Samstag, 3. November 2007

Wir gehen mit Iwan Rickenbachers Betrachtungsweise einig ___________________________________________

Wir haben folgenden Text in der NZZ gelesen und finden, diese Gedanken des Politbeobachters Rickenbacher sind lesenswert:

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Mit dem Doppelrücktritt der Präsidenten der SP und der SVP wird möglicherweise der Generationenewechsel fortgesetzt, den die CVP mit Doris Leuthard und Christophe Darbellay in der letzten Legislatur eingeleitet hat. Nicht zu deren Nachteil nota bene.

Im Kanton Zürich hat sich die 58-jährige Frau Diener als Kandidatin für den zweiten Wahlgang durchgesetzt, gegen die 35-jährige Sozialdemokratin Chantal Galladé. Ob dies gegen den fast gleichaltrigen Ueli Maurer in den Augen der eher etwas jüngeren Wählerschaft der SP und der Grünen reicht? Oder bleiben die, welche nicht direkt betroffen sind, zuhause?

In St. Gallen fordert der 33-jährige Toni Brunner die bisherigen und bedeuten älteren Erika Forster und Eugen David heraus. Auf wen setzen die besonders angesprochenen bürgerlichen Wählerinnen und Wähler?

Lokale Bündnisse sind brüchiger geworden, seit sich die Parteien landesweit konsequent und gegeneinander profilieren. Die Ausgangslage für die Nachwahl ist zwar geklärt. Das Ergebnis aber ist ziemlich offen.

AMH vermutet, dass Frau Genner eine Bundesratskandidatur ihrer Partei auch darum nicht forciert, weil ausserhalb der "Macht" besser Gewinne erzielt werden können. Richtig ist, dass eine Partei ausserhalb der Regierungsverantwortung weniger Kompromisse eingehen muss, härtere Forderungen aufstellen kann und darum mehr Profil zeigen kann.

Das Risko besteht darin, dass die Parteien, die an der Macht sind, nicht tatenlos zuschauen, wie die Grünen wachsen. Es braucht keine Hellseherei um vorauszusagen, dass ökologische Themen bei SP,CVP und FDP stärker gewichtet werden. Und dann können Wählerinnen und Wähler schon geneigt sein, Parteien zu wählen, die beides besetzen, die Themen und die Macht.

Vor einem Jahrzehnt hat zum Beispiel die Autopartei mit ihrem Thema in einzelnen Kantonen bis 20% Wähleranteile errrungen. Dann hat ihnen vorab die Regierungspartei SVP das Thema strittig gemacht und die Nichtregierungs-Autopartei war wieder am Anfang.

Cristiano hat richtigerweise festgestellt, dass die Revolution von 1918, die ihre Kinder später frass, nicht eingetreten ist und dass sich die Geschichte nicht so wiederholt. Aber ist Politik viel gescheiter geworden?

Am Wahlabend, in der zweiten Elefantenrunde, stellte Bruno Frick CVP mit sichtlicher Freude fest, dass er nach dem Ergebnis der Wahl nun auf gleicher Augenhöhe mit Fulvio Pelli und seiner FDP argumentiere. Da war deutlich zu spüren, wie die historische Konkurrenz die zwischen den "Radikalen", und den "Konservativen" seit 1848 herrscht,immer noch lebt. Von einer Fusion der beiden Parteien zu reden, wäre immer noch unrealistisch.

Aber auf ihre gemeinsamen Kräfte besinnen dürften sie sich klugerweise schon. Im Ständerat werden die beiden Fraktionen um die 30 von 46 Sitzen verfügen. Da könnte man schon ein Bollwerk gegen allzu deutliche SVP oder SP Positionen im Nationalrat aufbauen, wenn man sich in wichtigen Fragen einigen würde. Würde, denn beide sind auch in der Lage und gelegentlich versucht, mit der SP zusammen und gegeneinander im Ständerat eine Mehrheit zu schaffen.

Übrigens, ähnliche Animositäten wie zwischen CVP und FDP herrschen auch zwischen SP und Grünen, die sich offensichtlich schwer tun, in Zürich für die Nachwahl im Ständerat eine gemeinsame Linie zu finden. Die SVP wird es freuen.

Die Schweiz rühmt sich ihrer Differenzen, nicht selten auf Kosten von Einfluss. Kein gutes Rezept für die, welche in Rücklage sind.

Nachbeben

Eine Revolution fand zwar nicht statt am 21. Oktober, aber ein politisches Beben war es schon, verbunden mit etlichen Nachbeben:

- Ueli Maurer spekuliert über eine grosse Rochade im Bundesrat.

- Christoph Mörgeli will den dreifachen Rücktritt von Moritz Leuenberger, Samuel Schmid und Pascal Couchepin

- Mörgeli spekuliert über den Rücktritt von Ueli Maurer als Parteipräsident und nennt den Berner Adrian Amstutz als möglichen Nachfolger.

- Otto Ineichen und Filippo Leutenegger verlangen den Rücktritt von Pascal Couchepin.

- Über die Nachfolge von Parteipräsident Hans-Jürg Fehr wird spekuliert. Als Nachfolger werden Roger Neumann und Christian Levrat genannt.

- Der Auns Präsident Pirmin Schwander stellte seiner SVP im Kanton Schwyz die Vertrauensfrage und alle Kritiker schweigen.

Zu spekulieren wäre noch über die Nachfolge von Fulvio Pelli und Hans Rudolf Merz und wenn schon, warum nicht auch über die CVP-Führung, im Sinne des totalen Umbaus der classe politique.

Sicher scheint nur: Christoph Blocher wird wieder gewählt. Er meint ja auch nicht sich selbst, wenn er gelegentlich die classe politique kritisiert.

Im «kleinen Machiavelli» von Peter Noll und Hans Rudolf Bachmann (pendo 1991) ist folgende Regel zu lesen:

«Seine Position so ausbauen, dass man möglichst kampflos die potentiellen Gegner überrundet. Jeder Kampf ist eine mögliche Niederlage. Er soll nur gewagt werden, wenn er von weit überlegener Position her geführt werden kann.»

Fast 30% Wähleranteil und um die 70 Mandate der SVP in der Vereinigten Bundesversammlung sind zwar respektabel, aber keine überlegene Position. Für die Wiederwahl als Bundesrat braucht Christoph Blocher am 12. Dezember rund 120 Stimmen. Da wäre es unklug, die möglichen Unterstützer vorgängig zu verärgern, die Konkordanz in Frage zu stellen oder allzu offensichtlich das eine oder andere Departement zu fordern. «Bösartige Unterstellungen» seien solche Vermutungen, meint Ueli Maurer und zeigt sich als Sieger besonnen, ja fast schon versöhnlich (andere SVP-Exponenten wie Fraktionschef Caspar Baader oder Christoph Mörgeli geben sich in diesen Fragen weniger moderat). Ende Mai dieses Jahres war in der Sonntagspresse zu lesen, dass Bundesrat Blocher am liebsten das EDI übernehmen würde – dies wird heute eher beiläufig erwähnt.

Noch ist die Position nicht ausgebaut. Da ist es klüger, listig zu sein. Die Chinesen, mit General Sun Tzu Wegbereiter strategischen Denkens, verwenden nicht zufällig dasselbe Schriftzeichen sowohl für «List» als auch für «Weisheit». Dies ist nicht der letzte Akt.

Nun nach dem Sieg der SVP dürfte die Blocher-Statue im Regal unbeschadet bleiben, wenn am 12. Dezember die Vereinigte Bundesversammlung den Bundesrat wählt. Mit Haarrissen gehen allerdings andere Figuren in die Auktion. Die Stosszähne des Leitbullen streiften gestern trotz grosser Selbstkontrolle die drei älteren Exponate Leuenberger, Couchepin und Schmid. Sie sollten einer neuen Serie weichen, war zu vernehmen, oder wenigstens andere Aufgaben erfüllen (war noch nicht zu vernehmen).

Ob es noch richtig scheppern wird in den nächsten Wochen, werden wir scharf beobachten. Die Elefanten sind nämlich noch mitten drin im fragilen Bundesratsgeschäft und sie haben jetzt nach der Wahl vorerst keinen Dompteur.

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Wir haben diese klugen Ueberlegungen bewusst ungekürzt zitiert.

Freitag, 2. November 2007

Schweizer Fernsehen angeklagt

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen das Schweizer Fernsehen (SF) erhoben. Grund sind versteckt gefilmte Aufnahmen in der Praxis eines Zürcher Schönheitschirurgen, die in der Sendung «Kassensturz» ausgestrahlt wurden.

Die Bilder hätten laut der UBI nicht gezeigt werden dürfen.

Zur Anklage gebracht werden sollen vier SF-Mitarbeiter, darunter Chefredaktor Ueli Haldimann, wie der zuständige Staatsanwalt Lukas Wehrli einen Bericht des Medien-Online-Portals «persoenlich.com» bestätigte.

Beim Schweizer Fernsehen wollte niemand zur Anklage Stellung nehmen. «Laufende Verfahren kommentieren wir nicht», sagte Mediensprecher Urs Durrer auf Anfrage.

Versteckte Kamera

Die beiden fraglichen Beiträge waren im Dezember 2006 und Februar 2007 auf SF1 ausgestrahlt worden. Darin waren mit versteckter Kamera gefilmte Aufnahmen aus der Praxis eines Zürcher Schönheitschirurgen zu sehen. Der Chirurg untersuchte in dem Filmbeitrag die Brüste einer jungen Frau, die der Kassensturz als «Lockvogel» eingesetzt hatte.

Das Konsumentenmagazin zog damals den Schluss, dass der Arzt die Brüste der Frau unnötig oft betastet hatte. Daraufhin erstattete der Schönheitschirurg Anzeige.

Laut Wehrli geht es bei der beim Zürcher Bezirksgericht hängigen Anklage um die Frage, ob das Filmen mit versteckter Kamera in diesem Fall zulässig war oder nicht.

UBI verneint auch Rechtmässigkeit

Bereits verneint hat dies die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI). Aufgrund einer Beschwerde kam sie Ende August zum Schluss, dass die Bilder den Zuschauern nicht hätten gezeigt werden dürfen.

Kommentar: Uns interessiert das Urteil. Es geht um den Schutz der Persönlichkeitsrechte und die Frage, wie weit Medien gehen dürfen.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Wadenbeisser Christoph Mörgeli kann es nicht lassen

Bei Hans-Jürg Fehr war erstaunlich, wie seine Wahrnehmungsfähigkeit durch die Wahlschlappe in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bei Christoph Mörgeli ist es möglicherweise der Wahlerfolg, der bei ihm auch zu einem Realitätsverlust geführt hat. Nun beginnt er als Wadenbeisser die eigene Partei zu beissen.

In 20 Minuten lesen wir:

Ginge es nach SVP-Chefideologe Christoph Mörgeli, würde Samuel Schmid seinen Bundesratssitz zugunsten eines stramm auf Zürcher Kurs politisierenden SVP-Mannes räumen.

«Dieser Druck stösst ins Leere», ist der Berner SVP- Kantonalparteipräsident und Nationalrat Rudolf Joder überzeugt. Schmid kandidiere am 12. Dezember für eine weitere Amtszeit und werde voraussichtlich mit einem sehr guten Resultat wiedergewählt, sagte Joder in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung «Der Bund».

Laut Joder ist es vor allem der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, der Schmids Abgang fordere. «Wir lassen uns in keiner Art und Weise von Mörgeli vorschreiben, wie die SVP des Kantons Bern bei den Bundesratswahlen vorzugehen hat», kontert Joder.

Auch Amstutz kritisiert Mörgeli

Schützenhilfe erhält Joder ausgerechnet vom neuen SVP-Shootingstar Adrian Amstutz, von einem also, dem grosse Linientreue zur Mutterpartei nachgesagt wird. Er sehe überhaupt keinen Anlass, so gegen Schmid zu schiessen, betonte der Berner Oberländer in einem Interview im «Tages-Anzeiger» vom Dienstag.

Mörgelis Vergleich, Schmid sei ein Kuckuck, der allzu oft ins eigene Nest gemacht habe, findet Amstutz deplaziert: «Eine blöde Aussage, die ich nicht teile». Mörgelis Vorpreschen halte er für unnötig.

Kommentar:

Hochmut kommt vor dem Fall, heisst es. Wenn das Gebahren Mörgelis nicht nur für den Hochmut zutrifft - sondern auch für den Uebermut gilt, dann müsste der Chefideologe der SVP bald das Feld räumen. Dass Mörgeli mit seinen unrealistischen Provokationen der Partei enorm schadet, müsste er eigentlich nachträglich einsehen. Es könnte sein, dass ihm der Erfolg dermassen in den Kopf gestiegen ist, dass dadurch seine Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigt wurde.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Was Prominente von Evelyn Hamann lernen können

Schauspielerin Evelyn Hamann ist tot. Sie starb im 66. Altersjahr nach längerer Krankheit. Sie war nicht nur als Partnerin von Loriot bekannt, sondern auch von den TV-Serien "Adelheid und ihre Mörder" und als glaubwürdige Künstlerin. Die komödiantisch veranlagte Schauspielerin wurde unter anderem 1997 mit dem Bayrischen Fernsehpreis und dem Telestar ausgezeichnet. Was viele nicht wussten: Sie liebte die Details. Jeder Auftritt wurde minutiös vorbereitet.

Für mich war Hamann vorbildlich im Umgang mit Medien - hinsichtlich Abgrenzung des Privatbereich. Privat gab sie den Journalisten nichts von sich preis. Viele Promis meinen, sie wären den Klatschmedien verpflichtet, die Türen zum Schlafzimmer zu öffnen.

Die vorbildiche Zurückhaltung beim Privatem ist leider selten. Obwohl wir im Mediensimulator immer wieder darauf hinweisen, dass ein Sportler, eine Politikerin, ein Künstler auf Homstorys verzichten sollte ( weil man in Krisensituationen nicht mehr plötzlich zurückkrebsen kann). Trotzdem erleben wir es immer wieder, dass die Promis später dem Drängen der Journalisten doch noch nachgeben - im Glauben, man müsse doch ..... Chapeau Evelyn Hamann! Sie sind für mich ein Vorbild. Sie veranschaulichten, wie man es machen kann im Umgang mit den Medien. Wer im privaten Bereich bei allen Medien konsequent NEIN sagt, fährt langfristig besser und muss darunter nicht leiden. Das habe ich auch bei Tagesschausprecher Franz Fischlin und 10 vor 10 Moderatorin Susanne Wille gesehen. Sie reden in der Oeffentlichkeit ohne weiteres über den Job und über sich, wenn es um Sachfragen geht. Bei der Privatheit hingegen - bei den eigenen Kindern beispielsweise - hatten sie bis anhin eine klare Trennungslinie gezogen.

Montag, 29. Oktober 2007

MODERNES RAUBRITTERTUM

Zitat 20 Minuten:

Jugendgewalt: Vier gegen einen

Ein 17-Jähriger ist beim Bahnhof Rotkreuz (ZG) von anderen Jugendlichen brutal überfallen und spitalreif geschlagen worden. Die vier 15- bis 16-jährigen Täter konnten festgenommen werden. Sie sind geständig.

Interaktiv-Box
Der 17-Jährige war in der Nacht auf vergangenen Samstag mit dem Zug aus Zürich in Rotkreuz angekommen. Als er in einen Bus steigen wollte, näherte sich eine Gruppe mehrerer Jugendlicher und verwickelte ihn in ein Gespräch. Plötzlich verlangten sie sein Portemonnaie und schlugen unvermittelt auf das Opfer ein, das durch Schläge auf den Oberkörper und ins Gesicht verletzt wurde. Der 17-Jährige wurde ins Spital gebracht, das er am Sonntag wieder verlassen konnte. Die Polizei leitete eine Fahndung ein und konnte kurz darauf vier Tatverdächtige - zwei Kroaten, einen Bosnier und einen Schweizer - festnehmen. Das gestohlene Portemonnaie wurde sichergestellt. Die vier Verdächtigen gestanden laut Polizei den Raubüberfall. Gegen sie wurde ein Strafverfahren eröffnet.

Kommentar:

Die Bevölkerung ist bestimmt nicht gewillt, sich an solche Szenen zu gewöhnen. Wenn wir es nicht fertig bringen, dem modernen Raubrittertum von Jugendlichen Einhalt zu gebieten, müssen wir uns nicht wundern, wenn die SVP in kommenden Wahlen noch mehr zulegt. Früher wurde es veschwiegen, wenn Kinder aus dem Balkan gewalttätig waren. Man wollte nicht fremdenfeindlich sein. Jetzt zeigt sich jedoch, dass man gegen Jugendliche vorgehen muss, die glauben, andere zu erpressen zu können. Jugendgewalt ist ein Zeitproblem, das nicht ausgeblendet werden darf. Die Opfer sind genauso ernst zu nehmen wie die Täter, bei denen bisher vor allem versucht worden war, sie mit grossem Aufwand zu integrieren. Bei solchen Gewlataten ist Nachsicht der falsche Weg.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Schade - Hans-Jürg Fehr!

Seit Jahren schätzte ich den Schaffhauser Politiker und SP Parteipräsidenten immer als intellektuellen Dialektiker und messerscharf und analytisch denkenden Rhetoriker. Dass er jedoch gestern nach seinem Rücktritt Fakten und Sachverhalte schönredet und dazu auch noch verfälscht, war völlig neu und kann höchstens damit begründet werden, dass ihn die Wahlschlappe dermassen getroffen haben muss und er einem klassischen Verdrängungsmechanismus zum Opfer fiel dass sogar sein Erinnerungsvermögen beeinträchtigt wurde. Ich hörte in Fehrs Stimme, dass ihm die Sorgen auch auf die Stimmung gedrückt haben muss. Die Stimme tönte jedenfalls so gedämpft, gleichsam "beschlagen" wie noch nie. In der gestrigen Samstagsrundschau (DRS 1) wehrte sich Fehr vehement, als Journalist Wülser auf die BLOCHERFALLE zu sprechen kam. Für Fehr hat sich die SP nie auf Blocher eingeschossen! Mit der Blocherfalle habe er und die SP nichts am Hut.

Wie bitte - Hans-Jürg Fehr?

Fehr stritt ab, je in die Blocherfalle getappt zu sein, obwohl er seit Jahren und Monaten in unzähligen Interviews und ARENAauftritten, Blocher als unmöglichen Bundesrat geschildert hatte. Er sprach laufend von und über Blocher, der im Bundesrat untragbar geworden sei. Ein vernünftiges Politisieren mit Blocher werde es nie geben. Blocher haben wir nie gewählt und werden ihn auch nicht mehr wählen! Blocher dürfe nicht mehr unterstützt werden. Wer Blocher in den Bundesrat gewählt hatte, wurde sogar in Gesprächstunden offen gebrandmarkt (CPV). Fehr hat es ständig verstanden, Blochers Mängelliste und alle Unzulänglichkeiten - die er aus seinem geistigen Schwarzbuch gesammelt hatte - zu wiederholten und herunterzubeten. Grundtenor: Blocher ist nicht wählbar!!! Dann schoss sich die SP recht wochenlang und intensiv auf das Schäfchenplakat ein , vor allem gegen die SVP Werbung , anstatt eine SP Kernbotschaft zu verkaufen. Dafür wurde ungegeheuer viel Zeit und Energie aufgewendet . Die Plakate wären fremdenfeindlich und rassistisch. Sogar die SP Bundespräsidentin griff die SVP Kampage als fremdenfeindliche Werbung verschiedentlich öffentlich an. Niemand könnte nachträglich sagen: Dies alles sei nicht wahr. Die SP tappte zweifelsfrei in die Blocherfalle.

Was hörte ich jedoch gestern am Radio?

Von einer Blocherfalle könne keine Rede sein, sagte der wundenleckende Parteipräsident und behauptet erstaunlicherweise:

Wir haben nie - das heisst nur einmal - gesagt, wir würden Blocher nicht wählen!!!!!!!!!!!

Ich kann es heute nur dem psychischen Tief zuschreiben, dass wir einen Parteipräsidenten erlebten , dem das Gedächtnis nach dem Rücktritt einen Streich gespielt hat und seine offensichtliche Fixierung auf sein Feinbild Blocher plötzlich nicht mehr wahr haben will.

Als sich Blocher auch einmal nicht mehr an eine Aussage erinnern wollte, wurde dies von der SP in aller Breite ausgeschlachtet und in Fehrs geistigem Schwarzbuch sofort fixiert, damit er auch diese Panne bei jeder Gelegenheit ebenfalls erwähnen konnte. Wenn Fehr seine Antiblochervoten heute derart plump ausblendet, so dürfen wir dieses sonderbare Verhalten nicht einfach so sang- und klanglos unter den Teppich kehren.

Hans-Jürg Fehr hätte selbstkritisch eingestehen können, dass er unbedachterweise in die Blocherfalle getappt ist. Sein Abstreiten, d.h. mit seiner Behauptung, sich nicht auf Blocher fixiert zu haben, büsste er gewiss in breiten Kreisen an Glaubwürdigkeit ein. Der sonst so intelligente Schaffhauser Politiker enttäuschte mich gestern jedenfalls so - wie noch nie - Schade!

Gibt ebenfalls zu denken (NACHTRAG):

Auch Ursula Wyss vom Virus der Gedächtnislücke befallen?

In der letzten Arena behauptete Ursula Wyss, Vizepräsidentin der SP - in Anlehnung an einen ähnlichen lautenden Blick Titel - Ueli Maurer habe in der Elefantenrunde erklärt, er wolle den eigenen SVP Bundesrat Schmid ersetzen.

Entweder hat Ursula Wyss die Sendung nicht gehört, oder sie gibt etwas nur vom Hörensagen weiter, vielleicht ist sie - wie Fehr - vom SP Virus befallen und verdrängt Fakten. Man überhört bei Niederlagen wichtige Worte. Ich gehe bei Ursula Wyss auch nicht davon aus, dass ihre verdrehte Aussage auf einer Böswilligkeit basiert und sie absichtlich Maurer etwas unterstellte.

Fakt ist jedenfalls, dass Ueli Maurer nur die Idee Pellis schilderte und diese Idee als diskussionswürdig in die Runde warf. Die Idee, dass man drei älteren Bundesräte ersetzen könnte sei prüfenswert. Falls man diese Idee ernst nehme, wäre auch die SVP bereit, über den Ersatz ihres Bundesrates zu reden.

Wer die Sendung nochmals im Archiv überprüft, wird eindeutig feststellen, dass Ursula Wyss Maurers Aussage (in der Elefantenrunde) bei ihrem Auftritt in der ARENA falsch wiedergab.

Auch diese Gedächtnislücke der SP Vizepräsidentin können wir psychologisch begründen. Wyss reagierte mit einer klassischen Schuldzuweisung - wie es viele Leute oft tun - nach einem Unfall, einem Schock oder einer grosse Niederlage erlebt haben.

Das Verhalten der jungen Politikerin ist somit verständlich. Doch wir können und dürfen eine derartig gravierende Falschaussage nicht stehen lassen.

Samstag, 27. Oktober 2007

Quelle Tagesanzeiger online :

Jean Ziegler: Biokraftstoffe NEIN-DANKE!

Jean Ziegler fordert ein fünfjähriges Moratorium für die Produktion von Biokraftstoffen. Zuerst müssten alle Hungernden ausreichend ernährt werden.

Durch die Verwendung von Pflanzen wie Getreide und Zucker für die Herstellung von Biodiesel würden Grundnahrungsmittel teurer und mehr Menschen müssten hungern, erklärte der Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, am Sitz der Vereinten Nationen in New York. «Die Umwandlung von fruchtbarem Ackerland zur Herstellung von Biokraftstoffen ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit».

Die Agrarproduktion müsse dafür eingesetzt werden, den Hunger einzudämmen, forderte Ziegler. Damit stellt er sich unter anderem gegen US-Präsident George W. Bush, der sich für eine verstärkte Nutzung von Biotreibstoffen einsetzt. Auch die Bundesregierung will den Anteil des Biodiesels in den kommenden Jahren erhöhen.

«Sie haben nicht das Recht, selbst wenn sie den Klimawandel bekämpfen, dieses völlige (Hunger-)Massaker fortzusetzen», sagte Ziegler zu solchen Plänen. Als Beispiel schilderte Ziegler, dass es 232 Kilogramm Mais bräuchte, um 50 Liter Ethanol zu produzieren. Damit könne ein Kind in Mexiko oder Sambia ein ganzes Jahr ernährt werden.

Kommentar: Ziegler nahm nie ein Blatt vor den Mund. Im Interesse der hungernden Bevölkerung schont er auch nicht die angeblich grünen Bemühungen mit der Förderung des Bio-Treibstoffes. Ob die Stimme Zieglers ernst genommen wird?