Merkel als CDU-Vorsitzende. Ihr größter Wunsch für dieses Jahr? Dass die CSU "50 plus X" erreiche.

Wen sie lieber habe als Konkurrenten ums Kanzleramt, SPD-Chef Kurt Beck oder Steinmeier? Antwort: "Ich nehme die Dinge so, wie sie kommen."

Erst am Wochenende hatte Merkel erneut für eine schwarz-gelbe Koalition nach 2009 geworben. FDP-Chef Guido Westerwelle hat darauf eher verhalten reagiert. (mehr...) In der Bundespressekonferenz sagt sie zur Lage der Union, man habe "alle Chancen, sehr, sehr gut bei den nächsten Wahlen abzuschneiden". Und fügt hinzu, man habe "gute Chancen" auf eine "andere Koalition". Doch folgt solch einer Auslassung als CDU-Vorsitzende sofort die Einschränkung, man habe den Wählerauftrag, diese Große Koalition "ordentlich" zu Ende zu bringen.

Kommentar: Angela Merkel antwortet stets so, dass die Aussage nie zum Stolperstein werden kann.
Es ist, wie bei Sommerpressekonferenzen der Kanzler üblich, ein buntes Repertoire an Themen, das abgefragt wird - an diesem Tag geht es von Mindestlöhnen und Umfrageergebnissen zu Managergehältern und Atomkraft, von der Lage im Libanon zum drohenden Arbeitsplatzabbau bei Siemens in Tschechien, von den Problemen auf dem Balkan zur künftigen Leitung der Wagner-Festspiele in Bayreuth. Eines aber durchzieht das Frage-Antwort-Spiel - der kommende Auftritt von Barack Obama. Am Donnerstag wird der designierte US-Präsidentschaftskandidat vor seinem abendlichen Auftritt an der Siegessäule am Vormittag von der Kanzlerin empfangen.

"Wichtige Erfahrung" mit Obama

Auf die Frage nach seiner Persönlichkeit sagt sie diplomatisch, wer sich durch den US-Vorwahlkampf geschlagen habe, der sei "durchaus mit guten Kräften ausgestattet - physisch, psychisch und politisch".

Für Merkel ist die Zusammenkunft mit Obama eine Premiere. Den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain kenne sie aus der Vergangenheit von der Münchner Sicherheitskonferenz, sagt sie. Insofern sei ihr morgiges Treffen mit Obama "eine wichtige Erfahrung".

Was wird sie ihm sagen, falls Obama sie auf ein verstärktes deutsches Engagement in Afghanistan anspricht? Auf die tausend zusätzlichen Soldaten hinweisen, die Deutschland nach Afghanistan nun schicken wolle, sagt sie. Deutlich machen, dass sich Deutschland verstärktem Engagement nicht entziehe. Aber auch "unsere Begrenzungen" aufzeigen - so wie sie es auch gegenüber dem jetzigen US-Präsidenten tue.

Wenn Obama in Berlin um 19 Uhr spricht, wird die Kanzlerin nicht mehr in der Hauptstadt sein. Dann sei sie "hoffentlich schon in Bayreuth", sagt sie. Dort will Merkel, eine bekennende Opernliebhaberin, der Eröffnung der Wagner-Festspiele beiwohnen. Aufgeführt wird "Parsifal". "Vielleicht" schalte sie um 19 Uhr den Fernseher ein, sagt sie und fügt nach einer Pause hinzu: "Um natürlich die 'Heute'-Nachrichten zu sehen."

Da lacht der Saal.

Kommentar: Die Bundeskanzlerin gelang es, der Bevölkerung das Gefühl zu vermitteln: Ich habe alles im Griff. Ich kann deshalb beruhigt in die Ferien fahren.

Wenn ich zurückkomme, werde ich das Land weiter so regieren, dass alle gut schlafen können.

Die Journalisten wurden mit Merkels Art des Kommunizierens besänftigt. Die Pressfotografen werden sich beim bevorstehenden Opernbesuch wieder dem Outfit der Kanzlerin widmen und rätseln, weshalb sie welchen Ausschnitt gewählt hat.

Weshalb Bundesrat Schmid im Regen steht

Obwohl der Veteidigungsminister nicht zum Rücktritt gezwungen werden kann, ist sein Pelz recht nass geworden. Er hat wichtige Fragen nicht beantwortet. Fachleute vertreten einhellig die Auffassung, dass er einen gravierenden Fehler gemacht hat, indem er seinen Lieblingskandidaten nicht vor der Ernennung hat überprüfen lassen. Er hat es also nicht nur unterlassen den Bundesrat über das hängige Strafverfahren zu orientieren.

Der Tagi-online schreibt:

Nun steht Schmid im Regen

Für die Schweizer Kommentatoren ist klar, Armeechef Roland Nef wird nicht auf seinen Posten zurückkehren. Immer unbequemer werde die Situation auch für Bundesrat Samuel Schmid.

Schmid verlässt das Medienzentrum nach dem gestrigen Auftritt durch den Hinterausgang.

Keystone Schmid verlässt das Medienzentrum nach dem gestrigen Auftritt durch den Hinterausgang.

Deutlich wird die «Neue Luzerner Zeitung». Mit der Beurlaubung lenke Schmid von der Tatsache ab, dass er es war, der bei der Rekrutierung Nefs einige Dinge übersehen habe.

«Wer einen anderen für eigene Fehler büssen lässt, anstatt selbst die Konsequenzen zu tragen, hat das Vertrauen nicht mehr verdient.»

«Brillant und perfid»

Als «brillant und perfid zugleich» wird in der «Südostschweiz» Schmids Vorgehen dargestellt.

Die Beurlaubung Nefs zeige fast schulbuchmässig, welch perfide Intelligenz Politiker entwickeln könnten, wenn es darum gehe, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Der Vorwurf des Vertrauensbruchs falle auf Schmid zurück, heisst es in der «Basler Zeitung». Schmid habe mehrfach Gelegenheit gehabt, den Dingen auf den Grund zu gehen, doch er schaute weg nach dem Motto

«Mein Name ist Schmid, ich weiss von nichts.»

Ohne Schmids Führungsschwäche wäre es nie zur Affäre Nef gekommen, meint die «Berner Zeitung». Nef müsse jetzt nachliefern, was der Verteidigungsminister nicht rechtzeitig abklären wollte. «Zwar kann Schmid nicht zum Rücktritt gezwungen werden, doch was wäre dann ein Grund für einen Rücktritt, wenn nicht dieser?».

«Für alle ein Desaster», titelt der «Bund». Für Nef sei es ein Desaster, weil er wahrscheinlich seinen Posten räumen müsse, für die Armee, weil sie einen neuen Chef suchen müsse und für Schmid weil dessen exponierte Lage nach seinem SVP-Austritt auch ohne Affäre Nef schon unbequem sei.

Das «St. Galler Tagblatt» glaubt allerdings, dass Bundesrat Schmid die Affäre Nef unbeschadet übersteht. Draussen vor dem Bundesratszimmer schreie es jetzt «Führungsschwäche». Das aber sei, wie nicht nur die drinnen wissen, ein ziemlich relativer Begriff.

Auch die «Neue Zürcher Zeitung» urteilt vorsichtig. «Es wäre zu einfach, jetzt zu verlangen, Schmid müsse sein Amt zur Verfügung stellen.» Dass es die Armeebelange zurzeit derart schwer hätten, sei vorab auf die stark divergierenden Auffassungen von den Aufträgen und der Rolle der Armee im Parlament zurückzuführen.

«Unglaubwürdig und unberechenbar»

Hart mit Nef geht der «Blick» ins Gericht. «Ein Mensch, der so eiskalt mit den eigenen Widersprüchen umgeht, macht sich nicht nur unglaubwürdig, sondern ist unberechenbar und als Chef für eine Institution wie die Armee unzumutbar». Nef könne den Schaden ein wenig begrenzen, wenn er aus seiner Beurlaubung «jetzt möglichst rasch einen Rücktritt» mache.

Nef habe kaum mehr eine Chance, das Amt des Armeechefs noch glaubwürdig auszuüben, meint auch die «Aargauer Zeitung». Es sei anzunehmen, dass Nef sich und seiner Ex-Freundin das mit dem Unschuldsbeweis verbundene Schlammschlacht-Risiko erspare.

Die Westschweizer Zeitungen «Le Matin» und «24 heures»/»Tribune de Genève» fordern ebenfalls den Rücktritt Nefs. «Le Matin» fragt, ob es nicht besser wäre, wenn der Gesamtbundesrat Schmid die Aufsicht über den weiteren Gang der Dinge entziehe, weil dieser schliesslich Partei sei.

Kommentar: Auch bei dieser unrühmlichen Geschichte wird sich das Sämi-Prinzip bewähren. Ruhig bleiben - die Geschichte aussitzen - die politische Situation ausspielen , abwarten, die Nerven nicht verlieren und weiter regieren, als sei nichts geschehen. Was mir zu denken gibt: Wie es möglich ist, so lange im Regen zu stehen, sich zu schütteln und immer wieder trocken dazustehen. Samuel Schmid wird es auch bei einem allfälligen künftigen Gewitter fertig bringen, die riesigen Regentropfen an sich abperlen zu lassen. Ich habe selten einen Politiker getroffen, der so kritikresistent ist.

Dienstag, 22. Juli 2008

Wir haben genug vom Thema Nef, Schmid und so..

Dies sagte mir heute ein Schiffskapitän. Er ist nicht allein. Seit Tagen brachten die Zeitungen während der Sommerpause nur ein Thema: Die Endlosgeschichte Fall Nef und Fall Schmid. Ich kann mir vorstellen, dass die Bevölkerung tatsächlich genug hat von dieser Thematik. Sie ist nun abgegriffen Dennoch gibt es durch den Wirbel weitere Problem im Zusammenhang im Zusammenhang mir der Armee:

1. Wer führt künftig die Armee (Niemand rechnet damit, dass Nef sich rehabilitieren kann) ---> Nachfolgeregelungsprobleme

2. Wie steht es mit der Armeereform und der Beschaffung der Kampfflugzeuge. Hat der Nef Skandal der Gruppierung für die Abschaffung der Armee einen Steilpass zugespielt, so dass sie jetzt ein leichtes Spiel hat?

Wie steht es mit den Abgangsentschädigung des Armeechefs wenn er geht? Hat Samuel Schmid vorschnell entschieden? Könnte sein Entscheid letztlich nicht zu viel kosten, weil diese Frage zu wenig bedacht wurde?

Ueber die Nachfolgeproblem lesen wir bereits heut im Tagi-online:

Das Personalkarussell dreht sich munter

Die Beurlaubung von Roland Nef trifft die Armeespitze in turbulenten Zeiten. Sieben von zehn Spitzenpositionen sind dieses Jahr neu besetzt worden.

Nef ist bereits der dritte Spitzenmilitär, der in diesem Jahr unfreiwillig von seinem Posten zurücktritt oder beurlaubt wird. Im Februar hatte der Bundesrat den Arbeitsvertrag mit Divisionär Werner Bläuenstein, dem Chef der Armeelogistik, aufgelöst. Der 61-jährige Divisionär trat auf Ende Mai in den vorzeitigen Ruhestand – noch bevor ein Ersatz gefunden war. Dem Vernehmen nach ging Bläuenstein unter Druck. Bei der Armeelogistik war es in den Monaten zuvor zu massiven Problemen gekommen: Material und Fahrzeuge wurde unvollständig oder in unbrauchbarem Zustand an die Truppe geliefert.

Nach dem Kander-Drama mit fünf toten Soldaten musste Luftwaffenchef Walter Knutti den Hut nehmen. Armeechef Nef bearbeitete ihn so lange, bis Knutti demissionierte. Offizielle Begründung Nefs: Unter Knutti sei es zu Missständen bei der Kaderselektion in der Luftwaffe gekommen. Für viele Beobachter ist Knutti hingegen ein Bauernopfer.

Ackermann holt Dienstkameraden

Neben den erzwungenen Rücktritten von Bläuenstein und Knutti muss die Armeespitze dieses Jahr den Abgang von zwei bewährten Kaderleuten verkraften. So wurde Chefplaner Jakob Baumann auf den 1. Juni vom Bundesrat zum Rüstungschef ernannt. Der Divisionär war Projektleiter des Armeeleitbilds XXI und Vater des nachfolgenden Entwicklungsschritts 08/11. In dieser Funktion stand Baumann oft in der Kritik der Reformgegner – weshalb er aus Sicht des Bundesrats trotz gutem Leistungsausweis als Armeechef zu sehr polarisiert hätte.

Auch Ulrich Zwygart, der ehemalige Kommandant der Höheren Kaderausbildung in Luzern, nahm den Hut. Er wechselte nach 25 Jahren im Dienst der Armee als «Managing Director» zur Deutschen Bank in London. Dort wird Zwygart den Bereich «Global Head Learning & Development» übernehmen. Geholt hat ihn Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, Artillerie-Oberst der Schweizer Armee – und Dienstkamerad von Zwygart. Der ehemalige Divisionär wird sich in London um die Fortbildung und Personalentwicklung der Top-Manager kümmern.

Baumann und Zwygart waren als aussichtsreiche Kandidaten im Gespräch, als es im Frühjahr 2007 um die Nachfolge von Armeechef Christophe Keckeis ging. Das Rennen machte überraschenderweise Roland Nef. Es ist wenig wahrscheinlich, dass Baumann und Zwygart angesichts der beruflichen Neuorientierung nach einem Ausscheiden Nefs weiterhin zur Verfügung stehen würden – zumal Zwygart bereits mehrfach bei der Besetzung von Spitzenposten übergangen wurde. Damit bliebe von den früheren Kandidaten vor allem der Chef des Armee-Führungsstabs, Divisionär Peter Stutz, als neuer Armeechef im Rennen. Zum Nachteil gereicht ihm, dass er bereits 60-jährig ist. Dasselbe gilt für Divisionär Hans-Ulrich Solenthaler, der ebenfalls als Keckeis-Nachfolger gehandelt wurde und heute die Territorialregion 4 kommandiert.

Zürcher Divisionär übernimmt

Grössere Chancen, dereinst Armeechef zu werden, hat die Nummer 2 der Armee, Divisionär André Blattmann. Der 52-jährige Zürcher leitet seit gestern interimistisch die Armee. Als stellvertretender Armeechef wirkt er seit Anfang Jahr. Zuvor arbeitete Blattmann als zugeteilter Stabsoffizier von Korpskommandant Keckeis. Der Betriebsökonom HWV war 1984 in das Instruktionskorps der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen eingetreten. 2001 wurde er Stabschef des Feldarmeekorps 4. Blattmann verfügt über ein Executive MBA der Universität Zürich. Beobachter beschreiben den stellvertretenden Armeechef als ruhig, überlegt und zielstrebig. Ihm wird attestiert, über das nötige Rüstzeug zu verfügen, die Armee zu leiten. Blattmann erhält nun – früher als erwartet – die Chance zur Bewährung.

Tagi-online schreibt ferner zu den

finanziellen Folgen

Beobachter vermuten, dass er hinter den Kulissen mit dem Verteidigungsdepartement über Nefs Abgangsentschädigung verhandle. Denn kaum jemand rechnet damit, dass dieser nach seiner Beurlaubung ins Amt zurückkehren kann.

Nef erhält keine Entschädigung, wenn er von sich aus freiwillig kündigt, ohne mit dem Bund eine Vereinbarung über eine finanzielle Abgeltung zu treffen. Diese Variante ist unwahrscheinlich. Ebenfalls keine Entschädigung erhält Nef, wenn der Bund nachweisen kann, dass ihm «aus eigenem Verschulden» gekündigt wird. Dies ist etwa der Fall, wenn der Betreffende «vertragliche Pflichten» verletzt hat. Ob dies bei Nef der Fall ist, kann im Moment nicht beurteilt werden.

Nef erhält hingegen eine Entschädigung, wenn ihm der Bund kündigt, ohne dass ihn ein «eigenes Verschulden» trifft. Die Entschädigung beträgt dabei für hohe Offiziere bis zu einem Jahresgehalt. Dieses beträgt bei Nef laut Personalamt «deutlich unter 300'000 Franken». Zusammen mit dem Gehalt während der regulären Kündigungsfrist von sechs Monaten könnte Nef bei einem Abgang also bis zu 400'000 Franken erhalten. Sogar eine höhere Summe wäre möglich. Dann allerdings müssten auch der Gesamtbundesrat und die Finanzdelegation des Parlaments zustimmen.

Nach 20 Minuten -online bewegt sich Samuel Schmid auf dünnem Eis. Er habe die Beurlaubung nicht gründlich bedacht:

Verteidigungsminister Samuel Schmid bewegt sich mit der Beurlaubung von Armeechef Roland Nef nach Meinung eines Experten auf dünnem Eis.

Bei einer Entlassung Nefs könnte die Sache noch komplizierter werden und finanzielle Folgen haben.

blick online:

ZU DEN FINANZIELLEN FOLGEN!

Der saubere Schnitt blieb aus: Verteidigungsminister Samuel Schmid trennte sich am Montag nicht wirklich von Armeechef Roland Nef. Er beurlaubte ihn bloss. Das könnte sich jetzt rächen. Für Schmid und für die Bundeskasse.

Schmids Ultimatum an den Armeechef: Bis in einem Monat müsse Nef schlüssig beweisen, dass er seine Ex-Freundin nicht stalkte – sonst wird er entlassen.

Das wird teuer:

Denn erst einmal hat Nef eine Kündigungsfrist von sechs Monaten. Dann steht ihm gemäss Personalverordnung bis zu einem Jahreslohn Entschädigung zu. Das sind in seinem Fall gegen 300 000 Franken. Das bedeutet, der Bund müsste Nef einen erzwungenen Abschied mit bis zu 450 000 Franken versüssen. Die Entschädigung hätte Samuel Schmid zu verantworten. Denn rechtlich stünde die Entlassung des Armeechefs auf wackligen Beinen. Es ist der Unterschied zwischen Politik und Justiz: Politisch ist Nefs Glaubwürdigkeit zwar zerstört – seit Polizeiprotokolle zeigen, dass er seiner Ex-Partnerin sexhungrige Männer auf den Hals hetzte. Juristisch aber steht er sauber da. Das Nötigungs-Verfahren der Zürcher Staatsanwaltschaft ist eingestellt: Nef ist nicht vorbestraft. Zudem habe er einen tadellosen Job gemacht – sagt gerade sein Chef Schmid immer wieder. Doch Beamte dürfen nur entlassen werden, wenn sie Pflichten verletzen, sich als unfähig herausstellen, nicht arbeiten können oder wollen. Schmid kann «mangelndes Vertrauen» geltend machen, was er ja bereits andeutet. «Aber dass er Nef die Beweislast aufbürdet, ist juristisch bedenklich», sagt der Berner Strafrechtler Karl-Ludwig Kunz. «Nef kann die nötigen Dokumente nicht so leicht beschaffen», fügt Kunz an. Dazu müssten die Staatsanwaltschaft und die Ex-Freundin mitmachen. «Mit ihr hat Nef aber Stillschweigen vereinbart», gibt der Basler Strafrechtler Peter Albrecht zu bedenken. «Er ist in der Zwickmühle.» Denn seinen Job kann Nef nur noch durch eines retten: Wenn er zeigen kann, dass die Ex fantasierte, als sie der Polizei von eineinhalb Jahren Telefon-, Mail- und Internet-Terror erzählte. Dazu dürfte sie kaum ihr Einverständnis geben. Wie weiter, Herr Nef? Derzeit hat sich der Armeechef in seiner Zürcher Wohnung verbarrikadiert. Seine Anwälte richten aus: «Uns ist noch nicht klar, wie wir weiter vorgehen.»