Mittwoch, 5. Dezember 2007

Cannabis wird wohl kaum legalisiert werden

Die Volksinitiative «für eine vernünftige Hanfpolitik mit wirksamem Jugendschutz» hat derzeit im Parlament einen schweren Stand.

Was will eigentlich diese Volksinitiative «für eine vernünftige Hanfpolitik»?

Die Initiative möchte auf Verfassungsstufe festlegen, dass Konsum, Besitz und Erwerb von Cannabis straffrei wird, genauso der Anbau von Cannabis für den Eigenbedarf. Der Bund müsste Vorschriften über Anbau, Herstellung, Ein- und Ausfuhr sowie über den Handel mit Cannabis erlassen. Ein Verbot des Verkaufs an Minderjährige soll zudem dem Jugendschutz angemessen Rechnung tragen.

Der Bundesrat empfiehlt dem Parlament, die Initiative abzulehnen

Der Bundesrat will die Cannabisfrage nicht losgelöst von der restlichen Suchtpolitik regeln.

4-5 % konsumieren bereits Cannabis In der jüngsten Gesundheitsbefragung (2002) gaben 4,6 Prozent der 15- bis 64-Jährigen an, Cannabisprodukte zu konsumieren. Man könnte sich somit auf den Standpunkt stellen, dass man mit Verboten nicht weiter kommt. Denn Leute wieder cleen zu kriegen, sei kaum mehr möglich. Anderseits könnte man der schleichenden Tolerierung und der nachsichtigen Drogenpolitik die Schuld zuschieben, weil man jahrzehntelang keine klaren Grenzen mehr gesetzt hatte.

Wie schädlich ist Kiffen?

Eine jüngst veröffentlichte Studie des Berner Inselspitals weist darauf hin, dass regelmässiges Kiffen zu schweren Lungenschäden führen kann. Bei 17 Kiffern im Alter von 17 bis 43 Jahren, die im Schnitt seit 8,8 Jahren täglich mehrere Joints geraucht hatten, fanden die Ärzte in der Lunge grössere Löcher in Form von Luftblasen. Zudem konnten die Ärzte in der Lunge der Kiffer als Entzündungsherde wirkende Cannabisfasern nachweisen. Eine frühere Zürcher Studie verweist auf einen Zusammenhang zwischen regelmässigem Cannabiskonsum und Schizophrenie.

Gibt es einen medizinischen Nutzen des Wirkstoffes THC?

THC, in der richtigen Dosierung, kann zur Appetitsteigerung, Muskelkrampflinderung und Schmerzhemmung zum Beispiel bei Aids- oder Krebspatienten beitragen. Pharmakologe Rudolf Brenneisen vom Inselspital befürchtet nun aber den politischen Missbrauch der Berner Studie, da die Ergebnisse den Weg zur Legalisierung des Hanfs zwecks medizinischer Verwendung erschweren könnten. Brenneisen ist zudem grundsätzlich skeptisch, was die Aussagekraft der Studie angeht: Neun Jahre lang täglich sechs Joints zu rauchen, das könne nicht gesund sein – um das zu erkennen, müsse man aber keine Studie machen.

Kiffen zur Leistungssteigerung oder lähmt es die Leistungswilligkeit? Eine neuere Studie der Uni Lausanne, die 5263 Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren befragte, kam zum Schluss, dass GELEGENHEITSKIFFER bessere schulische Leistungen erbringen als Gleichaltrige, die kiffen und rauchen. Gelegenheitskiffer wären sogar tendenziell beliebter.

Was anderseits auch festgestellt wurde:

REGELMAESSIGES Kiffen beeinträchtigt eindeutig die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Die Frage, ob Cannabis eine Einstiegsdroge ist, bleibt umstritten

Dass jedoch Jugendliche, die rauchen und kiffen - eher den Weg zu härteren Drogen finden, leuchtet immerhin ein.

Jugendliche sind gegen eine Legalisierung

Ich zitiere Tagesanzeiger online: Arlena Frey ist 17 und Gymnasiastin an der Kantonsschule Küsnacht. Eine politisch interessierte junge Frau, die sich als Mitte-links einstuft. sagt: «Bei uns ist Kiffen extrem in Mode. Man findet es cool, weil es verboten ist.» Arlena Frey selber gehört nicht zu den Hanffreunden, ganz im Gegenteil: Sie ist klar gegen die Legalisierung von Cannabis.

Diese Position hat sie jüngst auch an der Jugendsession in Bern vertreten - überraschend im Einklang mit der grossen Mehrheit. Im Verhältnis 3 zu 1 fordern die 200 Jugendlichen zwischen 17 und 21 das eidgenössische Parlament auf, eine Legalisierung von Hanf zu bekämpfen, weil frei erhältliche Joints «eine falsche Signalwirkung» hätten und weil die Langzeitschäden unklar seien. Sobald man das Kiffen zulasse, glaubt Arlena Frey, «suchen sich die Jugendlichen einfach eine andere illegale Droge für den Kick, und die anderen sind noch gefährlicher.» In ihrer Klasse seien heute die Hälfte der Schüler regelmässige oder gelegentliche Kiffer. «Sie kiffen meistens am Mittag, und am Nachmittag merkt man dann, dass sie unkonzentriert und extrem gleichgültig sind. Es ist anstrengend mit denen.» Anstrengend auch für die Lehrer, doch ein paar von ihnen würden einfach die Augen vor dem Problem verschliessen, kritisiert die Schülerin. Keine Vereinigung von Linken mehr Dass die Jugendsession sich derart klar gegen die Legalisierung von Cannabis wehrt, so etwas wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. «Diese Session ist eben nicht mehr eine Vereinigung von 200 Linken», sagt Projektleiter Christoph Musy, «in den letzten zwei, drei Jahren hat sich der Kern in die Mitte verlagert.» «Die Jugend wird pragmatischer. Ideologien verlieren an Bedeutung.» Ende Zitat

Nach Jahren des Laissez-faire mit unzähligen Hanfläden und einer scheinbar in Griffnähe liegenden Entkriminalisierung hat die Stimmung krass umgeschlagen. Der im Vergleich zu früher massiv höhere THC-Gehalt von Hanfstauden sowie Studien über mögliche gesundheitliche Schäden prägen die öffentliche Wahrnehmung von Cannabis als Problem.

Kommentar: Wie in der Erziehung wurde allmählich erkannt, dass es in allen Bereichen nicht ohne Grenzen geht, Grenzen, die beachtet werden müssen. Es ist für Jugendliche, für Eltern und Lehrkräfte viel einfacher, wenn sie sich an Leitplanken halten können. Grenzen nur deshalb aufzugeben, weil sie von vielen missachtet werden, wäre genau so fahrlässig, wie wenn wir die Geschwindigkeitsvorschriften nur deshalb lockern, weil sich nur noch wenige daran halten.

Nachtrag 10.12.07

Hanf-Initiative bachab geschickt

Kiffen soll in der Schweiz verboten bleiben. Der Nationalrat hat die Hanf-Initiative mit 106 zu 70 Stimmen abgelehnt. Die bürgerliche Mehrheit begründete ihre Ablehnung mit dem Jugendschutz.

Nachlese 11. Dez.07

Mit dem Strafrecht lassen sich keine Suchtprobleme lösen, schreibt am 11.12.07 der Tagesanzeiger. Die Erschwerung des Konsums kann jedoch unzählige Jugendliche vor dem Einstieg in die Drogenwelt abhalten.

Ich habe in den 68er Jahren in Zürich viele Kantonsschüler gekannt, die damals unter dem Gruppendruck und der Duldung des Kiffens - dank der Gelegenheit - in die Drogenwelt gerieten.

abgeben. Verbote haben auch da etwas gebracht.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Angela Merkel wird heute von SPD Wählern akzeptiert. Weshalb?

In erstaunlich kurzer Zeit hat es Merkel geschafft, was man ihr vor der Wahl kaum zugetraut hatte: Sie verschaffte sich Respekt, sie gewann Punkte, langsam und zäh. Ohne polterndes Auftreten, jedoch durch einen vergleichsweise zurückhaltenden Politikstil. Den empfinden viele Bürger als wohltuend, nach den zum Teil hektischen Jahren Schröder/Fischer.

Doch es liegt nicht nur daran, dass bei Befragungen über eine Direktwahl der Kanzlerin sogar fast die Hälfte der Grünen-Anhänger sich für Merkel aussprechen. Mögliche Ursachen: Die Bundeskanzlerin ist eine Anti-Konservative. Vom Habitus und ihrer Herkunft, ihren Überzeugungen nach. Wenn es um Befindlichkeiten in der eigenen Partei geht, könnte dies zwar ein Nachteil sein. Die Wirkung nach aussen ist jedoch positiv und findet breite Unterstützung: Ihre Äusserungen, bespielsweise zur Familien- und Kinderpolitik, aber auch zur Chinapolitik. Nach den Umfragewerten politisiert Merkel nicht konservativ. Sie politisiert eher links und progressiv.

Zum neuen Grundsatzprogramm

Das neue Grundsatzprogramm, das die CDU am Montag in Hannover verabschiedet hatte, ist ein typisches Merkel-Programm: Klima- und Umweltschutz, Familiensplitting, Ausbau der Kinderbetreuung, Menschenrechte (Alles Grüne und rote Anliegen!

Steuer- und Finanzpolitik ist für Merkel eher eine trockene Angelegenheit. Emotional ist sie bei den Fragen, welche die Sozialdemokraten beackert haben: Bei Themen, die in den Medien behandelt werden und das Volk bewegt. Es sind vor allem die Themen des gesellschaftlichen Überbaus.

Die CDU ist, anders als die SPD, immer unideologisch gewesen. Programme waren ihr nie so wichtig, wie die auf Schrift und Wort fixierte Linke. Was nützlich war, wurde eingemeindet. Dass viele sie für konservativ halten und hielten, konnte und kann ihr nur recht sein. Das bindet und grenzt ab. Auch zu Zeiten Helmut Kohls war die CDU nie so bieder, wie sie manchen Betrachtern erschien: das Familien- und Frauenministerium, das Umweltministerium, die Pflegeversicherung - all das wurde durchgesetzt.

Ist die CDU linker geworden?

Böse Zungen sagen, dass Merkel der SPD ständig Konzessionen mache und die CDU sogar die wichtigsten SPD Anliegen forciert habe. Merkle sei es lieber, links zu politisieren, als in einer Konfrontation zu scheitern. Die SPD sei den Bürgerlichen viel weniger entgegengekommen als es Merkel tue. Merkel mache alles um zu überleben, dies erkläre den unverständlichen Linkskurs.

Es gibt tatsächlich nur noch wenige konservative Elemente im Programm

Nur noch ein paar wenige konservative Einsprengsel im neuen Grundsatzprogramm sind noch auszumachen: Wie die Aufnahme des CSU-Modells vom Betreuungsgeld oder die Forderung nach einer privilegierten Partnerschaft statt der EU-Vollmitgliedschaft der Türkei. Es ist die emotionale Beigabe für Teile der Stammklientel, die mitgenommen werden sollen und müssen in die neue Zeit. Es ist der Preis, den Merkel und ihre Anhänger für die Investition in die Zukunft auf anderen Gebieten zahlen.

Kommentar: Möglicherweise ist dies Merkels Ueberlebensstrategie: Sie übernahm jene Themen, die einst den Grünen und der SPD vorbehalten schienen. Von der Leyens Vorschläge kommen aus der linken Küche. Es war ihre Politik, sie haben unter Rot-Grün den Anstoss dazu gegeben - jetzt segelt sie unter der Flagge der CDU.

Die neue CDU in Hannover bezeichnet sich erstaunlicherweise als "Die Mitte". In Anlehnung an Gerhard Schröder, der für sich - d.h. für die SPD die "neue Mitte" erfand und damit 1998 Erfolg hatte und dann 2002 - dank Irakkrieg und Oder-Hochwasser - noch einmal knapp für eine zweite Amtszeit gewählt wurde. Den beiden Grosskoalitionären macht heute Sorge, dass sie kaum noch voneinander unterscheidbar sind. Die CDU wird des Linksschwenks bezichtigt. Der Tagesanzeiger titelt die Positon Merkels wie folgt:

Angela Merkels Heimat im Sowohl-als-auch

und folgert: Immer lauter fragen sich die Deutschen, was ihre Bundeskanzlerin, Angela Merkel, eigentlich will.

Es wäre spannend zu sehen, was geschehen würde, wenn die CDU wieder eindeutiger zu ihren Grundwerten zurückkehrt. Aber dies ist wohl kaum denkbar.

Politologe Franz Walter bringt es auf den Punkt (Quelle SN vom 4. Dezember):

Die CDU ist eine Partei "mit viel Glück" und Angela Merkel eine Matriarchin auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Erfolgreich dank " sanfter Anpassung, geschmeidiger Problemverniedlichung" und der Verleugnung dessen, womit sie als Kanzlerkandidatin einmal angetreten war - nämlich mit dem Anspruch, das Land zu reformieren.

Montag, 3. Dezember 2007

"Kassensturz" Klage von Ringier TV und Presse TV?

Beitrag über Krebsgala sorgt für rote Köpfe.

Das Verlegerfernsehen PresseTV und das Verlagshaus Ringier erwägen, den "Kassensturz" wegen Konzessionsverletzung einzuklagen. Sie sind der Auffassung, dass ein am Dienstag ausgestrahlter Beitrag über die Krebsgala "einseitig und tendenziös" sei und den Produzenten der Spendenshow, Ringier TV sowie auch das Verlegerfernsehen PresseTV mit dem Vorwurf der Unredlichkeit diskreditiere.

In besagtem Bericht warf der "Kassensturz" RingierTV vor, mit der Sendung "Krebsgala" aus Spendengeldern der Krebsliga Profit zu schlagen ("persoenlich.com" berichtete darüber). PresseTV hält dagegen fest, dass die Kosten der Krebsgala im Rahmen der Zusammenarbeit gemeinsam durch RingierTV und der Krebsliga Schweiz getragen werden. "Ringier erzielt mit der Spendensendung keinen Gewinn" wird in einer Mitteilung betont. PresseTV und Ringier werfen dem Kassensturz überdies vor, bei den Recherchen zur Sendung sei der "Kassensturz" zum Teil sehr "selektiv" vorgegangen. Zumindest in einem prominenten Fall sei ein Betroffener gezielt aufgefordert, sich negativ zur Spendensendung zu äussern.

Die Frage lautet:

Hat der Kassensturz und damit das Schweizer Fernsehen seine Monopolstellung in eigener Sache missbraucht, um den unliebsamen Mitbewerber PresseTV auf dem Kanal Schweiz zwei zu verunglimpfen?

Eben diesen Verdacht hegen die Verantwortlichen von Presse TV. Der "Kassensturz" werfe PresseTV auf der einen Seite vor, die von der SRG empfangenen Entschädigung einzukassieren, verschweige aber auf der anderen Seite, dass siebenstellige Beträge für Produktionsaufträge an das Schweizer Fernsehen zurückfliessen würden.

Kommentar: Der Fall, den Persönlich.com thematisiert hatte, ist für uns ein Fall, der wahrscheinlich nicht einfach zu lösen ist. Interessen und Entschädigungen sind ineinander verzahnt.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Der Todesschütze von Höngg war militanter Punker und Anti WEF Aktivist

Seine Vorliebe: Killerspiele!

Die Frage, ob die Bluttat des 21-jährigen Wehrmanns am 23. November in Höngg bei ausreichendem Informationsfluss zwischen Justiz und Armee hätte verhindert werden können, beschäftigten heute mehrere Sonntagszeitungen. Dass die Vorstrafen des Täters bekannt gewesen waren, als er in die RS einrückte, ist gesichert.

VBS-Sprecher Sebastian Hueber konnte nicht bestätigen, dass die geahndete Sachbeschädigung des 21-jährigen einen gewalt-extremistischen Hintergrund gehabt habe. Dies wäre ein klarer Fall für den Ausschluss aus der Armee gewesen. Der Rekrut vor der RS mehrfach gewalttätig.

Laut Bericht der «SonntagsZeitung» hatte der Täter am 29. Januar 2006 bei WEF-Protesten in Zürich einen Molotow-Cocktail in die Eingangshalle der Exportförderungsorganisation Osec geworfen.

Weshalb werden Gewalttäter in der Armee im Schiessen ausgebildet?

Armeekreisen forderten zu Recht, bei der Information über die Strafregister bei der Einberufung volle Transparenz zu schaffen. Es darf nicht sein, dass das geltende Datenschutzgesetz, wichtige Informationen fehlen .

Eine verständliche Forderung: Strafregister vor der RS öffnen

Nach «NZZ am Sonntag» wird Brigadier Daniel Berger zitiert. Er würde es als nützlich erachten, wenn dem Kommandanten bei Dienstbeginn allfällige Vorstrafen seiner Leute systematisch mitgeteilt würden. Der Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), Michele Moor, schlägt sogar vor, den Strafregisterauszug jedes Rekruten zu überprüfen, bevor ihm die Armeewaffe abgegeben wird, wie er zu einem Bericht der Zeitung «Sonntag» bestätigte. Denn der Strafregisterauszug beim Erwerb einer Schusswaffe im Zivilen wird schon lange verlangt.

Der Täter liebte Killerspiele

Die Amokläufer von Tuusula in Finnland, von Erfurt in Deutschland und der Todesschütze vom Hönggerberg hatten alle etwas Gemeinsames: Sie alle spielten in der Freizeit obsessiv die gewaltverherrlichenden Videogames und Kriegsspiele auf dem Computer. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei beim 21-jährigen Höngger Todesschütze stapelweise Computerspiele - Killerspiele mit blutigem, menschenverachtendem Inhalt (Quelle 20 Minuten).

Der Todesschütze war nicht nur als gewalttätiger Punker bekannt. Ich zitiere heute.online:

«Er ist immer aus der Reihe getanzt», sagt X. L.* (19), der mit dem Täter von Höngg sechs Jahre lang die selbe Schule in Islisberg AG besucht hat.

Der Todesschütze Luis W.* (21) sei ein auffälliger Schüler mit einem losen Mundwerk gewesen: «Seine Lebenseinstellung war die Anarchie.» Schon seit der siebten Klasse habe er regelmässig gekifft und abends beim Fussballplatz Bier getrunken. Am anderen Morgen gabs dann jeweils Probleme mit den Lehrern: «Die waren gar nicht gut auf ihn zu sprechen. Er kannte halt keine Regeln

War auf der Strasse daheim

Unter seinem Verhalten litten auch die schulischen Leistungen. Luis W. hatte Mühe, im Unterricht nachzukommen und daher schlechte Noten. Sein Leben soll lange mehr oder weniger auf der Strasse stattgefunden haben. «Ausserdem hat er ein zwei- bis dreijähriges Kind, das er nicht versorgen konnte», sagt X. L. «Er kannte seine Freundin aus der Punk-Szene.» Ansonsten sei Luis W. immer ein Einzelgänger gewesen.

Er hatte immer ein Messer dabei

Der Täter hatte auch andere Waffen im Besitz, weiss X. L.. «Er trug meistens ein Messer auf sich.»

Ende Zitat.

Kommentar: Der Einfluss der Killerspiele kann Kinder abstumpfen und unter gewissen psychischen Konstellationen gravierende Folgen haben. Es ist ein altes Postulat, Killerprogramme zum Schutz labiler Kinder zu sperren. Dass in der Armee nur bei Offiziersanwärtern ein Leumundzeugnis angefordert werden kann, ist unverständlich. Wer mit Waffen umgehen lernt, müsste nachweisen, dass er keine Gewalttaten auf dem Kerbholz hat. Militante Gewalttäter aus der linken und rechten Szene haben in der Armee nichts zu suchen.

Nachtrag vom 4.12.07:

Experten haben das Wort

«Eltern in die Pflicht nehmen» Daniel Süss, Privatdozent für Publizistikwissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Zürich fordert eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Thema Computerspiele: «Ein Verbot bringt wenig, es führt nur zur Tabuisierung und macht extreme Spiele erst attraktiv. Vielmehr sollten die bereits bestehenden Gesetze konsequent angewendet werden.»

Daniel Süss will, das Erziehungsberechtigte mehr in die Pflicht genommen werden. «Spielen wird erst dann gefährlich, wenn Spielende schon in einem gewaltorientierten Umfeld leben», sagt er.

Roland Näf-Piera hingegen glaubt: «Die Wiederholung des Tötungsvorgangs als Erfolgserlebnis senkt die Hemmungen.»

Ob die Initiative (Verbot von Killergames) etwas verändert, ist noch nicht entschieden. Bei Vorstössen zum gleichen Thema wurde bisher auf die bestehende Gesetzgebung und die Pflicht der Kantone verwiesen, Verstössen nachzugehen.

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Aus einem Interview mit Daniel Suess* (Tagi online)

Spielt es eine Rolle, ob Jugendliche Brutalo-Filme schauen oder Brutalo-Computer-Games spielen?

In experimentellen Studien zeigt sich, dass bei Filmen oft Mitgefühl entsteht, bei den Computerspielen nicht. Dort wäre Empathie meist hinderlich, weil man selber als Akteur blitzschnell reagieren muss.

Es werden Forderungen laut, brutale Computerspiele zu verbieten. Finden Sie das richtig?

Das Strafgesetz sieht ein Verbot massiver Gewaltdarstellungen bereits vor, es braucht eigentlich kein zusätzliches Verbot. Das ist vor allem eine moralische Grundsatzerklärung. Die Umsetzung eines solchen Verbots ist aber gerade bei Computerspielen alles andere als trivial. So sind viele dieser Spiele online zugänglich. Da braucht es noch andere Aktivitäten.

Was schlagen Sie denn vor?

Eltern und Schule müssen sich stärker mit solchen Medien auseinander setzen. Sie brauchen aber dazu Hilfestellungen, zum Beispiel in Form von zuverlässigen Altersangaben oder Beratungsangeboten. Insofern zielt die Forderung nach einer unabhängigen Zertifizierung in die richtige Richtung. In ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gefordert sind aber auch die Anbieter von solchen Spielen.

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie Ihr Kind bei einem Killerspiel erwischen?

Ich frage das Kind, was ihm daran gefällt, und erkläre ihm, weshalb das mir nicht gefällt. Oft stellt sich heraus, dass das Spiel in der Klasse gerade angesagt ist. Ein striktes Verbot führt dann oft eher zu Trotz und Heimlichkeit als zur Einsicht.

Stimmt das Klischee, dass nur Buben auf Killerspiele stehen?

Der Konsum solcher Spiele ist tatsächlich in hohem Masse geschlechtsspezifisch. Mädchen mögen eher Rollenspiele oder Mystery- und Fantasy-Spiele.

* Daniel Süss ist Medienpsychologe und Professor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

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NACHTRAG VOM 9. DEZ.07

Sonderbares journalistisches Verständnis des Sonntagsblick

Wenn Journalisten (bewusst oder unbewusst) wichtige Fakten ausgeklammern, so ist dies nie professionell. Für uns ist dies sogar Manipulation.

Im Sonntagblick vom 9. Dezember wird nachträglich der Killer als netter Juge portraitiert, der stets exakt und zuverlässig gearbeitet habe. Es wird nur erwähnt, der Junge habe dreimal die Klasse und die Jobs laufend gewechselt. Nirgends habe er einen schlechten Eindruck hinterlassen!

Das mangelnde Durchstehvermögen und die Unstetigkeit wird nicht als negativ beurteilt. Gravierend ist der Umsatnd, dass der Sonntagsblick kein Wort schreibt von den Killerspielen, die der Todesschütze nutzte. Die Gewalttätigkeiten, die Vorstrafen, der Brandanschlag bei der Anti-WEF- demonstration des Täters werden alle verschwiegen. Durch diese journalistische Ausklammerungstaktik wird den Lesern ein Bild vermittelt, das die tatsächliche Situation entstellt.

Die Frage ist demnach berechtigt: Wurden die Taten eines linksgrünen militanten Anarchiesympatisanen im Sonntagblick bewusst ausgeklammert oder war es nur journalistisches Unvermögen?

Mittwoch, 28. November 2007

Martina Hingis laviert hin und her

Zuerst gab sie bekannt, sie werde am CSI Barcelona reiten. Die Medien berichteten darüber. Dann aber hatte sie sich anders besonnen:

Sie sagte ihre am Montag angekündigte Teilnahme am drittklassigen CSI Barcelona vom nächsten und übernächsten Wochenende plötzlich ab.

Wir dürfen Martina Hingis nicht unterstellen, dass der mutmassliche Kokskonsum mit beigetragen hat, dass sie so unstet geworden ist.

Es ist durchaus möglich, dass ihr der enorme Medienwirbel zu stark zugesetzt hat.

Dienstag, 27. November 2007

Die goldenen Regeln der Rhetorik

1. Wenn Du von Deiner Aussage nicht überzeugt bist, wirst Du nicht überzeugen können. Du kannst im Herzen des Gegenübers nur ein Feuer entzünden, wenn in Dir das Feuer der Begeisterung brennt.

2. Tritt frisch auf, machs Maul auf und hör bald ( Diese alt bewährte Erkenntnis gilt auch heute noch).

3. Nutze das Lampenfieber. Es gibt die notwendige Spannung. Wer keine Grundspannung mehr hat, wirkt lahm. Das Reden darf nie zur routinierten Pflichtübung verkommen.

4. Unterbinde keinenfalls die Gestik. Wer den Start zelebriert und locker beginnt, spricht automatisch mit den Händen. Laien wissen nicht, dass durch die Bewegung der Stress abgebaut wird.

5. Bereite den Anfang (Einstieg) und den Schluss gründlich vor. "Der Start ist die halbe Miete".

6. Rede frei. Der Stichwortzettel ist der rote Faden und der Rettungsanker.

7. Es ist ein Beweis hoher Bildung, wenn komplexe Zusammenhänge einfach erklärt werden können.

8. Visibiliät bei Kommunikationsprozessen will heissen: so reden dass man die Worte "sieht", dass bei Charts die Bilder stimmen. Worte die kein Bild auslösen, bewirken wenig.

9. Der erste Eindruck prägt. Es lohnt sich, das persönliche Erscheinungsbild zu pflegen.

10. Es ist ein Muss, sich vor jedem Auftritt über die Zuhörer ein Bild zu machen. Was interessiert sie? Welches Vorwissen bringen sie mit?

11. Die Zuhörer lassen sich lieber unterhalten als belehren. Die Gefühle der Zuhörer wollen auch angesprochen werden.

12. Bedenke. Was Du denkst, strahlst Du aus. Die Zuhörer merken es, wenn Du Theater spielst oder eine Person imitierst. Sei immer Du selbst!!!!!!

13. Während des Sprechens können wir alle rhetorischen Grundprinzipien vergessen. Denn: Eine Person, die sich für die Zuhörer interessiert und sich 100 prozentig in den Gedanke vertieft, macht automatisch alles richtig.

- Sie schaut das Gegenüber an

- Sie macht Pausen

- Sie erzählt ein konkretes Bespiel

- Sie stellt Fragen

- Sie verzichtet auf künstliche Effekte

- Die Körpersprache stimmt

- Die Zuhörer werden angesprochen

So gesehen wäre Rhetorik EINFACH. Weil jedoch das EINFACHE nicht immer so EINFACH ist, lohnt sich bestimmt ein kurzer Check im Simulator bei K+K. Denn: "Wissen" heisst noch nicht "Anwenden können". Das prozessorientierte Arbeiten lohnt sich.

Montag, 26. November 2007

Reinhard Bütikofer kann wieder aufatmen

Als Grünen-Chef Reinhard Bütikofer in Nürnberg bei den Grünen ans Rednerpult trat, wusste er genau: Es geht um sein politisches Überleben.

Die Hypothek: Im September beim Göttinger Sonderparteitag hatten die Delegierten gegen die Afghanistan-Politik der Parteispitze gestimmt. Bütikofer schien angeschlagen. Nach einer Umfrage trauten ihm nur noch 15 Prozent der Deutschen zu, die Öko-Partei aus der Krise zu führen.

In Nürnberg war zu erfahren: Bütikofer und seine Co-Vorsitzende Claudia Roth wollen zurücktreten, falls die 700 Delegierten der Sozialpolitik der Parteispitze die Zustimmung verweigern.

Wer den Auftritt des Grünen Chefs mitverfolgen konnte, stellte fest:

Mit verbissenem Gesicht und hochrotem Kopf warb Bütikofer für sein Modell einer sozialen Grundsicherung: Es sieht eine Anhebung des Arbeitslosengeldes II von 347 auf 420 Euro im Monat vor – und wird von nahezu allen grünen Spitzenpolitikern unterstützt. Dagegen fordern mächtige Landesverbände ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger in Höhe von 420 Euro.

Bütikofer flehte: „Lasst uns fair und respektvoll miteinander umgehen.“

Nach langer, fast fünfstündiger Debatte hoben die Delegierten in Nürnberg die Stimmkarte. 58,6 Prozent sind für den Antrag des Vorstands.

Auf dem Podium war hernach der Grünen-Chef mit regungslosem Gesicht zu sehen. Es dauerte knapp zehn Sekunden, dann liess Bütikofer Luft ab, begann zu lächeln. Der Kelch war an ihm vorbeigegangen.