Freitag, 4. Juli 2008

Empörung über Wachsfiguren-Kabinett in Berlin ,,Es ist geschmacklos, Hitler als Attraktion zu verkaufen!‘‘

aus Bild-online:

Nur ein paar Hundert Meter vom Holocaust-Mahnmal für die Millionen ermordeter Juden wird in Berlin der Massen-Mörder ausgestellt: Adolf Hitler in Wachs.

Hitler-Wachsfigur

Die Wachsfigur zeigt Hitler mit diabolischem Blick

Morgen eröffnet die erste deutsche Filiale von Madame Tussauds Wachsfiguren-Kabinett. Mit Beckenbauer, Merkel, Gottschalk, dem Papst, Angelina Jolie & Brad Pitt – und mit dem „Führer“ am Schreibtisch.

DARF MAN HITLER ZEIGEN WIE EINEN STAR?

Politiker, Verbände und jüdische Organisationen sind empört.

FDP-Vize Rainer Brüderle zu BILD: „Einer der größten Verbrecher aller Zeiten gehört nicht in eine Unterhaltungsausstellung neben Popstars und Sportlegenden. Es ist unsensibel und geschmacklos, in unmittelbarer Nähe zum Holocaust-Denkmal eine Hitler-Figur als Attraktion zu verkaufen.“

Hitler sitzt im Wachs-Museum an einem Schreibtisch in seinem Bunker.

Michel Friedman, Ex-Vizevorsitzender des Zentralrates der Juden, zu BILD: „Adolf Hitler im Wachsfiguren-Kabinett – das ist die Banalisierung eines der brutalsten Massenmörder der Menschheitsgeschichte. Das ist ein völlig falsches Signal einer Pseudo-Pop-Kultur, die Normalisierung des Bösen. Wäre ich dort auch ausgestellt, ich würde darauf bestehen, herausgenommen zu werden. Wer das zu verantworten hat, muss gehen.“

Grünen-Rechtsexperte und Ex-Justizsenator von Berlin Wolfgang Wieland. „Die Hitler-Wachspuppe ist obszön.“

Auf 2500 qm sind für 18,50 Euro Eintritt insgesamt 75 Wachsfiguren zu sehen. Hitler ist die 3. Figur auf dem Rundgang. Tussaud-Managerin Susanne Keller verteidigt ihren Wachs-„Führer“:

„Wir zeigen Hitler in den letzten Tagen vor seinem Selbstmord im Führerbunker als gebrochenen Mann.“ Auch sollen Besucher die Hitler-Figur weder fotografieren dürfen, noch mit ihr posieren. Kaum denkbar, wie das funktionieren soll.

Friedbert Pflüger, CDU-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, „Ich habe die Sorge, dass die Ausstellung zu einer Art Wallfahrtsstätte für Rechtsradikale wird. Hitler gehört nicht nach Berlin. Wir sind dankbar, dass wir in einer Demokratie leben und müssen nicht Diktatoren und Verbrecher in unserer Stadt zu neuen Ehren kommen lassen. Adolf Hitler in einer Abteilung mit Helmut Kohl und Willy Brandt – das ist unerträglich .

(Film nicht abrufbar)

Kommentar: Wenn schon ein Foto-, Film-, Berührungsverbot vorgesehen ist. Weshalb wurde es vor der Eröffnung für Journalisten kurzfristig aufgehoben? Im Spiegel- online ist auch ein ausführliches Video im Netz. Ich gehe davon aus, dass es vor allem kommerzielle Interessen waren, die zu dieser Oeffnung geführt haben. Damit sind aber die Bilder ständig im Netz.

Nachtrag 5. Juli (Bild online):

Die Figur von Adolf Hitler in den Räumen des Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds
Der leere Tisch nach der Attacke: Die kopflose Hitler-Figur wurde weggeräumt

Eklat bei Eröffnung des Wachsfiguren-Kabinetts Hitler-Kopf abgerissen – es war der zweite Besucher

Jetzt ermittelt der Staatsschutz

Eklat bei der Ausstellungseröffnung im Berliner Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds: Gleich der zweite Besucher des Museums hat den Kopf der Hitler-Figur abgerissen!

Samstagmorgen, kurz nach der Eröffnung um 10 Uhr. Ein Mann (41) schaut den Hitler an, berührt die Figur. Als zwei Museums-Mitarbeiter ihn davon abhalten wollen, kommt es zum Handgemenge, einer der Angestellten wird verletzt. Dann das Unfassbare:

Der Mann springt hinter den Tisch, an dem die Wachsfigur sitzt, reißt den Kopf mit einem Ruck ab!

Der Wachs-Diktator kracht auf den Boden. Der Täter war der zweite Gast überhaupt, der nach der Eröffnung das Museum betreten hatte.

Ein Augenzeuge berichtet, dass der Täter ein „normaler, unscheinbarer Typ“ gewesen sei. Dann habe er der Wachsfigur plötzlich den Kopf abgerissen und „Nie wieder Krieg“ gerufen.

Die Polizei konnte den Mann noch im Museum festnehmen. Er stammt aus Berlin-Kreuzberg und wollte gegen die Ausstellung demonstrieren. Jetzt ermittelt der Staatsschutz wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung!

Die Sprecherin des Museums, Natalie Ruoß, schockiert: „Es waren zwei Sicherheitsmänner vor Ort, die es aber nicht verhindern konnten.“ Unklar ist auch, ob die Hitler-Nachbildung wieder in die Ausstellung zurückkommt. Das hänge „vom Ausmaß des Schadens an der rund 200 000 Euro teuren Figur ab“.

Kommentar: Würde die Figur nicht mehr aufgestellt, hätte das Attentat Erfolg gehabt. Wird die Figur hinter Glas nochmals erstellt, so wird dies die Besucherzahlen bestimmt enorm beleben. So oder so: PR mässig sind die Geschichten um die Hitler Wachsfigur für das Kabinett in jedem Fall ein Erfolg.

Lesenswerter Nachtrag vom 5. Juli (Bild-online):

In Hamburg steht eine Hitler-Puppe seit 1948 unbeschädigt

Im Hamburger Panoptikum stört sich dagegen seit 60 Jahren kaum jemand an einem dort ausgestellten, wächsernen Diktator. "Die meisten Besucher haben keine Probleme damit", sagte der Chef des ältesten Wachsfigurenkabinetts Deutschlands, Hayo Faerber. Für sie sei Hitler eine Figur der Zeitgeschichte.

"Bei uns hat es noch nie Beschädigungen gegeben", versicherte der 61-jährige Faerber. Dabei steht die 1941 modellierte Figur Adolf Hitlers seit 1948 in dem Wachsfigurenkabinett an der Reeperbahn. "Ursprünglich hatte das Propaganda-Ministerium dem Panoptikum verboten, den Hitler aufzustellen. Vermutlich fürchteten sie eine Degradierung ihres Führers." So wurde die Wachspuppe zunächst eingelagert und konnte erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges präsentiert werden.

Die jährlichen Umfragen bei Besuchern zeigen, dass es kaum negative Reaktionen auf den Wachs-Diktator gibt. "Nur ein bis zwei von 1000 Gästen echauffieren sich über das Hitler-Abbild", sagte Faerber. In dem 1879 eröffneten Panoptikum sind auch Figuren anderer NS-Verbrecher wie Joseph Goebbels und Hermann Göring, aber auch von Widerstandskämpfern wie den Geschwistern Scholl zu sehen.

In London steht seit 1933 eine Hitlerfigur bei Madame Tussauds

Sie wurde schon mehrmals beschädigt. Die Puppe steht nach Angaben der BBC seit 2002 dennoch nicht mehr hinter Glas. So war sie 60 Jahre lang vor Angriffen von Besuchern geschützt worden. Viele hatten die Figur bespuckt oder auch mit Eiern beworfen.

Nach Angaben des Museums war keine andere Wachspuppe so oft Ziel von Attacken. So war der Diktator lange die meistgehasste Figur im Londoner Wachsfigurenkabinett, wie aus einer internen Umfrage des Museums hervorging. Im Jahr 2002 übernahm Osama bin Laden die Führung.

Nachtrag 12. Juli:

Die Figur von Adolf Hitler in den Räumen des Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds
Der leere Tisch nach der Attacke: Die kopflose Hitler-Figur wurde weggeräumt

Frank L. ist unpfändbar.

Zur Enthauptung des Wachs-Hitler:

Attentäter muss nichts zahlen!

Da hat Frank L. ja noch einmal Glück gehabt: Sein Anschlag auf die Hitler-Wachsfigur bei Madame Tussauds bleibt womöglich ohne finanzielle Folgen.

Bei ihm sei nichts zu holen, so der Sozialhilfe-Empfänger gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Die Berliner Justizsprecherin Katrin-Elena Schönberg bestätigte dies: „Wer 985,15 Euro oder weniger im Monat erhält, ist unpfändbar.“ Das treffe auf Hartz-IV-Empfänger zu und gelte auch, wenn die Schuld festgestellt werde.

Der 41-jährige Frank L. hatte vor einer Woche kurz nach der Eröffnung der Ausstellung dem Wachs-Diktator den Kopf abgerissen. Die Tat entfachte eine öffentliche Diskussion, ob die ohnehin umstrittene Figur wieder aufgestellt werden soll.

Das Management von Madame Tussauds will den Wachs-Hitler aber zeigen. Das sei nun beschlossen!

Kommentar:

Somit hätten alle Sozialhilfeempfänger grünes Licht, sich mit einem Attentat auf irgend ein Objekt zu rächen. Sie können nicht finazaniell belangt werden, denn man kann bei ihnen nichts holen. Frage: Wenn sie nichts bezahlen müssen, gibt es dann für Sie auch keine Freiheitsstrafe?

Donnerstag, 3. Juli 2008

Power Napping -

Das Mittagsschläfchen neu entdeckt!

Ob der Kurzschlaf über Mittag die Arbeitqualität am Nachmittag verbessert werden kann, wird immer noch von vielen Chefs bezweifelt. Sie finden: Nach einem Nickerchen sei man müder und könne nicht mehr richtig arbeiten. Nun haben Untersuchungen mit Tests gezeigt, dass sich das "Mittagsschläfchen" tatsächlich positiv auf die Arbeit auswirkt. Es gibt Firmen, die lassen deshalb Mitarbeitende in besonderen Schlafkojen ausruhen.

Photo aus Karriere Journal:

Powernapping: Schlafen am Arbeitsplatz

Ein kurzes Nickerchen am Schreibtisch - das wünscht sich fast jeder, doch in der Regel traut sich keiner. Dabei hätte die kurze Entspannungsphase im Büroalltag durchaus ihren Sinn: Experten betonen seit langem, dass ein kurzer Schlaf zur Mittagszeit die Leistung steigert. [Karriere Journal]

In den Vereinigten Staaten hat das Mittagsschläfchen schon seit einiger Zeit eine Renaissance erfahren, und zwar unter dem neunen Namen «Power Napping». Der «Power Nap» findet im Unterschied zum normalen Mittagsschläfchen offiziell am Arbeitsplatz statt und lässt die Leistungskurven der Mitarbeiter in die Höhe schnellen, dies sagen verschiedene Studien.

Verschiedene berühmte Persönlichkeiten legten sich erwiesenermassen über Mittag gern aufs Ohr. So: Winston Churchill, Konrad Adenauer, sowie Napoleon, Albert Einstein oder auch Salvador Dalí. Niemand kann ihren deswegen Untätigkeit vorwerfen. Churchill verteidigte sein mittägliches Schlafritual mit den Worten: «Zwischen Mittagessen und Abendessen muss man schlafen (. . .), denken Sie bloss nicht, dass Sie weniger Arbeit schaffen, wenn Sie am Tag schlafen. Das ist eine dumme Idee von Leuten ohne Vorstellungsvermögen. Sie werden sogar mehr bewerkstelligen. Sie bekommen zwei Tage in einem - nun, mindestens eineinhalb, da bin ich mir sicher.»

Das Maschinenzeitalter hatte mit siesta-ähnlichen Pausen nichts mehr am Hut

Heute schläft der Mensch wesentlich weniger als noch in früheren Zeiten. Das Maschinenzeitalter liess keine Siesta mehr zu. In den USA (nach einem Bericht der Cornell-Universität im amerikanischen Bundesstaat New York) schlief der Durchschnittsamerikaner im 19. Jahrhundert rund zehn Stunden, heute sind es nach diesem Bericht nur noch sieben Stunden. Ein Drittel der Amerikaner soll sogar weniger als sechs Stunden schlafen. James B. Mass, der der Cornell - Universität hat einen Mittagsschlaf-Versuch mit einer repräsentativen Personengruppe durchgeführt hat. Er kommt zum Schluss, dass ein 20-minütiges Nickerchen - ein sogenannter «Power Nap» - hilfreich sei. Der "Nap" wirke erfrischend, steigere die Konzentration, die Motivation und senke die Fehlerquote. Der Schlafforscher William Anthony von der Universität Boston setzt sich sogar für einen den nationalen Tag des Mittagsschlafs am Arbeitsplatz ein («National Workplace Napping Day»). Es gibt Unternehmen in den USA, die haben diese Idee aufgenommen und bieten ihren Angestellten Räumlichkeit und Gelegenheit zum offiziellen Minischlaf am Arbeitsplatz an.

Lieber Schlafen als Sport in der Mittagspause

Prof. Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Universität Regensburg, Deutschland, Autor zahlreicher Publikationen zum Thema «innere Uhr», teilt die Einschätzung seiner amerikanischen Kollegen über die leistungssteigernde Wirkung des Mittagsschlafs. Die positive Wirkung sei belegt. Wer über Mittag kurz schlummere, gehe am Nachmittag erfrischt und konzentrierter ans Werk, betont Zulley. Der Körper erfährt im Laufe von 24 Stunden zwei Leistungstiefs, eines während der Nacht, das zweite um die Mittagszeit, wobei letzteres schwächer ausgeprägt ist als das nächtliche. Ueber Mittag müsse nicht zwingend geschlafen werden, eine Ruhepause entspreche bereits der biologischen Grundausstattung des Menschen, sagt dieser Schlafforscher. Wer jedoch ausgerechnet zu dieser Zeit ins Fitnesscenter geht - typische «Büromenschen» neigen heute recht häufig dazu -, handelt nach schlafmedizinischen Erkenntnissen gegen die innere Uhr. Vom Sport über Mittag sei daher abzuraten. Das Mittagschläfchen ist somit keine Modeerscheinung . Die Renaissance des Nickerchens kommt nicht zuletzt daher, weil die Siesta in Europa (aber auch in Asien) eine alte Tradition hat.

Dennoch hat das Mittagsschläfchen immer noch ein Imageproblem

Das offizielle Nickerchen wird oft als Schwächezeichen gesehen. So nehmen Unternehmen lieber in Kauf, dass am Nachmittag weniger gut gearbeitet als dass man den Mitarbeitenden ein Schläfchen offiziell erlaubt oder gar mit entsprechenden Infrastrukturen ermöglicht. Es ist durchaus vorstellbar, dass in vielen Betrieben trotzdem über Mittag geschlafen wird, nur heimlich.

Und in der Schweiz?

Wie verträgt sich das Mittagsschläfchen mit der schweizerischen Arbeitsmoral? Das Pharmaunternehmen Roche weist immerhin in einem Ratgeberartikel über den Schlaf auf die Möglichkeit eines Nickerchens bei Tage hin. Bei den Angestellten hat sich der «Power Nap» noch nicht etabliert, wie Sprecher Horst Kramer sagt. Der Mittagsschlaf sei aber keine «unbekannte Grösse». Bei Roche gibt es einen Aufenthaltsraum, eine Cafeteria und eine Bibliothek, die sich für die Pause anbieten. «Power Napper», meint Kramer, brauchen auch nicht unbedingt einen speziellen Raum, um ihr Mittagsschläfchen zu absolvieren, sehr wohl könne auch am Arbeitsplatz selbst, also am Bürotisch, ein kurzes Nickerchen eingelegt werden.

Bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers ist der «Power Nap» ein Thema, und zwar in Zusammenhang mit dem baldigen Bezug eines neuen Gebäudes in Zürich Oerlikon mit dem Namen «Cityport», wie Sprecherin Claudia sagte. Hier sollen den Unternehmensberatern Räume fürs «Energieschlafen» zur Verfügung stehen. Bei IBM ist der «Power Nap» bereits institutionalisiert, zumindest was die Infrastruktur angeht. Schon seit sechs Jahren, sagt Sprecherin Susanne Orozco, steht der Belegschaft ein Ruheraum mit drei Liegematten und einer Sitzgruppe für eine Auszeit oder ein Mittagsschläfchen zur Verfügung. Der Ruheraum kam auf Grund einer Mitarbeiterinitiative zustande und hat heute eine Art Stammkundschaft.

So auch beim Universitätsspital Zürich. Nach Susanna Wittek, Präsidentin des Personalausschusses, werden die beiden zur Verfügung stehenden Ruheräume mit Liegemöglichkeit rege benutzt, vor allem zwischen 12 Uhr 30 und 13 Uhr 30. In Zeiten der Raumknappheit allerdings, räumt Wittek ein, müsse man die Ruheräume zuweilen bei der Direktion durchaus verteidigen, zumal die Auslastung über den ganzen Tag gesehen eher bescheiden sei.

Beim Bund wurde nicht nachgefragt. Wahrscheinlich geht man davon aus, dass Beamte ohnehin während der Arbeit genügend schlafen können.

Ich zitiere Wikipedia:

Tagschlaf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

(Weitergeleitet von Superschlaf)
Mittagsschlaf in der Öffentlichkeit

Mittagsschlaf in der Öffentlichkeit

Tagschlaf (auch: Tagschlafepisode) bezeichnet einen Schlaf außerhalb der nächtlichen Hauptschlafphase. Am bekanntesten ist er in Form des Mittagsschlafes. Er sollte zwischen 5 und 90 Minuten dauern, um den Körper zu regenerieren. Nach Meinung von Schlafforschern erhöht sich durch einen kurzen Tagschlaf die Konzentrations-, Leistungs- und Reaktionsfähigkeit.[1]

Es gibt verschiedene umgangssprachliche Ausdrücke wie Schläfchen, Nickerchen, Mittagsschlaf, Energieschlaf, Catnap, Nicker oder Superschlaf. Das Nickerchen in der Öffentlichkeit wird in Japan als Inemuri bezeichnet.

In verschiedenen Kulturen werden kurze regenerative Pausen wie die Siesta gepflegt.

Powernapping

Eine moderne Anwendung ist der Power nap (englisch, Kraftnickerchen) bzw. das Powernapping, das als Bezeichnung für leistungsfördernden Kurzschlaf in Unternehmen gebraucht wird. Powernapping ist ein kurzer Schlaf, üblicherweise zwischen 15 und 30 Minuten lang. Der Ausdruck leitet sich von den englischen Ausdrücken power = Kraft und nap = Nickerchen ab. Um vom täglichen Stress abschalten zu können, bieten fernöstliche und US-amerikanische Firmen Ruheräume an. Innerhalb einer kurzen Schlafphase sollen Mitarbeiter neue Energie tanken. Man sollte beim Powernapping jedoch vermeiden, länger als 30 Minuten zu schlafen, da man nach etwa dieser Zeit in tiefere Schlafphasen fällt. Die Leistungsfähigkeit steigt zwar kurzfristig, nimmt dann jedoch schnell wieder ab. Ein paar Minuten Schlaf zu Mittag steigern aber nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern senken auch das Risiko auf einen Herzinfarkt. Einer griechischen Studie mit 23500 Probanden zufolge senkt der Mittagsschlaf das Herzinfarktrisiko um 37 Prozent.

Aus Innovations report:

Kurze Nickerchen kehren Informationsflut um Die Beweise häufen sich, dass Schlaf, selbst wenn es sich nur um ein Nickerchen handelt, die Informationsverarbeitung bzw. Lernprozesse verbessert. Experimente am National Institute of Mental Health (NIMH) und an der Harvard University haben gezeigt, dass ein Mittagsschläfchen eine Informationsflut umkehren kann. Ebenso zeigte sich, dass eine 20-prozentige Verbesserung im Erlernen motorischer Fähigkeiten über Nacht großteils auf den Morgenschlaf zurückzuführen ist. Die Forscher resümieren aber trotzdem, dass das menschliche Gehirn den Nachtschlaf zur Festigung der während des Tages erlernten Fähigkeiten benötigt. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature Neuroscience schreiben, schritt das so sogenannte "Burnout" (gemeint sind Frustration, Verärgerung und schlechtere Leistungen bei geistigen Aufgaben), im Laufe eines Übungstages unter den Probanden voran. Die Testpersonen mussten einen Sehtest absolvieren und die horizontale bzw. vertikale Orientierung von drei diagonalen Stäben gegen horizontale Stäbe in der linken unteren Computer-Bildschirmhälfte bestimmen. Die Ergebnisse verschlechterten sich im Lauf von vier Übungseinheiten. Wurde den Probanden nach der zweiten Einheit ein 30-minütiger Schlaf gewährt, kam es zu keiner weiteren Verschlechterung. Ein einstündiger Schlaf verbesserte die Leistung in der dritten und vierten Einheit auf das Start-Niveau.

Power Napping

Das Team um Robert Stickgold von der Harvard University geht davon aus, dass das neurale Netzwerk in der Sehrinde des Gehirns durch wiederholte Tests stufenweise mit Informationen übersättigt wird und dieses Areal so von einer Weiterverarbeitung der Wahrnehmung abhält. Es könnte sein, dass ein Burnout "ein Mechanismus des Gehirns ist, Informationen zu erhalten, die zwar weiterverarbeitet wurden, sich aber durch den Schlaf noch nicht im Gedächtnis zusammen gefügt haben", so die Forscher. Das Harvard-Team ergänzte das Testprogramm mit Aufgaben, die motorische Fähigkeiten und die Rolle des Schlafes verknüpften. Wie Stickgold darüber hinaus in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Neuron erklärte, führte der Morgenschlaf (zwei Stunden vor dem Erwachen) dazu, dass Fingertippübungen um 20 Prozent schneller ausgeführt werden konnten. Dabei mussten Rechtshänder eine Zahlenfolge mit der linken Hand so schnell und genau wie möglich 30 Sekunden lang tippen.

Siehe Beitrag in rhetorik.ch: Stichwort "Saegeblatteffekt" im Inhaltverzeichnis unter S anklicken

Mittwoch, 2. Juli 2008

Kurt Beck: Es geht kaum noch tiefer

Es wundert uns nicht, dass Kurt Beck den Tiefpunkt vertiefen konnte. Sein Lavieren, sein widersprüchliches Verhalten schadete dem Politiker enorm. Ich habe über Becks Schönfärberei ausführlich geschrieben.

(Setzen Sie im Suchfenster rhetorik.ch den Namen Kurt Beck ein und Sie finden alle Analysen über Beck)

Ich zitiere n-tv.de:

Nur zehn Prozent: Beck ganz unten

Nur noch zehn Prozent

Beck ganz unten

SPD-Chef Kurt Beck erreicht bei der Präferenz der Deutschen in der Kanzlerkandidaten-Frage einen neuen Tiefststand. Nach der wöchentlichen Forsa-Umfrage sprechen sich nur zehn Prozent der Befragten für einen Kanzler Beck aus. Für Beck ist dies der niedrigste Wert seit seinem Antritt als SPD-Chef im April 2006. Die FDP erreicht dagegen Höchstwerte.

Kommentar: Uneinsichtigkeit macht sich nie bezahlt. Ein "Mea culpa" hätte Beck retten können.

Kurt Beck schafft es offenbar nicht in die Herzen der Deutschen.

Dienstag, 1. Juli 2008

Falsch verstandene Gleichberechtigung

Die Frauen scheinen den Hunger nach Gleichberechtigung auch beim Rauchen gestillt zu haben. Die Männer hatten früher viel mehr Lungenkrebs als die Frauen. Seitdem die Frauen es den Männern gleichgetan haben, stieg der Anteil der Lungenkrebspatientinnen enorm an. Früher dominierte bei den Frauen der Brustkrebs. Durch das vermehrte Rauchen hat es bald so viele Lungenkrebskranke wie Brustkrebskranke.

Immer mehr Frauen erkranken an Lungenkrebs.

Kommentar: Es wäre eine falschverstandene Gleichberechtigung, wenn die Frauen glauben, sie müssten auch die gleichen Fehler der Männer machen dürfen, damit sie auch gleich viel Lungenkrebskranke haben.

Montag, 30. Juni 2008

Mobbing: Internet ermöglicht es, Leute an den Pranger zu stellen

Quelle 20 Min-online:

«Internet öffnet Mobbing und Diffamierung Tür und Tor»

Im Internet werden laut Hanspeter Thür die Persönlichkeitsrechte oft systematisch verletzt. Der Datenschützer fordert deshalb ein strengeres Vorgehen.

Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, rechts, spricht an der Seite seines Stellvertreters Jean-Philippe Walter an einer Medienkonferenz in Bern, umzingelt von Kameras. (Bild: Keystone)

Internetseiten, die anonyme Bewertungen von Angehörigen bestimmter Berufsgruppen wie Ärzte, Anwälte oder Professoren ermöglichten, öffneten der Diffamierung Tür und Tor. Zur Bekämpfung des «Internetmobbings» müsse der Ehrverletzungstatbestand schärfer gefasst werden.

Bei der Präsentation seines Jahresberichtes sagte Thür am Montag in Bern, dass die technischen Möglichkeiten die Hemmschwelle zur unbefugten Beschaffung von Daten deutlich herabgesetzt hätten. Früher habe man in die Privaträume eindringen und sich strafbar machen müssen, heute werde das «viel eleganter» gemacht.

Notbremse gezogen

Als Folge der Terrorbekämpfung häuften sich ausserdem legale und illegale Bespitzelungsaktivitäten, sagte Thür. Unter Berufung auf die Staatsräson würden rechtsstaatliche Prinzipien ausgehebelt. Auch der Bundesrat wolle die Kompetenzen für den Lauschangriff der Geheimdienstler massiv ausbauen.

Zum Glück habe die Rechtskommission des Nationalrates die Notbremse gezogen, indem sie das Bundesgesetz zur Wahrung der inneren Sicherheit (BWIS) an den Bundesrat zurückweise: «Wir wollen nicht mit Sicherheit untergehen,», sagte Thür. Die Tätigkeiten der Staatsschutzorgane müssten «sehr eng» begleitet werden.

Kommentar: Das Internet bietet tatsächlich eine Plattform, um unliebsame Mitbürger an den Pranger stellen. Schlimm ist es, wenn jedermann Aerzte beurteilen kann - anonym - und problemlos rufschädigende Aussagen machen kann, die nicht belegt sind. Alles unter dem Aspekt. Aerztebeurteilung. Das Internet darf nicht als Plattform für Racheaktionen und mobbingähnlichen Machenschaften missbraucht werden können. Hier gibt es Nachholbedarf. Ich habe schon früher darauf hingewiesen, dass die Methode, sich bei Lehrkräften im Internet zu rächen, erst genommen werden muss. In diesem Bereich müssen wir hellhöriger werden.

Angie und der König Fussball --

Nach dem EM-Finale: Große Koalition und Kanzlerin zurück zum Alltag

(Foto Bild.de)

Schlussspiele (Europa- oder Weltmeisterschaftsschlussrunden) haben für Staatschefs und Politiker eine der höchsten Prioritäten. Die Präsenz zeigen ist ein MUSS! Nie können Sie sich sonst mit so wenig Aufwand einem Millionenpublikum zeigen. Ich zweifle jedoch daran, dass die Begeisterung der Politiker für den Sport die eigentliche Triebfeder zu diesen zelebrierten Huldigungen ist.

Im Schlussspiel war Bundespräsident Couchepin und Bundeskanzlerin Merkel immer wieder zu sehen. Das ist gratis Marketing.

Ich zitiere blick-online:

Bewunderung für Michael Ballack.

(Reuters)

«Flying Angie», nannte sie SF-Kommentator Beni Thurnheer, als Angela Merkel im Fussball-Krimi gegen die Türken einmal mehr aufsprang. Leidenschaftlich war die Kanzlerin bei jedem Spiel dabei, fieberte mit, klatschte, jubelte, lästerte bei Schiedsrichterentscheiden und fachsimpelte mit den Experten aus der Fussballwelt.

«Angie», der Fussball-Coach der Nation

Als Jogi Löw im Spiel gegen Österreich auf die Tribüne verbannt wurde, war sie die Erste, die sich bei ihm nach den Gründen dafür erkundigte. Als die Deutschen die Türken aus dem Rennen schickten, war «Angie» ebenso nicht zu halten und sprang hoch. Und als die deutsche Elf sich gestern gegen die Spanier geschlagen geben musste, fand die Kanzlerin für jeden Spieler tröstende Worte. Und besonders Captain Michael Ballack wurde von Frau Merkel geherzt und gelobt.

Da könnte man doch meinen, dass Angela Merkel sich ganz mächtig in die Herzen der Deutschen gefant hat.

Doch nur 45 Prozent der Deutschen glauben laut «Bild am Sonntag», dass die CDU-Chefin Ballverständnis hat.

Ende Zitat

Kommentar: Auch wir glauben nicht, dass es in erster Linie der Fussballsport ist, der die Bundeskanzlerin auf die Tribüne treibt. Ich habe Verständnis für all jene, die sagen: Eine Politikerin muss sich bei solchen Gelegenheit unbedingt zeigen. Denn sie darf die Chance nicht verpassen - bei Millionen von Stimmberechtigten - in erste Linie für sich zu werben. Wahrscheinlich würde die Kanzlerin selbst wichtige politische Termine zugunsten dieses Auftrittes im Stadion platzen lassen.

Sonntag, 29. Juni 2008

Bunderat Schmid und die Missen -

Bundesrat Schmid ist nicht nur Verteidigungsminister. Er ist auch für den Sport verantwortlich. Somit ist es legal, wenn er sich um die Tour de Suisse kümmert. Sauer aufgestossen ist lediglich, dass sich der oberste Chef der Armee am Tag der Beerdigung nicht bei den Angehörigen der verunglückten Wehrmännern zeigt, sondern sich bei der Tour de Suisse mit zwei hübschen Missen ablichten lässt. Dieses Verhalten wird von einem Ethik - Professor als "geschmacklos" bezeichnet.

Gut gelaunt Schmid posiert strahlend für den Fotografen. (Patric Spahni)

Ich zitiere Sonntagsblick:

Links und rechts eingerahmt von zwei Schönheiten, der schwarzhaarigen Bianca Sissing (29) und der blonden Christa Rigozzi (25) strahlt Samuel Schmid (61) wie ein Maikäfer in die Kamera. In Gesellschaft von Ex-Missen fühlt sich der Verteidigungsminister offenbar pudelwohl. Dieses harmlose Bild kommt aber sehr schlecht an.

Denn aufgenommen wurde es am Freitag, dem 20. Juni. Das war der Tag, an dem die ganze Schweiz trauerte, an dem sie für immer ­Abschied nahm von vier Soldaten ihrer Armee.

Emmen LU Abschied von Marc Waldispühl.

Am Morgen, um 9.15 Uhr, wird Oberwachtmeister Marc Waldispühl (†27) in Emmen LU zu Grabe getragen; um 14 Uhr dann Oberleutnant Patrick Wieland (†27), in Bättwil SO, Fourier Christian Mühlebach (†25) in Greifensee ZH und Wachtmeister Roby Ovcar (†33) in Buchs ZH. Sie haben beim Bootsdrama auf der Kander ihr Leben verloren – im Dienst ihres Landes.

Verteidigungsminister Schmid ist oberster Verantwortlicher der Armee. Er hielt es nicht für nötig, an den Trauerfeiern teilzunehmen. Doch am selben Tag eilte er an die Tour de ­Suisse nach Lyss BE – in ziemlich spontaner Mission. «Er meldete sein Kommen erst am Vortag an», so der Medienchef des Sportanlasses, Kurt Henauer, zu SonntagsBlick. Das war am Tag vor den bewegenden Abdankungszeremonien. Schmid wollte bei der Ankunft der Radrennfahrer in seiner Heimat unbedingt dabei sein – zumal dank des Berners Fabian Cancellara (27) schon da ein Schweizer Sieg absehbar war.

Unter dem Applaus Tausender ­Zuschauer gratuliert Schmid gegen 18.30 Uhr dem Sieger. Dann geht er von der Bühne. Dort trifft er auf Fotograf Patric Spani, der für den Tour-de-­Suisse-Hauptsponsor Würth fotografiert. Ob der Herr Bundesrat kurz mit den beiden Missen posieren könne? Kein Problem – und das Bild mit dem strahlenden Schmid ist im Kasten. Die «Weltwoche» druckte es.

Mangelndes Feingefühl?

Aber: Hat Schmid denn gar kein Mitgefühl? Ist er sich nicht bewusst, dass kein halbwegs professionell beratener Chef an einem Volksfest auftritt, oder gar herumschäkert, wenn am selben Tag mehrere seiner Mitarbeiter beerdigt werden?

«Geschmacklos», findet der Ethik-Professor an der Uni Lausanne, ­Alberto Bondolfi dieses Verhalten.

Auch Politiker reden inzwischen Klartext, quer durch alle Parteien: «Samuel Schmids Auftritt an der Tour de Suisse zeugt von fehlender Sensibilität gegenüber den Opfer­familien und von falscher politischer Prioritätensetzung», sagt SP-Präsident Christian Levrat (37).

Die Zürcher FDP-Nationalrätin und Kommunikationsexpertin Doris Fiala (51): «Ich kenne die Hintergründe nicht, bin aber der Meinung, dass Samuel Schmid die Prio­ritäten bei einem so schweren ­Unglück bei den Trauernden hätte setzen müssen.» Der katastrophen­erprobte Urner Ex-FDP-Präsident Franz Steinegger (65) pflichtet seiner Parteikollegin bei: «Die Frage kann man sich stellen, ob das ein geglückter Auftritt war. Aber man muss berücksichtigen, dass Schmid nicht nur Anforderungen als Verteidigungs-, sondern auch als Sportminister zu erfüllen hat.»

Nicht einmal seine Bundesratskollegen verstehen Schmids Auftritt und geben sich diplomatisch: «Ich möchte zu dem Thema nichts sagen», so Hans-Rudolf Merz (65) gestern am FDP-Parteitag zu SonntagsBlick. Ebenso Moritz Leuenberger (62), der gestern in Davos GR weilte. Auch für CVP-Präsident Christophe Darbellay (37) und den Zürcher Ständerat Felix Gutzwiller (60, FDP) ist das Thema zu gefühlsbeladen für einen Kommentar.

Am Rande einer Medienkonferenz konfrontierte SonntagsBlick Samuel Schmid mit der zunehmenden Kritik.

Er sei von den Missen «überrumpelt» worden: «Ich hatte gerade zu meinen Truppen gesprochen und drehte mich um, und dann standen da diese beiden Damen. So war das.»

Schmid glaubt nicht, dass es sensibler gewesen wäre, an einer Trauerfeier teilzunehmen als an der Tour de Suisse: «Als Bundesrat habe ich eine Vielzahl von Aufgaben zu erfüllen, und an einem Velorennen dem Sieger zu gratulieren gehört manchmal auch dazu.» Und: «Sie wissen, es waren vier Beerdigungen am gleichen Tag, und wenn Sie mir eine Lösung haben, wie ich überall hätte präsent sein sollen, dann sagen Sie es mir.» Er habe deshalb einzig an der zentralen Feier vom Dienstag in Thun BE teilgenommen und ­seine Generäle an die einzelnen Abdankungsfeiern delegiert.

Angehörige der toten Soldaten wollten sich nicht äussern. Im Gegensatz zu Dorothee Buchs (49), die vergangenen Sommer ihren Sohn Bojan (†22) beim Rekruten­drama an der Jungfrau verloren hat: «Schmid ist ein Showman. Ich glaube nicht, dass seine Gefühle echt waren, als er in Andermatt von unserem Sohn und den anderen fünf Rekruten Abschied nahm. ­Seither haben wir nichts mehr von ihm gehört.» 

Kommentar: Selbstverständlich kann ein Bundesrat nicht an alle Beerdigungen gehen. Es stimmt: Bundesrat Schmid nahm an der zentralen Feier in Thun teil. Doch ist seine Selbstschutzbehauptung (er sei überrascht worden) dürftig und billig. Wenn er sagt:

Ich bin von den Missen «überrumpelt» worden: «Ich hatte gerade zu meinen Truppen gesprochen und drehte mich um, und dann standen da diese beiden Damen. So war das.»

Mit dieser plumpen Ausrede sich der Chef VBS unglaubwürdig.

Ein Politiker muss mit Ueberraschungen umgehen können. Das Bild belegt, dass Samuel Schmid nicht durch einem Schnappschuss fotografiert worden ist. Er ist sicher nicht überrascht worden. Die Aufnahme ist vorbereitet worden. Alle drei Personen posieren bewusst vor der Kamera. Die Selbstschutzbehauptung mit dem Umdrehen erinnert mich an die plumpe Ausrede Calmy-Reys als sie in Iran mit dem fragwürdigen Machthaber lachend abgelichtet worden war (Die Aufnahme kam in der Weltpresse und es folgte ein enormer Medienwirbel). Die Aussenministerin behauptete ebenfalls im Nachhinein, man hätte ihr gerufen, sie hätte sich dann umgedreht und über die sonderbare Situation gelacht. So sei jene fragwürdige Aufnahme unfreiwillig entstanden.

Solche offensichtlichen billigen Begründungen sind kontraproduktiv. Sie sind unglaubwürdig. Selbst Laien durchschauen solch faule Ausreden. Dies schadet letztlich nur dem Image der Institution.

Bundesrat Schmid - der zu Zeit ohnehin im Fokus der Kritik steht, hätte in diesem Fall besser geschwiegen.

Schon letzte Woche gab es zu denken, als er bestritt, die Armee befinde sich bei der aktuellen Geschichte nicht ein einer Krise. Das mag zwar zutreffen. Denn nicht die ganze Armee befindet sich in einer Krise. Dennoch hat das Schlauchbootunglück die Armee - wie vor einem Jahr beim Jungfraudrama - die Armee und die Führungsspitze in eine Krisensituation gebracht. Die Institution musste beweisen, dass niemand in Krisenkommunikationen den Kopf verlieren darf. Für mich tönte die Aussage Schmids so, als sei die Armee bei diesem Unglück auch nicht mit einer Krisensituation konfrontiert worden. Mich hat bei meinen Analysen vor allem interessiert, wie das VBS die jüngste Krisensituation kommunikationsmässig managt. Ich wies in den Beiträgen (rhetorik.ch) auf die schlimmsten Fehler hin, die unter Druck entstehen - damit Leser daraus lernen können. Uebrigens hat die Armee erfreulicherweise von den gravierendstenen Kommunikationspannen nach dem Jungfrauunglück bereits Einiges gelernt und diese Lernpunkte merkbar umgesetzt.

Wir können immer aus Fehlern lernen! Auch jetzt wieder.